Karriere-Strategie: Tipps für Führungshasser

Sie sind erfolgreich, weil Sie Ihren Job wirklich beherrschen … und plötzlich werden Sie Führungskraft! Für viele ist diese Vorstellung alles andere als erstrebenswert. Sie ist sogar alarmierend und besorgniserregend. Doch Panik vor dieser Situation braucht niemand zu haben, meint die Amerikanerin Devora Zack. In ihrem aktuellen Ratgeberbuch „Führung für Führungshasser“ gibt sie dazu Tipps. Denn mit der richtigen Strategie werden auch Führungshasser als Chef erfolgreich.

Tipps für Vorgesetzte, die an ihrer Führungsrolle keinen Gefallen haben.
Tipps für Vorgesetzte, die an ihrer Führungsrolle keinen Gefallen haben.

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  • Berufserfahrene.

Vorgesetzte, die ihre Führungsrolle hassen, sind keine Ausnahme. So stellte eine Erhebung unter 150 Führungskräften fest, dass sich nur 43 Prozent von ihnen in ihrer Rolle als Führungskraft wohlfühlen und nur 32 Prozent behaupten, dass sie gern Führungskraft sind. Die Chancen stehen also weniger als 1 zu 3, dass Vorgesetzte an ihrer Rolle Gefallen finden.

Doch wie können Chefs wider Willen trotzdem gute Vorgesetzte werden? Nach Zacks Einsicht ist dies möglich, wenn sie eine wichtige Maxime beachten: Seien Sie so, wie Sie wirklich sind! Was sich so einfach und banal anhört, ist es aber leider im realen Leben nicht. Denn der Weg dorthin bedarf persönlicher Willensanstrengung und Engagements.

Sich selbst auf die Spur kommen

Um zu persönlicher Authentizität zu kommen, müssen sich Führungskräfte selber kennenlernen, betont Zack. Deshalb ist auch eine Bestandsaufnahme in eigener Sache erforderlich. Welche Vorstellungen haben Sie von einem Topmanager? Was ist Ihnen im Umgang mit Mitarbeitern wichtig? Wann sind Sie zufrieden? Mit diesen Fragen kommen sich Vorgesetzte selbst auf die Spur. Doch nicht nur sich selbst sollten Führungskräfte kennen, sondern auch ihre Mitarbeiter. Deshalb ist es auch wichtig, die verschiedenen Persönlichkeitstypen und ihre Handlungsweisen zu durchschauen.

„Wenn Sie das Verhalten Ihrer Mitarbeiter am Arbeitsplatz verstehen, hilft dies Ihnen, Ihren Frust zu reduzieren und erfolgreicher zu agieren“, so Zack. Deshalb empfiehlt die Geschäftsführerin einer Coaching- und Beratungsfirma, sich mit den verschiedenen Eigenschaften von Gefühls- und Verstandesmenschen zu beschäftigen, um sich auf diese unterschiedlichen Mitarbeiter einstellen zu können.

Nehmen Sie nicht alles persönlich!

Gerade gefühlsbasierte Chefs sollten verstehen, dass nicht für jeden Gefühle so wichtig sind wie für sie selbst. Die Verstandesmenschen unter den Vorgesetzten müssen dagegen akzeptieren, dass ein Teil ihrer Mitarbeiter wesentlich gefühlsgesteuerter ist als sie selbst und diese Gefühle nicht einfach nach Belieben abstellen können! Ganz wichtig aber ist: Hören Sie auf, das Verhalten von Mitarbeitern, Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern persönlich zu nehmen!

Seien Sie flexibel!

Das Wissen über sich und andere ist auch die Ausgangsbasis für das eigene Führungsverhalten. Zack rät: Bleiben Sie, wer Sie sind, und flexibilisieren Sie ihren eigenen Führungsstil. Sie brauchen sich also weder zu verbiegen noch in die Rolle eines anderen zu schlüpfen oder jemanden zu imitieren, um erfolgreich zu führen. Sie dürfen das sein, was Sie sind, ob nun ein Gefühlsmensch oder ein Verstandesmensch. Zack empfiehlt ihren Lesern, die Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie sind und sich auf sie einstellen. Ihre Äußerungen und ihren Arbeitsstil sollten Führungskräfte wahrnehmen und daraus Konsequenzen ziehen. Während der eine vielleicht vorsichtige freundliche Ermunterungen braucht, benötigt der andere vielleicht eine klare Sprache.
Und noch einen wichtigen Tipp hat Zack: „Schenken Sie den Menschen um sich herum Beachtung. Nutzen Sie die Chance, mit kleinen Gesten eine große Wirkung zu erzielen.“ So wird ein ausdrückliches Lob für die Sekretärin ihrer Motivation guttun.

 

Literaturtipp:

Devora Zack: Führung für Führungshasser. Starten Sie durch, indem Sie einfach Sie selbst sind, Gabal, Offenbach 2013, 185 Seiten, 24,90 Euro, ISBN: 978-3-86936-516-9

(Veröffentlicht bei GMX.de, Oktober 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Karriere als Pflegekraft: Aufstieg im Gesundheitswesen

Karriere von der Krankenschwester zur Akademikerin mit Führungsposition.

Wie Pflegepersonal den Aufstieg im Gesundheitswesen schafft.
Wie Pflegepersonal den Aufstieg im Gesundheitswesen schafft.

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  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Die 38-jährige gelernte Krankenschwester Marion Kober-Schebesta hat durch Weiterbildung ihrer Karriere einen Kick gegeben. Sie stieg im Stuttgarter Katharinenhospital zur Stationsleitung auf. 2014 beginnt sie noch ein berufsbegleitendes Bachelorstudium im Fach Pflegemanagement. „Gerade die Verbindung zwischen praktischem Können und theoretischem Hintergrundwissen finde ich sehr wichtig“, betont Kober-Schebesta. „Zusätzliches Wissen und die Reflexion darüber waren auch Bestandteil meiner bisherigen Weiterbildungen. Das hat meine Arbeit auf der Station positiv beeinflusst. Deshalb habe ich mich auch für ein Studium entschieden.“ Außerdem macht es ihr Spaß, ihr Handeln wissenschaftlich begründen zu können. Und sie freut sich, ihr Führungswissen, aber auch ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zu vertiefen.

Ihr Interesse am Pflegeberuf entstand, als sie sich ehrenamtlich im Deutschen Jugendrotkreuz engagierte. „Schon früh hatte ich den Wunsch, mein medizinisches Wissen weiterzugeben.“ So machte sie nach ihrer Ausbildung eine Weiterbildungzur Praxisanleiterin. Dort lernte sie, junge Pflegeschüler und neue Mitarbeiter auf der Station einzuarbeiten. In dieser Zeit erkannte Kober-Schebesta auch, dass ihr das Führen anderer Mitarbeiter lag. So übernahm sie auch bald die Schichtleitung und später die Stationsleitung. Gleichzeitig absolvierte sie die entsprechende Weiterbildung. „Das war für mich sehr wichtig, denn dort lernte ich alle wichtigen Inhalte wie etwa Führungs- und Pflegethemen kennen, aber auch das Organisations- und Prozessmanagement.“ Gleichzeitig konnte sie dieses Wissen sofort in die Praxis umsetzen.

Berufsbegleitendes Studium

Elvira Schneider hat wie Marion Kober-Schebesta ebenfalls die Weiterbildung zur Praxisanleiterin und für die Stationsleitung absolviert und dann eine akademische Laufbahn eingeschlagen. Zuerst studierte sie berufsbegleitend Pflegemanagement und schloss das Studium mit dem akademischen Titel Diplom-Pflegewirtin (FH) ab. Danach wechselte die heute 48-Jährige das Betätigungsfeld: „Ich wurde Referentin bei der Pflegedirektorin des Klinikums Stuttgart.“ Drei Jahre danach begann sie ein berufsbegleitendes Masterstudium im Fach Management und Führungskompetenz. Inzwischen hat sie nicht nur dieses Studium erfolgreich abgeschlossen, sondern ist auch zur Pflegerischen Leitung des Zentrums für Innere Medizin aufgestiegen. Damit ist sie jetzt die Vorgesetzte für 550 Pflegekräfte im Klinikum Stuttgart. In der Hierarchie über ihr steht nur noch die Pflegedirektorin.

