Worst Case im Beruf: Erste Hilfe bei großen Problemen im Job

Die harte Kritik des Chefs, das katastrophale Meeting … im Berufsalltag gibt es immer wieder Situationen, die stark belasten. Die einen werden wütend, den anderen treibt es die Tränen in die Augen. Doch es gibt Sofortmaßnahmen, die wie die Medikamente aus dem Notfallkit helfen, eine akute Problemlage gut zu überstehen.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was Ihnen bei emotionalen Ausnahmenzuständen im Beruf hilft.
  • Was Sie für sich selbst tun können.
  • Wie Sie sich auf problematische Situationen vorbereiten sollten.
  • Linkempfehlungen.

Diese Maßnahmen helfen bei emotionalen Krisen im Arbeitsalltag

„Es ist wichtig, die inneren Signale wahrzunehmen, die eine Notsituation anzeigen“, erklärt Coach Dr. Monika Klinkhammer aus Berlin. Das kann ein rasender Puls, eine schnelle Atmung, aber auch aufsteigende Wut sein. „Während der ersten Sekunden haben wir Menschen allerdings wenig Einfluss auf unser Verhalten. Danach können wir bewusster handeln.“ Doch selbst dann fällt es vielen schwer, adäquat zu reagieren.

Tiefes Durchatmen senkt die Erregung

„Berufstätige wissen oft nicht, was sie bei Angriffen tun sollen. Ihr Gehirn ist regelrecht blockiert“, berichtet Hannelore Fritz, Business-Coach aus Frankfurt am Main. „In so einem Moment hilft es, tief durchzuatmen. Das kann jeder im Alltag üben, indem er in harmloseren Stresssituationen bewusst atmet.“ Wichtig ist, dass der Puls runtergeht. „Das geschieht zum Beispiel, wenn man von zehn bis eins runterzählt.“ Ein paar Züge aus einem Wasserglas senken ebenfalls das Erregungsniveau. Klinkhammer empfiehlt, sich für einen kurzen Moment aus der Situation „herauszuziehen“. „Statt gleich zu reagieren, kann man eins, zwei Minuten verstreichen lassen.“

Die Berliner Karriereberaterin Martina Bandoly rät: „Solange Ihr Kontrahent Sie nicht tätlich angreift, sollten Sie freundlich und interessiert blicken und zuhören. Denken Sie aber nicht ‚dieser Schwachkopf‘, denn das vermittelt sich nonverbal.“ Das schweigende Zuhören hat einen entscheidenden Vorteil: Der Angreifer lässt Dampf ab und die Wut kann verrauchen.

Raus aus der Hilflosigkeit

Finden Sie heraus, was gerade passiert, rät Hannelore Fritz. Denn Betroffene sind oft so konsterniert, dass ihnen das gar nicht klar ist. In einem zweiten Schritt geht es dann darum, aus der Hilflosigkeit herauszukommen. Das ist mit unterschiedlichen Strategien möglich.: „Benutzen Sie die bekannten W-Fragen und haken Sie nach, indem Sie etwa fragen, worum es sich genau handelt.“

Auch andere Fragestellungen versachlichen die Diskussion. Bandoly: „Nach einer Zurechtweisung kann der Mitarbeiter seinem Chef zum Beispiel entgegnen: ’Was erwarten Sie jetzt von mir? Was kann ich für Sie tun?‘“

Konstruktiver Umgang mit Kritik

Hilfreich ist es, Vorwürfe durch bestimmte Phrasen an sich abprallen zu lassen. „Ein Betroffener könnte die Bemerkungen seines Gegenübers mit ’genau‘ kommentieren und so scheinbar nachgeben“, erklärt Klinkhammer, jedoch im Nachsatz das Thema in eine andere Richtung lenken . Sie empfiehlt zudem, sich für das Feedback zu bedanken und die Bereitschaft zu zeigen, sich konstruktiv mit dem Feedback auseinanderzusetzen. „Damit nehmen Sie dem Angriff die Schärfe!“

Eine weitere Möglichkeit, einer schwierigen Situation zu entkommen, besteht in der räumlichen Distanzierung. Fritz: „Gibt es einen Eklat, kann man zum Beispiel zwei oder drei Schritte zurückweichen. Steht der Angreifer, sollte der Angegriffene unbedingt auch aufstehen, damit er sich auf Augenhöhe befindet.“ Den Raum kurz zu verlassen, ist ebenfalls eine Option. „Um eine Eskalation zu vermeiden, kann es hilfreich sein, ein Gespräch abzubrechen und zu einem anderen Zeitpunkt fortzuführen.“

Abstand gewinnen

Der Betroffene kann außerdem mental Abstand gewinnen, indem er sich auf etwas Positives fokussiert … etwa das Foto auf dem eigenen Schreibtisch oder ein Bild, das man vor dem inneren Auge entstehen lässt.

Auch Klinkhammer rät zur Visualisierung: „Stellen Sie sich vor, dass Sie mit einer Ritterrüstung bekleidet oder von einer unsichtbaren Schutzschicht umgeben sind.“ Wer so denkt, fühlt sich gleich sicherer.

Außerdem können Berufstätige ihren Verstand davon überzeugen, dass die problematische Situation weniger bedrohlich ist als sie im Moment erscheint. Fritz: „Fragen Sie sich etwa, inwieweit diese Stresssituation ihr Leben in ein paar Monaten noch beeinflussen wird.“ Vielleicht erkennt der Betroffene so, dass sich die Aufregung gar nicht lohnt.

„Erste-Hilfe-Maßnahmen“ trainieren

Eventuell will ein ausfälliger Chef gar nichts Böses, sondern ist selbst nur gestresst, gibt Bandoly zu bedenken.„Oft wissen Mitarbeiter außerdem schon vorher, welche Gespräche schwierig sein könnten. Dann macht es Sinn, die Situation zu antizipieren und eine Strategie zu entwickeln.“ Mit dem Notfall-Kit für schwierige Lagen im Beruf verhält es sich also genauso wie mit dem Erste-Hilfe-Kasten: Er muss schon vorher bestückt sein!

Stresssituationen lassen sich außerdem im Vorfeld trainieren. Beispiel: „Statt sich sofort lauthals über die Unordnung im Kinderzimmer aufzuregen, sollten Sie bewusst durchatmen und dann versuchen, entspannt zu reagieren“, so Bandoly. Das übt, auch im Job die Contenance zu wahren.

Um sich auf Aggressionen gut vorzubereiten, rät Klinkhammer sogar zu Selbstverteidigungskursen: „Wer daran teilnimmt, der strahlt Stärke aus. So kann man sich potenzielle Angreifer vom Leib halten.“

Im Vorfeld zur Ruhe kommen

Unmittelbar vor einem schwierigen Gespräch ist es wichtig, zur Ruhe zu kommen und sich zu entspannen: „Öffnen Sie zum Beispiel für einen kurzen Moment das Fenster und machen Sie eine kleine Atemübung“, rät Bandoly.

Problembehaftete Situationen sollten Berufstätige nachbereiten, indem sie diese im Nachgang analysieren. Bandoly: „Fragen Sie sich, was Sie gut gemacht haben und wie Sie künftig reagieren wollen.“ Diese Erkenntnisse helfen bei der Vorbereitung des nächsten Konfliktgesprächs.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ nutzen Sie bei emotionalen Krisen im Job?
  • Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2018)

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Aus von DaWanda: Welche Alternativen sich jetzt DIY-Händlern bieten

Ein Paukenschlag für alle, die ein Do-it-yourself-Business in Deutschland betreiben: Der Online-Marktplatz DaWanda schließt am 30. August 2018. Doch wie geht es nun für die VerkäuferInnen weiter? Was können sie jetzt tun? Tanja Lenke, Unternehmensberaterin und Gründerin von she-preneur – einer Community für selbstständige Frauen – gibt Tipps.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie es für das DIY-Business nach dem Aus von DaWanda weitergehen kann.
  • Welche Alternativen es zu DaWanda gibt.
  • Was Verkäuferinnen und Verkäufer jetzt bedenken sollten.
  • Linkempfehlungen.

DaWanda-Ende: Wie Sie im DIY-Business weiter Geld verdienen

DaWanda, die deutsche Handelsplattform für Selbstgemachtes, stellt überraschend seinen Betrieb ein. Inwieweit ist diese Schließung des Internetportals auch für Deine Kundinnen ein Thema?

Einige meiner Kundinnen hat die Schließung von DaWanda getroffen. Sie nutzen die Plattform, um ihre handgemachten Produkte anzubieten.

Weitermachen nach dem ersten Schock

Wie gehen Deine Kundinnen mit der Nachricht um?

Sie waren schockiert, einige haben darüber nachgedacht, alles hinzuschmeißen, sich dann aber besonnen, weiterzumachen. Die eine oder andere ist bereits auf anderen Plattformen unterwegs – zum Beispiel bei Etsy oder Amazon Handmade. Manche haben einen eigenen Shop gestartet, der im Aufbau ist oder sich bereits in der Wachstumsphase befindet. Nach dem ersten Schock sehen sie das Ende von DaWanda als neue Herausforderung, als einen Schritt in Richtung Professionalisierung und Unabhängigkeit.

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Der eigene Shop

Was empfiehlst Du allen, die bisher auf DaWanda ihre Produkte verkauften? Welche alternativen Vertriebswege gibt es?

Sich von einem Anbieter abhängig zu machen, kann fatal sein. Wie in anderen Bereichen ist es auch in diesem Fall wichtig, zu diversifizieren. So ein Neustart ist gleichzeitig eine Chance, sich Präsenzen auf weiteren Plattformen aufzubauen und dort zu etablieren. Wer sein DIY-Business nicht nur als ein Hobby sieht, dem empfehle ich, einen Shop auf der eigenen Website einzurichten. Da gibt es mittlerweile viele Möglichkeiten, die leicht umsetzbar und kostengünstig sind.

Social-Media-Strategie und Kooperationen

Ein Problem bei der eigenen Website ist oft die fehlende Sichtbarkeit im Netz. Zu welcher Strategie rätst Du in diesem Fall?

Die eigene Reichweite aufzubauen und die Bekanntheit zu steigern, das wird von vielen als Herausforderung gesehen. Das geht vielen Selbstständige so, nicht nur im DIY-Business. Auf anderen Online-Marktplätzen halten sich meist viele Anbieter auf, die ähnliche Produkte verkaufen. Der Wettbewerb ist also groß. Gerade hochpreisige Produkte haben es schwer, genauso wie neue Internetplattformen, die noch keinen Namen haben. In jedem Fall ist es notwendig, die Sichtbarkeit zu erhöhen. Tolle Strategien für den Aufbau von Reichweite sind zum Beispiel Kooperationen in Zusammenhang mit Social Media-Kanälen. Aber auch eine passende Social Media-Strategie allein kann sehr gut funktionieren.

E-Mail-Marketing: Der direkte Zugang zum Kunden

Viele setzen nicht nur beim Verkauf von Produkten, sondern auch beim Marketing auf Plattformen Dritter wie zum Beispiel auf Social Media-Kanäle. Wie risikoreich ist dieser Weg?

Auch hier besteht ein gewisses Risiko. Wer sich zum Beispiel nicht an die Werberichtlinien des jeweiligen Anbieters hält, läuft Gefahr, dass sein Konto deaktiviert wird. Außerdem können Plattformen vom Markt verschwinden. Auch hier rate ich immer zu einer Kombination aus Social Media-Kanal und E-Mail-Marketing. Im E-Mail-Marketing gehören die Kontakte mir. Jeder dieser Kontakte ist sehr wertvoll, da ich per E-Mail direkt mit ihm kommunizieren kann. Außerdem haben diese Kunden eingewilligt, dass ich ihnen Informationen schicken darf. Wenn ich hochwertige E-Mails schreibe, dann kann ich so sehr gute Beziehungen mit meinen Lesern aufbauen und darüber hinaus meine Social Media-Kanäle bespielen. Wenn ich so vorgehe, bin ich unabhängig.

Sich mit anderen Betroffenen austauschen

Bricht ein Vertriebskanal weg, ist das für viele VerkäuferInnen eine schwierige oder sogar bedrohliche Situation. Umso wichtiger ist es, dass sie einen kühlen Kopf bewahren. Hast Du ein paar Tipps, wie dies Betroffenen gelingt?

Auf jeden Fall Ruhe bewahren und überlegen, welche Alternativen kurzfristig infrage kommen. Es gibt zum Beispiel einen Umzugsservice für Etsy. Ich empfehle außerdem, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, um zu erfahren, welche Wege diese einschlagen. Oft ergeben sich aus solchen Gesprächen kreative Ideen.

Bekanntheit mit Instagram und Pinterest steigern

Wenn Du selbst in einer ähnlichen Situation wie eine DaWanda-Verkäuferin wärest, wie würdest Du strategisch vorgehen?

