Sandy Mercier: Wie der Traumberuf Schriftstellerin Wirklichkeit wurde

Sie hatte schon früh den Traum, Schriftstellerin zu werden und davon leben zu können: Sandy Mercier. Inzwischen hat sich der Wunschtraum erfüllt. Ihr Ratgeberroman „Das Buch deines Lebens“, den sie unter den Pseudonym Jule Pieper veröffentlichte, stand vier Monate auf der BILD-Bestsellerliste. In diesem Interview berichtet sie von ihren Herausforderungen, Erfolgen und der Arbeit an ihrem Mindset.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sandy Mercier Autorin wurde.
  • Was ihr half, ihren Traumberuf Schriftstellerin Wirklichkeit werden zu lassen.
  • Wie sie an ihrem Mindset arbeitet.
  • Welche Tipps sie (angehenden) Autoren gibt.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Könntest Du Dich den Leserinnen und Lesern meines Blogs vorstellen?

Hallo. Ich bin Autorin aus Berlin und schreibe unter meinem echten Namen, Sandy Mercier, Thriller und unter meinem Pseudonym, Jule Pieper, Ratgeberromane. Außerdem coache ich Autoren, die gerade vor der Herausforderung einer Buchveröffentlichung stehen.

Diese Interview-Serie heißt „Sehnsucht Buch“. Viele sehnen sich danach, Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen. Wie war das bei Dir? Wann und wie hat Dich die Sehnsucht gepackt? Was genau hat Dich angetrieben?

Als Jugendliche habe ich einen Thriller nach dem nächsten gelesen und als ich begriff, wie viel Bücher bewirken können, wollte ich genau dasselbe. Bücher schreiben und andere damit bewegen. Daran geglaubt, dass jemand wie ich Autorin werden kann, hatte ich allerdings nicht. Der Wunsch war zwar da, aber ich hielt das für utopisch. Ich dachte immer: „Eines Tages, wenn ich mal Zeit und genug Geld habe, dann befasse ich mich damit.“ Irgendwann merkte ich, dass die Zeit nie kommen würde, sondern ich sie mir nehmen musste.

BILD-Bestsellerliste als Meilenstein

Wie definierst Du Erfolg? Was war bisher Dein größter Erfolg als Autorin?

Erfolg ist für mich, wenn meine Bücher etwas beim Leser bewirken. Jede Rückmeldung von Lesern ist daher ein großer Erfolg für mich. Aber Erfolg ist für mich auch, wenn ich bestimmte Träume erfülle oder meine Erwartungen übertreffe. Mein größter Erfolg war wohl, als ich letztes Jahr mit „Das Buch deines Lebens“ vier Monate auf der BILD-Bestsellerliste stand. Das war sowas wie ein Meilenstein in meinem Leben.

„Hauptsache, man kommt ins Handeln“

Meine These ist, dass zur erfolgreichen Umsetzung der eigenen Traumziele nicht nur Sehnsucht, sondern auch strategisches Handeln gehört. Hast Du eine Strategie und wenn ja, wie sieht diese aus?

Ich denke, dass man in erster Linie irgendwie anfangen sollte, egal wie. Hauptsache, man kommt ins Handeln. Auf dem Weg dahin forscht man, testet sich aus und schaut, wie andere ihre Ziele erreichen, die mit den eigenen identisch sind und dann kann man versuchen, sich aus all dem gelernten eine Strategie zu entwickeln.

Wenn ich einen Traum habe, dann ist der am Anfang so groß, dass ich nicht anfange, weil ich denke, dass es viel zu unrealistisch ist. Dann beginne ich, den Traum in kleine Schritte aufzuteilen. Als Beispiel mein erster Thriller „Die Todesküsserin“: Ich wollte dieses Buch schreiben, doch mein Anspruch an mich selbst war viel zu hoch. In etwa so: „Morgen schreibe ich von morgens 5 Uhr bis abends 23 Uhr und dann habe ich 20.000 Wörter und die sind perfekt.“ Ehm ja. Das ist niemals zu schaffen und weil ich das weiß, fang ich dann gar nicht mehr an und der Traum vom Buch rückt jedes Mal weiter weg, wenn ich so vorgehe. „Ich kann das nicht“ wird quasi bestätigt, weil ich ja nichts tat. Irgendwann trickste ich mich aus. Ich stellte einen Wecker auf eine bestimmte Uhrzeit und machte ein Date mit mir aus. Ich wollte eine Stunde nur für mich und das Manuskript. Keine weiteren Ansprüche. Egal, ob ich nur darüber nachdenke oder einen Satz schreibe. Einzige Regel: Sobald der Wecker klingelt loslegen und alles andere ignorieren (Handy). Und so fing ich tatsächlich an.