„Ich wollte nie Dienst nach Vorschrift machen. So habe ich mich für die Mitarbeiterführung interessiert. Doch diese wird einem nicht in die Wiege gelegt, dafür braucht es neben der praktischen Erfahrung auch theoretisches Wissen“, betont Schneider. Während ihres ersten Studiums hatte sie Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten gefunden. Deshalb entschied sie sich für den weiterführenden Masterstudiengang. Außerdem war ihr bewusst, dass einem akademische Ausbildung immer wichtiger wird. „Zwar reicht theoretisch noch eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung, aber eigentlich wird heute ein Bachelorabschluss vorausgesetzt.“

Unterstützung vom Arbeitgeber

Auch für ihre Mitarbeiter hat Schneider den Wert akademischer Weiterbildung erkannt: „Ich bestärke unsere Pflegekräfte, zum Beispiel noch ein Bachelorstudium zu absolvieren. Schließlich geht der Trend in Richtung Bachelorstudium – auch für Mitarbeiter, die als Stationsleitung arbeiten.“ Die Möglichkeiten für Pflegekräfte, sich weiterzuqualifizieren, sind äußerst vielfältig: „Neben der Pflegewissenschaft und dem Pflegemanagement bietet sich zum Beispiel auch die Pflegepädagogik als Studienfach an. Dieses Studium ist insbesondere für Kollegen interessant, die die Nachwuchskräfte ausbilden“, betont Yvonne Veit, Bildungszentrumsleiterin am Klinikum Stuttgart. „Es gibt bei uns zum Beispiel auch Kollegen, die inzwischen einen Master in Erwachsenenbildung haben.“ Das Klinikum Stuttgart unterstützt auch Pflegekräfte weit jenseits des 40. Lebensjahres bei der Weiterbildung: „Unsere Mitarbeiter können ihre Stundenzahl um 20, 30 oder gar 70 Prozent reduzieren“, so Veit.

Auch die Arbeitsvermittlerin Christina Lampropoulou von der Agentur für Arbeit sieht vielfältige Möglichkeiten, sich weiterzuqualifizieren und damit den eigenen Aufstieg zu befördern, zum Beispiel durch eine Weiterbildung zum Fachwirt für Alten-´und Krankenpflege oder zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen. „Diese ein- bis zweijährigen Kurse eröffnen eine große Bandbreite an späteren Einsatzmöglichkeiten wie etwa in Reha-Einrichtungen, Altenheimen oder ambulanten Diensten. In der Regel arbeiten diese Mitarbeiter als Fach- und Führungskräfte auf der mittleren Managementebene.“

Wer weiter aufsteigen will, kommt in vielen Fällen um ein Studium nicht herum. So sieht Angela Schönbrodt, Beraterin für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Stuttgart, ein MBA-Studium als eine Alternative für akademische Pflegekräfte. „Ärzte und Juristen können dieses Studium genauso absolvieren wie Pflegewissenschaftler oder Sozialarbeiter. Gerade der Master of Business Administration lebt von den verschiedenen Zugängen der Studierenden.“ Sie empfiehlt, den Arbeitgeber in die eigenen Fortbildungspläne einzubeziehen. Häufig ist er daran interessiert, gute Fachkräfte an sich zu binden, und unterstützt den Arbeitnehmer entsprechend.

(Veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung, November 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Traumjobs in der Musikbranche: Praxiserfahrung geht vor

„Was mit Musik machen!“… Das ist oft der Berufswunsch von jungen Leuten, die sich ein Leben ohne Konzerte und MP3-Player nicht vorstellen können. Und dazu müssen sie noch nicht einmal selbst auf der Bühne stehen, denn die Musikbranche bietet eine große Vielfalt an Arbeitsfeldern.

Traumjobs in der Musikbranche.
Traumjobs in der Musikbranche.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Schulabgänger und Eltern.

Auch der 21-jährige Stefan Lösch hat sich für die Musikindustrie als Berufsperspektive entschieden. Er arbeitet bei der Booking-Agentur Chimperator Live, die – genauso wie die Platten- und Mutterfirma Chimperator – in Stuttgart zu Hause ist. Vor zwei Jahre machte er nach seinem Abitur ein sechsmonatiges Praktikum bei dem Stuttgarter Independent-Label, das inzwischen so namhafte Künstler wie den Rapper Cro unter Vertrag hat. „Ich hatte das Glück, zu einer Zeit dazuzustoßen, als Chimperator Live wuchs“, berichtet Lösch.

Heute arbeitet Lösch als sogenannter Booker: Er organisiert die Auftritte der Musiker, bearbeitet die Anfragen von Veranstaltern und handelt die Konditionen aus. Außerdem ist er auch Tourmanager. „Ich begleite die Bands bei ihren Touren und sorge dafür, dass alles funktioniert und alle glücklich sind“, erklärt Lösch.
Doch nicht nur Booker ist ein mögliches Berufsbild, auch Produktmanager oder Musikpromotor – also Musikvermarkter – sind Berufe in der Branche. Das Business braucht aber auch A&R-Manager. A&R steht dabei für Artists and Repertoire. „Diese Leute suchen im Auftrag eines Labels nach neuen Künstlern“, erklärt Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie. „Während Musikpromotoren oft Quereinsteiger sind, greift die Branche auch auf Akademiker wie Betriebswirtschaftler oder Hochschulabsolventen mit Marketing-Spezialisierung zurück. Die finden zum Beispiel im Controlling oder Marketing einen Job.“

Grundstimmung positiv

Die Grundstimmung in der Musikbranche bewertet Drücke positiv: „Die Einnahmen aus dem digitalen Geschäft steigen. Sie haben inzwischen einen Anteil von 24,5 Prozent erreicht.“ Allein die Downloadumsätze konnten in den vergangenen Jahren um rund ein Viertel pro Jahr zulegen. Die CD bleibt aber mit einem Marktanteil von rund 68 Prozent weiterhin Rückgrat der deutschen Musikwirtschaft.

Eine regelrechte Ausbildung hat Lösch nicht gemacht: „Natürlich habe ich mir überlegt, ein Studium zu absolvieren, zum Beispiel an der Popakademie Baden-Württemberg. Allerdings ist das mit dem momentanen Wachstum der Firma nicht vereinbar. Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich mir aber gut vorstellen die gesammelte praktische Erfahrung noch mit einem Studium zu kombinieren.

Drücke betont, dass es sehr verschiedene Wege in die Musikbranche gibt: „Die meisten Jobs sind keine klassischen Ausbildungsberufe. Sie setzen auch nicht notwendigerweise ein Studium voraus.“ In der Regel bieten Praktika zum Beispiel bei Plattenfirmen oder Künstler- und Booking-Agenturen einen guten Einstieg. „Praktikanten, die überzeugen, finden häufig auch einen Job.“

Praktische Erfahrung zählt

Besonders wichtig ist praktische Erfahrung. „Wer in die Musikindustrie will, sollte schon vor dem eigentlichen Berufsstart in einer Band spielen oder Veranstaltungen organisieren und natürlich für das Musikbusiness brennen“, erklärt Drücke.

Auch Stefan Lösch hatte vor seinem Praktikum bei Chimperator schon reichlich Erfahrung gesammelt. So rief er bereits als Jugendlicher das KuRT Festival in Reutlingen mit ins Leben. Auch beim Ract! Festival in Tübingen und verschiedenen selbst veranstalteten Konzerten konnte er seine Stressresistenz und planerischen Qualitäten als Organisator unter Beweis stellen.

Sebastian Andrej Schweizer, Mitbegründer von Chimperator, betont ebenfalls den Wert der Erfahrung: „Wer bei uns arbeiten will, der sollte sich schon in der Szene auskennen. Er muss nicht unbedingt einen Studienabschluss vorzeigen können, aber er sollte schon mal Konzerte veranstaltet oder ein Tape veröffentlicht haben. In jedem Fall braucht er Leidenschaft fürs Musikbusiness.“

Voraussetzung: Leidenschaft

Praxiserfahrung und Leidenschaft sind auch Voraussetzungen, um an der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim studieren zu können. „Bei den wenigen Studienplätzen, die wir anbieten können, wollen wir nur Leute aufnehmen, die uns überzeugen können unbedingt in die Branche zu wollen“, betont Prof. Hubert Wandjo, Geschäftsführer der Popakademie. Sie bietet sowohl Bachelor- und Masterstudiengänge in Popmusik als auch Bachelor- und Masterstudiengänge im Fachbereich der Musik- und Kreativwirtschaft an.

So vermittelt der Musikbusiness-Studiengang einerseits Grundlagen der Betriebswirtschaft, andererseits aber auch spezifische Kenntnisse der Musikwirtschaft und der neuesten Trends in der digitalen Welt. Wandjo: „Wer bei uns den musikwirtschaftlichen Studiengang absolviert, bekommt auch einen Einblick in die künstlerische Arbeit.“ Außerdem legt die Popakademie viel Wert auf den praktischen Teil des Studiums. So arbeiten die Studierenden auch an Projekten, die zum Beispiel in Kooperation mit Plattenfirmen entstehen.

