Gegen die Panik: Wie Sie Ihre Angst im Beruf überwinden

Vom „mulmigen Gefühl“ bis zur Panikattacke … das sind die Symptome der Angst. Oft treten sie auch im Beruf auf. Denn viele Beschäftigte insbesondere in Führungspositionen befürchten, Fehler zu machen, sich zu blamieren oder den Job zu verlieren. Dabei kann sich gerade diese Emotion negativ auf die Karriere auswirken. Doch es gibt Auswege aus dem Gefühlschaos.

Wie Sie Ihre Angst im Beruf überwinden

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Angst im Berufsalltag entsteht.
  • Welche Funktion sie hat.
  • Wie Sie Ihre Angst bewältigen können.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

So bewältigen Sie Ihre Ängste im Job

Die 36-jährige Tamara Lingenmann (Name von der Redaktion geändert) hat erlebt, wie die Angst Stück für Stück von ihr Besitz ergriff. Sie ist Texterin in der PR-Branche. „In meiner letzten Festanstellung bekam ich bereits bei der Morgenkonferenz den ersten Anpfiff. Meist waren meine Vorschläge nicht gut genug“, erinnert sich Lingenmeier. „Ich wurde dafür regelmäßig von meiner Chefin fertiggemacht.“ Es dauert nicht lange, bis sie darauf körperlich reagierte. „Es begann mit einem diffusen Gefühl. Ich wurde immer ruheloser und konnte nicht mehr abschalten.“

Lingenmann hatte immer öfter Angst davor, Fehler zu machen. Sie nahm Arbeit mit nach Hause und checkte ihre Texte immer wieder. „Ich wollte mich noch einmal vergewissern.“ Doch diese Bemühungen blieben oft ohne Erfolg. Ihre Chefin fand den kleinsten Fauxpas und stellte sie vor allen Kollegen bloß. Selbst wenn die Geisteswissenschaftlerin besonders gute Leistungen ablieferte, gab es kaum Lob, sondern nur abfällige Bemerkungen wie: „Da hast Du ja mal Glück gehabt.“

Gesundheitsprobleme als Folge der Angst

Im Lauf der Zeit verschlechterte sich der Gesundheitszustand der Texterin. „Ich bekam Herzrasen und Durchfall. Außerdem schlief ich schlecht. Oft graute mir vor den Montagen und ich war froh, wenn meine Chefin im Urlaub war“, berichtet Lingenmann. Mit der Zeit verschlimmerten sich ihre Beschwerden und ihre Fehlerquote nahm zu. „Ich durfte mir ja keine Fehler erlauben und dann passierten sie natürlich gehäuft.“

Am Ende kündigte Lingenmann den Job. Doch damit ist die Sache nicht vom Tisch: „Viele Selbstzweifel sind geblieben. Bei Vorstellungsgesprächen ist die Angst wieder da. Ich befürchte, noch einmal in so einer Hölle zu landen.“

Vielfältige Sorgen der Berufstätigen

Tamara Lingenmann hat die Angst zu spüren bekommen, weil sie Mobbing und permanenten Leistungsdruck ausgesetzt war. Doch die Sorgen der Berufstätigen sind vielfältig: „Sie haben Angst, einen schlechten Eindruck zu machen, Ziele nicht zu erreichen, zu versagen oder die falsche Entscheidung zu treffen“, berichtet der Münchener Managementcoach und Unternehmer Sven J. Matten. Er hat gemeinsam mit dem Münchner Psychiater und Psychotherapeut Dr. Markus Pausch das Buch „Angst- und Panikstörungen im Beruf“ geschrieben. „Oft potenzieren sich die Ängste, je mehr Verantwortung ein Mensch trägt und je weitreichender er die Konsequenzen einer möglichen Fehlentscheidung einschätzt.“

Pausch bemerkt eine „gefühlte Zunahme“ der Angst im Beruf. „Das liegt auch daran, dass Menschen inzwischen offener über das Thema sprechen. Angst lässt sich heute leicht als Burnout-Erkrankung kategorisieren, eine Krankheitsbezeichnung, die nicht wirklich definiert ist.“ Für Betroffene sei es leichter, mit so einer positiv besetzten Definition umzugehen, anstatt sich selbst als „psychisch krank“ eingestuft zu fühlen.

Ein „mulmiges Gefühl“ bei der Arbeit

Die Psychologin und Trainerin Elke Overdick aus Hamburg weiß, dass vielen Berufstätigen gar nicht klar ist, dass es sich bei ihren Gefühlen um Angst handelt. „Sie haben bei der Arbeit lediglich ein ‚mulmiges Gefühl‘. Meist steht dahinter die Sorge, abgelehnt zu werden oder etwas Peinliches zu tun.“ Das Besondere an der negativen Emotion ist, dass die Betroffenen noch gar nicht mit den unangenehmen Konsequenzen ihres Handelns konfrontiert sind. „Sie haben lediglich die Erwartung, dass ihnen etwas Schlimmes passieren könnte.“

Karrierecoach Martina Bandoly aus Berlin stellt bei ihren Klienten immer wieder Zukunftsangst fest: „Viele glauben, nicht gut genug für neue Aufgaben zu sein. Sie sind nicht bereit ihr Leben in die eigene Hand zu nehmen und Risiken einzugehen.“

Stress verstärkt die Angst

Besonders ängstlich reagieren Menschen, wenn sie unter Stress stehen. „Wer in einem erhöhten Erregungszustand ist, bei dem fällt die Angst meist wesentlich stärker aus“, erklärt Overdick. Deshalb sei auch Entspannung so wichtig. Sie habe eine vorbeugende Wirkung.

Übermäßige Sorgen schränken  die Handlungsfähigkeit von Berufstätigen ein. Bandoly: „Während grundsätzlich die Angst dazu führt, sich gut vorzubereiten, damit eine befürchtete Situation erst gar nicht eintritt, bewirkt ein zu hoher Erregungslevel unvernünftige Handlungen.“ Dabei müssen die Betroffenen keineswegs ängstlich wirken. „Auch Aggressionen oder sogar das Spinnen von Intrigen können Angstreaktionen sein. Natürlich verbessern Mitarbeiter durch so ein Handeln nicht ihre Situation, sondern provozieren neue Probleme.“

Vorteile der Angst

Grundsätzlich ist Angst aber sinnvoll und nützlich: „Sie erlaubt uns nicht nur, zu überleben, sondern auch Unbekanntes anzugehen und dabei Erfolg zu haben“, so Matten. „Angst half und hilft uns, reale Gefahren zu erkennen und uns zu schützen. Ohne sie wäre jeder Manager ein bloßer Psychopath. Erst die individuell richtige Mischung macht ihn nachhaltig erfolgreich.“

Damit die Emotion ihr positives Potenzial entfalten kann, darf aber folgendes nicht passieren: „Angst schützt uns nur, wenn sie sich nicht zu Katastrophengedanken steigert“, so Overdick. Diese lassen sich an völlig unrealistischen Zukunftsszenarien erkennen. „Zum Beispiel ist die Vorstellung übertrieben, dass jemand in Deutschland bei einem Jobverlust sofort unter der Brücke landet.“

Oft führt zu großer Druck im Beruf zu einer Entkoppelung und Verselbstständigung einer eigentlich „normalen“ Emotion. „Ängste werden dann viel zu stark erlebt und können sich zu Panikattacken steigern“, so Pausch. Doch der Psychiater hat für alle Betroffenen eine gute Nachricht: „Angst ist steuerbar und kann überwunden werden.“ Das sei mit einer psychiatrisch-medizinischen, verhaltenstherapeutischen oder tiefenpsychologisch fundierten Therapie möglich, aber auch durch intensives Coaching.

Überwindung der Angst durch Nachdenken

Matten ergänzt: „Bereits das Nachdenken über die Angst und das Erkennen von Ursachen und Zusammenhängen ist ein erster wichtiger Schritt zu ihrer Überwindung.“ Deshalb sei der konstruktive Umgang mit der Emotion so entscheidend. „Reines Verdrängen führt dagegen mittelfristig meist nur zu größeren Problemen.“

Auch Bandoly sieht den ersten Schritt zur Angstbewältigung darin, sich ihr zu stellen: „Wenn sich jemand dieses Gefühl eingesteht, kann er daran arbeiten und es reduzieren.“ Die Karriereberaterin empfiehlt dafür einen Perspektivwechsel, bei dem sich der Betroffene fragt, wie zum Beispiel seine Kollegen auf die Situation reagieren würden.

Reflexion hilft bei der Angstbewältigung

Hilfreich ist im Umgang mit Hemmungen und Ängsten zudem die systematische Betrachtung des Problems. Overdick rät dazu, sich verschiedene Fragen ehrlich zu beantworten:

  • Was ist das Schlimmste, was passieren könnte?
  • Was kann ich tun, um das Schlimmste zu verhindern?
  • Wie wahrscheinlich ist es dennoch, dass dies eintritt?
  • Was kann ich tun, wenn das Schlimmstmögliche passiert?
  • Welche Bedeutung hätte es für mich und mein weiteres Leben?

„Diese Fragen helfen, die eigenen Angstgedanken wahrzunehmen, sie aber auch einem Realitätscheck zu unterziehen und damit zu relativieren, was dann die Angst mindert.“

Sich ein Worst-Case-Szenario vorzustellen, hat – so Bandoly – einen großen Vorteil: „Meist führt das zu mehr Gelassenheit. Denn der Betroffene erkennt, dass der schlimmste anzunehmende Fall gar nicht so existenzbedrohend ist, wie er ursprünglich glaubte.“

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Meine Linkempfehlungen:

Mein Literaturtipp:

  • Sven J. Matten, Markus J. Pausch: Angst- und Panikstörungen im Beruf, W. Kohlhammer, Stuttgart 2017, Taschenbuch: 24,00 Euro, E-Book: 21,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, August 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

Berufseinstieg ins Marketing: Vermarktung in der digitalen Welt

Wer heute beruflich ins Marketing einsteigen will, kommt an der Online-Welt nicht vorbei. Egal, ob es um Suchmaschinenoptimierung, Social Media oder E-Mail-Marketing geht: Das Internet ist Dreh- und Angelpunkt für alle, die Produkte und Dienstleistungen vermarkten wollen. Was dabei besonders zählt, ist Aufgeschlossenheit für Neues. Denn in der digitalen Welt jagt eine Innovation die nächste.

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In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie die Trends im Marketing aussehen.
  • Welche Qualifikationen  gebraucht werden.
  • Wie der Berufseinstieg ins Marketing gelingt.
  • Linkempfehlungen.

Digitale Trends im Marketing: Chance für den Nachwuchs

„Einer der wichtigsten Entwicklungen ist, dass die Trends von morgen ganz anders aussehen können als die Trends von heute“, betont Mirco Welsing vom Deutschen Marketing Verband. Als Geschäftsführer der Paderborner Marketingagentur TMC weiß Welsing, wie rasch der Innovationsprozess vor sich geht: „Wer heute im Marketing arbeitet, muss den Mut haben, nicht nach ‚Schema F‘ zu handeln. Er sollte kreativ sein und sich in seinem Unternehmen ausprobieren können.“ Denn schließlich gebe es bei den ganz neuen Online-Möglichkeiten oft keine oder kaum Erfahrungswerte. Da gelte häufig die „Trial and Error“-Methode.

„Videoinhalte sind aktuell der wichtigste Trend“, so Welsing. Das Bewegtbild ist dabei auf den verschiedensten Plattformen vertreten … von Youtube über Facebook bis hin zu Instagram. „Auch Virtual Reality wird immer bedeutender. So nutzten Aussteller diese Technik, um ihre Messestände attraktiver zu gestalten und ihre Produkte besser zu präsentieren.“ Außerdem gibt es die klare Tendenz, dass heutzutage immer mehr Menschen per Smartphone online gehen. Deshalb sind Apps im Marketing von besonderer Bedeutung.

Daten-Analysten sind gesucht

Big Data spielt ebenfalls eine große Rolle. „Heute können Agenturen und Unternehmen ihre Zielgruppe mithilfe der Datenanalyse genau erreichen“, betont Welsing. „Dafür brauchen wir Profis, die Daten analysieren wie zum Beispiel Statistiker und Mathematiker.“ Immer mehr setzen sich zudem technische Innovationen durch. „So übernehmen inzwischen Computerprogramme den Einkauf der Werbung in digitalen Medien.“

Einstieg mit Ausbildung und Studium

So vielfältig wie die Trends und Aufgaben sind auch die beruflichen Einstiegsmöglichkeiten im Marketing. „Im Bereich der dualen Ausbildung bietet sich zum Beispiel der Beruf des Kaufmanns für Marketingkommunikation an“, berichtet Welsing. Aber auch Kaufleute für Bürokommunikation oder Veranstaltungskaufleute hätten Chancen.

Besonders breit ist die Palette der akademischen Fachrichtungen, die für Agenturen und Unternehmen tätig sind: „Neben Betriebswirtschaftlern gehören auch Wirtschaftspsychologen und Grafikdesigner dazu. Andere studierten vorher Wirtschaftskommunikation“, erklärt Welsing. Außerdem kennt der Agenturchef viele Quereinsteiger, die im Marketing arbeiten und zuvor keinen einschlägigen Studiengang absolviert haben wie etwa Germanisten oder Philosophen.

Vielfalt der Studiengänge

Gerald Meise, Berater für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Berlin Mitte, ergänzt: „Auch Studiengänge wie ‚Kultur und Technik‘ an der Universität Cottbus bieten eine gute Grundlage, weil sie auch Markt- und Trendforschung beinhalten.“ Eine künftige Berufstätigkeit im Marketing sei bei Studieninteressierten sehr beliebt.

Der Marketingchef von Mymuesli Daniel Setzermann betont: „Bei uns arbeiten viele Quereinsteiger. Natürlich haben auch einige BWL studiert, aber das ist gar nicht so wichtig.“ Das Unternehmen ermöglicht seinen Kunden, sich ihr individuelles Müsli zusammenzustellen. Was für Setzermann zählt, sind praktische Erfahrungen. „Am Besten qualifizieren sich Studierende, wenn sie ein Praktikum bei einem Start-up machen.“ Denn so könnten sie die ganze Brandbreite des Marketings miterleben, weil Start-ups meist nur aus einem kleinen Team bestehen. Auch Werkstudententätigkeiten seien ein idealer Einstieg.

