Beziehungsstress: Unglücklich verliebt im Job!

Liebe ist wunderschön. Es sei denn, sie wird nicht erwidert. Besonders schwierig ist es, wenn der unglücklich Verliebte jeden Tag mit dem Objekt seiner Wünsche und Träume zusammenarbeiten muss. Auch wenn das Konfliktpotential groß ist, weiß die Berliner Kommunikationstrainerin und Benimm-Expertin Nandine Meyden, wie sich Betroffene am Besten verhalten.

So lassen sich Beziehungsprobleme im Job managen.
So lassen sich Beziehungsprobleme im Job managen.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

„Das Problem ist, dass ein Mitarbeiter über Jahre hinweg mit seinen Kollegen zusammenarbeiten muss“, betont Meyden. Eine Beschäftigte kann also dem Kollegen, der ihre Gefühle so gar nicht teilt, nicht aus dem Weg gehen. Immer wieder wird sie auf ihn treffen, ob in der Teeküche, beim Meeting oder auf dem Flur. Deshalb empfiehlt die Kommunikationstrainerin eine Emotionskontrolle, mit der sich Liebeskummer schon im Vorfeld verhindern lässt.

„Bevor Sie Ihrem Kollegen oder Ihrer Büronachbarin die eigenen Gefühle offenbaren, sollten Sie sich vorstellen, welche Konsequenzen das haben könnte. Überlegen Sie, wie es sich anfühlen wird, wenn Sie der Kollegin, die Sie abgewiesen hat, jeden Tag gegenübersitzen“, erklärt Meyden. Mit Hilfe dieses Gedankenexperimentes sind viele Arbeitnehmer vielleicht nicht mehr so schnell bereit, das Risiko einer Beziehung am Arbeitsplatz einzugehen.

Auf die Signale des Anderen achten

Meydens Tipp: „Egal, ob Sie im Privatleben eher der offensive Flirttyp sind oder nicht … im Beruf sollten Sie es auf jeden Fall langsamer angehen lassen.“ Es ist also am Arbeitsplatz die beste Strategie, nicht gleich dem Anderen eindeutige Signale zu senden. Besser ist es, das Objekt der Zuneigung zu beobachten, um sich sicher zu werden, ob die Gefühle auf Gegenseitigkeit beruhen könnten.

Nicht immer schützt diese Strategie. Denn Sympathie zwischen Menschen kann sich ändern und Fehleinschätzungen in der Liebe passieren nun mal. Kommt es also zum Show-Down, bei dem die gegensätzlichen Interessen zu Tage treten, ist noch lange nichts verloren, wenn beide Personen bereit sind, professionell mit dieser Tatsache umzugehen. „Am Besten sprechen Sie offen die berufliche Situation an und äußern den Wunsch, weiterhin kollegial und wertschätzend miteinander umzugehen“, betont Meyden.

Bitte nicht im Büro ausweinen!

Auch wenn die eigenen Gefühle bei einer Abfuhr tief verletzt sein können, ist es sinnvoll, dies nicht im betrieblichen Alltag zu thematisieren. „Reißen Sie sich im Büro zusammen, waschen Sie – wenn nötig – Gesicht und Hände und arbeiten Sie dann weiter. Über Ihre Gefühlen reden Sie am besten erst nach Dienstschluss. Bei einer Freundin können Sie sich dann hemmungslos ausweinen.“

Wem der Umgang mit der schwierigen Situation im Büro zu schaffen macht, dem helfen zwei Fragen: Wie werde ich mich in einem Jahr fühlen? Werde ich immer noch so unter der Situation leiden oder die Geschichte schon fast vergessen haben? Die Antwort darauf zeigt, dass die vermeintlichen Katastrophen von heute meist die Fußnoten von morgen sind.

„Da die allermeisten Männer kein Bedürfnis haben, über Beziehungen zu sprechen, muss sich der abgelehnte weibliche Part auch keine Sorgen machen, dass sein erfolgloser Versuch in der Firma die Runde macht“, so Meyden. Sollte es doch einmal passieren, dass ein Beteiligter die unglückliche Liebesgeschichte weitertratscht, ist auch hier das offene und sachliche Ansprechen der einzig richtige Weg.
Meyden: „Wahren Sie dabei immer die Form, schildern Sie Ihre Sicht und beschreiben Sie Ihre Gefühle. Zeigen Sie aber auch auf, welche negativen Konsequenzen dieses Verhalten im Betrieb nach sich ziehen könnte.“ Und noch ein Tipp: Lassen Sie auch den Anderen zu Wort kommen und versuchen Sie, eine Einigung zu finden. Denn je wertschätzender die Kollegen miteinander umgehen, desto leichter wird es ihnen fallen, wieder miteinander zu arbeiten.

Mehr zum Thema unter: http://blog.anjaschreiber.de/grosse-gefuehle-liebe-im-job

(Veröffentlicht bei GMX.de, August 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Wiedereinstieg in den Beruf: In Kontakt bleiben

Beruf und Privatleben vereinbaren: Das wollen Frauen und Männer, die nach einer Familienpause wieder in den Job einsteigen. Diesen Wunsch unterstützen auch immer mehr Arbeitgeber. Denn schließlich sind die Rückkehrenden in der Regel gut qualifiziert und ein Gewinn für die Unternehmen. Damit der Wiedereinstieg auch wirklich gelingt, ist aber eine richtige Kommunikation zwischen den Beschäftigten und dem Unternehmen notwendig.

So gelingt der Wiedereinstieg nach der Familienpause.gelingt.
So gelingt der Wiedereinstieg nach der Familienpause.

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  • Berufserfahrene und Neustarter.

„Im Idealfall sollten Frauen und Männer, die in Elternzeit gehen, schon vorher mit ihrem Arbeitgeber Gespräche über die Rückkehr führen“, erklärt Patrizia Worbs, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Arbeitsagentur Stuttgart. „Denn oft ist das schon planbar. Wenn eine Frau zum Beispiel nur ein Jahr pausiert, ist es vielleicht möglich, ihren Arbeitsplatz freizuhalten. Bei einer dreijährigen Elternzeit ist das schon viel schwieriger.“

Egal, ob jemand nach einem oder nach drei Jahren wieder einsteigen möchte: Wichtig ist es, mit dem Arbeitgeber in Kontakt zu bleiben. Dazu bieten sich eine ganze Fülle von Möglichkeiten an. So haben viele Firmen Kontakthalteprogramme ins Leben gerufen. Auch wenn sie dazu nicht verpflichtet sind, sollten Frauen und Männer in Elternzeit an ihnen teilnehmen. „Besuchen Sie Betriebs- und Weihnachtsfeste, nehmen Sie an Ausflügen teil“, betont Worbs. „Suchen Sie aber auch darüber hinaus den persönlichen Kontakt zu Ihren Kollegen und Vorgesetzten. Denn so erfahren Sie, was in der Firma passiert und bleiben im Gedächtnis.“ Auch die Teilnahme an Weiterbildungen in der Elternzeit ist eine gute Gelegenheit, den Anschluss zu behalten.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf als Anliegen

Der 48-jährigen Michaela Sowoidnich ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ein besonderes Anliegen. Denn die Hausdirektorin der Pflegeeinrichtung Robert-Breuning-Stift in Besigheim ist selbst Mutter von drei Kindern. „Ich musste nach der Elternzeit den Arbeitgeber wechseln, weil sich die vorgegebenen Arbeitszeiten und die Betreuung meiner Kinder nicht vereinbaren ließen.“ So begann Sowoidnich bei der Evangelischen Heimstiftung. Dort ließ sich beides miteinander verbinden. Sie stieg sogar noch auf: Die Pflegekraft wurde erst Qualitätsbeauftragte, später nahm sie an einem Traineeprogramm teil und arbeitet nun als Führungskraft. „Als mein Mann 2003 tödlich verunglückte, hatte ich eine Vorgesetzte, die mir flexible Arbeitszeiten ermöglichte, damit die Betreuung meiner damals noch kleinen Kinder gewährleistet war .“

Als Führungskraft ermutigt Sowoidnich Mütter in der Elternzeit, mit ihrem Arbeitsplatz Kontakt zu halten. So unterstützt sie Mitarbeiterinnen beim stundenweisen Wiedereinstieg. „Wir bieten zum Beispiel sogenannte ‚Mamaschichten‘ an: Mütter müssen dann erst um 8 Uhr kommen und können bereits um 13 Uhr wieder gehen.“ Auch abendliche Kurzschichten zwischen 17 und 20.30 Uhr sind möglich. „Ich habe bei einem anderen Arbeitgeber erlebt, dass man mir sagte: ‚Entweder Sie arbeiten 100 Prozent oder gar nicht.‘ Das kommt bei uns nicht vor“, betont Sowoidnich. So versucht die Hausdirektorin auch, wiedereingestiegene Führungskräfte nach Möglichkeit zu entlasten, indem etwa die jungen Mütter mit einer weiteren Mitarbeiterin ein Führungstandem bilden und sich beide die Aufgaben teilen. „Das kann natürlich nur funktionieren, wenn das Team harmoniert.“

Flexibilität ist aber nicht nur vom Arbeitgeber gefordert, sondern auch von den Rückkehrenden. Worbs rät gerade den Eltern, die in Teilzeit arbeiten wollen, sich gut auf die Gespräche über den Wiedereinstieg vorzubereiten: „Überlegen Sie genau, wie flexibel Sie selbst seien können. Kann Sie jemand in Ihrer Umgebung bei der Kinderbetreuung unterstützen?“ Wer das weiß, kann bei der Planung der künftigen Arbeitszeit viel besser mit seinem Betrieb ins Gespräch kommen und so das Beste für sich und die Firma erreichen. Am Ende kommt es auf das Verhandlungsgeschick der Wiedereinsteigerin und die Flexibilität beider Seiten an. „Vielleicht ist eine Wiedereinsteigerin bereit, auch Termine am späteren Nachmittag wahrzunehmen, wenn sie frühzeitig davon erfährt.“

Gespräche vor der Elternzeit

Die Möglichkeiten, wie Arbeitgeber die Rückkehr in die Berufstätigkeit erleichtern, sind vielfältig. Die Landeshauptstadt Stuttgart bietet zum Beispiel nicht nur Gespräche vor der Elternzeit, einen
Betriebskindergarten und zahlreiche Informationen an, sondern auch eine Qualifizierungsplanung vor dem Wiedereinstieg. „Gerade wenn Mütter nach der Geburt eine längere Auszeit genommen haben, ist das Thema Qualifizierung wichtig. Deshalb beraten wir die Rückkehrerinnen und vereinbaren mit ihnen einen individuellen Fahrplan für notwendige Qualifizierungsmaßnahmen“, betont Claudia Wurst vom Haupt-
und Personalamt der Landeshauptstadt Stuttgart.