Wandjos Meinung nach wird ein akademischer Abschluss in der Branche immer wichtiger: „Bevölkerten die Musikindustrie früher vor allem Quereinsteiger, wird inzwischen immer mehr fundiertes Wissen gebraucht. Denn das Geschäft wird gerade durch die Digitalisierung immer komplexer.“

Sebastian Schweizer ist ein Beispiel dafür, dass die Mischung aus viel Praxis und akademischen Input zum Erfolg führt: Er selbst hat mit Christian Schädle und Steffen Wendelstein 1999 das Label Chimperator gegründet. Nebenbei hat er studiert … zuerst an der Hochschule für Medien in Stuttgart und später an der Popakademie. „Lange Zeit haben nur die Künstler Geld verdient, wir nicht. Unseren Anteil steckten wir gleich wieder in neue Projekte.“ Inzwischen gibt der Erfolg Schweizer Recht: Nicht zuletzt durch Cro ist das Stuttgarter Label auch kommerziell erfolgreich.

(Veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, September 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Arbeitsmarkt Immobilienbranche: Vom Boom profitieren

Immobilienboom in Berlin: Immer mehr Menschen zieht es in die Hauptstadt. Die Mieten stiegen genauso wie die Investitionen. Auch die Anleger haben die Stadt für sich entdeckt. Wer jetzt beruflich in die Immobilienbranchen einsteigt, kann von dieser wirtschaftlichen Entwicklung profitieren.

Karrierechancen in der Immobilienbranche.
Karrierechancen in der Immobilienbranche.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Studierende.

„Der Arbeitsmarkt sieht in der Immobilienwirtschaft sehr gut aus“, erklärt Nils Knochmuß, der als Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer Berlin für Immobilienkaufleute zuständig ist. „In der Hauptstadt wird sehr viel in Immobilien investiert, auch von ausländischen Anlegern. Und alle diese Immobilien müssen gebaut, verkauft und verwaltet werden.“ Außerdem habe die Belegschaft der Immobilienunternehmen ein relativ hohes Alter. Auch aus diesem Grund brauchen sie Nachwuchs.

Sehr gute Berufsaussichten

Hervorragende Berufsperspektiven sieht auch der Berliner Sven R. Johns, langjähriger Geschäftsführer des Immobilienverbandes Deutschland (IVD): „In vielen Ballungsräumen steigen die Haushaltszahlen und damit der Bedarf an neuen Wohnungen. Außerdem haben sich Immobilien inzwischen zu einer gleichberechtigten Anlageform entwickelt. All das macht die Immobilienwirtschaft zu einer Zukunftsbranche.“

Die GSW Immobilien AG gehört zu den Unternehmen, die ihr Personal aufstocken. „2010 hatten wir 286 Mitarbeiter, im Dezember letzten Jahres waren es schon 337“, berichtet Georg Diederichs, Personalleiter der GSW Immobilien AG. „Ich bin zuversichtlich, dass wir weiter wachsen werden und unser Personalbedarf auch in Zukunft steigt.“

Von dem wachsenden Bedarf in der Branche profitieren auch die Auszubildenden. „Die Zahl der auszubildenden Immobilienkaufleute hat in den letzten Jahren sehr angezogen“, so Knochmuß. „Etwa 95 Prozent davon sind Abiturienten.“

Verschiedene Ausbildungsvarianten

Wegen des hohen Bedarfs an Nachwuchskräften in der Branche bietet die IHK Berlin neben der klassischen dreijährigen Ausbildung zusätzlich zwei besondere Ausbildungsvarianten an: „Abbrechern eines betriebswirtschaftlichen Studiums ermöglichen wir eine 18-monatige Ausbildung zum Immobilienkaufmann. Voraussetzung ist aber, dass sie zwei Semester studiert haben.“ Wer einen mittleren Schulabschluss hat, kann innerhalb von vier Jahren sowohl eine Ausbildung absolvieren als auch das Abitur erlangen.

Neben der klassischen Ausbildung gewinnt im Immobiliensektor auch die akademische Bildung immer mehr an Bedeutung. So bildet beispielsweise die GSW aktuell 26 junge Leute aus, die Hälfte als Immobilienkaufleute, die anderen innerhalb des dualen Bachelor-Studiums „Immobilienwirtschaft“. Diese Studierenden arbeiten zeitweise im Unternehmen. Den theoretischen Teil des Studiums absolvieren sie an der Hochschule für Recht und Wirtschaft Berlin. Das Unternehmen setzt auch deshalb auf den akademischen Nachwuchs, weil die Ansprüche an die Mitarbeiter steigen. „Spezialwissen wird bei uns immer wichtiger, zum Beispiel bei der Finanzierung von Immobilien, aber auch beim Portfoliomanagement, das seit unserem Börsengang 2011 an Bedeutung gewinnt“, berichtet Diederichs.

Akademisierung der Immobienbranche

Auch Johns stellt eine starke Akademisierung der Branche fest: „Da sich Immobilien – wie gesagt – inzwischen als gleichberechtigte Anlageform durchgesetzt haben, wird die perfekte Bewirtschaftung einer Immobilie immer wichtiger. Damit steigt auch der Bedarf an Spezialwissen.“ Ein Indiz dafür ist die Zunahme an Studiengängen: „Heute gibt es im Bereich der Immobilienwirtschaft etwa hundert Studiengänge, vor zwanzig Jahren gab es noch keinen einzigen.“

So bietet zum Beispiel die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) ein grundständiges Bachelor-Studium „Immobilienwirtschaft“ an, das sowohl immobilienwirtschaftliche als auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt. „Gerade in dieser Branche reicht es in der Regel nicht mehr aus, allgemeine Betriebswirtschaft zu studieren. Die Akademiker brauchen vertieftes Wissen über Immobilien“, berichtet Nicole Lindstedt-Lilienthal, zuständige Verwaltungsleiterin an der HTW. So steht zum Beispiel die gesamte Wertschöpfungskette einer Immobilie auf dem Lehrplan, die von der Projektentwicklung, Planung und Finanzierung über die Vermarktung bis hin zum Abriss reicht. Weitere Studieninhalte sind etwa Gebäudelehre, Statistik und Rechtsgrundlagen. „Die Nachfrage nach diesem Studiengang ist sehr groß. So liegt der NC bei 1,6. Auf die 40 Studienplätze kamen im vergangen Wintersemester 386 zulassungsfähige Bewerber!“

Angesichts der stetig wachsenden Anforderungen in den Unternehmen empfiehlt Johns auch fertig ausgebildeten Immobilienkaufleuten, sich weiterzuqualifizieren, ob nun durch eine Weiterbildung zum Fachwirt oder durch ein berufsbegleitendes Bachelor- und Master-Studium im Bereich der Immobilienwirtschaft. Das bietet zum Beispiel das Center for Real Estate Studies (CRES) in Freiburg an. „Damit bereiten sie sich optimal auf die Zukunft vor.“

Chance für Quereinsteiger

In der Branche haben auch Quereinsteiger Chancen, wenn sie sich gezielt weiterbilden. Denn als Immobilienmakler ist eine einschlägige Ausbildung nicht Pflicht. Die Firma Rohrer Immobilien GmbH gibt deshalb auch Quereinsteigern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Sie sorgt gleichzeitig auch für ihre Weiterqualifikation. „Wir brauchen Menschen mit sehr guten sozialen Kompetenzen. Sie sollten über Berufserfahrung verfügen und Englisch sprechen. Eine Ausbildung in der Immobilienbranche ist nicht zwingend“, betont Corvin Tolle, geschäftsführender Gesellschafter der auch in Berlin tätigen Firma.

Ein Beispiel für einen gelungenen Quereinstieg ist Susann Siebert, die bei Rohrer Immobilien arbeitet. „Ich habe Geographie mit dem Schwerpunkt Stadtplanung studiert und dann bei einem Großunternehmen in der Bewertung von Immobilien gearbeitet. Heute bin ich bei Rohrer Immobilien für die Akquise und Exposé-Erstellung bei Privatimmobilien und Investments zuständig.“ Als Quereinsteigerin war ihr kaufmännisches Wissen begrenzt. Deshalb absolviert sie zurzeit einen berufsbegleitenden Studiengang zur Immobilienbetriebswirtin und trägt bereits jetzt schon größere Verantwortung.

(Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, April 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Selbstmanagement: So bekämpfen Sie Ihre E-Mailflut

Hunderte von Mails im Posteingang … wer so etwas nach dem Urlaub erlebt, für den endet die Erholung häufig gleich am ersten Arbeitstag. Der Bonner Zeitmanagement-Experte Holger Wöltje weiß Rat, wie es gar nicht erst so schlimm wird.

Wie Sie nach dem Urlaub eine E-Mailflut verhindern.
Wie Sie nach dem Urlaub eine E-Mailflut verhindern.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Am Besten lässt sich die Mailflut steuern, wenn Berufstätige schon vor Beginn ihrer Ferien tätig werden: „Informieren Sie zwei Wochen vorher Ihre Kollegen, ab wann Sie in den Urlaub gehen. Schreiben Sie in dieser Zeit auch in Ihre Mails an Kunden und Geschäftspartner, bis wann Sie erreichbar sind“, empfiehlt Wöltje. Denn dann können sich die Ansprechpartner auf Ihre Abwesenheit einstellen. So lassen sich wichtige Fragen noch vor dem Urlaub klären.

In jedem Fall sollten Sie einen Autoresponder einrichten, der darüber informiert, wann Sie wieder zurück sind, ob die Mail bearbeitet wird und ob es in dringenden Fällen einen alternativen Ansprechpartner gibt. Wöltje: „Weisen Sie bei längeren Ferienzeiten den Adressaten darauf hin, dass diese Abwesenheitsnotiz nur einmal pro Person verschickt wird.“ Oft vergessen das die Angeschriebenen und wundern sich, dass sie auf eine weitere Mail zwei Wochen später keine Antwort bekommen.

Einfach löschen: Vorsicht!

Im Urlaub gibt es dann ganz unterschiedliche Methoden, mit der Mailflut umzugehen: „Sie können Ihre Mails in den Ferien einfach liegen lassen und erst bearbeiten, sobald Sie wieder zurück sind. In Ausnahmenfällen wirkt die radikale Methode Wunder: Automatisch jede während Ihres Urlaubs eintreffende Mail löschen. Das ist natürlich ein Risiko“, weiß Wöltje. „Wichtig ist, dass Sie in Ihrem Autoresponder klar auf die Löschung der Mails hinweisen und eine Formulierung finden, die den Adressaten nicht vor den Kopf stößt.“ Wöltjes Erfahrung nach können nur etwa drei Prozent der Arbeitnehmer diese Methode praktizieren – haben dann aber nach ihrer Rückkehr keine einzige neue Mail abzuarbeiten.

Eine andere angenehme Methode, sich seiner Mails zu entledigen, ist die Weiterleitung oder direkte Umleitung an einen Kollegen, der Sie vertritt. Sie können auch Ihren Posteingang für den Kollegen freigeben. Denn so kann er besser unterscheiden, welche Mail an ihn und welche an Sie gerichtet ist.

Das Mail-Checken im Urlaub beschränken

Natürlich haben Arbeitnehmer auch die Möglichkeit, ihre Mails im Urlaub per Smartphone abzurufen. Wöltje empfiehlt allerdings, die Zeit dafür radikal zu beschränken: „Schauen Sie nur einmal am Tag für zehn Minuten in Ihre Mails und entscheiden Sie schnell, welche Sie löschen, in Ordner verschieben oder kurz beantworten wollen. Achten Sie aber darauf, dass Sie trotzdem abschalten und sich erholen können, sonst lassen Sie den Mailabruf im Urlaub lieber sein.“ Der Vorteil dieser Methode: Die Mailflut nach dem Urlaub wird deutlich reduziert! Wer allerdings in seinem Autoresponder ankündigt, er werde seine Mails nicht lesen und dann doch antwortet, wirkt unglaubwürdig.

Doch auch wer seine Mails nicht in den Ferien abgerufen hat, schafft sich mit dem richtigen System schnell wieder Übersicht im Posteingang. „Zuerst sollten Sie dafür sorgen, dass Ihr Posteingang noch vor dem Urlaub leer ist“, rät Wöltje. Nach den Ferien helfen beim Sortieren zwei Methoden: Entweder gehen Sie chronologisch vor, wobei Sie die neuesten Mails als erste bearbeiten oder Sie sortieren nach Absendern. „Nach Absendern zu sortieren, hilft Ihnen, schnell den Großteil der Mails mit hoher Priorität zu finden: Post von Ihrer Chefin und den wichtigsten Kunden hat Vorrang!“

Internettipp:

Wenn Sie mit Microsoft Outlook arbeiten, finden Sie viele detaillierte Tipps zum besseren Umgang mit E-Mail, Aufgaben und Terminen in einem Videokurs von Holger Wöltje, für den Sie sich kostenfrei anmelden können: www.zeit-im-griff.de/msol-videos

(Veröffentlicht bei GMX.de, August 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Autismus und Beruf: Denken in Bildern

Autisten sind generell kreative Denker und Perfektionisten, sie verfügen über Ausdauer und Genauigkeit … alles Eigenschaften, die in der Berufswelt dringend gebraucht werden. Trotzdem sind viele von ihnen arbeitslos. Denn in der Regel haben sie Schwierigkeiten in der Kommunikation. Doch inzwischen erkennen immer mehr Firmen wie etwa SAP das berufliche Potenzial dieser Menschen.

Perspektiven für Menschen mit Autismus.
Perspektiven für Menschen mit Autismus.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Eltern.

Marko Riegel ist zum Beispiel Softwaretester bei der Berliner Firma Auticon. Er ist fest angestellt, bezieht ein festes Gehalt und hat einen geregelten Tagesablauf. Doch das war nicht immer so: Der 36-jährige erlebte ein für Autisten typischen Werdegang mit Studienabbrüchen, ABM-Maßnahmen und Hartz-IV-Bezug. „Nebenbei habe ich semiprofessionell als DJ, Musikproduzent, Webseitengestalter und Partyveranstalter gearbeitet“, berichtet Riegel. Doch er musste auch erleben, wie sein Autismus ihm immer wieder beruflich im Weg stand: „Ich habe Probleme mit dem Selbstmanagement und der Organisation. Außerdem versinke ich in Details und verzettele mich schnell.“ Auch das soziale Miteinander machte ihm zu schaffen: Intrigen und Ränkespiele überforderten ihn und es mangelte ihm an Durchsetzungsvermögen.

Problem: Soziale Integration

„Autisten tun sich schwer mit der sozialen Interaktion“, berichtet Dr. Isabel Dziobek von der Autismus-Forschungs-Kooperation. Sie ist Emotionsforscherin am Exzellenzcluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin. „Sie verstehen die Emotionen anderer Menschen oft falsch. Das führt meist zu Missverständnissen und Problemen im Joballtag. So werden sie häufig fälschlicherweise als antisozial wahrgenommen.“

Außerdem leiden viele Menschen im Autismus-Spektrum an einer sogenannten exekutiven Dysfunktion: „Es fällt ihnen schwer, zu planen und mit Unvorhergesehenem flexibel umzugehen“, erklärt Dziobek. Auch das schränke oft ihre Beschäftigungsfähigkeit ein.
Und noch eine Besonderheit haben Autisten: Sie sind oft hypersensibel gegenüber optischen Reizen wie Neonlicht oder akustischen Signalen wie Telefonklingeln. „Ist es zum Beispiel zu laut, behindert das ihre Arbeit extrem, auch wenn sie normal intelligent sind und einen Hochschulabschluss haben.“

Unterstützung vom Jobcoach

Riegels Arbeitgeber Auticon berücksichtigt diese autismusspezifischen Probleme. Er wird wie alle anderen bei Auticon beschäftigten Autisten von Jobcoachs unterstützt. „Diese vermitteln zwischen den autistischen Softwaretestern und den Kunden, für die sie tätig werden und klären diese über den Autismus auf“, erklärt Tilman Höffken von Auticon. Außerdem kommt das Unternehmen den autistischen Bedürfnissen nach wenig optischen und akustischen Reizen entgegen. „Bei uns gibt es am Arbeitsplatz keine Telefone, dafür aber einen Ruheraum“, so Höffken.

Inzwischen ist das Geschäftsmodell von Auticon so erfolgreich, dass die Firma sowohl für den Standort Berlin als auch für Düsseldorf und München weitere Softwaretester sucht. Dabei stellt sich die Firma auf ihre speziellen Bewerber ein: „Wir wissen, dass Autisten häufig keinen lückenlosen Lebenslauf haben, sondern dass Studienabbrüche und Hartz-IV-Phasen dazugehören. Was Bewerber allerdings mitbringen müssen, sind Programmierkenntnisse“, so Höffken.