„Entscheidend ist, dass jemand das macht, worauf er Lust hat. Manche haben Interesse an der Datenanalyse, andere sind kreativ“, betont Setzermann. Diese Passion sollte sich auch im Privatleben zeigen, zum Beispiel durch Projekte wie selbst erstellte YouTube-Videos.

Studium allein reicht nicht

Genau das, was er heute anderen empfiehlt, hat der 30-jährige Setzermann selber praktiziert: „Ich interessierte mich schon immer für das Internet und seine Technik. So startete ich schon früh mein erstes eigenes Weblog und verkaufte übers Netz selbst gestaltete T-Shirts.“ Bei ihm kamen gleich zwei Leidenschaften zusammen: die für das kreative Tun und das technische Interesse. Er entschied sich dann, BWL in Passau zu studieren. „Dieses Studium bietet ein Grundgerüst für verschiedene Einstiegsmöglichkeiten in die Wirtschaft. Doch das allein reicht nicht. Gerade im Onlinebereich musste ich mir darüber hinaus vieles selbst beibringen.“

Setzermann machte bei Mymuesli bereits in der Gründungsphase des Unternehmens ein Praktikum und arbeitete dann dort als Werkstudent. „Was mir gleich gefiel, war die Optik.“ Er konnte sich total mit dem Produkt identifizieren. Deshalb stieg er nach seinem Studium bei Passauer Start-up als Angestellter ein. „Zuerst war ich im operativen Bereich tätig und konzeptionierte zum Beispiel unseren Newsletter.“ Heute ist er Direktor der Marketingabteilung, die in Berlin sitzt.  „Inzwischen arbeite ich hauptsächlich strategisch und führe ein kleines Team.“

Sich selbstständig machen mit E-Mail-Marketing

Der 33-jähriger Alexander Wiethaus hat sich ebenfalls dem Online-Marketing verschrieben. Schon zur Schulzeit faszinierte ihn das Internet. „Mit vierzehn Jahren baute ich meine erste eigene Homepage. Doch mich hat nicht nur die technische Seite interessiert, sondern auch die unternehmerische.“ Ihm war klar, dass ein Produkt so gut sein kann, wie es will: Wenn keiner von ihm erfährt, wird es niemand kaufen. Deshalb entschied er sich, statt Informatik Wirtschaftswissenschaften zu studieren.

Schon während des Studiums stieg Wiethaus bei einem kleinen Unternehmen ein und war dort für das Online-Marketing zuständig. „Ich konnte mich da voll ausleben, weil ich mich mit der hinter Amazon und Ebay stehenden Technik auskannte.“ Er arbeitete sich in verschiedene digitale Themen wie zum Beispiel die Suchmaschinenoptimierung ein. „Die theoretischen Grundlagen, die ich an der Uni gelernt habe, spielten dabei keine Rolle, es kam viel mehr auf das praktische Wissen an.“

Auf einer Messe hatte der Essener eine zündende Geschäftsidee für seine Selbstständigkeit. Unter dem Namen „E-Mail Marketing Helden“ berät und unterstützt er seit 2014 kleine Unternehmen und Soloselbstständige beim Marketing via Mail. Das funktioniert so: Firmen schreiben ihre Kunden direkt an und verschicken an sie zum Beispiel Newsletter und Autoresponder. „Während Marketingmitarbeiter in sozialen Netzwerken abhängig von der jeweiligen Plattform sind, können sie sich mithilfe einer Adressliste unabhängig von Dritten direkt an ihre Interessenten und Käufer wenden.“

Digitalisierung und neue Technologien im Marketing

Auch Prof. Dr. Steffen Herm von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin weiß, dass an dem Thema „Digitalisierung“ niemand vorbeikommt. „Gerade im Marketing sind wir besonders stark mit den neuen Technologien konfrontiert“, berichtet der Professor für Marketing. Dennoch hält es der Hochschullehrer für problematisch, Trendstudiengänge zum Beispiel im Bereich Social Media zu absolvieren. Insgesamt seien die Entwicklungen sehr schnelllebig. „Es ist riskant, sich schon im Studium zu stark zu spezialisieren. Denn Google ändert zum Beispiel ständig die Kriterien der Suchmaschinenoptimierung.“ Deshalb veralte spezielles Wissen oft über Nacht.

„Viel wichtiger als dieses Know-how ist die Fähigkeit, sich in immer neue Trends einzuarbeiten und Geschäftsmodelle zu verstehen“, betont Herm. „Und genau das lernen die Studierenden in den normalen BWL-Studiengängen. Auch wenn sich die Technik im rasenden Tempo verändert: Die wirtschaftlichen und psychologischen Grundlagen der Vermarktung von Produkten und Dienstleistungen bleiben die gleichen.“

Herm kennt natürlich die Anforderungen des Arbeitsmarktes: „Die meisten Stellenausschreibungen suchen weiterhin Mitarbeiter im Produktmanagement.“ Etwa 20 Prozent seien Stellen, die direkt im Onlinemarketing angesiedelt sind. „Aber natürlich wird überall Wissen über die digitalen Themen vorausgesetzt.“

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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

Der beruflichen Sehnsucht entgegen: Ziele anpassen und neu beginnen

Um wirklich seinen Sehnsüchten und Zielen näherzukommen, braucht es Geduld und Ausdauer. Je größer das Projekt wie zum Beispiel die berufliche Neuorientierung oder der Jobwechsel, desto höher wird der Kraftaufwand. Disziplin und Durchhaltevermögen sind dafür genauso wichtig wie Motivation. Doch alle diese Tugenden nutzen nichts, wenn Sie nicht in der Lage ist, wie ein Seismograf neue Erfahrungen und Erkenntnisse wahrzunehmen. Nur so lassen sich Ihre Ziele mit dieser neuen Realität in Einklang bringen.

Wie die Sehnsuchtsstrategie Ihnen hilft, Ihr berufliches Ziel anzupassen

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Sehnsüchtige, Berufserfahrene, Berufseinsteiger und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum Sie Ihre Sehnsuchtsziele immer wieder reflektieren sollten.
  • Wie Sie es schaffen, Ziele an veränderte Rahmenbedingungen anzupassen.
  • Wie Sie erfolgreich neu beginnen.
  • Literaturempfehlung.
  • Linkempfehlungen.

Wie die Sehnsuchtsstrategie Ihnen hilft, Ihr berufliches Ziel anzupassen

Dafür ist die Wahrnehmung des Alltags von entscheidender Bedeutung. Wichtig ist es, dass Sie ein Gespür dafür entwickeln, ob Sie auf einem zielführenden Weg sind oder nicht.

Diese Fragen können Ihnen bei einer Bestandsaufnahme weiterhelfen:

  • Wie geht es Ihnen? Was macht Ihnen Freude und was macht Ihnen Kummer?
    Stimmt die Richtung?
  • Fühlen Sie sich mit der eingeschlagenen Richtung noch wohl?
  • Was können Sie verändern, wenn Sie unzufrieden mit der Entwicklung sind?

Reflektieren Sie über den Stand der Dinge

Reservieren Sie sich jeden Tag ein paar Minuten Zeit, um den Tag Revue passieren zu lassen. Bedenken Sie dabei nicht nur Probleme, sondern schauen Sie auch ganz bewusst auf das, was gut läuft. Nehmen Sie nichts als selbstverständlich hin, sondern seien Sie dankbar! Hilfreich ist es, diese Gedanken und Gefühle aufzuschreiben.

Bleiben Sie sensibel für Veränderungen

Gerade wer Pläne für die Zukunft schmiedet, erlebt Unvorhergesehenes oft als Problem. Die Dinge entwickeln sich meist ganz anders als gedacht. Diese Wechselhaftigkeit des Lebens sollten Sie von Anfang an nicht als Feind Ihres Plans, sondern eher als Selbstverständlichkeit sehen. Gehen Sie am besten davon aus, dass sich im Laufe Ihres Projektes viel verändern kann und vielleicht sogar verändern muss. Wenn Sie flexibel darauf reagieren, haben Sie die Möglichkeit, Herausforderungen auch gut zu meistern.

Es gibt ganz verschiedene Lebensbereiche, die einem steten Wandel unterworfen sind. Doch gerade wenn Menschen ein Ziel haben, blenden sie Veränderungen oft aus. Das ist teilweise sinnvoll, weil sie sich so fokussieren. Es kann aber auch zum Problem werden, weil Sie so zu spät merken, dass etwas in die falsche Richtung geht. Deshalb möchte ich Sie bitten, aufmerksam und achtsam zu sein … besonders in folgenden Bereichen:

Werte und Sinn

Wichtige Triebfedern des Lebens sind Werte und Sinn. Solange Sie mit Ihren Werten und Überzeugungen übereinstimmen, wirkt sich das motivierend auf Ihre Projekte aus. Schwierig wird es aber dann, wenn sich Werte verschieben. Wenn zum Beispiel auf einmal nicht mehr das Geldverdienen im Mittelpunkt steht, sondern der Wunsch, anderen zu helfen. Wer solch einen Sinneswandel nicht wahrnimmt, verpasst die Chance, sein Handeln danach auszurichten.

Gesundheit

Es gibt Krankheiten, die können wir Menschen nicht ignorieren wie zum Beispiel einen Herzinfarkt. Aber manchmal schleichen sich auch kleine gesundheitliche Beeinträchtigungen ein: Ein häufiges Unwohlsein oder ständige Schmerzen. Ich rate Ihnen, die Signale des eigenen Körpers wahrzunehmen! Denn Physis und Psyche wollen beide gehört werden.

Ereignisse

Auch die verschiedensten Lebensereignisse haben eine Botschaft. Hier geht es ebenfalls darum, sie zu entschlüsseln. Egal, ob es der Verlust einer Freundschaft oder eine neue Liebe ist … es macht Sinn, über ihre Auswirkungen auf Ihr Leben und Ihre (berufliche) Sehnsucht nachzudenken:

  • Verändern sich durch die Ereignisse Ihre Gefühle?
  • Verwandelt sich Ihre Sehnsucht?
  • Werden Ihre gegenwärtigen Ziele wichtiger oder verlieren sie an Bedeutung?

Reflektieren Sie über Ihre Gedanken und Gefühle

Oft ist ein Wandel der Gedanken und Gefühle ein schleichender Prozess. Um so wichtiger ist eine erhöhte Aufmerksamkeit! Lassen Sie nicht zu, dass die alltägliche Routine all diese Zeichen überlagert oder zudeckt. Sehen Sie diese inneren und äußeren Veränderungen nicht als Bedrohung an – auch wenn sie unbequem sind -, sondern als Chancen und gehen Sie offen damit um.

Haben Sie so eine Veränderung wahrgenommen, geht es im nächsten Schritt um die Analyse. Fragen Sie sich, welche Auswirkungen diese auf Ihre Ziele hat:

  • Kann alles beim Alten bleiben?
  • Passt der Plan noch zu Ihrer veränderten Situation?
  • Müssen Sie einzelne Teilschritte umdefinieren?
  • Ist Ihr Ziel, aber auch Ihr ausgearbeiteter Plan noch realistisch?
  • Wie geht es Ihnen mit Ihrem Plan? Fühlt sich alles „gut“ an oder bemerken Sie ein Unwohlsein?

Finden Sie den Veränderungsbedarf heraus

Mit der Beantwortung dieser Fragen erkennen Sie den Veränderungsbedarf. In einem nächsten Schritt sollten Sie jetzt die Konsequenzen ziehen. Manchmal reichen minimale Veränderungen. Aber mitunter braucht es einen Neustart oder es besteht sogar die Notwendigkeit, ein Projekt abzubrechen. Doch davor sollten Sie sich die Zeit nehmen, alles im Kopf durchzuspielen. Denn so können Sie schon ein wenig antizipieren, welche Folgen eine mögliche Veränderung Ihres Zieles hat.

Je größer und umfassender Ihre Entscheidung, desto wichtiger ist es, sich  alle Vor- und Nachteile bewusst zu machen. Ich arbeite bei großen Entscheidungen mit einer Pro- und Kontra-Liste. Das würde ich Ihnen ebenfalls empfehlen.

Nutzen Sie die Chancen

Auch wenn es notwendig ist, neu zu beginnen oder einen ganz anderen Weg einzuschlagen, sollten Sie sich über Ihren bisherigen Weg nicht ärgern. Denn Ihr altes Ziel hat Ihnen zusätzliche Erkenntnisse ermöglicht. Und so können Sie jetzt neu anfangen. Ihr altes Projekt ist also keineswegs gescheitert – auch wenn Sie es abbrechen -, sondern es ist der Humus für etwas Neues! Sie fangen nicht bei null an!

Je länger Sie Ihrer beruflichen Sehnsucht folgen, desto mehr werden Sie erkennen, dass es sich hierbei um einen lebenslangen Prozess handelt. Es geht nicht darum, einmal eine Entscheidung zu treffen und dann für alle Zeit ein Ziel zu verfolgen. Vielmehr werden Sie feststellen, dass die ständigen Veränderungen immer neue Ziele und Projekte erfordern, aber auch ermöglichen.

Bewerten Sie Ihre Ziele und Projekte nicht als „gescheitert“, sondern nehmen Sie wahr, dass sich aus manch einer Krise neue Chancen ergeben. Diese können Sie stärker und letztendlich glücklicher machen! Ich kann Sie nur ermutigen, komplizierte Situationen und Probleme als Möglichkeit zu nutzen, Ihren ureigensten Weg zu finden!

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Meine Literaturempfehlung:

  • Anja Schreiber: Die Sehnsuchtsstrategie. Wie Sie durch berufliche Neuorientierung Erfüllung und Zufriedenheit finden, Berlin 2017, 2,99 Euro, Amazon-Shop.

