Neid und Missgunst im Beruf: Wie Sie negative Gefühle überwinden

Die spitzen Bemerkungen der Büronachbarin, die scharfe Kritik des Kollegen … all das kann viele Gründe haben. Häufig verstecken sich hinter diesem Verhalten Neid und Missgunst. So nachvollziehbar die Emotionen im Einzelfall auch sein mögen: Sie können die Atmosphäre am Arbeitsplatz nachhaltig vergiften. Mit den richtigen Strategien lassen sich aber destruktive Verhaltensweisen in Schach halten.

Neid und Missgunst im Beruf.
Neid und Missgunst im Beruf.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Sehnsüchtige.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Neid und Missgunst entstehen.
  • Wie sie sich auswirken.
  • Wie Sie den eigenen Gefühlen begegnen können.
  • Wie Sie mit dem Neid Anderer umgehen sollten.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

So gehen Sie gut mit Neid und Missgunst im Job um

„Neid kann entstehen, wenn das Gerechtigkeitsgefühl der Mitarbeiter gestört ist … zum Beispiel, wenn ein Kollege zum Senior Manager aufgestiegen ist und ein anderer, der ähnlich viel Erfahrung hat, diesen Karriereschritt nicht machen kann“, berichtet der Hamburger Psychologe und Coach Thomas Prünte. Typisch ist auch die Situation, dass immer ein bestimmter Mitarbeiter Vorträge halten darf, während die Anderen im Team gar nicht erst gefragt werden, obwohl sie durchaus Interesse hätten.

„Auch wenn ein Beschäftigter auf Dauer weniger leistet als seine Umgebung, entwickelt sich bei Teammitgliedern oft Missgunst“, weiß Prünte. Ist eine Krankheit oder eine familiäre Belastung der Grund für den Leistungsabfall, könne die Führungskraft dem entgegenwirken, wenn sie das Thema offen kommuniziere. Im Idealfall haben die Kollegen dann Verständnis, zumindest wenn die eigene Arbeitsbelastung dadurch auf Dauer nicht über Gebühr steigt. „Ist aber nicht transparent, warum jemand weniger arbeiten darf, sind Konflikte vorprogrammiert.“

Die Urlaubsverteilung ist ein weiterer möglicher Streitpunkt. „Wenn Beschäftigte ohne Kinder jedes Jahr immer wieder erleben müssen, dass sie – anders als Eltern – nicht zu ihrem Wunschtermin verreisen können, kann sich Frust breitmachen und die Toleranz leiden“, erklärt Prünte.

Grund für Neid sind versteckte Sehnsüchte

Den Grund für Neid sieht Prünte, der auch Autor von Antistress-Büchern ist, in versteckten Sehnsüchten: „Neid weist darauf hin, dass dem Betroffenen etwas fehlt, was Andere scheinbar haben. Das können Eigenschaften und Fähigkeiten sowie Besitztümer und berufliche wie materielle Vorteile sein.“ Wer dieses Gefühl an sich selbst entdeckt, hat die Chance, seine verdeckten Wünsche zu erkennen.

„Neid ist eine normale Emotion, die zum menschlichen Leben dazugehört … auch wenn sie in der kirchlichen Tradition zu den sieben Todsünden gehört“, betont die Psychologin Prof. Dr. Mahena Stief, Professorin für Soziale Kompetenzen an der Hochschule Augsburg. Dieses Gefühl entwickelt sich dann, wenn jemand ein für ihn wichtiges materielles oder nicht-materielles Gut im geringerem Maße als andere hat. Empfindet dagegen ein Mensch den beruflichen Aufstieg seines Büronachbarn als wenig attraktiv, wird er nicht missgünstig reagieren.

Neid kann anspornen

„Neid entsteht durch den Vergleich“, erklärt die Hamburger Psychologin Elke Overdick. „Dabei ist das Vergleichen aber nicht grundsätzlich problematisch, da es hilft, sich einzuschätzen und zu verbessern. Schwierig wird es aber immer dann, wenn man sich nur in eine Richtung orientiert“, so die Trainerin für Führungskräfte. Denn so könne niemand einen realistischen Eindruck von sich selbst und seinen Fähigkeiten gewinnen.

Auch die Expertin für Personal- und Organisationsentwicklung Mahena Stief weiß: „Neid muss nicht immer negativ sein, denn er kann anspornen und den Neider zur Produktivität anstacheln.“ Die Bemerkung „Da bin ich aber neidisch“ ist meist augenzwinkernd und unproblematisch gemeint. „Problematisch wird es, wenn Kollegen destruktive Sprüche klopfen und eine negative Stimmung verbreiten.“ In extremen Fällen von Missgunst könne es sogar zu Mobbing kommen.

Stief kennt bei Neid zwei Reaktionsmuster: Das eine kehrt sich nach innen, das andere nach außen: „Die einen entwerten sich selbst und haben das Gefühl, nichts wert und hilflos zu sein. Am Ende können daraus sogar Depressionen stehen.“ Der nach außen gerichtete Neid zeigt sich dagegen in Sticheleien, übermäßiger Kritik und Aggressionen.