Der Softwarekonzern SAP will ab kommendem Herbst ebenfalls Menschen mit Autismus als Softwaretester, Programmierer und Spezialisten für Datenqualitätssicherung einstellen. Dabei arbeitet das Unternehmen mit der dänischen Firma Specialisterne zusammen, die SAP bei der Besetzung der Arbeitsplätze mit Autisten unterstützt. „Specialisterne hat sich weltweit damit einen Namen gemacht, Autisten auf technologieorientierte Arbeitsplätze zu vermitteln“, erklärt Anka Wittenberg, bei SAP für Vielfalt und Integration zuständig. „Dabei fungiert Specialisterne als Leiharbeitsfirma, die ganz normale Arbeitsverträge mit einer angemessenen Entlohnung abschließt.“

Ziel von SAP sei es, bis 2020 etwa ein Prozent der Unternehmensarbeitsplätze mit Menschen zu besetzen, die vom Autismus betroffen sind. Das ist zugleich der Anteil, den Autisten an der Gesamtbevölkerung haben. „Dabei geht es uns aber nicht um die Erfüllung einer Quote, sondern um einen nachhaltigen Prozess“, so Wittenberg.

Erfolgreiches Pilotprojekt bei SAP

Der aktuellen Initiative von SAP ging ein erfolgreiches Pilotprojekt in Indien voraus: Acht Mitarbeiter mit Autismus arbeiten dort in Zusammenarbeit mit Specialisterne als Softwaretester.

Auch die eingetragene Genossenschaft autWorker hat das Ziel, Autisten in die Arbeitswelt zu integrieren. Sie berät sowohl potenzielle Arbeitgeber als auch arbeitssuchende Betroffene und versucht, sie in eine geeignete Beschäftigung zu vermitteln. Marco Antons von autWorker: „Auch wenn Autisten gute Noten haben und es ins Vorstellungsgespräch schaffen, scheitern sie dort meist. Denn oft gewinnen die Firmen von ihnen einen falschen Eindruck und nehmen sie als unfreundlich oder desinteressiert wahr.“

Ein weiteres Problem sieht Antons darin, dass viele Autisten sich ihrer Stärken und Fähigkeiten gar nicht bewusst seien. Deshalb bietet autWorker regelmäßig Workshops für Autisten an, um ihren individuellen Stärken auf die Spur zu kommen. Dabei stehen die Hobbys und Spezialinteressen der Teilnehmer im Fokus, aber auch die Fähigkeiten, die viele von ihnen gemeinsam auszeichnen. „Autisten sind zum Beispiel besonders kreativ in Finden von Lösungswegen. Sie denken oft in Bildern“, erklärt Antons. Außerdem gehören Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit zu ihren hervorstechenden Eigenschaften, All das seien Fähigkeiten, die in der Arbeitswelt gebraucht würden.

Die regelmäßig in Hamburg stattfindenden Workshops verbessern aber auch die Kommunikationsfähigkeit der Teilnehmer: „Bei uns lernen Autisten, die oft jahrelang zu Hause hockten, wieder neue Leute kennen. Auf einmal beginnen sie zu kommunizieren. Das ist eine tolle Erfahrung.“

Autismus: Zahlen und Fakten

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich bei der Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung im Gehirn auswirkt. Etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung sind Autisten, wobei verschiedene Schweregrade vorliegen können. Deshalb spricht die Wissenschaft auch vom Autimusspektrum. Unterschieden wird zwischen dem frühkindlichem Autismus (Kanner-Syndrom) und dem Asperger-Syndrom, das häufig erst nach dem dritten Lebensjahr sichtbar wird. Nach einer noch unveröffentlichten Umfrage der Arbeitsgruppe von Dziobek verfügen 33 Prozent der hochfunktionalen Autisten – also der normal intelligenten Autisten – über einen Hochschulabschluss. Dennoch sind etwa 60 Prozent der befragten hochfunktionalen Autisten arbeitslos. Nach Erkenntnissen der gleichen Umfrage liegen die Spezialinteressen von Autisten zu 34 Prozent im Bereich der Human- und Sozialwissenschaften und zu 28 Prozent im kreativen Bereich. Lediglich 24 Prozent der befragten haben ihr Spezialinteresse in der Informatik und den Ingenieurwissenschaften.

Die Autismus-Forschungs-Kooperation ist ein Zusammenschluss von autistischen Menschen und Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin. Infos: www.autismus-forschungs-kooperation.de

Aspies e.V. ist eine Selbsthilfeorganisation von und für Menschen im Autismusspektrum: www.aspies.de

Auticon: auticon.de

autWorker: www.autworker.de

(Veröffentlicht bei der Berliner Zeitung und dem Kölner Stadt-Anzeiger, Juni/Juli 2013)

(Copyright 2013 by Anja Schreiber)<img

Bewerbung: Das steht in Stellenanzeigen wirklich drin

Stellenanzeigen beeindrucken: Oft scheinen nur die allerbesten Kandidaten überhaupt eine Chance zu haben. Doch Bewerbungscoach Eva Hönnecke aus Berlin weiß, dass nicht jede der genannten Anforderungen vollständig erfüllt werden muss. So haben auch qualifizierte Jobsuchende, die nicht absolut dem Ideal entsprechen, gute Aussichten!

Wie Jobsuchende Stellenanzeigen lesen sollten.
Wie Jobsuchende Stellenanzeigen lesen sollten.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Studierende.

„In allen Stellenanzeigen finden sich Muss- und Kann-Anforderungen“, berichtet Hönnecke. Während ein Bewerber die Muss-Kriterien auf jeden Fall mitbringen sollte, sind die Kann-Kriterien optional. Hinter Formulierungen wie „Wir setzen voraus“, „Sie bringen mit“ oder „Wir erwarten“ stehen fast ausschließlich K.O.-Kriterien. „Wenn für eine Personalabteilung zum Beispiel ausdrücklich ein Psychologe gesucht wird, macht es keinen Sinn, sich als Betriebswirtschaftler zu bewerben.“ Ein Bewerber sollte also die Ausbildung mitbringen, die in der Ausschreibung verlangt wird.

In der Regel sind alle Anforderungen nach absteigender Wichtigkeit sortiert, das gilt für Muss-und Kann-Kriterien. Spezielle Softwarekenntnisse, die erst an vierter oder fünfter Stelle im Anzeigentext stehen, sind also weniger entscheidend als die zuerst genannte Berufsausbildung.

70 Prozent aller Anforderungen sollten Sie erfüllen!

„Grundsätzlich sollten Sie mindestens 70 Prozent aller Kriterien erfüllen, wenn Sie ins Vorstellungsgespräch kommen wollen. Darunter sollten natürlich die erstgenannten sein“, betont Hönnecke. Hundertprozentig muss das Profil aber nicht übereinstimmen. „Bedenken Sie, dass es manchmal den idealen Bewerber auf dem Arbeitsmarkt gar nicht gibt.“

Ein Jobsuchender hat also gute Chancen, wenn er lediglich die eine oder andere Kann-Anforderungen nicht erfüllt. Diese lassen sich in den Stellenanzeigen durch einleitende Floskeln wie etwa „Idealerweise verfügen Sie über“ erkennen. Allein die Erfüllung der Kann-Anforderungen reicht übrigens nicht für eine erfolgreiche Bewerbung aus.

Lassen Sie sich nicht abschrecken!

„Fehlende oder nicht ausreichende Fremdsprachen sind oft kein K.O.-Kriterium. Denn in der Regel lassen sich solche Kenntnisse relativ schnell nachholen“, betont Hönnecke. Natürlich gibt es auch Arbeitsplätze, bei denen die Fremdsprachenkompetenz absolut notwendig ist. In diesen Fällen sind die Sprachanforderungen ein Muss-Kriterium.

Bei den Software-Kennntnissen gilt Ähnliches. „Wenn Sie ein bestimmtes Programm nicht oder weniger gut als gefordert beherrschen, sollten Sie trotzdem den Mut haben, sich zu bewerben. Denn auch so etwas lernt sich in der Regel relativ schnell.“

Spielraum gibt es auch bei Softskills wie Flexibilität, Team- und Kommunikationsfähigkeit. „Auch wenn ein Bewerber seine Sozialkompetenzen zum Beispiel durch Projekte und Engagement nachweisen sollte, sind sie nicht exakt messbar“, so Hönnecke. Trotzdem ist es wichtig, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Denn wenn zum Beispiel Belastbarkeit erwartet wird, kann ein
Jobsuchender in der Tat davon ausgehen, dass die Arbeitsbelastung hoch ist.

„Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Qualifikationen ausreichen, aber großes Interesse an der ausgeschriebenen Stelle haben, sollten Sie unbedingt die Firma kontaktieren. In vielen Anzeigen finden Sie schließlich Ansprechpartner und Telefonnummern“, betont Hönnecke. So lässt sich per Telefon klären, ob eine Bewerbung Sinn macht oder nicht.

„Lassen Sie sich auch von vorgegebenen Bewerbungsfristen nicht abschrecken, sondern fragen Sie lieber nach, ob Sie Ihre Unterlagen auch noch später einreichen können.“ Grundsätzlich haben Bewerber nach der Veröffentlichung einer Anzeige zwei bis drei Wochen Zeit. „Es macht aber oft auch nach vier Wochen noch Sinn, sich auf Stelle zu bewerben.“

(Veröffentlicht bei GMX.de, Juni 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Bewerbung: Gute Form macht Eindruck

Kreativ oder einfach nur ignorant? Diese Frage stellt sich Personalern bei vielen Bewerbungen. Denn oft entsprechen die Unterlagen nicht der sogenannten DIN 5008-Norm. Diese legt die Schreib- und Gestaltungsregeln für Textverarbeitung verbindlich fest. Zwar sind Bewerber nicht verpflichtet, sich an diese Norm zu halten. Aber sie machen einen schlechten Eindruck, wenn sie augenscheinlich nicht wissen, welche Normen im Büro- und Verwaltungsbereich gelten.

Wie Sie mit Ihren Bewerbungsunterlagen einen guten Eindruck machen.
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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Eltern.

Der Berliner Businesscoach Karsten Noack bringt es auf den Punkt: „Niemand muss sich in allen Details an die DIN-Norm halten, aber eine Bewerbung sollte in jedem Fall professionell aussehen. Deshalb macht es auch Sinn, sich an der Norm zu orientieren.“ Er sieht auch noch einen weiteren guten Grund für die Norm-Einhaltung: „Die Bewerber zeigen damit soziale Kompetenz. Denn nach DIN-Norm gestalteten Unterlagen sind gut lesbar. Und darauf kommt es schließlich an.“ Sein Tipp: Wer sich mit der Gestaltung von Geschäftsbriefen nicht auskennt, sollte sich mit den aktuellen Regeln vertraut machen.

Sich an aktuelle Bewerbungsregeln halten

„Bedenken Sie, dass es der Personalabteilung in der ersten Bewerbungsphase darum geht, Bewerbungen auszusortieren“, betont Frank Wolf, Berater für Bewerbungsunterlagen beim Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader. „Wer sich an keine der aktuellen Regeln hält, macht einen unglücklichen Eindruck und hat geringe Chancen … es sei denn, er ist ein absoluter Experte.“

Bestes Beispiel ist die Betreffzeile: Nach aktueller DIN-Regel hat sie die Form einer stichwortartigen Inhaltsangabe. Sie wird nicht unterstrichen und endet ohne Punkt. Das Wort „Betreff“ selbst wird aber nicht mehr geschrieben. „Wer immer noch den Begriff ‚Betreff‘ verwendet, zeigt, dass er nicht auf dem Laufenden ist“, so Wolf. Die zwei Zeilen unter dem Betreff bleiben übrigens frei.

Vorsicht Details!

Wolf weiß aus seiner täglichen Arbeit, dass es gerade die „blöden Details“ sind, die Jobsuchenden zum Fallstrick werden können. Ein Beispiel dafür ist die Telefonnummer: „Klammer oder Schrägstrich sind inzwischen total out. Auch viele Leerzeichen zwischen Ziffern gehören der Vergangenheit an.“ Telefonnummern werden also nicht mehr gegliedert. Lediglich zwischen der Ortsvorwahl und der Rufnummer wird ein Leerzeichen gesetzt. Nach aktueller Norm werden inländische Nummern beispielsweise so: „030 123456“ und internationale Nummern so: „+49 30 123456“ geschrieben.

Auch beim Datum gibt es Änderungen: „Es ist nicht mehr üblich, zwischen Ort und Datum das Wort ‚den‘ zu setzen“, berichtet Wolf. Auch beim Empfänger wird zwischen Straße und Ort keine Leerzeile mehr eingefügt. „Das sind nur Details.“ Aber Wolf ist sich sicher: „Es ist wichtig, auf dem aktuellen Stand zu sein … gerade, wenn sich Jobsuchende in großen internationalen Unternehmen bewerben.“ Denn wenn jemand alte Standards benutzt, legt dies die Vermutung nahe, dass er alte Unterlagen recycelt und mit so einer nachlässig erstellten Bewerbung kaum ein geeigneter Kandidat ist.

Aktuelle DIN-Normen kennen

Viele der aktuellen DIN-Normen sind aber auch einfach praktisch. Denn sie gliedern den Text übersichtlich und erleichtern die Lektüre: So wird zum Beispiel die Anrede mit einer Leerzeile vom folgenden Text abgesetzt. Der Text selbst wird mit einzeiligem Zeilenabstand geschrieben und durch Leerzeilen gegliedert. Der Gruß ist linksbündig und wird auch durch eine Leerzeile vom Text getrennt. Noack rät, von Leerzeilen häufig Gebrauch zu machen und damit den Text in mehrere Abschnitte zu untergliedern. „So entstehen weiße leere Flächen. Das macht das Anschreiben ansprechend. Außerdem sagen viele Studien, dass Flattersatz beim Leser besser ankommt als Blocksatz.“

Und noch eine Norm hilft dem Leser: „Begriffe oder Sätze sollten auf keinen Fall gefettet, kursiv oder unterstrichen werden“, so Noack. Auch die Verwendung verschiedener Schriften ist ein No-Go.

Ein weiterer Fehler schleicht sich oft beim Lebenslauf ein: „Statt konsequent Tabulatoren zu verwenden, nutzen viele Bewerber häufig Leerzeichen. Dann wirkt das Ganze aber wenig konsistent, weil bestimmte Angaben immer leicht verschoben sind“, erklärt Noack. Gerade solche Kleinigkeiten fallen Personalern auf!

Wer sich so viel Mühe mit der korrekten Form gemacht hat, muss noch eine Klippe umschiffen: „Jobsuchende, die ihre Unterlagen per Email verschicken, sollten das unbedingt in Form einer PDF-Datei tun. Denn wer ein Word-Dokument versendet, muss damit rechnen, dass die Computereinstellungen des Empfängers das Layout ‚falsch‘ wiedergeben“, betont Noack. Eine Umwandlung in eine PDF-Datei verhindert das. Denn diese kommt wirklich so an, wie sie den heimischen Computer verlassen hat!

(Veröffentlicht bei der Frankfurter Rundschau, Dezember 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Geld verdienen im Internet: Von Beruf Blogger

Mit dem eigenen Blog Geld verdienen … eine charmante Berufsperspektive. Schließlich ist ein Blogger nicht von seinem Chef abhängig: Er kann selbstständig entscheiden, worüber er schreiben will und wie er seinen Arbeitstag gestaltet. Doch der selbstständige Programmierer und Blogger Peer Wandiger weiß, dass dafür viel Ausdauer und eine gute Planung notwendig sind.

Wie sich mit dem eignen Blog Geld verdienen lässt.
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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

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„Natürlich gibt es Leute, die mit ihrem Blog so viel Geld verdienen, dass sie davon leben können“, erklärt der aus Gräfenhainichen kommende Blogger. „Ich verdiene zum Beispiel mit meinem Blog selbstaendig-im-netz.de 4000 bis 5000 Euro im Monat.“

Doch trotz seines eigenen finanziellen Erfolgs warnt Wandiger davor, nur aus monetären Gründen einen Blog ins Leben zu rufen. Denn dann verlieren Einsteiger in der Regel schnell die Lust am Bloggen, gerade wenn sich in den ersten Monaten noch kein Geld verdienen lässt und die Zahl der Leser überschaubar ist.

„Sie sollten über ein Thema bloggen, das für andere interessant und damit auch profitabel ist“, empfiehlt Wandiger. „Aber auch Sie selbst müssen eine Leidenschaft für das Thema mitbringen.“ Am Besten ist die inhaltliche Ausrichtung dann gewählt, wenn ein Blogger auch noch nach einigen Jahren in der Lage ist, dazu interessante Beiträge zu verfassen. Ein Gegenstand, der sich schon nach zwei duzend Blogeinträgen erschöpft, ist ungeeignet.