Teilzeitmodelle

„Durch diese Fortbildungen können sich die Wiedereinsteigerinnen nicht nur inhaltlich auf die neuen Aufgaben vorbereiten, sondern auch schon mal testen, wie der Spagat zwischen Beruf und Familie funktionieren kann. Gerade für Frauen, die viele Jahre nicht berufstätig waren, ist das sehr hilfreich“, so Wurst. Auch in Sachen Teilzeitwünschen kommt die Stadt ihren Mitarbeiterinnen sehr entgegen: „Es gibt praktisch kein Teilzeitmodell, das es bei uns nicht gibt.“

Die 30-jährige Alena Keck stieg nach ihrer Elternzeit wieder bei der Daimler AG ein. Nach ihrem Studium der Internationalen BWL fing sie bei dem Konzern als Trainee an. Inzwischen arbeitet sie als Sachbearbeiterin im Bereich der internationalen Vertriebsstrategie für Gebrauchtwagen. Sie ist rundum zufrieden mit dem Programm, dass ihr Arbeitgeber für Rückkehrende aufgelegt hat: „Gefallen haben mir zum Beispiel die Infoveranstaltungen zum Thema Elternzeit. Denn dort wird sehr kompakt und in einer einfachen Form über alle Gesetze und Deadlines unterrichtet“, betont Keck. Das Unternehmen ist bestrebt, dass seine Mitarbeiter gut informiert in die Elternzeit gehen: „Wir bieten untern anderem auch ein Infopaket mit Checklisten rund um das Thema Schwangerschaft und Rückkehr in den Beruf“, so Angela Lechner, Personalverantwortliche für Beruf und Familie bei Daimler.

Kontaktehalteprogramme und Betriebskitas

In der Familienpause selbst besteht zwischen dem Unternehmen und den Pausierenden Kontakt, ob nun durch Betriebsfeste, den festen Ansprechpartner im Unternehmen oder durch Dialog- und Informationstreffen. Auch mit der zuständigen Führungskraft bleiben die Mitarbeiter in Elternzeit in Kontakt, so dass die Rückkehr für beide Seiten gut planbar ist. Lechner: „Da wir mit den ‚Sternchen‘ eigene Betriebskindertagesstätten haben, fangen immer mehr Frauen bei uns wieder Vollzeit an.“ Unterschiedlichste Teilzeitlösungen sind in dem Unternehmen ebenfalls eine Selbstverständlichkeit. So arbeitet Keck zum Beispiel an fünf Tagen in der Regel bis 15 Uhr.

Von einem Angebot für Rückkehrende ist Alena Keck besonders begeistert: „Ich habe an einem Wiedereinstiegscoaching teilgenommen. Der intensive Austausch in der kleinen Gruppe über die eigenen Ziele und Wünsche war für mich sehr wichtig und hilfreich.“

(Veröffentlicht bei der Stuttgarter Zeitung, Mai 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Frauen als Führungskraft: Nachhaltige Personalplanung wichtig

Frauen in Führungspositionen … sie sind noch immer eine Minderheit. Doch es gibt sie auf allen Führungsebenen. Und das Bewusstsein steigt, dass es sinnvoll und notwendig ist.

So steht es um die Aufstiegschancen von Frauen im Beruf.
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  • Berufseinsteigerinnen, Berufserfahrene und Studierende.

Im Jahre 2012 lag der Frauenanteil bei den obersten Führungskräften in der Privatwirtschaft bei 26 Prozent, so aktuelle Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Auf der zweiten Führungsebene betrug ihr Anteil 38 Prozent. „Die Zahlen sind auf den ersten Blick ernüchternd“, betont IAB-Forscherin Dr. Susanne Kohaut. „Denn der Frauenanteil auf der höchsten Führungsebene ist gegenüber 2008 nur um einen Prozentpunkt gestiegen. Und immer noch werden kleine Unternehmen wie Friseurbetriebe häufiger von Frauen geführt als große“, berichtet Kohaut. Doch die Wissenschaftlerin erkennt auch Zeichen der Veränderung: „Bei der Talentauswahl achten Firmen inzwischen verstärkt auf Frauen. Hintergrund ist sicher auch die öffentliche Diskussion um die Frauenquote, aber auch der demographische Wandel und der damit verbundene Fachkräftebedarf, der eine interne Förderung nötig macht.“

Frauen brauchen Vorbilder

So bemüht sich zum Beispiel die Allianz Gruppe vermehrt um einen höheren Frauenanteil: „Bereits im Jahr 2008 haben wir uns entschieden, bis 2015 beim weltweiten Talentpool für Führungskräfte einen Frauenanteil von 30 Prozent zu erreichen“, betont Veronica Schilling, Diversity-Managerin der Allianz Gruppe. Beim Pool der Bereichsleiter und der obersten Führungsebene wird die Allianz ihr Ziel vorraussichtlich in einem Jahr umgesetzt haben. Beim Talentpool für das mittlere Management ist der Versicherungskonzern schon einen Schritt weiter: das Ziel ist seit 2012 erreicht. Schon jetzt sitzen im zwölfköpfigen Aufsichtsrat der Allianz Holding vier Frauen. „Das ist wichtig, damit Frauen Vorbilder haben.“

Um das Potential an weiblichen Führungskräften auszuschöpfen, hat die Allianz das „Sponsorship for Diverse Leadership program“ ins Leben gerufen: „Dabei kümmern sich Top-Manager zwei Jahre lang persönlich und individuell um das Fortkommen der talentiertesten Frauen unseres Unternehmens. Gemeinsam bereiten sie den nächsten konkreten Karriereschritt vor“, erklärt Schilling.


Frauen gewinnen

Auch jenseits des Topmanagements wirbt die Allianz Gruppe auf allen Ebenen um weibliche Führungskräfte. „In unseren Personalentwickungsgesprächen versuchen wir Frauen zu gewinnen, die bisher über eine Führungsposition noch nicht nachgedacht haben“, so Schilling. Sie sieht die Allianz auf einem guten Weg. „Doch noch immer gibt es das unbewusste Vorurteil, dass sich Frauen weniger als Führungskräfte eignen. Diese Denkmuster versuchen wir durch gezielte Trainings zu überwinden.“

Die Bergader Privatkäserei aus Waging hat auf der höchsten Leitungsebene bereits einen Frauenanteil von 30 Prozent. Denn unter den drei Geschäftsführern ist eine Frau. „Außerdem haben wir eine Finanzchefin. 60 Prozent aller Bezirksleiter im Bereich Vertrieb sind weiblich“, betont Georg Lampersperger, Personalleiter der Privatkäserei. „Gerade die kommunikativen Fähigkeiten von Frauen sind im Vertrieb gefragt, wie zum Beispiel empathisch auf das Gegenüber zu reagieren. Deshalb setzen sie sich als Führungskräfte auch durch.“

Langfristige Personalplanung

Eine spezielle Frauenförderung gibt es bei dem mittelständischen Unternehmen Bergader nicht, wohl aber kommt die nachhaltige Personalentwicklung auch Frauen zugute. „Wir haben eine sehr geringe Fluktuation. Deshalb können wir uns sehr langfristig um die Nachfolge von Führungskräften kümmern“, berichtet Lampersperger. Dabei setzt das Unternehmen insbesondere auf die interne Weiterentwicklung von Frauen und Männern, die im Betrieb ausgebildet wurden. „Wir überlegen uns ganz genau, wer zu welcher Führungsposition passen könnte. So werden wir auch auf Frauen aufmerksam und bestärken diese.“ Das Unternehmen legt einen konkreten Entwicklungsplan fest, zu dem Einzelcoaching, Persönlichkeitsentwicklung sowie die Vermittlung von Führungs- und Organisationswissen gehört. Die persönliche Situation der künftigen Führungskraft mit ihren familiären Anforderungen wird dabei genauso berücksichtigt wie die Work-Life-Balance.

Im Vergleich zur Privatwirtschaft liegt der Frauenanteil auf der ersten Führungsebene im öffentlichen Sektor mit 38 Prozent zwar höher als in der Privatwirtschaft. Doch Kohaut betont: „60 Prozent der Beschäftigten sind weiblich. Daran gemessen sind auch hier die Frauen genauso unterrepräsentiert wie in der Privatwirtschaft.“

Die Landeshauptstadt München liegt mit einem Frauenanteil von 47,5 Prozent bei den Führungskräften ganz weit vorn: „Wir haben Hauptabteilungsleiterinnen, aber auch eine Branddirektorin, also eine Frau an der Spitze in einer traditionellen Männerdomäne“, erklärt Dr. Thomas Böhle, Personal- und Organisationsreferent der Stadt München. Die Landeshauptstadt bietet nicht nur spezielle Führungsfortbildungen für Frauen an, sondern auch Teilzeitregelungen für Führungskräfte. „19 Prozent aller Führungskräfte arbeiten bei uns Teilzeit, davon sind fast 80 Prozent Frauen“, erklärt Böhle. „Einer Frau in einer Führungsposition halten wir in der Elternzeit drei Jahre lang ihre Stelle frei.“ Damit will die Landeshauptstadt einem Karriereknick ihrer weiblichen Führungskräfte in der Familienphase entgegenwirken.