Ich würde die Situation als Herausforderung annehmen und zunächst auf Etsy umziehen und mich dort etablieren. Nebenbei würde ich meinen eigenen Shop aufbauen und mir überlegen, wie ich ihn bekannt machen kann. Wer könnte Interesse an meinem Produkten haben? Welche Kooperationspartner gibt es? Auf diese Fragen suchte ich Antworten. Außerdem würde ich mir eine Social Media-Strategie überlegen mit dem Ziel, meine Bekanntheit zu steigern und Besucher auf meinen Shop zu lenken. Instagram und Pinterest könnten für viele DIY-Produkte eine erfolgsversprechende Plattform sein.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Sind Sie von der DaWanda-Schließung betroffen?
  • Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
  • Was planen Sie jetzt?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

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(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

„Sehnsucht Buch“: Wie Sandra Uschtrin zur Verlegerin wurde

Einen Verlag für Autorinnen und Autoren betreiben: Das macht Sandra Uschtrin. Sie gewährt einen Einblick in ihr Berufsleben, ihre Sehnsüchte und ihre Ziele. Sie gibt aber auch Auskunft über ihre Zielgruppe und sinniert über das Thema Erfolg.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was die Verlegerin Sandra Uschtrin antreibt.
  • Wie ihre Arbeit aussieht.
  • Wie sie Erfolg definiert und welche Herausforderung sie für Autoren sieht.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

Warum die Verlegerin Sandra Uschtrin ihr eigenes Ding macht

Könnten Sie sich bitte den Leserinnen und Lesern meines Blogs vorstellen?

Ich bin Sandra Uschtrin, 58 Jahre und wohne in Inning am Ammersee. Als Verlegerin bin ich selbstständig. Ich arbeite von daheim aus. Das ist prima. Denn statt morgens in der U-Bahn zu sitzen oder im Stau zu stecken, kann ich zum See radeln und eine Runde schwimmen. Wir geben zwei Fachzeitschriften für Autorinnen und Autoren heraus, die »Federwelt« und den »selfpublisher«. Deshalb sitze ich viel am Schreibtisch. Schwimmen und Radeln sind da ein guter Ausgleich. Vor einem Jahr habe ich mit dem Segeln angefangen. Diese Stunden auf dem See sind kleine Miniurlaube. Mit anderen Worten: Ich mag Wasser und Buchstaben.

Wie kamen Sie zur Buchbranche? Was hat Sie dazu inspiriert, einen eigenen Verlag zu gründen?

Schon als Kind habe ich zwei Ausgaben einer Fachzeitschrift herausgebracht – sie hieß »Pony«. Meine Eltern waren selbstständig und haben für große Tages- und Wochenzeitungen von Kurbädern und Hotels Anzeigen akquiriert. Wahrscheinlich guckt man sich manches unbewusst ab. Aber ich wäre auch gerne Landwirtin geworden, wie die Kinder unserer Nachbarn. Nur hatten meine Eltern keinen Bauernhof. Das eigene Ding zu machen, fand ich schon immer inspirierend.

Die Rolle der Sehnsucht

Meine Interview-Serie heißt „Sehnsucht Buch“. Spielte bei Ihrer Verlagsgründung die Sehnsucht eine Rolle?

Selbstverständlich. Spielt Sehnsucht nicht immer eine Rolle?

Durch Ihre Arbeit kennen Sie Autorinnen und Autoren. Welche Sehnsucht treibt diese an?

Das ist von Person zu Person verschieden. Manche wollen reich und berühmt werden. Reich steht dabei vermutlich für Unabhängigkeit, Sorglosigkeit, dafür, sich Träume erfüllen können. Berühmt dafür, geliebt zu werden, Anerkennung zu bekommen. Andere wollen anderen Menschen helfen oder ihnen schöne Stunden bescheren. Und das ist sicher nicht alles.

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Wann ist Ihrer Meinung so jemand erfolgreich? Schon wenn er sein erstes Buch in Händen hält? Wenn er einen Verlag gefunden, einen Preis gewonnen oder ein Bestseller geschrieben hat?

Auch das ist von Mensch zu Mensch verschieden, weil jeder Erfolg anders definiert und sich andere Ziele setzt. Es kann auch jemand erfolgreich sein, der über ein Schreibprojekt herausfindet, dass Buchstaben nicht seine Sache sind.

Sitzfleisch, Inspiration und Willenskraft

Sie publizieren für SchriftstellerInnen und solche, die es werden wollen. Was brauchen diese neben einer großen Motivation noch auf ihrem Weg zum Erfolg?

Sitzfleisch. Kritikfähigkeit. Sprachgefühl. Disziplin. Inspiration. Der Wille, immer noch besser zu werden (zum Beispiel auch beim Vortragen der eigenen Texte). Fachwissen. Und beim Fachwissen kommen unsere beiden Fachmagazine ins Spiel. Oder ein Buch wie unser »Handbuch für Autorinnen und Autoren«. Da sagen viele oft: »Hätte ich Ihr Handbuch doch schon früher gekauft! Das hätte mir viele Umwege erspart.«

Was sind die größten Herausforderungen für Neu-AutorInnen?

An sich zu glauben. Am Ball zu bleiben.

In meinem Ratgeber „Die Sehnsuchtsstrategie“ vertrete ich die These, dass eine Strategie hilft, der eigenen Sehnsucht zu folgen. Können Sie dieser These zustimmen? Sind Sie selbst einer Strategie gefolgt?

Zweimal ja. Es liegt in der Natur des Menschen, längerfristig zu planen. Jeder, der über den Winter kommen will, muss das tun.

Es kommt auf das eigene Ziel an

Zu welcher Strategie raten Sie AutorInnen?

Das lässt sich so pauschal für mich nicht sagen. Manchen wird es helfen, sich mit anderen Autorinnen und Autoren darüber auszutauschen, die schon weiter sind als sie und die sie vielleicht bewundern. Andere machen gute Erfahrungen damit, einen (Schreib-)Coach zu buchen. Es kommt dabei auch auf die eigenen Ziele an: Was will ich als Autorin? Genügt es mir, irgendwann ein Büchlein mit meinen Lebenserinnerungen in den Händen zu halten, das ich meinen Enkelkindern schenken kann? Möchte ich den Literaturnobelpreis gewinnen?

Was sind Ihre wichtigsten Tipps für (angehende) SchriftstellerInnen?

Diese Tipps sammeln wir in unseren Ratgebern sowie sechsmal jährlich in der »Federwelt« und viermal jährlich im »selfpublisher«. Beide Magazine gibt es im Bahnhofsbuchhandel, als PDF in diversen Onlineshops oder direkt über unseren Verlag. Ich verweise hier also auf unsere Homepage www.uschtrin.de. Denn: Es ist Sonntag und der See ruft immer lauter: Komm zu mir!

Und noch eine Frage: Was ist Ihr nächstes Sehnsuchtsziel als Verlegerin?

Da habe ich zwei Sehnsuchtsziele. Erstens: die Verdoppelung der Auflagenhöhe bei beiden Magazinen. Zweitens: das Großmachen unseres Autorenwelt-Shops. Das Einzigartige an dieser neuen Online-Buchhandlung: Wir geben Autoren sieben Prozent vom Bruttoladenpreis ab, und zwar von jedem Buch, das sie geschrieben haben und das über unseren Shop verkauft wird. Eine Verlagsautorin kann damit also – bezogen auf ein Buch – ihre Einkünfte verdoppeln. Denn sie erhält nicht nur ihre Verlagstantiemen, sondern obendrein auch noch Geld von uns. Ich hoffe, dass sich das herumspricht und der Autorenwelt-Shop irgendwann so groß ist wie die Buchsparte von Amazon. Denn eine Alternative zu Amazon ist unsere Buchhandlung schon jetzt. Es müssen uns nur noch mehr kennen und und ihre Bücher im Autorenwelt-Shop kaufen.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie Autor werden?
  • Was treibt Sie an und was ist Ihre Sehnsucht?
  • Wenn Sie selbst schon Autor sind: Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Weitere Interviews der Serie und Artikel:

Meine Literaturempfehlung:

  • Handbuch für Autorinnen und Autoren. Informationen und Adressen aus dem deutschen Literaturbetrieb und der Medienbranche, 8., völlig überarbeitete und erweiterte Auflage, Uschtrin Verlag (Inning am Ammersee) 2015, 54,90 Euro.

(Veröffentlicht Juli 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

Mit DIY Geld verdienen: Selbstgemachtes erfolgreich vermarkten

Ob Hausschuhe oder Namensbänder, Yogakissen oder Kleider im Retrodesign: Handmade ist im Trend. Manche Käufer entscheiden sich bewusst für individuelle Produkte statt für industrielle Massenware. Das bietet Do-it-yourself-Fans die Chance, mit ihren Kreationen Geld zu verdienen. Allerdings fällt der Erfolg nicht vom Himmel. So wird professionelles Marketing immer wichtiger. Dazu gehören auch Social Media-Aktivitäten und Fotokenntnisse.

Der Online-Marktplatz DaWanda schließt am 30. August 2018. Doch wie geht es nun für DIY-VerkäuferInnen weiter? Antworten gibt ein aktuelles Interview.

 

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sie mit Do-it-yourself-Produkten Geld verdienen.
  • Wie Sie ein professionelles DIY-Business starten.
  • Was Sie für den Erfolg brauchen.
  • An was Sie bei der Gründung denken sollten.
  • Linkempfehlungen.

Vom Hobby zum Do-it-yourself-Business

Bei der Kathinka Oettrich aus Berlin entstand ihr Do-it-yourself-Business aus einer Passion heraus: „Meine Freundin Eike Braunsdorf und ich haben leidenschaftlich gerne Stoffe gesammelt und Muster designt“, berichtet Oettrich. „Damals waren unsere Kinder noch klein. Ich studierte Filmwissenschaft, Eike Kunst und Fotografie.“ 2010 verkauften sie über den Online-Marktplatz DaWanda ihre erste Kleidung aus selbst entworfenen Stoffen.

Am Anfang boten die Freundinnen nur Sachen für Kinder an, doch bald merkten sie, dass ihre Kreationen auch erwachsenen Frauen zusagten. „Zuerst arbeiteten wir von zu Hause aus, dann sind wir in ein kleines Atelier umgezogen“, berichtet Oettrich. Inzwischen ist ihre Firma „Bonnie and Buttermilk“ in ein größeres Atelier umgesiedelt. Ein Ladenlokal in der Kollwitzstraße gibt es inzwischen auch. Die Mitarbeiterzahl stieg: „Wir beschäftigen eine Vollzeitkraft und zwei Aushilfen. Unsere Kleidung stellen externe Näherinnen her.“

Kreativität, Ausdauer und Leistungsbereitschaft

Doch der Erfolg ist den beiden Designerinnen nicht in den Schoß gefallen. „Wir haben einen tollen Job, doch dahinter steckt wahnsinnig viel Arbeit“, betont Oettrich. Dazu gehört das Bespielen der verschiedene Social Media-Plattformen wie Facebook und Instagram. Selbst das Modeln übernehmen die Unternehmerinnen, aber auch das Fotografieren der Produkte und den Kundenservice. Die Entscheidung, auf ihr Do-it-yourself-Business zu setzen, trafen Braunsdorf und Oettrich ganz bewusst: „Die Kindererziehung lässt sich gut in unseren Job integrieren. Aber die Selbstständigkeit birgt auch ein Risiko. So wissen wir nicht, ob eine neue Kollektion bei unseren Kundinnen gut ankommt.“

Meike Schneider aus Koblenz hat ebenfalls aus ihrem geliebten Hobby einen Beruf gemacht. Sie näht Yoga-Zubehör wie Kissen und Taschen. „Kreativ war ich schon immer gerne und das Verkaufen macht mir auch Spaß.“ Deshalb wurde sie Floristin. Doch mit Mitte 20 verhinderten Allergien, dass sie ihren Ausbildungsberuf weiter ausüben konnte. Sie ließ sich umschulen und wurde Steuerfachangestellte.

Vom Hobby über den Nebenerwerb zum Unternehmen

Als Hobby begann sie zu nähen. Weil sie auch Yoga praktizierte, kam ihr eine Idee: Sie stellte individuelle Yogakissen in verschiedenen Farben und mit unterschiedlichen Mustern her. „Zuerst nähte ich nur für Freunde und Bekannte. Dann stieg die Nachfrage.“ So wurde aus der Freizeitbeschäftigung ein Nebenerwerb. Sie verkaufte ihre Produkte über die Plattform DaWanda. 2015 machte sie sich dann hauptberuflich selbstständig. „Ich wurde im Steuerbüro immer unzufriedener.“

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Heute ist Meike Schneider glücklich: „Ich arbeite mehr als damals im Büro, aber ich genieße auch mehr Freiheiten. So bin ich schon zwei Monate mit meinem Mann auf Reisen gewesen. Beim Steuerberater musste ich mich dagegen an Fristen halten. Jetzt entscheide ich selbst.“ Sie muss sich aber auch ständig um die Vermarktung ihrer Produkte kümmern: „Um nicht nur auf DaWanda sichtbar zu sein, betreibe ich inzwischen zusätzlich meinen eigenen Onlineshop.“

Konkurrenz und Professionalisierung steigen

Claudia Helming, Gründerin und Geschäftsführerin von DaWanda, erklärt: „Mittlerweile sind auf unserer Plattform sechs Millionen Produkte zu finden. Seit der Gründung haben sich bereits 360.000 Designer und Kreative registriert, von denen viele Tausend täglich Handgemachtes anbieten“, betont Helming. Das bedeute gleichzeitig Konkurrenz für die Anbieter von Do-it-yourself-Produkten.
Aber die DaWanda-Geschäftsführerin stellt auch fest, dass sich die Anbieter von DIY-Produkten professionalisieren. „Das gilt für Fotos genauso wie für ihre Social Media-Auftritte bei Instagram oder Pinterest.“ Auch das rechtliche Wissen steige. „Das war 2006 – als wir mit unserer Plattform begonnen haben – noch völlig anders.“

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Helming allen, die mit ihrem Hobby Geld verdienen wollen, sich möglichst viel Wissen zum Beispiel im Bereich Marketing anzueignen. Wer nebenberuflich Do-it-yourself-Produkte verkauft, macht nämlich meist alles selbst … vom Marketing bis zur Buchhaltung. „Das ist natürlich ein wahnsinniger Lernprozess. Wer verkaufen will, sollte sich Zeit nehmen, um Erfahrungen zu sammeln.“

Schneller Erfolg unwahrscheinlich

Die Vorstellung, mit Selbstgestricktem und -gehäkeltem gleich eine Fangemeinde zu finden, ist eher illusorisch. Helming: „Erfolg ist auch in diesem Business mit viel Arbeit verbunden.“ Ihr Tipp für alle Anfänger: „Neuverkäufer haben es oft schwer, weil sie noch keine Bewertungen vorweisen können. Deshalb sollten sie ihr Netzwerk nutzen und Freunde und Bekannte um eine Bewertung bitten.“

Helming ist sich sicher: „Der Trend zum Selbstgemachten wird anhalten und nicht zurückgehen. Denn die Menschen legen immer mehr Wert auf individuelle und einzigartige Waren.“ Aus diesem Grund hätten auch Nischenprodukte gute Chancen.

