Erfolgreiche Kommunikation: Networking-Tipps für Introvertierte

Ihnen fällt es schwer, im Beruf auf Andere offensiv zuzugehen? Networking-Treffen sind für Sie genauso ein Graus wie Betriebsfeiern oder Fortbildungsseminare? Wenn dem so ist, muss das nicht so bleiben. Denn Dr. Sylvia Löhken weiß, welche Strategien zurückhaltenden Menschen im Arbeitsalltag helfen. Die Autorin von Ratgebern für Introvertierte arbeitet als Coach in Bonn.

Networking-Tipps für Introvertierte.
Networking-Tipps für Introvertierte.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter,.

1. Machen Sie sich Ihre Stärken bewusst

Viele Schüchterne sind sich gar nicht klar, dass sie besondere Vorteile mitbringen, wenn es um den Kontakt zu anderen Menschen geht. „Als Introvertierter sind Sie eigentlich ein guter Netzwerker. Denn Sie können sich zum Beispiel auf eine Person konzentrieren und gut zuhören“, betont Löhken. „Und genau das schätzen die Allermeisten. Viele Extrovertierte haben diese Eigenschaften nicht.“

2. Setzen Sie sich Ziele

Oft fühlen sich zurückhaltende Menschen in großen Gruppen unwohl. Deshalb hält sich ihre Lust, an einer Konferenz oder an einem Betriebsfest teilzunehmen, in Grenzen. Mit einem Trick können sie sich dazu leichter motivieren: „In diesen Fällen ist es hilfreich, sich ein konkretes Ziel zu setzen, anstatt einfach nur seine Zeit abzusitzen. Nehmen Sie sich zum Beispiel vor, auf einer Veranstaltung drei Menschen anzusprechen oder auf der Betriebsparty eineinhalb Stunden zu bleiben“, so Löhken.

3. Sprechen Sie mit einer Person

Introvertierten fällt es eigentlich immer schwer, in großen Gruppen zu reden. Deshalb empfiehlt Löhken, sich auf das Gespräch mit einzelnen Menschen zu konzentrieren: „Sprechen Sie nur eine Person auf einmal an. Denn das ist für Sie wesentlich einfacher als mit mehreren gleichzeitig zu reden.“ Diese Art der Kommunikation hat auch noch einen weiteren entscheidenden Vorteil: Der Kontakt zu einer Person ist meist viel intensiver als zu einer Gruppe!

4. Stiften Sie Nutzen

Gerade bei eher geselligen Treffen im beruflichen Umfeld fühlen sich Introvertierte oft fehl am Platz, während Extrovertierte es lieben, mit dem Glas in der Hand Smalltalk zu betreiben. Um diesem Gefühl zu entgehen, rät die Buchautorin Introvertierten, sich nützlich zu machen: „Sie können zum Beispiel auf einem Netzwerktreffen Menschen miteinander bekanntmachen oder auf der Betriebsfeier eine spezielle Aufgabe übernehmen. So stiften Sie Nutzen und werden sich gleich viel wohler fühlen!“ Und noch ein Plus hat diese Strategie: Auch scheue Menschen kommen so leicht in Kontakt mit Anderen.

5. Bitten Sie Bekannte, Sie vorzustellen

Wem es schwerfällt, fremde Menschen anzusprechen, der kann sich eines weiteren Tricks bedienen: „Bitten Sie Ihnen bekannte Personen darum, Sie anderen Personen vorzustellen. Die Allermeisten helfen gerne weiter und werden auf Ihre Bitte eingehen“, erklärt Löhken. So ist der leise Mensch gleich doppelt erfolgreich: Er kommt durch die Vermittlung eines Dritten zu neuen Kontakten und die Verbindung zu der bekannten Person wird vertieft.

6. Verabreden Sie sich

Um seine Scheu vor Menschen zu überwinden, bietet sich zum Beispiel bei Seminaren und Konferenzen noch eine weitere Strategie an: „Schauen Sie vorher auf die Teilnehmerliste. So finden Sie heraus, wen Sie davon kennen. Kontaktieren Sie diese im Vorfeld und verabreden Sie sich“, erklärt Löhken. „So fällt Ihnen der Besuch der Veranstaltung gleich viel leichter.“

7. Seien Sie beständig

Viele Introvertierte sind enttäuscht, wenn ihre Strategien zur Überwindung ihrer Kontaktscheu nicht gleich funktionieren. Doch Löhken betont: „Erwarten Sie keine Wunder von sich, sondern bleiben Sie beharrlich und haben Sie Geduld. Das sind sowieso klassische Intro-Stärken. Versuchen Sie es immer wieder, dann werden Sie auch eine Veränderung bei sich feststellen können.“

(Veröffentlicht bei GMX.de, Januar 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Literaturtipp:

Sylvia Löhken: Intros und Extros. Wie sie miteinander umgehen und voneinander profitieren, Gabal Verlag, Offenbach 2014, 360 Seiten, 24,90 Euro.

Mit YouTube-Channel oder Blog richtig Geld verdienen

Sami Slimani und die Space Frogs: Zwei Beispiele für erfolgreiche Youtube-Kanäle mit Millionen von Aufrufen und hunderttausenden von Abonnenten. Beide verbindet die Begeisterung fürs Videodrehen. Dabei ist ihr Profil denkbar unterschiedlich: Von ironisch-witzigen Videos bis hin zum Lifestyle- und Do-it-yourself-Ratgebern. So verschieden die YouTuber auch sind, sie beweisen: Mit Werbeeinnahmen lässt sich auch als Einzelkämpfer im Internet Geld verdienen. Und das gilt ebenfalls für Blogger.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

Der 24-jährige Sami Slimani hat 2009 sein erstes Video hochgeladen. „Ich hatte damals während meines Abiturs total viele Pickel und suchte auf YouTube nach Pflegetipps. Aber ich fand nur englischsprachige Videos. Als ich dann eine Lösung für mein Problem gefunden hatte, machte ich einen kleinen Film darüber und lud ihn hoch.“ Schon nach einem Monat hatte er 3000 Abonnenten und 100.000 Aufrufe. Heute ist er kurz davor, bei Abonnenten die Eine-Million-Marke zu knacken.

Der Stuttgarter Sami war der erste Mann in Deutschland, der Videos zum Thema Lifestyle und Do-it-yourself drehte. Damit hatte er von Anfang an ein Alleinstellungsmerkmal. „Es ging mir bei meinen Clips nicht um den Erfolg – daran habe ich überhaupt nicht gedacht -, sondern um die Leidenschaft am Videodrehen“, erklärt Sami, der mit seinen Fans über die sozialen Netzwerke im ständigen Austausch ist. „Viele Themen, die ich umsetze, wünschen sich meine Zuschauer.“

Nach seinen Zivildienst wollte Sami eigentlich Medienmanagement oder Wirtschaftswissenschaften studieren. Doch er entschied sich dagegen: „Schon damals war ich bekannt. Von Professoren bekam ich den Tipp, dass so ein Studium sehr zeitaufwendig sei und sich schlecht mit meinen YouTube-Aktivitäten vereinbaren lasse. Da dachte ich mir: Du kannst auch später noch studieren.“

Sami macht sein Erfolg immer noch „sprachlos“, wie er sagt. „Ich hätte vor fünf Jahre nie gedacht, dass ich heute davon leben kann.“ Neben der Arbeit an seinem YouTube-Kanal moderiert Sami seit diesem Frühjahr auf dem Musiksender VIVA die Chartsendung „Top 100“. Außerdem macht er Werbung für einen Telefonanbieter.

Durchhaltevermögen und Disziplin

Auch die „Space Frogs“ Steve und Rick sind YouTuber aus Leidenschaft. Die beiden Berliner haben ihren ersten Clip 2010 hochgeladen. „Der entstand bei einem Schulprojekt“, so Rick. Nach der Schule machten die beiden Freunde gemeinsam eine zweijährige schulische Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten. „Das machen viele als Lückenfüller, die meisten beginnen danach ein Studium“, berichtet Steve. Schon während dieser Schulzeit hatten die beiden de facto zwei Fulltimejobs – die Ausbildung und YouTube. Danach machten sie sich selbständig. Ihre Genre sind ironisch-witzige Videos, die Alltagssituationen aufs Korn nehmen. Ihr Video „Hunde versus Katzen – Wenn Tiere Menschen wären“ hat über 1,2 Millionen Aufrufe und karikiert das gegensätzliche Verhalten beider Haustiere gegenüber dem Menschen.

„Was YouTuber brauchen ist Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin“, betonen Rick und Steve unisono. „Auch bei uns ist in den ersten zwei Jahren nicht viel passiert.“ Steve ergänzt: „Wir haben zuerst unseren Freunden davon erzählt und uns über 200 Zugriffe gefreut, später wurden es dann 200.000.“ Heute betreiben die beiden drei Kanäle – darunter ein Gaming-Kanal. Insgesamt kommen sie inzwischen auf mehr als eine Million Abonnenten und 99 Millionen Aufrufe.

Doch Geld allein interessiert die Space Frogs nicht. Sie haben schon TV-Angebote abgelehnt: „Wir drehen, was uns Spaß macht. So würden wir nie über ein Spiel berichten, nur weil es gerade angesagt ist und uns viele Klicks bringen würde“, so Steve. Noch heute schreiben, drehen und schneiden die beiden alles selbst. „Wir haben Kontrolle über alle Inhalte. Niemand redet uns da rein“, ergänzt Rick.

