Eifersucht im Job: Was hat mein Kollege, was ich nicht habe?

Die neidischen Blicke der Kollegin, die ätzenden Bemerkungen des Büronachbarn … viele der täglichen Konflikte im Beruf haben die gleiche Wurzel: die Eifersucht. Und die wirkt sich im Job genauso zersetzend und zerstörerisch aus wie in der Liebesbeziehung. Die Buchautorin Dr. Katarina Michel zeigt in ihrem neuen Ratgeber zehn Wege aus der Eifersucht in der Partnerschaft. Doch was für das Privatleben gilt, hilft auch im beruflichen Alltag.

Wie Sie im Job der Eifersuchtsfalle entkommen.
Wie Sie im Job der Eifersuchtsfalle entkommen.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

„Im Beruf sind viele Kontakte nicht von Harmonie, sondern von Spannungen geprägt. Hintergrund ist in vielen Fällen das Bedürfnis der Menschen, sich zu vergleichen. So entsteht Konkurrenz und der ständige Wunsch, besser zu sein als der Andere“, erklärt die Seminarleiterin und Buchautorin Katarina Michel.

Gerade das Vergleichen wird im Job aber oft zum Problem: Denn in dem Moment, wo ein Kollege besser arbeitet als jemand, der sich mit ihm vergleicht, entsteht Neid. Und der kann schnell seine destruktive Macht entfalten, ob nun durch „spitze“ Bemerkungen, unprofessionelles Verhalten oder durch Mobbing.

„Wenn Mitarbeiter neidisch werden, mangelt es ihnen oft an Selbstvertrauen“, erklärt Michel. „Sie haben Angst davor, etwas zu verlieren.“ Deshalb beargwöhnen sie ihre Kollegen und analysieren die Entscheidungen ihrer Chefs, um herauszufinden, wer welchen Stand im Unternehmen hat. Sie fragen sich zum Beispiel: Wer bekommt ein anspruchsvolles Projekt, wer nicht? Warum grade die und nicht ich? „Natürlich haben Sie das Recht, enttäuscht zu sein, wenn ein Kollege zum Projektleiter aufsteigt und Ihnen das gleiche versagt bleibt. Es ist aber problematisch, sich als Opfer zu fühlen und bei diesem Gefühl zu verharren.“

Gegen die Eifersucht: Sich selbst in den Blick nehmen

Besser ist es, sich bewusst zu machen, was wirklich wichtig ist. Anstatt auf andere zu schauen, sollten Berufstätige sich selbst in den Blick nehmen: „Was will ich jetzt, in dieser Phase meines Lebens, wirklich für mich erreichen? Wo liegen meine Prioritäten? Wie sehen meine Möglichkeiten aus? Hätte ich das Projekt wirklich besser bewältigen können? Oder bin ich nur neidisch, weil ich den Anderen etwas beweisen wollte?“ Wer sich diese Fragen stellt, entdeckt vielleicht, dass er sich durch seine eifersüchtigen und neidischen Gefühle von seinen eigentlichen Zielen ablenken lässt.

Katarina Michel empfiehlt eifersüchtigen Arbeitnehmern auch, die eigenen Wertvorstellungen zu überprüfen: „Suchen Sie einmal die Stille auf.“ In dieser Situation ist es dann leichter möglich, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. In ruhigen Momenten können Berufstätige erkennen, dass im Zentrum der Eifersucht meistens die Frage steht: „Was hat sie oder er, was ich nicht habe“. Doch diese Frage beschäftigt sich nur mit Anderen und führt weg von den eigenen Werten und Zielen. Michel: „Der vielleicht schwierigste, aber wichtigste Schritt aus der Eifersuchtsfalle ist der Schritt hin zu sich selbst. Erkennen Sie Ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten!“

Das Ziel: Die innere Freiheit!

Um aber seine eigenen Ziele verwirklichen zu können, muss sich der Berufstätige auch seinen Ängsten stellen. Er sollte sich zum Beispiel fragen, warum der berufliche Erfolg seiner Kollegen ihn so schmerzt. Vielleicht rühren die Ängste aus der frühen negativen Erfahrungen. Wer sich diese Frage ehrlich beantwortet, kann an seiner inneren Einstellung arbeiten. „Das Ziel ist eine größere innere Freiheit“, betont Michel. Denn ein Mitarbeiter, der nicht ständig mit neidischen und ängstlichen Blicken auf Kollegen schaut, hat mehr Kraft für seine eigentlichen Aufgaben.

Wer etwa bei der Verteilung eines Projektes leer ausgegangen ist, kann natürlich auf den vermeintlichen Erfolg der Anderen eifersüchtig sein. Er kann aber auch diese Tatsache als Chance sehen, nicht durch ein neues Projekt von der Umksetzung seiner eigenen Ideen ablenken zu lassen.

Literaturtipp:
Katarina Michel: Was hat sie, was ich nicht habe? Zehn Wege aus der Eifersucht, Aquamarin Verlag, Grafing 2014, 186 Seiten, 16,95 Euro, ISBN: 978-3-894427-656-0

(Veröffentlicht bei GMX.de, April 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Arbeiten in der Schweiz: Qualifiziertes Personal gesucht

Wer sich überlegt, als Deutscher in der Schweiz zu arbeiten, fragt sich vielleicht, wie sich das „Ja“ zur Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“ auf seinen Wunsch auswirken wird. Doch noch gibt es keine Änderung der bestehenden Praxis! Bundesbürger können also ohne Einreisebeschränkungen in der Eidgenossenschaft eine Arbeit aufnehmen.

Was Deutsche über die Arbeit in der Schweiz wissen sollten.
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  • Berufserfahrene, Neustarter und Neustarter 40plus.

„In den nächsten drei Jahren wird sich an der momentanen Gesetzeslage wohl kaum etwas ändern“, betont Annegret Zimmermann, Leiterin der Konsularabteilung an der Schweizerischen Botschaft in Berlin. „Das bedeutet: Jeder Bundesbürger kann in der Schweiz einen Job annehmen. Er hat die Möglichkeit, mit einem Arbeitsvertrag einzureisen oder als Tourist ins Land zu kommen und dann innerhalb von 90 Tagen eine Stelle zu suchen.“ Nur wer länger als drei Monate in der Schweiz einer Erwerbstätigkeit nachgehen will, muss sich vor dem Arbeitsbeginn innerhalb von 14 Tagen bei seiner eidgenössischen Wohngemeinde anmelden und eine Aufenthaltsbewilligung beantragen. Unter drei Monaten ist nur eine Anmeldung von Nöten.

Iris Opitz, Geschäftsführerin der „CB Vermittlung & Beratung“ in Cottbus berichtet, dass aber vor der Arbeitsaufnahme ein Gesuch auf Arbeitsbewilligung bei der zuständigen kantonalen Behörde eingereicht werden muss. „Dieses muss vorliegen, bevor Ausländer ihre Stelle in der Schweiz antreten. In vielen Fällen kümmert sich darum der Arbeitgeber.“

Immer wieder fragen bei der Cottbusser Vermittlungsagentur in Deutschland lebende Migranten nach Beschäftigungsmöglichkeit in der Eidgenossenschaft: „Die Freizügigkeit gilt nur für Bürger mit einer Staatsangehörigkeit der EU- und EFTA-Staaten“, erklärt Opitz.

Wie sich die anstehende Gesetzesänderung auf dieses Verfahren auswirkt, kann Zimmermann nicht prognostizieren: „Bis Ende Juni tagt eine Expertenrunde zum Thema. Für Ende des Jahres ist dann mit einer Gesetzesvorlage zu rechnen.“

Weiter Bedarf an ausländischen Mitarbeitern

Doch auch nach der Gesetzesänderung wird es in der Schweiz Bedarf an ausländischen Mitarbeitern geben. „Gerade im Gesundheitswesen ist der Mangel an qualifiziertem Personal sehr hoch. Deshalb gehe ich davon aus, dass Deutsche mit einem Arbeitsvertrag auch weiterhin keine Probleme mit einem Aufenthaltsrecht in der Schweiz haben werden“, betont Conny Heidelberger, betont Conny Heidelberger, Bereichsleiterin für Rekrutierung und Marketing der Careanesth AG, einer Vermittlungsagentur für Jobs im Schweizer Gesundheitswesen mit Sitz in Zürich. „Auch angesichts der Pensionierungswelle, die auf unser Land zukommt, kann ich mir nicht vorstellen, dass bei uns in Zukunft deutsche Arbeitnehmer Schwierigkeiten mit dem Ausländerrecht bekommen.“ Probleme mit Ausländerfeindlichkeit sieht Heidelberger trotz des Referendums nicht: „Die Schweizer sind nicht rassistisch. Das zeigen die Befragungen der von uns vermittelten Deutschen.“

Als Vermittlerin weiß Iris Opitz, dass einige Deutsche nur wenige Wochen oder Monate in die Schweiz gehen, um sich von dem dort verdienten Geld größere Anschaffungen leisten zu können. „Ein Elektriker, der hier nur mitunter 1000 Euro netto im Monat verdient, wird in der Eidgenossenschaft abhängig vom Währungskurs leicht über 3500 Euro kommen.“

Die Vermittlerin, die sich auf Stellenvermittlung in die Schweiz spezialisiert hat, rät allerdings zur Vorsicht: „Bewerber sollten allzu rosigen Versprechungen weit über dem Tariflohn nicht trauen und sich unbedingt vorher den Arbeitsvertrag schicken lassen.“ Und noch ein Tipp: „Anders als in Deutschland gilt in der Schweiz auch die mündliche Kündigung.“ Das sollten Arbeitnehmer wissen, damit sie keine bösen Überraschungen erleben.