Marktgängigkeit überprüfen

Lars Mölbitz, Berater beim Starter Center der IHK Berlin, erklärt: „Aktuell beraten wir nur noch wenige, die sich mit Do-it-yourself-Produkten selbstständig machen wollen. Vor zwei oder drei Jahren waren das mehr. Der Hype scheint vorbei zu sein.“ Ob die geringe Nachfrage nach Informationen gleichbedeutend sei mit geringem Interesse an dieser Form des Geldverdienens, ist unklar.

„Der Verkauf von Do-it-yourself-Artikeln ist eine Facette des Gesamtmarktes“, betont Nils Busch-Petersen, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg. „Bezogen auf den gesamten Handel ist dieser Bereich nicht relevant, aber er bietet dem Käufer individuelle Produkte und dem Verkäufer Anerkennung für seine Arbeit.“ Allerdings sieht Busch-Petersen hier eher Chancen für nebenberuflich Tätige. „Bevor sich jemand selbstständig macht, sollte er genau erprobt haben, wie marktgängig seine Waren sind.“

Sich über die Selbstständigkeit informieren

Busch-Petersen weiß um die vielen Fallstricke für Einsteiger: „Gerade die rechtlichen Probleme bei Eröffnung eines eigenen Online-Shops sollte niemand unterschätzen. Eine Abmahnung in diesem Bereich kann schon mal den Umsatz eines halben Jahres kosten.“

Auch wer nur nebenberuflich Selbstgemachtes verkauft, muss die verschiedenen Gesetze im Blick haben. „Viele übersehen zum Beispiel, dass sie ein Gewerbe anmelden müssen“, so Mölbitz. Das sei immer dann zwingend, wenn die Tätigkeit auf Dauer ausgeübt werden soll und eine Gewinnerzielungsabsicht vorliege, auch wenn man nur im Nebenerwerb tätig sei. „Bei jemandem der auf einer Onlineplattform vertreten ist, liegt diese in der Regel vor.“ Außerdem rät der Gründungsberater nebenberuflich Selbstständigen, ihren Arbeitgeber über die Nebentätigkeit zu informieren … genauso wie auch ihren Vermieter. „Schließlich wird die Wohnadresse zur Geschäftsadresse. Solange der Verkäufer seine Wohnung nicht zum Warenlager umfunktioniert, dürfte das aber kein Problem sein.“

Fragen an Sie:

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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Januar 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

„Sehnsucht Buch“: Wie Sandra Krebs die Entstehung von Büchern koordiniert

Sie bekommt neue Buchideen als Erste zu Gesicht und managt den gesamten verlegerischen Prozess: Dr. Sandra Krebs. Als Programmdirektorin beim GABAL Verlag lebt sie ihre Leidenschaft und kann ihrem Hobby, dem Bücherlesen, auch beruflich nachgehen. Sie gibt Einblicke in das Verlagsgeschäft.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Dr. Sandra Krebs Programmdirektorin wurde.
  • Was sie antreibt.
  • Wie ihre Arbeit aussieht.
  • Welche Tipps sie (angehenden) Autoren gibt.
  • Linkempfehlungen.

Sandra Krebs: Die Leidenschaft fürs Buch

Könnten Sie sich bitte den Leserinnen und Lesern meines Blogs vorstellen?

Ich bin Programmleiterin beim GABAL Verlag. Vor meinem Einstieg in die Buchbranche habe ich in Frankfurt Germanistik und Philosophie studiert. Nach einem Zwischenstopp in Mannheim hat es mich vor rund acht Jahren wieder in den Frankfurter Raum verschlagen, meine Heimat. Ich habe zwei große Leidenschaften: Bücher und Reisen. Und ich bin ein neugieriger Mensch. Die Welt zu entdecken ist für mich ein starker Antrieb, dem ich sowohl mit einem schönen Buch, das mich in andere Welten mitnimmt, als auch mit einem gepackten Koffer in der Hand hervorragend nachgeben kann.

Als Programmdirektorin verantwortlich für das Produktmanagement

Wie sieht die Arbeit einer Programmleiterin konkret aus?

Vor allem lese ich sehr viel. Ich empfinde es als Privileg, neue Buchideen als Erste zu sehen zu bekommen. Ich schaue mir Konzepte an und recherchiere viel zu einzelnen Themen, schließe Verträge mit Autoren und Agenturen. Daneben bin ich verantwortlich für das Produktmanagement, d.h. ich koordiniere den gesamten Prozess vom Manuskript bis zum gedruckten Buch in enger Abstimmung mit den Autorinnen und Autoren sowie mit den Kolleginnen und Kollegen aus dem Lektorat, der Herstellung, dem Korrektorat und der Druckerei. Vor allem aber, und das macht mir am meisten Spaß, steht hinter jedem Buchkonzept der Austausch mit der Autorin oder dem Autor. Zu sehen, wie sich eine Idee vom Exposé bis zum gedruckten Buch entwickelt, und das fertige Buch am Ende in den Händen zu halten, ist auch nach unzähligen Büchern jedes Mal wieder etwas ganz Besonderes.

Die Liebe zu Büchern als roter Faden

Warum sind Sie in die Verlagsbranche gegangen? Was hat Sie dazu inspiriert?

Die Liebe zu Büchern. Ganz klar. Die zieht sich wie ein roter Faden durch mein ganzes Leben. Bücher sind für mich auch in unserer digitalen Zeit kein Produkt wie jedes andere. Bücher öffnen unseren Blick für andere Perspektiven, erweitern unseren Wissensschatz, sie können uns in fremde Welten entführen, bereiten Freude oder schenken Trost. Jedes Buch, das wir lesen, davon bin ich überzeugt, verändert uns und bringt uns weiter. An meiner täglichen Arbeit inspiriert mich, dass unsere Leserinnen und Leser in der Regel Denkanstöße oder Handlungswerkzeuge zu einem ganz bestimmten Thema suchen, zum Beispiel besser präsentieren oder fair streiten zu lernen. Mit unseren Büchern unterstützen wir sie darin, indem wir ihnen konkrete Hilfestellungen an die Hand geben.

Meine Interview-Serie heißt „Sehnsucht Buch“. Spielt in Ihrem beruflichen Werdegang die Sehnsucht eine Rolle?

Das ist gar nicht so leicht zu beantworten. Sehnsucht ist ein großes Wort. Aber wenn ich es mir genau überlege, dann steckt in dem bereits Gesagten doch eine ganze Menge Sehnsucht drin, auch wenn einem das auf den einzelnen Lebensetappen nicht immer so klar vor Augen steht wie im Rückblick. Bücher haben mich mein Leben lang begleitet und obwohl ich den ganzen Tag sehr viel lese, entspanne ich mich nach wie vor am liebsten mit einem guten Buch.

Menschen voranbringen als Motivation fürs Bücherschreiben

Durch Ihre Arbeit, kennen Sie Autorinnen und Autoren. Nach was sehnen sich diese? Was treibt sie an?

Ich arbeite in einem Verlag, der vor allem Ratgeber rund um die Themen Business, Erfolg und Leben publiziert. Unsere Autorinnen und Autoren sind alle Trainer, Berater, Coachs oder Unternehmer, das heißt sie geben ihr eigenes Wissen aus der Praxis an ihre Leserinnen und Leser weiter, damit diese in ihrem beruflichen und persönlichen Alltag ihre Ziele besser erreichen. Menschen voranbringen – ich denke, das ist der große Motivator unserer Autorinnen und Autoren.

Expertise, Schreibbegabung und Durchhaltevermögen

Sehnsucht allein reicht natürlich nicht aus, um Autor zu werden. Was muss der Betreffende noch mitbringen?

Da wir keine Romane, sondern Sachbücher und Ratgeber veröffentlichen, ist das A und O natürlich das Know-how, die Expertise, die unsere Autorinnen und Autoren mitbringen. Es gibt eine schöne Redensart: Wer schreibt, der bleibt. Das heißt auch, dass man als Autorin oder Autor Verantwortung dafür trägt, was man veröffentlicht. Außerdem sollte man lebendig und flüssig schreiben können. Daneben ist noch eine ganze Reihe an Soft Skills vonnöten: Disziplin, Durchhaltevermögen, Willensstärke. Das klingt vielleicht erstmal abschreckend, aber ein Buch zu schreiben ist ein oft langwieriges Vorhaben mit vielen Höhen, aber auch Tiefen. Die „Angst“ vor dem leeren Blatt kennen wahrscheinlich die meisten, die schon einmal einen längeren Text geschrieben haben.

Begleiten des Schreibprozesses

Was sind die größten Herausforderungen für Neu-Autoren?

Das ist sehr unterschiedlich, je nachdem wie leicht einem das Schreiben fällt, und lässt sich nicht pauschal beantworten: für die einen ist es das Einhalten eines bestimmten Textumfangs, für die anderen der festgelegte Abgabetermin. Wir als Verlag arbeiten von Beginn an eng mit unseren Autorinnen und Autoren zusammen, besprechen die Gliederung vorab, ich schaue mir einzelne Kapitel an und gebe Feedback noch während des Schreibprozesses. Das hilft den Autorinnen und Autoren beim Schreiben, es hilft aber auch uns bei der weiteren Bearbeitung der Texte. Wir stellen so sicher, dass sich alle Seiten ein gutes Bild von dem geplanten Produkt machen können.

Die Leser im Blick

In meinem Ratgeber „Die Sehnsuchtsstrategie“ vertrete ich die These: Um unsere Sehnsucht erfolgreich verwirklichen zu können, hilft eine Strategie. Zu welcher Strategie raten Sie Sachbuchautoren?

Finden Sie Ihr Thema, aber haben Sie die Leserinnen und Leser im Blick! Sie schreiben nicht für sich, sondern für diejenigen, die ein Interesse, einen Bedarf, einen Engpass haben und deshalb zum Buch greifen. Versetzen Sie sich also in Ihre Leserinnen und Leser: Was erwarten diese? Welche Antworten suchen sie?

Das Exposé hilft

Was sind Ihre wichtigsten Tipps für (angehende) Autoren?

Neben dem gerade Gesagten ist es hilfreich, wenn angehende Autoren sich ein genaues Bild von der Verlagslandschaft machen: Zu welchem Verlag passt das Buch? Gibt es das Thema bereits? Wenn ja, gibt es ein Alleinstellungsmerkmal? Dieses sollte dann herausgearbeitet werden. Es lohnt sich, Zeit und Mühe in ein Exposé zu investieren. Nicht nur für uns als Verlag ist das hilfreich, weil wir uns ein besseres Bild von einem Projekt machen und letztlich besser entscheiden können, sondern auch für die Autorinnen und Autoren ist dieser Schritt überaus wichtig. Denn sie setzen sich zum ersten Mal umfassend schriftlich mit ihrer eigenen Buchidee auseinander. Das erfordert viel Nachdenken, Konzipieren, Verwerfen und Neukonzipieren, bringt aber die notwendige Klarheit und die erste grobe Struktur, die sie benötigen, um überhaupt beginnen zu können. Sie sollten das also nicht als lästige Pflicht betrachten, sondern als Chance, die eigenen Gedanken zu strukturieren und den Rahmen für das Buch abzustecken. Last but not least: Lösen Sie sich von zu hohen Ansprüchen und Perfektionismus. Sie werden immer wieder neue Ideen und Gedanken haben, neue Formulierungen finden – jedes Mal, wenn Sie das Manuskript erneut durchlesen. Setzen Sie Ihr Vorhaben zielstrebig um und sagen Sie dann mutig: Es ist gut!

Und noch eine private Frage: Was ist Ihre größte Sehnsucht?

Ein ruhiger Tag auf einer schönen Terrasse mit Blick auf das Meer und einem Stapel Bücher, die ich schon lange lesen will. Und noch einer, und noch einer… :-)

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie Autor werden?
  • Was treibt Sie an und was ist Ihre Sehnsucht?
  • Wenn Sie selbst schon Autor sind: Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

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Weitere Interviews der Serie und Artikel:

(Veröffentlicht Mai 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

Berufswahl: Im Studium den Berufseinstieg vorbereiten

Je höher das Semester, desto dringender wird die Frage: Wie geht es nach dem Studium weiter? Bei manchen ist die Antwort glasklar … zum Beispiel bei Medizinstudenten. Aber für andere Studiengänge – insbesondere im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften – ist die Berufswahl keineswegs so eindeutig.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Studierende, Berufseinsteiger und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Studierende den Beruf finden, der zu ihnen passt.
  • Wie sie ihren Berufseinstieg erfolgreich planen.
  • Wo sie Beratung und Informationen finden.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Im Studium den passenden Beruf finden

Gerd Reinhard-Römer, Berater im Hochschulteam der Arbeitsagentur Berlin Nord: „Die Frage nach der Berufswahl stellt sich besonders Studierenden kulturwissenschaftlicher und philosophischer Fächer, aber auch der Mathematik und Physik. Denn aus diesen Studiengängen ergeben sich keine klaren Handlungsfelder.“ In den Ingenieurwissenschaften sei das anders.