Emotionen wahrnehmen und relativieren

„Um solch destruktive Emotionen bekämpfen zu können, muss man sie erst einmal wahrnehmen“, betont Stief. In einem zweiten Schritt geht es dann um den richtigen Umgang damit. Ihr Tipp an alle Neidgeplagten: „Fragen Sie sich, wie wichtig Ihnen die Sache wirklich ist. Überlegen sie, in welchen anderen Lebensbereichen sie zufrieden sind.“ Der Neid lässt sich auch durch Gedankenspiele relativieren, zum Beispiel durch die Beantwortung der Frage: Wie bedeutend ist für mich das, was mich heute neidisch macht, in drei Jahren?

Statt sich in den Gedanken zu verrennen, dass Andere zu Unrecht einen Karriereschritt machen konnten, rät Overdick, etwas Anderes in den Blick zu nehmen: „Betrachten Sie das, was Sie schon erreicht haben und seien Sie dafür dankbar.“ Auch  die alte Tugend der Bescheidenheit sei ein gutes Gegenmittel gegen Unzufriedenheit.

Das Selbstwertgefühl stabilisieren

Außerdem rät Stief dazu, das eigene Selbstwertgefühl zu stabilisieren: „In dieser Situation ist es sinnvoll, sich loben zu lassen. Man kann zum Beispiel eine liebe Kollegin augenzwinkernd um Anerkennung für Geleistetes bitten.“ Auch den Vorgesetzten kann man bei Ablieferung einer guten Leistung gezielt nach einem Feedback fragen.

Hat ein Arbeitnehmer unter der Missgunst seiner Kollegen zu leiden, gibt es auch dagegen  Strategien: „Zuerst sollte sich der Betroffene fragen, wie wichtig die neidische Person für sein Fortkommen ist“, so Stief. Ist sie in dieser Beziehung irrelevant, empfiehlt sie, die Gefühle des Betreffenden zu ignorieren. „Achten Sie stattdessen darauf, wer in Ihrem Unternehmen zu den Meinungsbildnern gehört und pflegen Sie die Beziehung zu ihnen! Denn es ist entscheidend, was diese Personengruppe von Ihnen denkt.“

Neid und Missgunst ignorieren

Machen Sie sich klar, dass Sie nicht beeinflussen können, was der Andere denkt und fühlt, rät Overdick. „Das sollten Sie akzeptieren.“ Es gehe weder im Beruf noch im Privatleben darum, von allen gemocht zu werden. „Wichtig ist, dass ich mich selbst im Spiegel anschauen kann.“ Missgunst sollten sich Berufstätige nicht so zu Herzen nehmen.

Kollegen reden gerne über Dritte. So kommt es immer mal wieder vor, dass ein viel beneideter Kollegen von Anderen hört, wer missgünstige Kommentare abgesondert hat. „Auf so eine Erzählung sollten Betroffene erst gar nicht eingehen. Am Besten sagen Sie, dass Sie davon nichts hören wollen“, so Stief.

Neider einbinden

Wenn der missgünstige Kollege wichtig für die Karriere ist oder dem Beneideten aus anderen Gründen am Herzen liegt, ist es sinnvoll, den Neider einzubinden. Stief: „Man kann zum Beispiel die Stärken des Neiders loben und ihn vielleicht sogar in Projekte einbeziehen.“

Das Problem Missgunst anzusprechen, ist dagegen nicht gefahrlos. „Sie sollten vorher genau Risiken und Nutzen abwägen. Denn es besteht die Möglichkeit, dass die Situation noch mehr eskaliert“, betont Prünte. Wenn der Betroffene dieses Risiko tragen will, sollte er unbedingt auf seine Wortwahl achten. Vorwürfe oder Unterstellungen sind tabu. „Beschreiben Sie das Verhalten Ihres Gegenübers zum Beispiel mit den Worten: ‚Mir ist aufgefallen, dass …‘. Und fragen Sie, was es damit auf sich hat.“

Strategien für Chefs

Missgunst ist nicht nur ein Problem unter Kollegen, auch für Chefs ist das Thema eine Herausforderung. Schließlich wollen sie, dass ihre Mitarbeiter produktiv sind und zwischenmenschliche Probleme nicht die Arbeitsabläufe stören. Deshalb rät Stief: „Vorgesetzte sollten nicht für zu viel Konkurrenz unter den Teammitgliedern sorgen. So ist es  keine gute Idee, zwei Leute mit einer Aufgabe zu betrauen und das bessere Ergebnis zu nehmen.“

Andererseits ist Neid aber auch ein ganz normales Gefühl. „Ein vollkommen harmonisches Team ist eine Illusion“, erklärt Stief. „Deshalb sollten Chefs nicht Kuschelteams erwarten, sondern normale menschliche Prozesse zulassen.“