Reichweite durch inhaltliche Relevanz

„Um von Videos oder Blogeinträgen leben zu können, braucht man schon Zugriffszahlen eher im siebenstelligen Bereich“, betont Christian Hoffmeister. Der Gründer des DCI Institute berät Firmen zum Thema „Digitales Business“. Aber gerade die Schwelle dieser Sichtbarkeit sei sehr schwer zu erreichen, denn viele Blogs starten bei Null. „Es funktioniert dann eigentlich nur, wenn sich Blogger oder YouTuber als Marke aufbauen. Reichweite bekommen sie, wenn sie inhaltliche Relevanz erreichen und sich spezialisieren, zum Beispiel nur mit dem Thema Schminken. Sechs- bis siebenstellige Aufrufe haben auch Videos, die eine ganz bestimmte Software erklären.“

Tobias Arns, der Social Media-Experte des Hightech-Verbandes Bitkom, sieht in der Spezialisierung auf Nischen ebenfalls eine Möglichkeit für Einzelkämpfer, im Internet Geld zu verdienen. „Es kommt darauf an, für eine bestimmte Zielgruppe im Netz passende Inhalte zu produzieren.“, so Arns. Gerade Ratgeberblogs oder -videos zu originellen Themen generierten einen hohen Traffic.

„Besonders gut laufen bei YouTube Comedy und Games. Blogs zum Thema Mode sind ebenfalls erfolgreich“, berichtet Hoffmeister. „Dennoch leben viele YouTuber und Blogger nicht allein von ihren Werbeeinnahmen, sondern auch vom Merchandising und anderen Erlösquellen. Und oft verdanken viele Stars der Szene ihre Bekanntheit den klassischen Medien, zum Beispiel Fernsehauftritten.“

Kontakt mit den Nutzern

Ein Fernsehstar ist der selbstständige Programmierer und Blogger Peer Wandiger aus Gräfenhainichen nicht. Bevor das Bloggen vor vier Jahren zu seiner Hauptbeschäftigung wurde, hat Wandiger Internetseiten für Kunden erstellt. „Heute kann ich allein von meinem Blog selbstaendig-im-netz.de gut leben. Das können aber nur wenige Blogger von sich sagen.“ Auf seinem Blog gibt er Tipps, wie Selbständige im Internet Geld verdienen können. Anders als viele YouTuber setzt Wandiger dabei nicht auf Comedy und Unterhaltung, sondern auf handfeste Informationen. Deshalb kennt er dieses Geschäftsmodell aus gleich zwei Perspektiven: Als Ratgebender und als Blogger.

„Beim Bloggen entscheidet eigentlich immer die Qualität über den Erfolg. Wer nur ein paar Sätzen veröffentlicht, die noch dazu abgeschrieben sind, bekommt auch wenig Seitenaufrufe.“ Seiner Meinung nach zählt einzigartiger Content … das gilt sowohl für Blogs als auch für YouTube.

„Themen mit viel Konkurrenz sind nicht sehr erfolgsversprechend. Es ist deshalb eher sinnlos, den x-ten Blog zum Thema Finanzen zu starten. Besser eignen sich Nischenthemen“, betont Wandiger. Denn in diesem Bereich herrscht weniger Wettbewerb. Auch Wandiger selbst betreibt erfolgreich einige Nischenseiten.

Eins vereint erfolgreiche Blogger und YouTuber: Die Leidenschaft. „Um es zu schaffen, ist die Lust am Schreiben eine Grundvoraussetzung. Schließlich sollten schon zwei bis drei Artikel pro Tag online gehen.“

Ähnlich wie bei YouTubern ist es beim Bloggen mit dem Produzieren von Beiträgen nicht getan. Denn der Kontakt mit Nutzern ist ganz besonders wichtig und prägt den Arbeitsalltag. Für ihre Werbe- und Marketing-Aktivitäten sind sie natürlich auch selbst zuständig. Für Wandiger hat dieses Geschäftsmodell aber nicht nur finanzielle Vorteile: „Ich entscheide allein, worüber ich schreibe. Und das ist mir wichtig.“

Infos:

Die „Space Frogs“ Steve und Rick haben insgesamt drei Youtube-Kanäle. Der Hauptkanal findet sich unter www.youtube.com/SpaceFrogs

Sami Slimani bietet auf seinem Youtube-Kanal Do-it-yourself-Anleitungen und Tutorials an: www.youtube.com/SamiSlimani

Peer Wandiger informiert in seinem Blog über die Möglichkeiten, als Selbständiger im Internet Geld zu verdienen: www.selbstaendig-im-netz.de

Christian Hoffmeister: Digitale Geschäftsmodelle richtig einschätzen, erschienen im Carl Hanser Verlag, München (2013), 239 Seiten, 39,90 Euro.

 (Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2014)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Buchbranche im Wandel: Neue Chancen für Einsteiger

Das E-Book wird immer beliebter. Und damit nicht genug: Durch die Digitalisierung ist die Buchbranche im Wandel. Damit ändern sich auch die Anforderungen an Mitarbeiter … und für Einsteiger entstehen neue Chancen.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Schulabgänger, Studierende und Eltern.

Die 34-jährige Emily Bold hat eine dieser Chancen ergriffen und ist zur E-Book-Autorin geworden. Sie gehört heute zu den bekannten deutschen Selfpublishern, also zu den Autoren, die ihre Bücher nicht bei einem Verlag veröffentlichen, sondern selbst vertreiben … größtenteils als E-Book. „Für mein Erstlingswerk – ein historischer Liebesroman – fand ich keinen Verlag. Denn damals war der Markt in diesem Genre von US-Autoren mehr als nur gesättigt“, berichtet die aus Franken stammende Schriftstellerin. „Für die Verlage war es nicht interessant, in mich als Debütantin zu investieren, weil sie bereits bekannte und erfolgreiche Autoren in ihrem Programm hatten.“

Da brachte Bolds Mann sie auf die Idee, ihr Buch als E-Book auf den Markt zu bringen … im damals neuen „Kindle Direct Publishing-Programm“ von Amazon. Das war 2011. Inzwischen kann Emily Bold von ihrer Schriftstellerei leben. „Ich habe mittlerweile fünfzehn deutschsprachige und sechs englischsprachige Romane veröffentlicht und mehr Bücher verkauft, als ich es mir je hätte vorstellen können“, berichtet Bold, die inzwischen auch Autorin des Ullstein Verlags ist.

Vor ihrer Zeit als Schriftstellerin war Bold Chemielaborantin. „Mein erlernter Beruf bot mir reichlich Abwechslung und machte mir viel Spaß – das Schreiben war also keinesfalls der Versuch, aus meinem bisherigen beruflichen Feld auszubrechen.“ Ohne Selfpublishing und das Medium E-Book würde sie – da ist sich die Autorin sicher – heute noch als Laborantin arbeiten.

„Ob das Selfpublishing für jeden der richtige Weg ist, kann ich nicht beurteilen. Niemand darf den Fehler machen, den Aufwand zu unterschätzen – denn auch wenn es mittlerweile Dienstleister für fast alles gibt, bleibt neben dem Schreiben noch jede Menge andere Arbeit an einem hängen.“ Schließlich ist der Autor auch für die technische Erstellung des E-Books und seines Covers zuständig. Er muss sich außerdem um das Lektorat und das Marketing kümmern. Bold: „Wer aber die Arbeit nicht scheut, hat gute Chancen, seine Zielgruppe zu erreichen… vorausgesetzt, sein Marketing stimmt.“

Neue Stellen und Start-ups

Wie sehr sich die Bücherwelt verändert, beobachtet auch der Journalist Matthias Matting, der in seinem Internetblog Selfpublisherbibel.de über die neuesten Entwicklungen des Selfpublishing informiert: „Noch vor drei Jahren waren Selbstverleger für die Leser kaum sichtbar. Durch die E-Books ist das anders geworden.“ Heute kann ein Autor sein Buch beim „Kindle Direct Publishing-Programm“ von Amazon hochladen oder einen Dienstleister beauftragen, der das E-Book auf den verschiedenen Plattformen verteilt. „Es gibt Prognosen, die davon ausgehen, dass bis zum Jahr 2020 der Anteil der E-Books am Gesamtumsatz von heute zehn Prozent auf 25 Prozent steigen wird.“

Das heißt aber nicht, dass jeder schon gleich davon leben kann. Matting schätzt, dass von den 70.000 Autoren in Deutschland, die sich auf den verschiedenen Plattformen finden, etwa 50 bis 100 davon leben können. Er sieht aber für verschiedene Berufsgruppen Chancen, durch das Selfpublishing zusätzliche Einnahmen zu gerieren: „Das Selfpublishing bietet zum Beispiel Schriftstellern, die nach zehn Jahren ihre Rechte von einem Verlag zurückbekommen, eine weitere Veröffentlichungsalternative.“ Journalisten könnten so ebenfalls ihre Recherchen weiterverwerten.

