Erfolg im Selfpublishing: xtme-Gründer Johannes Zum Winkel weiß, wie das klappt

Welche E-Books verkaufen sich gut? Auf diese Frage kennt Johannes Zum Winkel die Antwort. Er hat nicht nur jahrzehntelange Erfahrung in der Verlagsbranche, er ist auch Betreiber der reichweitenstarken E-Book-Empfehlungsseite xtme.de. In diesem Interview teilt er sein Wissen übers Selfpublishing und seine Einstellung zu den Themen Inspiration und Strategie.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie sich die Buchbranche entwickelt.
  • Warum Autoren strategisch vorgehen sollten.
  • Tipps für (angehende) Autoren und Selfpublisher.
  • Literaturempfehlung.
  • Linkempfehlungen.

Zum Winkels Tipp für den Bucherfolg: Für den Leser schreiben!

Können Sie sich bitte den Leserinnen und Lesern meines Blogs vorstellen und kurz Ihren beruflichen Werdegang skizzieren?

Mein Name ist Johannes Zum Winkel; ich habe 25 Jahre im Verlagswesen gearbeitet (Zeitschriften und Tageszeitungen), davon 12 Jahre bei Bertelsmann. Ich war Journalist, Marketingverantwortlicher und schließlich Geschäftsführer eines Verlagsunternehmens.

Wie kamen Sie dazu, Xtme.de zu gründen und Autoren wie zum Beispiel Selfpublisher zu beraten?

2011 habe ich mich selbstständig gemacht, habe die eBook-Szene und das Selfpublishing entdeckt und begonnen, dazu eine Website zu betreiben. Auf xtme präsentiere ich regelmäßig preisreduzierte und kostenlose eBooks. Nach einigen Jahren suchten immer mehr Autoren meine Beratung, da viele der bei mir präsentierten Bücher zu Bestsellern wurden.

Meine Interview-Serie heißt „Sehnsucht Buch“. Spielte bei Ihrem beruflichen Werdegang die Sehnsucht eine Rolle?

Ich habe immer gerne Bücher gelesen und besitze fast tausend Hardcoverbücher, die unermesslich viel Platz verschlingen. Von „Sehnsucht“ würde ich jetzt im Bezug auf Dinge nicht gerne sprechen, ein solches Gefühl bringe ich lieber meiner Freundin entgegen.

„Wer das diszipliniert tut, kann meistens gut vom Schreiben leben.“

Sie haben bei Ihrer Beratungstätigkeit und als Betreiber von Xtme mit vielen Autoren zu tun. Was treibt diese an? Ist es Sehnsucht?

Die Einen treibt sicher die reine Sehnsucht an, eine Geschichte aus ihrem Herzen fließen zu lassen. Die Anderen machen diesen „Autorenjob“, um Geld verdienen. Wer das diszipliniert tut, kann meistens gut vom Schreiben leben. Oft beobachte ich, dass gerade Schriftsteller, die zumindest einmal Erfolg mit einem eigenen Buch hatten, zur zweiten Gruppe wechseln.

In meinem Ratgeber „Die Sehnsuchtsstrategie“ vertrete ich die These, dass eine Strategie hilft, der eigenen Sehnsucht zu folgen. Inwieweit gehen Autoren bzw. Selfpublisher strategisch vor? Oder überlassen sie alles ihrer Inspiration?

Ein Selfpublisher muss in zwei Welten leben: der des Schriftstellers und der des Verlegers. Es braucht also Inspiration UND Strategie – wenn man denn zahlende Leser für die eigenen Bücher finden will. Wenn es für das persönliche Glück des Autors ausreicht, das eigene Buch zu veröffentlichen, dann braucht es natürlich keine weiterführende Strategie.

In der klassischen Erlöskette „Buch“ ist ein Verlag für die Strategie zuständig, er kauft Geschichten bei Autoren ein, bewirbt den Titel über Feuilletons und sorgt für die Vermarktung beim Buchhandel. Auf diese Weise findet die Geschichte des Autors Leser.

Verlage suchen Autoren unter erfolgreichen Selfpublishern

Da Verlage aber in den letzten Jahren die Anzahl neu verlegter Titel immer mehr reduzieren und gleichzeitig ihr Risiko verringern wollen, wird es für unbekannte Autoren immer schwerer, einen echten Verlag zu finden.Zusätzlich versuchen große Verlage, gerade die erfolgreichen Selfpublisher mit Verlagsverträgen an sich zu binden.
Das führt dazu, dass Autoren, die regelmäßig als Selbstverleger in die Top 100 der Kindle Charts kommen, von den Verlagen mit Angeboten überhäuft werden; und weniger erfolgreiche Autoren es noch schwerer haben als früher. Ich muss hier noch präzisieren, dass ich von großen Verlagen spreche, bei denen Autoren auch entsprechend Geld verdienen können. Kleinverlage, die Autoren sehr wenig oder gar kein Geld auszahlen, findet man natürlich leicht. Ob man mit denen aber auch Leser findet, ist eine ganz andere Frage.
Was würden Sie Autoren raten? Ist strategisches Vorgehen aus Ihrer Sicht sinnvoll oder notwendig? Und warum ist das so?