Meine Linkempfehlungen:

(Artikel veröffentlicht August 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

Büroalltag: Wie Sie mehr Ordnung auf dem Schreibtisch schaffen

Auf dem Schreibtisch stapelt sich das Papier, überall kleben Post-its und im E-Mail-Eingang warten Tausende von Mails darauf, endlich gelesen zu werden … bei vielen Berufstätigen sieht so der Arbeitsplatz aus. Das Chaos ist aber nicht nur ein optisches Problem: Viele sind ständig auf der Suche nach einem bestimmten Papier oder einer wichtigen Datei. So entsteht Stress.

Mehr Ordnung auf dem Schreibtisch schaffen.
Mehr Ordnung auf dem Schreibtisch schaffen.

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  • Wie Chaos entsteht und warum es schadet.
  • Wie Sie auf dem Schreibtisch und im Computer Ordnung schaffen.
  • Linkempfehlungen.

Ordnung halten auf dem Schreibtisch und im Computer

Die 40-jährige Mara Meyerjohann (Name von der Redaktion geändert) aus Berlin kennt das Stapelproblem aus ihrem Homeoffice. Die selbstständige Mediengestalterin bietet Dienstleistungen im Bereich Internet und Print an. „Mein Schreibtisch war lange Zeit komplett mit Unterlagen voll. Was dort keinen Platz mehr hatte, stapelte ich einfach auf dem Boden.“ Auch die Regale und Schränke waren vollgepackt mit Kundenmaterialien, Broschüren, Zeitschriften, Steuerunterlagen und selbst gemalten Bildern ihrer Kinder. Alles war wild durcheinander gewürfelt. Am Ende wusste sie selbst nicht mehr, was sich in den Schränken verbarg.

Immer wieder nahm sich Meyerjohann vor, an dieser Situation etwas zu ändern, schließlich kritisierte ihr Mann ständig den Zustand ihres Arbeitszimmers. „Aber ich kam einfach nicht dazu. Ich war ständig mit der Bearbeitung meiner aktuellen Aufträge beschäftigt. Natürlich beanspruchte mich auch die Erziehung unserer zwei kleinen Kinder.“ Außerdem glaubte die Mediengestalterin, dass sie die vielen Stapel gar nicht störten. Heute weiß sie es besser, nachdem sie sich professionelle Hilfe gesucht hat. „An einem leeren Schreibtisch arbeite ich viel leichter und strukturierter. Ich funktioniere einfach besser.“  Seit ihrer Ausmistaktion hält sie Ordnung und sortiert anfallende Unterlagen diszipliniert weg.

So funktioniert das große Reinemachen

Der Ausgangspunkt für das große Reinemachen war bei Mara Meyerjohann der dreiwöchige Online-Kurs „Leerer Schreibtisch, klarer Kopf“ der Berlinerin Katharina Vollus: „Ich habe wie vereinbart jeden Tag eine Stunde Zeit für das Ausmisten eingeplant. Doch dabei blieb es nicht. Ich kam richtig in den Flow. Innerhalb einer Woche füllte ich eine 240-Liter-Tonne mit Altpapier.

Mit ihren Coaching und Kursen unterstützt Katharina Vollus in erster Linie Selbstständige und Solounternehmer, aber auch Wissenschaftler. „Viele Wissensarbeiter, die im Homeoffice tätig sind, haben Probleme mit der Ordnung.“ Dem Vorurteil, dass es sich bei diesen Menschen um Messies handelt, tritt sie entgegen. „Im Gegenteil: Meist sind diese Charaktere sogar Perfektionisten.“ Aber genau das sei ihr Problem: „Sie wollen nicht die Entscheidung treffen, sich von bestimmten Papieren zu trennen. Sie glauben, dass ihr Wissen in den gesammelten Unterlagen zu finden ist.“ Doch das sei falsch. „Das Wissen ist in uns selbst!“

Chaos beeinflusst die Arbeitsleistung negativ

Vollus weiß, wie sehr das Chaos auf dem Schreibtisch die Arbeitsleistung beeinflusst: „Viele Stapel demotivieren, sie ziehen runter und sind regelrechte Energieräuber. Wer zum Beispiel mit einem Kunden telefoniert und dabei auf Stapel von Unterlagen schaut, dem wird es nicht leicht fallen, klare Gedanken zu fassen.“ Das könne sich dann auch negativ auf die Telefonate auswirken. Andere Dinge im Büro lenken ebenfalls ab, zum Beispiel Post-its mit Handlungsaufforderungen. Wer diese im falsche Moment liest, kann Probleme mit seiner Konzentration bekommen.

Auch Business-Coach Hannelore Fritz aus Berlin kennt die Probleme, die chaotische Büros mit sich bringen: „Wer erst lange Stapel durchsuchen muss, der gerät in Stress und verliert die Kontrolle. So kann es passieren, dass er seine Aufgaben nicht rechtzeitig erledigen kann. Menschen, die ihre Unterlagen sofort bearbeiten oder  sortieren und dann weglegen, entlasten ihr Gehirn.“

Hängeordner sparen Zeit

Fritz empfiehlt Hängeordner: „Mit ihnen ist es leicht, einzelne Papiere einzuordnen, ohne sie lochen zu müssen. Das spart Zeit.“ Von Klarsichtordnern rät sie dagegen ab, weil der Blick schnell auf die Inhalte fallen kann und dies dann ablenkt.

Auch wenn es im Computer keine Papierstapel gibt, herrscht auch digital vielerorts Chaos. „Manche haben bis zu 3000 Mails in ihrem Posteingang. Da findet man natürlich kaum noch etwas“, erklärt Fritz. Deshalb empfiehlt sie, den Maileingang möglichst leer zu halten. „Filter können dabei helfen. Ich zum Beispiel filtere alle Mails von Xing gleich aus.“

Ordnung ins digitale Chaos bringen

Auch Holger Wöltje, Coach für digitales Zeitmanagement aus Bonn, rät den Mail-Posteingang leerzuhalten. „Legen Sie ihre Mails entweder in einer Ordnerstruktur oder einfach einem einzigen anderen Ordner ab und machen Sie sich mit der Suchfunktion vertraut.“ Sein Tipp: Die Nutzer sollten alle Mails, bei denen eine spätere Bearbeitung erforderlich ist, in einem Wiedervorlage-System wie Outlook-Aufgaben im Blick behalten.

Vollus legt ihren Kunden einen Neubeginn ans Herz: „Räumen Sie den Schreibtisch radikal leer. Sammeln Sie alle Papierunterlagen auf einem Stapel. Alles andere wie etwa Stifte, Locher und Büroklammern packen Sie in eine Kiste.“ Dann sollte zunächst der Schreibtisch gesäubert werden.

Stapel auflösen

„In einem weiteren Schritt geht es darum, die Stapel in einzelne Kategorien wie etwa ,Wegwerfen‘, ,Delegieren‘, ,Aufgaben‘ oder ,Ablage‘ aufzuteilen“, so Vollus. Danach wird ein Ordner-System entworfen, bei dem jedes Dokument seinen Platz hat und sich wiederfinden lässt.

Fritz empfiehlt jedem, der sich nicht an ein vorgegebenes Ablage-System halten muss, sein eigenes zu kreieren.  Ihr Tipp: „Erstellen Sie ein Mindmap und führen sie dort die Ordner auf, die zu Ihrem Business passen wie etwa ,Akquise‘, ,Kunden‘, ,Projekte‘ oder ,Buchhaltung‘.“ Für Teams sei es aber besser, ein einheitliches System zu haben, mit dem auch die Vertretung zurecht kommt.

Eindeutige Dateinamen helfen

Auch im Computer sollten sich Freiberufler und Solounternehmer eine Organisationsstruktur aufbauen, die sich leicht durchsuchen lässt. „Wichtig sind eindeutige Dateinamen, die ihren Inhalt genau erklären“, so Wöltje. „Wer sich mit der Suchfunktion vertraut macht, hat es deutlich leichter.“ Jemand, der aber die Suchoptionen nicht kenne und Anfragen ungünstige formuliere, erhalte zu viele Treffer.

Ordnung halten leichtgemacht

Mit einer einmaligen Ausmistaktion ist es meist nicht getan. Deshalb plädiert Vollus für einen nachhaltigen Arbeitsablauf. Ihr Tipp: „Damit keine neuen Stapel entstehen, sollten Sie zum Beispiel Ihre Post direkt nach dem Öffnen sortieren. Fragen Sie sich, ob die einzelnen Briefe wichtig sind oder in den Müll gehören. Termine tragen Sie am besten gleich in den Terminkalender und Aufgaben in Ihre To-Do-Liste ein.“ So ein Vorgehen ist eine Anti-Stress-Routine. Denn wer sie praktiziert, braucht keine Angst mehr haben, etwas zu vergessen.

Ist ein Ablage-System erst einmal vorhanden, empfiehlt Fritz, einmal in der Woche tabula rasa auf dem Schreibtisch zu machen. „Am besten reservieren Sie sich dafür den Freitag. Dann fällt Ihnen auch der Wochenstart leichter.“

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Selbstpräsentation im Beruf: Wie Sie im Internet erfolgreich sind

Das Internet erfüllt den Wunsch nach Sichtbarkeit: Berufstätige können Netzwerke knüpfen, aber auch sich und das eigene Fachwissen darstellen. So überzeugen sie potenzielle Arbeitgeber und Kunden. Doch damit die Onlinepräsenz zum Erfolg wird, braucht es eine Strategie und viel Engagement.

Ego-Marketing für Berufstätige: Sich erfolgreich im Internet präsentieren!
Ego-Marketing für Berufstätige: Sich erfolgreich im Internet präsentieren!

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  • Warum ein Auftritt im Internet Sinn macht.
  • Wie Sie sich im Web präsentieren sollten.
  • Welche Kanäle Sie dazu nutzen können.
  • Linkempfehlungen.

Selbstmarketing via Social Media: So klappt es!

„Das Netz funktioniert heute wie eine ständige Bewerbung“, erklärt der Münchener Kommunikationsberater Klaus Eck. Denn jeder kann auf Plattformen wie Linkedin oder XING sein berufliches Profil hinterlegen. Zudem hat die Präsenz im Netz noch weitere Vorteile: „Angestellte werden zu Markenbotschaftern ihrer Unternehmen.“ Selbstständigen biete das Internet außerdem die Chance, sich über spezielle Themen zu profilieren.

Online-Business-Coach Sandra Holze aus Berlin unterstreicht ebenfalls, wie wichtig die Sichtbarkeit im Netz gerade für Freiberufler und Einzelunternehmer ist: „Wer im Web nicht gefunden wird, existiert eigentlich gar nicht.“ Das gelte nicht nur für Dienstleistungen im Social Media-Bereich, sondern auch für alle, die ein Offline-Business haben wie etwa Cafébetreiber oder Handwerker.

Wie Sie im Internet gefunden werden

Die Jobsuche verläuft heute oft anders als noch vor 20 Jahren, erklärt Mareike Gerdes, Personalerin beim Business-Netzwerk XING. „Allein auf Stellenanzeigen sollten sich Bewerber nicht mehr verlassen. Häufig machen sich Recruiter auf die Suche nach passenden Kandidaten im Internet. Deshalb sollten diese dafür sorgen, gefunden zu werden!“ Bei XING ist es übrigens keine Einstellungsvoraussetzung, einen Account im Businessnetzwerk zu haben.

„Immer noch macht das Web nicht wenigen Menschen Angst. Oft haben sie die Furcht, dass es zur Karrierefalle werden könnte“, erklärt Eck. Doch der Gründer der Content-Marketing-Agentur d.Tales hält diese Befürchtung in der Regel für unbegründet. „Im Grunde lernt heute jeder, wie er mit den sozialen Medien umzugehen hat.“ Dazu gehöre auch, zwischen öffentlichen Postings und privaten Nachrichten zu unterscheiden. Deshalb brauchen Berufstätige keine übermäßigen Angstgefühle entwickeln. Sie sollten vielmehr die Chancen sehen. „Ich kann nur dazu ermutigen, sich offensiv im Netz zu zeigen!“

Keine Angst vor Social Media

Eck weiß, dass die Firmen inzwischen gelassen mit den Online-Aktivitäten ihrer Mitarbeiter umgehen. „Es gibt keine großartigen Bedenken vonseiten der Unternehmen. Wer sich an die Social Media-Richtlinien seines Arbeitgebers hält, kann ohnehin nichts falsch machen“, so Eck.

„Business-Profile in Online-Netzwerken sind heute vor allem bei Wissensarbeitern gang und gäbe“, betont Gerdes. Dazu gehören zum Beispiel Beschäftigte in den Bereichen IT, Finanzen, Marketing und Kommunikation.

Netzwerke gezielt suchen und pflegen

Der Stuttgarter Karriereberater Christoph Burger rät insbesondere Führungskräften zu einer Mitgliedschaft bei einem Businessnetzwerk. „Für Mitarbeiter, die in der Öffentlichkeit stehen – etwa PR-Referenten oder Social Media Manager – macht so eine Präsenz ebenfalls Sinn.“ Doch das bedeute nicht, dass Berufstätige gleich auf mehreren Plattformen aktiv sein müssten. „Es reicht, wenn man sich ein oder zwei Netzwerke gezielt aussucht. Diese Accounts sollte der Nutzer dann aber auch pflegen. Das macht er, indem er zum Beispiel aktuelle Informationen einstellt, Kontaktanfragen beantwortet und sich an Diskussionen beteiligt.“

Vorsicht bei der Fotowahl!