Tipps auf einen Blick:

  • Um Neid und Missgunst bekämpfen zu können, müssen Sie diese Emotionen erst einmal wahrnehmen.
  • Fragen Sie sich, wie wichtig Ihnen die Sache, die Sie neidisch macht, wirklich ist.
  • Überlegen Sie, in welchen anderen Lebensbereichen Sie zufrieden sind und relativieren Sie so den Neid.
  • Stabilisieren Sie Ihr eigenes Selbstwertgefühl, indem Sie bei Ablieferung einer guten Leistung gezielt nach einem Feedback fragen.
  • Beim Umgang mit einem neidischen Kollegen sollten Sie sich fragen, wie wichtig diese Person für Ihr Fortkommen ist. Ist sie dafür irrelevant,  sollten Sie die Gefühle des Neiders ignorieren.
  • Ist der Neider für Ihre weitere Entwicklung wichtig, ist es sinnvoll, ihn zum Beispiel in Projekte einzubinden.
  • Das offene Ansprechen des Problems ist risikoreich.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Neid und Missgunst im Beruf gemacht?
  • Wie gehen Sie damit um?
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Meine Literaturempfehlung:

  • Thomas Prünte: Das Gefühlsklavier. Vom stimmigen Umgang mit unseren Emotionen, dgvt-Verlag (Tübingen) 2009, 464 Seiten, broschiert: 19,80 Euro.

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Richtig gut präsentieren im Beruf: Vorbereitung und Strategie zählen

Seine Arbeitsergebnisse präsentieren, in einem Meeting Rede und Antwort stehen: In immer mehr Berufen gehört das zum Joballtag. Doch viele haben Angst davor. Sie geraten ins Schwitzen, verlieren den roten Faden oder verkaufen sich unter Wert. Doch mit der richtigen Strategie lässt sich die Panik vor dem Auftritt effektiv bekämpfen.

Richtig gut präsentieren: So gelingt es!
Richtig gut präsentieren: So gelingt es!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sie Ihre Redeangst überwinden.
  • Wie Sie sich gut vorbereiten.
  • Wie Sie Fehler vermeiden.
  • Wie Sie schwierige Situationen meistern.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

Mit der richtigen Einstellung die Redeangst überwinden

Mit Präsentationen und Vorträgen kennt sich Dr. Sylvia C. Löhken bestens aus. Denn als Buchautorin und Speakerin redet sie häufig vor großem Publikum. Dabei ist ihr das Sprechen vor vielen Menschen nicht in die Wiege gelegt worden: „Als ich während meiner Promotionsphase Vorträge auf Konferenzen hielt, war ich sehr gestresst“, berichtet Löhken. „Ein Referat in einem kleineren Rahmen an der Uni war für mich kein Problem. Aber vor vielen Experten zu reden, machte mich wahnsinnig nervös.“

Die promovierte Linguistin schaffte es, diese Nervosität erfolgreich in den Griff zu bekommen: „Ich habe mir die Frage gestellt, warum ich einen Vortrag halten will und was ich erreichen möchte.“ Und die Beantwortung half ihr. „Denn damit definierte ich mein Ziel und fühlte mich selbstbestimmt.“

Vorbereitung: Sich auf sein Publikum einstellen

Löhken empfiehlt, sich bei der Vorbereitung einer Präsentation mit seinem Publikum zu beschäftigen: „Viele Ängstliche kreisen um sich selbst. Besser ist es aber, die eigenen Befindlichkeiten hintanzustellen und stattdessen die Interessen und Bedürfnisse des Gegenübers wahrzunehmen.“

Josef Seifert ist Buchautor und Spezialist in Sachen Präsentation. Er rät, bei der Vorbereitung genau zu recherchieren, wer im Publikum sitzt. „Es ist unbedingt notwendig, die Erwartungshaltung der Zuhörer zu kennen und sich darauf einzustellen“, so der aus Pörnbach bei Ingolstadt stammende Trainer.

Das Ziel der Präsentation kennen

Löhken hat sich als Trainerin auf Introvertierte spezialisiert. Dabei ist auch sie selbst eine „Intro“. „Viele glauben, dass introvertierte Menschen nicht gut präsentieren können. Doch das Gegenteil ist der Fall! Denn sie bringen einen entscheidenden Vorteil mit: Sie bereiten Vorträge besonders gründlich vor.“ Und wer gut vorbereitet ist, kann in der Regel sicher auftreten, da er keine inhaltlichen Schwächen zu fürchten braucht.