Unterschiedliche Steuern

Doch nicht nur die Verdienstmöglichkeiten sind in der Schweiz attraktiv. So gibt es in der Eidgenossenschaft zum Beispiel für Pflegekräfte noch andere Vorteile: „Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzteschaft kollegial und unkompliziert. Wahrscheinlich sind die Schweizer Krankenhäuser weniger hierarchisch organisiert als in Deutschland. Außerdem haben die Pflegekräfte mehr Kompetenzen“, erklärt Heidelberger.

Wer in der Schweiz Geld verdient, unterliegt selbstverständlich der Einkommenssteuergesetzgebung der Eidgenossenschaft. „Jeder der 26 Kantone hat ein eigenes Steuergesetz. Dabei kann die Steuerbelastung sehr unterschiedlich sein“, berichtet Zimmermann. Grundsätzlich haben auch Ausländer die Pflicht, eine jährliche Steuererklärung abzugeben. „Deutsche sollten unbedingt bedenken, dass es bei uns allgemein üblich ist, die Bruttogehälter auszuzahlen und erst später seine Steuerschuld zu begleichen.“ Deshalb ist es für Ausländer ratsam, sich zu informieren, ob diese Besteuerungsart auch auf sie zutrifft. Das kann je nach Aufenthaltsstatus und Einkommenshöhe variieren. „In diesem Fall sollten sie Geld für die Bezahlung der Steuern zurücklegen.“

Grundsätzlich gehört auch Deutschland zu den Ländern, mit denen die Schweiz ein Abkommen geschlossen hat, um Doppelbesteuerung zu vermeiden. Dennoch empfiehlt Zimmermann, sich über die Rechtslage in Deutschland genau zu informieren. Die könne im konkreten Fall unterschiedlich aussehen, zum Beispiel bei einem zweiten Wohnsitz. „In der Eidgenossenschaft berufstätige Deutsche sollten einen Steuerberater haben, der sich mit den steuerlichen Belangen zum Thema Arbeit in der Schweiz auskennt“, betont Opitz.

Auch in Sachen Krankenkasse kennt sich Opitz aus: „Bis zum dritten Monat besteht keine Krankenversicherungspflicht. Erst danach ist eine Krankenabsicherung Pflicht, die der Arbeitnehmer komplett selbst zahlen muss. Sie liegt in der Höhe von etwa 120 bis 200 Euro monatlich und sieht eine Selbstbeteiligung in einer selbst gewünschten Höhe vor, hat aber nicht den gleichen Leistungsumfang wie in Deutschland.“ Opitz rät trotzdem, sich vom ersten Arbeitstag an zu versichern, sich aber bei kürzeren Aufenthalten in der Schweiz auf die Grundversicherung zu beschränken und erst nach längerer Zeit weitere Leistungen hinzuzufügen.

In Sachen Auto und Führerschein müssen deutsche Arbeitnehmer in ihrer allerersten Zeit in der Schweiz nicht aktiv werden: Während der ersten zwölf Monate können sie ohne weiteres die Fahrzeuge lenken, die in ihrem Führerschein aufgeführt sind. Erst nach dieser Frist müssen sie ihren deutschen Führerschein gegen einen schweizerischen eintauschen. Und auch bei Autos gilt: Sind sie länger als ein Jahr in der Eidgenossenschaft, müssen sie mit einem einheimischen Fahrzeugausweis und Nummernschild versehen werden.

(Veröffentlicht bei der Süddeutschen Zeitung, März 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Übergewicht als Problem im Beruf: Pfundige Nachteile

Wer als Jugendlicher mit extremem Übergewicht kämpft, hat meist auch beim Berufseinstieg Probleme. Schließlich erfordern viele Berufe körperliche Fitness. Deshalb reagieren Arbeitgeber oft ablehnend. Doch es gibt keinen Grund für junge Leute mit Gewichtsproblemen, den Kopf in den Sand zu stecken. Das zeigt das Beispiel der 17-jährigen .Jasmin: Eine medizinisch-berufliche Rehabilitationsmaßnahme ermöglicht ihr eine Ausbildung … und inzwischen purzeln auch ihre Kilos.

 Welche Probleme extremes Übergewicht beim Berufseinstieg macht.
Welche Probleme extremes Übergewicht beim Berufseinstieg macht.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Schulabgänger und Eltern.

Im vergangenen Jahr hat sie in Bayern ihre Mittlere Reife gemacht. Aber sie bekam trotz zahlreicher Bewerbungen keinen Ausbildungsplatz. „Immer wieder signalisierten mir Arbeitgeber, dass sie mich nehmen würden, wenn mein Übergewicht nicht wäre.“ So rückte ihr Berufswunsch Hebamme, Krankenschwester oder Hotelfachfrau in weite Ferne. „Auch ein Amtsarzt meinte, dass ich diese Ausbildungen mit meinem Übergewicht nicht schaffen würde.“ Erst beim Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) in Berchtesgaden bekam sie die Chance, eine Ausbildung zur Bürokauffrau zu absolvieren. Gleichzeitig wird sich auch um ihre Gesundheit gekümmert … mit Erfolg. Seit September hat Jasmin 9,5 Kilo abgenommen. Sie wiegt inzwischen keine 90 Kilo mehr und auch ihre Leberwerte haben sich verbessert. Berchtesgaden ist für sie in jeder Hinsicht ein Glücksgriff, schließlich macht ihr auch die Ausbildung „megaviel Spaß“.

Scheitern am Sporttest

Dass Jugendliche mit großem Übergewicht Probleme beim Berufseinstieg haben, weiß auch Petra Kuberg, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd. „Wer zum Beispiel bei der Polizei oder der Feuerwehr eine Ausbildung absolvieren möchte, muss vorher einen Sporttest machen. „Für stark übergewichtige Jugendliche ist der Sporttest oft schwierig. Sie packen den Test häufig aufgrund mangelnder Fitness nicht“, berichtet Kuberg. In den öffentlichen Verwaltungen können sich viele überzählige Kilos ebenfalls negativ auswirken. „Schließlich ist dort eine Untersuchung durch einen Amtsarzt üblich … und der kann bei krankhaftem Übergewicht Bedenken haben.“ Außerdem kann die Körperfülle bei der Verbeamtung zum beruflichen Hindernis werden.

Kuberg kennt das Problem aber auch aus anderen Branchen und Berufen. „Ich hatte zum Beispiel mal den Fall eines Jugendlichen, der eine kaufmännische Ausbildung machen wollte und keine Lehrstelle fand. Erst als er 38 Kilo abgenommen hatte, bekam er eine positive Resonanz.“ Der Grund dafür liegt auf der Hand: Übergewichtigen wird unterstellt, dass sie weniger beweglich und belastbar sind als normalgewichtige Bewerber. „Oft hängt die Bereitschaft, Jugendlichen mit Übergewicht eine Chance zu geben, von der Einstellung der Personalverantwortlichen ab. Sind diese selbst füllig, findet der Berufseinsteiger oft mehr Verständnis.“

Die Berufsberaterin Petra Kuberg kennt das ganze Spektrum von Jugendlichen mit Übergewicht: „Da gibt es solche, die kommunikativ und offen sind. Diese punkten mit ihrer Art und haben meist keine Probleme.“ Andere Jugendliche fühlen sich dagegen in ihrer Haut nicht wohl und strahlen das auch aus. Diese erleben dann meist Ablehnung.

Auch Jasmin musste feststellen, dass ihre Gewichtsprobleme immer größer statt kleiner wurden … obgleich sie verschiedene Therapien durchlaufen hat. „Alles begann bei mir im Alter von neun Jahren. Da fing ich heimlich zu essen an und wurde immer moppeliger. Meine Mutter hat zuerst nichts gemerkt“, berichtet Jasmin offen. Erst im Alter von elf Jahren wurde dann in einer Kinderklinik ihre Essstörung entdeckt. Es folgten verschiedene Therapieversuche. Doch die Ergebnisse waren ernüchternd. So legte Jasmin zum Beispiel im Jahr 2010 bei einer sechsmonatigen stationären Therapie zehn Kilo zu. „In dieser Zeit hatte ich richtige Fressanfälle. Ich habe an einem Tag so viel gegessen wie gesunde Menschen normalerweise in einer Woche.“ Das war für Jasmin und ihre Familie extrem belastend.

Wenn die Berufsberaterin Petra Kuberg erkennt, dass das Übergewicht des Jugendlichen zum beruflichen Stolperstein werden könnte, spricht sie das Problem ganz offen an und sucht gemeinsam mit dem Betroffenen nach Lösungen. „Oft helfen schon äußerliche Veränderungen bei der Kleidung oder der Frisur. Das beeinflusst das Körpergefühl meist positiv und verbessert so die Ausstrahlung.“ Hilft das nicht, bespricht sie mit dem Berufseinsteiger andere Maßnahmen. „Grundsätzlich haben medizinische Rehabilitationsmaßnahmen Vorrang vor der beruflichen Reha. Deshalb schicke ich die Jugendlichen im Zweifelsfall zu einer ärztlichen Untersuchung.“ Ist eine normale Ausbildung aufgrund krankhaften Übergewichts nicht möglich, unterstützt die Arbeitsagentur die Jugendlichen zum Beispiel mit berufsvorbereitenden oder ausbildungsbegleitenden Maßnahmen. Kuberg: „Von uns geförderte Praktika helfen den Jugendlichen zum Beispiel, positive Erfahrungen zu machen und stärken so ihr Selbstbewusstsein.“ Außerdem kann die Arbeitsagentur auch eine Ausbildung finanziell unterstützen.