Gerdes empfiehlt, bei der Erstellung eines Profils Sorgfalt walten zu lassen. „Nutzer sollten genau über die Schlagworte nachdenken, die ihre Kompetenzen und Tätigkeiten beschreiben. Denn unter diesen Begriffen können Personaler sie finden.“ Deshalb sei zum Beispiel die Verwendung firmeninterner Abkürzungen wenig sinnvoll. Auch die Qualität des Profilfotos ist entscheidend. „Niemand sollte Urlaubsschnappschüsse hochladen. Am besten ist ein professionelles Bild, das zum Beruf und zur Person passt.“

Widersprüche und Hochstapeleien sind natürlich tabu. Gerdes: „Wer sich als führungsstark charakterisiert und gleichzeitig keinerlei Führungsfunktion nachweisen kann, macht auf Personaler einen denkbar schlechten Eindruck.“
Privates auf anderen sozialen Netzwerken ist dagegen kein Problem. „Ich trenne zwischen beruflichen und privaten Accounts“, so Gerdes. „Partyfotos oder das Freizeitverhalten unserer Bewerber sind für mich nicht interessant. Danach suche ich nicht.“

Netiquette beachten

Dennoch rät Burger zu einer bewussten Kommunikation im Internet. Der Coach hat selbst schon erlebt, wie fachspezifische Diskussionen in Emotionsausbrüchen endeten. „So etwas darf nicht passieren. Ich empfehle, unbedingt sachlich zu argumentieren.“ Schließlich lässt sich ein verbaler Schlagabtausch auch noch nach Jahren im Netz finden.

„Ein Blog oder eine Website ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, sich online zu präsentieren“, betont Burger. „Denn sie bietet Selbstständigen wie zum Beispiel Modedesignern die Chance, ihre Arbeiten zu zeigen.“

Regelmäßig Inhalte posten

Wer ins Internet geht, der will Aufmerksamkeit. Doch bei dem Überangebot an Informationen ist diese gar nicht so leicht zu bekommen. Deshalb empfiehlt Content-Marketing-Experte ein strategisches Vorgehen: „Nur wer schreibt, der bleibt“, zitiert Eck einen bekannten Spruch. „In den sozialen Medien sollten Nutzer also regelmäßig Inhalte posten. Wobei Qualität wichtiger ist als Quantität.“ Auch Blogs und Websites brauchen ständig neuen und qualitativ hochwertigen Content. Denn diese Faktoren entscheiden mit über das Ranking bei den Suchmaschinen. „Natürlich muss nicht jeder bloggen, aber er sollte hin und wieder in seinem Online-Netzwerk längere Artikel veröffentlichen oder Gastbeiträge schreiben.“

Wie die Sichtbarkeit im Netz aussieht, kann sehr unterschiedlich sein. „Am besten macht jeder das, was zu ihm passt“, erklärt Sandra Holze. Für einen Handwerker bieten sich zum Beispiel Vorher-Nachher-Fotos an. Andere berichten vielleicht über ihren Arbeitsalltag. „Auf jeden Fall müssen Selbstständige wissen, was ihre Kunden brauchen. Dabei sollten sie eine klare Vorstellung davon haben, wer ihre Zielgruppe ist.“ Wer das weiß, findet auch das passende Thema für seine Online-Aktivitäten.

Auf die Persönlichkeit kommt es an

„Was im Web zählt, ist Persönlichkeit“, betont Holze. „Niemand sollte sich online verstellen.“ Holze ist selbst im Netz auf vielfältige Weise präsent. So hat sie zum Beispiel einen eigenen Blog und eine Facebookseite mit mehr als 7000 Fans. Die Beraterin veröffentlicht neben ihren Artikeln auch Videos bei YouTube und Facebook. „Wer heutzutage seine Reichweite in den sozialen Medien erhöhen will, kommt an Videos nicht vorbei.“

Die Trainerin weiß, dass es für viele Menschen eine Herausforderung ist, sich der Öffentlichkeit per Video zu präsentieren. „Doch Videos sind eine gute Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu bekommen. Dabei muss die technische Ausstattung gar nicht hochwertig sein, viel wichtiger ist der Inhalt.“

Die Sichtbarkeit hat aber auch ihren Preis: „Immer wieder bekomm ich gut gemeinte Ratschläge zu Äußerlichkeiten“, berichtet Sandra Holze. „Das nervt mich, weil ich mir wünsche, dass die Leute – vor allem Frauen – sich mit den Inhalten auseinandersetzen.“ Dennoch empfiehlt sie ihren Kunden, mutig zu sein. „Natürlich kann jemand, der sich im Internet präsentiert, auf Kritik stoßen. Aber er stärkt zugleich seine Position: Er findet auf diesem Weg jene Kunden, die zu ihm passen und die ihn genauso mögen, wie er ist.“ Klaus Eck unterstreicht ebenfalls: „Was letztendlich bei der Online-Präsenz zählt, ist Persönlichkeit und Herzblut.“

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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Mai 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

Wie der Berufseinstieg mit Bachelorabschluss gelingt

Nach dem Bachelorstudium in den Beruf: Wer sich dafür entscheidet, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Obwohl immer noch ein großer Anteil der Hochschulabsolventen ein Masterstudium anschließt, ist dies aus Sicht der Unternehmen in vielen Fällen nicht notwendig. Entscheidend für den Erfolg beim Berufseinstieg ist besonders die praktische Erfahrung.

Wie der Berufseinstieg mit Bachelor-Abschluss gelingt.
Wie der Berufseinstieg mit Bachelorabschluss gelingt.

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  • Schulabgänger, Studierende und Berufseinsteiger.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Welche Chancen Bachelorabsolventen auf dem Arbeitsmarkt haben.
  • Was die Arbeitgeber von ihnen erwarten.
  • Linkempfehlungen.

Direkt nach dem Bachelor in den Job

Bachelorabsolventen sind in allen Branchen und Betriebsgrößen willkommen“, betont Dr. Irene Seling, stellvertretende Abteilungsleiterin Berufliche Bildung bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA). Dennoch streben viele Hochschulabsolventen ein Masterabschluss an: „Die Übergangsquote vom Bachelor- zum Masterstudium liegt zwischen 70 und 75 Prozent. Das ist aus unserer Sicht zu hoch.“

Einen zwingenden Grund für ein weiterführendes Studium gebe es in der Regel nicht: „Für das Einkommen spielt der höhere Abschluss keine wesentliche Rolle“, so Seling. „Denn das Gehalt richtet sich nach der Aufgabe und Verantwortung im Unternehmen.“ Aus finanziellen Gründen lohne sich ein längeres Studium also kaum. Besondere Angst vor Arbeitslosigkeit brauchen Hochschulabsolventen ebenfalls nicht zu haben: „Die Arbeitslosenquote liegt bei Akademikern um die 2,5 Prozent. Es herrscht also quasi Vollbeschäftigung.“

Praktische Erfahrung ist entscheidend

Ingrid Arbeitlang, Beraterin für akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd, unterstreicht: „Ausschlaggebend für einen erfolgreichen Berufseinstieg ist, dass die Bewerber nicht nur theoretisches Wissen mitbringen, sondern im Studium zusätzlich praktische Erfahrungen gesammelt haben.“ In bestimmten Fächern wie in den Naturwissenschaften ist ein höherer Abschluss allerdings erforderlich: „Dort wird meist ein Master oder sogar eine Promotion vorausgesetzt.“

Praktische Erfahrung hat auch Bianca Roeder gesammelt. Die 24-Jährige erwarb ihren Informatik-Bachelor an der Hochschule für Technik in Stuttgart. Ihren jetzigen Arbeitgeber – den Technologiekonzern Bosch – lernte sie während ihres Studiums im Rahmen eines Pflichtpraktikums kennen. Sie arbeitete bereits damals im Bereich für Smart-Home-Lösungen, in der sie auch heute noch tätig ist.

Praktika zählen

Am Ende ihres Praktikums bekam Roeder das Angebot, dort auch ihre Bachelorarbeit zu schreiben. „Es ging dabei um sogenannte NFC-Tags. Diese machen die kabellose Datenübertragung zum Beispiel von einem Heizungsthermostat aufs Handy möglich.“ Die junge Informatikerin interessierte sich für das Thema und nahm die Gelegenheit wahr. Danach stand sie vor der Entscheidung, entweder weiter zu studieren oder eine Stelle als Software-Entwicklerin bei Bosch anzunehmen: „Als mir schon ein Masterstudienplatz sicher war, bot mir mein Chef bei Bosch an, fest einzusteigen. Ich würde gut ins Team passen, meinte er.“ Nach Rücksprache mit ihren Professoren hat sie sich 2014 für den Berufseinstieg entschieden. „Das war genau richtig und ich würde es heute wieder so machen.“

Heute arbeitet Roeder in einem Entwicklungsteam daran, wie sich Haushaltsgeräte wie Waschmaschinen oder Trockner vom Handy aus steuern lassen. „Den Master strebe ich aktuell nicht mehr an“, betont die Entwicklerin. Ihre berufliche Zukunft hat sie dagegen klar im Blick: „Ich möchte mich im Bereich des Projekt- und Teammanagements weiterentwickeln und belege bereits Schulungen zu diesen Themen.“

Das Beispiel der Bachelorabsolventin zeigt, dass beim Berufseinstieg vor allem praktische Erfahrungen und erste Kontakte zur Berufswelt zählen. Arbeitlang: „Besonders große Bedeutung haben Praktika. Deshalb sollten Hochschüler, deren Studiengänge keine längeren Praxisphasen vorsehen, sich selbst darum bemühen.“ Ist das im normalen Studienalltag aufgrund der Anwesenheitspflicht nicht möglich, rät die Beraterin dazu, lieber länger zu studieren als auf Praxiserfahrung zu verzichten.

Längere Studienzeit sind meist kein Problem

„Studierende scheuen aber oft davor zurück, die Regelstudienzeit zu verlängern. Sie glauben, dass dadurch ihre Arbeitsmarktchancen sinken“, berichtet Arbeitlang. Doch bei guten Gründen sei das nicht der Fall.

Auch Vera Winter, Leiterin „Talent Relationship Management“ bei Bosch, betont: „Ein längeres Studium ist kein Einstellungshindernis.“ Bachelor-Absolventen, die länger als die Regelstudienzeit studiert haben, seien für das Unternehmen interessant, wenn sie die für die jeweilige Stelle passenden Praxiserfahrungen mitbringen. „Wir begrüßen es  ausdrücklich, dass sich Studierende Zeit nehmen, um zum Beispiel Auslandserfahrungen zu sammeln oder Praktika zu absolvieren.“

Wo ein Master gewünscht ist

Grundsätzlich differenziert Bosch in seinen Stellenausschreibungen nicht nach Abschlussart. In den Anzeigen erwartet das Unternehmen oft nur noch einen Hochschulabschluss. Winter: „Wir haben eine hohe Anzahl an Bachelorabsolventen. Nur im Bereich ‚Forschung und Entwicklung‘ suchen wir meist Master.“ Schließlich brauche der Konzern dort Spezialisten mit mehr wissenschaftlicher Erfahrung.

Tina Schiffel, Teamleiterin Recruiting Deutschland bei der Siemens AG, betont ebenfalls: „Entscheidend ist, dass die Kompetenzen der Bewerber zu den Anforderungen der Stelle passen. Das Gesamtbild muss stimmen.“ Der Titel sei weniger wichtig. Ihr Tipp an die Studierenden: Sie sollten sich im Studium ausprobieren, um so herauszufinden, welche Themen ihnen besonders gefallen und mit welchen sie sich im Beruf beschäftigen wollen. „Neben Praktika bieten sich dafür zum Beispiel auch Vorträge, Netzwerktreffen und Werksstudentenjobs an.“

Werkstudententätigkeit als Plus

Arbeitlang rät ebenfalls zu Werksstudententätigkeiten: „Studierende sollten in jener Branche jobben, in der sie später beruflich einsteigen wollen, statt nur irgendeinen Minijob zu machen wie zum Beispiel Messehostess oder Kellner.“

Konzerne wie Siemens haben grundsätzlich an der ganzen Bandbreite von Akademikern Interesse: Vom Bachelor über den Master bis hin zum Doktoranden und Promovierten. Die verschiedenen Traineeprogramme von Siemens richten sich sowohl an Bachelor als auch an Master. „Nach den ersten zwei oder drei Berufsjahren haben bei uns die Bachelorabsolventen die gleichen Weiterentwicklungsoptionen wie die Master“, erklärt Schiffel.

Chancen auf Karriere

Auch bei Bosch bestehen für alle Absolventengruppen Chancen für den beruflichen Aufstieg. Winter:„Unsere Mitarbeiter können ganz unterschiedliche Laufbahnen einschlagen. Sie haben die Option, Fachaufgaben, aber auch Führungs- und Projektverantwortung zu übernehmen. Niemand muss auf einer bestimmten Karriereschiene bleiben.“

Seling sieht zudem die Perspektive, nach einer ersten berufspraktischen Phase ein Masterstudium zu absolvieren: „Viele Unternehmen bieten ihren Beschäftigten berufsbegleitende Masterprogramme an. Sie beteiligen sich nicht selten an den Studienkosten oder ermöglichen Teilzeitregelungen.“

Auch wenn sich Bachelorabsolventen in den meisten Fällen keine Sorgen um ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt machen müssen, hält sich die Zufriedenheit der Unternehmen über diese in Grenzen. Das belegt eine aktuelle Unternehmensbefragung des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Danach sehen nur noch 47 Prozent der Betriebe ihre Erwartungen an die Bachelor-Absolventen als erfüllt an. 2011 waren das noch rund 63 Prozent der Unternehmen. Der Zufriedenheitswert mit den Masterabschlüssen liegt mit rund 78 Prozent deutlich höher. „Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass es grundsätzlich besser ist, einen Master zu machen“, betont Julia Flasdick, Referatsleiterin Hochschulpolitik beim DIHK. Sie erkennt ein differenziertes Bild: „So sind zum Beispiel Großunternehmen mit ihren Bachelors häufig zufriedener als kleine und mittlere Betriebe.“

Der häufigste Grund für die Unzufriedenheit mit Bachelorabsolventen ist laut DIHK die fehlende Anwendungsorientierung vieler Studiengänge. „Auch mangelt es den jungen Leuten oft an methodischen und sozialen Kompetenzen“, erklärt Flasdick. Sie sieht vielfach aufseiten der Hochschulen noch Handlungsbedarf, diese im Studium noch stärker zu vermitteln.