Auch Seifert weiß, dass es auf die Vorbereitung ankommt: „Zuerst sollte sich der Redner klar werden, was er erreichen will. Möchte er informieren oder überzeugen? Dann geht es darum, die Kernbotschaft zu formulieren.“ Und genau diese Reduktion des vorhandenen Wissens ist für viele Berufstätige ein Problem. Denn sie würden am liebsten ihr gesamtes Know-How präsentieren. So entstehen dann die häufigsten Fehler bei Präsentationen: „Viele reden zu schnell, sagen inhaltlich zu viel und sprechen außerdem zu lang.“

Den Menschen positiv gegenübertreten

Die Freiburger Kommunikationstrainerin Elisabeth Bonneau legt zudem Wert auf die mentale Vorbereitung: „Am besten blickt der Vortragende positiv auf die Menschen. An negative Erfahrungen sollte er möglichst nicht denken. So hat er eine positive Ausstrahlung, die sich auch auf seine Zuhörerschaft überträgt.“ Um sich im Raum wohlzufühlen, in dem die Präsentation stattfindet, ist es wichtig, diesen vorher zu erkunden und sich mit der Technik vertraut zu machen. „Dafür sollte man genug Zeit einplanen.“

Aber auch eine gründliche Vorbereitung bewahrt nicht vor bösen Überraschungen. So war Sylvia Löhken auf einer Messe rund ums Haar eingeladen. „Ich war gut vorbereitet, hatte ausführlich über das Thema und mein Publikum recherchiert. Doch nebenan gab es eine Modenschau.“ Die Musik dröhnte laut herüber. Nur wenige Messebesucher fanden zu ihr. Sie musste vor vielen leeren Reihen reden. „Das war natürlich ein Desaster, obwohl die wenigen Zuhörer sehr interessiert waren.“ Die professionelle Rednerin wusste, dass sie an der Situation nichts ändern konnte. „Ich gab trotzdem mein Bestes.“

Mit dem Publikum im Dialog sein

Vielen Menschen – gerade Introvertierten – fällt es schwer, vor einer großen anonymen Masse zu stehen. Doch auch für diesen Fall hat Löhken eine passende Strategie entwickelt: „Ich versuche, auf mein Publikum einzugehen und mit ihm in einen Dialog zu treten.“ Hilfreich ist es auch, mit einzelnen Zuhörern vorher bewusst direkten Kontakt aufzunehmen.

Die Kommunikationstrainerin Gabriele Zienterra weiß, dass viele Menschen Angst vor einem großen Publikum haben: „Dabei ist es viel leichter, vor einer Masse zu sprechen. Denn meistens kommt es in einem solchen Rahmen zu weniger Fragen und Einwänden.“  Aber vor dieser Situation haben Berufstätige besonders große Furcht: „Sie machen sich Sorgen, dass der Vorstand ihre Präsentation zerschießt oder ein einzelner Kollege sie bloßstellt“, erklärt die Inhaberin des Instituts für Rhetorik und Kommunikation in Bornheim bei Bonn, das auch eine Dependance in Berlin hat.

Die Bedenken der Kritiker einbinden

„Viele Ängstliche glauben, sie müssten vor lauter kritischen und unfreundlichen Menschen  sprechen. Aber das ist ein Irrglaube“, erklärt Bonneau. Denn in der Regel sei das Auditorium wohlwollend und interessiert.

Auch Zienterra betont: „Oft will das Publikum dem Redner gar nichts Böses.“ Dennoch empfiehlt sie, sich gerade auf bekanntermaßen schwierige Zuhörer einzustellen. „Der Vortragende kann zum Beispiel den persönlichen Kontakt zu diesem Menschen suchen, ihn begrüßen und ihn mit seinen Bedenken und Fragen in seine Rede einbinden“, rät Zienterra. Auch Humor sei ein Mittel, um Destruktiven zu begegnen. Das kann zum Beispiel nach dem Motto geschehen: „Auf Ihren Frage habe ich schon gewartet.“ Auf jeden Fall sollte so ein Vorgehen wertschätzend sein und den Angesprochenen nicht verletzen. Besteht die Gefahr, dass jemand den Vortrag „sprengt“, muss der Redner den Störer sanft doch klar steuern. „Macht er das nicht, verhalten sich bald auch andere Personen kontraproduktiv.“

Nicht alles auf sich beziehen

Gabriele Zienterra erinnert sich ebenfalls an unliebsame Ereignisse bei ihren Vorträgen: „Neulich hat jemand mein Wasserglas umgeschmissen, das sich dann über mein Laptop ergoss.“ Die Kommunikationstrainerin griff beherzt zu ihrem Schal und wischte damit die Wasserlache auf. „Ich kommentierte das Ganze mit den Worten: Hoppla! Wie gut, dass mich mein Schal heute begleitet, welche Ideen zu Thema begleiten Sie heute?“ Und tatsächlich: Der Computer funktionierte und sie konnte fortfahren. „Ein Redner sollte in solchen Situationen also gelassen und flexibel bleiben und das Ganze am Besten mit Worten wie etwa ’Es ist alles in Ordnung‘ kommentieren“, betont Zienterra. „Was bei vermeintlichen Katastrophen wie einem Technikausfall aber gar nicht geht, sind Beschimpfungen des Technikers!“

Und noch einen Tipp hat die Kommunikationstrainerin Zienterra: „Man sollte nicht alles auf sich beziehen. Es gibt Rahmenbedingungen, die niemand beeinflussen kann. Die Stimmung ist nun mal eine andere, wenn Deutschland Weltmeister geworden ist als wenn das Publikum schon seit Stunden in einem überhitzten Raum zuhören muss.“ In so einer Situation helfe oft ein passender und verständnisvoller Kommentar wie: „Nach so einem Tag wie heute freuen wir uns alle heute Abend auf ein kühles Getränk. Bald haben wir es geschafft.“ Außerdem heben auch angenehme Überraschungen wie Eis für jeden die Stimmung.