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(Veröffentlicht bei der Süddeutschen Zeitung, Mai 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Frau arbeitet, Mann nicht: „Sprengsatz unterm Küchentisch“

Was passiert, wenn die Frau das Geld verdient und der Mann arbeitslos ist? Längst ist das keine exotische Ausnahmeerscheinung mehr. Bei jedem zehnten Paar in Deutschland ernährt inzwischen die Frau die Familie. Damit ist auch ein neues Beziehungszeitalter angebrochen. Die Kölner Journalistin Ingrid Müller-Münch hat recherchiert, wie heutige Paare mit dieser neuen Situation umgehen und darüber ein Buch mit dem vielsagenden Titel „Sprengsatz unterm Küchentisch“ geschrieben.

 Wenn die Frau das Geld verdient und der Mann arbeitslos ist.
Wenn die Frau das Geld verdient und der Mann arbeitslos ist.

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  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Wenn der Mann seine Arbeit verliert und die Frau das Geld verdient, dann geraten viele alte Rollenverständnisse ins Wanken. „Das Problem ist oft, dass beide Partner nach wie vor traditionelle Bilder im Kopf haben, nämlich den Mann als Ernährer und die Frau, die allenfalls etwas dazuverdient“, betont Müller-Münch.

Alte Vorstellungen, neue Rollen

Als Sprengsatz entpuppt sich die Situation gerade für jene Paare, in denen sich die Männer nicht für den Beruf des Hausmannes entschieden haben. In diesem Fall müssen sich beide neu sortieren und eine neue Rolle finden. „Der Mann muss es aushalten, dass er sich als Loser fühlt. Oft geht mit dem Verlust des Arbeitsplatzes auch die Selbstachtung verloren und er fragt sich, ob er für seine Partnerin überhaupt noch erotisch ist.“ Solche Männer empfinden die Hausarbeit nicht als gleichwertige Beschäftigung, sondern als Degradierung.

Und auch die Frauen müssen ihre Vorstellungen, die sie bisher von einer idealen Partnerschaft hatten, überdenken. Müller-Münch: „Viele Frauen fühlen sich durch einen beruflich erfolgreichen Mann aufgewertet.“ Wenn das wegfällt, verliert der Mann zwangsläufig an Attraktivität … es sei denn, im Denken der Frau ändert sich etwas Entscheidendes.

Doch der Druck auf die Partner entsteht nicht nur in ihren eigenen Köpfen, er wird für beide auch durch Familie und Freunde aufgebaut. Das hat Müller-Münch in vielen Interviews immer wieder feststellen müssen: „Wenn der Mann arbeitslos ist, fragen ständig Leute aus der Umgebung, ob er schon wieder einen Job hat.“ Das macht die Situation für beide Partner zusätzlich schwierig. Denn während eine Frau zu Hause bleiben darf – auch wenn sie keine Kinder zu versorgen hat -, wird das bei einem Mann in der Regel nicht gesellschaftlich akzeptiert.

Immer noch männlich!

„Doch angesichts der Tatsache, dass inzwischen mehr Mädchen als Jungen studieren, wird sich unsere Gesellschaft auf dieses neue Beziehungsmodell einstellen müssen“, betont Müller-Münch. Aber Männer und Frauen müssen an sich arbeiten und sich vom Getuschel ihrer sozialen Umgebung unabhängig machen. „Die Frauen sollten lernen, ihren Männern keine Vorwürfe zu machen und akzeptieren, dass ihre Männer im Haushalt vielleicht anders arbeiten als sie selbst.“ Und auch den Männern kann ein Rollenwechsel gelingen, wenn sie einerseits ihre Frauen unterstützen, aber auch andere Betätigungsfelder jenseits des Erwerbslebens finden. „Ihnen sollte klar werden, dass sie mit einem Staubtuch in der Hand weder Männlichkeit noch Sex-Appeal verlieren.“

Schon heute funktioniert dieses Beziehungsmodell, erklärt Müller-Münch. So ist es in Künstler- und Intellektuellenkreisen durchaus akzeptiert, wenn die Frau den Lebensunterhalt verdient und der Mann als Bildhauer mal wenig Aufträge hat oder als Schriftsteller an einem Buch schreibt. Doch was für diese Kreise schon zur Normalität gehört, ist für viele Industriearbeiter noch ein großes Problem. „Ein gesellschaftliches Umdenken ist deshalb dringend notwendig.“

Literaturtipp:

Ingrid Müller-Münch: Sprengsatz unterm Küchentisch. Wenn die Frau das Geld verdient, Klett-Cotta, Stuttgart 2013, 304 Seiten, 19,95 Euro, ISBN: 978-3-608-94595-9

(Veröffentlicht bei GMX.de, Mai 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Eifersucht im Job: Was hat mein Kollege, was ich nicht habe?

Die neidischen Blicke der Kollegin, die ätzenden Bemerkungen des Büronachbarn … viele der täglichen Konflikte im Beruf haben die gleiche Wurzel: die Eifersucht. Und die wirkt sich im Job genauso zersetzend und zerstörerisch aus wie in der Liebesbeziehung. Die Buchautorin Dr. Katarina Michel zeigt in ihrem neuen Ratgeber zehn Wege aus der Eifersucht in der Partnerschaft. Doch was für das Privatleben gilt, hilft auch im beruflichen Alltag.

Wie Sie im Job der Eifersuchtsfalle entkommen.
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  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

„Im Beruf sind viele Kontakte nicht von Harmonie, sondern von Spannungen geprägt. Hintergrund ist in vielen Fällen das Bedürfnis der Menschen, sich zu vergleichen. So entsteht Konkurrenz und der ständige Wunsch, besser zu sein als der Andere“, erklärt die Seminarleiterin und Buchautorin Katarina Michel.

Gerade das Vergleichen wird im Job aber oft zum Problem: Denn in dem Moment, wo ein Kollege besser arbeitet als jemand, der sich mit ihm vergleicht, entsteht Neid. Und der kann schnell seine destruktive Macht entfalten, ob nun durch „spitze“ Bemerkungen, unprofessionelles Verhalten oder durch Mobbing.

„Wenn Mitarbeiter neidisch werden, mangelt es ihnen oft an Selbstvertrauen“, erklärt Michel. „Sie haben Angst davor, etwas zu verlieren.“ Deshalb beargwöhnen sie ihre Kollegen und analysieren die Entscheidungen ihrer Chefs, um herauszufinden, wer welchen Stand im Unternehmen hat. Sie fragen sich zum Beispiel: Wer bekommt ein anspruchsvolles Projekt, wer nicht? Warum grade die und nicht ich? „Natürlich haben Sie das Recht, enttäuscht zu sein, wenn ein Kollege zum Projektleiter aufsteigt und Ihnen das gleiche versagt bleibt. Es ist aber problematisch, sich als Opfer zu fühlen und bei diesem Gefühl zu verharren.“

Gegen die Eifersucht: Sich selbst in den Blick nehmen

Besser ist es, sich bewusst zu machen, was wirklich wichtig ist. Anstatt auf andere zu schauen, sollten Berufstätige sich selbst in den Blick nehmen: „Was will ich jetzt, in dieser Phase meines Lebens, wirklich für mich erreichen? Wo liegen meine Prioritäten? Wie sehen meine Möglichkeiten aus? Hätte ich das Projekt wirklich besser bewältigen können? Oder bin ich nur neidisch, weil ich den Anderen etwas beweisen wollte?“ Wer sich diese Fragen stellt, entdeckt vielleicht, dass er sich durch seine eifersüchtigen und neidischen Gefühle von seinen eigentlichen Zielen ablenken lässt.

Katarina Michel empfiehlt eifersüchtigen Arbeitnehmern auch, die eigenen Wertvorstellungen zu überprüfen: „Suchen Sie einmal die Stille auf.“ In dieser Situation ist es dann leichter möglich, sein eigenes Verhalten zu hinterfragen. In ruhigen Momenten können Berufstätige erkennen, dass im Zentrum der Eifersucht meistens die Frage steht: „Was hat sie oder er, was ich nicht habe“. Doch diese Frage beschäftigt sich nur mit Anderen und führt weg von den eigenen Werten und Zielen. Michel: „Der vielleicht schwierigste, aber wichtigste Schritt aus der Eifersuchtsfalle ist der Schritt hin zu sich selbst. Erkennen Sie Ihre eigenen Stärken und Fähigkeiten!“

Das Ziel: Die innere Freiheit!

Um aber seine eigenen Ziele verwirklichen zu können, muss sich der Berufstätige auch seinen Ängsten stellen. Er sollte sich zum Beispiel fragen, warum der berufliche Erfolg seiner Kollegen ihn so schmerzt. Vielleicht rühren die Ängste aus der frühen negativen Erfahrungen. Wer sich diese Frage ehrlich beantwortet, kann an seiner inneren Einstellung arbeiten. „Das Ziel ist eine größere innere Freiheit“, betont Michel. Denn ein Mitarbeiter, der nicht ständig mit neidischen und ängstlichen Blicken auf Kollegen schaut, hat mehr Kraft für seine eigentlichen Aufgaben.