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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Dezember 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Ausstrahlung im Beruf: Wie Sie Ihr Charisma verbessern

Beim Vorstellungsgespräch oder bei der Präsentation im Meeting: Oft entscheidet eine positive Ausstrahlung über den beruflichen Erfolg. Einige haben ein natürliches Charisma. Aber auch, wer nicht damit gesegnet ist, kann bewusst an seiner Außenwirkung arbeiten.

Ausstrahlung im Beruf: Wie Sie Ihr Charisma verbessern!
Ausstrahlung im Beruf: Wie Sie Ihr Charisma verbessern!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was eine positive Ausstrahlung ausmacht.
  • Wie Sie Ihre innere Strahlkraft zum Leuchten bringen.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Positive Strahlkraft als Schlüssel zum Erfolg

„Die Ausstrahlung ist fast immer das Zünglein an der Waage: Ob es nun um eine Inhousepräsentation oder die Verhandlung mit einem Auftraggeber geht“, erklärt Michael Reiter, Coach aus München und Autor des Buches „Ihre Ausstrahlung erkennen, entwickeln und bewusst leben“. Nur in ganz wenigen technischen Berufen, in denen Spezialisten gebraucht werden, sei die Stahlkraft nicht so – falls überhaupt – relevant. Bei einem Programmierer etwa setzt das Unternehmen auf die fachliche Leistung und weniger auf seine Außenwirkung.

Aber in den meisten Bewerbungsverfahren sieht es anders aus. „Personaler müssen sich zwischen vielleicht dreihundert Kandidaten entscheiden, alle mit ähnlichen Lebensläufen und besten Zeugnissen“, so Reiter. Da seien zusätzliche Unterscheidungskriterien vonnöten wie Sympathie, Glaubwürdigkeit, aber auch Offenheit und Überzeugungskraft, die allesamt Elemente einer positiven Ausstrahlung sind.

Authentische Freundlichkeit kommt an

„Wir Menschen strahlen immer etwas aus. Wenn wir zum Beispiel schlechte Laune haben, vermitteln wir das unserer Umgebung“, erklärt die Berlinerin Monika Schubert, Coach für Ausstrahlung, Selbstführung und Potenzialentfaltung. Genauso wie sich negative Einstellungen und Gedanken dem Gegenüber mitteilen, gilt das auch für positive Eigenschaften wie Selbstbewusstsein und Souveränität. „Diese bewirken bei den anderen Sympathie und Interesse, aber auch Vertrauen.“

Freundliche Zeitgenossen haben zum Beispiel eine positive Strahlkraft. Doch sie allein reicht nicht. „Freundlichkeit muss authentisch wirken, damit sie einen guten Eindruck hinterlässt“, betont Schubert. „Wenn Menschen das Gefühl haben, jemand verbirgt etwas vor ihnen, empfinden sie ihn als unauthentisch.“ Sie erwarten von ihm dann auch keine Win-Win-Beziehung. „Aber genau darauf kommt es im Beruf an!“

Positive Ausstrahlung durch Selbstbewusstsein

Wie wichtig Authentizität ist, zeigt das Beispiel eines Klienten von Schubert: Der Finanzchef hatte Probleme bei Präsentationen. „Er meinte, dass er kühl und reserviert auftreten müsse, um gut zu performen. Aber er kam nicht gut an, weil er unauthentisch war“, betont Schubert.  Die Trainerin bat ihn, sich vorzustellen, er spreche mit seinen Kindern. „Dadurch fand er die Begeisterung, Wärme und Zuwendung, die er dann auf seine Vorträge übertragen konnte, weil er mit seinem Herzen dabei war.“

Was sich in der Ausstrahlung ausdrückt, ist die Persönlichkeit: „Wenn Menschen sich bewusst sind, was sie können und was sie ausmacht, wirkt das auf andere. Sie stehen zu sich selbst und das offenbart Selbstbewusstsein, aber auch Gelassenheit und Entspannung“, so Schubert. „Ich hatte einmal eine Professorin als Klientin, die sehr schüchtern war. Doch immer, wenn sie über ihr Fachgebiet sprach, vermittelte sie die Begeisterung, die sie selbst empfand.“

Charisma durch Zielorientierung

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Schubert ihren Klienten, ihre Mission herauszufinden: „Wer kein klares berufliches Ziel hat, der wird immer nur an Äußerlichkeiten herumdoktern. Er wird einem Idealbild nachjagen, das aber nicht das eigene ist.“ Um aber Charisma verströmen zu können, müssen sich Berufstätige über die eigenen Ziele klar werden. „Deshalb sind für mich zum Beispiel Michelle Obama oder Pal Dardai Menschen mit Charisma.“

Diese innere Befindlichkeit vermittelt sich durch den Körper. Das gilt für nicht nur für die Gestik und Mimik, sondern auch für Körperhaltung und Geruch. „Eine Person, die Angst hat, riecht anders als jemand, der jovial ist oder Aggressionen hat, egal welches Parfüm er auflegt“, erklärt Reiter. Der Ausdruck „jemanden riechen können“ beschreibe diesen Umstand.

Körpersprache wirkt sich auf Ausstrahlung aus

„Wer herausfinden will, wie er wirkt, sollte zum Beispiel ein Foto von sich von vorne in stehender Position machen lassen“, erklärt Reiter. So wird er leicht erkennen, ob seine Schultern gleich hoch sind und ob er natürlich aufrecht oder gebeugt steht. Personaler und Chefs – so Reiters Erfahrung – nehmen solche Körperzeichen sehr wohl wahr.

Auch Stress teilt sich dem Gegenüber mit. Er kann zum Beispiel ganz erheblich die Stimme beeinflussen … das betont Jessica Wahl, Stimmtrainerin und Karrierecoach aus Berlin. „Menschen, die mit klarer Stimme ihre Ziele kommunizieren, wirken souveräner, als Menschen, deren Stimme beim Sprechen angespannt und unsicher nach oben rutscht. “

Einfluss der Kleidung

Die Berlinerin sieht einen engen Zusammenhang zwischen äußerem Erscheinungsbild und innerer Einstellung: „Wirkt jemand ständig übermüdet blass und trägt ungepflegte Kleidung, denken wir leicht, die Person ist nicht belastbar und geht nachlässig mit seinen beruflichen Aufgaben um.“ Die Kleidung hat ebenfalls eine große Strahlkraft.

„Eine zierliche Frau wirkt in einer dünnen Bluse, neben einem Mann im Anzug, vermutlich schwächer und dadurch unsicherer, als wenn sie ebenfalls einen gut sitzenden Blazer trägt, der ihre Schultern unterstreicht“, erklärt Wahl. „Das Outfit prägt das eigene Image und kann zum Markenzeichen werden.“ Wenn die Garderobe eine positive Wirkung haben soll, muss sie zum Träger und zu seiner Branche passen: „Die Kleidung eines Bankers sollte nach wie vor klassisch formal sein. Zu einem Coach, der seine Kunden bei der Sabbaticalplanung unterstützt, passt sogar ein Freizeit-Look.“

Zwar brechen in immer mehr Branchen die Kleidervorschriften auf, das heißt aber noch lange nicht, dass Menschen im beruflichen Kontext nicht registrieren, was jemand anzieht. Wahl: „Wer sehr erfolgreich ist, kann vielleicht wie ein Udo Jürgens, auch im Bademantel erscheinen. So ein Tabubruch ist jedoch eine absolute Ausnahme. Für alle anderen gilt der im Unternehmen vorgegebene Kleidercodex.“

Outfit sollte zum Charakter passen

Die Kleidung sollte grundsätzlich zum Typ passen. „Gibt es eine Diskrepanz zwischen Outfit und dem Charakter, fällt das der Umgebung unangenehm auf“, betont Veronika Wimmer, Gründerin der Farb- und Stilberatung ImagoBerlin. „So wirkt eine zarte zurückhaltende Frau, die Signalfarben und pinken Nagellack trägt, unauthentisch. Wer sie sieht, wird bewusst oder unbewusst erkennen, dass da etwas nicht stimmt.“

Andererseits braucht sich ein extravaganter Typ nicht hinter einem „0815“-Outfit zu verstecken, so Wimmer. „Selbst beim klassischen Business-Dresscode lassen sich eigene Akzente setzen, zum Beispiel bei der Krawatte, dem Halstuch, dem Material und der Schnittform des Jacketts oder der Aktentasche.“ Die Farbgebung der Kleidung sollte zudem mit der Haar- und Augenfarbe harmonieren, empfiehlt die Stilberaterin. „Dunkelhaarigen stehen eher dunkle Farben, während helle Typen darin eher unvorteilhaft aussehen.“

Mit ihrem Outfit können Berufstätige auch ganz bewusst Botschaften senden: „Wer beruflich aufsteigen will, der sollte sich so anziehen, wie sich Menschen auf der nächsthöheren Karrierestufe kleiden. Besser angezogen als der eigene Chef darf er aber auch nicht sein.“ Aus ihrer Beratungstätigkeit weiß Wimmer, dass die Garderobe einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden von Menschen hat: „Wer sich in seinem Outfit gut fühlt, strahlt das auch aus.“

Positive Selbstwahrnehmung als Erfolgskriterium

Zur positiven Ausstrahlung gehört für Reiter einerseits ein stimmiges Auftreten, andererseits die bewusste und positive Selbstwahrnehmung. Das Wichtigste sei die Selbstbejahung: „Wenn wir uns ohne Einschränkungen so annehmen, wie wir sind, unsere Schwächen anerkennen und damit offen umgehen, wirken wir überzeugend, weil wir authentisch sind.“ Ein Bewerber nimmt keinen Personaler für sich ein, wenn er seine Fähigkeiten nicht wertschätzt. Wer mit seinem Leben hadert, sich ungerecht behandelt fühlt oder seinen Körper ablehnt, wird nie kraftvoll strahlen. „Menschen, die sich dagegen selbst bejahen, den nehmen auch andere positiv wahr.“

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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Michael Reiter: Ihre Ausstrahlung erkennen, entwickeln und bewusst leben, 128 Seiten, 5. Auflage, Haufe Verlag (München) 2013, broschiert: 6,95 Euro, E-Book: 3,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

 

Wie Sie eine Telefonkonferenz erfolgreich führen

Störungen im Hintergrund und die Aufmerksamkeit im Sturzflug: Telefon- und Videokonferenzen haben ihre Tücken. Dabei sind sie im beruflichen Alltag oft die Alternative zum Meeting vor Ort. Denn sie sparen Kosten und Zeit. Um aber erfolgreich zu sein, müssen sich die Teilnehmer disziplinieren.

Telefonkonferenz: Wie Sie eine Telko erfolgreich führen!
Wie Sie eine Telko zum Erfolg machen!

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  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was Sie über Telefon- und Videokonferenzen wissen sollten.
  • Wie Sie sich gut vorbereiten.
  • Welche Knigge-Regeln bei Telkos gelten.
  • Linkempfehlungen.

So verhalten Sie sich richtig bei einer Konferenz via Telefon oder Video

„Telefonkonferenzen sind eine Herausforderung, weil in ihnen alles Visuelle fehlt“, erklärt die Stimmtrainerin und Wirtschaftsmediatorin Manuela Stamm aus Hohen Neuendorf bei Berlin. „Man sieht nicht den Gesichtsausdruck der Anderen.“ Wer sich in eine „Telko“ einwählt, hört oft nur einen Ton, weiß aber nicht, wer sonst schon da ist. So empfinden viele Beteiligte das Warten in diesem virtuellen Raum als deutlich unangenehmer als in einem realen Zimmer.

„Außerdem fällt der Smalltalk weg. Meist gehen die Teilnehmer gleich in medias res. Es gibt keine weiche Kommunikation und wenig Scherze“, ergänzt Elisabeth Bonneau, Kommunikationstrainerin aus Freiburg.

Nebengeräusche erleben die allermeisten als besonders störend. „Während es im Meeting normal ist, Wasser oder Kaffee zu trinken und einen Keks zu knabbern, lenkt das am Telefon ab“, so Stamm. Die Trainerin hat selbst schon Konferenzen erlebt, bei der sich ein Teilnehmer zum Beispiel einen Tee zubereitete. „So hörte ich plötzlich einen Wasserhahn laufen und das Geräusch des Wasserkochers. Das ist natürlich total unhöflich.“

Nebengeräusche stören

Schon kleine akustische Ablenkungen wirken sich in einer Telefonkonferenz ungünstig aus. „Viele benutzen während des Meeting ihr Laptop und tippen“, erklärt Stamm. „Diese Tippgeräusche sind ebenfalls sehr störend.“

Auch bei der Videokonferenz gibt es solche Störeffekte. „Es macht einfach keinen professionellen Eindruck, wenn bei einer beruflichen Besprechung der Partner mit der Zahnbürste im Mund durch das Zimmer läuft“, betont Stamm. „Auch Kinder und Haustiere sollten nicht im Hintergrund zu hören sein.“

Abgelenkte Teilnehmer

Der Berliner Kommunikationscoach Karsten Noack weiß ebenfalls, was bei einer Telefonkonferenz alles schiefgehen kann: „Oft machen die Teilnehmer nebenher noch etwas anderes und schreiben zum Beispiel Nachrichten auf ihrem Handy.“ Selbst wenn das niemand sieht, bekommen die Gesprächspartner garantiert mit, dass der Betreffende nicht bei der Sache ist. „Ich habe Konferenzen erlebt, bei denen jemand mehrmals angesprochen wurde und nicht reagierte. Er war einfach abgetaucht.“

Gerade, weil Telkos die Teilnehmer vor große Herausforderungen stellen, ist es wichtig, diese professionell zu leiten. „Grundsätzlich hat derjenige, der zur Konferenz einlädt, die Aufgabe, diese auch zu leiten“, erklärt Josef W. Seifert, Geschäftsführer von Moderatio, einem Beratungsunternehmen mit Hauptsitz in Pörnbach bei Ingolstadt. „Er muss die Gesprächsbeiträge ordnen und dafür sorgen, dass sich alle beteiligen.“

Moderation ist besonders wichtig

Auch die Vorstellung der Anwesenden gehört zu den Pflichten des Moderators. „Wenn die Teilnehmer sich nicht kennen, aber die gleiche Stimmlage haben, ist es wichtig, dass trotzdem jeder weiß, wer spricht“, erklärt Bonneau. Deshalb rät sie der Leitung, immer kenntlich zu machen, wer gerade das Wort hat. So entsteht keine Verwirrung und auch der Protokollführer hat es leichter.

