Berufswahl: Im Studium den Berufseinstieg vorbereiten

Je höher das Semester, desto dringender wird die Frage: Wie geht es nach dem Studium weiter? Bei manchen ist die Antwort glasklar … zum Beispiel bei Medizinstudenten. Aber für andere Studiengänge – insbesondere im Bereich der Geistes- und Sozialwissenschaften – ist die Berufswahl keineswegs so eindeutig.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Studierende, Berufseinsteiger und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Studierende den Beruf finden, der zu ihnen passt.
  • Wie sie ihren Berufseinstieg erfolgreich planen.
  • Wo sie Beratung und Informationen finden.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Im Studium den passenden Beruf finden

Gerd Reinhard-Römer, Berater im Hochschulteam der Arbeitsagentur Berlin Nord: „Die Frage nach der Berufswahl stellt sich besonders Studierenden kulturwissenschaftlicher und philosophischer Fächer, aber auch der Mathematik und Physik. Denn aus diesen Studiengängen ergeben sich keine klaren Handlungsfelder.“ In den Ingenieurwissenschaften sei das anders.

Doch selbst künftige Ingenieure sind teilweise unsicher. Michaela Frana, Leiterin des Career Service an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, berichtet: „Einige Studierende denken darüber nach, ob sie mit der Entscheidung für eine bestimmte Technologie auf das richtige Pferd setzen. Andere fragen sich, ob sie eine Option übersehen haben oder ob es noch etwas Besseres gibt.“

Grundsätzlich empfiehlt Reinhard-Römer jungen Leuten, sich von den eigenen Interessen und Fähigkeiten leiten zu lassen. „Aus ihrer Liebe zu einem bestimmten Thema können Hochschüler Tätigkeiten ableiten … etwa die Arbeit für Stiftungen.“

Die eigene Lebensplanung und die Unternehmenskultur des Arbeitgebers

Auch Frana weiß, wie wichtig die Wertefrage ist: „Eine immer größere Rolle bei der Jobentscheidung spielt zum Beispiel, wie sozial verantwortlich und nachhaltig ein Unternehmen agiert und welche Arbeitskultur dort herrscht.“

Reinhard-Römer rät, auch die eigene Lebensplanung mitzubedenken: „Wer ins Auswärtige Amt will, aber gleichzeitig von einer baldigen Familienplanung träumt, sollte sich bewusst machen, dass diese Wünsche schwer vereinbar sind.“ Was in so einem Fall hilft, ist eine klare Prioritätensetzung.

Allerdings ist es für viele Hochschüler gar nicht so einfach, ihren eigenen Interessen zu folgen. Denn nicht selten studieren sie ihren Eltern zuliebe ein bestimmtes Fach. „Kurz vor Studienende erleben sie dann zum Beispiel einen Burnout oder bekommen Aversionen gegen ihre Studien- und Berufswahl. Das ist manchmal bei Jura-Studenten der Fall“, berichtet Reinhard-Römer. In diesen Fällen geht es dann darum, berufliche Alternativen zu entwickeln.

Frühzeitig den Berufseinstieg planen

Neben den Hochschulteams bieten auch die Career Services und Career Center der Hochschulen Beratung und Orientierung an. Rosmarie Schwartz-Jaroß, zuständige Referatsleiterin an der Humboldt-Universität, erklärt: „Die meisten Studierenden kommen erst am Ende ihres Studiums in unsere Beratung. Etwa 50 Prozent schließen ohnehin gleich ein Masterstudium an. Dabei ist das in vielen Fächern nicht nötig.“ Schließlich bestehe nach einigen Jahren Berufstätigkeit immer noch die Möglichkeit, einen Master zu machen.

Schwartz-Jaroß rät, sich schon frühzeitig mit dem Thema Berufswahl zu beschäftigen: „Am besten fangen die Studierenden bereits im zweiten Semester damit an.“ Denn dann ließe sich der Berufseinstieg in aller Ruhe planen.

Fachbezogen jobben und Unternehmen kennenlernen

Um herauszufinden, welche Tätigkeiten infrage kommen, empfiehlt Frana: „Sinnvoll ist es, spätestens ab dem dritten oder vierten Semester fachbezogen zu jobben. Vorher ist ein Minijob als Kellner völlig okay, weil man sich da schon im Berufsleben erlebt und seine Stärken kennenlernen kann.“ Wer als Werkstudent in dem Bereich arbeitet, der zu seinem Studium passt, kann zusätzlich mögliche Arbeitsfelder erkunden. „Das macht die Entscheidung leichter.“

Schon weit vor dem Studienabschluss haben Studierende weitere Chancen, die Berufswelt kennenzulernen. Schwartz-Jaroß: „Wir bieten zum Beispiel Exkursionen zu Unternehmen an. Außerdem besteht die Möglichkeit, berufsfeldbezogene Zusatzqualifikationen zu erwerben, für die es zudem Credit Points gibt.“ Alle diese Veranstaltungen seien stark nachgefragt.

Individuelle Beratung aufsuchen

Die Nachfrage besonders nach individueller Beratung steigt … das stellt die Leiterin des Career Service an der Freien Universität Christiane Dorenburg fest. „Wir können den Bedarf nicht decken.“ Allerdings hätte sich in Sachen Berufsorientierung auch viel getan: „Inzwischen ist ein Berufspraktikum in allen Bachelor-Studiengängen Pflicht, was gern angenommen wird.“ Daneben gibt es noch ein Veranstaltungsprogramm zur beruflichen Orientierung.

„Eine wichtige Frage für die Studierenden ist allerdings, wie sie mit dem Überangebot an Informationen umgehen“, so Dorenburg. Sie empfiehlt, nicht nur Informationen zu sammeln, sondern über das eigene Leben in all seinen Facetten reflektieren und in den planerischen Prozess mit einzubeziehen. Denn nicht nur Studium und Job, sondern auch Ehrenamt und Privatleben können wertvolle Hinweise für eine künftige Tätigkeit geben. Gleichzeitig rät sie den künftigen Akademikern, locker zu bleiben: „Berufsentscheidungen sind revidierbar und ein späterer Richtungswechsel ist möglich.“

Keine übertriebenen Erwartungen an sich selbst

Außerdem warnt Dorenburg vor überzogenen Erwartungen an sich selbst: „Beispielsweise braucht nicht jeder ein Auslandssemester zu absolvieren.“ Viele Studierende glaubten, sie müssten perfekt sein. Das seien aber übertriebene Vorstellungen. „Oft reicht es, wach durchs Leben zu gehen und die Möglichkeiten zu nutzen, die sich einem bieten.“

Eine passgenaue Berufswahl hat nicht nur positive Auswirkungen auf die spätere Zufriedenheit am Arbeitsplatz, sondern auch auf die Jobchancen: „Ein Hochschulabsolvent, der nicht hinter seiner Entscheidung steht, wird nicht authentisch sein und deshalb die Personaler kaum überzeugen können“, so Reinhard-Römer. Wenn jemand dagegen für den Job brennt, strahlt er dies auch aus. Das bemerken auch die Unternehmensvertreter: „Damit hat er im Auswahlgespräch und im Assessment-Center eindeutig einen Vorteil.“

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Studieren Sie und wissen Sie noch nicht, wohin Sie beruflich wollen?
  • Wie planen Sie Ihren Berufseinstieg?
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  • Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?
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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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