Später nahm ich dann eine Meditation für mich selbst auf. Dort ermutigte ich mich dazu, mir vorzustellen und zu fühlen, wie es wäre, wenn ich dieses Buch schon in den Händen halten würde, wie ich auf einer Lesung wäre und es signieren würde usw. Dann war ich top motiviert und schrieb immer gleich los.

Welche beruflichen Schritte bist Du bisher gegangen?

Vor meinem Autorenleben bin ich gelernte Rechtsanwaltsfachangestellte und qualifizierte Personalfachkraft gewesen. Außerdem habe ich Afrikawissenschaften studiert und zahlreiche Nebenjobs gehabt. So konnte ich in alle möglichen Leben hineinschnuppern. Und nun bin ich endlich angekommen und Autorin. Mittlerweile gebe ich sogar Coachings für Leute, die Hilfe brauchen auf ihrem Weg der Veröffentlichung, denn gerade am Anfang hat man ja viele Fragezeichen im Kopf. Diese helfe ich zu beseitigen.

Mindset als Herausforderung

Was waren dabei Deine größten Herausforderungen?

Eine sehr große Herausforderung war mein Mindset zu Geld. Ich hatte immer im Kopf, dass man vom Schreiben nicht leben kann. „Stephen King vielleicht, aber doch nicht ich. Schriftsteller müssen doch hungern.“ Dies aufzulösen hat eine ganze Weile gedauert. Aber ich habe mir helfen lassen.

Außerdem dachte ich immer, dass man all sein Wissen und seine Zeit gratis an jede Person verschenken muss, auch wenn die eigenen Projekte dadurch zu kurz kommen. Ich liebe es, anderen zu helfen und über das Schreiben und Veröffentlichen zu reden, doch das nahm so überhand, dass ich dort ins Umdenken gebracht wurde, weil am Ende des Tages habe ich immer allen geholfen und meine eigenen Projekte nicht vorangebracht. Doch so würde ja nie ein neues Buch entstehen. Ich habe also gelernt, dass es okay ist, wenn ich andere coache und ihnen das Leben erleichtere, weil sie nicht in jahrelanger Arbeit alles selbst recherchieren müssen.

Eine sehr große Herausforderung war, den Mut aufzubringen, mit meinem Werk rauszugehen und damit sich quasi nackig zu machen. Jeder konnte nun lesen, ob ich gut schreiben konnte oder nicht, jeder konnte mich beurteilen. Wenn ich versagen würde, wäre mein Ruf geschädigt und ich würde mich so unfassbar blamieren.

Schwer war es für mich auch, Lesungen zu geben. Ich war so extrem schüchtern. Doch auch diese Herausforderung habe ich in viele kleine Schritte aufgegliedert, die ich nach und nach gegangen bin.

Selbstvertrauen ist wichtig

Was hast Du in der Zeit Deiner schriftstellerischen Entwicklung gelernt? Und was würdest Du künftigen Autorinnen und Autoren davon weitergeben wollen?

Ich habe gelernt, dass man vertrauen muss. Besonders sich selbst. Meine Persönlichkeit ist gewachsen, mein Selbstvertrauen hat zugenommen und ich bin ständig über meinen Schatten gesprungen. Früher konnte ich nicht vor anderen reden, ohne rot zu werden. Nicht mal bei Freunden. Mittlerweile absolviere ich ein Sprechtraining, was mir sogar Spaß macht, gebe Lesungen und veröffentliche Videos von mir, ohne dass es mich stört. Naja, bei Lesungen bin ich immer noch ein bisschen nervös, aber ich kann sie dennoch mittlerweile genießen und sterbe nicht mehr tagelang vorher. :-)

Ich würde allen Autoren, die am Anfang stehen, empfehlen, sich mit dem Handwerk des Schreibens zu befassen. Es gibt so viele Kurse und Bücher, die einem helfen können, sich schriftlich zu verbessern. Alles einmal austesten und dann seinen eigenen Stil finden macht viel Spaß.

