Retter in der Not: Notfallsanitäter gesucht

Lina Klatt beugt sich über ihren Patienten in einer Weddinger Wohnung. Sie wendet jetzt das an, was sie vor zwei Tagen in der Theorie gelernt hat. Doch die Auszubildende zur Notfallsanitäterin ist nicht in den vier Wänden eines Schwerkranken, sondern im Zentrum für Notfallmedizinische Aus- und Weiterbildung (NAW Berlin) am Ostkreuz. Ihr Patient ist ein Mime. Die Situation wird samt Ledersofa nachgestellt.

Notfallsanitäter gesucht

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was Notfallsanitäter in ihrer Ausbildung lernen.
  • Welche Berufschancen Notfallsanitäter haben.
  • Welche Voraussetzungen Auszubildende erfüllen sollten.
  • Linkempfehlungen.

Notfallsanitäter haben sehr gute Berufsaussichten

Anhand realistischer Szenarien lernt die junge Frau, wie sie im Ernstfall mit Verletzten und Erkrankten umzugehen hat … ob in einem verunfallten Auto, im Rettungswagen oder im Hubschrauber. „Der Beruf macht mir sehr viel Spaß, genauso wie die Ausbildung“, betont Klatt. „Denn ich lerne nicht nur medizinisches Know-How, sondern auch Kommunikation mit Menschen.“

Klatt hat während ihres Freiwilligen Sozialen Jahres in der kardiologischen Station einer Klinik gearbeitet: „Dort fand ich besonders Notfallsituationen interessant. So bekam ich Interesse an einer Tätigkeit im Rettungsdienst.“ Als der Beruf des Notfallsanitäters eingeführt wurde, entschied sie sich für diese Ausbildung.

Berufsbild Notfallsanitäter

„2014 löste in Deutschland der Notfallsanitäter das Berufsbild des Rettungsassistenten ab. Aus der zweijährigen Ausbildung, für die man Schulgeld bezahlen musste, wurde ein dreijähriger dualer Ausbildungsgang“, erklärt Markus Klevin, Schulleiter NAW Berlin.

„Die Öffentlichkeit spricht oft vom Rettungssanitäter. Dabei gibt es im Rettungswagen unterschiedliche Qualifikationsgrade“, erklärt Marco König, Vorsitzender des Deutschen Berufsverbandes Rettungsdienst (DBRD). „Der höchste Grad ist der Notfallsanitäter. Er hat auch die meisten Befugnisse“ Der Rettungssanitäter ist ihm untergeordnet. Denn er durchläuft nur einen Lehrgang von wenigen Monaten. „Seine Aufgaben beschränken sich auf die Patientenbetreuung im Krankentransport, das Fahren des Rettungswagens sowie den Sanitätsdienst bei Großveranstaltungen.“

Hoher Bedarf bei Rettungsfachkräften

Beim Rettungsfachpersonal gibt es einen hohen Bedarf. König: „Den größten Mangel gibt es bei der höchsten Qualifikationsstufe, dem Notfallsanitäter.“ Allerdings existiere keine verlässliche Statistik. „Der Rettungsdienst ist eine Blackbox.“ Doch König weiß: „Ein Notfallsanitäter kann sich seine Stelle aussuchen. Wenn er im Sommer am Meer arbeiten möchte, ist das möglich.“
Klevin ergänzt: “ Durch steigende Einsatzzahlen und die neue Berufsordnung ist ein Mehrbedarf an Personal entstanden. Außerdem gehen viele Kollegen in den nächsten Jahren in Rente.“

Auszubildenden sollten neben einem mittleren Bildungsabschluss und einem C1-Führerschein auch gesundheitlich fit sein, erklärt König. „Denn sie müssen die Patienten tragen.“ Obendrein sei der Schichtdienst anstrengend. Der Nachwuchs muss in der Lage sein, Verantwortung zu übernehmen. „Anders als im Krankenhaus entscheiden Notfallsanitäter oft ohne Arzt, wie sie vorgehen.“

Vielfältige Ausbildungsinhalte

Die Ausbildungsinhalte sind vielfältig: Sie reichen von der Inneren Medizin über Traumatologie bis hin zur Gynäkologie. Die Rettungskräfte lernen, die Patienten zu untersuchen und zu versorgen.

Klevin: „Auch Kommunikation lehren wir. Denn gerade unter widrigen Umständen ist es wichtig, dass sich das Team schnell versteht und eingespielt zusammenarbeitet.“ Zudem sei die Verständigung mit den Patienten oft eine Herausforderung. Schließlich gibt es Hindernisse durch fremde Sprachen und andere Kulturen. „Dafür brauchen Notfallsanitäter das richtige Fingerspitzengefühl.“ Deshalb lernen die Azubis die Notfallsituationen schon in der Simulation kennen: So beatmen sie Plastikpuppen oder versorgen die Wunden der Mimen, die realistisch aussehen. „Gerade neulich hatten wir eine 24-Stunden-Übung, an der 40 Leute beteiligt waren, darunter 15 Azubis.“

Obwohl Notfallsanitäter fehlen, ist es gar nicht so leicht, einen Ausbildungsplatz zu finden. „Wir haben eine paradoxe Situation: Trotz des Personalmangels ist die Ausbildung das Nadelöhr.“ Danach bestehen für Nachwuchskräfte allerdings vielfältige Fort- und Weiterbildungsoptionen. „Jeder Rettungs- und Notfallsanitäter muss sich 24 bis 40 Stunden im Jahr fortbilden.“ Außerdem ist zum Beispiel eine berufliche Weiterqualifikation zum Einsatzleiter in Großschadenslagen möglich oder – nach einem Studium – zum Geschäftsführer im Rettungsdienst.
Lina Klatt ist von ihrer Berufswahl begeistert: „Auch wenn ich Abitur habe, passt die praktische Tätigkeit viel besser zu mir als ein Studium.“

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

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  • Wenn Sie Notfallsanitäter sind: Wie verlief Ihre Ausbildung?
  • Welche Tipps würden Sie dem Notfallsanitäter-Nachwuchs geben?
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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, 2018)

(Copyright 2019 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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