Auch die Verlagswelt wandelt sich: „Mittlerweile bieten zwei Drittel aller Verlage E-Books an, darunter sämtliche großen Marktführer“, so Monika Kolb-Klausch, Bildungsdirektorin beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels. Die digitalen Produkte verändern auch den Bedarf an Mitarbeitern: „In der E-Book-Herstellung schaffen die Verlage neue Stellen.“ IT-Experten würden genauso gebraucht wie Mitarbeiter im Online-Marketing. Die Veränderungen in der Buchbranche führen außerdem zu der Gründung von Startups, die Dienstleistungen für die Branche anbieten. Kolb-Klausch: „Themen wie E-Publishing, Social Media und Online-Marketing sind inzwischen für die verschiedensten Berufsgruppen in den Verlagen von zentraler Bedeutung.“

Der digitale Wandel hat auch große Auswirkungen auf die Beratungs- und Verkaufswege: „Immer mehr Buchhändler werden digital aktiv, sie haben ihren eigenen Webshop oder bieten eine Einkaufs-App für Smartphones an“, erklärt Kolb-Klausch. „Wer heute diesen Beruf ergreift, sollte solchen neuen Trends offen gegenüberstehen.“ Auch der Kundenservice bekommt ein neues Gesicht: „Viele Buchhandlungen haben inzwischen ein eigenes Veranstaltungsprogramm oder informieren ihre Kunden über Newsletter. „

Susanne Haselhorst, Personalleiterin beim medizinischen Fachverlag Georg Thieme, erwartet von Bewerbern ebenfalls Interesse an elektronischen Medien: „Sie sollten ein Gespür dafür haben, welche Informationskanäle – ob zum Beispiel App oder Buch – für bestimmten Zielgruppen sinnvoll sind.“ Was zählt, ist außerdem die Leidenschaft für Wissensaufbereitung und Interesse an medizinischen Themen. Das Studienfach ist weniger entscheidend. Denn der Stuttgarter Verlag stellt als Volontäre und Redakteure nicht nur Mediziner und Biologen ein, sondern zum Beispiel auch Geisteswissenschaftler.

Wie multimedial die Arbeit im Thieme Verlag ist, beweist die Tätigkeit der 33-jährige Dr. Katharina Schäfer. Die Biologin entwickelt als Redakteurin Lernmaterial für Auszubildende in Pflegeberufen. „Ich erstelle zum Beispiel Online-Portale, arbeite aber auch an Apps, mit denen Auszubildende per Smartphone ihre Prüfungen vorbereiten können, oder konzipiere Bücher.“

Mit ihrer Berufswahl ist Schäfer sehr zufrieden. „Meine Arbeit ist sehr vielfältig und macht mir Spaß. Schließlich hatte ich schon immer Freude daran, Wissen zu vermitteln und aufzubereiten. So entstand auch mein Wunsch, in einem Verlag zu arbeiten.“ Zunächst absolvierte Schäfer ein Praktikum, danach folgte ein Volontariat. Seit Oktober ist sie nun Redakteurin.

Der Thieme Verlag bietet aber nicht nur Volontariate in den Bereichen Redaktion, Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Projektmanagement an, sondern bildet auch jedes Jahr Medienkaufleute und Mediengestalter für Digital und Print aus. „Auch den dualen Studiengang zum Wirtschaftsinformatiker haben wir im Angebot“, so Haselhorst. „Dabei ist die Zahl der Bewerber sehr verschieden. Bei Nischenthemen ist sie zum Beispiel sehr klein, im Marketing dagegen sehr hoch.“

Volontariat zum Berufseinstieg

Der klassische Weg in die Buchbranche führt beim akademischen Nachwuchs über ein Volontariat. „Wer bei Verlagen einsteigen will, kommt in der Regel um Praktika und ein Volontariat nicht herum. Erst dann hat man Chancen auf eine Festanstellung“, betont die 28-jährige Buchwissenschaftlerin Norsin Tancik, gemeinsam mit Rebekka Kirsch Gründerin des Internetportals Buchkarriere.de. Das Portal informiert nicht nur den interessierten Nachwuchs, sondern bietet auch Verlagen und anderen Unternehmen der Buchbranche an, sich auf der Plattform zu präsentieren. „Ein Problem bei den Volontariaten ist die schlechte Bezahlung. Gerade in Städten wie Berlin oder Frankfurt am Main verdienen viele Volontäre nur 800 bis 1000 Euro brutto im Monat. Das ist im süddeutschen Raum besser, dort liegen die Gehälter meistens zwischen sind es 1000 bis 1500 Euro“, berichtet Tancik. Volontariate dauern in der Regel 12 bis 24 Monate und sind befristet. „Am Ende ist eine Festanstellung aber keineswegs die Regel. Deshalb fühlen sich leider viele gezwungen, sogar noch ein zweites Volontariat zu absolvieren, freiberuflich zu arbeiten oder die Branche zu wechseln.“

Um sich über die Verlage als Arbeitgeber zu informieren, bietet Buchkarriere.de ein Verlagsranking an, das mit Hilfe von Umfragen unter Praktikanten und Volontären entstanden ist. Tancik empfiehlt Einsteigern, sich genau zu überlegen, unter welchen Bedingungen sie bereit sind, ein Volontariat zu absolvieren: „Wem ein unterbezahltes Volontariat angeboten wird, der sollte davon Abstand nehmen.“

Informationen über die Buchbranche

Unter dem Menüpunkt „Bildung & Beruf“ auf der Website des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels finden sich Informationen über Ausbildung, Fortbildung und Studiengänge sowie eine Jobbörse: www.boersenverein.de

Das Portal Buchkarriere.de informiert über Praktika, Volontariate und Karrierechancen in der Buchbranche. Außerdem findet sich dort eine Jobbörse: www.buchkarriere.de

Matthias Matting berichtet über die verschiedensten Aspekte des Selfpublishing unter: www.selfpublisherbibel.de

 (Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Januar 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Bewerbung im Consulting: Flexibilität ist gefragt

Wer ins Consulting einsteigen will, durchläuft ein anspruchsvolles Einstellungsverfahren. Insbesondere analytische Fähigkeiten und Flexibilität muss der Bewerber unter Beweis stellen.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Studierende.

Der 27-jährige Psychologe Max Klante hat erfolgreich das Bewerbungsverfahren bei der Boston Consulting Group bestanden. Heute arbeitet er dort als einer von jährlich rund 200 Nachwuchsberatern. „In den beiden Bewerbungsrunden spielten Fallstudien eine wichtige Rolle.“ Sowohl im Online-Test als auch in den Interviews musste Klante unter Zeitdruck wirtschaftliche Probleme analysieren und passende Lösungen entwickeln. „Einmal ging es um die Neukundengewinnung bei einer Bank, ein anderes Mal um eine Markteinschätzung in der Schifffahrtsindustrie.“

Vorbereitung zählt

Klante hat sich auf das Bewerbungsverfahren intensiv vorbereitet. So wurde er Mitglied des Social-Media-Karrierenetzwerkes squeaker.net: „Dort habe ich mich mit anderen Bewerbern vernetzt. Gemeinsam haben wir via Skype verschiedene Fallstudien durchgespielt. Das hat mir sehr geholfen. So bekam ich ein Gefühl dafür, wie ich an die Lösung solcher Cases herangehen muss.“

Wolfram Tröger, Vorsitzender des Fachverbandes Personalberatung im BDU, bestätigt: „Das Bewerbungsverfahren bei Unternehmensberatungen ist sehr professionell und fordernd. Schließlich wollen die Arbeitgeber die analytischen Fähigkeiten, die Einsatzbereitschaft und Flexibilität ihrer Kandidaten prüfen.“ Bei den Fallstudien gehe es in der Regel nicht darum, wie bei Führerscheinprüfungen richtige oder falsche Antworten zu geben, sondern plausible Lösungswege aufzuzeigen. „Inhaltlich lassen sich die Fallbeispiele eigentlich nicht vorbereiten.“ Denn die Cases, zu denen Bewerber im Interview befragt werden, seien sehr speziell.

Sich mit Fallstudien vertraut machen

Dennoch empfiehlt Stefan Menden, Autor des Ratgebers „Bewerbung bei Unternehmensberatungen“, sich mit Fallstudien vertraut zu machen. „So lernen Kandidaten die Herangehensweisen. Wichtig ist es zum Beispiel, sich einen Überblick zu verschaffen, sauber und logisch zu argumentieren, aber im Zweifelsfall auch gezielte Rückfragen zu stellen“, so der Gründer von squeaker.net. Neben den Fallstudien, die meist aus der Beraterpraxis stammen, nutzen Consultingfirmen sogenannte Brainteaser. Das sind kleine Denksportaufgaben wie zum Beispiel „Wie schwer ist Manhattan“. Menden: „Um optimal vorbereitet zu sein, sollten Bewerber im Vorfeld auch mit Insidern aus der Branche sprechen.“

(Veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter  Allgemeinen Sonntagszeitung, Dezember 2014)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Zusätzliche Infos:

Stefan Menden, Jonas Seyfferth: Das Insider-Dossier: Bewerbung bei Unternehmensberatungen. Consulting Cases meistern, 350 Seiten, 11. aktualisierte und überarbeitete Auflage, squeaker.net (Köln) 2015, 29,90 Euro.

Website: www.squeaker.net 

Ein weiterer Artikel informiert über den Berufseinstieg in der Consultingbranche: http://blog.anjaschreiber.de/karriere-im-consulting-sehr-guten-noten-allein-reichen-nicht

Karriere im Consulting: Sehr guten Noten allein reichen nicht

Ein schneller Aufstieg, sehr gute Gehälter, internationale Erfahrung … das macht die Attraktivität der Consultingbranche aus. Sie bietet Akademikern verschiedenster Fachrichtungen einen Einstieg in die Wirtschaft. Denn nicht nur BWLer sind dort gefragt. So haben nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) 15 Prozent der Junior-Berater ein Ingenieur-Studium. Jeder zehnte hat Mathematik oder Naturwissenschaften studiert und jeweils drei Prozent steigen mit einem medizinischen oder geisteswissenschaftlichen Studienhintergrund in die Unternehmensberatung ein.