Wer etwa bei der Verteilung eines Projektes leer ausgegangen ist, kann natürlich auf den vermeintlichen Erfolg der Anderen eifersüchtig sein. Er kann aber auch diese Tatsache als Chance sehen, nicht durch ein neues Projekt von der Umksetzung seiner eigenen Ideen ablenken zu lassen.

Literaturtipp:
Katarina Michel: Was hat sie, was ich nicht habe? Zehn Wege aus der Eifersucht, Aquamarin Verlag, Grafing 2014, 186 Seiten, 16,95 Euro, ISBN: 978-3-894427-656-0

(Veröffentlicht bei GMX.de, April 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Arbeiten in der Schweiz: Qualifiziertes Personal gesucht

Wer sich überlegt, als Deutscher in der Schweiz zu arbeiten, fragt sich vielleicht, wie sich das „Ja“ zur Volksinitiative „Gegen Masseneinwanderung“ auf seinen Wunsch auswirken wird. Doch noch gibt es keine Änderung der bestehenden Praxis! Bundesbürger können also ohne Einreisebeschränkungen in der Eidgenossenschaft eine Arbeit aufnehmen.

Was Deutsche über die Arbeit in der Schweiz wissen sollten.
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  • Berufserfahrene, Neustarter und Neustarter 40plus.

„In den nächsten drei Jahren wird sich an der momentanen Gesetzeslage wohl kaum etwas ändern“, betont Annegret Zimmermann, Leiterin der Konsularabteilung an der Schweizerischen Botschaft in Berlin. „Das bedeutet: Jeder Bundesbürger kann in der Schweiz einen Job annehmen. Er hat die Möglichkeit, mit einem Arbeitsvertrag einzureisen oder als Tourist ins Land zu kommen und dann innerhalb von 90 Tagen eine Stelle zu suchen.“ Nur wer länger als drei Monate in der Schweiz einer Erwerbstätigkeit nachgehen will, muss sich vor dem Arbeitsbeginn innerhalb von 14 Tagen bei seiner eidgenössischen Wohngemeinde anmelden und eine Aufenthaltsbewilligung beantragen. Unter drei Monaten ist nur eine Anmeldung von Nöten.

Iris Opitz, Geschäftsführerin der „CB Vermittlung & Beratung“ in Cottbus berichtet, dass aber vor der Arbeitsaufnahme ein Gesuch auf Arbeitsbewilligung bei der zuständigen kantonalen Behörde eingereicht werden muss. „Dieses muss vorliegen, bevor Ausländer ihre Stelle in der Schweiz antreten. In vielen Fällen kümmert sich darum der Arbeitgeber.“

Immer wieder fragen bei der Cottbusser Vermittlungsagentur in Deutschland lebende Migranten nach Beschäftigungsmöglichkeit in der Eidgenossenschaft: „Die Freizügigkeit gilt nur für Bürger mit einer Staatsangehörigkeit der EU- und EFTA-Staaten“, erklärt Opitz.

Wie sich die anstehende Gesetzesänderung auf dieses Verfahren auswirkt, kann Zimmermann nicht prognostizieren: „Bis Ende Juni tagt eine Expertenrunde zum Thema. Für Ende des Jahres ist dann mit einer Gesetzesvorlage zu rechnen.“

Weiter Bedarf an ausländischen Mitarbeitern

Doch auch nach der Gesetzesänderung wird es in der Schweiz Bedarf an ausländischen Mitarbeitern geben. „Gerade im Gesundheitswesen ist der Mangel an qualifiziertem Personal sehr hoch. Deshalb gehe ich davon aus, dass Deutsche mit einem Arbeitsvertrag auch weiterhin keine Probleme mit einem Aufenthaltsrecht in der Schweiz haben werden“, betont Conny Heidelberger, betont Conny Heidelberger, Bereichsleiterin für Rekrutierung und Marketing der Careanesth AG, einer Vermittlungsagentur für Jobs im Schweizer Gesundheitswesen mit Sitz in Zürich. „Auch angesichts der Pensionierungswelle, die auf unser Land zukommt, kann ich mir nicht vorstellen, dass bei uns in Zukunft deutsche Arbeitnehmer Schwierigkeiten mit dem Ausländerrecht bekommen.“ Probleme mit Ausländerfeindlichkeit sieht Heidelberger trotz des Referendums nicht: „Die Schweizer sind nicht rassistisch. Das zeigen die Befragungen der von uns vermittelten Deutschen.“

Als Vermittlerin weiß Iris Opitz, dass einige Deutsche nur wenige Wochen oder Monate in die Schweiz gehen, um sich von dem dort verdienten Geld größere Anschaffungen leisten zu können. „Ein Elektriker, der hier nur mitunter 1000 Euro netto im Monat verdient, wird in der Eidgenossenschaft abhängig vom Währungskurs leicht über 3500 Euro kommen.“

Die Vermittlerin, die sich auf Stellenvermittlung in die Schweiz spezialisiert hat, rät allerdings zur Vorsicht: „Bewerber sollten allzu rosigen Versprechungen weit über dem Tariflohn nicht trauen und sich unbedingt vorher den Arbeitsvertrag schicken lassen.“ Und noch ein Tipp: „Anders als in Deutschland gilt in der Schweiz auch die mündliche Kündigung.“ Das sollten Arbeitnehmer wissen, damit sie keine bösen Überraschungen erleben.

Unterschiedliche Steuern

Doch nicht nur die Verdienstmöglichkeiten sind in der Schweiz attraktiv. So gibt es in der Eidgenossenschaft zum Beispiel für Pflegekräfte noch andere Vorteile: „Grundsätzlich ist die Zusammenarbeit zwischen Pflege und Ärzteschaft kollegial und unkompliziert. Wahrscheinlich sind die Schweizer Krankenhäuser weniger hierarchisch organisiert als in Deutschland. Außerdem haben die Pflegekräfte mehr Kompetenzen“, erklärt Heidelberger.

Wer in der Schweiz Geld verdient, unterliegt selbstverständlich der Einkommenssteuergesetzgebung der Eidgenossenschaft. „Jeder der 26 Kantone hat ein eigenes Steuergesetz. Dabei kann die Steuerbelastung sehr unterschiedlich sein“, berichtet Zimmermann. Grundsätzlich haben auch Ausländer die Pflicht, eine jährliche Steuererklärung abzugeben. „Deutsche sollten unbedingt bedenken, dass es bei uns allgemein üblich ist, die Bruttogehälter auszuzahlen und erst später seine Steuerschuld zu begleichen.“ Deshalb ist es für Ausländer ratsam, sich zu informieren, ob diese Besteuerungsart auch auf sie zutrifft. Das kann je nach Aufenthaltsstatus und Einkommenshöhe variieren. „In diesem Fall sollten sie Geld für die Bezahlung der Steuern zurücklegen.“

Grundsätzlich gehört auch Deutschland zu den Ländern, mit denen die Schweiz ein Abkommen geschlossen hat, um Doppelbesteuerung zu vermeiden. Dennoch empfiehlt Zimmermann, sich über die Rechtslage in Deutschland genau zu informieren. Die könne im konkreten Fall unterschiedlich aussehen, zum Beispiel bei einem zweiten Wohnsitz. „In der Eidgenossenschaft berufstätige Deutsche sollten einen Steuerberater haben, der sich mit den steuerlichen Belangen zum Thema Arbeit in der Schweiz auskennt“, betont Opitz.

Auch in Sachen Krankenkasse kennt sich Opitz aus: „Bis zum dritten Monat besteht keine Krankenversicherungspflicht. Erst danach ist eine Krankenabsicherung Pflicht, die der Arbeitnehmer komplett selbst zahlen muss. Sie liegt in der Höhe von etwa 120 bis 200 Euro monatlich und sieht eine Selbstbeteiligung in einer selbst gewünschten Höhe vor, hat aber nicht den gleichen Leistungsumfang wie in Deutschland.“ Opitz rät trotzdem, sich vom ersten Arbeitstag an zu versichern, sich aber bei kürzeren Aufenthalten in der Schweiz auf die Grundversicherung zu beschränken und erst nach längerer Zeit weitere Leistungen hinzuzufügen.

In Sachen Auto und Führerschein müssen deutsche Arbeitnehmer in ihrer allerersten Zeit in der Schweiz nicht aktiv werden: Während der ersten zwölf Monate können sie ohne weiteres die Fahrzeuge lenken, die in ihrem Führerschein aufgeführt sind. Erst nach dieser Frist müssen sie ihren deutschen Führerschein gegen einen schweizerischen eintauschen. Und auch bei Autos gilt: Sind sie länger als ein Jahr in der Eidgenossenschaft, müssen sie mit einem einheimischen Fahrzeugausweis und Nummernschild versehen werden.

(Veröffentlicht bei der Süddeutschen Zeitung, März 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Übergewicht als Problem im Beruf: Pfundige Nachteile

Wer als Jugendlicher mit extremem Übergewicht kämpft, hat meist auch beim Berufseinstieg Probleme. Schließlich erfordern viele Berufe körperliche Fitness. Deshalb reagieren Arbeitgeber oft ablehnend. Doch es gibt keinen Grund für junge Leute mit Gewichtsproblemen, den Kopf in den Sand zu stecken. Das zeigt das Beispiel der 17-jährigen .Jasmin: Eine medizinisch-berufliche Rehabilitationsmaßnahme ermöglicht ihr eine Ausbildung … und inzwischen purzeln auch ihre Kilos.

 Welche Probleme extremes Übergewicht beim Berufseinstieg macht.
Welche Probleme extremes Übergewicht beim Berufseinstieg macht.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Schulabgänger und Eltern.