Präsentationen nachbereiten

Wer seinen Auftritt überstanden hat, sollte diesen nachbereiten. Denn wie im Sport gilt auch bei Präsentationen und Reden das Motto: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Deshalb rät Seifert, sich ein paar Fragen ehrlich zu beantworten: Wie habe ich mich beim Vortrag gefühlt? Konnte ich das umsetzen, was ich mir vorgenommen habe? Wie waren die Reaktionen? „Aus diesen Antworten lassen sich dann Konsequenzen für das nächste Mal ziehen. Denn Präsentieren ist keine gottgegebene Eigenschaft, sondern braucht lebenslange Übung.“

Mit der richtigen Vorbereitung und einem hohen Maß an Souveränität sind auch vermeintliche Katastrophen kein Problem. So funktionierte bei einer Veranstaltung von Elisabeth Bonneau die Technik nicht. Sie erbat sich kurzerhand einen Flipchart und begann. „Am Ende kamen die Leute zu mir und fragten mich, ob die technische Panne Absicht war.“ Sie konnten kaum glauben, dass die Kommunikationstrainerin unter so widrigen Umständen zur Hochform aufgelaufen ist.

Tipps auf einen Blick:

  • Bereiten Sie sich inhaltlich und mental  auf Ihr Publikum vor.
  • Stellen Sie Ihre eigenen Befindlichkeiten hintan, nehmen Sie stattdessen die Interessen und Bedürfnisse Ihres Gegenübers wahr.
  • Begegnen Sie vermeintlichen Katastrophen und Unvorhergesehenem mit Humor.
  • Bleiben Sie gelassen und flexibel.
  • Beziehen Sie nicht alles auf sich.
  • Bereiten Sie Ihren Auftritt  auch nach.
  • Lernen Sie aus Ihren Erfahrungen.

Fragen an Sie:

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  • Haben Sie Angst vor Präsentationen?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Präsentationen gemacht?
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Meine Literaturempfehlungen:

  • Josef W. Seifert: Visualisieren Präsentieren Moderieren, GABAL Verlag (Offenbach) 2012, 31. Auflage, 200 Seiten
  • Sylvia C. Löhken: Leise Menschen – starke Wirkung. Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden. GABAL Verlag (Offenbach) 2012, 285 Seiten

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Februar 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Sehnsucht im Beruf: Der Wegweiser zu mehr Zufriedenheit

Wir Menschen haben Wünsche, Träume und Sehnsüchte. Wir sehnen uns etwa nach Liebe, Zuneigung und Anerkennung. Viele erhoffen sich all das von ihrem Privatleben: von ihren Partnern, Freunden und der Familie. Andere haben auch Sehnsüchte, die sich auf ihren Beruf beziehen. Sie arbeiten etwa als Verwaltungsangestellte und träumen davon, Schriftstellerin zu werden. Oder sie machen einen Nine-to-five-Job und würden am liebsten als digitale Nomaden die Welt bereisen. Sie fühlen sich in ihrem Job wie in einem Hamsterrad, suchen aber Sinn und Erfüllung.

Sehnsucht im Beruf: Der Wegweiser zu mehr Zufriedenheit
Sehnsucht im Beruf: Der Wegweiser zu mehr Zufriedenheit

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

Sehnsüchtige, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was die Gründe für Unzufriedenheit im Job sind.
  • Wie Unzufriedenheit und Sehnsucht zusammenhängen.
  • Wie Sie Ihrer beruflichen Sehnsucht auf die Spur kommen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Literaturempfehlung.
  • Linkempfehlungen.

Jobunzufriedenheit als Ursache für Sehnsucht

Eine Ursache von Sehnsüchten ist die Unzufriedenheit mit dem aktuellen Job. Und die ist sehr verbreitet. Laut den aktuellen Zahlen des Gallup Engagement Index 2015 sind nur 16 Prozent der Arbeitnehmer mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit. 68 Prozent der Beschäftigten machen lediglich Dienst nach Vorschrift. 16 Prozent der Werktätigen haben bereits innerlich gekündigt.

Ob jemand hoch engagiert ist oder nicht, hängt von der Erfüllung seiner Bedürfnisse ab. Das zeigt auch die Gallup-Studie. Wer sich entwickeln kann, als Mensch gesehen wird und Anerkennung erhält, ist zufriedener und engagierter. Besonders wichtig ist auch das Verhältnis zum Chef.

