Glaubenssätze im Beruf: Wie Sie negative Gedanken verändern und überwinden

Bei vielen Berufstätigen spuken einschränkende Gedanken oder gar negative Glaubenssätze im Kopf herum. Diese wirken sich limitierend auf das Selbstbewusstsein und den Erfolg im Beruf aus. In diesem Interview zeigt Ilona Lindenau, Coach und Autorin des Buches „Lass´ zu, was Dich groß macht“, wie Menschen negative Gedanken überwinden und zu mehr Freude, Souveränität und Erfolg finden.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was der Begriff „Glaubensätze“ bedeutet.
  • Welche Folgen negative Gedanken und Glaubenssätze haben.
  • Wie Sie negative Glaubenssätze verändern und überwinden können.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Welche Gedanken behindern Berufstätige im Alltag am meisten?

Gedanken, die ausbremsen, an negativen Eindrücken hängen, aber auch Befürchtungen, Vergleiche oder vorschnelle Interpretationen. Hier gibt es viele Ursachen, das hängt vom jeweiligen Gedanken ab. Ich nenne die negativen Einflüsterungen „Self Talk“.

Einfluss von Gedanken wird unterschätzt

Welchen Anteil haben negative oder positive Gedanken an Erfolg oder Misserfolg im Beruf?

Meines Erachtens haben sie einen erheblichen und häufig unterschätzten Einfluss. Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, zum Beispiel von Bruce Lipton oder von der Mayo Klinik in den USA, die im Rahmen der Gehirnforschung feststellten, dass der Anteil der negativen Gedanken bei 70 Prozent liegt. Auch die Erfahrung in meinen Seminaren und in meinem Coaching ist, dass viele Menschen in negativen Gedankenschleifen hängen bleiben und sich so auch die Sicht verändert.

„Glaubenssätze sind tiefe Überzeugungen“

Man nennt solche Gedanken Glaubenssätze. Was bedeutet dieser Begriff?

Ich möchte hier mehr differenzieren. In meiner Arbeit unterscheide ich zwischen negativem Self Talk und negativen Glaubenssätzen. Self Talk ist alles, was ich denke oder ausspreche, wenn ich über mich selbst denke oder spreche. Der eine spricht mit sich in der Ich-Form, der andere eher in der Du-Form. Das ist das Gleiche. Self Talk sind auch negative Kommentare über sich selbst. Das muss noch kein Glaubenssatz sein.

Glaubenssätze sind tiefe Überzeugungen. Die ersten entstehen oft schon in der Kindheit. Man darf das und das nicht. Hier werden auch oft Überzeugungen von Eltern unbewusst übernommen. Beispiel dafür sind Sätze wie „Alle Akademiker sind …“, „Alle, die nicht studieren sind …“, „Geld stinkt“, „Jeder, der reich ist, ist ein Betrüger“. Ich habe jetzt bewusst plakative Beispiele genommen, um es deutlicher zu machen. Glaubenssätze entstehen auch aus Verlusten, Trauer, negativen Erlebnissen oder Beobachtungen. Letztlich steckt immer eine Art von Befürchtung dahinter. Diese negativen Überzeugungen rauben uns Mut, Kraft und Lebensfreude. Sie bremsen aus. Aus Self Talk können auch Glaubenssätze entstehen.

Gewohnheiten verändern

Wie wichtig ist es, die Entstehungsgeschichte eigener Glaubenssätze zu reflektieren?

Mhm…, das kommt darauf an. Es ist nicht immer relevant, genau herauszufinden, woher in der Tiefe eine Überzeugung kommt. Wichtiger ist die Frage: Was macht sie mit mir? Die Auswirkung ist relevanter. Hier sollte ich mich fragen „Wo und wie bremst es mich aus?“ Dann sollte ich die Gewohnheiten verändern. In meinem Buch gehe ich näher darauf ein und beschreibe Stopp-Techniken, um negativen Self Talk zu stoppen. Das ist der wichtigste erste Schritt. Auch Tipps zur Veränderungen finden die Leser.