Im vergangenen Jahr hat sie in Bayern ihre Mittlere Reife gemacht. Aber sie bekam trotz zahlreicher Bewerbungen keinen Ausbildungsplatz. „Immer wieder signalisierten mir Arbeitgeber, dass sie mich nehmen würden, wenn mein Übergewicht nicht wäre.“ So rückte ihr Berufswunsch Hebamme, Krankenschwester oder Hotelfachfrau in weite Ferne. „Auch ein Amtsarzt meinte, dass ich diese Ausbildungen mit meinem Übergewicht nicht schaffen würde.“ Erst beim Christlichen Jugenddorfwerk Deutschlands (CJD) in Berchtesgaden bekam sie die Chance, eine Ausbildung zur Bürokauffrau zu absolvieren. Gleichzeitig wird sich auch um ihre Gesundheit gekümmert … mit Erfolg. Seit September hat Jasmin 9,5 Kilo abgenommen. Sie wiegt inzwischen keine 90 Kilo mehr und auch ihre Leberwerte haben sich verbessert. Berchtesgaden ist für sie in jeder Hinsicht ein Glücksgriff, schließlich macht ihr auch die Ausbildung „megaviel Spaß“.

Scheitern am Sporttest

Dass Jugendliche mit großem Übergewicht Probleme beim Berufseinstieg haben, weiß auch Petra Kuberg, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd. „Wer zum Beispiel bei der Polizei oder der Feuerwehr eine Ausbildung absolvieren möchte, muss vorher einen Sporttest machen. „Für stark übergewichtige Jugendliche ist der Sporttest oft schwierig. Sie packen den Test häufig aufgrund mangelnder Fitness nicht“, berichtet Kuberg. In den öffentlichen Verwaltungen können sich viele überzählige Kilos ebenfalls negativ auswirken. „Schließlich ist dort eine Untersuchung durch einen Amtsarzt üblich … und der kann bei krankhaftem Übergewicht Bedenken haben.“ Außerdem kann die Körperfülle bei der Verbeamtung zum beruflichen Hindernis werden.

Kuberg kennt das Problem aber auch aus anderen Branchen und Berufen. „Ich hatte zum Beispiel mal den Fall eines Jugendlichen, der eine kaufmännische Ausbildung machen wollte und keine Lehrstelle fand. Erst als er 38 Kilo abgenommen hatte, bekam er eine positive Resonanz.“ Der Grund dafür liegt auf der Hand: Übergewichtigen wird unterstellt, dass sie weniger beweglich und belastbar sind als normalgewichtige Bewerber. „Oft hängt die Bereitschaft, Jugendlichen mit Übergewicht eine Chance zu geben, von der Einstellung der Personalverantwortlichen ab. Sind diese selbst füllig, findet der Berufseinsteiger oft mehr Verständnis.“

Die Berufsberaterin Petra Kuberg kennt das ganze Spektrum von Jugendlichen mit Übergewicht: „Da gibt es solche, die kommunikativ und offen sind. Diese punkten mit ihrer Art und haben meist keine Probleme.“ Andere Jugendliche fühlen sich dagegen in ihrer Haut nicht wohl und strahlen das auch aus. Diese erleben dann meist Ablehnung.

Auch Jasmin musste feststellen, dass ihre Gewichtsprobleme immer größer statt kleiner wurden … obgleich sie verschiedene Therapien durchlaufen hat. „Alles begann bei mir im Alter von neun Jahren. Da fing ich heimlich zu essen an und wurde immer moppeliger. Meine Mutter hat zuerst nichts gemerkt“, berichtet Jasmin offen. Erst im Alter von elf Jahren wurde dann in einer Kinderklinik ihre Essstörung entdeckt. Es folgten verschiedene Therapieversuche. Doch die Ergebnisse waren ernüchternd. So legte Jasmin zum Beispiel im Jahr 2010 bei einer sechsmonatigen stationären Therapie zehn Kilo zu. „In dieser Zeit hatte ich richtige Fressanfälle. Ich habe an einem Tag so viel gegessen wie gesunde Menschen normalerweise in einer Woche.“ Das war für Jasmin und ihre Familie extrem belastend.

Wenn die Berufsberaterin Petra Kuberg erkennt, dass das Übergewicht des Jugendlichen zum beruflichen Stolperstein werden könnte, spricht sie das Problem ganz offen an und sucht gemeinsam mit dem Betroffenen nach Lösungen. „Oft helfen schon äußerliche Veränderungen bei der Kleidung oder der Frisur. Das beeinflusst das Körpergefühl meist positiv und verbessert so die Ausstrahlung.“ Hilft das nicht, bespricht sie mit dem Berufseinsteiger andere Maßnahmen. „Grundsätzlich haben medizinische Rehabilitationsmaßnahmen Vorrang vor der beruflichen Reha. Deshalb schicke ich die Jugendlichen im Zweifelsfall zu einer ärztlichen Untersuchung.“ Ist eine normale Ausbildung aufgrund krankhaften Übergewichts nicht möglich, unterstützt die Arbeitsagentur die Jugendlichen zum Beispiel mit berufsvorbereitenden oder ausbildungsbegleitenden Maßnahmen. Kuberg: „Von uns geförderte Praktika helfen den Jugendlichen zum Beispiel, positive Erfahrungen zu machen und stärken so ihr Selbstbewusstsein.“ Außerdem kann die Arbeitsagentur auch eine Ausbildung finanziell unterstützen.

Zu einer dieser von den Arbeitsagenturen geförderten Maßnahmen gehört auch das Angebot des CJD Berchtesgaden. Dieses Zentrum für medizinisch-schulische und medizinisch-berufliche Rehabilitation betreut und fördert chronisch kranke Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland. „Wir bieten sowohl vorberufliche Trainingsprogramme als auch Ausbildungsgänge an“, berichtet Sieglinde Pfannebecker, Leiterin der beruflichen Rehabilitation des CJD Berchtesgaden. So können sich junge Leute in handwerklichen, hauswirtschaftlichen und kaufmännischen Berufen orientieren, aber auch reguläre Ausbildungen absolvieren, wie zum Beispiel als Hotelfachleute, Kaufleute oder als Köche. Wenn Jugendliche andere Berufswünsche haben, versucht die Einrichtung, darauf einzugehen: „Wir bemühen uns in Kooperation mit einheimischen Betrieben, Ausbildungsplätze zu organisieren.“

Nur der Sonntag ist sportfrei

Doch das Reha-Zentrum hat nicht nur den beruflichen Erfolg ihrer Schützlinge im Blick, sondern auch die Gesundheit. So betreuen Pädagogen, Ernährungsberater, Sporttherapeuten, Ärzte und Psychologen die Jugendlichen. Eine ausgewogene gesunde Ernährung und viel Bewegung half Jasmin, viele Kilos abzunehmen. „Neben der Arbeit habe ich täglich noch ein zwei- bis dreistündiges Sportprogramm. Dazu gehören Schwimmen und Ballspiele genauso wie Kraft- und Ausdauertraining. Nur sonntags ist sportfrei“, erklärt Jasmin. „Das ist natürlich sehr anstrengend, es macht aber auch viel Spaß.“ Und so purzelten ihre Pfunde ganz automatisch. Das ist nicht nur bei Jasmin so, sondern auch bei den anderen übergewichtigen Jugendlichen aus ihrer Gruppe.

„Damit die Kosten übernommen werden, muss die Arbeitsagentur einen Bedarf feststellen“, erklärt Pfannebecker. Deshalb geht einem Aufenthalt in Berchtesgaden immer eine medizinische Untersuchung voraus. Sie empfiehlt Jugendlichen und ihren Eltern, die Berater bei den Arbeitsagenturen auf Reha-Maßnahmen anzusprechen: „Informieren Sie sich und bringen Sie Ihre Ideen und Vorschläge in die Gespräche bei der Arbeitsagentur mit ein. Werden Sie selbst aktiv und warten Sie nicht einfach darauf, was Ihnen angeboten wird.“

(Veröffentlicht bei der Berliner Zeitung, Februar 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Alltagspsychologie: Durchschauen Sie sich selbst, bevor andere es tun!

Egal ob es um Konflikte, Networking oder den beruflichen Aufstieg geht … im Arbeitsalltag spielt die Psyche eine wichtige Rolle. Schließlich entscheidet sie darüber, nach wessen Pfeife Mitarbeiter tanzen, wen sie sympathisch finden oder für welche Wahlmöglichkeiten sie sich entscheiden. Doch wie funktioniert sie eigentlich konkret? Die Psychologen, Coachs und Buchautoren Dr. Volker Kitz und Dr. Manuel Tusch geben darauf in ihren neuen Ratgeber „Warum uns das Denken nicht in den Kopf will“ verblüffende Antworten, die im Büro und Betrieb hilfreich sind.

Die wichtige Rolle der Psyche im Arbeitsalltag.
Die wichtige Rolle der Psyche im Arbeitsalltag.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

„Wir Menschen kommen uns meist sehr vernünftig vor. Doch oft denken wir falsch und noch öfter gar nicht“, betont Kitz. „Denn unser Gehirn folgt seinen ganz eigenen Regeln, die unsere Entscheidungen beeinflussen.“ Um also im Beruf erfolgreich zu sein, sollten Arbeitnehmer diese Regeln kennen … frei nach dem Motto „Durchschauen Sie sich selbst, bevor andere es tun!“

Sympathien wecken

So entscheiden zum Beispiel Gemeinsamkeiten darüber, ob sich Menschen im Beruf – aber auch privat – sympathisch finden oder nicht. „Wenn der Chef und seine Mitarbeiter beide eine Vorliebe für Käsespätzle haben, zählt das oft mehr als jedes sachliche Argument“, erklärt Kitz. Und noch etwas anderes beeinflusst den Sympathiefaktor: „Je häufiger Sie jemanden sehen, desto sympathischer werden Sie diesem Menschen“, berichtet Kitz. Genau dieses Phänomen können sich Berufstätige zunutze machen und ganz gezielt an ihren Sympathiewerten arbeiten: „Reden Sie auch in Zeiten von E-Mail persönlich mit Ihren Kollegen und gehen Sie gemeinsam mit ihnen essen.“ Auch bei Geschäftspartnern oder Kunden macht es Sinn, sie öfter mal zu treffen, auch wenn es eigentlich nicht notwendig ist.