Berufseinstieg in die Consultingbranche.
Berufseinstieg in die Consultingbranche.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Schulabgänger und Studierende.

Den 33-jährigen Jonas Seyfferth hat die Themenvielfalt in der Beratung gereizt: „Im Consulting ist es möglich, in wenigen Jahren komplett verschiedene Wirtschaftszweige wie die Automobilindustrie, die Telekommunikationsbranche oder die Versicherungswirtschaft kennenzulernen und dort ganz unterschiedliche Fragestellungen zu bearbeiten.“ Seyfferth ist inzwischen Projektleiter bei „Strategy&“ in München und Co-Autor von drei Bewerbungsratgebern zu Thema Consulting. „Mal beschäftigt sich ein Berater mit der Suche nach digitalen Wachstumsfeldern für einen Zeitungsverlag, ein anderes Mal geht es darum, eine Konzernzentrale zu verschlanken.“ Auch die Internationalität begeistert ihn: „Mein erstes Projekt hatte ich in Chile, später ging es nach Nordamerika und in den Nahen Osten.“ Und noch etwas schätzt er: „Im Consulting arbeite ich mit sehr engagierten, inspirierenden und klugen Kollegen zusammen. Ich traf außerdem schon in jungen Jahren wichtige Entscheidungsträger der Industrie.“

Berufeinsteiger können hohe Gehälter erwarten

Ein Berufseinstieg in der Consultingbranche hat aber noch einen anderen Vorteil: „Durchschnittlich verdienen Einsteiger jährlich 50.000 Euro brutto. Beim ersten Karrieresprung nach drei Jahren steigt das Gehalt auf 80.000 bis 90.000 Euro“, berichtet Veith Bremer, Akademischer Arbeitsvermittler bei der Arbeitsagentur München. Ein Projektleiter könne es auf ein Jahresbruttogehalt von etwa 120.000 Euro bringen. „Bewerber müssen aber wissen, dass es sich bei all diesen Positionen um keine klassischen Nine-to-Five-Jobs handelt. Wer diesen Beruf ausübt, muss auch physisch an die Grenze seiner Belastbarkeit gehen“, betont Bremer.

Wen ein Aufstieg dagegen wenig interessiert, sollte sich allerdings erst gar nicht für diese Branche entscheiden. Der Karriereberater und vielfache Buchautor Christian Püttjer betont: „In Unternehmensberatungen gilt häufig das Prinzip ‚Up or Out‘: Von Einsteigern wird sehr gute Leistung erwartet. Dann können sie in wenigen Jahren aufsteigen … schneller als in der Industrie. Ist ein weiterer Aufstieg nicht möglich, verlassen sie meist das Unternehmen.“ Doch auch dann stehen ihnen in der Wirtschaft vielfältige Karrieremöglichkeiten offen.

Wer aber in kurzer Zeit nach oben will, dem bietet das Consulting optimale Voraussetzungen: „Karriereschritte sind in der Regel nach drei, fünf und acht Jahren vorgesehen. Nach fünf Jahren können Berufsanfänger bereits zum Projektleiter und nach acht bis zehn Jahren sogar zum Partner aufsteigen“, erklärt Per Breuer, der als Partner bei Roland Berger Strategy Consultant den Personalbereich leitet. „Natürlich kann nicht jeder Berater Partner werden. Wenn sich unsere Berater in Richtung Industrie weiterorientieren möchten, begleiten wir so weit wie möglich diesen Prozess und bleiben mit vielen unserer Ehemaligen weiterhin eng verbunden.“

Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung in der Branche sind sehr gute Noten: „Hochschulabsolventen sollten unbedingt große analytische Fähigkeiten mitbringen und natürlich Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen haben … egal, aus welcher Fachrichtung sie kommen“, so Breuer. Auch auf soziale Kompetenz, auf Praktika im Consultingbereich und in der Industrie sowie auf Auslandserfahrung legt das Unternehmen großen Wert. Neben Promovierten und Master-Absolventen stellt die Branche auch Akademiker mit Bachelorabschluss für die ersten Karriereschritte ein.

„Wir haben in unseren Reihen zum Beispiel auch Spitzensportler, die dann aber eventuell etwas länger studiert hat“, berichtet Dr. Thomas Fritz, Recruiting Director für McKinsey in Deutschland. Sehr gute Noten allein reichen nicht aus. Denn Fritz legt auf praktische Erfahrung und soziales, gesellschaftliches oder eben sportliches Engagement neben dem Studium viel Wert. Beratungsunternehmen stellen zudem auch Akademiker mit Industrieerfahrung ein, die wegen ihres Spezialwissens gefragt sind.

Exzellente Weiterbildung

Die Beratungsbranche erwartet aber nicht nur viel, sie bietet auch viel, zum Beispiel exzellente Weiterbildungschancen. „Nach zwei Jahren besteht bei uns die Möglichkeit, auf Unternehmenskosten einem Master of Business Administration zu erwerben oder sich eine Auszeit von drei Jahren für die Promotion zu nehmen. Ein Jahr davon bezahlen wir das Gehalt weiter“, erklärt Fritz.

Doch Berater haben nicht nur die eigene Zukunft fest im Blick, sondern beschäftigen sich auch mit den Trendthemen der Wirtschaft: „Eine der größten Herausforderungen stellt nach wie vor die Digitalisierung dar“, erklärt Fritz. Dabei geht es zum Beispiel auch um die Umsetzungsprozesse in der Industrie. Weitere Themen sind Ressourcenknappheit und Energieeffizienz, aber auch die globale wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere der Schwellen- und Entwicklungsländer. Wer an solchen zukunftsträchtigen Themen arbeitet, ist auch in der Industrie gefragt.

(Veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter  Allgemeinen Sonntagszeitung, Dezember 2014)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Ein weiterer Artikel berichtet über die  Bewerbung im Consulting: http://blog.anjaschreiber.de/bewerbung-im-consulting-flexibilitaet-ist-gefragt

Berufe rund ums Naschwerk: Gute Aussichten für den Nachwuchs

Ob leckere Plätzchen, edle Pralinen oder traditionelle Christstollen … Weihnachten ohne Leckereien sind für die Allermeisten kaum vorstellbar. Wie gut, dass es Konditoren, Bäcker und Fachkräfte für Süßwarentechnik gibt, die sich dieser süßen Köstlichkeiten verschrieben haben.

Gute Berufsaussichten für die süßen Berufe.
Gute Aussichten für die süßen Berufe.

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  • Berufseinsteiger, Schulabgänger, Auszubildende und Eltern.

Leidenschaft zählt

„Wer Bäcker oder Konditor werden will, der sollte Leidenschaft mitbringen und für seinen Beruf brennen“, betont Wolfgang Weber, Leiter der „Akademie Deutsches Bäckerhandwerk Berlin-Brandenburg“. „Junge Leute, die dagegen nur den Beruf ergreifen, weil sie keine Alternative haben, halten meist nicht durch und werden schon in der Probezeit aussortiert.“ Aber für alle, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen, bietet sich das Bäckerhandwerk an: „Bäcker haben sofort ein Erfolgserlebnis … das zeichnet diesen Beruf vor anderen Gewerken aus.“ Außerdem lässt er viel Raum für Kreativität, die gerade in Familienbetrieben gefragt ist.

„Für viele Bäcker ist die Selbständigkeit ein großes Ziel. Schließlich sind 68 Prozent aller Bäckereien kleine Betriebe. Zwar sinkt insgesamt die Zahl der Betriebe, aber nicht die Zahl der Mitarbeiter. Das liegt an den Großbäckereien mit den vielen Filialen“, erklärt Weber. Deshalb sieht er für den engagierten Nachwuchs gute Chancen: „Wer die richtige Idee und eine Nische findet, kann sich erfolgreich selbständig machen. Er sollte aber seine Kunden nicht über den Preiskampf gewinnen, sondern über Qualität und indem er auf ihre Wünsche eingeht.“

Nachwuchs mit guten Perspektiven

Auch Hartmut Spaethe, Obermeister der Konditoren-Innung Berlin, sieht für den Nachwuchs beste Perspektiven: „Bei uns Konditoren gibt es eigentlich keine Arbeitslosigkeit. Auch sind die Einsatzmöglichkeiten vielfältig. So können Konditoren weltweit in der Gastronomie und Hotellerie arbeiten, sogar auf Kreuzfahrtschiffen.“ Unter Konditoren ist die Selbständigkeit ebenfalls ein verbreitetes Berufsziel. „Nur zehn Prozent aller Konditoreien sind Filialen. Die meisten sind kleine inhabergeführte Geschäfte mit einem Café, das einen Jahresumsatz unter 550.000 Euro hat.“ Der Vorteil dieser Betriebe ist es, hochqualitative Produkte ohne Zusatzstoffe herstellen zu können. „Wir verarbeiten keine Chemie und können auch auf spezielle Wünsche – etwa von Allergikern – eingehen.“