Stamm ergänzt: „Es sollte immer transparent sein, ob einige Teilnehmer die Konferenz früher verlassen oder später dazu kommen.“ Es ist dann die Aufgabe des Moderators, die anderen Gesprächsteilnehmer darüber zu informieren.

Auf die Vorbereitung kommt es an

Seifert weiß, dass bei einer Telefonkonferenz die stillen Teilnehmer meist untergehen. Zur Moderation gehört es aber, die Meinung auch dieser Gesprächspartner einzuholen. „Macht man das nicht, gibt es spätestens nach der Versendung des Protokolls ein böses Erwachen, weil sich zum Beispiel die Stillen beim Abstimmungsprozess übergangen fühlen.“ Damit die Moderation gelingt, ist die Vorbereitung des Meetings entscheidend. „Alle Beteiligten sollten vorab den Anlass, die Zielsetzung und den Ablaufplan des Termins kennen“, so Seifert.

Da die Aufmerksamkeitsspanne am Telefon geringer ist als bei Treffen vor Ort, empfiehlt Stamm, nicht länger als eine Stunde zu konferieren. An diese Zeitvorgabe müssen sich dann alle halten. „Außerdem sollten an der Konferenz höchstens vier bis fünf Personen beteiligt sein.“

Auf den Hintergrund achten

Neben der inhaltlichen Vorbereitung, wie sie zu jedem Meeting gehört, kommt bei Telefon- und Videokonferenzen noch die Suche nach der passenden Umgebung dazu. „Der Raum muss unbedingt ruhig sein“, betont Noack. „Störungen durch andere Mitarbeiter sind zu vermeiden. Natürlich sollten sich alle vorher mit der Technik beschäftigt haben, damit diese nicht ebenfalls zum Störfaktor wird.“ Denn der Coach hat die Erfahrung gemacht, dass es fast immer Teilnehmer gibt, die an der Technologie scheitern.

Bei Meetings via Video gilt es zudem, auf den visuellen Hintergrund zu achten: „Wenn die Webcam zum Beispiel die eigene Wohnung zeigt, sollten sich die betreffenden Teilnehmer vorher fragen, ob dieser Einblick zu ihrem Business passt oder zu privat ist“, betont Stamm.

Die Stimme spielt eine wichtige Rolle

Für den Erfolg einer Konferenz ist entscheidend, dass sich die Beteiligten stets der besonderen akustischen Herausforderung bewusst sind. „So ist es sinnvoll, langsam und deutlich zu sprechen“, so Stamm. Genuschel verstehen die Gesprächspartner genauso wenig wie einen Redebeitrag, den ein Teilnehmer mit einer Hand vor dem Mund vorträgt, so Bonneau.

Auch wenn niemand am Telefon einen optischen Eindruck vom Gegenüber bekommt, teilt sich dennoch überraschend viel über die Stimme mit: „Wer in Jogginghose mit den Füßen auf dem Schreibtisch telefoniert, spricht anders als jemand, der in Businesskleidung korrekt auf einem Stuhl sitzt“, berichtet Bonneau. Diese Tatsache sollten Teilnehmer nicht unterschätzen.

Auf Knigge-Regeln achten

Um das Gespräch nicht zu stören, sollten sich alle Beteiligten diszipliniert verhalten. Essen und Trinken sind zum Beispiel in einer Telefonkonferenz unerwünscht. Pünktlichkeit ist dagegen noch wichtiger als bei einem persönlichen Treffen.

Auch bei Videokonferenzen gibt es besondere Benimmregeln: „Auf jeden Fall gehören die Finger während des Meetings nicht ins Gesicht“, erklärt Noack. Auch wenn es in vielen Branchen immer legerer zugeht, empfiehlt er, auf das Selbstmarketing zu achten. „Teilnehmer sollten sich so präsentieren, wie sie gerne gesehen werden wollen.“

Die Wirtschaftsmediatorin Stamm rät zudem, die Position der Webcam zu beachten. „Am Besten stellt man das Laptop höher. Sonst wird man schräg von unten gefilmt. Das sieht in der Regel unvorteilhaft aus.“ Sie regt außerdem an, nicht auf die eingeblendeten Gesprächspartner zu schauen, sondern direkt in die Kamera zu blicken.  „Mit den Händen sollten niemand zu wild gestikulieren.“ Das wirkt oft irritierend.

Der digitale Workshop als Zukunftsmodell

„Auch wenn die meisten Unternehmen heute noch Telefonkonferenzen einberufen, liegt die Zukunft im digitalen Workshop“, betont Seifert. „Solch eine Softwarelösung ermöglicht das kooperative Arbeiten … egal, ob die Teilnehmer an einem Ort sind oder sich virtuell vernetzen.“ Damit lassen sich nicht nur Daten und Fakten präsentieren, sondern auch Maßnahmen planen und Dokumente gemeinsam bearbeiten.

Inzwischen ist es möglich, digitale Workshops und Videokonferenzen miteinander zu kombinieren. Die Videokonferenz allein bringt die Vorteile des gemeinsamen webbasierten Arbeitens leider nicht mit sich. „Die Gesprächspartner sehen lediglich, wie ihr Gegenüber aussieht“, erklärt Seifert. „Und das klappt auch nur dort, wo das Internet schnell genug ist.“

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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Februar 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

Problemfall Chef: Wie Sie Konflikte mit Ihrem Vorgesetzten lösen

Chefs können zum Problemfall werden: Der eine traut keinem Mitarbeiter etwas zu und will alles kontrollieren. Dem anderen kommt nie ein Wort der Wertschätzung über die Lippen, kritisiert dafür aber alles und jeden. Dabei entscheidet gerade das Verhältnis zum Vorgesetzten, ob die Teammitglieder motiviert sind oder sich nach einem neuen Job sehnen.

Problemfall Chef: Wie Sie Konflikte mit Ihrem Vorgesetzten lösen!
Problemfall Chef: Wie Sie Konflikte mit Ihrem Vorgesetzten lösen!

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In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Konflikte mit Vorgesetzten entstehen.
  • Wie sich Probleme zwischen Chef und Mitarbeitern lösen lassen.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

So lassen sich Probleme zwischen Chef und Mitarbeitern bewältigen

Nur 16 Prozent aller Deutschen finden, dass ihr Chef seine Sache gut macht. Das ergab die repräsentative „Talents & Trends“-Umfrage der Karriereberatung von Rundstedt vom Juni. Danach würden 75 Prozent der Befragten grundlegende Dinge ändern, wenn sie in die Rolle ihres Vorgesetzten schlüpfen könnten. „Bei den konkreten Änderungswünschen stehen nicht die individuellen Vorteile wie eine Beförderung oder Gehaltserhöhung im Vordergrund. Viel wichtiger sind den Beschäftigten Verbesserungen der täglichen Zusammenarbeit“, erklärt Sophia von Rundstedt, Geschäftsführerin der gleichnamigen Talent- und Karriereberatung.

Auch Alexander Groth, Buchautor, Trainer und Speaker zum Thema Leadership weiß, woran es beim Verhältnis zwischen Führungskraft und Teammitgliedern hapert. Dabei sieht er auf beiden Seiten problematische Verhaltensweisen:Mitarbeiter haben oft überzogene Erwartungen an ihre Chefs. Sie wünschen sich Vorgesetzte wie den Jedi-Meister Obi-Wan Kenobi, der besonnen und ruhig ist und ein gutes diplomatisches Gespür besitzt.“ Doch leitende Angestellte seien nur ganz normale Menschen. „Und natürlich gibt es unter ihnen auch viele schlechte Vorgesetzte.“

Die Unarten der Chefs

Groth hat bei Chefs verschiedene Untugenden diagnostiziert. Ein Klassiker darunter ist die Negativität. „Negativ eingestellte Führungskräfte konzentrieren sich nur auf Probleme und Fehler“, so Groth. Positive Eigenschaften ihrer Mitarbeiter nehmen sie gar nicht wahr. Außerdem haben sie einen Hang zur Nörgelei. Wertschätzung und Lob sind von so jemanden kaum zu erwarten. Ihr Motto lautet oft: Nicht geschimpft ist genug gelobt.

Der perfektionistische Chef

Eine weitere Untugend ist der Perfektionismus: Leitende Kräfte mit dieser Eigenart erwarten von sich und anderen 120 Prozent Leistung. Das führt im Alltag oft dazu, dass Teammitglieder einen enormen Mehraufwand betreiben müssen, um zum Beispiel einen Bericht zu erstellen. Die Ungeduld hat Groth ebenfalls als eine Untugend ausfindig gemacht: „Viele Vorgesetzte bauen permanenten und unnötigen Druck auf.“ Damit bewirken sie aber häufig nur Krankmeldungen und Fluktuation.

Der hochmütige Chef

Es gibt aber auch subtilere Verhaltensweisen, unter denen Beschäftigte leiden: „Hochmut und Selbstsucht kommen bei Managern oft vor. Viele glauben zwar, dass sich ihre Einstellung anderen nicht vermittelt“, erklärt Groth. Doch das sei ein Irrtum. Denn Mikrosignale wie abfällige Blicke offenbaren ihre Haltung. „Und das bekommt das Umfeld sehr wohl mit!“

Die „Talents & Trends“-Umfrage benennt ein weiteres zentrales Problem: 63 Prozent der Befragten würden als Chef ausführlich mit ihren Mitarbeitern sprechen, um zu erfahren, was diese beschäftigt … und würden das Gehörte dann auch berücksichtigen. „Das zeigt deutlich, dass dies viele Führungskräfte zu wenig tun“, so von Rundstedt, die in diesem Punkt ganz klar die Vorgesetzten in der Pflicht sieht. „Nur wer sich Zeit für Gespräche mit Mitarbeitern nimmt, erfährt etwas über ihre Motivationslage und beruflichen Ziele.“ Allein das obligatorische Mitarbeitergespräch einmal im Jahr reiche dafür nicht aus. „Denn dort geht es meist um eine Bewertung mit Dokumentationspflicht.“

Was für Motivation sorgt

Was von Rundstedt empfiehlt, ist ein echter Dialog, in dem die Führungskraft als Sparringspartner und Coach fungiert. „So ein Gespräch sorgt bei Teammitgliedern für eine höhere Motivation.“ Die Karriereberaterin weiß, dass dies keine Selbstverständlichkeit ist. Denn oft entschuldigen Vorgesetzte die fehlende Kommunikation damit, dass sie Wichtigeres zu tun hätten. „Aber Mitarbeiter zu führen und für ihre Entwicklung zu sorgen, ist die zentrale Aufgabe des Führungspersonals.“

Die Unternehmens- und Organisationsberaterin Julia Scharnhorst aus dem schleswig-holsteinischen Wedel kennt einen weiteren Problemherd: „Oft entzünden sich Konflikte an der Frage, wie gerecht oder ungerecht die Führungskraft ist. Das Problem kommt häufig dann zum Tragen, wenn es um die Verteilung von guten und schlechten Dingen geht.“ So kann die Vergabe von Fortbildungen und Urlaubszeiten zu Spannungen führen. „Meist stehen dahinter nicht nur Verteilungsfragen, sondern auch Beziehungsprobleme.“

Der ungerechte Chef

Scharnhorst empfiehlt betroffenen Mitarbeitern, in diesen Fällen genau hinzusehen: „Es reicht nicht, sich ungerecht behandelt zu fühlen. Sie müssen das auch beweisen können, wenn Sie Ihren Chef darauf ansprechen wollen.“ Deshalb ihr Tipp: Fakten sammeln und zum Beispiel die Urlaubsplanung der letzten drei Jahre analysieren. Kommt es dann zu einem Gespräch, ist es ganz entscheidend, dass Beschäftigte den Vorgesetzten keine Vorwürfe machen, sondern konstruktive Lösungen vorschlagen. Führungskräfte können ebenfalls ihren Teil dazu beitragen, dass Verteilungs- und Beziehungskonflikte erst gar nicht entstehen.  Das Zauberwort heißt hier Transparenz!

Möglichkeiten der Konfliktlösung

Groth sieht das Führungspersonal in der Pflicht, an ihren Untugenden zu arbeiten: „Am ehesten können leitende Angestellte negative Verhaltensweisen dadurch verändern, dass sie regelmäßig über sich selbst reflektieren“, betont Groth. Er rät, dies allabendlich zehn Minuten lang zu tun und den Tag mit all seinen Terminen zu überdenken. „So lässt sich erkennen, in welchen Situationen man gelassen war und wo man rumgemotzt hat.“ Wer das macht, lernt sich besser zu verstehen. Er weiß dann, wie er in bestimmten Situationen reagiert. Und das ist entscheidend:„Selbsterkenntnis ist der erste Schritt, um andere gut führen zu können“, betont Groth. Mitarbeiter haben dagegen nur begrenzt Möglichkeiten, etwas zu verändern, erklärt Groth: „Gegen einen Chef kann man nichts ausrichten, wenn die Geschäftsleitung selbst nichts macht!

Hat ein Beschäftigter also Probleme mit seinem Vorgesetzten, gibt es für ihn nur begrenzte Handlungsoptionen. Deshalb empfiehlt die Diplom-Psychologin Julia Scharnhorst Teammitgliedern, sich über ihren eigenen Leidensdruck klar zu werden. „Wer den Chef nur selten sieht, wird die Situation eher akzeptieren können. Ist dagegen jemand ständig mit den Launen seines Bosses konfrontiert, wird er den Drang nach Veränderung spüren.

Vorsicht Konfrontation!

In einem geringeren Umfang können Mitarbeiter ihre Führungskräfte auch verändern. Dazu ist es aber notwendig, sich in sie hineinzuversetzen. „Vorgesetzte erfahren zum Beispiel genauso selten Wertschätzung wie andere Arbeitnehmer. Wer seinem Chef Anerkennung zollt, dem wird er das höchstwahrscheinlich danken“, erklärt Scharnhorst. Über diesen Umweg seien auch Verhaltensänderungen erreichbar.