Kitz und Tusch benennen in ihrem neuen Buch auch andere Strategien, die Menschen helfen, sich bei anderen beliebt zu machen. So stammt zum Beispiel der sogenannte „Benjamin-Franklin-Effekt“ vom gleichnamigen amerikanischen Staatsmann: Er machte sich einen Gegner zum Freund, indem er diesen bat, ihm ein seltenes Buch auszuleihen. Kitz empfiehlt diese Strategie auch für den beruflichen Alltag: „Bitten Sie doch mal Ihre Kollegin, die Sie nicht ausstehen kann, Ihnen einen Kaffee aus der Kantine mitzubringen.“ Und schon wird diese Frau Sie mehr schätzen als zuvor, denn das träge menschliche Gehirn will eine Übereinstimmung zwischen Tun und Denken. Wenn ein Mensch also eine freundliche Handlung für jemanden ausführt, glaubt es, dass dieser Mensch sein Freund ist.

Psychologische Effekte verstehen

Doch nicht nur zum weiten Feld der Sympathie haben Kitz und Tusch interessante psychologische Effekte gesammelt, sondern auch zum Thema Entscheidung. So gibt es zum Beispiel den „Unterlassungsirrtum“. „Wir Menschen empfinden grundsätzlich weniger Verantwortung, wenn wir etwas unterlassen. Weil unser Gehirn faul ist, verallgemeinert es die Tatsache, dass ein Unterlassen in manchen Fällen besser ist als ein Tun“, weiß Kitz. Er rät allerdings, dieser Bequemlichkeit des eigenen Denkens nicht nachzugeben.

Neben ganz einsichtigen psychologischen Effekten können sich Berufstätige aber auch eher kuriose Erkenntnisse zunutze machen, zum Beispiel den „Rhyme-as-Reason-Effekt“: Demnach halten Menschen eine Aussage eher für wahr, wenn sie gereimt ist … und zwar deswegen, weil sie schöner klingt. „Kontern können Sie im Job aber nicht nur mit inhaltsschweren Reimen, sondern auch mit einem Nonsens-Reim“, betont Kitz. „Versuchen Sie doch einmal, einen Dampfplauderer oder Lästerer unter Ihren Kollegen mit einem Satz wie ‚Mit Sonne im Rücken lässt sich gut Kirschen pflücken‘ sprachlos zu machen .“

Literaturtipp:
Volker Kitz, Manuel Tusch: Warum uns das Denken nicht in den Kopf will. Noch mehr nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie, Heyne Verlag, Dezember 2013, 288 Seiten, 8,99 Euro, ISBN: 978-3-453-60291-5

(Veröffentlicht bei GMX.de, Januar 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Karriere-Strategie: Tipps für Führungshasser

Sie sind erfolgreich, weil Sie Ihren Job wirklich beherrschen … und plötzlich werden Sie Führungskraft! Für viele ist diese Vorstellung alles andere als erstrebenswert. Sie ist sogar alarmierend und besorgniserregend. Doch Panik vor dieser Situation braucht niemand zu haben, meint die Amerikanerin Devora Zack. In ihrem aktuellen Ratgeberbuch „Führung für Führungshasser“ gibt sie dazu Tipps. Denn mit der richtigen Strategie werden auch Führungshasser als Chef erfolgreich.

Tipps für Vorgesetzte, die an ihrer Führungsrolle keinen Gefallen haben.
Tipps für Vorgesetzte, die an ihrer Führungsrolle keinen Gefallen haben.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufserfahrene.

Vorgesetzte, die ihre Führungsrolle hassen, sind keine Ausnahme. So stellte eine Erhebung unter 150 Führungskräften fest, dass sich nur 43 Prozent von ihnen in ihrer Rolle als Führungskraft wohlfühlen und nur 32 Prozent behaupten, dass sie gern Führungskraft sind. Die Chancen stehen also weniger als 1 zu 3, dass Vorgesetzte an ihrer Rolle Gefallen finden.

Doch wie können Chefs wider Willen trotzdem gute Vorgesetzte werden? Nach Zacks Einsicht ist dies möglich, wenn sie eine wichtige Maxime beachten: Seien Sie so, wie Sie wirklich sind! Was sich so einfach und banal anhört, ist es aber leider im realen Leben nicht. Denn der Weg dorthin bedarf persönlicher Willensanstrengung und Engagements.

Sich selbst auf die Spur kommen

Um zu persönlicher Authentizität zu kommen, müssen sich Führungskräfte selber kennenlernen, betont Zack. Deshalb ist auch eine Bestandsaufnahme in eigener Sache erforderlich. Welche Vorstellungen haben Sie von einem Topmanager? Was ist Ihnen im Umgang mit Mitarbeitern wichtig? Wann sind Sie zufrieden? Mit diesen Fragen kommen sich Vorgesetzte selbst auf die Spur. Doch nicht nur sich selbst sollten Führungskräfte kennen, sondern auch ihre Mitarbeiter. Deshalb ist es auch wichtig, die verschiedenen Persönlichkeitstypen und ihre Handlungsweisen zu durchschauen.

„Wenn Sie das Verhalten Ihrer Mitarbeiter am Arbeitsplatz verstehen, hilft dies Ihnen, Ihren Frust zu reduzieren und erfolgreicher zu agieren“, so Zack. Deshalb empfiehlt die Geschäftsführerin einer Coaching- und Beratungsfirma, sich mit den verschiedenen Eigenschaften von Gefühls- und Verstandesmenschen zu beschäftigen, um sich auf diese unterschiedlichen Mitarbeiter einstellen zu können.

Nehmen Sie nicht alles persönlich!

Gerade gefühlsbasierte Chefs sollten verstehen, dass nicht für jeden Gefühle so wichtig sind wie für sie selbst. Die Verstandesmenschen unter den Vorgesetzten müssen dagegen akzeptieren, dass ein Teil ihrer Mitarbeiter wesentlich gefühlsgesteuerter ist als sie selbst und diese Gefühle nicht einfach nach Belieben abstellen können! Ganz wichtig aber ist: Hören Sie auf, das Verhalten von Mitarbeitern, Vorgesetzten, Kollegen und Geschäftspartnern persönlich zu nehmen!

Seien Sie flexibel!

Das Wissen über sich und andere ist auch die Ausgangsbasis für das eigene Führungsverhalten. Zack rät: Bleiben Sie, wer Sie sind, und flexibilisieren Sie ihren eigenen Führungsstil. Sie brauchen sich also weder zu verbiegen noch in die Rolle eines anderen zu schlüpfen oder jemanden zu imitieren, um erfolgreich zu führen. Sie dürfen das sein, was Sie sind, ob nun ein Gefühlsmensch oder ein Verstandesmensch. Zack empfiehlt ihren Lesern, die Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie sind und sich auf sie einstellen. Ihre Äußerungen und ihren Arbeitsstil sollten Führungskräfte wahrnehmen und daraus Konsequenzen ziehen. Während der eine vielleicht vorsichtige freundliche Ermunterungen braucht, benötigt der andere vielleicht eine klare Sprache.
Und noch einen wichtigen Tipp hat Zack: „Schenken Sie den Menschen um sich herum Beachtung. Nutzen Sie die Chance, mit kleinen Gesten eine große Wirkung zu erzielen.“ So wird ein ausdrückliches Lob für die Sekretärin ihrer Motivation guttun.

 

Literaturtipp:

Devora Zack: Führung für Führungshasser. Starten Sie durch, indem Sie einfach Sie selbst sind, Gabal, Offenbach 2013, 185 Seiten, 24,90 Euro, ISBN: 978-3-86936-516-9

(Veröffentlicht bei GMX.de, Oktober 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Karriere als Pflegekraft: Aufstieg im Gesundheitswesen

Karriere von der Krankenschwester zur Akademikerin mit Führungsposition.

Wie Pflegepersonal den Aufstieg im Gesundheitswesen schafft.
Wie Pflegepersonal den Aufstieg im Gesundheitswesen schafft.

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  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Die 38-jährige gelernte Krankenschwester Marion Kober-Schebesta hat durch Weiterbildung ihrer Karriere einen Kick gegeben. Sie stieg im Stuttgarter Katharinenhospital zur Stationsleitung auf. 2014 beginnt sie noch ein berufsbegleitendes Bachelorstudium im Fach Pflegemanagement. „Gerade die Verbindung zwischen praktischem Können und theoretischem Hintergrundwissen finde ich sehr wichtig“, betont Kober-Schebesta. „Zusätzliches Wissen und die Reflexion darüber waren auch Bestandteil meiner bisherigen Weiterbildungen. Das hat meine Arbeit auf der Station positiv beeinflusst. Deshalb habe ich mich auch für ein Studium entschieden.“ Außerdem macht es ihr Spaß, ihr Handeln wissenschaftlich begründen zu können. Und sie freut sich, ihr Führungswissen, aber auch ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zu vertiefen.