Zu einer dieser von den Arbeitsagenturen geförderten Maßnahmen gehört auch das Angebot des CJD Berchtesgaden. Dieses Zentrum für medizinisch-schulische und medizinisch-berufliche Rehabilitation betreut und fördert chronisch kranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland. „Wir bieten sowohl vorberufliche Trainingsprogramme als auch Ausbildungsgänge an“, berichtet Sieglinde Pfannebecker, Leiterin der beruflichen Rehabilitation des CJD Berchtesgaden. So können sich junge Leute in handwerklichen, hauswirtschaftlichen und kaufmännischen Berufen orientieren, aber auch reguläre Ausbildungen absolvieren, wie zum Beispiel als Hotelfachleute, Kaufleute oder als Köche. Wenn Jugendliche andere Berufswünsche haben, versucht die Einrichtung, darauf einzugehen: „Wir bemühen uns in Kooperation mit einheimischen Betrieben, Ausbildungsplätze zu organisieren.“

Nur der Sonntag ist sportfrei

Doch das Reha-Zentrum hat nicht nur den beruflichen Erfolg ihrer Schützlinge im Blick, sondern auch die Gesundheit. So betreuen Pädagogen, Ernährungsberater, Sporttherapeuten, Ärzte und Psychologen die Jugendlichen. Eine ausgewogene gesunde Ernährung und viel Bewegung half Jasmin, viele Kilos abzunehmen. „Neben der Arbeit habe ich täglich noch ein zwei- bis dreistündiges Sportprogramm. Dazu gehören Schwimmen und Ballspiele genauso wie Kraft- und Ausdauertraining. Nur sonntags ist sportfrei“, erklärt Jasmin. „Das ist natürlich sehr anstrengend, es macht aber auch viel Spaß.“ Und so purzelten ihre Pfunde ganz automatisch. Das ist nicht nur bei Jasmin so, sondern auch bei den anderen übergewichtigen Jugendlichen aus ihrer Gruppe.

„Damit die Kosten übernommen werden, muss die Arbeitsagentur einen Bedarf feststellen“, erklärt Pfannebecker. Deshalb geht einem Aufenthalt in Berchtesgaden immer eine medizinische Untersuchung voraus. Sie empfiehlt Jugendlichen und ihren Eltern, die Berater bei den Arbeitsagenturen auf Reha-Maßnahmen anzusprechen: „Informieren Sie sich und bringen Sie Ihre Ideen und Vorschläge in die Gespräche bei der Arbeitsagentur mit ein. Werden Sie selbst aktiv und warten Sie nicht einfach darauf, was Ihnen angeboten wird.“

(Veröffentlicht bei der Berliner Zeitung, Februar 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Alltagspsychologie: Durchschauen Sie sich selbst, bevor andere es tun!

Egal ob es um Konflikte, Networking oder den beruflichen Aufstieg geht … im Arbeitsalltag spielt die Psyche eine wichtige Rolle. Schließlich entscheidet sie darüber, nach wessen Pfeife Mitarbeiter tanzen, wen sie sympathisch finden oder für welche Wahlmöglichkeiten sie sich entscheiden. Doch wie funktioniert sie eigentlich konkret? Die Psychologen, Coachs und Buchautoren Dr. Volker Kitz und Dr. Manuel Tusch geben darauf in ihren neuen Ratgeber „Warum uns das Denken nicht in den Kopf will“ verblüffende Antworten, die im Büro und Betrieb hilfreich sind.

Die wichtige Rolle der Psyche im Arbeitsalltag.
Die wichtige Rolle der Psyche im Arbeitsalltag.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

„Wir Menschen kommen uns meist sehr vernünftig vor. Doch oft denken wir falsch und noch öfter gar nicht“, betont Kitz. „Denn unser Gehirn folgt seinen ganz eigenen Regeln, die unsere Entscheidungen beeinflussen.“ Um also im Beruf erfolgreich zu sein, sollten Arbeitnehmer diese Regeln kennen … frei nach dem Motto „Durchschauen Sie sich selbst, bevor andere es tun!“

Sympathien wecken

So entscheiden zum Beispiel Gemeinsamkeiten darüber, ob sich Menschen im Beruf – aber auch privat – sympathisch finden oder nicht. „Wenn der Chef und seine Mitarbeiter beide eine Vorliebe für Käsespätzle haben, zählt das oft mehr als jedes sachliche Argument“, erklärt Kitz. Und noch etwas anderes beeinflusst den Sympathiefaktor: „Je häufiger Sie jemanden sehen, desto sympathischer werden Sie diesem Menschen“, berichtet Kitz. Genau dieses Phänomen können sich Berufstätige zunutze machen und ganz gezielt an ihren Sympathiewerten arbeiten: „Reden Sie auch in Zeiten von E-Mail persönlich mit Ihren Kollegen und gehen Sie gemeinsam mit ihnen essen.“ Auch bei Geschäftspartnern oder Kunden macht es Sinn, sie öfter mal zu treffen, auch wenn es eigentlich nicht notwendig ist.

Kitz und Tusch benennen in ihrem neuen Buch auch andere Strategien, die Menschen helfen, sich bei anderen beliebt zu machen. So stammt zum Beispiel der sogenannte „Benjamin-Franklin-Effekt“ vom gleichnamigen amerikanischen Staatsmann: Er machte sich einen Gegner zum Freund, indem er diesen bat, ihm ein seltenes Buch auszuleihen. Kitz empfiehlt diese Strategie auch für den beruflichen Alltag: „Bitten Sie doch mal Ihre Kollegin, die Sie nicht ausstehen kann, Ihnen einen Kaffee aus der Kantine mitzubringen.“ Und schon wird diese Frau Sie mehr schätzen als zuvor, denn das träge menschliche Gehirn will eine Übereinstimmung zwischen Tun und Denken. Wenn ein Mensch also eine freundliche Handlung für jemanden ausführt, glaubt es, dass dieser Mensch sein Freund ist.

Psychologische Effekte verstehen

Doch nicht nur zum weiten Feld der Sympathie haben Kitz und Tusch interessante psychologische Effekte gesammelt, sondern auch zum Thema Entscheidung. So gibt es zum Beispiel den „Unterlassungsirrtum“. „Wir Menschen empfinden grundsätzlich weniger Verantwortung, wenn wir etwas unterlassen. Weil unser Gehirn faul ist, verallgemeinert es die Tatsache, dass ein Unterlassen in manchen Fällen besser ist als ein Tun“, weiß Kitz. Er rät allerdings, dieser Bequemlichkeit des eigenen Denkens nicht nachzugeben.

Neben ganz einsichtigen psychologischen Effekten können sich Berufstätige aber auch eher kuriose Erkenntnisse zunutze machen, zum Beispiel den „Rhyme-as-Reason-Effekt“: Demnach halten Menschen eine Aussage eher für wahr, wenn sie gereimt ist … und zwar deswegen, weil sie schöner klingt. „Kontern können Sie im Job aber nicht nur mit inhaltsschweren Reimen, sondern auch mit einem Nonsens-Reim“, betont Kitz. „Versuchen Sie doch einmal, einen Dampfplauderer oder Lästerer unter Ihren Kollegen mit einem Satz wie ‚Mit Sonne im Rücken lässt sich gut Kirschen pflücken‘ sprachlos zu machen .“

Literaturtipp:
Volker Kitz, Manuel Tusch: Warum uns das Denken nicht in den Kopf will. Noch mehr nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie, Heyne Verlag, Dezember 2013, 288 Seiten, 8,99 Euro, ISBN: 978-3-453-60291-5

(Veröffentlicht bei GMX.de, Januar 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Karriere-Strategie: Tipps für Führungshasser

Sie sind erfolgreich, weil Sie Ihren Job wirklich beherrschen … und plötzlich werden Sie Führungskraft! Für viele ist diese Vorstellung alles andere als erstrebenswert. Sie ist sogar alarmierend und besorgniserregend. Doch Panik vor dieser Situation braucht niemand zu haben, meint die Amerikanerin Devora Zack. In ihrem aktuellen Ratgeberbuch „Führung für Führungshasser“ gibt sie dazu Tipps. Denn mit der richtigen Strategie werden auch Führungshasser als Chef erfolgreich.

Tipps für Vorgesetzte, die an ihrer Führungsrolle keinen Gefallen haben.
Tipps für Vorgesetzte, die an ihrer Führungsrolle keinen Gefallen haben.

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  • Berufserfahrene.

Vorgesetzte, die ihre Führungsrolle hassen, sind keine Ausnahme. So stellte eine Erhebung unter 150 Führungskräften fest, dass sich nur 43 Prozent von ihnen in ihrer Rolle als Führungskraft wohlfühlen und nur 32 Prozent behaupten, dass sie gern Führungskraft sind. Die Chancen stehen also weniger als 1 zu 3, dass Vorgesetzte an ihrer Rolle Gefallen finden.

Doch wie können Chefs wider Willen trotzdem gute Vorgesetzte werden? Nach Zacks Einsicht ist dies möglich, wenn sie eine wichtige Maxime beachten: Seien Sie so, wie Sie wirklich sind! Was sich so einfach und banal anhört, ist es aber leider im realen Leben nicht. Denn der Weg dorthin bedarf persönlicher Willensanstrengung und Engagements.