Gerade in flachen Hierarchien überzeugen oft Argumente. „Doch auch dort sollte jedem klar sein, wer den Hut aufhat und letztendlich die Entscheidungen trifft“, betont Scharnhorst. Deshalb sei die Hoffnung oft trügerisch, durch Beschwerden bei einer höheren Hierarchieebene Veränderungen zu erreichen. „Wenn Mitarbeiter auf absoluten Konfrontationskurs gehen, können sie nur verlieren.“ Wenn der Vorstand hinter dem problematischen Vorgesetzten steht, kann ein Teammitglied nichts ausrichten. „Ist der Leidensdruck zu groß, bleibt dem Arbeitnehmer nur, sich nach einem neuen Job umzusehen“, erklärt Scharnhorst. „Macht er das nicht und geht in die innere Kündigung, gefährdet er seine Gesundheit.“

Fragen an Sie:

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  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Chef gemacht?
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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Alexander Groth: Der Chef, den ich nie vergessen werde. Wie Sie Loyalität und Respekt Ihrer Mitarbeiter gewinnen, 223 Seiten, Campus Verlag (Frankfurt/M. – New York) 2014, broschiert: 24,99 Euro, E-Book: 20,99 Euro

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juli 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Berufliche Sehnsucht: Wie Sie Ihr Ziel mit Gelassenheit erreichen

Wenn Sie sich beruflich neu orientieren wollen oder vielleicht sogar eine Selbstständigkeit anstreben, dann sollten Sie sich auf dieses Projekt fokussieren und Anderes loslassen. Wer sich zum Beispiel über die Dinge aufregt, die er nicht in der Hand hat, vergeudet seine Kraft statt sie in sein Projekt zu stecken.

Wie Sie Ihr berufliches Ziel mit Gelassenheit erreichen.
Wie Sie Ihr berufliches Ziel mit Gelassenheit erreichen.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Sehnsüchtige, Berufserfahrene, Berufseinsteiger und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum Gelassenheit so wichtig ist, wenn Sie ein Ziel erreichen wollen.
  • Was Sie loslassen sollten.
  • Mit welchen Tricks Sie Abstand gewinnen.
  • Literaturempfehlung.
  • Linkempfehlungen.

Loslassen, um erfolgreich zu sein

Viele Menschen verbringen einen Großteil ihrer Zeit damit, über alles Mögliche zu schimpfen. Sie echauffieren sich etwa maßlos über das Verhalten ihres Chefs. Gedanklich sind sie oft so beschäftigt, dass sie ihr Ziel – zumindest ein Stück weit – aus dem Blick verlieren. Sie stecken ihre Energie nicht in die Lösung des Problems, sondern verharren im Jammern.

Dieses Wehklagen bindet sehr viele Ressourcen. Deshalb ist der gelassene Umgang mit negativen Ereignissen sehr wichtig … gerade wenn Sie berufliche Träume und Ziele errreichen wollen. Immer dann, wenn Sie keine Möglichkeit sehen, beklagenswerte Umstände zu ändern, sollten Sie sich genau überlegen, wie Sie gedanklich mit der Situation umgehen möchten.

Ängste und Zweifel als Energiefresser

Allerdings sind es nicht immer die äußeren Umstände, die sich als Energiefresser erweisen. Auch innere Zustände wie Ängste oder Zweifel sind belastend. Diese inneren Rahmenbedingungen haben genauso Einfluss auf Ihren Erfolg wie die äußeren. Dazu gehören zum Beispiel Gedanken wie „Das kann ich nicht“ oder „Das muss ja schief gehen“. Oft sind diese Gedanken „Glaubenssätze“, die wie eine selbsterfüllende Prophezeiung funktionieren. Doch anders als bei vielen äußeren Rahmenbedingungen handelt es sich dabei um kein unabänderliches Schicksal, sondern um etwas, das Sie ändern können!

Der erste Schritt in Richtung Veränderung ist die Identifizierung dieser Gedanken. In einem zweiten Schritt sollten Sie sich fragen, warum Sie so denken. Wenn Sie sich darüber klar geworden sind, können diese negative Gedanken nicht ihr ganzes zerstörerisches Potenzial entwickeln. Sie haben jetzt die Chance, zum Beispiel den Satz „Das kann ich nicht“ loszulassen. Vielleicht erkennen Sie, dass diese innere Einstellung aus Ihrer Kindheit stammt. Sie kommt aus Ihrer Vergangenheit und sagt nichts über Ihre Gegenwart aus. Wenn Ihnen das bewusst wird, sind Sie auch in der Lage, den Gedanken zu entmachten.

Wie Sie Abstand gewinnen

Neben den klar zu identifizierenden Glaubenssätzen gibt es auch diffuse Gefühle wie etwa Ängste oder Zweifel …  zum Beispiel die Angst, Fehler zu machen oder die beruflichen Ziele umzusetzen.

Es ist also entscheidend, Abstand zu gewinnen. Hier ist eine kleine Liste mit Tipps, die Ihnen dabei helfen können:

Bewegung

Körperliche Aktivitäten wie Wandern, Joggen, Rad fahren, Yoga oder Qi Gong können helfen, die Gedanken zu bändigen und den Kopf frei zu bekommen.

Entspannen

Um gelassener zu werden, eignet sich Entspannung. Natürlich versteht jeder unter Entspannung etwas anderes. Manche praktizieren regelrechte Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, manche hören oder machen Musik.

Meditation

Besonders hilfreich, um loszulassen, ist Meditation … zum Beispiel Atemmeditation. Die bewusste Konzentration auf den Atem sorgt etwa dafür, dass Gedanken und Gefühle in den Hintergrund treten.

Rituale

Eigene Rituale wie etwa Morgen- und Abendroutinen können den Alltag strukturieren. Sie geben Menschen Halt … gerade, wenn sie in einer schwierigen Situation sind. Damit eignen sie sich auch dazu, Abstand zu gewinnen. Wie solche Rituale aussehen, ist natürlich wieder individuell verschieden. Manche integrieren zum Beispiel Yoga in ihr Ritual.

Auszeit

Nicht immer ist es mit einer kleinen Intervention getan. Gerade massive Ereignisse  erfordern auch eine größere Aktion. Seien Sie sensibel für sich und Ihre Bedürfnisse! Vielleicht hilft Ihnen eine Auszeit. Das kann zum Beispiel ein Ausflug oder ein Wochenendtrip sein.

Im Augenblick leben

Um Gedanken und Gefühlen Einhalt zu gebieten, ist es auch höchst effektiv, sich nicht ständig mit der Vergangenheit oder der Zukunft zu beschäftigen. Versuchen Sie einmal, ganz in der Gegenwart zu leben. Dann wird automatisch die Sorge um die Zukunft kleiner … genauso wie die Trauer über die verpassten Gelegenheiten in der Vergangenheit. Nehmen Sie jetzt Ihren Körper und Ihre Umgebung wahr! Sehen Sie sich um. Beobachten Sie bei einem Spaziergang die Natur mit ihren Formen und Farben.

Konzentrieren auf das Machbare

Gerade wenn Sie negative Gefühle und Gedanken belasten, sollten Sie sich besonders auf Ihre To-Do-Liste – das heißt: auf das Machbare – fokussieren. Natürlich ist es verführerisch, zu grübeln oder sich Horrorszenarien auszumalen. Aber es gibt niemanden, der Sie dazu zwingt. Versuchen Sie also, nach einer kleinen Pause wieder an die Arbeit zu gehen und sich auf das in ihrer Macht Stehende zu fokussieren. Konzentriertes Arbeiten kann ein gutes Mittel gegen ein rotierendes Gedanken- und Gefühlskarrusell sein, denn Sie erleben sich so als selbstwirksam!

All diese Mittel können Ihnen helfen, Abstand zu gewinnen und loszulassen.

Fragen an Sie:

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  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Anspannung und Entspannung im beruflichen Kontext gemacht?
  • Was hilft Ihnen, loszulassen?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Literaturempfehlung:

  • Anja Schreiber: Die Sehnsuchtsstrategie. Wie Sie durch berufliche Neuorientierung Erfüllung und Zufriedenheit finden, Berlin 2017, 2,99 Euro, Amazon-Shop.

Meine Linkempfehlungen:

(Artikel veröffentlicht Februar 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

Tabus im Beruf: Ungeschriebene Regeln im Unternehmen

Als Erster in den Feierabend gehen … das ist eins von vielen Tabus im Berufsleben. Die stillschweigend praktizierten Normen des Joballtages sind nicht überall gleich. Denn die Unternehmenskultur entscheidet, welche ungeschriebenen „Gesetze“ gelten. Aber nicht für jeden im Betrieb sind die Regeln gleich.

Tabus Im Beruf: Ungeschriebene Regeln im Job.
Tabus Im Beruf: Ungeschriebene Regeln im Job.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Welche Tabuthemen es im Berufsalltag gibt.
  • Welche Tabus Sinn machen und welche nicht.
  • Welche Auswirkungen ein Tabubruch hat.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Tabuthemen: Was Sie im Job nicht sagen dürfen

Der Business-Coach und Berater Thomas Saller hat sich diesem Thema näher gewidmet. Sein Buch „Tabu – versteckte Regeln und ungeschriebene Gesetze in Organisationen“ ist gerade frisch erschienen. „Was in einem Konzern oder in einem Familienunternehmen oft noch total tabu ist, kann in einem Unternehmen der New Economy ganz okay sein.“ So gehöre in vielen Unternehmen zu den ungeschriebenen Regeln, dass niemand den Chef kritisieren darf. „Negatives Feedback nach oben ist höchst problematisch. Es gibt aber inzwischen Unternehmenskulturen, wo das durchaus möglich ist.“

Zu den verbreitetsten Tabus zählt der Münchner Coach Saller das „Nichts-Tun-Tabu“: „Viele Manager, aber auch Mitarbeiter müssen immer busy sein oder zumindest anderen und sich selbst diesen Eindruck vermitteln.“ Wer zum Beispiel einen ganzen Tag lang einen leeren Terminkalender habe, breche diese Norm. „Dabei zeigen Forschungsergebnisse, dass gerade Phasen absoluter Unproduktivität und sogar Langeweile hilfreich sein können, neue Ideen zu entwickeln.“

Das „Nichts-Tun-Tabu“

Saller unterscheidet zwischen Tabus, bei denen es sich lohnt, über Regelbrüche nachzudenken und anderen, deren Einhaltung Sinn macht. Gerade beim Thema „Nichtstun“ sei es sinnvoll, das normierte Verhalten zu überdenken. Änderungspotenzial hat zum Beispiel auch das Tabu, dass der Vorgesetzte gegenüber seinem Team keine eigenen Sorgen, Schwächen und Ängste eingestehen darf. Saller: „Natürlich möchte kaum ein Teammitglied einen ‚Jammerlappen‘ als Chef haben. Aber Schwäche erzeugt auch Nähe. Und die kann Führungskräften dabei helfen, ein besseres Verhältnis zu ihren Mitarbeitern aufzubauen.“

Doch Saller kennt auch andere Beispiele: „Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass sich niemand auf halboffiziellen Firmenveranstaltungen komplett gehen lassen darf. Denn es bleibt in Erinnerung, wenn sich der junge Geschäftsführer auf der Wies’n ‚abgeschossen‘ hat – egal wie professionell er am nächsten Tag wieder auftritt.“

Tabus sind nicht überall gleich

Karrierecoach und Buchautorin Svenja Hofert aus Hamburg weiß, dass Tabus nicht überall gleich sind. „Es gibt zum Beispiel Unternehmen, bei denen regelrecht erwartet wird, dass man bei Trinkgelagen mitmacht. Wer nicht mitspielt, muss negative Konsequenzen in Kauf nehmen.“ Was in anderen Firmen ein Tabubruch sei, werde hier sogar erwartet. „Diese kulturellen Prägungen in Betrieben sind nicht auf dem ersten Blick erkennbar.“

Tabus sind auch von Status abhängig: „Was die Chefsekretärin darf, kann sich eine Teamsekretärin noch lange nicht herausnehmen“, berichtet die Kommunikationstrainerin und Benimmberaterin Elisabeth Bonneau aus Freiburg. Auch Pünktlichkeit gehöre zu den Normen, die stillschweigend vorausgesetzt werden. „Aber es gibt Chefs, die viele Konferenzteilnehmer warten lassen. Denn sie wissen, dass die Veranstaltung ohne sie nie beginnen würde.“

Tabus variieren je nach Berufsgruppe und Geschlecht

Manche Berufsgruppen haben mehr Freiheiten als andere. „Früher musste sich der Hofnarr um kein Tabu kümmern. Heute haben Mentoren und Coaches dieses Privileg“, erklärt der Münchner Psychologe und Coach Dr. Stephan Lermer. Menschen in kreativen Berufen wie Künstler oder Fotografen dürfen sich mehr erlauben, genauso der Hausmeister. „Auch der kann schrullig sein.“

Bei den Geschlechtern sieht Lermer ebenfalls deutliche Unterschiede: „Wenn ein Mann anzügliche Witze im Job macht, ist das meist wenig problematisch. Frauen, die das Gleiche tun, tituliert man dagegen häufig als ‚ordinäre Schlampen‘.“

Es gibt außerdem persönliche Tabus. Bonneau: „Während man den Computer eines Kollegen benutzen darf, empfindet das ein anderer Kollege schon als übergriffig.“

Tabuthema Ossis und Wessis

Saller kennt noch andere verbreitete Tabuthemen. Eines betrifft „Ossis und Wessis“. „Da erwähnt eine Führungskraft in Frankfurt am Main, dass der schwierigste Mitarbeiter aus den fünf neuen Bundesländern komme. Alle Kollegen nicken beipflichtend“, berichtet Saller aus seiner Beratungspraxis. „In Frankfurt an der Oder erhält eine Unternehmensberaterin einen Auftrag, weil sie ebenfalls aus dem Osten kommt. Geredet wird über diese Verhaltensweisen natürlich nur hinter vorgehaltener Hand.