Anerkennung im Beruf zählt

Viele Sehnsüchte von Arbeitnehmern drehen sich also genauso wie im Privatleben um Anerkennung. So sehnen sich Berufstätige danach, dass ihr Chef sie sieht, ihre Leistung schätzt und sie fördert. Bleibt dieses Verhalten vom Vorgesetzten aus, sinkt die Motivation. So entsteht der dringende Wunsch nach einem Job, der genau das bietet.

Doch nicht immer liegen die Gründe für die Unzufriedenheit klar zutage. Auch bei Beschäftigten, die betonen, wie zufrieden sie sind, gibt es dieses Verlangen nach etwas, das sie nicht haben, aber gerne hätten.

Sehnsucht und berufliche Veränderung

Natürlich ist es die normalste Sache von der Welt, dass sich bestimmte Wünsche und Träume nicht erfüllen lassen. Das ist im Privatleben so und im Beruf auch nicht anders. Dennoch lohnt es sich, seinen Sehnsüchten auf die Spur zu kommen. Denn nur, wer weiß, was in ihm vorgeht, hat die Chance, sein Berufsleben zum Besseren zu verändern.

Dann kann er die Weichen so stellen, dass er am Ende zufriedener ist. In jedem Fall erlebt er sich dann als Handelnder. Er reagiert nicht nur, er beginnt zu agieren und wird selbstwirksam. Denn er steigt aus dem Hamsterrad aus.

Berufliche Veränderung als Krankheitsprävention

Gemäß seiner Sehnsüchte zu leben, hat viele Vorteile: So zeigt die Gallup-Studie, dass Mitarbeiter, die innerlich gekündigt haben, häufiger wegen Krankheit fehlen. Der Faktor Zufriedenheit spielt also für die Gesundheit eine große Rolle. Der eigenen Sehnsucht nachzugehen ist also keineswegs ein entbehrlicher Luxus, sondern Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung.

Wer dauerhaft unzufrieden ist, kann schneller ungeduldig und gereizt reagieren. Er ist weniger tolerant gegenüber den Schwächen seiner Mitmenschen – sowohl im Privatleben als auch im Job. Und so entstehen weitere Konfliktherde, die wiederum negative Folgen mit sich bringen. Wer dagegen gemäß seiner Sehnsucht lebt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach eben deswegen weniger Konflikte mit seinem Umfeld haben.

Spüren Sie der eigenen Sehnsucht nach

Den meisten Menschen sind diese Mechanismen durchaus bewusst. Allerdings sind viele auch davon überzeugt, dass sich Sehnsüchte nicht erfüllen lassen, dass sie selbst keine Wahl haben, ihr (Berufs-)Leben anders zu gestalten. Und tatsächlich gehört zur Sehnsucht das Gefühl, den Gegenstand des Verlangens nicht erreichen zu können. (Siehe Wikipedia)

Das heißt aber noch lange nicht, dass es sich nicht lohnt, der eigenen Sehnsucht nachzuspüren. Doch wie finden Sie heraus, was Sie wirklich bewegt, worunter Sie leiden, nach was Sie sich sehnen? Denn oft genug stellt sich nur ein schmerzhaftes Gefühl, ein Unwohlsein oder eine Traurigkeit ein – ohne dass der Betroffene  schon die Gründe dafür kennt. Vielleicht empfinden Sie Neid oder Aggressionen, aber Ihnen ist gar nicht klar, wo der eigentliche Knackpunkt liegt.

Gehen Sie den ersten Schritt: die Selbsterkenntnis

Wenn Sie in dieser Situation sind, habe ich ein paar Tipps für Sie, wie Sie sich selbst auf die Spur kommen. Doch bevor Sie sich damit beschäftigen, bitte ich Sie: Seien Sie ehrlich zu sich! Legen Sie allen falschen Stolz ab, all das, was Ihnen im Laufe des Lebens eingetrichtert wurde. Vergessen Sie die Worte „müssen“, „sollen“ und „nicht dürfen“.

  • #1 Nehmen Sie sich selbst wahr! Das hört sich einfach an. Doch oft sind wir im Leben von so vielen Eindrücken, Aufgaben und Informationen überflutet, dass wir gar nicht mehr richtig spüren, wie es uns eigentlich geht. Erst wenn sich eine Krankheit Bahn bricht, merken wir, dass etwas nicht stimmt.
  • # 2 Zu dieser Selbstwahrnehmung gehört die Wahrnehmung von Gefühlen. Auch das hört sich höchst simpel an, ist es aber nicht. Denn manche Gefühle möchten wir uns nicht eingestehen, zum Beispiel, weil sie unserem Selbstbild nicht entsprechen.
  • # 3 Um herauszufinden, wie Sie sich wirklich fühlen, kann es hilfreich sein, Ihre eigenen Reaktionen zu beobachten. Was stresst Sie?
  • # 4 Nehmen Sie wahr, wie Sie kommunizieren. Über was reden Sie? Über was schimpfen Sie? Wen loben Sie? Wie oft sprechen Sie über Positives?
  • # 5 Schauen Sie nicht nur auf Ihre Gefühle, sondern auch auf Ihre Gedanken. Welche Gedanken drängen sich Ihnen immer wieder auf? Welche bringen Sie um den Schlaf?
  • # 6 Körperliche Reaktionen können Ihnen wichtige Hinweise geben. Wie oft sind Sie krank oder fühlen sich unwohl? Wie äußert sich Ihr Unwohlsein?
  • # 7 Manchmal sind wir die Letzten, die uns verstehen. Während unsere Umgebung schon längst den Braten gerochen hat, ist uns das noch lange nicht klar. Deshalb ist es ratsam, dass Sie auf Ihre Umgebung hören. Nehmen Sie wahr, was Andere Ihnen sagen.