Doch selbst künftige Ingenieure sind teilweise unsicher. Michaela Frana, Leiterin des Career Service an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, berichtet: „Einige Studierende denken darüber nach, ob sie mit der Entscheidung für eine bestimmte Technologie auf das richtige Pferd setzen. Andere fragen sich, ob sie eine Option übersehen haben oder ob es noch etwas Besseres gibt.“

Grundsätzlich empfiehlt Reinhard-Römer jungen Leuten, sich von den eigenen Interessen und Fähigkeiten leiten zu lassen. „Aus ihrer Liebe zu einem bestimmten Thema können Hochschüler Tätigkeiten ableiten … etwa die Arbeit für Stiftungen.“

Die eigene Lebensplanung und die Unternehmenskultur des Arbeitgebers

Auch Frana weiß, wie wichtig die Wertefrage ist: „Eine immer größere Rolle bei der Jobentscheidung spielt zum Beispiel, wie sozial verantwortlich und nachhaltig ein Unternehmen agiert und welche Arbeitskultur dort herrscht.“

Reinhard-Römer rät, auch die eigene Lebensplanung mitzubedenken: „Wer ins Auswärtige Amt will, aber gleichzeitig von einer baldigen Familienplanung träumt, sollte sich bewusst machen, dass diese Wünsche schwer vereinbar sind.“ Was in so einem Fall hilft, ist eine klare Prioritätensetzung.

Allerdings ist es für viele Hochschüler gar nicht so einfach, ihren eigenen Interessen zu folgen. Denn nicht selten studieren sie ihren Eltern zuliebe ein bestimmtes Fach. „Kurz vor Studienende erleben sie dann zum Beispiel einen Burnout oder bekommen Aversionen gegen ihre Studien- und Berufswahl. Das ist manchmal bei Jura-Studenten der Fall“, berichtet Reinhard-Römer. In diesen Fällen geht es dann darum, berufliche Alternativen zu entwickeln.

Frühzeitig den Berufseinstieg planen

Neben den Hochschulteams bieten auch die Career Services und Career Center der Hochschulen Beratung und Orientierung an. Rosmarie Schwartz-Jaroß, zuständige Referatsleiterin an der Humboldt-Universität, erklärt: „Die meisten Studierenden kommen erst am Ende ihres Studiums in unsere Beratung. Etwa 50 Prozent schließen ohnehin gleich ein Masterstudium an. Dabei ist das in vielen Fächern nicht nötig.“ Schließlich bestehe nach einigen Jahren Berufstätigkeit immer noch die Möglichkeit, einen Master zu machen.

Schwartz-Jaroß rät, sich schon frühzeitig mit dem Thema Berufswahl zu beschäftigen: „Am besten fangen die Studierenden bereits im zweiten Semester damit an.“ Denn dann ließe sich der Berufseinstieg in aller Ruhe planen.

Fachbezogen jobben und Unternehmen kennenlernen

Um herauszufinden, welche Tätigkeiten infrage kommen, empfiehlt Frana: „Sinnvoll ist es, spätestens ab dem dritten oder vierten Semester fachbezogen zu jobben. Vorher ist ein Minijob als Kellner völlig okay, weil man sich da schon im Berufsleben erlebt und seine Stärken kennenlernen kann.“ Wer als Werkstudent in dem Bereich arbeitet, der zu seinem Studium passt, kann zusätzlich mögliche Arbeitsfelder erkunden. „Das macht die Entscheidung leichter.“

Schon weit vor dem Studienabschluss haben Studierende weitere Chancen, die Berufswelt kennenzulernen. Schwartz-Jaroß: „Wir bieten zum Beispiel Exkursionen zu Unternehmen an. Außerdem besteht die Möglichkeit, berufsfeldbezogene Zusatzqualifikationen zu erwerben, für die es zudem Credit Points gibt.“ Alle diese Veranstaltungen seien stark nachgefragt.

Individuelle Beratung aufsuchen

Die Nachfrage besonders nach individueller Beratung steigt … das stellt die Leiterin des Career Service an der Freien Universität Christiane Dorenburg fest. „Wir können den Bedarf nicht decken.“ Allerdings hätte sich in Sachen Berufsorientierung auch viel getan: „Inzwischen ist ein Berufspraktikum in allen Bachelor-Studiengängen Pflicht, was gern angenommen wird.“ Daneben gibt es noch ein Veranstaltungsprogramm zur beruflichen Orientierung.

„Eine wichtige Frage für die Studierenden ist allerdings, wie sie mit dem Überangebot an Informationen umgehen“, so Dorenburg. Sie empfiehlt, nicht nur Informationen zu sammeln, sondern über das eigene Leben in all seinen Facetten reflektieren und in den planerischen Prozess mit einzubeziehen. Denn nicht nur Studium und Job, sondern auch Ehrenamt und Privatleben können wertvolle Hinweise für eine künftige Tätigkeit geben. Gleichzeitig rät sie den künftigen Akademikern, locker zu bleiben: „Berufsentscheidungen sind revidierbar und ein späterer Richtungswechsel ist möglich.“

Keine übertriebenen Erwartungen an sich selbst

Außerdem warnt Dorenburg vor überzogenen Erwartungen an sich selbst: „Beispielsweise braucht nicht jeder ein Auslandssemester zu absolvieren.“ Viele Studierende glaubten, sie müssten perfekt sein. Das seien aber übertriebene Vorstellungen. „Oft reicht es, wach durchs Leben zu gehen und die Möglichkeiten zu nutzen, die sich einem bieten.“

Eine passgenaue Berufswahl hat nicht nur positive Auswirkungen auf die spätere Zufriedenheit am Arbeitsplatz, sondern auch auf die Jobchancen: „Ein Hochschulabsolvent, der nicht hinter seiner Entscheidung steht, wird nicht authentisch sein und deshalb die Personaler kaum überzeugen können“, so Reinhard-Römer. Wenn jemand dagegen für den Job brennt, strahlt er dies auch aus. Das bemerken auch die Unternehmensvertreter: „Damit hat er im Auswahlgespräch und im Assessment-Center eindeutig einen Vorteil.“

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Studieren Sie und wissen Sie noch nicht, wohin Sie beruflich wollen?
  • Wie planen Sie Ihren Berufseinstieg?
  • Was sind Ihre Herausforderungen?
  • Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

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Meine Linkempfehlungen:


(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

„Sehnsucht Buch“: Wie Tanja Steinlechner Autoren coacht

Autoren coachen und ihnen helfen, einen Verlag oder eine Agentur zu finden: Dies hat sich  Tanja Steinlechner zur Aufgabe gemacht. In dem von ihr gegründeten Schreibhain in Berlin hilft sie (angehenden) Schriftstellern, ihrem Traum vom Buch zu folgen.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Tanja Steinlechner zum Schreibcoach wurde.
  • Was sie antreibt.
  • Welche Tipps sie (angehenden) Autoren gibt.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Tanja Steinlechner: Als Schreibcoach Autoren fördern

Können Sie sich bitte den Lesern meines Blogs vorstellen?

Tanja Steinlechner: Autorin, Lektorin und Schreibcoach. Bei Dr. Hanns-Josef Ortheil studierte ich am Literaturinstitut Hildesheim, bevor es mich nach Berlin zog, in meine Wahlheimat. Neben der Literatur liebe ich das Theater und den Film, Begegnungen mit Menschen, die mich bewegen. Ich träume davon, Hörbücher einzusprechen und teile die Vorliebe für schöne Stimmen und den Klang von Worten.

Der Wunsch, Autorennachwuchs auszubilden

Wie und warum kamen Sie auf die Idee, den Schreibhain zu gründen?

In meinem früheren Leben arbeitete ich bei der Wortunion als Literaturagentin. Es war meine Aufgabe, Talente zu entdecken und diese zu möglichst guten Bedingungen bei Verlagen unterzubringen. Es ist ein natürlicher Instinkt, der mich ganz von allein antreibt: Herausragende Fähigkeiten und Begabungen, insbesondere solche, die mit Wort und Klang einhergehen, mit dem Drang, Geschichten zu erzählen, zu erkennen.

Im Gallup-Stärkentest steht bei mir auf Platz eins Höchstleistung, dass heißt mich interessieren Felder, in denen ich selbst, aber auch andere Herausragendes leisten können. Ich war also einerseits sehr richtig an meinem Platz als Literaturagentin, andererseits hatte ich nicht die Möglichkeit, mit vielversprechendem Nachwuchs an deren Texten zu feilen. Dafür war im Agenturalltag weder Raum noch Zeit.

So kam mir der Gedanke, eine Schnittstelle zu den Literaturagenturen zu werden, einen Ort zu schaffen, der es Debütanten, die ihren Stoff bei einem Verlag unterbringen wollen, ermöglicht, sich mit meiner und der Hilfe unseres Dozenten-Teams zu entwickeln. Am 28. April 2018 starten wir mit unserem achten Jahrgang der Autorenausbildung. Dafür muss man sich im Vorfeld bewerben. Am Ende der Ausbildung steht das Pitching vor Literaturagenturen und Verlagen. Es ist uns heute geglückt, wovor ich 2013 noch träumte: Ein Netzwerk zu sein, das Autorinnen und Autoren unterstützt, ihrem Traum näher zu kommen. Einige unserer Absolventen haben den Sprung geschafft und sind bei anerkannten Agenturen, zum Beispiel bei der Literaturagentur Keil & Keil, Petra Eggers und Arrowsmith unter Vertrag.

Sehnsucht als Triebfeder des Handelns

Meine Interview-Serie heißt „Sehnsucht Buch“. Spielt bei Ihrem beruflichen Werdegang die Sehnsucht eine Rolle? Oder was motiviert Sie?

Sehnsucht ist sicherlich eine große Triebfeder meines Handelns. Mein erster Schritt in eine berufliche Zukunft war die Sehnsucht, in fremde Haut zu schlüpfen, mir ein zweites, drittes, viertes Leben zu erträumen und dieses zu erleben. Mein Wunsch führte mich auf die Freiburger Schauspielschule im E-Werk, ich war gerade siebzehn Jahre jung. In meinem Dasein verknüpfte sich die Bühne und mein Schreiben. Letzteres war stärker, ich wusste dies damals nur noch nicht richtig einzuschätzen. 1991 gab es in der BRD keinen Studiengang Kreatives Schreiben, wohl aber Ausbildungsinstitute für Schauspiel.

Ich erinnere mich gut daran, dass mir einige Jahre später in Rostock, als ich auf eine staatliche Schauspielschule wechseln wollte, die Jury riet, es doch einmal mit Regie zu probieren. Der Regisseur ist dem Schriftsteller ja durchaus nicht unähnlich. Er konzipiert, er setzt seine Idee in ein übergeordnetes Werk um. Wenn es zu seinem Stil gehört, arbeitet er mit seinen Schauspielern in Wechselwirkung, lässt sich von ihren Vorschlägen inspirieren. Ich wollte beides gleichzeitig, Regie führen, also eine Idee umsetzten und mich – ähnlich einem Schauspieler – in Figuren einfühlen.

Heute gilt meine Sehnsucht meinem neuen Roman, der gerade entsteht. Ein Buch, das mit der Figur Manuels, einem Archivar, der auf der Suche nach einer verschollenen Erinnerung ist, lebendig wurde, auch wenn er nicht der Protagonist ist. Der Roman wird immer mit Manuel verbunden sein und mit Lissabon, der Stadt Pessoas, in der er mir zufiel.

Warum Menschen Bücher schreiben

Was treibt die (angehenden) Autoren an, die Sie im Schreibhain coachen? Ist dies vielleicht die Sehnsucht?

Da sind unterschiedliche Sehnsüchte am Werk. Einige wollen ihren Roman in der Buchhandlung sehen. Sie träumen von literarischer Anerkennung oder Bekanntheit. Anderen geht es zunächst einmal um eine Geschichte. Sie wollen wissen, wie sie sie bestmöglich erzählen können, eine Form finden und ihre originäre Erzählstimme. Andere wiederum wollen sich selbst nahekommen. Sie entblößen sich im Schreiben. Zwei Seiten einer Medaille: Diese ungemeine Angst und gleichermaßen größte Sehnsucht davor, erkannt zu werden. Es gibt in diesem Sinne keine gute und keine schlechte Sehnsucht. Es gibt nur verschiedene Antriebe. Wenn sie zu Literatur führen, die Leser berührt, dann wird ihr Entstehungsgrund zur Ankedote.

Nach den Sternen greifen

Was war bisher Ihre größte Herausforderung auf dem Weg in die Buchwelt? Und wie haben Sie diese bewältigt?

Ich wollte gelesen werden. Mein Traum war es, im Buchhandel sichtbar zu sein, und als mich dann das Angebot eines Verlags erreichte, meinen Erstling zu schreiben, eine Auftragsarbeit, war ich glückselig. Was ich darüber vergaß: Diese ureigene Erzählung und Stimme in mir, die einen anderen Stoff gleichzeitig schreiben wollte, auch wenn dieser noch nicht reif war.