Ein weiteres Tabu ist die „Macht des Expertentums“. Saller: „Aktuell gibt es offenbar in vielen Firmen einen Notstand an qualifizierten Software-Entwicklern..“ Das führe dann dazu, dass sich diese Experten in vielen Unternehmen Freiheiten herausnehmen, von denen andere nur träumen können. „So verbringen IT-Fachleute ganze Nachmittage am Firmen-Kicker und beschweren sich beim Personalleiter, wenn keine kalte Fassbrause mehr im Kühlschrank des Unternehmens ist.“

Lermer sieht in der Wirtschaft aber auch Tabus am Bröckeln: „Früher musste der beste Spezialist die Führungsrolle innehaben. Heute hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Chefarzt nicht unbedingt Klinikleiter sein muss.“ Diese ungeschriebene Regel gilt nicht mehr.

Tabubrüche

Um sich an Konventionen halten zu können, muss man sie erst einmal kennen. Deshalb empfiehlt Bonneau neuen Mitarbeitern, genau wahrzunehmen, wie sich die anderen Beschäftigten verhalten und daraus Schlüsse zu ziehen. Bei den vielen unterschiedlichen Tabus laufen gerade die Neuen Gefahr, ins Fettnäpfchen zu treten. Ist so etwas passiert, rät die Benimm-Expertin zu einer schnellen Entschuldigung. „Eine Rechtfertigung ist dabei fehl am Platz.“

Neben dem Tabubruch aus Unwissenheit, gibt es auch das bewusste Verletzen von Normen. „Beschäftigte können zum Beispiel nur zum Schein mitspielen oder offen aufbegehren“, betont Hofert. „Unterlaufen Mitarbeiter offensichtlich die Regeln, führt das oft dazu, dass sie zum Omega-Wolf werden … zu einem schrägen Vogel, der aber toleriert wird.“

Vorsicht Tabubruch!

Lermer warnt allerdings Berufstätige davor, ohne Not Tabus zu brechen: „Wer das macht, schadet seiner Reputation im Betrieb. Es reicht nicht, das Bewerbungsverfahren erfolgreich zu durchlaufen. Auch als Angestellter muss man Selbstmarketing betreiben. Dazu gehört, ein positives Image zu pflegen und zu unterfüttern.“ Biete ein Mitarbeiter Grund fürs Fremdschämen, schade er sich.

Im Umgang mit Normen schlägt Saller ein differenziertes Vorgehen vor: „Manche Tabus schützen vor schlimmen Folgen. Bei anderen lohnt es sich, über Tabubrüche nachzudenken … dann aber bitte nie zu konfrontativ und abrupt!“ Der Coach unterscheidet grundsätzlich drei Möglichkeiten mit den Regeln umzugehen … nach dem Motto „Love it, change it or leave it“. Also entweder solte der Beschäftigte die Norm akzeptieren, an einer Veränderung arbeiten oder das Unternehmen verlassen, wenn er gar nicht mit ihr leben kann. „Dann ist es allemal besser, eine intelligente Exit-Strategie zu entwickeln als gegen Windmühlen anzukämpfen“, betont Saller.

Regelbrüche müssen aber nicht immer negative Konsequenzen haben. Hofert: „Gerade jemand, der sich nach zwanzig Jahren als Erster traut, ein Tabu zu brechen, kann Karriere machen.“

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche Tabuthemen gibt es in Ihrem Arbeitsalltag?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema Tabu im Beruf schon gemacht?
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Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Thomas Saller, Sebastian Mauder, Simone Flesch: Tabu. Versteckte Regeln und ungeschriebene Gesetze in Organisationen, 208 Seiten, Haufe Lexware (Freiburg) 2016, 29,95 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2016)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

Selbstständigkeit: Wie Frauen erfolgreich gründen!

Frauen entscheiden sich immer öfter für eine Unternehmensgründung. So hat sich die Zahl der selbstständigen Frauen in Deutschland in den letzten zehn Jahren deutlich erhöht und lag 2012 bei knapp 1,4 Millionen. Allerdings macht ihr Anteil an den Selbstständigen insgesamt nur gut ein Drittel aus. Auch starten Gründerinnen mit weniger Kapital und verfügen im Durchschnitt über ein geringeres Einkommen als Gründer. Sie nennen außerdem häufiger nicht finanzielle Motive für ihre Existenzgründung.

Selbstständigkeit: Wie Frauen erfolgreich gründen!
Selbstständigkeit: Wie Frauen erfolgreich gründen!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Sehnsüchtige,  Berufseinsteigerinnen, Berufserfahrene, Neustarterinnen und Neustarterinnen 40plus.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie sich Frauen selbstständig machen.
  • Wie sich Frauen und Männer in Sachen Existenzgründung unterscheiden.
  • Welche Herausforderungen Frauen zu bestehen haben.
  • Wo Gründerinnen Unterstützung bekommen.
  • Linkempfehlungen.

Existenzgründung: Immer mehr Frauen machen sich selbstständig

Frauen machen sich zum Beispiel selbstständig, weil sie in einer abhängigen Beschäftigung nicht aufsteigen können. Oder sie sehen so eine größere Chance, Familie und Beruf zu vereinbaren“, erklärt Dr. Katja von der Bey, Vorstand des Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentrums Weiberwirtschaftin Berlin. „Gerade Frauen in der Familienphase wählen relativ oft statt eines Teilzeitjobs die Selbstständigkeit, weil diese meist mehr Flexibilität ermöglicht als eine Anstellung.“

Von der Bey sieht in dieser Form ein Erfolgsmodell: „Viele Frauen können sich – auch auf dem Hintergrund einer Familienfinanzierung durch den Partner – ohne großen Erfolgsdruck ausprobieren und ein Unternehmen aufbauen.“ Meist hätten sie damit großen Erfolg.

Sinnstiftung und Selbstverwirklichung als Gründe

Mariele Trautvetter von der Berliner Gründerinnenzentrale betont: „Frauen gründen, wenn sich ihr Leben verändert … zum Beispiel während der Elternzeit, aber auch in der Arbeitslosigkeit. Dabei stehen neben wirtschaftliche Gründen die Fragen nach Sinnstiftung und Selbstverwirklichung im Vordergrund.“ In ihrer Beratungsarbeit erlebt Trautvetter immer wieder, dass Gründerinnen nicht so sehr auf Wachstum setzen. „Sie haben den Wunsch, ihre Ideen zu verwirklichen.“

Auf die 49-jährige Hessin Sophie Janotta trifft diese Beschreibung zu. Sie ist seit zweieinhalb Jahren selbstständige Webdesignerin, davor war sie fast drei Jahrzehnte Sekretärin. „Während meiner Krebserkrankung 2004 habe ich das erste Mal über die Selbstständigkeit nachgedacht. Davor war ein Berufswechsel nie Thema“, berichtet Janotta. Sie hegte seit dieser Zeit den Wunsch, freier und selbstbestimmter zu arbeiten. Doch wohin die Reise beruflich gehen sollte, war ihr lange nicht klar.

Wunsch nach Unabhängigkeit

Die Entscheidung traf die Sekretärin, als ihr bisheriger Arbeitgeber, bei dem sie zuletzt als Vorstandsekretärin arbeitete, abgewickelt wurde. Sie hatte ein ganz deutliches Gefühl: „Als Sekretärin war ich total abhängig von meinen Chefs. Das wollte ich nicht mehr.“ Da sich Janotta schon immer für Technik interessiert und seit 2009 die Unternehmenswebsite ihres Mannes betreut hat, kam sie auf die Idee, Webdesignerin zu werden.

„Natürlich bin ich eine Quereinsteigerin und begann mit einem Lernprozess“, erklärte Janotta. Inzwischen hat sie ihre Nische gefunden: Sie entwickelt Websites hauptsächlich für Solo-Selbstständige wie zum Beispiel Coachs. „Meist sind das Frauen, die in einer ähnlichen Lage sind wie ich. Das ist wunderbar! Denn so können wir gemeinsam miteinander wachsen und voneinander profitieren.“ Ihre Kunden findet sie via Social Media und über ihren Blog. Auch Unterstützung holt sich Janotta im Internet: Dort ist sie auf „she-preneur“ gestoßen, ein Angebot der Unternehmensberaterin Tanja Lenke.

Hilfe im Internet

„Auf she-preneur.de zeige ich, wie Frauen eine erfolgreiche Selbstständigkeit aufbauen können“, berichtet Lenke. „Denn vielen Gründerinnen fehlen die betriebwirtswirtschaftlichen Grundlagen. Zum Beispiel sind sie sich nicht klar, wie viel sie verdienen müssen, um davon leben zu können.“ Deshalb vermittelt Lenke auf ihrem Blog, in ihrem kostenpflichtigen Online-Mitgliederbereich und im Coaching alle wichtige Fakten etwa aus dem Bereich Marketing.

„Im Internet gibt es viel zu viele Informationen. Was aber den Solo-Selbstständigen oft fehlt, ist ein Ansprechpartner, der sie konkret unterstützt“, betont Lenke. So zeigt sie ihren Klientinnen, wie sie ihre Zielgruppe definieren oder den Wettbewerb analysieren können. „In meinen Facebook-Gruppen haben die Frauen die Chance, Fragen zu stellen. Ich antworte und gebe Feedback.“ Außerdem tauschen sich die Mitglieder dort untereinander aus.

Lenke weiß, dass viele Gründerinnen zu geringe Preise nehmen. „Frauen unterschätzen sich oft. Sie glauben, nicht gut genug zu sein.“ Gegen diese Glaubenssätze versucht die Betriebswirtin anzugehen. Denn meist entbehren sie jeder Grundlage.

Frauen haben geringere Umsätze

Wie wichtig die Unterstützung von Frauen ist, zeigt auch die Forschung von Prof. Dr. Claudia Gather von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR): „Frauen erzielen kleinere Umsätze als Männer. Nach unserer Untersuchung liegen ihre Einkünfte 33 bis 34 Prozent niedriger.“ Bei abhängig Erwerbstätigen ist der Unterschied mit etwa 22 Prozent deutlich geringer.

Das Einkommen der Selbständigen unterscheidet sich je nach Branche. So haben zum Beispiel Ärzte oder Finanzdienstleister ein höheres Einkommen als etwa Ergotherapeuten oder Einzelhändler. Dennoch gibt es den Einkommensunterschied nach Geschlecht in allen Branchen. „Die Gründe dafür sind unklar, weder können die Bildung der Frauen noch Kinder im Haus die Unterschiede erklären. Allerdings arbeiten Frauen in Berufen und Branchen“, so Gather, „die weniger einkommensstark sind. Diese Verteilung findet sich bei Unternehmerinnen wieder“.

Gründe für die niedrigeren Einkommen der Frauen

Auch Gather bestätigt die Erfahrung der Unternehmensberaterin Tanja Lenke, dass Frauen nicht das gleiche Geld nehmen wie Männer. Bei einer studentischen Umfrage der HWR kam zudem heraus, dass Kunden nicht bereit sind, weiblichen Selbstständigen dieselben Preise zu zahlen wie männlichen Mitbewerbern. Das ist selbst dann nicht der Fall, wenn die Qualifikation identisch ist.

„In der Selbstständigkeit gibt es kein Mindesthonorar wie den Mindestlohn bei abhängiger Beschäftigung“, so Gather. Ausnahme sei die Gebühren- und Honorarordnungen bei den verkammerten Berufen, zum Beispiel bei den Notaren. „So etwas kann bei Honorarforderungen sehr hilfreich sein.“ Eine weitere Besonderheit ist, dass Frauen eher im „Zuerwerb“ selbstständig sind. „Oft spielt in diesem Kontext das Haushaltseinkommen eine wichtige Rolle, zum Beispiel das sichere Einkommen des Partners.“

Frauen gründen anders

Von der Bey sieht für Gründerinnen zahlreiche Herausforderungen: „Das Vermögen von Frauen liegt 40 Prozent unter dem der Männer. Damit haben sie bei einer Gründung weniger Startkapital zur Verfügung.“ Auch können sie weit weniger mit Förderung rechnen. „Männer gründen häufiger im MINT-Bereich. Die Förderung ist genau darauf ausgerichtet.“ Das bedeute, dass Unternehmerinnen wesentlich weniger von den Finanzierungsmöglichkeiten profitieren.

„Ein frauenspezifisches Problem ist, dass die unentgeltliche Arbeit im Haushalt immer noch zum größten Teil von dem weiblichen Part übernommen wird. Damit verbleibt Unternehmerinnen weniger Zeit für ihre geschäftlichen Aktivitäten“, betont von der Bey. „Andererseits sind die Unternehmen von Frauen in Finanz- und Wirtschaftskrisen stabiler als die von Männern.“ Das liege auch an der realistischeren Risikoeinschätzung. „Von 400 Unternehmen, die im Rahmen der Weiberwirtschaft gegründet wurden, gab es nur drei Insolvenzen.“ Auch Trautvetter sieht, dass Frauen eher ein risikobewusster Gründungstyp sind, der keine zu großen Wagnisse eingeht.

Unterstützung von selbstständigen Frauen

„In der Anfangsphase werden die Weichen für den späteren Erfolg gestellt“, betont Trautvetter. Umso wichtiger sei es, sich in diesem Zeitfenster möglichst umfassend zu informieren. „Wir sind als Gründerinnenzentrale die Erstanlaufstelle für alle Frauen und geben einen Überblick über Finanzierungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote in der Stadt.“

Trautvetter empfiehlt Interessierten, sich nicht abschrecken zu lassen, sondern jede Form der Beratung in Anspruch zu nehmen, die möglich ist. „Ganz wichtig ist es, von Anfang an Networking zu betreiben und andere Selbstständige kennenzulernen. Dazu bieten sich zum Beispiel unsere Veranstaltungen an.“ Auch die gegenseitige Unterstützung von Gründerinnen bietet Chancen.

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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Dezember 2016)

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