Zwar zeigt sich auch im Konditorhandwerk der langfristige Rückgang an Nachwuchs. Dennoch sieht Spaethe noch keine Mangelsituation wie in anderen Handwerksberufen: „Unser Beruf ist gerade in Mode, ihn ergreifen auch viele Abiturienten. Es gibt sogar Quereinsteiger aus akademischen Berufen.“

Mit der richtigen Motivation sieht Weber für den Bäckernachwuchs gute Aufstiegsperspektiven. Schließlich können Bäcker nach ihrer Gesellenprüfung noch ihren Meister machen. „Damit haben sie die Möglichkeit, sich selbständig zu machen oder an einer Hochschule zum Beispiel Lebensmitteltechnik zu studieren“, berichtet Weber. Zudem bietet die Handwerkskammer auch noch eine Weiterbildung zum Betriebswirt an. Das Bäckerhandwerk bildet auch Bäckereifachverkäufer aus. Diese können sich anschließend zum Verkaufsleiter weiterbilden. „Inzwischen gibt es den Trend, dass zunehmend auch junge Frauen den Bäckerberuf ergreifen, während umgekehrt Männer sich als Fachverkäufer ausbilden lassen.“

Vielfältige Aufstiegschancen

Spaethe sieht ebenfalls verschiedene berufliche Entwicklungsmöglichkeiten: „Wer seinen Konditormeister macht, kann danach als Angestellter zum Backstubenleiter aufsteigen, aber sich auch mit einer Konditorei, Eisdiele oder Schokolaterie selbständig machen. Auch in der Industrie sind Konditoren gerne gesehen.“

Die Süßwarenindustrie bildet aber auch eigene Nachwuchskräfte aus wie zum Beispiel zur „Fachkraft für Süßwarentechnik“. Diese Auszubildenden erhalten an der Zentralfachschule der Deutschen Süßwarenwirtschaft (ZDS) in Solingen praktischen und theoretischen Unterricht in Fächern wie etwa Ernährungslehre, Betriebstechnik und Technologie der Süßwarenherstellung mit Vertiefung in den Fachrichtungen Konfekt, Dauerbackwaren, Schokolade und Zuckerwaren. „Da Verbraucher den hohen Qualitätsstandart der deutschen Süßwaren weltweit schätzen und Betriebe sich zum Standort Deutschland  bekennen, sind diese Arbeitsplätze sehr sicher“, betont Alfred Pflugmacher, der Schulleiter der ZDS. „In den letzten Jahren hat sich in unserer Branche sehr viel im technologischen und technischen Bereich weiterentwickelt.“ Ab Sommer 2014 heißt der Ausbildungsberuf dann „Süßwarentechnologe“.

Die Aufstiegschancen sind in der gesamten Süßwaren- und Zulieferindustrie- wie im Handwerk – vielfältig. Fachkräfte können sich etwa zum „Geprüften Industriemeister Fachrichtung Süßwaren“ weiterbilden. Wer noch tiefer in die Materie einsteigen will, hat auch die Möglichkeit, „Staatlich geprüfter Lebensmittel Techniker, Fachrichtung Lebensmitteltechnik“ zu werden. Damit stehen diesen Fachkräften Führungspositionen wie die Abteilungs- oder Produktionsleitung offen, so Pflugmacher. Bei der Besetzung von Führungspositionen sieht er die Nachwuchskräfte mit guter Berufsausbildung und anschießender Weiterbildung gegenüber Hochschulabsolventen, die lediglich Praktikumserfahrung haben, klar im Vorteil, weil sie mehr praktische Erfahrung aus den Betrieben mitbringen. „Mit sehr guten technologischen Kenntnissen können es solche Fachkräfte bis zum Betriebsleiter bringen.“

Informationen über die Aus- und Weiterbildung im Bäckerhandwerk in Berlin und Brandenburg gibt es unter www.adb-bb.de

Informationen über die Aus- und Weiterbildung im Berliner Konditoren-Handwerk finden sich unter
www.berliner-konditoren.de/ausbildung/index.html

Die ZDS-Süßwarenakademie informiert über ihre Aus- und Weiterbildungsangebote unter www.zds-solingen.de

(Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Dezember 2013)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Fiese Fragen: Perfekt gekontert im Vorstellungsgespräch

Wie ein Schuss aus dem Hinterhalt … im Vorstellungsgespräch treffen manche Fragen den Bewerber ganz unvorbereitet und bringen ihn leicht zu Fall. Doch das muss nicht sein: Mit der richtigen Vorbereitung und der nötigen Gelassenheit können Jobsuchende auch bei der Beantwortung fieser Fragen punkten.

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„In wie vielen Sekunden ist Neujahr? Das könnte die Stressfrage eines Unternehmensvertreters sein“, erklärt Stefan Menden, Gründer der Karriere-Community squeaker.net (www.squeaker.net) und Herausgeber von Karriere-Ratgebern. Denn wer denkt schon an Neujahr, wenn er sich im Sommer um einen Arbeitsplatz bewirbt?

Trotzdem lässt sich diese Frage beantworten, wenn der Bewerber einen kühlen Kopf behält, um eine kurze Bedenkzeit bittet und einige Berechnungen anstellt. Schließlich ist ihm das Datum, an dem ihm die Frage gestellt wurde, ebenso bekannt wie das Datum von Neujahr. Mit der Anzahl der Tage lassen sich dann auch die Anzahl der Stunden, Minuten und Sekunden berechnen. „Solche sogenannten Brainteaser werden immer beliebter. Neben Unternehmensberatungen und Investmentbanken stellen inzwischen auch vermehrt Firmen aus der Internet- und Kreativbranche diese Stressfragen fürs Gehirn.“

Souverän bleiben

Mit fiesen Fragen versuchen Personaler, den Bewerber aus der Reserve zu locken. „Sie wollen ihm auf den Zahn fühlen und sehen, wie er in einer Stresssituation reagiert“, erklärt Menden. Schließlich lässt sich so schnell herausfinden, ob jemand unter Druck patzig reagiert oder souverän und gelassen.

Viele der fiesesten Fragen sind individuell auf den Jobsuchenden zugeschnitten. Wenn ein Bewerber in seinem Lebenslauf geschrieben hat, dass er Golf spielt, könnte ihn der Personaler fragen: „Welche Preise haben Sie denn schon gewonnen?“ Einem anderen Bewerber, der erwähnt, in seinem letzten Job eine Budgetverantwortung von 20 Millionen Euro gehabt zu haben, wird entgegnet: „Das ist doch gar nichts.“ Mit solchen Kommentaren versuchen Personaler zu prüfen, wie der Kandidat reagiert. Unterstellungen wie „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sie gut zu unserem Unternehmen passen“ haben die gleiche Funktion.

„Wichtig ist, dass Sie bei all diesen Stressfragen ruhig bleiben, nicht hilflos wirken oder gar dem Personaler ins Wort fallen. Unterlassen Sie bitte alle Aussagen, die angreifbar sind“, empfiehlt Menden. Problematisch ist es, wenn der Bewerber auf die Unterstellung, er passe nicht ins Unternehmen, mit dem allgemeinen Satz antwortet: „Ich bin ein toller Teamplayer.“ Sinnvoller ist es, die Aussage der Anpassungs- und Teamfähigkeit mit konkreten Beispielen zu belegen.

Schwachstellen im Blick

In jeden Fall sollten Jobsuchende fiese Fragen einkalkulieren und sich darauf vorbereiten. So ist es wahrscheinlich, dass sich Stressfragen gerade auf die vermeintlichen Schwachstellen des Kandidaten beziehen, ob nun auf eine lange Studiendauer, eine schlechte Mathe-Note oder ein wenig schmeichelhaftes Praktikumszeugnis. „Schauen Sie sich vor dem Jobinterview Ihren Lebenslauf und Ihre Zeugnisse an und suchen Sie nach Fakten, die eine Angriffsfläche bieten könnten. Wenn Sie sich dann noch eine Erklärung dafür überlegen, sind Sie gut gerüstet“, erklärt Menden.

Manche Personaler stellen auch Fragen, die sie gar nicht stellen dürfen, zum Beispiel nach der politischen oder religiösen Ausrichtung des Kandidaten. Die darf eigentlich nur bei Kirchen, Parteien oder parteinahen Institutionen eine Rolle spielen. Menden rät in diesem Fall zu einem diplomatischen Vorgehen: „Sagen Sie zum Beispiel: Ich würde mich gerne mit Ihnen darüber unterhalten, aber lieber bei einem Feierabendbier als im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs.“

(Veröffentlicht bei GMX.de, Jnni 2014)
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Lohn-Unterschiede zwischen Frauen und Männern: Die Gehaltsverhandlung

Frauen verdienen weniger als ihre männlichen Kollegen. Doch welche Rolle spielt dabei die Gehaltsverhandlung? Anja Schreiber befragte dazu Isabel Nitzsche.

Wie wichtig die Gehaltsverhandlung für Frauen ist.
Wie wichtig die Gehaltsverhandlung für Frauen ist.

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  • Berufseinsteigerinnen, Berufserfahrene und Studierende.

Die Münchner Buchautorin und Business-Coach Isabel Nitzsche leitet Durchsetzungstrainings für Frauen. Sie ist Autorin des Ratgebers „Spielregeln im Job durchschauen. Frauen knacken den Männercode“.

Es gibt viele Gründe, warum selbst Akademikerinnen weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Welche Rolle spielt Ihrer Meinung nach die Gehaltsverhandlung?