Zweiter Schritt: Finden Sie Ihr Sehnsuchtsziel

Mit diesen Tipps finden Sie heraus, wie zufrieden oder unzufrieden Sie sind. Sie erkennen, ob und wie notwendig eine Veränderung ist. Vielleicht bringen Sie die oben angeführte Fragen auch schon der Antwort näher, wonach Sie sich im Beruf sehnen. Aber vielleicht ist Ihnen Ihr Sehnsuchtsziel immer noch nicht ganz klar. Hier sind noch ein paar Hinweise für Sie. Fragen Sie sich Folgendes:

  • # 1 Wen beneiden Sie und warum?
  • # 2 Was sind Ihre Träume? Wie sahen Ihre Träume in Ihrer Kindheit und Jugend aus?
  • # 3 Wer sind Ihre Stars oder Vorbilder?
  • # 4 Mit was beschäftigen Sie sich in der Freizeit? Womit können Sie sich stundenlang befassen und dabei völlig die Zeit aus dem Blick verlieren?
  • # 5 In welchen Momenten erleben Sie Sinn?

Sicher haben Sie jetzt schon eine ganze Reihe von Anhaltspunkten gesammelt. Am Besten schreiben Sie diese auf. Lesen Sie diesen Zettel immer mal wieder durch. Wird Ihnen Ihr Sehnsuchtsziel jetzt klarer? Im nächsten Schritt geht es darum, herauszufinden, wie stark Ihre Sehnsucht ist.

Dritter Schritt: Denken Sie an Risiken und Nebenwirkungen

Nicht jeder Traum und Wunsch, den Sie haben, ist es wert, umgesetzt und gelebt zu werden. Manche Wünsche bleiben aus guten Gründen Träume. Ihnen sollte klar sein: Wenn Sie Ihre Sehnsüchte leben, dann geht das nicht zum Nulltarif. Sie werden einen Preis bezahlen: Sie müssen Energie und Zeit investieren, sie brauchen Ausdauer und Geduld. Es wird Sie etwas kosten. Aber wenn sie die Sehnsucht packt, werden Sie dazu bereit sein.

Wägen Sie die Risiken und Nebenwirkungen ab. Wer sich seinem Ziel nähern will, muss es nicht notwendigerweise erreichen. Er kann auch scheitern. Und für viele ist das ein echtes Problem. Deshalb beginnen so wenige mit dem ersten Schritt. Das schützt sie vor der Erkenntnis, möglicherweise doch nicht so talentiert zu sein, wie sie sich das ausgemalt haben.

Seien Sie mutig

Die Verwaltungsangestellte muss vielleicht erkennen, dass ihr fertiges Manuskript von keinem Verlag angenommen wurde, oder dass sie als Selfpublisherin nur wenige Downloads hat und nicht zur nächsten E-Book-Queen avanciert. Doch ist das wirklich ein hohes Risiko? Oder ist das Risiko nicht größer, am Ende des Lebens die vielen verpassten Chancen und den fehlenden Mut zu bedauern? Wägen Sie ab, was Ihnen wichtiger ist. Ihre Sehnsucht wird Ihnen den Weg weisen. Da bin ich mir sicher!

Also überlegen Sie: Haben Sie Lust und Mut zur Veränderung? Dann herzlich willkommen auf meinem Blog. Auf dem wird es ab sofort regelmäßig Artikel für Sehnsüchtige geben. Diese sollen Ihnen auf dem Weg zum Ziel helfen.

Klicken Sie einfach auf den Menüpunkt Sehnsüchtige.

Tipps auf einen Blick:

  • # 1 Finden Sie heraus, wie unzufrieden Sie sind.
  • # 2 Versuchen Sie zu verstehen, warum Sie unzufrieden sind.
  • # 3 Nehmen Sie Ihre berufliche Sehnsucht wahr.
  • # 4 Finden Sie heraus, wie stark diese Sehnsucht ist und ob Ihr Mut reicht, Ihrer Sehnsucht nachzugehen.
  • # 5 Wenn Ihr Mut reicht, legen Sie los.