Ihr Interesse am Pflegeberuf entstand, als sie sich ehrenamtlich im Deutschen Jugendrotkreuz engagierte. „Schon früh hatte ich den Wunsch, mein medizinisches Wissen weiterzugeben.“ So machte sie nach ihrer Ausbildung eine Weiterbildungzur Praxisanleiterin. Dort lernte sie, junge Pflegeschüler und neue Mitarbeiter auf der Station einzuarbeiten. In dieser Zeit erkannte Kober-Schebesta auch, dass ihr das Führen anderer Mitarbeiter lag. So übernahm sie auch bald die Schichtleitung und später die Stationsleitung. Gleichzeitig absolvierte sie die entsprechende Weiterbildung. „Das war für mich sehr wichtig, denn dort lernte ich alle wichtigen Inhalte wie etwa Führungs- und Pflegethemen kennen, aber auch das Organisations- und Prozessmanagement.“ Gleichzeitig konnte sie dieses Wissen sofort in die Praxis umsetzen.

Berufsbegleitendes Studium

Elvira Schneider hat wie Marion Kober-Schebesta ebenfalls die Weiterbildung zur Praxisanleiterin und für die Stationsleitung absolviert und dann eine akademische Laufbahn eingeschlagen. Zuerst studierte sie berufsbegleitend Pflegemanagement und schloss das Studium mit dem akademischen Titel Diplom-Pflegewirtin (FH) ab. Danach wechselte die heute 48-Jährige das Betätigungsfeld: „Ich wurde Referentin bei der Pflegedirektorin des Klinikums Stuttgart.“ Drei Jahre danach begann sie ein berufsbegleitendes Masterstudium im Fach Management und Führungskompetenz. Inzwischen hat sie nicht nur dieses Studium erfolgreich abgeschlossen, sondern ist auch zur Pflegerischen Leitung des Zentrums für Innere Medizin aufgestiegen. Damit ist sie jetzt die Vorgesetzte für 550 Pflegekräfte im Klinikum Stuttgart. In der Hierarchie über ihr steht nur noch die Pflegedirektorin.

„Ich wollte nie Dienst nach Vorschrift machen. So habe ich mich für die Mitarbeiterführung interessiert. Doch diese wird einem nicht in die Wiege gelegt, dafür braucht es neben der praktischen Erfahrung auch theoretisches Wissen“, betont Schneider. Während ihres ersten Studiums hatte sie Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten gefunden. Deshalb entschied sie sich für den weiterführenden Masterstudiengang. Außerdem war ihr bewusst, dass einem akademische Ausbildung immer wichtiger wird. „Zwar reicht theoretisch noch eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung, aber eigentlich wird heute ein Bachelorabschluss vorausgesetzt.“

Unterstützung vom Arbeitgeber

Auch für ihre Mitarbeiter hat Schneider den Wert akademischer Weiterbildung erkannt: „Ich bestärke unsere Pflegekräfte, zum Beispiel noch ein Bachelorstudium zu absolvieren. Schließlich geht der Trend in Richtung Bachelorstudium – auch für Mitarbeiter, die als Stationsleitung arbeiten.“ Die Möglichkeiten für Pflegekräfte, sich weiterzuqualifizieren, sind äußerst vielfältig: „Neben der Pflegewissenschaft und dem Pflegemanagement bietet sich zum Beispiel auch die Pflegepädagogik als Studienfach an. Dieses Studium ist insbesondere für Kollegen interessant, die die Nachwuchskräfte ausbilden“, betont Yvonne Veit, Bildungszentrumsleiterin am Klinikum Stuttgart. „Es gibt bei uns zum Beispiel auch Kollegen, die inzwischen einen Master in Erwachsenenbildung haben.“ Das Klinikum Stuttgart unterstützt auch Pflegekräfte weit jenseits des 40. Lebensjahres bei der Weiterbildung: „Unsere Mitarbeiter können ihre Stundenzahl um 20, 30 oder gar 70 Prozent reduzieren“, so Veit.

Auch die Arbeitsvermittlerin Christina Lampropoulou von der Agentur für Arbeit sieht vielfältige Möglichkeiten, sich weiterzuqualifizieren und damit den eigenen Aufstieg zu befördern, zum Beispiel durch eine Weiterbildung zum Fachwirt für Alten-´und Krankenpflege oder zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen. „Diese ein- bis zweijährigen Kurse eröffnen eine große Bandbreite an späteren Einsatzmöglichkeiten wie etwa in Reha-Einrichtungen, Altenheimen oder ambulanten Diensten. In der Regel arbeiten diese Mitarbeiter als Fach- und Führungskräfte auf der mittleren Managementebene.“

Wer weiter aufsteigen will, kommt in vielen Fällen um ein Studium nicht herum. So sieht Angela Schönbrodt, Beraterin für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Stuttgart, ein MBA-Studium als eine Alternative für akademische Pflegekräfte. „Ärzte und Juristen können dieses Studium genauso absolvieren wie Pflegewissenschaftler oder Sozialarbeiter. Gerade der Master of Business Administration lebt von den verschiedenen Zugängen der Studierenden.“ Sie empfiehlt, den Arbeitgeber in die eigenen Fortbildungspläne einzubeziehen. Häufig ist er daran interessiert, gute Fachkräfte an sich zu binden, und unterstützt den Arbeitnehmer entsprechend.

(Veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung, November 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Traumjobs in der Musikbranche: Praxiserfahrung geht vor

„Was mit Musik machen!“… Das ist oft der Berufswunsch von jungen Leuten, die sich ein Leben ohne Konzerte und MP3-Player nicht vorstellen können. Und dazu müssen sie noch nicht einmal selbst auf der Bühne stehen, denn die Musikbranche bietet eine große Vielfalt an Arbeitsfeldern.

Traumjobs in der Musikbranche.
Traumjobs in der Musikbranche.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Schulabgänger und Eltern.

Auch der 21-jährige Stefan Lösch hat sich für die Musikindustrie als Berufsperspektive entschieden. Er arbeitet bei der Booking-Agentur Chimperator Live, die – genauso wie die Platten- und Mutterfirma Chimperator – in Stuttgart zu Hause ist. Vor zwei Jahre machte er nach seinem Abitur ein sechsmonatiges Praktikum bei dem Stuttgarter Independent-Label, das inzwischen so namhafte Künstler wie den Rapper Cro unter Vertrag hat. „Ich hatte das Glück, zu einer Zeit dazuzustoßen, als Chimperator Live wuchs“, berichtet Lösch.

Heute arbeitet Lösch als sogenannter Booker: Er organisiert die Auftritte der Musiker, bearbeitet die Anfragen von Veranstaltern und handelt die Konditionen aus. Außerdem ist er auch Tourmanager. „Ich begleite die Bands bei ihren Touren und sorge dafür, dass alles funktioniert und alle glücklich sind“, erklärt Lösch.
Doch nicht nur Booker ist ein mögliches Berufsbild, auch Produktmanager oder Musikpromotor – also Musikvermarkter – sind Berufe in der Branche. Das Business braucht aber auch A&R-Manager. A&R steht dabei für Artists and Repertoire. „Diese Leute suchen im Auftrag eines Labels nach neuen Künstlern“, erklärt Dr. Florian Drücke, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie. „Während Musikpromotoren oft Quereinsteiger sind, greift die Branche auch auf Akademiker wie Betriebswirtschaftler oder Hochschulabsolventen mit Marketing-Spezialisierung zurück. Die finden zum Beispiel im Controlling oder Marketing einen Job.“

Grundstimmung positiv

Die Grundstimmung in der Musikbranche bewertet Drücke positiv: „Die Einnahmen aus dem digitalen Geschäft steigen. Sie haben inzwischen einen Anteil von 24,5 Prozent erreicht.“ Allein die Downloadumsätze konnten in den vergangenen Jahren um rund ein Viertel pro Jahr zulegen. Die CD bleibt aber mit einem Marktanteil von rund 68 Prozent weiterhin Rückgrat der deutschen Musikwirtschaft.

Eine regelrechte Ausbildung hat Lösch nicht gemacht: „Natürlich habe ich mir überlegt, ein Studium zu absolvieren, zum Beispiel an der Popakademie Baden-Württemberg. Allerdings ist das mit dem momentanen Wachstum der Firma nicht vereinbar. Zu einem späteren Zeitpunkt kann ich mir aber gut vorstellen die gesammelte praktische Erfahrung noch mit einem Studium zu kombinieren.

Drücke betont, dass es sehr verschiedene Wege in die Musikbranche gibt: „Die meisten Jobs sind keine klassischen Ausbildungsberufe. Sie setzen auch nicht notwendigerweise ein Studium voraus.“ In der Regel bieten Praktika zum Beispiel bei Plattenfirmen oder Künstler- und Booking-Agenturen einen guten Einstieg. „Praktikanten, die überzeugen, finden häufig auch einen Job.“

Praktische Erfahrung zählt

Besonders wichtig ist praktische Erfahrung. „Wer in die Musikindustrie will, sollte schon vor dem eigentlichen Berufsstart in einer Band spielen oder Veranstaltungen organisieren und natürlich für das Musikbusiness brennen“, erklärt Drücke.

Auch Stefan Lösch hatte vor seinem Praktikum bei Chimperator schon reichlich Erfahrung gesammelt. So rief er bereits als Jugendlicher das KuRT Festival in Reutlingen mit ins Leben. Auch beim Ract! Festival in Tübingen und verschiedenen selbst veranstalteten Konzerten konnte er seine Stressresistenz und planerischen Qualitäten als Organisator unter Beweis stellen.