Ich bin mir sicher, dass Frauen bei Gehaltsverhandlungen oft schlechter dastehen als Männer. Sie sind meist von ihrem neuen Job so begeistert, dass sie nicht groß Forderungen stellen wollen. Aber insbesondere für Frauen gilt: Lieber schlecht verhandeln als gar nicht verhandeln.

Und warum verhandeln Frauen häufig nicht?

Dafür gibt es zahlreiche Gründe. Viele Frauen wissen nicht, dass es bei jedem Job einen Ermessensspielraum des Arbeitgebers gibt. Oft sind sie auch nur schlecht oder sogar gar nicht darüber informiert, was andere Kollegen mit ihrer Qualifikation verdienen. Aber genau das sollten sie wissen, wenn sie um ihren Lohn verhandeln.

„Sie sind keine Bittstellerin“

Manche Frauen haben sicher auch Angst, beim Verhandeln zu scheitern und dann schlecht dazustehen. Was sagen Sie denen?

Diese Angst ist unberechtigt. Denn auch wenn eine Frau nicht sofort erfolgreich ist, so hat sie das Thema schon mal angesprochen. Damit ist sie einen Schritt weiter, denn das Thema ist jetzt auf dem Tisch. Machen Sie sich als Frau klar, dass Sie keine Bittstellerin sind, sondern das Recht haben, zu verhandeln. Außerdem geht es nicht nur um die Höhe des Gehaltes, sondern zum Beispiel auch um Weiterbildungen oder die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.

Warum ist es wichtig, schon als Berufseinsteigerin mit der Gehaltsverhandlung zu beginnen?

Wer beim ersten Job niedrig einsteigt, hat später schlechtere Chancen, auf wesentlich mehr Lohn zu kommen. Meiner Erfahrung nach wird die Schere zwischen dem Einkommen von Frauen und Männern immer größer, je länger sie berufstätig sind. Wehren Sie deshalb den Anfängen!

Was sind die besten Argumente bei den Gehaltsverhandlungen?

Ihre Argumente sollten sich immer auf Ihre Qualifikation beziehen. Machen Sie sich und Ihrem Gegenüber klar, welche Kompetenzen Sie haben und welche Sie seit der letzte Gehaltsverhandlung dazugewinnen konnten. Auch der Zuwachs an Aufgaben und Verantwortung eignet sich bestens, Ihre Forderung zu untermauern.

Literaturtipp:

Isabel Nitzsche: Spielregeln im Job durchschauen. Frauen knacken den Männercode, Kösel, München (2011), 176 Seiten, 16,99 Euro.

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Der Lohn-Unterschied: Frauen verdienen weniger als Männer

(Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2014)
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Der Lohn-Unterschied: Frauen verdienen weniger als Männer

Frischgebackene Akademikerinnen haben weniger in der Tasche als ihre männlichen Kollegen…das hat eine aktuelle Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) herausgefunden. Die Gründe dafür sind vielfältig. So ist die Frauenquote in jenen Fächern besonders niedrig, in denen oft die höchsten Startgehälter gezahlt werden.

Akademikerinnen haben weniger in der Tasche als ihre männlichen Kollegen.
Akademikerinnen haben weniger in der Tasche als ihre männlichen Kollegen.

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„Über alle Branchen und Studienfächer hinweg liegt der Lohn von Hochschulabsolventinnen bei durchschnittlich 90 Euro pro Bruttotageslohn. Männer verdienen dagegen im Schnitt 111 Euro. Das macht einen Lohnunterschied von 23 Prozent aus“, berichtet Dr. Gabriele Wydra-Somaggio vom IAB Rheinland-Pfalz-Saarland. „Bei diesen Zahlen wurden alle Akademiker beiderlei Geschlechts erfasst, egal welchen Studienabschluss und welches Fach sie studiert haben und in welcher Branche sie arbeiten.“

Studienfach erklärt zu 40 Prozent Gehaltslücke

Der Grund für diese erheblichen Gehaltsunterschiede liegt insbesondere in der Fächerwahl, die bei Frauen und Männern unterschiedlich ausfällt. So ist der Frauenanteil in den Erziehungswissenschaften sowie in den Sprach-, Literatur- und Kulturwissenschaften sehr hoch. Die Absolventen dieser Fächer verdienen aber erheblich weniger als die Absolventen technischer und naturwissenschaftlicher Fachrichtungen. In diesen MINT-Fächern ist die Frauenquote zudem besonders niedrig! Fazit von Wydra-Somaggio: „Das Fach erklärt zu 40 Prozent, warum es gleich beim Berufseinstieg zu einer geschlechtsspezifischen Lohnlücke kommt. Also stellt die Wahl des Studienfaches entscheidende Weichen für die Erwerbskarriere von jungen Akademikerinnen.“

Svenja Hofert kennt aus ihrer Erfahrung als Karrierecoach das Problem der Gehaltsunterschiede: „Ich berate nur eine einzige Frau, die mehr als 150.000 Euro im Jahr verdient, aber zahlreiche Männer in dieser Gehaltsklasse.“ Auch sie sieht in der Studien- und Berufswahl einen zentralen Grund für das Einkommensgefälle. „Viele Hochschulabsolventinnen interessieren sich vor allem für Branchen wie zum Beispiel Kultur, Medien, Mode oder Tourismus, in denen das Gehalt geringer ausfällt als zum Beispiel in den Technikbranchen. Das bedeutet im Umkehrschluss aber nicht, dass nun alle Frauen MINT-Berufe ergreifen sollten.“

Doch auch wenn Frauen die gleiche Studienwahl treffen und in der gleichen Branche arbeiten wie die Männer, heißt das noch lange nicht, dass sie gleichermaßen lukrative Stellen besetzen. „Oft gehen Akademikerinnen in einen Betriebszweig, in dem weniger verdient wird – wie zum Beispiel Personal und Marketing -, während viele Männer im Vertrieb deutlich mehr Gehalt bekommen“, so Hofert. Sie stellt fest, dass Frauen im Laufe ihrer Karriere immer wieder Entscheidungen treffen, die sich tendenziell negativ auf ihren Lohn auswirken. Das zeigt sich zum Beispiel am Bewerbungsverhalten: „Während sich Männer bereits nach einem Jahr auf den Posten eines Seniors bewerben, glauben Frauen, dass sie auch nach drei Berufsjahren für eine solche Stelle noch nicht genug Erfahrung gesammelt haben.“

Männer haben bessere Chancen bei der Gehaltsverhandlung

Nur mit der Studien- und Berufswahl lassen sich die Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern nicht begründen: „Es ist problematisch, Frauen den ‚Schwarzen Peter‘ zuzuschieben, weil sie sich für ein weniger lukratives Studium entschieden haben. Abgesehen davon haben Männer bei Gehaltsverhandlungen meist bessere Chancen“, betont Genderforscherin Dr. Christina Klenner vom Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI) in Düsseldorf. Zwar verbietet das Gesetz Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen bei gleicher und gleichwertiger Arbeit. In Tarifverträgen ist festgelegt, was für welche Arbeit zu zahlen ist. „Aber nur die Hälfte aller Arbeitsverträge ist heute tariflich gebunden. Und selbst wenn: In jeder Lohnverhandlung gibt es ein subjektives Moment. Und da können sich Geschlechterstereotype und Vorurteile, nach denen Männer kompetenter sind und Frauen weniger berufsorientiert, schon mal einschleichen.“ Auch wenn Diskriminierung in jedem Einzelfall nachgewiesen werden muss und viele Fälle gar nicht vor Gericht landen, kennt sie Beispiele von Ungleichbehandlung: „Einer Frau wurden einmal 60.000 Euro Jahresgehalt angeboten, während ihr Vorgänger auf dem gleichen Posten 64.000 Euro erhalten hat.“

Sieben Prozent weniger Lohn

Auch die IAB-Studie zeigt: Wenn bei weiblichen und männlichen Hochschulabsolventen Studienfach, Abschlussnote, Studiendauer, Betriebsgröße und das Abschlussjahr gleich sind, gibt es immer noch einen deutlichen Gehaltsunterschied. „Selbst bei diesem Vergleich verdienen junge Akademikerinnen immer noch sieben Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen“, so Wydra-Somaggio. Ob die Frauen aber aufgrund ihres Geschlechts beim Berufseinstieg benachteiligt werden, lässt sich mit diesen Zahlen nicht eindeutig belegen. „Wir bräuchten dafür einen statistischen männlichen und weiblichen Zwilling.“

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) geht allerdings nicht von sieben Prozent Lohnunterschied aus: „Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat in einer Studie eine Gehaltsdifferenz von zwei Prozent festgestellt. Je nachdem, welche Faktoren die Studien berücksichtigen, kommen sie zu anderen Ergebnissen“, betont Nora Fasse, Arbeitsmarkt-Expertin bei der BDA. Gründe für den zweiprozentigen Unterschied sieht Fasse vor allem in den familienbedingten Erwerbsunterbrechungen. „Gerade in diesem Bereich unterstützen viele Unternehmen ihre Beschäftigten, damit sie nach ihrer Elternzeit frühzeitig in den Betrieb zurückkehren können.“ Beispiele dafür seien die Möglichkeiten zum Jobsharing, Eltern-Kind-Zimmer, aber auch Betriebskindergärten. „Entscheidend ist, dass wir die Ursachen für das unterschiedliche Erwerbsverhalten von Frauen und Männern angehen. Es ist Aufgabe der Politik, den weiteren Ausbau von ausreichenden und hochwertigen Angeboten an Ganztagskinderbetreuung und Ganztagsschulen voranzubringen. Fehlanreize im Steuer- und Sozialrecht sollten gemindert werden.“

