Grüne Jobs: Ausbildungen und Studiengänge im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Die Bewältigung der Klimakrise ist eine Menschheitsherausforderung. Sie kann aber auch zum Jobmotor werden. Schließlich werden zunehmend Fachkräfte in den Bereichen Nachhaltigkeit, Umwelt- und Klimaschutz gesucht. Das gilt für Menschen mit dualer Ausbildung genauso wie für Absolventen eines Hochschulstudiums. Der Artikel zeigt eine große Bandbreiten von Ausbildungsberufen und Studiengängen, die alle einen nachhaltigen Beruf zum Ziel haben.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Welche Ausbildungen im Bereich Umwelt- und Klimaschutz es gibt.
  • Welche Studiengänge im Bereich Klimaschutz und Nachhaltigkeit existieren.
  • Was Sie bei der Studien- und Berufswahl beachten sollten.
  • Linkempfehlungen.

Duale Berufsausbildungen im Bereich Nachhaltigkeit

Der Klimawandel ist ein aktuell viel diskutiertes Thema. .Da liegt die Überlegung Jugendlicher nahe, ihre Berufsausbildung in den Bereichen Nachhaltigkeit und Umweltschutz zu absolvieren. Die Möglichkeit dazu bieten zahlreiche Ausbildungen in ganz unterschiedlichen Bereichen wie der Energieversorgung, der Wasserwirtschaft, der Entsorgung oder der E-Mobilität.

„Der Anteil an jungen Leuten, die eine sinnerfüllte Berufswahl treffen, hat in den letzten Jahren zugenommen“, erklärt Johannes Schmalzl, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart.

So erkennt auch Larysa Schijen, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Stuttgart, ein steigendes Interesse am Thema Umwelt- und Klimaschutz: Das gelte ebenfalls für den Tierschutz. „Wobei es im Tierschutz im Gegensatz zum Umweltschutz nur wenige Ausbildungsplätze in Berufen wie Tierpfleger oder tiermedizinische Fachangestellte gibt.“

Technische Ausbildungen bieten sich an

Jugendliche müssen gar nicht unbedingt einen Beruf wählen, der den Begriff „Umwelt“ im Titel trägt, um in diesem Bereich zu arbeiten. Schmalzl erklärt: „Heutzutage befassen sich fast alle technischen Berufe auch mit den verschiedenen Umweltschutztechnologien.“ Experten nennen diesen Trend auch „Greening of Jobs“. Das zeigt sich zum Beispiel beim Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Er umfasst inzwischen auch Ausbildungsinhalte wie Erneuerbare Energien und Umwelttechnik.

Manche Berufe sind aber auch spezialisiert wie der technische Assistent für regenerative Energietechnik. „Dabei handelt es sich um eine schulische Ausbildung, die man allerdings nicht in Stuttgart erlernen kann“, Schijen.

Ausbildungsplätze im Umweltschutz bietet neben der Energieversorgung der Bereich Entsorgung: „Umweltschutztechnische Assistenten führen zum Beispiel Untersuchungen am Boden, am Wasser und an der Luft durch, um Umweltgefahren beurteilen zu können“, erklärt Schijen. Diese Ausbildung sei ebenfalls schulisch. Sie werde in Stuttgart angeboten. Auch die Fachkraft für Kreislauf- und Abfallwirtschaft nimmt Messungen und Proben vor, um die Freisetzung von Schadstoffen in die Umwelt zu überprüfen und zu vermeiden. Die duale Ausbildung kann man in der Industrie und im öffentlichen Dienst absolvieren.

Der Schornsteinfeger ist ebenfalls ein Umweltberuf: „Er kümmert sich um die Umweltverträglichkeit und Betriebssicherheit der Heizungen und Lüftungsanlagen“, erklärt Schijen. Sie klärt Jugendliche auf, dass sich Berufe in der Wasserversorgung ebenso den Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz widmen. Das gilt auch für klassische „grüne Berufe“ wie Gärtner, Winzer, Land- oder Forstwirt.

Berufsausbildung im Bereich E-Mobilität

E-Mobilität ist ein weiterer Bereich, der für Schulabgänger infrage kommt, denen das Thema Klimaschutz am Herzen liegt. Wer zum Beispiel die Ausbildung zum Kraftfahrzeugmechatroniker mit den Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik wählt, ist insbesondere auf die Wartung von Fahrzeugen mit Elektro- oder Hybridantrieb spezialisiert. „Bei der Entwicklung von Brennstoffzellen sind Produktionstechnologen gefragt. Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung helfen mit, Netze und Fahrzeuge intelligenter zu machen“, erklärt Schijen.

Doch junge Leute müssen nicht unbedingt eine technische Ausbildung absolvieren, um den Umweltschutz zum Beruf zu machen. Schmalzl: „Alle Unternehmen, bei denen Nachhaltigkeit eine Rolle spielt, brauchen natürlich im Vertrieb und Marketing Mitarbeiter mit soliden kaufmännischen Kenntnissen.“ So gäbe es zum Beispiel in den unterschiedlichen Unternehmen Ausbildungsplätze für Kaufleute für Büromanagement oder Einzelhandelskaufleute. Passende Ausbildungsbetriebe können etwa Nahverkehrsbetriebe oder Biosupermärkte sein.