Sebastian Andrej Schweizer, Mitbegründer von Chimperator, betont ebenfalls den Wert der Erfahrung: „Wer bei uns arbeiten will, der sollte sich schon in der Szene auskennen. Er muss nicht unbedingt einen Studienabschluss vorzeigen können, aber er sollte schon mal Konzerte veranstaltet oder ein Tape veröffentlicht haben. In jedem Fall braucht er Leidenschaft fürs Musikbusiness.“

Voraussetzung: Leidenschaft

Praxiserfahrung und Leidenschaft sind auch Voraussetzungen, um an der Popakademie Baden-Württemberg in Mannheim studieren zu können. „Bei den wenigen Studienplätzen, die wir anbieten können, wollen wir nur Leute aufnehmen, die uns überzeugen können unbedingt in die Branche zu wollen“, betont Prof. Hubert Wandjo, Geschäftsführer der Popakademie. Sie bietet sowohl Bachelor- und Masterstudiengänge in Popmusik als auch Bachelor- und Masterstudiengänge im Fachbereich der Musik- und Kreativwirtschaft an.

So vermittelt der Musikbusiness-Studiengang einerseits Grundlagen der Betriebswirtschaft, andererseits aber auch spezifische Kenntnisse der Musikwirtschaft und der neuesten Trends in der digitalen Welt. Wandjo: „Wer bei uns den musikwirtschaftlichen Studiengang absolviert, bekommt auch einen Einblick in die künstlerische Arbeit.“ Außerdem legt die Popakademie viel Wert auf den praktischen Teil des Studiums. So arbeiten die Studierenden auch an Projekten, die zum Beispiel in Kooperation mit Plattenfirmen entstehen.

Wandjos Meinung nach wird ein akademischer Abschluss in der Branche immer wichtiger: „Bevölkerten die Musikindustrie früher vor allem Quereinsteiger, wird inzwischen immer mehr fundiertes Wissen gebraucht. Denn das Geschäft wird gerade durch die Digitalisierung immer komplexer.“

Sebastian Schweizer ist ein Beispiel dafür, dass die Mischung aus viel Praxis und akademischen Input zum Erfolg führt: Er selbst hat mit Christian Schädle und Steffen Wendelstein 1999 das Label Chimperator gegründet. Nebenbei hat er studiert … zuerst an der Hochschule für Medien in Stuttgart und später an der Popakademie. „Lange Zeit haben nur die Künstler Geld verdient, wir nicht. Unseren Anteil steckten wir gleich wieder in neue Projekte.“ Inzwischen gibt der Erfolg Schweizer Recht: Nicht zuletzt durch Cro ist das Stuttgarter Label auch kommerziell erfolgreich.

(Veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, September 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Arbeitsmarkt Immobilienbranche: Vom Boom profitieren

Immobilienboom in Berlin: Immer mehr Menschen zieht es in die Hauptstadt. Die Mieten stiegen genauso wie die Investitionen. Auch die Anleger haben die Stadt für sich entdeckt. Wer jetzt beruflich in die Immobilienbranchen einsteigt, kann von dieser wirtschaftlichen Entwicklung profitieren.

Karrierechancen in der Immobilienbranche.
Karrierechancen in der Immobilienbranche.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Studierende.

„Der Arbeitsmarkt sieht in der Immobilienwirtschaft sehr gut aus“, erklärt Nils Knochmuß, der als Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer Berlin für Immobilienkaufleute zuständig ist. „In der Hauptstadt wird sehr viel in Immobilien investiert, auch von ausländischen Anlegern. Und alle diese Immobilien müssen gebaut, verkauft und verwaltet werden.“ Außerdem habe die Belegschaft der Immobilienunternehmen ein relativ hohes Alter. Auch aus diesem Grund brauchen sie Nachwuchs.

Sehr gute Berufsaussichten

Hervorragende Berufsperspektiven sieht auch der Berliner Sven R. Johns, langjähriger Geschäftsführer des Immobilienverbandes Deutschland (IVD): „In vielen Ballungsräumen steigen die Haushaltszahlen und damit der Bedarf an neuen Wohnungen. Außerdem haben sich Immobilien inzwischen zu einer gleichberechtigten Anlageform entwickelt. All das macht die Immobilienwirtschaft zu einer Zukunftsbranche.“

Die GSW Immobilien AG gehört zu den Unternehmen, die ihr Personal aufstocken. „2010 hatten wir 286 Mitarbeiter, im Dezember letzten Jahres waren es schon 337“, berichtet Georg Diederichs, Personalleiter der GSW Immobilien AG. „Ich bin zuversichtlich, dass wir weiter wachsen werden und unser Personalbedarf auch in Zukunft steigt.“

Von dem wachsenden Bedarf in der Branche profitieren auch die Auszubildenden. „Die Zahl der auszubildenden Immobilienkaufleute hat in den letzten Jahren sehr angezogen“, so Knochmuß. „Etwa 95 Prozent davon sind Abiturienten.“

Verschiedene Ausbildungsvarianten

Wegen des hohen Bedarfs an Nachwuchskräften in der Branche bietet die IHK Berlin neben der klassischen dreijährigen Ausbildung zusätzlich zwei besondere Ausbildungsvarianten an: „Abbrechern eines betriebswirtschaftlichen Studiums ermöglichen wir eine 18-monatige Ausbildung zum Immobilienkaufmann. Voraussetzung ist aber, dass sie zwei Semester studiert haben.“ Wer einen mittleren Schulabschluss hat, kann innerhalb von vier Jahren sowohl eine Ausbildung absolvieren als auch das Abitur erlangen.

Neben der klassischen Ausbildung gewinnt im Immobiliensektor auch die akademische Bildung immer mehr an Bedeutung. So bildet beispielsweise die GSW aktuell 26 junge Leute aus, die Hälfte als Immobilienkaufleute, die anderen innerhalb des dualen Bachelor-Studiums „Immobilienwirtschaft“. Diese Studierenden arbeiten zeitweise im Unternehmen. Den theoretischen Teil des Studiums absolvieren sie an der Hochschule für Recht und Wirtschaft Berlin. Das Unternehmen setzt auch deshalb auf den akademischen Nachwuchs, weil die Ansprüche an die Mitarbeiter steigen. „Spezialwissen wird bei uns immer wichtiger, zum Beispiel bei der Finanzierung von Immobilien, aber auch beim Portfoliomanagement, das seit unserem Börsengang 2011 an Bedeutung gewinnt“, berichtet Diederichs.

Akademisierung der Immobienbranche

Auch Johns stellt eine starke Akademisierung der Branche fest: „Da sich Immobilien – wie gesagt – inzwischen als gleichberechtigte Anlageform durchgesetzt haben, wird die perfekte Bewirtschaftung einer Immobilie immer wichtiger. Damit steigt auch der Bedarf an Spezialwissen.“ Ein Indiz dafür ist die Zunahme an Studiengängen: „Heute gibt es im Bereich der Immobilienwirtschaft etwa hundert Studiengänge, vor zwanzig Jahren gab es noch keinen einzigen.“

So bietet zum Beispiel die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) ein grundständiges Bachelor-Studium „Immobilienwirtschaft“ an, das sowohl immobilienwirtschaftliche als auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt. „Gerade in dieser Branche reicht es in der Regel nicht mehr aus, allgemeine Betriebswirtschaft zu studieren. Die Akademiker brauchen vertieftes Wissen über Immobilien“, berichtet Nicole Lindstedt-Lilienthal, zuständige Verwaltungsleiterin an der HTW. So steht zum Beispiel die gesamte Wertschöpfungskette einer Immobilie auf dem Lehrplan, die von der Projektentwicklung, Planung und Finanzierung über die Vermarktung bis hin zum Abriss reicht. Weitere Studieninhalte sind etwa Gebäudelehre, Statistik und Rechtsgrundlagen. „Die Nachfrage nach diesem Studiengang ist sehr groß. So liegt der NC bei 1,6. Auf die 40 Studienplätze kamen im vergangen Wintersemester 386 zulassungsfähige Bewerber!“

Angesichts der stetig wachsenden Anforderungen in den Unternehmen empfiehlt Johns auch fertig ausgebildeten Immobilienkaufleuten, sich weiterzuqualifizieren, ob nun durch eine Weiterbildung zum Fachwirt oder durch ein berufsbegleitendes Bachelor- und Master-Studium im Bereich der Immobilienwirtschaft. Das bietet zum Beispiel das Center for Real Estate Studies (CRES) in Freiburg an. „Damit bereiten sie sich optimal auf die Zukunft vor.“

Chance für Quereinsteiger

In der Branche haben auch Quereinsteiger Chancen, wenn sie sich gezielt weiterbilden. Denn als Immobilienmakler ist eine einschlägige Ausbildung nicht Pflicht. Die Firma Rohrer Immobilien GmbH gibt deshalb auch Quereinsteigern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Sie sorgt gleichzeitig auch für ihre Weiterqualifikation. „Wir brauchen Menschen mit sehr guten sozialen Kompetenzen. Sie sollten über Berufserfahrung verfügen und Englisch sprechen. Eine Ausbildung in der Immobilienbranche ist nicht zwingend“, betont Corvin Tolle, geschäftsführender Gesellschafter der auch in Berlin tätigen Firma.

Ein Beispiel für einen gelungenen Quereinstieg ist Susann Siebert, die bei Rohrer Immobilien arbeitet. „Ich habe Geographie mit dem Schwerpunkt Stadtplanung studiert und dann bei einem Großunternehmen in der Bewertung von Immobilien gearbeitet. Heute bin ich bei Rohrer Immobilien für die Akquise und Exposé-Erstellung bei Privatimmobilien und Investments zuständig.“ Als Quereinsteigerin war ihr kaufmännisches Wissen begrenzt. Deshalb absolviert sie zurzeit einen berufsbegleitenden Studiengang zur Immobilienbetriebswirtin und trägt bereits jetzt schon größere Verantwortung.

(Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, April 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)