Nachfrage recherchieren

„Zuviel Konkurrenz wie zum Beispiel bei Blogs zu Finanzthemen ist ebenfalls problematisch“, betont Wandiger. Deshalb empfiehlt er künftigen Bloggern, sich bereits im Vorfeld mit der Nachfrage- und Konkurrenzsituation im Netz zu beschäftigen. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Keywords des Blogs. „Mit ‚Google AdWords‘ können Sie die wichtigsten Keywords analysieren. So bekommen Sie Informationen über das durchschnittliche Suchvolumen im Monat.“

Genauso wichtig ist es, das finanzielle Potenzial eines Themas auszuloten. „Deshalb rate ich Ihnen, sich mal die AdSense-Klickpreise anzuschauen. Diese finden sich ebenfalls auf ‚Google AdWords‘.“ Um erfolgreich zu sein, sollten die durchschnittlichen Klickpreise für die Keywords des Blogs nicht nur im Cent-Bereich liegen. Schließlich hängt der finanzielle Erfolg nicht nur vom Besucherstrom ab, sondern auch von profitabler Werbung. Manch ein Nischenblog kann mit teurer Werbung und hohen Klickpreisen mehr Geld verdienen als ein anderer Blog mit hohen Leserzahlen, aber lausigen Klickpreisen.

Gerne schreiben

Ein professioneller Blogger braucht für den Erfolg noch eine andere Grundvoraussetzung: Er sollte gerne schreiben. „Wer damit Geld verdienen will, muss schon zwei bis drei Artikel am Tag verfassen. Und das hält nur jemand durch, der diese Arbeit auch gern macht“, so Wandiger.

Es ist übrigens nicht damit getan, nur Beiträge zu schreiben. Ein Blogger muss sich auch um Werbung, Marketing und Networking kümmern und nicht zuletzt um den Kontakt zu seinen Lesern. „Planen Sie wöchentlich mindestens vier bis fünf Stunden für die Arbeit am Blog ein, wenn Sie ihn im Nebenjob betreiben.“

Qualität zählt

Letztendlich ist immer auch die Qualität entscheidend: „Wenn Ihre Blogbeiträge nur aus ein paar Sätzen bestehen, die Sie noch dazu irgendwo abgeschrieben haben, werden Sie wenig Resonanz erhalten. Was zählt, sind Qualität und Einzigartigkeit.“ Google mag nach Wandigers Erfahrung ebenfalls einzigartigen Content und lässt entsprechende Blogs im Ranking steigen.

Auch wenn heutzutage kein Blogger mehr von Beruf Programmierer sein muss: So ganz ohne Technikkenntnis fällt vielen das Pflegen ihrer Webseiten schwer. Schließlich sollte der Blogger zum Beispiel Features oder Werbebanner einbauen können. Deshalb rät Wandiger, sich auch mit der technischen Seite des Bloggens auseinanderzusetzen.

„Eine Garantie für den Erfolg gibt es allerdings nicht“, betont Wandiger. „Von knapp 100 Bloggern, die an einer Umfrage von mir teilgenommen haben, konnten nur fünf davon wirklich leben!“

Weitere Informationen unter www.selbstaendig-im-netz.de

(Veröffentlicht bei GMX, April 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Selfpublishing: Schriftsteller und Verleger in Personalunion

Wer sich immer schon insgeheim gewünscht hat, Schriftsteller zu werden, dem bieten E-Books jetzt eine neue Möglichkeit, seine Träume wahr werden zu lassen. Schließlich müssen Autoren, die ihre Werke per Selfpublishing veröffentlichen, keine Lektoren und Literaturagenten mehr überzeugen. Mit wenigen Handgriffen lassen sich Manuskripte hochladen und zum Beispiel über Amazon vertreiben. Internationale Autoren wie John Locke verheißen verlagsunabhängige Millionenerfolge. Doch ohne Grundlagenwissen führt auch dieser Weg nicht zum Erfolg.

Wie als E-Book-Autor Geld verdienen.
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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

„Eigentlich ist das Veröffentlichen eines E-Books ganz einfach: Autoren brauchen dafür im Grunde genommen nur Word-Kenntnisse“, erklärt Wolfgang Tischer aus Gaeufelden, Ratgeberautor zum Thema E-Books. Doch wer damit Geld verdienen will, sollte nicht ganz ahnungslos an die Sache herangehen. Deshalb rät Tischer jedem Publikationswilligen, sich vorher durch Ratgeber oder im Netz mit dem Thema vertraut zu machen. „Auf jeden Fall sollte ein künftiger E-Book-Autor selbst schon mal einen E-Book-Reader in der Hand gehabt haben, um zu wissen, wie der eigene Text auf einem E-Book dargestellt wird.“

Gutes Marketing wichtig

Ralf Kleber, Geschäftsführer von Amazon.de, sieht die Herausforderung für Newcomer in Sachen E-Book nicht in erster Linie in der Beherrschung der Technik, sondern in einem guten Marketing. „Die technischen Probleme lassen sich bewältigen. Schwieriger ist es, in die Bestsellerliste zu kommen.“ Auch er rät zum Austausch in speziellen Internetforen. Denn dort würden Anfänger wichtige Informationen rund um die Themen Herstellung und Marketing erfahren. Sein Tipp: „E-Books, die gut gemacht sind, kommen auch gut an. Autoren sollten bedenken, dass für E-Books die gleichen Qualitätsanforderungen gelten wie für Print-Ausgaben.“

Auch der Berliner Wilhelm Ruprecht Frieling, Autor mehrerer Bücher zum Thema E-Book-Erstellung und -Verkauf, sieht nur dann Erfolgschancen, wenn die Qualität stimmt: „Natürlich kann jeder jeden Müll hochladen. Häufig verkauft wird aber in der Regel nur ein qualitativ hochwertiges Buch.“

Lektorieren lassen

Tischer weiß, dass gerade Neuautoren viele Fehler beim Selfpublishing machen können. So rät er, sich auch um scheinbare Banalitäten wie etwa Rechtschreibung und Grammatik zu kümmern. „Niemand will einen Text mit vielen Fehlern lesen. Besser ist es, das Manuskript lektorieren zu lassen.“ Der künftige Autor muss übrigens auch klären, welche Rechte Dritte am Text haben. Dazu gehört auch die Recherche, ob der Buchtitel eventuell schon vergeben ist.

Doch das allein reicht noch nicht aus, um so einen Erfolg zu haben wie der Berliner Autor Jonas Winner, der mit seiner siebenteiligen „Berlin Gothic“-Serie innerhalb von zehn Monaten mehr als 100.000 Bücher im Kindle Store auf Amazon.de verkauft hat. Frieling: „Besonders wichtig ist ein attraktiver Preis.“ Sein persönlicher Tipp: 2,99 Euro.

Attraktives Cover

Das Äußere ist für den Markterfolg eines E-Books ebenfalls entscheidend. Frieling: „Das Cover muss attraktiv sein und professionell wirken. Deshalb ist für Self-Publisher Hilfe von Grafikern ratsam.“ Doch die Marketingaktivitäten sollten noch viel weiter gehen. So empfiehlt Frieling eine eigene Homepage sowie einen Facebook- und Twitter-Account. „Viele Autoren lassen heute ihre Fans an der Entstehung ihrer Werke per Facebook und Twitter teilnehmen. Das ist zum Beispiel ein hervorragendes Marketinginstrument.“

Auch Max Franke vom Berliner Online-Unternehmen epubli, das ebenfalls E-Books veröffentlicht, betont: „E-Book-Autoren sollten unbedingt offen für die Vermarktung in den Sozialen Netzwerken sein. Schließlich bieten sie die Möglichkeit, direkt mit den eigenen Lesern ins Gespräch zu kommen.“

Bücher:
Amazon Kindle: Eigene E-Books erstellen und verkaufen, Wolfgang Tischer, Kindle Edition, überarbeitete und erweiterte Auflage, literaturcafe.de, Gaeufelden (2012), 92 Seiten, 2,99 Euro

Kindle für Autoren oder: Wie veröffentliche ich ein E-Book auf amazon.de? Wilhelm Ruprecht Frieling, Kindle Edition, überarbeitete und erweiterte Auflage, Internet-Buchverlag, Berlin (1011), 134 Seiten, 2,99 Euro

 

(Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2013)

(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Sexismus: Brechen Sie das Schweigen!

Langsam wird es ruhiger in der medialen Sexismusdebatte. Doch das Problem bleibt: Wie können sich Berufstätige effektiv gegen sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz wehren? Karin Schwendler, Leiterin des Bereichs Frauen- und Gleichstellungspolitik bei der ver.di-Bundesverwaltung, weiß: Es gibt Strategien gegen Belästigungen im Berufsleben.

Wie Sie mit sexueller Belästigung am Arbeitspltz umgehen sollten.
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  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Studierende.