In meinem aktuellen Projekt gehe ich dem nach – ungeachtet dessen, dass es der magische Realismus in Deutschland durchaus noch schwer hat auf dem Markt. Meine literarischen Vorbilder sind Haruki Murakami, Fernando Pessoa und Antonio Tabucchi. Auch das gehört dazu, sich zu trauen, nach den Sternen zu greifen und sich auf solch große Namen zu beziehen.

Ob ich den Schritt, von der Unterhaltung kommend in die E-Literatur nehmen kann, das wird sich zeigen. Ich persönlich bin keine Vertreterin dieser Trennschärfe, die es auf dem deutschsprachigen Buchmarkt realiter gibt. Ich schreibe auch sehr gerne Liebesromane, engagiere mich bei DELIA, der Vereinigung deutschsprachiger Liebesromanautoren und -autorinnen. Mein nächster Roman ist wieder eine Liebesgeschichte, die bereits Aufmerksamkeit verlangt. Sie will unbedingt erzählt werden. Welcher Ton ihr zu Gesicht steht, werde ich nach Beendigung meines jetzigen Projekts – Unter den Träumen (Arbeitstitel) – erkunden.

Das Handwerk erlernen

Vor welchen Herausforderungen stehen die Menschen, die Sie coachen?

Jedes Buch stellt seinen Autor vor neue Herausforderungen. Weder wir noch unsere Autoren lernen aus. Die Menschen, die zu uns kommen, stehen oft an der Schwelle zu ihrem ersten Roman. Wir unterstützen sie dabei. Es gilt, ein Handwerk zu erlernen: Zum Beispiel lebendige Figuren zu erschaffen, die Funktion von Erzählperspektiven kennenzulernen und anzuwenden und Dramaturgie zu verstehen.

Neben diesen Aspekten müssen Autoren aber noch ganz andere Fähigkeiten mitbringen und Fertigkeiten erlernen. Eine der wichtigsten ist es, mit Kritik umgehen zu lernen und zu verstehen, dass ein Feedback nicht sie persönlich meint, sondern immer dazu da ist, den bestmöglichen Text entstehen zu lassen. Das ist nicht einfach, denn auch, wenn wir nicht eins zu eins über uns schreiben, geht die Geschichte, die wir erzählen wollen, doch immer durch unseren Blick.

Netzwerk und Schnittstelle zu Verlagen

In meinem Ratgeber „Die Sehnsuchtsstrategie“ vertrete ich die These: Um unsere Sehnsucht erfolgreich zu verwirklichen, hilft eine Strategie. Bedienen Sie sich einer Strategie? Wenn das der Fall sein sollte, können Sie diese Strategie beschreiben?

Die Strategie unserer Autorenschule liegt im Konzept begründet. Wir sind ein Netzwerk, ein Ort, an dem unsere Studentinnen und Studenten wachsen und reifen dürfen, in vertrauensvoller Atmosphäre und noch nicht den Blicken der Welt ausgesetzt. Später dann sind wir Schnittstelle zu Agenturen und Verlagen. Wir heißen viele Gäste aus der Branche willkommen. Schauen Sie sich unsere Dozentenseite an, dann wissen Sie, von wem die Rede ist. Unsere Strategie ist es, erfolgreiche Absolventen mit unseren Debütanten zu vernetzen, Gespräche zu ermöglichen, einen ersten Schritt in die Branche zu begleiten.

Das alles geht nicht ohne Spaß vonstatten. Wir lieben es, das Leben zu feiern und die Literatur. Regelmäßig gibt es ein Sommer- und ein Weihnachtsfest und Werkstattgespräche im Hain. Unser Eventkalender bietet eine erste Übersicht und wer mag, kann sich in unseren Newsletter eintragen. Unsere Studierenden sollen sich jahrgangsübergreifend kennenlernen. Wir halten den Kontakt zu unseren Absolventinnen und Absolventen und freuen uns sehr, wenn sie uns auch Jahre später noch verbunden sind. Erst jüngst habe ich dies auf der Leipziger Buchmesse erleben dürfen. Wie schön, wenn sich unsere Studierenden dort begegnen. Ein fühlt sich an, wie nach Hause kommen.

Schreiben, überarbeiten und nicht aufgeben

Was sind Ihre wichtigsten Tipps, die Sie (angehenden) Autoren mitgeben?

Es gibt dererlei viele. Auf einige bin ich bereits während dieses Interviews eingegangen. Ich halte nicht viel von marketinggerechten Tipps für dieses oder jenes. Jedes Buch ist individuell, wie es unsere Autoren auch sind. Jedes Projekt bedarf eines neuen Vorgehens, wir wachsen mit unserem Schreiben, auch wenn es natürlich eines Grundhandwerks bedarf. Das Wichtigste, denke ich, ist: Lesen, lesen, lesen. Schreiben, schreiben, schreiben. Sich der Kritik stellen. Überarbeiten. Neu denken. Umschreiben. Nicht aufgeben. Bei sich bleiben. Sich selbst aushalten. Mit Kollegen an der Bar sitzen – nicht unbedingt an diesem Abend schreiben ;-) Über die eigenen Grenzen gehen, wieder und wieder sich erweitern. Lernen, unablässig. Leben. Schreiben. Und das Ganze dann wieder von vorn.

Was ist aktuell Ihr größtes Ziel? Welche Sehnsucht treibt Sie gerade an?

Eine passende Verlagsheimat für meinen Roman zu finden, noch habe ich ihn nicht angeboten. Den Schreibhain erweitern, dazu schwirren mir ein paar sehr konkrete Ideen im Kopf herum, über die ich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht sprechen will. Und dann gibt es noch ein paar Dinge, womöglich außerhalb der Kunst, die aber auf sie zurückwirken. Schreiben und Leben bedingen sich, das eine bedarf des anderen.

Fragen an Sie:

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  • Wollen Sie Autor werden?
  • Was treibt Sie an und was ist Ihre Sehnsucht?
  • Wenn Sie selbst schon Autor sind: Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

Mehr über Tanja Steinlechner und den Schreibhain: www.schreibhain.com

Weitere Interviews der Serie und Artikel:


(Veröffentlicht März 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

„Sehnsucht Buch“: Wie Tom Oberbichler als Buchmentor Autoren unterstützt

Unternehmern helfen, mit ihrem Sachbuch erfolgreich zu sein: Das ist die Mission des Wiener Buchmentors Tom Oberbichler.  Er berichtet über seinen eigenen Weg ins Selfpublishing und gibt einen entscheidenden Tipp.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Tom Oberbichler zum Buchmentor wurde.
  • Was ihn antreibt.
  • Welche Tipps er seinen Mentees gibt.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Hilfe beim Schreiben und Vermarkten von Sachbüchern

Könntest Du Dich bitte den Lesern meines Blogs vorstellen? Kannst Du dabei auch erklären, wie Deine Arbeit als Buchmentor konkret aussieht?

Mein Name ist Tom Oberbichler, ich bin erfolgreicher Selfpublishing-Autor und unterstütze als Buchmentor Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, im Rahmen ihres Business einen Ratgeber, ein Sachbuch oder eine persönliche Erfolgsgeschichte zu schreiben, im Self-Publishing zu veröffentlichen und erfolgreich zu vermarkten. Dazu leite ich die Selfpublishing-Community „Mission Bestseller Club“.

Vom Bloggen  zum Selfpublishing

Wie kamst Du dazu, Buchautor und Buchmentor zu werden? Was hat Dich inspiriert?

Zum Schreiben kam ich (wieder) über das regelmäßige Bloggen, damals zum Thema NLP – Neurolinguistisches Programmieren. Das fiel 2011 damit zusammen, dass Amazon sein Kindle Direct Publishing-Programm auf dem deutschsprachigen Marktplatz öffnete. Ich nutzte diese Möglichkeit als einer der ersten, begann mit meinen Büchern gutes Geld zu verdienen … und begann dann schon 2012, die neuen Möglichkeiten, die uns die digitale Revolution im Buchmarkt bietet, nicht nur für mich selbst zu nutzen, sondern diesen Weg auch anderen zu öffnen.
Daraus entwickelte ich mit vielen Tests, Anpassungen und Umorientierungen mein heutiges Geschäftsmodell, das mir ein ortsunabhängiges Arbeiten möglich macht.

Meine Interview-Serie heißt „Sehnsucht Buch“. Spielt bei Deinem Werdegang die Sehnsucht eine Rolle?

Hm. Sehnsucht ist kein Begriff, der in meinem Denken eine große Rolle spielt. Für mich liegt in der Sehnsucht eine Weite, ein Abstand zu einem fernen Ziel. So funktioniere ich nicht. Ich bin sehr stark in der Gegenwart verankert und folge stark meinem Wollen. In der Regel hole ich mir die Dinge, die mir wichtig sind, schon bevor eine große Sehnsucht entstehen kann.
Am ehesten finde ich da auf einer sehr hohen Ebene einen Bezug. Ich sehne mich nach einer Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung, nach einem solidarischen Miteinander.

Der Wunsch, viele Menschen zu erreichen

Nach was sehnen sich Deine Mentees?

Das ist sehr unterschiedlich. Die Menschen, die zu mir finden, haben sehr verschiedene Ansprüche und Wünsche. Was sie vielleicht eint ist der Wunsch, sich auszudrücken, etwas zu bewegen und viele Menschen zu erreichen.

Wie hast Du es geschafft, Autor zu werden?  Welche Schritte hast Du dafür unternommen?

Ich habe geschrieben … und zwar regelmäßig – und das mache ich immer noch. Dann habe ich mir das notwendige Wissen angeeignet, um die Bücher auch im Self-Publishing zu veröffentlichen – und gelernt, sie erfolgreich zu vermarkten.
Viel von diesem Lernen fand in Facebook-Gruppen statt.

Sich fokussieren

Was waren bisher Deine größten Herausforderungen?

Früher war es meine vielfältigen Interessen. Ich lerne schnell und habe früher dann auch recht schnell das Interesse an schon bekannten Dingen und Themen verloren. Das hat mir Spaß gemacht und mich gleichzeitig daran gehindert, in EINEM Thema wirklich bei den Besten zu sein – ich war lieber in vielen Dingen gut als in einer Sache super.

Seit ich gelernt habe, meinen Fokus zu halten und ich mich spezialisiert habe, ist die größte Herausforderung, die ich habe, mit dem zunehmenden Rechtsruck in der Politik und den damit folgenden schrecklichen Konsequenzen zurechtzukommen. Im Businessbereich geht es mir einfach gut.

Mit Strategie arbeiten

In meinem Ratgeber „Die Sehnsuchtsstrategie“ vertrete ich die These: Um unsere Sehnsucht erfolgreich zu verwirklichen, hilft uns eine Strategie. Verbindest Du die Sehnsucht mit strategischem Denken?

Ich arbeite immer strategisch – das macht mich frei. Ich brauche eine klare Struktur – an die ich mich durchaus nicht immer halte –, um meiner Kreativität freien Lauf zu lassen.

Raus in die Praxis

Wie sieht Deine Strategie aus?

Wenn ich das auf eine reduzieren wollte, würde ich sagen: Test – Operate – Test – Erfolg. Anders gesagt: Schnell raus in die Praxis mit den Theorien, testen, Feedback offen annehmen, anpassen, wieder testen … solange, bis es klappt.

Was empfiehlst Du Deinen Mentees? Zu welcher Strategie rätst Du ihnen?

Neben dem eben genannten Praxistest habe ich keine einheitliche Strategie für meine Mentees. Ich arbeite stark feedbackorientiert und helfe meinen Mentees, die Strategien, die zu ihnen passen, für sich zu finden. Das sind oft andere als die, die für mich selbst funktionieren.

Was sind Deine wichtigsten Tipps für  (angehende) Autoren?

Ran an die Tasten! Schreib!

Was ist Deine größte Sehnsucht?

Eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung, in der wir Menschen solidarisch miteinander leben – als Teil der Welt, der wir sind.

Fragen an Sie:

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  • Wollen Sie Sachbuchautor werden?
  • Was treibt Sie an und was ist Ihre Sehnsucht?
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Meine Linkempfehlungen:

Tom Oberbichlers Website:  www.mission-bestseller.com

Weitere Interviews der Serie und Artikel:

Meine Literaturempfehlung:

  • Tom Oberbichler: Mission Bestseller. Ratgeber und Sachbücher erfolgreich vermarkten und verkaufen … Eine Anleitung, Wien 2016, E-Book: 9,99 Euro, Taschenbuch: 19,99 Euro.