Infos:

Das WSI GenderDatenPortal informiert über auf den jeweils aktuellen Stand der Berufstätigkeit von Frauen und Männern: www.wsi.de/genderdatenportal

Der Lohnspiegel berichtet über Mindest- und Tariflöhne. Er bietet unter anderem einen Brutto-Netto-Rechner sowie einen Lohn- und Gehaltscheck an: www.lohnspiegel.de

Der Frauen-Lohnspiegel informiert über das Thema Frauen und Gehalt: www.frauenlohnspiegel.de

 

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Lohn-Unterschiede zwischen Frauen und Männern:  Die Gehaltsverhandlung

(Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2014)
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Studienfachwechsel: Was beim BAföG zu beachten ist

Studienfachwechsel … die Motive sind vielfältig, warum Studierende ihre Studienrichtung ändern. Doch ein Problem ist vielen gemeinsam: Mit dem Richtungswechsel ist ihre Finanzierung nicht mehr automatisch gewährleistet. Wer zum Beispiel BAföG empfängt, kann nicht einfach so das Fach wechseln und davon ausgehen, dass das Amt weiterzahlt. Um Schwierigkeiten zu vermeiden, empfiehlt sich deshalb eine frühzeitige Beratung.

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Häufig wird Studierenden erst nach einiger Zeit klar, dass ihr Studiengang nicht zu ihnen passt und ein anderes Studium ihren Interessen und Neigungen mehr entspricht. Allerdings ist es dann notwendig, auch über die Konsequenzen nachdenken, die dieser Entschluss für die Studienfinanzierung haben könnte. Für alle BAföG-Empfänger bedeutet das: Sie sollten sich möglichst schnell beim Amt für Ausbildungsförderung beraten lassen. „Sobald Sie sich für einen Wechsel entschieden haben, sollten Sie unverzüglich zum BAföG-Amt kommen. Lassen Sie sich einen Termin geben oder gehen Sie in die offenen Sprechstunde am Dienstag oder Donnerstag“, rät Christian Gröger, Leiter des Amtes für Ausbildungsförderung beim Studentenwerk Berlin.

Sich beraten lassen

Wer schnell in die Beratung kommt, umgeht so nicht nur Probleme mit dem Amt. Studierende, die sich frühzeitig mit ihm in Verbindung setzen, haben sogar die Chance, einen Vorabbescheid zu erhalten: „Noch vor ihr Exmatrikulierung bekommen sie mit dieser Bescheinigung die rechtsverbindliche Zusage, dass auch ihr neuer Studiengang gefördert wird.“

Ist dagegen ein solcher Richtungswechsel nicht mit dem Amt für Ausbildungsförderung abgesprochen, kann das zu ernsten Konsequenzen führen: „Im schlimmsten Fall kommt es zu Rückforderungen oder sogar zu einer Anzeige“, erklärt Gröger. Denn ein Studierender, der sich einfach in einen anderen Studiengang einschreibt und weiterhin BAföG bezieht, erschleicht sich Leistungen vom Amt. Schließlich hat er sich verpflichtet, dem Studentenwerk jede Änderung mitzuteilen.

Unproblematisch ist der Wechsel in den ersten zwei Semestern

Damit das Amt wirklich einem Studienwechsel zustimmt und weiterhin bereit ist, die Studienfinanzierung zu übernehmen, müssen allerdings bestimmte Kriterien erfüllt werden. Gröger: „Unproblematisch ist es, wenn Studierende den Wechsel in den ersten zwei Semestern vollziehen. Ab dem dritten Semester können sie das nur noch tun, wenn ein sogenannter wichtiger Grund vorliegt.“ Ein wichtiger Grund ist zum Beispiel, wenn sich das Interesse verändert oder der Neigungsschwerpunkt verlagert hat. Das ist etwa dann der Fall, wenn ein Studierender feststellt, dass ihm das Studium der Mathematik zu theorielastig ist.

Für Studierende, die sich erst im vierten Semester entscheiden, wird es noch schwieriger, ihr neues Studium über das BAföG gefördert zu bekommen: „Ab dem vierten Semester brauchen Studierende einen unabweisbaren Grund“, betont Gröger. „So ein Grund liegt beispielsweise dann vor, wenn ein physisches oder psychisches Unvermögen den Hochschüler an einem erfolgreichen Studium hindert.“ Ein Beispiel dafür ist eine Sportstudentin, die aufgrund einer Krankheit oder Verletzung nicht mehr in der Lage ist, ihr Studium zu absolvieren.

Ein unabweisbarer Grund für einen Studienwechsel ist also eine deutlich höhere Hürde als ein wichtiger Grund. Deshalb empfiehlt Gröger Studierenden im dritten Semester, möglichst schnell zu handeln und sich beraten zu lassen. Wenn im neu gewählten Studiengang keine Immatrikulation zum nächsten

Semester möglich ist, kann es sinnvoll sein, im vierten Semester ein Urlaubssemester zu nehmen und kein BAföG zu beziehen, so Gröger. Zwar müsste der betroffene Studierende dann das Urlaubssemester anders finanzieren, aber dafür hat er nach dem Studienfachwechsel die Chance auf eine BAföG-Finanzierung.

Sehr kompliziert ist auch ein Studienfachwechsel im Masterstudium: „Hier ist schon ab dem ersten Tag des Masterstudiengangs ein unabweisbarer Grund vonnöten, um nicht durch einen Wechsel den BAföG-Anspruch zu verlieren“, weiß Gröger.

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Studienfachwechsel: Wie der zweite Versuch gelingt
 

(Veröffentlicht im Werkblatt, Mai/Juni 2014)
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Studienfachwechsel: Wie der zweite Versuch gelingt

Schon das zweite Mal durch eine Prüfung gefallen? Wem das passiert, der sollte sich fragen, ob er das richtige Studienfach gewählt hat und ob ein Fachwechsel nicht doch sinnvoll ist. Dr. Steffan Baron, Leiter der Studienabteilung an der Humboldt-Universität, weiß, wie Studierende vorgehen sollten, die in ihrem gewählten Studiengang ernsthafte Probleme haben.

Wie Studierende ihr Studienfach erfolgreich wechseln.
Wie Studierende ihr Studienfach erfolgreich wechseln.

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  • Studierende, Neustarter und Eltern.

„Viele Studierende denken über einen Fachwechsel nach, wenn sie eine Pflichtprüfung endgültig nicht bestanden haben oder das endgültige Nichtbestehen einer Prüfung droht“, berichtet Baron. Aber auch mangelnde Motivation oder die Tatsache, dass sich ein Student unter seinem Fach etwas ganz anderes vorgestellt hat, kann zum Nachdenken darüber führen.

Sich frühzeitig beraten lassen

Andererseits warnt Baron davor, zu schnell einen Fachwechsel in den Blick zu nehmen. „Glauben Sie nicht gleich bei der ersten verfehlten Prüfung, dass Ihre Wahl falsch war“, erklärt Baron. „Wenn Ihnen zum Beispiel die Lehrveranstaltungen am Anfang des Studiums nicht gefallen, sollten Sie herausfinden, ob dies nur Einzelfälle sind oder ob Sie sich tatsächlich mit dem Fach und seinen Inhalten nicht identifizieren können.“ Deshalb rät Baron, frühzeitig die Studienberatung aufzusuchen und dort gemeinsam mit den Beratern nach Gründen für das Problem zu suchen. Schließlich sind Anlaufschwierigkeiten im Studium oft ganz normal und bedeuten keineswegs, dass die Hochschüler in ihrer Wahl tatsächlich falsch liegen.

Außerdem sollten Studierende bedenken, dass ein Fachwechsel keineswegs problemlos über die Bühne gehen muss. „Die allermeisten Studiengänge in Berlin haben einen Numerus Clausus, sind also zulassungsbeschränkt“, erklärt Baron. Wer also ein anderes Studienfach in Erwägung zieht, muss klären, welche Zulassungsvoraussetzungen er zu erfüllen hat. Wenn jemand zum Beispiel an der Humboldt-Uni  im vergangenen Jahr ins Fach Philosophie wechseln wollte, brauchte er einen Abiturdurchschnitt von 1,6. Mit einem NC von 3.0, hätte seine Bewerbung also keine Chance gehabt. Baron empfiehlt wechselwilligen Studierenden, vorab zu recherchieren, wie hoch gegebenenfalls der NC ist. Denn so können Sie besser die eigenen Chancen beurteilen und auf sinnlose Bewerbungsversuche verzichten. Möchten Hochschüler in solchen Fällen an ihrer neuen Studienwahl festhalten, müssen sie zudem über einen Ortswechsel nachdenken. Denn die Zulassungsbedingungen variieren nicht nur je nach Fach, sondern auch nach Studienort.