Frauen, die sich bedrängt fühlen, sind oft unsicher. Sie glauben, dass sie einfach nur zu empfindlich sind. Doch dieses Denken – so betont Schwendler – ist falsch!

„Wenn Ihnen ein Verhalten Ihres Kollegen, Geschäftspartners oder Chefs unangenehm ist, dann stimmt Ihr Gefühl … egal, ob es sich um Anstarren, anzügliche Bemerkungen oder gar aufgedrängte Küsse handelt.“ Der Unterschied zwischen einer sexuellen Belästigung und einem Flirt sei leicht zu erkennen: „Immer wenn ein Verhalten einseitig ist, kann von einem Flirt nicht mehr die Rede sein. Was sich falsch anfühlt, ist auch falsch. Das sollten sich Mitarbeiterinnen immer bewusst machen.“

Problem Sprachlosigkeit

Eins ist also klar: Keine Frau sollte die Schuld bei sich suchen, wenn ein Mann sexistische Sprüche klopft oder ihr gar bei sexueller Verweigerung berufliche Nachteile androht. „Sexuelle Belästigung ist entwürdigend. Deshalb reagieren viele Frauen auch mit Sprachlosigkeit. Aber dabei sollte es nicht bleiben!“, betont Schwendler. Ihr Rat: Verschweigen Sie den Vorfall nicht, wie immer er auch konkret ausgesehen hat, sondern sprechen Sie darüber, zum Beispiel mit Ihrer Familie oder Ihren Freundinnen

Das Gespräch suchen

Schwendler hält es auch für sinnvoll, mit der Gleichstellungsbeauftragten, dem Betriebsrat oder dem Personalrat zu reden, um Strategien zu entwickeln, wie sich die Betroffene wehren und schützen kann. „Davor müssen Sie sich nicht scheuen. Denn diese Gespräche sind vertraulich. Ohne Ihr Einverständnis werden Ihre Gesprächspartnerinnen nicht in Ihrer Sache tätig.“ Der Personal- und Betriebsrat kann einer sexuellen Belästigung auch nachgehen, ohne dass der Name der Betroffenen fallen muss. Gerade in großen Betrieben ist so die Anonymität der Belästigten sichergestellt.

Außerdem empfiehlt Schwendler betroffenen Frauen, sich in ihrem Kollegenkreis umzuschauen. Vielleicht leiden auch andere Kolleginnen unter sexueller Belästigung. „Oft betrifft es nicht nur eine Person. Deshalb ist es wichtig, das Schweigen zu brechen und mit diesen Kolleginnen ins Gespräch zu kommen.“ Männliche Kollegen können ebenfalls wichtige Ansprechpartner sein. „Denn oft sind Männer über die sexistischen Sprüche und Verhaltensweisen ihrer Kollegen genauso empört wie Frauen.“ Gespräche helfen auch in diesem Fall, das Schweigen zu brechen und einer Problemlösung näherzukommen.

Nicht die Sache auf sich beruhen lassen!

Für kontraproduktiv ist es meist auch, die Sache auf sich beruhen zu lassen. „In der Regel hören Sprüche und andere Übergriffe nicht von allein auf. Es handelt sich also in den seltensten Fällen um einen Ausrutscher“, weiß Schwendler. Umso wichtiger ist es, sich verbal zu wehren: „Beschreiben Sie genau, welches Verhalten Sie als belästigend empfinden und fordern Sie den Belästiger auf, dies zu unterlassen. Indem Sie die Tat beim Namen nennen, brechen Sie das Tabu des Schweigens und konfrontieren den Täter direkt mit seiner Tat.“ Zusätzlich können Betroffene dem Belästiger ankündigen, sich zu beschweren, falls er sein Verhalten nicht ändert.

Ein wichtiger Schritt, um sich überhaupt wehren zu können, ist das schriftliche Festhalten des Ereignisses. Denn ohne genaue Beschreibung wird es schwer, sich anderen mitzuteilen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Schwendler: „Machen Sie sich zeitnah und ausführlich Notizen in Form eines Gedächtnisprotokolls. Schreiben Sie dabei genau auf, was wann wo passiert ist und wer was gesagt hat.“

(Veröffentlicht bei GMX, Februar 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Den inneren Schweinehund bekämpfen: So klappt es mit Ihren Vorsätzen!

Sie haben sich für das neue Jahr berufliche Ziele gesetzt? Sie streben eine Beförderung, eine Fortbildung oder einen neuen Job an? Oft bleiben viele Vorsätze für das neue Jahr Wunschträume, weil der innere Schweinehund einfach zu stark ist. Doch niemand ist machtlos seiner eigenen Willensschwäche ausgeliefert. Es gibt Gegenstrategien!

Wie Sie Ihre Vorsätze für das neue Jahr tatsächlich umsetzen.
Wie Sie Ihre Vorsätze für das neue Jahr tatsächlich umsetzen.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Studierende.

Ein klares Ziel

Wünsche haben viele. Damit aber aus einem Wunsch Wirklichkeit wird, muss er konkret sein, sonst bekommt der innere Schweinehund schnell Oberwasser. Es reicht also nicht aus, sich vorzunehmen, im neuen Jahr mehr für seine Karriere zu tun oder besser zu netzwerken. Das Ziel sollte stattdessen klar formuliert sein, zum Beispiel die erfolgreiche Teilnahme an einer karriererelevanten Fortbildung. Und noch etwas gilt es zu beachten: Das Ziel muss realistisch sein. Wenn abzusehen ist, dass Sie aus privaten Gründen nicht in der Lage sind, zusätzliche Zeit in eine Fortbildung zu stecken, ist es besser, diese erst gar nicht anzustreben. Denn jeder unausgefüllte Plan stärkt den inneren Schweinehund und schwächt Sie!

Konkrete Planung

Genauso wichtig wie die Festlegung des Ziels ist die Planung der Einzelschritte. Wer also sein Ziel wirklich umsetzen will, sollte zuvor genau überlegen, wie der Weg dorthin aussehen könnte. So gehören zur Planung einer Fortbildung die Suche nach einem passenden Anbieter und die Klärung der Finanzierung. Am Besten legen Sie nicht nur die Einzelschritte zum Ziel fest, sondern auch den zeitlichen Rahmen. So lässt sich der Fortschritt leicht erkennen.

Sich ein Zwischenzeugnis ausstellen

Je konkreter die Planung, desto klarer erkennen Sie, wie weit ihre Umsetzung schon vorangeschritten ist. Das ist wichtig, um den inneren Schweinehund in Schach zu halten! Denn er macht sich immer dann breit, wenn Unklarheit herrscht. Schlagen Sie ihm also ein Schnippchen, indem Sie sich regelmäßig bewusst werden, wie weit Sie gekommen sind. Am Besten stellen Sie sich im Abstand von ein paar Wochen ein kleines Zwischenzeugnis aus: Was haben Sie bisher erreicht? Wo und warum stockt die Umsetzung? Was ist zu tun, um wieder vorwärts zu kommen?

Hindernisse einkalkulieren

Wer sich etwas Größeres vornimmt, sollte damit rechnen, dass nicht alles reibungslos funktioniert. Krankheiten, unkalkulierbare Probleme im Job oder Unvorhergesehenes im Privatleben machen häufig der besten Planung einen Strich durch die Rechnung. Doch das muss nicht sein. Wer Probleme bewusst wahrnimmt, kann auch gezielt gegensteuern … zum Beispiel mit einem „Plan B“. Denn vielleicht lassen sich zwar die Einzelschritte des Plans umsetzen, aber der zeitliche Rahmen passt nicht mehr. Wichtig ist, dass Sie auch beim „Plan B“ nichts dem Zufall überlassen und nicht planlos handeln. Dann hat Ihr innerer Schweinehund trotz Hindernissen keine Chance!

Gemeinsam geht es besser

Motivation ist bei der Umsetzung von Zielen wichtig. Oft kann gemeinsames Handeln diese Motivation aufrechterhalten oder steigern. Deshalb funktionieren in der Regel Lauf- oder Lerngruppen so gut. Auch Sie können von dieser Erkenntnis profitieren: Suchen Sie sich zum Beispiel einen Lernpartner, der die gleiche Fortbildung besucht wie Sie.

Sich belohnen

Gerade wer an der Umsetzung eines langfristigen Ziels arbeitet, wird immer wieder mal in ein Motivationsloch fallen, zum Beispiel bei einem berufsbegleitenden Studium. In so einem Fall hilft es häufig, sich selbst zu belohnen. Beschenken Sie sich zum Beispiel für die Erreichung eines Teilziels mit einem schönen Abendessen oder einem extra freien Tag!

(Veröffentlicht bei GMX, Januar 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)