Sich selbst auf die Spur kommen

Um zu persönlicher Authentizität zu kommen, müssen sich Führungskräfte selber kennenlernen, betont Zack. Deshalb ist auch eine Bestandsaufnahme in eigener Sache erforderlich. Welche Vorstellungen haben Sie von einem Topmanager? Was ist Ihnen im Umgang mit Mitarbeitern wichtig? Wann sind Sie zufrieden? Mit diesen Fragen kommen sich Vorgesetzte selbst auf die Spur. Doch nicht nur sich selbst sollten Führungskräfte kennen, sondern auch ihre Mitarbeiter. Deshalb ist es auch wichtig, die verschiedenen Persönlichkeitstypen und ihre Handlungsweisen zu durchschauen.

„Wenn Sie das Verhalten Ihrer Mitarbeiter am Arbeitsplatz verstehen, hilft dies Ihnen, Ihren Frust zu reduzieren und erfolgreicher zu agieren“, so Zack. Deshalb empfiehlt die Geschäftsführerin einer Coaching- und Beratungsfirma, sich mit den verschiedenen Eigenschaften von Gefühls- und Verstandesmenschen zu beschäftigen, um sich auf diese unterschiedlichen Mitarbeiter einstellen zu können.

Nehmen Sie nicht alles persönlich!

Gerade gefühlsbasierte Chefs sollten verstehen, dass nicht für jeden Gefühle so wichtig sind wie für sie selbst. Die Verstandesmenschen unter den Vorgesetzten müssen dagegen akzeptieren, dass ein Teil ihrer Mitarbeiter wesentlich gefühlsgesteuerter ist als sie selbst und diese Gefühle nicht einfach nach Belieben abstellen können! Ganz wichtig aber ist: Hören Sie auf, das Verhalten von Mitarbeitern, Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern persönlich zu nehmen!

Seien Sie flexibel!

Das Wissen über sich und andere ist auch die Ausgangsbasis für das eigene Führungsverhalten. Zack rät: Bleiben Sie, wer Sie sind, und flexibilisieren Sie ihren eigenen Führungsstil. Sie brauchen sich also weder zu verbiegen noch in die Rolle eines anderen zu schlüpfen oder jemanden zu imitieren, um erfolgreich zu führen. Sie dürfen das sein, was Sie sind, ob nun ein Gefühlsmensch oder ein Verstandesmensch. Zack empfiehlt ihren Lesern, die Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie sind und sich auf sie einstellen. Ihre Äußerungen und ihren Arbeitsstil sollten Führungskräfte wahrnehmen und daraus Konsequenzen ziehen. Während der eine vielleicht vorsichtige freundliche Ermunterungen braucht, benötigt der andere vielleicht eine klare Sprache.
Und noch einen wichtigen Tipp hat Zack: „Schenken Sie den Menschen um sich herum Beachtung. Nutzen Sie die Chance, mit kleinen Gesten eine große Wirkung zu erzielen.“ So wird ein ausdrückliches Lob für die Sekretärin ihrer Motivation guttun.

 

Literaturtipp:

Devora Zack: Führung für Führungshasser. Starten Sie durch, indem Sie einfach Sie selbst sind, Gabal, Offenbach 2013, 185 Seiten, 24,90 Euro, ISBN: 978-3-86936-516-9

(Veröffentlicht bei GMX.de, Oktober 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Karriere als Pflegekraft: Aufstieg im Gesundheitswesen

Karriere von der Krankenschwester zur Akademikerin mit Führungsposition.

Wie Pflegepersonal den Aufstieg im Gesundheitswesen schafft.
Wie Pflegepersonal den Aufstieg im Gesundheitswesen schafft.

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  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Die 38-jährige gelernte Krankenschwester Marion Kober-Schebesta hat durch Weiterbildung ihrer Karriere einen Kick gegeben. Sie stieg im Stuttgarter Katharinenhospital zur Stationsleitung auf. 2014 beginnt sie noch ein berufsbegleitendes Bachelorstudium im Fach Pflegemanagement. „Gerade die Verbindung zwischen praktischem Können und theoretischem Hintergrundwissen finde ich sehr wichtig“, betont Kober-Schebesta. „Zusätzliches Wissen und die Reflexion darüber waren auch Bestandteil meiner bisherigen Weiterbildungen. Das hat meine Arbeit auf der Station positiv beeinflusst. Deshalb habe ich mich auch für ein Studium entschieden.“ Außerdem macht es ihr Spaß, ihr Handeln wissenschaftlich begründen zu können. Und sie freut sich, ihr Führungswissen, aber auch ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zu vertiefen.

Ihr Interesse am Pflegeberuf entstand, als sie sich ehrenamtlich im Deutschen Jugendrotkreuz engagierte. „Schon früh hatte ich den Wunsch, mein medizinisches Wissen weiterzugeben.“ So machte sie nach ihrer Ausbildung eine Weiterbildungzur Praxisanleiterin. Dort lernte sie, junge Pflegeschüler und neue Mitarbeiter auf der Station einzuarbeiten. In dieser Zeit erkannte Kober-Schebesta auch, dass ihr das Führen anderer Mitarbeiter lag. So übernahm sie auch bald die Schichtleitung und später die Stationsleitung. Gleichzeitig absolvierte sie die entsprechende Weiterbildung. „Das war für mich sehr wichtig, denn dort lernte ich alle wichtigen Inhalte wie etwa Führungs- und Pflegethemen kennen, aber auch das Organisations- und Prozessmanagement.“ Gleichzeitig konnte sie dieses Wissen sofort in die Praxis umsetzen.

Berufsbegleitendes Studium

Elvira Schneider hat wie Marion Kober-Schebesta ebenfalls die Weiterbildung zur Praxisanleiterin und für die Stationsleitung absolviert und dann eine akademische Laufbahn eingeschlagen. Zuerst studierte sie berufsbegleitend Pflegemanagement und schloss das Studium mit dem akademischen Titel Diplom-Pflegewirtin (FH) ab. Danach wechselte die heute 48-Jährige das Betätigungsfeld: „Ich wurde Referentin bei der Pflegedirektorin des Klinikums Stuttgart.“ Drei Jahre danach begann sie ein berufsbegleitendes Masterstudium im Fach Management und Führungskompetenz. Inzwischen hat sie nicht nur dieses Studium erfolgreich abgeschlossen, sondern ist auch zur Pflegerischen Leitung des Zentrums für Innere Medizin aufgestiegen. Damit ist sie jetzt die Vorgesetzte für 550 Pflegekräfte im Klinikum Stuttgart. In der Hierarchie über ihr steht nur noch die Pflegedirektorin.

„Ich wollte nie Dienst nach Vorschrift machen. So habe ich mich für die Mitarbeiterführung interessiert. Doch diese wird einem nicht in die Wiege gelegt, dafür braucht es neben der praktischen Erfahrung auch theoretisches Wissen“, betont Schneider. Während ihres ersten Studiums hatte sie Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten gefunden. Deshalb entschied sie sich für den weiterführenden Masterstudiengang. Außerdem war ihr bewusst, dass einem akademische Ausbildung immer wichtiger wird. „Zwar reicht theoretisch noch eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung, aber eigentlich wird heute ein Bachelorabschluss vorausgesetzt.“

Unterstützung vom Arbeitgeber

Auch für ihre Mitarbeiter hat Schneider den Wert akademischer Weiterbildung erkannt: „Ich bestärke unsere Pflegekräfte, zum Beispiel noch ein Bachelorstudium zu absolvieren. Schließlich geht der Trend in Richtung Bachelorstudium – auch für Mitarbeiter, die als Stationsleitung arbeiten.“ Die Möglichkeiten für Pflegekräfte, sich weiterzuqualifizieren, sind äußerst vielfältig: „Neben der Pflegewissenschaft und dem Pflegemanagement bietet sich zum Beispiel auch die Pflegepädagogik als Studienfach an. Dieses Studium ist insbesondere für Kollegen interessant, die die Nachwuchskräfte ausbilden“, betont Yvonne Veit, Bildungszentrumsleiterin am Klinikum Stuttgart. „Es gibt bei uns zum Beispiel auch Kollegen, die inzwischen einen Master in Erwachsenenbildung haben.“ Das Klinikum Stuttgart unterstützt auch Pflegekräfte weit jenseits des 40. Lebensjahres bei der Weiterbildung: „Unsere Mitarbeiter können ihre Stundenzahl um 20, 30 oder gar 70 Prozent reduzieren“, so Veit.

Auch die Arbeitsvermittlerin Christina Lampropoulou von der Agentur für Arbeit sieht vielfältige Möglichkeiten, sich weiterzuqualifizieren und damit den eigenen Aufstieg zu befördern, zum Beispiel durch eine Weiterbildung zum Fachwirt für Alten-´und Krankenpflege oder zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen. „Diese ein- bis zweijährigen Kurse eröffnen eine große Bandbreite an späteren Einsatzmöglichkeiten wie etwa in Reha-Einrichtungen, Altenheimen oder ambulanten Diensten. In der Regel arbeiten diese Mitarbeiter als Fach- und Führungskräfte auf der mittleren Managementebene.“

Wer weiter aufsteigen will, kommt in vielen Fällen um ein Studium nicht herum. So sieht Angela Schönbrodt, Beraterin für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Stuttgart, ein MBA-Studium als eine Alternative für akademische Pflegekräfte. „Ärzte und Juristen können dieses Studium genauso absolvieren wie Pflegewissenschaftler oder Sozialarbeiter. Gerade der Master of Business Administration lebt von den verschiedenen Zugängen der Studierenden.“ Sie empfiehlt, den Arbeitgeber in die eigenen Fortbildungspläne einzubeziehen. Häufig ist er daran interessiert, gute Fachkräfte an sich zu binden, und unterstützt den Arbeitnehmer entsprechend.

(Veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung, November 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Traumjobs in der Musikbranche: Praxiserfahrung geht vor

„Was mit Musik machen!“… Das ist oft der Berufswunsch von jungen Leuten, die sich ein Leben ohne Konzerte und MP3-Player nicht vorstellen können. Und dazu müssen sie noch nicht einmal selbst auf der Bühne stehen, denn die Musikbranche bietet eine große Vielfalt an Arbeitsfeldern.

Traumjobs in der Musikbranche.
Traumjobs in der Musikbranche.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Schulabgänger und Eltern.

Auch der 21-jährige Stefan Lösch hat sich für die Musikindustrie als Berufsperspektive entschieden. Er arbeitet bei der Booking-Agentur Chimperator Live, die – genauso wie die Platten- und Mutterfirma Chimperator – in Stuttgart zu Hause ist. Vor zwei Jahre machte er nach seinem Abitur ein sechsmonatiges Praktikum bei dem Stuttgarter Independent-Label, das inzwischen so namhafte Künstler wie den Rapper Cro unter Vertrag hat. „Ich hatte das Glück, zu einer Zeit dazuzustoßen, als Chimperator Live wuchs“, berichtet Lösch.

Heute arbeitet Lösch als sogenannter Booker: Er organisiert die Auftritte der Musiker, bearbeitet die Anfragen von Veranstaltern und handelt die Konditionen aus. Außerdem ist er auch Tourmanager. „Ich begleite die Bands bei ihren Touren und sorge dafür, dass alles funktioniert und alle glücklich sind“, erklärt Lösch.
Doch nicht nur Booker ist ein mögliches Berufsbild, auch Produktmanager oder Musikpromotor – also Musikvermarkter – sind Berufe in der Branche. Das Business braucht aber auch A&R-Manager. A&R steht dabei für Artists and Repertoire. „Diese Leute suchen im Auftrag eines Labels nach neuen Künstlern“, erklärt Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie. „Während Musikpromotoren oft Quereinsteiger sind, greift die Branche auch auf Akademiker wie Betriebswirtschaftler oder Hochschulabsolventen mit Marketing-Spezialisierung zurück. Die finden zum Beispiel im Controlling oder Marketing einen Job.“

Grundstimmung positiv

Die Grundstimmung in der Musikbranche bewertet Drücke positiv: „Die Einnahmen aus dem digitalen Geschäft steigen. Sie haben inzwischen einen Anteil von 24,5 Prozent erreicht.“ Allein die Downloadumsätze konnten in den vergangenen Jahren um rund ein Viertel pro Jahr zulegen. Die CD bleibt aber mit einem Marktanteil von rund 68 Prozent weiterhin Rückgrat der deutschen Musikwirtschaft.

Eine regelrechte Ausbildung hat Lösch nicht gemacht: „Natürlich habe ich mir überlegt, ein Studium zu absolvieren, zum Beispiel an der Popakademie Baden-Württemberg. Allerdings ist das mit dem momentanen Wachstum der Firma nicht vereinbar. Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich mir aber gut vorstellen die gesammelte praktische Erfahrung noch mit einem Studium zu kombinieren.

Drücke betont, dass es sehr verschiedene Wege in die Musikbranche gibt: „Die meisten Jobs sind keine klassischen Ausbildungsberufe. Sie setzen auch nicht notwendigerweise ein Studium voraus.“ In der Regel bieten Praktika zum Beispiel bei Plattenfirmen oder Künstler- und Booking-Agenturen einen guten Einstieg. „Praktikanten, die überzeugen, finden häufig auch einen Job.“

Praktische Erfahrung zählt

Besonders wichtig ist praktische Erfahrung. „Wer in die Musikindustrie will, sollte schon vor dem eigentlichen Berufsstart in einer Band spielen oder Veranstaltungen organisieren und natürlich für das Musikbusiness brennen“, erklärt Drücke.

Auch Stefan Lösch hatte vor seinem Praktikum bei Chimperator schon reichlich Erfahrung gesammelt. So rief er bereits als Jugendlicher das KuRT Festival in Reutlingen mit ins Leben. Auch beim Ract! Festival in Tübingen und verschiedenen selbst veranstalteten Konzerten konnte er seine Stressresistenz und planerischen Qualitäten als Organisator unter Beweis stellen.

Sebastian Andrej Schweizer, Mitbegründer von Chimperator, betont ebenfalls den Wert der Erfahrung: „Wer bei uns arbeiten will, der sollte sich schon in der Szene auskennen. Er muss nicht unbedingt einen Studienabschluss vorzeigen können, aber er sollte schon mal Konzerte veranstaltet oder ein Tape veröffentlicht haben. In jedem Fall braucht er Leidenschaft fürs Musikbusiness.“

Voraussetzung: Leidenschaft

Praxiserfahrung und Leidenschaft sind auch Voraussetzungen, um an der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim studieren zu können. „Bei den wenigen Studienplätzen, die wir anbieten können, wollen wir nur Leute aufnehmen, die uns überzeugen können unbedingt in die Branche zu wollen“, betont Prof. Hubert Wandjo, Geschäftsführer der Popakademie. Sie bietet sowohl Bachelor- und Masterstudiengänge in Popmusik als auch Bachelor- und Masterstudiengänge im Fachbereich der Musik- und Kreativwirtschaft an.

So vermittelt der Musikbusiness-Studiengang einerseits Grundlagen der Betriebswirtschaft, andererseits aber auch spezifische Kenntnisse der Musikwirtschaft und der neuesten Trends in der digitalen Welt. Wandjo: „Wer bei uns den musikwirtschaftlichen Studiengang absolviert, bekommt auch einen Einblick in die künstlerische Arbeit.“ Außerdem legt die Popakademie viel Wert auf den praktischen Teil des Studiums. So arbeiten die Studierenden auch an Projekten, die zum Beispiel in Kooperation mit Plattenfirmen entstehen.

Wandjos Meinung nach wird ein akademischer Abschluss in der Branche immer wichtiger: „Bevölkerten die Musikindustrie früher vor allem Quereinsteiger, wird inzwischen immer mehr fundiertes Wissen gebraucht. Denn das Geschäft wird gerade durch die Digitalisierung immer komplexer.“

Sebastian Schweizer ist ein Beispiel dafür, dass die Mischung aus viel Praxis und akademischen Input zum Erfolg führt: Er selbst hat mit Christian Schädle und Steffen Wendelstein 1999 das Label Chimperator gegründet. Nebenbei hat er studiert … zuerst an der Hochschule für Medien in Stuttgart und später an der Popakademie. „Lange Zeit haben nur die Künstler Geld verdient, wir nicht. Unseren Anteil steckten wir gleich wieder in neue Projekte.“ Inzwischen gibt der Erfolg Schweizer Recht: Nicht zuletzt durch Cro ist das Stuttgarter Label auch kommerziell erfolgreich.

(Veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, September 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Arbeitsmarkt Immobilienbranche: Vom Boom profitieren

Immobilienboom in Berlin: Immer mehr Menschen zieht es in die Hauptstadt. Die Mieten stiegen genauso wie die Investitionen. Auch die Anleger haben die Stadt für sich entdeckt. Wer jetzt beruflich in die Immobilienbranchen einsteigt, kann von dieser wirtschaftlichen Entwicklung profitieren.

Karrierechancen in der Immobilienbranche.
Karrierechancen in der Immobilienbranche.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Studierende.

„Der Arbeitsmarkt sieht in der Immobilienwirtschaft sehr gut aus“, erklärt Nils Knochmuß, der als Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer Berlin für Immobilienkaufleute zuständig ist. „In der Hauptstadt wird sehr viel in Immobilien investiert, auch von ausländischen Anlegern. Und alle diese Immobilien müssen gebaut, verkauft und verwaltet werden.“ Außerdem habe die Belegschaft der Immobilienunternehmen ein relativ hohes Alter. Auch aus diesem Grund brauchen sie Nachwuchs.

Sehr gute Berufsaussichten

Hervorragende Berufsperspektiven sieht auch der Berliner Sven R. Johns, langjähriger Geschäftsführer des Immobilienverbandes Deutschland (IVD): „In vielen Ballungsräumen steigen die Haushaltszahlen und damit der Bedarf an neuen Wohnungen. Außerdem haben sich Immobilien inzwischen zu einer gleichberechtigten Anlageform entwickelt. All das macht die Immobilienwirtschaft zu einer Zukunftsbranche.“

Die GSW Immobilien AG gehört zu den Unternehmen, die ihr Personal aufstocken. „2010 hatten wir 286 Mitarbeiter, im Dezember letzten Jahres waren es schon 337“, berichtet Georg Diederichs, Personalleiter der GSW Immobilien AG. „Ich bin zuversichtlich, dass wir weiter wachsen werden und unser Personalbedarf auch in Zukunft steigt.“

Von dem wachsenden Bedarf in der Branche profitieren auch die Auszubildenden. „Die Zahl der auszubildenden Immobilienkaufleute hat in den letzten Jahren sehr angezogen“, so Knochmuß. „Etwa 95 Prozent davon sind Abiturienten.“

Verschiedene Ausbildungsvarianten

Wegen des hohen Bedarfs an Nachwuchskräften in der Branche bietet die IHK Berlin neben der klassischen dreijährigen Ausbildung zusätzlich zwei besondere Ausbildungsvarianten an: „Abbrechern eines betriebswirtschaftlichen Studiums ermöglichen wir eine 18-monatige Ausbildung zum Immobilienkaufmann. Voraussetzung ist aber, dass sie zwei Semester studiert haben.“ Wer einen mittleren Schulabschluss hat, kann innerhalb von vier Jahren sowohl eine Ausbildung absolvieren als auch das Abitur erlangen.