Zeitliche Verzögerung einkalkulieren

Wer ein anderes Studienfach belegen will, muss sich außerdem darüber klar sein, dass damit in den allermeisten Fällen eine Studienzeitverlängerung einhergeht. „Nur bei wenigen Wechseln können Studienleistungen anerkannt werden, zum Beispiel wenn jemand vorher Theologie belegt hat und nun Philosophie studieren möchte“, berichtet Baron. Deshalb müssen viele Studierende nochmal als Erstsemestler anfangen. Das bedeutet auch, dass sie sich in der Regel nur zum Wintersemester immatrikulieren können. Diese Tatsache ist in der zeitlichen Planung ebenfalls einzukalkulieren. „Wenn Sie sich nach reiflicher Überlegung und Beratung für einen Studienfachwechsel entschieden haben, sollten Sie außerdem die Fristen und Termine für Bewerbung und Immatrikulation im Blick haben“, rät Baron.

Um nicht zu viel Zeit verstreichen zu lassen, ist es sinnvoll, möglichst schon im Lauf des zweiten Semesters über eine Änderung der Studienrichtung nachzudenken. „Nutzen Sie die Möglichkeit, dass Sie bereits studieren und besuchen Sie neben den Lehrveranstaltungen Ihres aktuellen Studienfaches auch welche in dem Fach, das Sie künftig belegen wollen“, empfiehlt Baron. Denn so können Hochschüler schon einmal in den neuen Studiengang hineinschnuppern. Das bringt meist mehr Erkenntnisse als eine reine Internetrecherche, da Sie das Fach hautnah erleben. Und noch ein Tipp zum Schluss: „Geben Sie sich bei der Wahl Ihres neuen Studienfachs viel Mühe, noch mehr als beim ersten Mal. Nutzen Sie dabei alle möglichen Beratungsangebote.“

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 Studienfachwechsel: Was beim BAföG zu beachten ist

(Veröffentlicht im Werkblatt, März/April 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Homeoffice und Desktop-Sharing: Der Arbeitsplatz wird mobil

Ein fester Büroarbeitsplatz: Das ist längst nicht mehr die einzige Organisationsform in Unternehmen. Inzwischen haben sich neue Modelle etabliert wie das sogenannte Desk-Sharing oder das Arbeiten im Homeoffice. In einer immer mobileren Arbeitswelt wird auch der „Schreibtisch“ mobil.

Mobiles Arbeiten: Desk-Sharing und Homeoffice.
Mobiles Arbeiten: Desk-Sharing und Homeoffice.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Die 29-jährige Yvonne Graff hat zum Beispiel keinen festen Schreibtisch mehr. Sie arbeitet bei Drees & Sommer, einer Beratungs- und Projektmanagementfirma für Immobilienprojekte. 50 Prozent ihrer Arbeitszeit ist sie bei Kunden, zehn Prozent verbringt sie im Homeoffice und 40 Prozent am Firmenstandort in Vaihingen … und auch dort wechselt sie je nach Bedarf den Schreibtisch.

Drees & Sommer hat das Desk-Sharing-Modell in seiner Zentrale eingeführt. „2010 entstand die Idee, die damals üblichen Kombibüros abzuschaffen“, erklärt Thomas Jaißle, Partner und Geschäftsführer bei Drees & Sommer. „Wir befragten unsere Mitarbeiter – vom Ingenieur über die Assistentin bis hin zum Praktikanten – nach den Anforderungen ihres Arbeitsplatzes und entwickelten daraufhin unsere verschiedene Module.“ Deutlich wurde dabei, dass die bisherigen Büroplätze teilweise Kompromisse waren und weder konzentriertes Nachdenken über ein Thema noch Kommunikation untereinander optimal unterstützten.

Das Desk-Sharing beseitigt dieses Problem, weil es für die verschiedensten Arbeitsphasen unterschiedliche Räume anbietet. So können sich Mitarbeiter den Arbeitsplatz aussuchen, der ihrem aktuellen Bedarf entspricht. „Wer ungestört telefonieren muss, kann in ein Einzelbüro gehen“, erklärt Jaißle. Diese geräuscharmen Silent Rooms bieten sich auch für besonders konzentrierte Arbeit an. Wer dagegen den Austausch mit seinen Kollegen sucht, kann den sogenannten „Marketplace“ aufsuchen …ein unter anderem mit einer Loungeecke, Kaffeeküche, Alkoven und Stehtischen eingerichteter Ort, der zur Kommunikation einlädt, oder sich einen Platz im offenen Raum des Business Club suchen.

Die Mitarbeiter von Drees & Sommer in den Oberen Waldplätzen 13 und den Unteren Waldplätzen 37 in Stuttgart sind also nicht mehr an einen bestimmten Schreibtisch gebunden, sondern entscheiden frei, wo das Arbeiten für sie Sinn macht. Sie brauchen lediglich ihren Laptop anzuschließen und sich am Telefon anzumelden. So können sie an sonnigen Tagen auch im Innenhof sitzen und während der Arbeit das Wetter genießen. „Nur unsere Teamassistenten haben noch einen festen Arbeitsplatz“, berichtet Jaißle, der selbst genauso mobil arbeitet wie seine Mitarbeiter.

Überall Zugriff auf  Unterlagen

Für Teambesprechungen hat Drees & Sommer ebenfalls flexible Lösungen geschaffen. Jaißle: „Gab es früher nur die Möglichkeit, Besprechungsräume nach Voranmeldung zu belegen – was immer mit einem gewissen Organisationsaufwand verbunden war, so haben wir jetzt Besprechungsräume mit gelben Stühlen, die Mitarbeiter für spontane Meetings nutzen können.“

Das Unternehmen ermöglicht seinen Angestellten aber nicht nur Flexibilität innerhalb des Standortes Stuttgart-Vaihingen, sondern auch darüber hinaus. Denn sie können ihre Arbeit zum Teil im Homeoffice erledigen. Dafür hat Drees & Sommer flexible Regelungen geschaffen: „Bei uns gibt keine Arbeitszeiterfassung, sondern eine Vertrauensarbeitszeit“, erklärt Jaißle. Wichtig sei ihm die Zufriedenheit der Kunden und seiner Angestellten. „Wir wollen die besten Mitarbeiter, deshalb bieten wir ihnen auch ein Umfeld, in dem sie sich wohlfühlen und Leistung erbringen können.“

Yvonne Graff entscheidet sich zum Beispiel dann für die Arbeit im Homeoffice, wenn sie den ganzen Tag bei Geschäftspartnern war. „Wenn ich bis 16 Uhr Besprechungen mit Kunden hatte, macht es keinen Sinn, nochmal nach Vaihingen zu fahren und womöglich im Stau zu stehen“, berichtet Graff. „Es ist viel ökonomischer, an so einem Tag noch einmal zwei bis drei Stunden zu Hause zu arbeiten anstatt eine Stunde davon im Auto zu verbringen.“ Im Homeoffice protokolliert sie dann die Besprechungen, beantwortet Mails oder bereitet den nächsten Tag vor.

Auch wenn die Projektmanagerin die Chance hat, zu Hause zu arbeiten, bevorzugt sie doch die Arbeit am Standort Vaihingen: „Mir ist der direkte Austausch mit Kollegen wichtig. Deshalb bin ich lieber im Büro als im Homeoffice.“ Dabei macht sie von allen Varianten Gebrauch, die ihr das Desk-Sharing bietet: Mal sitzt sie im ruhigen Einzelbüro, mal im offenen Business Club, um besser mit ihren Kollegen zu kommunizieren. „Besonders hilfreich finde ich die digitale Bürostruktur, die es mir überall möglich macht, auf meine Unterlagen zuzugreifen.“

Stefan Pfeiffer hat sein Büro in den eigenen vier Wänden. Der IBM-Marketing Manager für Social Business Europe nutzt wie die allermeisten Mitarbeiter von IBM die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten. Statt täglich nach Frankfurt zu fahren, arbeitet er von Darmstadt aus. „Es macht für mich keinen Sinn, ins Büro zu fahren, wenn ich dort keinen Kollegen treffe, weil sie alle unterwegs sind“, erklärt der überzeugte Heimarbeiter.

Kollegen sieht man bei der virtuellen Teamsitzung

„Ich bin ständig auf Konferenzen und reise durch Amerika, Europa oder Südafrika. Auch mein Team ist in ganz Europa verstreut“, berichtet Pfeiffer. „Selbst wenn ich wollte, würde ich niemanden von meinem Team im Frankfurter Büro treffen.“ Stattdessen sieht er seine Kollegen und Teammitglieder auf Konferenzen weltweit und ist jeden Donnerstag um 16 Uhr mit ihnen zur virtuellen Teamsitzung verabredet. Er ist froh über die gewonnene Lebenszeit, die er nicht mit ständigen Fahrten nach Frankfurt verbringen muss. „Ich kann mir im Homeoffice meine Arbeit besser einteilen. So muss ich oft am Abend nach Amerika telefonieren. Dafür kann ich auch schon mal am Freitagmorgen etwas privates erldigen.“ Samstag und Sonntag hält er sich meist von Arbeit frei. Bei Bedarf sitzt er aber auch am Wochenende im Homeoffice, zum Beispiel wenn er in Ruhe einen Artikel schreiben will.

Der soziale Kontakt am Arbeitsplatz fehlt ihm nicht, dafür sorgen zum Beispiel feste Sporttermine. „Per Facebook bin ich eigentlich immer in Kontakt mit Freunden und Kollegen. Die Timeline ersetzt bei mir die Teeküche im Unternehmen.“

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Der Schreibtisch des Mitarbeiters: Die Bühne des Arbeitnehmers

(Veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, August 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)