Manche Autoren folgen sicher nur ihrer Inspiration, wenn sie ein Buch planen und schreiben; wenn es dann aber um die Frage geht, ob man auch zahlende Leser finden kann, erweist sich, dass so eine Vorgangsweise dem Kauf eines Lottoscheines entspricht. Ich würde sagen: in den Top 1.000 Bestsellern des Kindle Shops von Amazon, also dort, wo Autoren von ihren Büchern leben können, findet sich kein einziges rein auf Inspiration beruhendes Buch. Das hat im Übrigen nichts mit „gut“ oder „schlecht“ zu tun. Egal ob Experiment, Mainstream oder Heftroman: es gibt überall sehr gute oder auch sehr schlechte Exemplare ihrer Gattung.

Autoren sollten ihre Wettbewerber kennen

Wenn Sie Autoren beraten, welches strategisches Vorgehen empfehlen Sie?

Wenn man Leser für ein eigenes Buch gewinnen will, muss man für diese Leser schreiben! Schreibt man ein Buch nur für sich selbst, ist es meist sehr schwer, dafür Interessenten zu finden. Das ist für viele Autoren, die am Beginn ihrer Schreiblaufbahn stehen, eine manchmal schmerzhafte Erkenntnis.

Also sollte man im Vorfeld die Buchhandlung besuchen – in diesem Fall den Kindle Shop – und nachsehen: Was für Bücher werden verkauft? Welche Bücher kaufen die Käufer dieser Bücher sonst noch? Was für Rezensionen gibt es? Welche Rezensenten bewerten Bücher der gleichen Machart? Könnte es sich dabei also um einen „Leserkreis“ handeln oder ein „Buchregal“, zu dem genau diese Leser immer wieder gehen, um „ihre“ Geschichten zu finden? Wie können diese Leser ihre Lieblingsbücher überhaupt finden? Kleiner Tipp: Die Leser kaufen nur nach Cover!

Alle drei Monate ein Buch

Vor welchen Herausforderungen stehen Autoren heute? Und wie können sie diese meistern?

Will ein Autor heute im elektronischen Shop erfolgreich sein, muss er schreiben. Das ist die Herausforderung. Erfolgreiche Selfpublisher schreiben alle drei Monate einen Roman mit 200 – 300 Seiten, inklusive Recherche, Planung und Lektorat. Wenn man als Autor maximal ein Buch im Jahr schafft, wird man davon nicht leben können; und die Leser müssen jedesmal neu aktiviert werden, denn eines muss klar sein: Der Leser im Shop vergisst schnell.

Wie kann man das meistern? Ich sage ganz deutlich: Will man von einem Job leben, muss man auch dafür arbeiten. Sie werden in unserer Republik keinen Job finden, in dem man zwei Stunden am Tag arbeitet und dafür dreitausend Euro verdient.

Welche weiteren strategischen Tipps würden Sie aktuell Selpublishern geben?

Schauen Sie sich den Shop an! Versuchen Sie, Ihre Leser zu verstehen! Liefern Sie Qualität!

Und noch eine persönliche Frage: Was ist Ihr aktuelles Sehnsuchtsziel?

Ich möchte, dass meine Töchter in einer gesunden Umwelt aufwachsen. Schon ab dem zehnten gelesenen eBook ist ein herkömmliches Kindle-Gerät umweltfreundlicher, als die gleiche Menge gedruckter Bücher (Quelle: Öko Institut e.V.). Also werde ich weiter das Meine dazu tun, dass mehr elektronische Bücher gelesen werden.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie Autor werden?
  • Wollen Sie von Ihren Büchern leben?
  • Was treibt Sie an und was ist Ihre Sehnsucht?
  • Wenn Sie selbst schon Autor sind: Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlung:

  • Johannes Zum Winkel: Der Autorenguide. Ein Reiseführer für Selfpublisher, 2. Auflage, Nürnberg 2019, E-Book: 7,99 Euro, Taschenbuch: 14,99 Euro

, Meine Linkempfehlungen:

Weitere Interviews der Serie und Artikel:

(Veröffentlicht Mai 2019)

(Copyright 2019 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

2 Kommentare

  1. Schön erklärt. Heutzutage ist es zum Glück gut möglich sich auch selbst zu publishen, egal ob man Buchautor werden will, Musiker oder einfach Fahrlehrer. Man muss es nur wollen. Mit dem Internet stehen viele Chancen zur Verfügung auf sich aufmerksam zu machen.

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