(Veröffentlicht Februar 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

Wie Sie erfolgreich Entscheidungen im Beruf fällen

Ob Kündigung oder Berufswechsel: Weitreichende Entscheidungen fallen den meisten Berufstätigen schwer. Der eine Arbeitnehmer hat Angst vor den Risiken, die mit einem Jobwechsel verbunden sind. Ein anderer Mitarbeiter scheut sich, seinem Chef zu widersprechen, weil er Nachteile befürchtet … auch wenn er unter der Situation leidet. In der Sorge, Fehler zu machen, schieben viele Berufstätige notwendige Entschlüsse vor sich her. Aber das ist häufig keine Lösung! Denn ein Problem zu vertagen kann es sogar noch verschärfen. Andererseits führen bewusste und reflektierte Entscheidungen zu mehr Zufriedenheit im Job.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Studierende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum Entscheidungen für Berufstätige so schwer sind.
  • Wie Sie zu tragfähigen Entscheidungen kommen.
  • Was bei Entschlüssen hilft und was nicht.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

Tipps für gute Entscheidungen im Berufsalltag

Die 41-jährige Berlinerin Jana Mickel hat in ihrem Arbeitsleben schon zweimal den Beruf gewechselt. „Heute bin ich glücklich mit meinen Entscheidungen!“ Zuerst studierte sie Sozialpädagogik. „In dieser Zeit wurde mir bewusst, dass dies noch nicht der passende berufliche Weg für mich ist. Gerade in Berlin ist die Tätigkeit der sozialen Arbeit eine Herausforderung.“ Deshalb suchte sie nach dem Hochschulabschluss intensiv nach einer Alternative. Schließlich machte sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin. „Bei dieser Wahl hatte ich ein gutes Gefühl. Damit bin ich auch zurückgekehrt zu meinen Wurzeln, denn ich komme aus einer Buchhändlerfamilie.“

Zwölf Jahre lang arbeitete Mickel in einer großen Buchhandlung. Doch sie spürte noch eine weitere Berufung: Den Wunsch, Menschen bei ihren individuellen Wachstumsprozessen zu unterstützen. Auch dieser Spur ging sie nach: „Ich absolvierte nebenberuflich eine Coachingausbildung. Daraufhin benannte mich die Geschäftsführung zur Mobbing- und Gleichstellungsbeauftragten“, so Mickel. Sieben Jahre übte sie diese ehrenamtliche Tätigkeit aus. Ihre Kollegen wählten sie zudem zur Betriebsrätin. Immer öfter übernahm sie die Aufgabe einer Mediatorin, zu der sie sich daraufhin ebenfalls ausbilden ließ. Vor wenigen Monaten kündigte sie ihre Festanstellung als Buchhändlerin und machte sich als Intuitionscoach und Mediatorin selbstständig. Auch dieses Mal zeigte ihr die „innere Stimme“ den Weg.

Auf die innere Stimme hören und Erfahrungen sammeln

„Ich bin dem Ruf gefolgt, indem ich mich intensiv mit meiner Berufung auseinandergesetzt habe“, berichtet Mickel. Sie empfiehlt ihren Klienten, die vor einer Entscheidung stehen, zuerst auf ihre innere Stimme zu hören. „Und dann ist es wichtig, in die Handlung zu kommen, um Erfahrungswissen zu sammeln. Dies kann zum Beispiel bedeuten, eine Weiterbildung zu absolvieren.“
Die praktischen Erfahrungen helfen Berufstätigen konkret, eine für sie passende Wahl zu treffen. „Ich habe zum Beispiel so lange nebenberuflich als Coach gearbeitet, bis ich mir sicher war, dass diese Tätigkeit für mich auch hauptberuflich infrage kommt. Erst dann kündigte ich. Für mich war das der Weg, immer selbstsicherer zu werden!“, betont Mickel.

Doch viele hadern mit der Herausforderung, die richtige Wahl zu treffen. „Tatsächlich fällt das Entscheiden Menschen oft schwer. Der Grund: Wer sich entscheidet, legt sich fest“, erklärt der Münchner Dr. Matthias Nöllke, Autor des Buches „Entscheidungen treffen: Schnell, sicher, richtig“. Stehen einem zuvor zahlreiche Türen offen, schließt man mit einer Entscheidung alle Türen bis auf eine. „Viele haben die Befürchtung, dass hinter einer anderen Tür eine bessere Lösung steckt. Deshalb zögern sie so lange wie möglich – oder legen sich überhaupt nicht fest.“ Doch das sei meist das Schlechteste, was jemand tun könne. „Wer übervorsichtig agiert und sich nicht traut, muss damit rechnen, dass andere für ihn entscheiden.“

Entschlussfähigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Auch der Kölner Unternehmensberater und Coach Peter Holzer betont: „Die Fähigkeit, Entschlüsse zu fassen, ist die halbe Miete für den beruflichen Erfolg!“ Allerdings ist ihm auch klar: „Entscheidungen sind immer ambivalent. Es gibt keine perfekten Entschlüsse, weil niemand in die Zukunft sehen kann.“ Deshalb sei es nur möglich, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.

„Jede Wahl bringt Schmerzen mit sich. Immer ist ein Preis zu zahlen“, erklärt Holzer. „Wer zum Beispiel den Job wechselt, der kann auch scheitern. Vielleicht hat er die Sorge, was die anderen dann denken. Oder ihn belasten finanzielle Verbindlichkeiten, denen er im schlimmsten Fall nicht mehr nachkommen kann.“ Das alles verursache negative Gefühle.

Raus aus der Komfortzone

Dabei stellt der Unternehmensberater und Buchautor Holzer fest: „Viele Berufstätige haben nicht den Mut, sich diesen Schmerzen zu stellen. Stattdessen bleiben sie lieber in ihrer Komfortzone.“ Aber genau so ein Verhalten werde beruflich zum Problem: „Wer nur in der Mitte seiner Komfortzone verweilt, für den schrumpft diese.“ Konkret kann das bedeuten, dass sich jemand immer weniger in der Lage fühlt, selbstständig zu handeln. Dadurch werden sogar kleine Entscheidungen schwierig. So setzt ein Mitarbeiter zum Beispiel viel zu viele Leute in „CC“, nur um keinen Fehler zu machen.

Andererseits hat Holzer auch eine gute Nachricht: „Wer durch den Schmerz hindurchgeht, der erlebt das als Stärkung.“ Es wird ihm also in Zukunft leichter fallen, die eine oder andere Option zu wählen. „So jemandem ist es möglich, auf die innere Stimme zu hören und sein eigenes Leben zu leben.“

Zusätzliche Alternativen helfen

Nöllke weiß, dass Menschen oft nur darüber entscheiden, etwas entweder tun oder bleiben zu lassen. „Zusätzlich sollte noch eine echte Alternative ins Spiel kommen: Die Entschlüsse werden besser, wenn jemand zwischen zwei bis drei unterschiedlichen Lösungen auswählen kann.“

Nöllke benennt einen weiteren Irrtum: „Viele Leute sind überzeugt, dass ihre Entscheidungen besser werden, je mehr Informationen sie einholen und je mehr Experten sie befragen. Das stimmt jedoch nicht.“ Zwar sei es sinnvoll, relevante Fakten zusammentragen. Zu viele Informationen verschlechtern aber die Entscheidung.

Nöllkes Tipp: Berufstätige sollten erst einmal klären, worum es überhaupt geht. „Was genau wollen sie entscheiden?“ Im nächsten Schritt macht es Sinn, die eigenen Ziele zu definieren. Danach sollte der Entscheidungswillige verschiedenen Optionen entwickeln.

Pro- und Contra-Liste

Die Diplom-Psychologin Kerstin Till aus Berlin empfiehlt, zur Vorbereitung von Entscheidungen eine Pro- und Contra-Liste zu erstellen. Wer zum Beispiel den Job wechseln will, sollte sich fragen: Was spricht dafür, was dagegen? Was ist noch unklar? Was muss zunächst getan werden?

Allerdings sieht Till bei vielen Berufstätigen die Gefahr, dass diese ihre Entschlüsse davon abhängig machen, was andere sagen. „Natürlich kann man Informationen aus dem eigenen Umfeld nutzen. Doch braucht man dafür ein eigenes Bewertungssystem.“ Denn wer die Tipps anderer ungefiltert übernimmt, entscheidet nicht mehr selbst. Das ist etwa der Fall, wenn jemand dem Ratschlag einer guten Freundin nachkommt, nur um die Beziehung zu ihr nicht zu gefährden. Deshalb rät Till, Personen mit leichten Formen der Autismus-Spektrums-Störung zu beobachten. Denn Autismus bringt Veränderungen der Personenwahrnehmung und sozialen Kommunikation mit sich: „Diese Menschen entscheiden streng analytisch. Emotionen wie beispielsweise die Furcht, andere zu enttäuschen, spielen keine Rolle.“

Entscheidungsfähigkeit trainieren

Till weiß, dass Berufstätige ihre Entscheidungsfähigkeit trainieren können. „Es ist hilfreich, sich darüber klar zu werden, dass jeder ständig Entscheidungen trifft, sind sie auch noch so klein.“ So entschließt sich vielleicht ein Mitarbeiter, nicht zum Bus zu rennen und sich lieber etwas zu verspäten, um nicht verschwitzt ins Meeting zu kommen. „Wer über diese Mikroentscheidungen reflektiert, wird herausfinden, wie gut er im Alltag funktioniert.“ Das kann ihm Mut machen. Es ist auch ein Zeichen positiver Selbstwirksamkeitserwartungen. Er vertraut sich und „weiß“ intuitiv, dass er die anstehende Situation meistern kann. Andererseits wird ihm auch deutlich, in welchen Situationen er kein gutes Gefühl hatte und dass dieses Gefühl ihn meist nicht täuschte. Till empfiehlt, ehrlich mit sich zu sein und ist sich sicher: Die innere Stimme gibt häufig klare Entscheidungshilfen, wenn die Menschen bereit sind, auf diese zu hören.

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Meine Literaturempfehlungen:

  • Matthias Nöllke: Entscheidungen treffen: Schnell, sicher, richtig. Rudolf Haufe Verlag, Planegg  2015, Taschenbuch: 7,95  Euro, E-Book: 3,99 Euro.
  • Peter Holzer: Mut braucht eine Stimme: Wie Sie Ihrem Leben Wirkung geben.Gabal Verlag, Offenbach 2017, ebundene Ausgabe: 25,00 Euro,  E-Book: 20,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, 2017)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

„Sehnsucht Buch“: Sylvia Löhken über den Weg zur Sachbuchautorin

Als Coach ein Sachbuch schreiben: Das wünschen sich viele Berater und Trainer.  Die Bonnerin Dr. Sylvia Löhken, Speaker und Coach für Intro- und Extrovertierte, berichtet über die Herausforderungen und Erfolge auf ihrem Weg zur Sachbuchautorin, aber auch von ihrer persönlichen Sehnsucht.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sylvia Löhken zur Sachbuchautorin wurde.
  • Was sie antreibt.
  • Was sie erfolgreich macht.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Sylvia Löhken: Mit Expertenwissen über Intros und Extros zum Erfolg

Können Sie sich bitte den Lesern meines Blogs vorstellen?

Ich begleite Menschen dabei, ihren ganz eigenen Weg zu finden: ihren Kommunikationsstil, ihre Ziele, ihre Lebensaufgaben. Dabei ist mir die Persönlichkeit besonders wichtig: Bei jedem Huhn fragen wir uns ja, was artgerechte Haltung ist – und bei Menschen gibt es ständig Ziele oder Kommunikationstipps „von der Stange“. Ich frage also zuerst: Was brauchen, können und mögen Sie mit Ihrer Persönlichkeit? Und von da aus geht es weiter.

Ich bin Sprachfrau. Meine Medien sind dabei die gesprochene und auch die geschriebene Sprache: Ich arbeite gern in direktem Kontakt und schreibe außerdem Bücher. Meine Bücher über introvertiertes Leben und Kommunizieren sind inzwischen in 22 Sprachen übersetzt und haben sich weltweit über eine halbe Million Male verkauft. Wenn ich das schreibe, staune ich jedes Mal.

Mit bildungsfernem Hintergrund zur Bestsellerautorin

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang verlaufen?

In Serpentinen. Ich komme aus eine bildungsfernen Familie und habe mich mit meiner umgebungsuntypischen Neigung zu Lesen und Schreiben nach einer Umgebung gesehnt, das als Beruf zu tun – am liebsten als Professorin. Hier kommt also Ihr Thema Sehnsucht ins Spiel.

Nach dem Abitur habe ich erst einmal eine Bankausbildung gemacht, weil ich den geisteswissenschaftlichen Weg gehen wollte – damals war eine Banklehre noch eine topsichere Sache. :-) Dafür kann ich heute meine Finanzen gut selbst regeln, das war also ok. Studiert habe ich dann in Münster und Berlin. In Berlin habe ich dann an einem Forschungsinstitut in Linguistik promoviert.

Danach bin ich für drei Jahre nach Tokyo gegangen und war dort Lehrbeauftragte an einer sehr coolen Universität, der Keio Daigaku. Hauptberuflich wurde ich nach drei Monaten vor Ort stellvertretende Leiterin des DAAD-Auslandsbüros mitten in Japans Hauptstadt. Bevor ich mich für die Selbstständigkeit entschied, war ich mehrere Jahre in der Bonner DAAD-Zentrale im Management für verschiedene Bereiche zuständig, z.B. für Strategie und Programmentwicklung oder zuletzt für Interne und Externe Kommunikation. Spannend fand ich, mal wieder intro-typisch, das Redenschreiben – dafür braucht es Spaß am Lesen, Reden und Schreiben, das passte also.

Seit Anfang 2007 bin ich selbstständig als Coach, Referentin, Autorin und Rednerin. Ich habe zwei eigene Firmen: Das textATRIUM ist in der Wissenschaftskommunikation angesiedelt – da habe ich einfach viel Erfahrung und internationalen „Stallgeruch“. Und die „IntrosExtros“ erklären sich von selbst…

Introvertierten eine Stimme geben

Meine Interview-Serie heißt „Sehnsucht Buch“. Spielt bei Ihrer Arbeit als Autorin die Sehnsucht eine Rolle? Oder welche andere Motivation hat Sie veranlasst, Sachbücher zu schreiben?