Neben der klassischen Ausbildung gewinnt im Immobiliensektor auch die akademische Bildung immer mehr an Bedeutung. So bildet beispielsweise die GSW aktuell 26 junge Leute aus, die Hälfte als Immobilienkaufleute, die anderen innerhalb des dualen Bachelor-Studiums „Immobilienwirtschaft“. Diese Studierenden arbeiten zeitweise im Unternehmen. Den theoretischen Teil des Studiums absolvieren sie an der Hochschule für Recht und Wirtschaft Berlin. Das Unternehmen setzt auch deshalb auf den akademischen Nachwuchs, weil die Ansprüche an die Mitarbeiter steigen. „Spezialwissen wird bei uns immer wichtiger, zum Beispiel bei der Finanzierung von Immobilien, aber auch beim Portfoliomanagement, das seit unserem Börsengang 2011 an Bedeutung gewinnt“, berichtet Diederichs.

Akademisierung der Immobienbranche

Auch Johns stellt eine starke Akademisierung der Branche fest: „Da sich Immobilien – wie gesagt – inzwischen als gleichberechtigte Anlageform durchgesetzt haben, wird die perfekte Bewirtschaftung einer Immobilie immer wichtiger. Damit steigt auch der Bedarf an Spezialwissen.“ Ein Indiz dafür ist die Zunahme an Studiengängen: „Heute gibt es im Bereich der Immobilienwirtschaft etwa hundert Studiengänge, vor zwanzig Jahren gab es noch keinen einzigen.“

So bietet zum Beispiel die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) ein grundständiges Bachelor-Studium „Immobilienwirtschaft“ an, das sowohl immobilienwirtschaftliche als auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt. „Gerade in dieser Branche reicht es in der Regel nicht mehr aus, allgemeine Betriebswirtschaft zu studieren. Die Akademiker brauchen vertieftes Wissen über Immobilien“, berichtet Nicole Lindstedt-Lilienthal, zuständige Verwaltungsleiterin an der HTW. So steht zum Beispiel die gesamte Wertschöpfungskette einer Immobilie auf dem Lehrplan, die von der Projektentwicklung, Planung und Finanzierung über die Vermarktung bis hin zum Abriss reicht. Weitere Studieninhalte sind etwa Gebäudelehre, Statistik und Rechtsgrundlagen. „Die Nachfrage nach diesem Studiengang ist sehr groß. So liegt der NC bei 1,6. Auf die 40 Studienplätze kamen im vergangen Wintersemester 386 zulassungsfähige Bewerber!“

Angesichts der stetig wachsenden Anforderungen in den Unternehmen empfiehlt Johns auch fertig ausgebildeten Immobilienkaufleuten, sich weiterzuqualifizieren, ob nun durch eine Weiterbildung zum Fachwirt oder durch ein berufsbegleitendes Bachelor- und Master-Studium im Bereich der Immobilienwirtschaft. Das bietet zum Beispiel das Center for Real Estate Studies (CRES) in Freiburg an. „Damit bereiten sie sich optimal auf die Zukunft vor.“

Chance für Quereinsteiger

In der Branche haben auch Quereinsteiger Chancen, wenn sie sich gezielt weiterbilden. Denn als Immobilienmakler ist eine einschlägige Ausbildung nicht Pflicht. Die Firma Rohrer Immobilien GmbH gibt deshalb auch Quereinsteigern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Sie sorgt gleichzeitig auch für ihre Weiterqualifikation. „Wir brauchen Menschen mit sehr guten sozialen Kompetenzen. Sie sollten über Berufserfahrung verfügen und Englisch sprechen. Eine Ausbildung in der Immobilienbranche ist nicht zwingend“, betont Corvin Tolle, geschäftsführender Gesellschafter der auch in Berlin tätigen Firma.

Ein Beispiel für einen gelungenen Quereinstieg ist Susann Siebert, die bei Rohrer Immobilien arbeitet. „Ich habe Geographie mit dem Schwerpunkt Stadtplanung studiert und dann bei einem Großunternehmen in der Bewertung von Immobilien gearbeitet. Heute bin ich bei Rohrer Immobilien für die Akquise und Exposé-Erstellung bei Privatimmobilien und Investments zuständig.“ Als Quereinsteigerin war ihr kaufmännisches Wissen begrenzt. Deshalb absolviert sie zurzeit einen berufsbegleitenden Studiengang zur Immobilienbetriebswirtin und trägt bereits jetzt schon größere Verantwortung.

(Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, April 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Selbstmanagement: So bekämpfen Sie Ihre E-Mailflut

Hunderte von Mails im Posteingang … wer so etwas nach dem Urlaub erlebt, für den endet die Erholung häufig gleich am ersten Arbeitstag. Der Bonner Zeitmanagement-Experte Holger Wöltje weiß Rat, wie es gar nicht erst so schlimm wird.

Wie Sie nach dem Urlaub eine E-Mailflut verhindern.
Wie Sie nach dem Urlaub eine E-Mailflut verhindern.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Am Besten lässt sich die Mailflut steuern, wenn Berufstätige schon vor Beginn ihrer Ferien tätig werden: „Informieren Sie zwei Wochen vorher Ihre Kollegen, ab wann Sie in den Urlaub gehen. Schreiben Sie in dieser Zeit auch in Ihre Mails an Kunden und Geschäftspartner, bis wann Sie erreichbar sind“, empfiehlt Wöltje. Denn dann können sich die Ansprechpartner auf Ihre Abwesenheit einstellen. So lassen sich wichtige Fragen noch vor dem Urlaub klären.

In jedem Fall sollten Sie einen Autoresponder einrichten, der darüber informiert, wann Sie wieder zurück sind, ob die Mail bearbeitet wird und ob es in dringenden Fällen einen alternativen Ansprechpartner gibt. Wöltje: „Weisen Sie bei längeren Ferienzeiten den Adressaten darauf hin, dass diese Abwesenheitsnotiz nur einmal pro Person verschickt wird.“ Oft vergessen das die Angeschriebenen und wundern sich, dass sie auf eine weitere Mail zwei Wochen später keine Antwort bekommen.

Einfach löschen: Vorsicht!

Im Urlaub gibt es dann ganz unterschiedliche Methoden, mit der Mailflut umzugehen: „Sie können Ihre Mails in den Ferien einfach liegen lassen und erst bearbeiten, sobald Sie wieder zurück sind. In Ausnahmenfällen wirkt die radikale Methode Wunder: Automatisch jede während Ihres Urlaubs eintreffende Mail löschen. Das ist natürlich ein Risiko“, weiß Wöltje. „Wichtig ist, dass Sie in Ihrem Autoresponder klar auf die Löschung der Mails hinweisen und eine Formulierung finden, die den Adressaten nicht vor den Kopf stößt.“ Wöltjes Erfahrung nach können nur etwa drei Prozent der Arbeitnehmer diese Methode praktizieren – haben dann aber nach ihrer Rückkehr keine einzige neue Mail abzuarbeiten.

Eine andere angenehme Methode, sich seiner Mails zu entledigen, ist die Weiterleitung oder direkte Umleitung an einen Kollegen, der Sie vertritt. Sie können auch Ihren Posteingang für den Kollegen freigeben. Denn so kann er besser unterscheiden, welche Mail an ihn und welche an Sie gerichtet ist.

Das Mail-Checken im Urlaub beschränken

Natürlich haben Arbeitnehmer auch die Möglichkeit, ihre Mails im Urlaub per Smartphone abzurufen. Wöltje empfiehlt allerdings, die Zeit dafür radikal zu beschränken: „Schauen Sie nur einmal am Tag für zehn Minuten in Ihre Mails und entscheiden Sie schnell, welche Sie löschen, in Ordner verschieben oder kurz beantworten wollen. Achten Sie aber darauf, dass Sie trotzdem abschalten und sich erholen können, sonst lassen Sie den Mailabruf im Urlaub lieber sein.“ Der Vorteil dieser Methode: Die Mailflut nach dem Urlaub wird deutlich reduziert! Wer allerdings in seinem Autoresponder ankündigt, er werde seine Mails nicht lesen und dann doch antwortet, wirkt unglaubwürdig.

Doch auch wer seine Mails nicht in den Ferien abgerufen hat, schafft sich mit dem richtigen System schnell wieder Übersicht im Posteingang. „Zuerst sollten Sie dafür sorgen, dass Ihr Posteingang noch vor dem Urlaub leer ist“, rät Wöltje. Nach den Ferien helfen beim Sortieren zwei Methoden: Entweder gehen Sie chronologisch vor, wobei Sie die neuesten Mails als erste bearbeiten oder Sie sortieren nach Absendern. „Nach Absendern zu sortieren, hilft Ihnen, schnell den Großteil der Mails mit hoher Priorität zu finden: Post von Ihrer Chefin und den wichtigsten Kunden hat Vorrang!“

Internettipp:

Wenn Sie mit Microsoft Outlook arbeiten, finden Sie viele detaillierte Tipps zum besseren Umgang mit E-Mail, Aufgaben und Terminen in einem Videokurs von Holger Wöltje, für den Sie sich kostenfrei anmelden können: www.zeit-im-griff.de/msol-videos

(Veröffentlicht bei GMX.de, August 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Autismus und Beruf: Denken in Bildern

Autisten sind generell kreative Denker und Perfektionisten, sie verfügen über Ausdauer und Genauigkeit … alles Eigenschaften, die in der Berufswelt dringend gebraucht werden. Trotzdem sind viele von ihnen arbeitslos. Denn in der Regel haben sie Schwierigkeiten in der Kommunikation. Doch inzwischen erkennen immer mehr Firmen wie etwa SAP das berufliche Potenzial dieser Menschen.