„Es gibt für jeden die passende Nische“, betont Schmalzl. Wichtig sei nur, dass die Jugendlichen ihre Stärken und Schwächen kennen und dieses Wissen als Grundlage für die Berufswahl nehmen. Sie sollten anhand ihrer Interessen eine Entscheidung treffen und nicht zuerst auf den Arbeitsmarkt schauen. „Denn egal, wofür sich die jungen Leute entscheiden: Wer heute eine Ausbildung macht, hat in vielen Fällen eine Jobgarantie.“ Später könnten sie außerdem noch studieren. Auch die beruflichen Weiterqualifikationsmöglichkeiten sind vielfältig. Dazu zählen die Weiterbildung zum Umweltschutztechniker, zur Servicekraft für Windkraftanlagen oder zur Fachkraft für Solarenergie.

Um einen Überblick über die Vielfalt an Arbeitgebern und Stellen zu bekommen, empfiehlt Schijen, die branchenspezifischen Jobbörsen im Internet zu besuchen. „Auf greenjobs.de findet man zum Beispiel Ausbildungsplätze.“

Wer noch nicht weiß, ob er wirklich in Umwelt- und Klimaschutz eine Ausbildung machen möchte, dem rät Schijen zu einem „Freiwilligen Ökologischen Jahr“ (FÖJ), um Berufe und Tätigkeiten näher kennenzulernen. Die Bandbreite an Einsatzstellen ist groß. Sie reicht von der Landwirtschaft und dem Gartenbau über Umwelt- und Naturschutzzentren bis hin zur Umweltbildung. Umweltverbände bieten genauso Stellen an wie öffentliche Einrichtungen und Unternehmen. Schijen ist sich sicher: „Das FÖJ erweitert das Wissen und unterstützt junge Leute bei ihrer Berufsorientierung.“

Studiengänge im Bereich Umwelt- und Klimaschutz

Das Thema Nachhaltigkeit haben auch viele Abiturienten auf dem Schirm. Sie wollen die Umwelt schützen und die Energiewende voranbringen. Allerdings stehen sie vor der Herausforderung, aus zahlreichen speziellen Studiengängen den für sie passenden herausfinden zu müssen. Das Spektrum ist breit, denn auch in einem klassischen Ingenieurstudium steckt heutzutage viel nachhaltige Technologie.

„Seit Jahren steigt das Interesse an nachhaltigen Studiengängen, die sich zum Beispiel mit Umwelt- und Klimaschutz befassen“, berichtet Jörg-Michael Wenzler, Berufsberater für akademische Berufe der Arbeitsagentur Esslingen. „Allerdings wollen die wenigsten bei Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace arbeiten. Die meisten streben vielmehr eine Tätigkeit in Unternehmen an.“

Nachhaltigkeit studieren

Die Möglichkeiten für ein nachhaltiges Studium sind vielfältig. So bieten sich nicht nur technische und naturwissenschaftliche Studienfächer an, sondern auch wirtschaftliche. „Viele technische Studiengänge haben etwa den Begriff Umwelt im Titel“, erklärt Wenzler. „So kann man zum Beispiel schon Umwelttechnik im Bachelor studieren. Auch in den Wirtschaftswissenschaften gibt es Angebote wie Nachhaltiges Management.“

Die Namen der verschiedenen Studienangebote sind dabei oft sehr verschieden. So kann man an der Universität Stuttgart zum Beispiel Erneuerbare Energien oder Umweltschutztechnik im Bachelor studieren. Andere Hochschulen bieten etwa einen Bachelorstudiengang mit dem Titel „Nachwachsende Rohstoffe“ oder „Environmental and Sustainability Studies“ an. „Aber niemand muss sich gleich am Anfang spezialisieren, sondern er kann erst ein klassisches Ingenieurstudium wie Maschinenbau oder Elektrotechnik belegen und sich dann im Master auf das Thema Nachhaltigkeit fokussieren“, so Wenzler. Das gilt auch für ein wirtschaftswissenschaftliches Studium.

Für welchen Weg sich Abiturienten entscheiden, sollte von ihren Interessen abhängen. „Wer schon genau weiß, was er will, der kann gleich ein spezialisiertes Bachelorstudium wählen. Ist jemand dagegen eher unsicher, sollte er lieber zuerst ein allgemeineres Studium absolvieren“, so Wenzler. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich im Master thematisch auf Umwelt- und Klimaschutz zu fokussieren, ohne dass der belegte Studiengang diese Begriffe im Titel trägt.

Sich an den eigenen Interessen orientieren

Vor einem warnt Wenzler allerdings: „Es ist nicht sinnvoll, seine Studienwahl von aktuellen Trends abhängig zu machen. Denn ein Studium dauert oft fünf oder sechs Jahre. Bis dahin kann ein Trend schon zweimal die Richtung gewechselt haben.“ Entscheidend sei vielmehr, ob die Wahl zu den Interessen und Fähigkeiten des Studienanfängers passe.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie ein Studium oder eine Ausbildung in den Bereichen Klimaschutz und Nachhaltigkeit absolvieren?
  • Arbeiten Sie bereits in einem grünen Job? Welche Erfahrungen haben Sie mit der Studien- und Berufswahl gemacht?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, 2019)

(Copyright 2021 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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