Ich wollte und will den Leisen Menschen eine Stimme geben und ihre Stärken sichtbar machen. Das wusste ich aber noch nicht, als ich mich auf den Weg gemacht habe.

Ich glaube, es gibt zweierlei Sehnsucht. 1. Die eine Art Sehnsucht ist ein konkreter Wunsch. So war es seit meinen Teenagertagen mein großer Traum, einmal für eine Zeit in Japan zu leben und das Land von innen heraus zu erfahren. Als dann kurz vor Abschluss meiner Promotion das Stellenangebot für Tokyo tatsächlich kam, war es meine Sehnsucht, die mir die Kraft gab, ein Habilitationsangebot abzulehnen und mich auf den Weg zu machen. Die alte Sehnsucht nach der Professur wurde also durch eine neue, aktuelle abgelöst. Nicht einfach nur so: Ich hatte gemerkt, dass ein Lehrstuhl mich nicht glücklich machen konnte. Aber das Neue konnte ich tun, weil ich mich für die alte Sehnsucht auf den Weg gemacht hatte.

Die „große Sehnsucht“ erfordert Vertrauen

2. Die zweite Art Sehnsucht ist die „große“. Das klingt ziemlich merkwürdig, und diese „Große Sehnsucht“ lässt sich (furchtbar für mich :-) ) nicht so klar in Worte fassen. Aber vielleicht  kennen Sie sie auch: Es ist das unbestimmte Gefühl, dass etwas „meins“ ist. Und diese Sehnsucht zieht uns nicht nur zu etwas, sondern oft auch von Dingen weg, die „nicht meine“ sind. Ich bin weggegangen von der Aussicht auf die Professur, weggegangen von der tollen und sicheren Stelle im DAAD. Weil ich wusste: Da bin ich noch nicht richtig. Diese zweite Art Sehnsucht fordert ein Vertrauen: Wir müssen uns manchmal auf den Weg ins Ungewisse machen, ohne dass das Weggezogenwerden eine Garantie bringt, dass wir gut und heil ankommen. Und doch fühlen wir: Ich muss los, wenn ich auf meine große Sehnsucht hören will.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es lohnt sich.

Wie gelang es Ihnen, Sachbuchautorin zu werden? Welche Schritte haben Sie dafür unternommen?

Das erste Sachbuch (gerade neu aufgelegt) heißt „Kommunale Redepraxis“. Weil ich viel mit Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern gearbeitet habe, hat mich der Kohlhammer-Verlag gefragt, ob ich ein Buch zu allen mündlichen Redeanlässen für diese Zielgruppe schreiben würde. Das erste Projekt ist mir also in den Schoß gefallen und hat mir gezeigt: Ich kann es auch jenseits der Wissenschaft.

Ein Sammelband als Ausgangspunkt

Das Thema Introversion hat mich lange umgetrieben, weil ich selbst introvertiert bin und weil viele meiner Lieblingskunden ebenfalls leise sind. Ich hatte also schon lange gesammelt. Dann habe ich einen Beitrag zum Thema in einem Sammelband veröffentlicht, den der Gabal-Verlag publizierte, und eine der beiden Projektleiterinnen war Ute Flockenhaus, die damalige Programmleiterin des Verlages. Als ich ihr bei Erscheinen des Sammelbandes meine Idee für ein Buch mit dem Namen „Leise Menschen“ vorschlug, sah sie mich einfach freundlich an und meinte „Ich lasse den Titel schon einmal sichern.“ Das werde ich ihr nie vergessen.

Was war bisher Ihre größte Herausforderung auf dem Weg zum eigenen Buch? Und wie haben Sie diese bewältigt?

Ich schreibe gern, bin aber oft unzufrieden mit dem, was dann auf dem Papier steht. Viele Intros haben monströse innere Kritiker. Und dann ist in meinem inneren Team auch noch die Wissenschaftlerin, die gern darauf hinweist, dass vieles doch viel exakter und mit Fußnoten…

Mir hilft es enorm, wenn ich mich selbst zurücknehme und frage: Wie sehen der Leser und die Leserin aus, die dieses Buch einmal lesen werden? Was würde ihnen helfen? Dann geht es meistens gut weiter. Durch die Publikationen, die es schon geben durfte, sind viele direkte Kontakte zu Lesenden entstanden, auf Buchmessen und in Vorträgen, in Emails, die jede Woche hereinkommen, und auch über Coachinganfragen. Ich weiß also viel besser als früher, was die Person schätzt, die mein Buch in den Händen oder auf den Ohren hat. Und so kann ich von mir selbst abrücken und habe gute Gründe dafür.

Zugang zur eigenen Sehnsucht

In meinem Ratgeber „Die Sehnsuchtsstrategie“ vertrete ich die These: Um unsere Sehnsucht erfolgreich zu verwirklichen, hilft uns eine Strategie. Bedienen Sie sich einer Strategie? Wenn das der Fall sein sollte, können Sie diese Strategie beschreiben?

Für beide Kategorien Sehnsucht (siehe oben) lautet meine Strategie: Sorge dafür, dass Du zu Deiner Sehnsucht Zugang hast, dass Du sie hören kannst. Für mich persönlich bedeutet das: Morning Pages oder Morgenseiten. Entwickelt von Julia Cameron („The Artist’s Way“). Das heißt: Jeden Morgen nach dem Aufstehen drei Seiten Din A 4 frei assoziierend schreiben. Diese Praxis stellt diesen Zugang zur Sehnsucht sicher – und setzt Unmengen an Kreativität frei. Morning Pages schreiben übrigens viele sehr erfolgreiche Menschen, Joanne Rowling ebenso wie Tim Ferriss.

Tipp an Autoren: Das eigene Thema finden

Was sind Ihre wichtigsten Tipps für angehende Sachbuchautoren?

Lesen. Das eigene Thema finden. (Sehnsucht ist ein guter Wegweiser.)
Recherchieren. Die Unterschiede zum Bisherigen herausarbeiten. Es gibt so viele Bücher, die einfach nur Bekanntes wiederkäuen – das finde ich schade.
Mehr lesen – von Meisterinnen und Meistern ihres Fachs. Das färbt ab.

Das Büchlein von Petra Begemann besorgen: „Das eigene Sachbuch“, bei Gabal erschienen. Das spart enorm Zeit und Aufwand auf dem Weg zu einem ordentlichen Exposé und gibt auch sonst viele nützliche Hinweise.

Gutes, wirkungsvolles Schreiben für andere ist, das werden Sie als Journalistin unterschreiben, in erster Linie Handwerk. Das bedeutet: Ich gehöre als Schreibende in meine Werkstatt, mit vielen Werkzeugen und möglichst täglicher Praxis. Mein Mann ist Musiker, und mit der Musik ist es genauso: tägliche Werkstatt, tägliches Tun – und dann gelingt im Konzert scheinbar mühelos die Improvisation oder ein Stück auf höchstem Niveau.

Resonanz als Ziel

Was ist Ihr größtes Ziel als Autorin?

Resonanz! Wenn Menschen mich finden, um mit mir zu arbeiten. Wenn sie mir sagen, dass sich etwas in ihrem Leben verändert hat, seitdem sie ein Buch von mir gelesen haben. Wenn sie selbst etwas darüber schreiben wollen – so haben wir uns ja auch kennengelernt. Deshalb schreibe ich gerade diese Worte für Ihren Blog und kenne Ihr eigenes tolles Buch.  Danke dafür! Also: Resonanz. :-)

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie Sachbuchautor werden?
  • Was treibt Sie an und was ist Ihre Sehnsucht?
  • Wenn Sie selbst schon Autor sind: Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Weitere Interviews der Serie und Artikel:

Meine Literaturempfehlungen:

  •  Sylvia Löhken: Leise Menschen – gutes Leben: Das Entwicklungsbuch für introvertierte Persönlichkeiten, Gabal, Offenbach 2017,  E-Book: 20,99 Euro, gebundene Ausgabe: 24,90 Euro.


(Veröffentlicht Januar 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

 

Antipathie überwinden: Im Job mit schwierigen Menschen umgehen

Zu laut, mürrisch oder arrogant: Es gibt viele Gründe, warum Kollegen unsympathisch wirken können. Manch ein Berufstätiger entwickelt eine regelrechte Antipathie gegenüber anderen Teammitgliedern. Doch diese Gefühlsregung kann im Job zum Problem werden. Denn statt sich voll auf die Arbeit zu konzentrieren, führen einige einen Kleinkrieg gegen den Unsympathen. Das ist riskant, schließlich steht das soziale Image auf dem Spiel. Besser er ist es, die Abneigung zu überwinden und konstruktiv nach einer Lösung zu suchen.

Antipathie überwinden: Im Job mit schwieriegen Menschen umgehen.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Antipathien entstehen.
  • Warum Antipathie im Beruf problematisch ist.
  • Wie Sie Antipathie überwinden können.
  • Linkempfehlungen.

Wie Sie Abneigung gegen Menschen erfolgreich bekämpfen

„Mit unseren Kollegen verbringen wir oft mehr Zeit als mit unserem Partner“, erklärt Karrierecoach Jessica Wahl aus Berlin. Deshalb hat ein gestörtes Verhältnis zum Büronachbarn einen großen Einfluss auf den Job. „Wer Antipathien gegen Teammitgliedern oder Chefs hegt, fühlt sich oft blockiert. Er kann sich nicht mehr voll auf seine Aufgaben konzentrieren.“

Außerdem verändert Antipathie das menschliche Verhalten: „So ein Mitarbeiter wird durch seine Körperhaltung deutlich machen, dass er den Betreffenden nicht mag. Er wird zum Beispiel kopfschütteln, abfällig lächeln oder dem anderen ins Wort fallen“, so Wahl. Dieses unbewusste Benehmen führe dann oft zu Konflikten.

Antipathie wirkt sich negativ auf das Betriebsklima aus

Auch Buchautorin und Coach Dr. Sylvia Löhken aus Bonn weiß, dass Antipathie im beruflichen Kontext schadet: „In Unternehmen gibt es die Erwartung, dass die Mitarbeiter flexibel und erfolgreich zusammenarbeiten. Sind aber die Beziehungen untereinander gestört, laufen meist auch die Projekte nicht gut.“ Abneigungen können sogar regelrecht hinderlich für die Karriere sein.

„Wenn ein Chef mitbekommt, dass ein Teammitglied Aversionen zeigt, wird er diesen sicherlich nicht für besonders teamfähig halten“, so Löhken. Deshalb ist sie davon überzeugt, dass sich so jemand unter Wert verkauft und Nachteile im Job befürchten muss. Sich selbst gegenüber erweist so ein Mitarbeiter ebenfalls einen Bärendienst: „Wer Antipathie auslebt, fühlt sich schlecht und senkt dadurch seine Lebensqualität.“

Gründe für Antipathie

Die Gründe für Antipathien können sehr unterschiedlich sein. Oft sind es Kleinigkeiten: „Manchmal ist es nur die Stimme des Büronachbarn, die nervt“, berichtet Wahl. Ein mürrisches Auftreten oder Wortkargheit kann Teammitglieder genauso stören wie Redseligkeit oder Besserwisserei.

Sympathie oder Antipathie entsteht schon beim Kennenlernen, betont Dr. Gerd Reimann, Geschäftsführer der Gideon Wirtschaftspsychologen aus Potsdam: „Die erste Zehntelsekunde entscheidet darüber, welches Bild wir uns vom anderen machen.“ Wer den Blickkontakt verweigert oder sich im Gespräch wegdreht, wirkt zum Beispiel auf das Gegenüber meist unsympathisch.

Wie Sympathie entsteht

„Wir Menschen sind eigentlich der Überzeugung, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle so wären wie wir selbst“, erklärt Löhken. Sie hat sich als Coach auf Introvertierte spezialisiert und weiß, dass Sympathie in der Regel mit Gemeinsamkeiten einhergeht. „Wenn zwei ein ähnliches Weltbild haben, mögen sie sich häufig.“

Genauso funktioniert es auch in der anderen Richtung: „Jemand, der ordentlich und penibel ist, wird sich höchstwahrscheinlich darüber aufregen, wenn sein Büronachbar die Pizzareste in die Computertastatur krümelt“, so Löhken. Der Hintergrund für den Ärger kann zum Beispiel in der Vergangenheit des Mitarbeiters liegen. „Vielleicht würde dieser Kollege gerne auch krümeln, aber seine Eltern haben ihm strikte Ordnung anerzogen.“

Wahl sieht Neid als weiteren Auslöser für Antipathie: „Manche Menschen stört es, wenn andere im Mittelpunkt stehen und im wahrsten Sinne des Wortes viel Raum einnehmen. Dabei wünschen sie sich selbst mehr Beachtung.“

Unterschied zwischen Frauen und Männern

Businesscoach Isabel Nitzsche aus München erkennt Unterschiede zwischen den Geschlechtern: „Frauen haben meist einen höheren Anspruch an zwischenmenschliche Beziehungen. Das gilt auch für den Job. Deshalb stört sie es mehr, wenn ihnen jemand unsympathisch ist.“ Männer hätten geringere Erwartungen an ein kollegiales Verhältnis. Das mache sie in diesem Punkt toleranter. „Übrigens sind die meisten Menschen gegenüber Kunden wesentlich aufgeschlossener als gegenüber Kollegen.“

Nitzsche beobachtet noch ein weiteres Phänomen: „Mitarbeiter, die unter Druck stehen, entwickeln öfter Abneigungen als solche, die in einem entspannten Umfeld arbeiten.“

So überwinden Sie Antipathie

Doch niemand muss sein Verhalten von Antipathien diktieren lassen, so Nitzsche. „Berufstätige sollten erst einmal freundlich sein … auch gegenüber unsympathischen Menschen. Selbst wenn der Gesprächspartner diese Freundlichkeit nicht sofort erwidert, ist es wichtig, weiter auf ihn zuzugehen und sich nicht zurückzuziehen. Denn das wirkt langfristig.“ Zwar dauere es bei dem einem Kollegen länger als bei dem anderen. Doch auf Dauer könne sich niemand einer positiven Ausstrahlung entziehen.