Glaubenssätze wahrnehmen, Gedanken stoppen

Was können Berufstätige gegen ihre Glaubenssätze tun?

Vor allem ist erst mal die Wahrnehmung wichtig. Schauen, hören und aufschreiben, was ich den lieben langen Tag über mich sage und denke. Auch schauen, was davon tiefe Überzeugungen – also Glaubenssätze – sind. Das sollte über einen längeren Zeitraum geschehen. Der nächste Schritt ist das Stoppen. Da wir ja der Chef in unserem Kopf sind und nicht ferngesteuert denken, ist es wichtig zu lernen, wie wir die negativen Antreiber stoppen können.

Im letzten Schritt sollte man dann einen Realitätscheck machen – also abchecken, ob diese Überzeugungen überhaupt realistisch sind. Und man sollte das Augenmerk eine längere Zeit auf die Stärken legen, also die eigenen Stärken bewusster wahrnehmen.

Negatives Denken als Gewohnheit

Einfach positiv denken: Dieses Vorgehen klappt oft nicht. Wie kommt das?

Weil die negativen Denkschleifen zur Gewohnheit geworden sind. Ich kann nicht einfach so umstellen. Das Unterbewusstsein hat hier einfach über Jahre oder Jahrzehnte mit diesen Mustern agiert. Und im Gehirn sind sozusagen „Denkrillen“ – Synapsen – entstanden. Zum einen mag das Unterbewusste Veränderungen nicht wirklich gern. Zum anderen braucht es einfach Zeit und Geduld, eine langjährige Gewohnheit zu verändern.

Erstes Beispiel: Die Tischordnung zu Hause. Einfach mal so auf einem anderen Platz zu sitzen ist für viele nicht leicht, teilweise sogar unvorstellbar. Das ist auch eine Generationen-Frage. Bei meiner Oma war es ein absolutes No-Go, auf anderen Stühlen zu sitzen – unvorstellbar!

Zweites Beispiel: Schubladen umräumen. Jeder von uns hat schon mal eine Schublade umgeräumt. Wie lange danach haben wir noch „falsch“ gegriffen? Also dahin, wo die Sachen vorher waren. Meist ist es zu Beginn noch oft so, nach und nach gewöhnt sich unser Gehirn an die neue Ordnung. Aber selbst dann kann es nach langer Zeit noch passieren, dass wir in die alte Richtung greifen. Entweder, wenn wir müde, verärgert sind oder neben uns stehen. Dann kommen die alten Gewohnheiten wieder durch. Immer dann, wenn wir nicht 100 Prozent präsent – also nicht 100 Prozent in der Gegenwart – sind.

Mehr Positives wahrnehmen

Haben Sie noch weitere Tipps, um negativen Self Talk zu überwinden?

Nehmen Sie mehr positive Dinge wahr. Achten Sie im Alltag auf die freundlichen Momente. Ich nenne diese in meinem Buch auch „Gänseblümchen-Momente“. Das sind Momente, wenn wir auf der Straße laufen und sehen können, wie sich ein kleines Gänseblümchen durch den Asphalt drückt. Es gibt viele dieser Momente im Alltag. Nur schauen Menschen meist auf das, was nicht passt, nicht gefällt, man nicht mag. Den Fokus mal eine Zeitlang verändern, ist so ein Tipp. Auch hilft mehr Gelassenheit in schwierigen Situationen, nicht recht haben wollen oder müssen … und vor allem, die eigenen Stärken wahrzunehmen und den Selbstwert zu stärken. Das verändert langfristig auch das Denken.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Prägen negative Gedanken oder Glaubenssätze Ihren beruflichen Alltag?
  • Wann entstehen bei Ihnen solche Gedanken?
  • Wie gehen Sie damit um?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Meine Artkel:

Meine Literaturempfehlung:

  • Ilona Lindenau: Lass´ zu, was Dich groß macht. Wie Sie sich von inneren Saboteuren befreien und Erfolg und Lebensfreude gewinnen, Goldegg, Berlin 2019, gebundenes Buch: 19,95 Euro, E-Book: 9,99 Euro

(Copyright 2019 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.