Perspektiven für Menschen mit Autismus.
Perspektiven für Menschen mit Autismus.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Eltern.

Marko Riegel ist zum Beispiel Softwaretester bei der Berliner Firma Auticon. Er ist fest angestellt, bezieht ein festes Gehalt und hat einen geregelten Tagesablauf. Doch das war nicht immer so: Der 36-jährige erlebte ein für Autisten typischen Werdegang mit Studienabbrüchen, ABM-Maßnahmen und Hartz-IV-Bezug. „Nebenbei habe ich semiprofessionell als DJ, Musikproduzent, Webseitengestalter und Partyveranstalter gearbeitet“, berichtet Riegel. Doch er musste auch erleben, wie sein Autismus ihm immer wieder beruflich im Weg stand: „Ich habe Probleme mit dem Selbstmanagement und der Organisation. Außerdem versinke ich in Details und verzettele mich schnell.“ Auch das soziale Miteinander machte ihm zu schaffen: Intrigen und Ränkespiele überforderten ihn und es mangelte ihm an Durchsetzungsvermögen.

Problem: Soziale Integration

„Autisten tun sich schwer mit der sozialen Interaktion“, berichtet Dr. Isabel Dziobek von der Autismus-Forschungs-Kooperation. Sie ist Emotionsforscherin am Exzellenzcluster Languages of Emotion der Freien Universität Berlin. „Sie verstehen die Emotionen anderer Menschen oft falsch. Das führt meist zu Missverständnissen und Problemen im Joballtag. So werden sie häufig fälschlicherweise als antisozial wahrgenommen.“

Außerdem leiden viele Menschen im Autismus-Spektrum an einer sogenannten exekutiven Dysfunktion: „Es fällt ihnen schwer, zu planen und mit Unvorhergesehenem flexibel umzugehen“, erklärt Dziobek. Auch das schränke oft ihre Beschäftigungsfähigkeit ein.
Und noch eine Besonderheit haben Autisten: Sie sind oft hypersensibel gegenüber optischen Reizen wie Neonlicht oder akustischen Signalen wie Telefonklingeln. „Ist es zum Beispiel zu laut, behindert das ihre Arbeit extrem, auch wenn sie normal intelligent sind und einen Hochschulabschluss haben.“

Unterstützung vom Jobcoach

Riegels Arbeitgeber Auticon berücksichtigt diese autismusspezifischen Probleme. Er wird wie alle anderen bei Auticon beschäftigten Autisten von Jobcoachs unterstützt. „Diese vermitteln zwischen den autistischen Softwaretestern und den Kunden, für die sie tätig werden und klären diese über den Autismus auf“, erklärt Tilman Höffken von Auticon. Außerdem kommt das Unternehmen den autistischen Bedürfnissen nach wenig optischen und akustischen Reizen entgegen. „Bei uns gibt es am Arbeitsplatz keine Telefone, dafür aber einen Ruheraum“, so Höffken.

Inzwischen ist das Geschäftsmodell von Auticon so erfolgreich, dass die Firma sowohl für den Standort Berlin als auch für Düsseldorf und München weitere Softwaretester sucht. Dabei stellt sich die Firma auf ihre speziellen Bewerber ein: „Wir wissen, dass Autisten häufig keinen lückenlosen Lebenslauf haben, sondern dass Studienabbrüche und Hartz-IV-Phasen dazugehören. Was Bewerber allerdings mitbringen müssen, sind Programmierkenntnisse“, so Höffken.

Der Softwarekonzern SAP will ab kommendem Herbst ebenfalls Menschen mit Autismus als Softwaretester, Programmierer und Spezialisten für Datenqualitätssicherung einstellen. Dabei arbeitet das Unternehmen mit der dänischen Firma Specialisterne zusammen, die SAP bei der Besetzung der Arbeitsplätze mit Autisten unterstützt. „Specialisterne hat sich weltweit damit einen Namen gemacht, Autisten auf technologieorientierte Arbeitsplätze zu vermitteln“, erklärt Anka Wittenberg, bei SAP für Vielfalt und Integration zuständig. „Dabei fungiert Specialisterne als Leiharbeitsfirma, die ganz normale Arbeitsverträge mit einer angemessenen Entlohnung abschließt.“

Ziel von SAP sei es, bis 2020 etwa ein Prozent der Unternehmensarbeitsplätze mit Menschen zu besetzen, die vom Autismus betroffen sind. Das ist zugleich der Anteil, den Autisten an der Gesamtbevölkerung haben. „Dabei geht es uns aber nicht um die Erfüllung einer Quote, sondern um einen nachhaltigen Prozess“, so Wittenberg.

Erfolgreiches Pilotprojekt bei SAP

Der aktuellen Initiative von SAP ging ein erfolgreiches Pilotprojekt in Indien voraus: Acht Mitarbeiter mit Autismus arbeiten dort in Zusammenarbeit mit Specialisterne als Softwaretester.

Auch die eingetragene Genossenschaft autWorker hat das Ziel, Autisten in die Arbeitswelt zu integrieren. Sie berät sowohl potenzielle Arbeitgeber als auch arbeitssuchende Betroffene und versucht, sie in eine geeignete Beschäftigung zu vermitteln. Marco Antons von autWorker: „Auch wenn Autisten gute Noten haben und es ins Vorstellungsgespräch schaffen, scheitern sie dort meist. Denn oft gewinnen die Firmen von ihnen einen falschen Eindruck und nehmen sie als unfreundlich oder desinteressiert wahr.“

Ein weiteres Problem sieht Antons darin, dass viele Autisten sich ihrer Stärken und Fähigkeiten gar nicht bewusst seien. Deshalb bietet autWorker regelmäßig Workshops für Autisten an, um ihren individuellen Stärken auf die Spur zu kommen. Dabei stehen die Hobbys und Spezialinteressen der Teilnehmer im Fokus, aber auch die Fähigkeiten, die viele von ihnen gemeinsam auszeichnen. „Autisten sind zum Beispiel besonders kreativ in Finden von Lösungswegen. Sie denken oft in Bildern“, erklärt Antons. Außerdem gehören Pünktlichkeit, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit zu ihren hervorstechenden Eigenschaften, All das seien Fähigkeiten, die in der Arbeitswelt gebraucht würden.

Die regelmäßig in Hamburg stattfindenden Workshops verbessern aber auch die Kommunikationsfähigkeit der Teilnehmer: „Bei uns lernen Autisten, die oft jahrelang zu Hause hockten, wieder neue Leute kennen. Auf einmal beginnen sie zu kommunizieren. Das ist eine tolle Erfahrung.“

Autismus: Zahlen und Fakten

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich bei der Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung im Gehirn auswirkt. Etwa ein Prozent der Gesamtbevölkerung sind Autisten, wobei verschiedene Schweregrade vorliegen können. Deshalb spricht die Wissenschaft auch vom Autimusspektrum. Unterschieden wird zwischen dem frühkindlichem Autismus (Kanner-Syndrom) und dem Asperger-Syndrom, das häufig erst nach dem dritten Lebensjahr sichtbar wird. Nach einer noch unveröffentlichten Umfrage der Arbeitsgruppe von Dziobek verfügen 33 Prozent der hochfunktionalen Autisten – also der normal intelligenten Autisten – über einen Hochschulabschluss. Dennoch sind etwa 60 Prozent der befragten hochfunktionalen Autisten arbeitslos. Nach Erkenntnissen der gleichen Umfrage liegen die Spezialinteressen von Autisten zu 34 Prozent im Bereich der Human- und Sozialwissenschaften und zu 28 Prozent im kreativen Bereich. Lediglich 24 Prozent der befragten haben ihr Spezialinteresse in der Informatik und den Ingenieurwissenschaften.

Die Autismus-Forschungs-Kooperation ist ein Zusammenschluss von autistischen Menschen und Wissenschaftlern der Freien Universität Berlin. Infos: www.autismus-forschungs-kooperation.de

Aspies e.V. ist eine Selbsthilfeorganisation von und für Menschen im Autismusspektrum: www.aspies.de

Auticon: auticon.de

autWorker: www.autworker.de

(Veröffentlicht bei der Berliner Zeitung und dem Kölner Stadt-Anzeiger, Juni/Juli 2013)

(Copyright 2013 by Anja Schreiber)<img

Bewerbung: Das steht in Stellenanzeigen wirklich drin

Stellenanzeigen beeindrucken: Oft scheinen nur die allerbesten Kandidaten überhaupt eine Chance zu haben. Doch Bewerbungscoach Eva Hönnecke aus Berlin weiß, dass nicht jede der genannten Anforderungen vollständig erfüllt werden muss. So haben auch qualifizierte Jobsuchende, die nicht absolut dem Ideal entsprechen, gute Aussichten!

Wie Jobsuchende Stellenanzeigen lesen sollten.
Wie Jobsuchende Stellenanzeigen lesen sollten.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Studierende.

„In allen Stellenanzeigen finden sich Muss- und Kann-Anforderungen“, berichtet Hönnecke. Während ein Bewerber die Muss-Kriterien auf jeden Fall mitbringen sollte, sind die Kann-Kriterien optional. Hinter Formulierungen wie „Wir setzen voraus“, „Sie bringen mit“ oder „Wir erwarten“ stehen fast ausschließlich K.O.-Kriterien. „Wenn für eine Personalabteilung zum Beispiel ausdrücklich ein Psychologe gesucht wird, macht es keinen Sinn, sich als Betriebswirtschaftler zu bewerben.“ Ein Bewerber sollte also die Ausbildung mitbringen, die in der Ausschreibung verlangt wird.