Um die Antipathie zu überwinden, empfiehlt Reimann, den ersten Eindruck zu relativieren: „Berufstätige sollten sich ihrer selektiven Wahrnehmung bewusst werden und die Gesamtpersönlichkeit des vermeintlich unsympathischen Teammitgliedes betrachten.“ Dabei geht es nicht so sehr um die Schwachstellen, sondern um die Fähigkeiten und positiven Charaktereigenschaften. „Es kann zum Beispiel sein, dass dieser Kollege andere im Team bei ihrer Arbeit unterstützt.“

Das Positive sehen

Auch Löhken rät zur Denkdisziplin. Ihr Tipp: Sich fünf bis zehn positive Eigenschaften überlegen, die den scheinbar abstoßenden Menschen ausmachen. „Wer das macht, verändert seine Wahrnehmung und ist nicht mehr Beute der eigenen negativen Impulse.“ Es macht also Sinn, die Perspektive zu wechseln. „Jeder kennt Typen, die er grundsätzlich nicht mag“, so Löhken. „Wichtig ist es, trotzdem auf diese Menschen zuzugehen und sich eine Grundneugier auf andere zu erhalten.“ So sollten sich zum Beispiel Berufstätige bei Netzwerktreffen auch mit dem Menschentyp unterhalten, der ihnen am wenigsten liegt. Denn vielleicht kann gerade dieser Kontakt künftig wichtig werden.

Da oft kleine Verhaltensweisen Antipathien auslösen, sollten sich Berufstätige klar machen, dass unsympathisches Benehmen viele Gründe haben kann. „Eventuell ist jemand selbst unsicher oder hat schlecht geschlafen. Vielleicht kneift ein Mitarbeiter deshalb immer die Augen zu, weil er an Sehproblemen leidet“, so Wahl. Es muss nicht unbedingt Abneigung sein, die Menschen veranlasst, unfreundlich zu wirken.

Vorsicht beim Thematisieren von Problemen

Stört einem Mitarbeiter das Verhalten eines Kollegen so sehr, dass darunter die Arbeit leidet, sollte der Betroffene allerdings das Gespräch suchen. Reimann: „Dabei kann ein Berufstätiger aber viel falsch machen. So darf er niemals den anderen verurteilen, sondern sollte sogenannte Ich-Botschaften senden.“ Es geht also darum, die eigene Befindlichkeit auszusprechen. Sein Tipp: Jeden Appell unterlassen und stattdessen eine gemeinsame Zielstellung erarbeiten.

Manchmal ist ein konstruktives Zweier-Gespräch allerdings nicht mehr möglich. Dann braucht es einen Moderator. „Das kann aber nur funktionieren, wenn der Dritte wirklich neutral ist und keine Partei ergreift“, erklärt Reimann. Im Zweifelsfall sollten Unternehmen dafür auf einen externen Dienstleister zurückgreifen.

Insbesondere wenn Mitarbeiter erleben müssen, dass ihre Kollegen Grenzen überschreiten wie bei einem sexuellen Übergriff, rät Reimann dringend dazu, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. „In so einem Fall müssen sich  Mitarbeiter unbedingt Unterstützung holen.“

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche Erfahrungen habe Sie mit Antipathie im Beruf gemacht?
  • Wie gehen Sie mit diesem Gefühl um?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:


(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2017)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

„Sehnsucht Buch“: Susanne Kliem und ihr Weg zur Thrillerautorin

Wie wird eine Frau zur Krimiautorin? Auf diese Frage gibt die Berlinerin Susanne Kliem Antworten.  Sie berichtet über ihre Herausforderungen und Erfolge auf dem Weg in die Schriftstellerei, erzählt von ihrer persönlichen Sehnsucht und gibt hilfreiche Tipps für angehende Autoren. Sehnsucht-Buch-Susanne-Kliem-AnjaSchreiber

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Susanne Kliem zur Autorin wurde.
  • Was sie antreibt.
  • Was ihr auf dem Weg zur Schriftstellerin half und was sie hinderte.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

Susanne Kliem: Von der Pressereferentin zur Schriftstellerin

Kannst Du Dich den Lesern meines Blogs vorstellen und von deinem Werdegang berichten?

Seit ein paar Jahren arbeite ich hauptberuflich als Autorin von Spannungsromanen. Mal sind es Kriminalromane, mal psychologische Thriller. Sie erscheinen bei carl’s books, C. Bertelsmann und bei Penguin.

Ich musste aber, um zu meinem Traumberuf zu finden, einen recht kurvenreichen und steinigen Weg gehen. Bevor ich zu schreiben begann, habe ich sechs verschiedene Berufe ausgeübt – die meisten davon „Learning by Doing“, aber ich habe auch eine ordentliche Lehre als Buchhändlerin absolviert.

Viele Menschen in meinem Freundeskreis hatten schon früh kreative Berufe und waren darin erfolgreich, ich kannte einige bildende KünstlerInnen und viele SchauspielerInnen. Es gab auch in mir eine Sehnsucht, etwas Kreatives zu machen, aber ich wusste nicht, was. Und ich habe mich auch nicht getraut, etwas auszuprobieren. Stattdessen war ich als Assistentin eines Regisseurs tätig, als Pressereferentin für Fernsehserien, als Ghostwriterin für Ratgeberbücher, habe mich also mit Dienstleistungen rund um die Kunst beschäftigt, mich aber in der „2. Reihe“ nie wirklich wohlgefühlt.

Kontakt zu interessanten Menschen

Diese Interview-Serie heißt „Sehnsucht Buch“. Was treibt Dich an, Bücher zu schreiben?

Rein äußerlich betrachtet, treibt mich an, dass ich davon lebe und mein Haupteinkommen aus der Schreibarbeit erziele. Auch ist mir die gesellschaftliche Anerkennung wichtig.

Gleichzeitig ermöglicht mir das Schreiben, mit sehr vielen lieben und interessanten Menschen in Kontakt zu kommen, sei es mit meinen KrimikollegInnen im Syndikat, meinem Verlagsteam, mit Leserinnen, Lesern, mit Buchhändlern, Veranstaltern und natürlich mit BloggerInnen, InterviewpartnerInnen und RezensentInnen. Und, nicht zu vergessen, bei der Recherche für die Romane mit den interessantesten Profis aller Art.

Die Sehnsucht nach kreativem Tun

Spielt bei Deiner Arbeit als Autorin die Sehnsucht eine Rolle? Kannst Du diese Motivation beschreiben?

Die Sehnsucht nach einer kreativen Tätigkeit wurde bei mir immer stärker, bis ich im hohen Alter von 40 Jahren mit meinem ersten Roman begonnen habe. Früher wusste ich nicht, woher diese Sehnsucht kam, aber heute verstehe ich, dass ich schreibe, um mich selbst kennenzulernen. Beim Schreiben komme ich in Einklang mit mir selbst, ich fühle mich erfüllt und zufrieden. Danach kann man süchtig werden, und die Sehnsucht ist da, es immer wieder zu tun!

Austausch ist hilfreich

Wie bist Du vorgegangen, um Autorin zu werden?

Ich habe drauf los geschrieben, gleich einen kompletten Roman. Ohne Plan, ohne Kontakte in die Branche, ohne Hilfe und Unterstützung. Das kann ich niemandem empfehlen, es ist ein mühsamer Weg! Ein wichtiger und richtiger Schritt war mein Beitritt bei den „Mörderischen Schwestern“, einem Netzwerk krimiliebender (und meist auch schreibender) Frauen. Der Austausch mit erfahreneren Kolleginnen hat mich endlich weitergebracht, und nach fünf großen Überarbeitungsrunden, wurde mein Manuskript von einem kleinen Verlag veröffentlicht. Ich habe stetig an meinen handwerklichen Fähigkeiten gearbeitet, um den Sprung zu einem großen Verlag zu schaffen. Das hat dann, 2013, mit dem Thriller „Die Beschützerin“ geklappt. Die Verlagssuche lief über eine Literaturagentur.

Von Durststrecken und dem Neid der Anderen

Was waren dabei Deine größten Herausforderungen und wie hast Du sie bewältigt?

Am schlimmsten waren für mich die langen Durststrecken, in denen ich nicht einschätzen konnte, ob mein Text wirklich irgendwann genug taugen wird, oder ob ich die viele Arbeit in etwas investiere, was am Ende in der Mülltonne landen wird. Das war in den Jahren 2005 bis 2009 vor der ersten Veröffntlichung. Diese Möglichkeiten, die es heutzutage im Bereich Selfpublishing gibt, die existierten noch nicht. Entweder man fand einen Verlag oder man war eben gescheitert.
Immer wieder hatte ich die Zweifel: reicht meine Begabung überhaupt aus? Oder mache ich mir nur etwas vor?

Eine große Herausforderung waren auch Menschen in meiner Umgebung, im Freundes- und Bekanntenkreis, die nicht an mich geglaubt haben und mich immer wieder tief verunsichert haben. Durch gehässige Nachfragen zum Beispiel („Was? Du hast noch immer nichts veröffentlicht? DAS dauert aber lange!“). Durch das Betonen, es würde sich ja nur um ein nettes Hobby handeln … Oft steckte einfach Neid dahinter, auf meinen Mut, und auf die Freiheit, die ich mir erkämpft habe. Das kann ich heute begreifen. Aber damals, in der Situation, war es sehr verletzend und entmutigend.

Viele kleine Schritte auf dem Weg zum Buch

Eine These in meinem Ratgeber „Die Sehnsuchtsstrategie“ ist, dass Menschen eine Strategie hilft, ihre Sehnsucht erfolgreich zu verwirklichen. Bedienst Du Dich einer Strategie? Und wie sieht diese aus?

Inzwischen bin ich überzeugt, dass uns alle eine Strategie besser und schneller ans Ziel bringt, aber dies zu erkennen, war eben eine lange Entwicklung bei mir, siehe oben. In einem Buch steckt so unendlich viel Arbeit. Heute sehe ich jeden Roman an wie eine Reise, die ich mir in Etappen einteile, in viele kleine Schritte, jeden Tag. Ich lege jeden Tag ein kleines Stück Weg zurück, das ist gut zu bewältigen. Ich lobe und belohne mich für geschaffte Etappen. Wenn Zweifel kommen (und sie kommen immer noch!), denke ich an Erfolge, die ich bereits hatte. Wenn Menschen mich als Bestsellerautorin bezeichnen (ja, das kommt vor ;-) ), dann kläre ich sie nicht (mehr) über ihren Irrtum auf. Das Sprichwort „Fake it `til you make it“ ist ein sehr weiser Spruch.

Fernhalten von neidischen Menschen

Was sind Deine wichtigsten Tipps für angehende Autoren?

Der Buchmarkt verändert sich auf rasante Weise, es wird – so beobachte ich es zumindest – immer schwerer, in die klassischen Publikumsverlage als DebütantIn hereinzukommen, weil weniger und weniger Debüts produziert werden.

Gleichzeitig wächst der Markt der SelfpublisherInnen. Ein Bereich, in dem ich wenig Rat geben kann, weil ich mich nicht gut auskenne. Es reicht dort nicht, toll zu schreiben, es gehört viel mehr dazu, man muss sich vermarkten können und wollen, um aus der Masse herauszustechen. Es geht um Aufmerksamkeit, immer und ständig. Das ist so verdammt anstrengend. Die Behauptung „mein Text ist der Allerbeste und Tollste“ muss in die Welt posaunt werden. Gleichzeitig sind wir AutorInnen aber fragile, selbstzweifelnde Wesen. Wir brauchen Bestätigung, Anerkennung, Menschen, die an uns glauben. Die einem im rechten Moment in den A… treten und sagen: „Klar machst du jetzt weiter. Gib nicht auf, das schaffst du!“ Deshalb ist mein wichtigster Tipp, sich mit anderen Schreibenden zu vernetzen, die die Glückszustände kennen, aber auch die tiefen Täler des Zweifels.
Ein zweiter Tipp: Von Menschen fernhalten, die einem nicht guttun, die neidisch sind und verunsichern wollen!

Was ist Dein größtes Ziel?

Ich möchte eine gute Balance finden zwischen meiner Arbeit und dem Leben mit meiner Familie. Ich hätte auch nichts dagegen, wirklich einmal Bestsellerautorin zu werden, einfach weil es mir die Sicherheit geben würde, dass mein Verlag an mir festhält. Und dass ich diesen wundervollen Beruf vielleicht auch in zehn Jahren noch ausüben kann.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie  Buchautor werden?
  • Was treibt Sie an und was ist Ihre Sehnsucht?
  • Wenn Sie selbst schon Autor sind: Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlungen:

  • Susanne Kliem: Das Scherbenhaus, carl’s books, München 2017, E-Book: 9,99 Euro, Taschenbuch: 14,99 Euro

(Veröffentlicht Dezember 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)