Gute Gründe fürs Selfpublishing

Du bist ja Selfpublisherin, also unabhängig von einem Verlag. Warum hast Du Dich dafür entschieden?

Ich finde es unglaublich toll, selbst zu bestimmen, welchen Titel oder welches Cover mein Buch bekommt. Außerdem liebe ich mittlerweile Marketing. Dadurch, dass ich Selfpublisherin bin, bekomme ich direkt mit, welche Methoden etwas bringen und das finde ich total spannend. Der größte Grund damals jedoch war meine Ungeduld. Ich wollte und musste sehr schnell vom Schreiben leben können und so kam es für mich gar nicht in Frage, noch jahrelang zu warten, bis ich eventuell einen Verlag finden würde, der mich dann irgendwann in sein Verlagsprogramm mit aufnimmt. Ich wollte mein Buch veröffentlichen und auf die Welt loslassen. Ich war bereit.Sicher

Vorbilder suchen

Wie sind die Menschen in Deiner Umgebung mit Deinem Traum von der Schriftstellerei umgegangen? Und wie sehen diese Menschen Deine Tätigkeit als Autorin heute?

Ich habe zum Glück einen extrem guten Freundeskreis. Viele sind sehr stolz auf mich und einige können es immer noch nicht fassen, dass ich es tatsächlich geschafft habe. Am Anfang hatten natürlich die meisten Angst, denn ich habe mir etwas vorgenommen, dass für uns alle damals utopisch schien. Sie hatten Angst, dass ich meine Miete nicht zahlen könnte und ich kann es ihnen nicht verübeln. Ich hatte ja dieselben Sorgen. Doch ich war irgendwie sicher, dass ich es schaffen würde, weil ich jede Sekunde meines Lebens dafür etwas tun würde, und mit der Überzeugung beruhigte ich mich und meine Freunde. Ich suchte mir Vorbilder, die das schon geschafft hatten und erzählte meinem Umfeld davon, dass es nicht aussichtslos war und sie wussten, wenn ich etwas anpacke, dann richtig.

Du schreibst auch Ratgeberromane. Was willst Du den Menschen vermitteln? Haben auch Deine anderen Romane eine besondere Message?

Mit meinen Ratgeberromanen möchte ich meinen Lesern zeigen, dass alles möglich ist und das jeder es verdient hat, glücklich zu sein. Ich möchte, dass sie eine positive Perspektive auf die Dinge bekommen. Und dass sie darüber nachdenken, was sie selbst tun können, um glücklich zu sein.
Meine Thriller sollen natürlich in erster Linie unterhalten. Aber auch hier ist es mir wichtig, dass man versteht, warum Menschen anders handeln, als man es selbst gutheißen würde. Und zeigen, dass bestimmte Taten auch immer einen Grund haben. Doch wir selbst können entscheiden, wer wir sind und was wir tun. Auch das wird hoffentlich klar, wenn man zwischen den Zeilen liest.

Und ganz zum Schluss noch diese Frage: Was ist heute Deine größte Sehnsucht?

Alle meine Buchideen zu verwirklichen. :-)

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie Autor werden?
  • Wollen Sie von Ihren Büchern leben?
  • Was treibt Sie an und was ist Ihre Sehnsucht?
  • Wenn Sie selbst schon Autor sind: Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Literaturempfehlung:

  • Jule Pieper: Der nächste beste Schritt, Berlin 2020, E-Book: 0,99 Euro, Taschenbuch: 12,85 Euro

Meine Linkempfehlungen:

Weitere Interviews der Serie „Sehnsucht Buch“ und Artikel:

(Veröffentlicht Mai 2020)

(Copyright 2020 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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