In der Regel sind alle Anforderungen nach absteigender Wichtigkeit sortiert, das gilt für Muss-und Kann-Kriterien. Spezielle Softwarekenntnisse, die erst an vierter oder fünfter Stelle im Anzeigentext stehen, sind also weniger entscheidend als die zuerst genannte Berufsausbildung.

70 Prozent aller Anforderungen sollten Sie erfüllen!

„Grundsätzlich sollten Sie mindestens 70 Prozent aller Kriterien erfüllen, wenn Sie ins Vorstellungsgespräch kommen wollen. Darunter sollten natürlich die erstgenannten sein“, betont Hönnecke. Hundertprozentig muss das Profil aber nicht übereinstimmen. „Bedenken Sie, dass es manchmal den idealen Bewerber auf dem Arbeitsmarkt gar nicht gibt.“

Ein Jobsuchender hat also gute Chancen, wenn er lediglich die eine oder andere Kann-Anforderungen nicht erfüllt. Diese lassen sich in den Stellenanzeigen durch einleitende Floskeln wie etwa „Idealerweise verfügen Sie über“ erkennen. Allein die Erfüllung der Kann-Anforderungen reicht übrigens nicht für eine erfolgreiche Bewerbung aus.

Lassen Sie sich nicht abschrecken!

„Fehlende oder nicht ausreichende Fremdsprachen sind oft kein K.O.-Kriterium. Denn in der Regel lassen sich solche Kenntnisse relativ schnell nachholen“, betont Hönnecke. Natürlich gibt es auch Arbeitsplätze, bei denen die Fremdsprachenkompetenz absolut notwendig ist. In diesen Fällen sind die Sprachanforderungen ein Muss-Kriterium.

Bei den Software-Kennntnissen gilt Ähnliches. „Wenn Sie ein bestimmtes Programm nicht oder weniger gut als gefordert beherrschen, sollten Sie trotzdem den Mut haben, sich zu bewerben. Denn auch so etwas lernt sich in der Regel relativ schnell.“

Spielraum gibt es auch bei Softskills wie Flexibilität, Team- und Kommunikationsfähigkeit. „Auch wenn ein Bewerber seine Sozialkompetenzen zum Beispiel durch Projekte und Engagement nachweisen sollte, sind sie nicht exakt messbar“, so Hönnecke. Trotzdem ist es wichtig, die eigenen Fähigkeiten realistisch einzuschätzen. Denn wenn zum Beispiel Belastbarkeit erwartet wird, kann ein
Jobsuchender in der Tat davon ausgehen, dass die Arbeitsbelastung hoch ist.

„Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihre Qualifikationen ausreichen, aber großes Interesse an der ausgeschriebenen Stelle haben, sollten Sie unbedingt die Firma kontaktieren. In vielen Anzeigen finden Sie schließlich Ansprechpartner und Telefonnummern“, betont Hönnecke. So lässt sich per Telefon klären, ob eine Bewerbung Sinn macht oder nicht.

„Lassen Sie sich auch von vorgegebenen Bewerbungsfristen nicht abschrecken, sondern fragen Sie lieber nach, ob Sie Ihre Unterlagen auch noch später einreichen können.“ Grundsätzlich haben Bewerber nach der Veröffentlichung einer Anzeige zwei bis drei Wochen Zeit. „Es macht aber oft auch nach vier Wochen noch Sinn, sich auf Stelle zu bewerben.“

(Veröffentlicht bei GMX.de, Juni 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Bewerbung: Gute Form macht Eindruck

Kreativ oder einfach nur ignorant? Diese Frage stellt sich Personalern bei vielen Bewerbungen. Denn oft entsprechen die Unterlagen nicht der sogenannten DIN 5008-Norm. Diese legt die Schreib- und Gestaltungsregeln für Textverarbeitung verbindlich fest. Zwar sind Bewerber nicht verpflichtet, sich an diese Norm zu halten. Aber sie machen einen schlechten Eindruck, wenn sie augenscheinlich nicht wissen, welche Normen im Büro- und Verwaltungsbereich gelten.

Wie Sie mit Ihren Bewerbungsunterlagen einen guten Eindruck machen.
Wie Sie mit Ihren Bewerbungsunterlagen einen guten Eindruck machen.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Eltern.

Der Berliner Businesscoach Karsten Noack bringt es auf den Punkt: „Niemand muss sich in allen Details an die DIN-Norm halten, aber eine Bewerbung sollte in jedem Fall professionell aussehen. Deshalb macht es auch Sinn, sich an der Norm zu orientieren.“ Er sieht auch noch einen weiteren guten Grund für die Norm-Einhaltung: „Die Bewerber zeigen damit soziale Kompetenz. Denn nach DIN-Norm gestalteten Unterlagen sind gut lesbar. Und darauf kommt es schließlich an.“ Sein Tipp: Wer sich mit der Gestaltung von Geschäftsbriefen nicht auskennt, sollte sich mit den aktuellen Regeln vertraut machen.

Sich an aktuelle Bewerbungsregeln halten

„Bedenken Sie, dass es der Personalabteilung in der ersten Bewerbungsphase darum geht, Bewerbungen auszusortieren“, betont Frank Wolf, Berater für Bewerbungsunterlagen beim Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader. „Wer sich an keine der aktuellen Regeln hält, macht einen unglücklichen Eindruck und hat geringe Chancen … es sei denn, er ist ein absoluter Experte.“

Bestes Beispiel ist die Betreffzeile: Nach aktueller DIN-Regel hat sie die Form einer stichwortartigen Inhaltsangabe. Sie wird nicht unterstrichen und endet ohne Punkt. Das Wort „Betreff“ selbst wird aber nicht mehr geschrieben. „Wer immer noch den Begriff ‚Betreff‘ verwendet, zeigt, dass er nicht auf dem Laufenden ist“, so Wolf. Die zwei Zeilen unter dem Betreff bleiben übrigens frei.

Vorsicht Details!

Wolf weiß aus seiner täglichen Arbeit, dass es gerade die „blöden Details“ sind, die Jobsuchenden zum Fallstrick werden können. Ein Beispiel dafür ist die Telefonnummer: „Klammer oder Schrägstrich sind inzwischen total out. Auch viele Leerzeichen zwischen Ziffern gehören der Vergangenheit an.“ Telefonnummern werden also nicht mehr gegliedert. Lediglich zwischen der Ortsvorwahl und der Rufnummer wird ein Leerzeichen gesetzt. Nach aktueller Norm werden inländische Nummern beispielsweise so: „030 123456“ und internationale Nummern so: „+49 30 123456“ geschrieben.

Auch beim Datum gibt es Änderungen: „Es ist nicht mehr üblich, zwischen Ort und Datum das Wort ‚den‘ zu setzen“, berichtet Wolf. Auch beim Empfänger wird zwischen Straße und Ort keine Leerzeile mehr eingefügt. „Das sind nur Details.“ Aber Wolf ist sich sicher: „Es ist wichtig, auf dem aktuellen Stand zu sein … gerade, wenn sich Jobsuchende in großen internationalen Unternehmen bewerben.“ Denn wenn jemand alte Standards benutzt, legt dies die Vermutung nahe, dass er alte Unterlagen recycelt und mit so einer nachlässig erstellten Bewerbung kaum ein geeigneter Kandidat ist.

Aktuelle DIN-Normen kennen

Viele der aktuellen DIN-Normen sind aber auch einfach praktisch. Denn sie gliedern den Text übersichtlich und erleichtern die Lektüre: So wird zum Beispiel die Anrede mit einer Leerzeile vom folgenden Text abgesetzt. Der Text selbst wird mit einzeiligem Zeilenabstand geschrieben und durch Leerzeilen gegliedert. Der Gruß ist linksbündig und wird auch durch eine Leerzeile vom Text getrennt. Noack rät, von Leerzeilen häufig Gebrauch zu machen und damit den Text in mehrere Abschnitte zu untergliedern. „So entstehen weiße leere Flächen. Das macht das Anschreiben ansprechend. Außerdem sagen viele Studien, dass Flattersatz beim Leser besser ankommt als Blocksatz.“

Und noch eine Norm hilft dem Leser: „Begriffe oder Sätze sollten auf keinen Fall gefettet, kursiv oder unterstrichen werden“, so Noack. Auch die Verwendung verschiedener Schriften ist ein No-Go.

Ein weiterer Fehler schleicht sich oft beim Lebenslauf ein: „Statt konsequent Tabulatoren zu verwenden, nutzen viele Bewerber häufig Leerzeichen. Dann wirkt das Ganze aber wenig konsistent, weil bestimmte Angaben immer leicht verschoben sind“, erklärt Noack. Gerade solche Kleinigkeiten fallen Personalern auf!

Wer sich so viel Mühe mit der korrekten Form gemacht hat, muss noch eine Klippe umschiffen: „Jobsuchende, die ihre Unterlagen per Email verschicken, sollten das unbedingt in Form einer PDF-Datei tun. Denn wer ein Word-Dokument versendet, muss damit rechnen, dass die Computereinstellungen des Empfängers das Layout ‚falsch‘ wiedergeben“, betont Noack. Eine Umwandlung in eine PDF-Datei verhindert das. Denn diese kommt wirklich so an, wie sie den heimischen Computer verlassen hat!

(Veröffentlicht bei der Frankfurter Rundschau, Dezember 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)