Mehr dazu in weiteren Artikeln!

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Job?
  • Haben Sie eine berufliche Sehnsucht?
  • Sind Sie schon mal einer beruflichen Sehnsucht nachgegangen?
  • Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlung:

  • Anja Schreiber: Die Sehnsuchtsstrategie. Wie Sie durch berufliche Neuorientierung Erfüllung und Zufriedenheit finden, Berlin 2017, 2,99 Euro, Amazon-Shop.

Meine Linkempfehlungen:

(Artikel veröffentlicht April 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Was mit Tieren machen: Berufe rund ums liebe Vieh

„Was mit Tieren machen“ … ein gar nicht so seltener Berufswunsch unter Jugendlichen. Denn wer Tiere liebt, sucht oft auch nach einem Job, der etwas mit Hunden, Katzen oder Pferden zu tun hat. Zwar sind die Arbeitsmöglichkeiten vielfältig, doch der Zugang zum Traumberuf ist oft gar nicht so einfach.

Berufe mit Tieren: Ausbildungen und Studiengänge.
Berufe mit Tieren: Ausbildungen und Studiengänge.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie es gelingt, das „Hobby Tier“ zum Beruf zu machen.
  • Welche Ausbildungen und Studiengänge sich anbieten.
  • Welche Qualifikationen zählen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Berufe mit Tieren: Ausbildungen und Studiengänge

„Immer wieder berichten mir Schulabgänger von ihrem Wunsch, Tierpfleger oder Tierarzt zu werden“, berichtet die Berufsberaterin Dagmar Falk von der Arbeitsagentur Berlin-Süd. „Oft muss ich ihnen dann den Wind aus den Segeln nehmen.“ Denn die Chancen auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz sind relativ gering. Gerade in dem begehrten Beruf des Tierpflegers ist es schwierig, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. „Denn kleine Zoos, aber auch Tierpensionen und Tierheime bilden oft nicht beziehungsweise nicht in jedem Jahr aus.“

Tierpfleger ein beliebter Beruf bei Schulabgängern

Der Zoo Berlin samt Aquarium beschäftigt zum Beispiel 230 Mitarbeiter. Die Hälfte davon sind Tierpfleger. „Jedes Jahr bilden wir fünf bis sechs Leute aus. Aber die Nachfrage ist viel größer! Täglich bewerben sich bei uns Interessenten“, berichtet Dr. Ragnar Kühne, Zoologe und Personalverantwortlicher des Berliner Zoos. „90 Prozent aller Bewerber sind weiblich. Da sich der Zoo um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern bemüht, ist die Konkurrenz unter Frauen größer. Männer kann ich hingegen ermutigen, sich zu bewerben.“

Die Berufsberaterin Dagmar Falk will Schulabgänger, die unbedingt mit Tieren arbeiten wollen, nicht abschrecken: „Wer große Leidenschaft mitbringt und flexibel ist, findet auch einen Weg, sein Hobby zum Beruf zu machen. Er muss aber bereit sein, in eine Region Deutschlands zu gehen, die ihm eine Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeit bietet.“

Praktika und Erfahrungen im Umgang mit Tieren zählen

Grundvoraussetzung für die Ausbildung ist nicht nur ein mittlerer Schulabschluss, sondern auch Erfahrung mit Tieren, zum Beispiel das Halten eigener Haustiere. „Ich empfehle ein Praktikum beim Tierarzt oder idealerweise in einem Zoo“, betont Kühne. Denn so können Interessierte die konkrete Arbeit kennenlernen. „Tierpflege ist vor allem körperliche Arbeit wie etwa Ställe saubermachen, Futter zubereiten oder Tiere füttern.“

Auch Michael Rolfs vom Berufsverband der Zootierpfleger betont, dass Schüler neben dem Schulpraktikum ein oder mehrere freiwillige Praktika absolvieren sollten. „Ohne Praxiserfahrung sind die Chancen deutlich geringer. Denn im Durchschnitt kommen auf eine Stelle hundert Bewerber.“ Rolfs selbst ist gelernter Zootierpfleger und inzwischen Zooinspektor des NaturZoo Rheine.

Kindheitswunsch Tierpfleger

„Im Zoo zu arbeiten war schon mein Kindheitswunsch“, betont der 41-Jährige, der nach dem Abitur erst einmal ein Studium der Geographie und Theologie begonnen hat. Doch das war nicht das Richtige. Er machte ein Praktikum im Münsteraner Zoo, brach das Studium ab und fing die Ausbildung in Rheine an. „Das war eine absolut richtige Entscheidung“, betont Rolfs, der inzwischen eine Weiterbildung zum Tierpflegemeister und einen Narkoselehrgang absolviert hat. Damit kann er Tierärzten assistieren.

„Mein Beruf ist zwar zu 80 bis 90 Prozent Routine. Dennoch ist er spannend, weil ich es mit lebendigen Tieren zu tun habe“, erklärt Rolfs. „So sehe ich, ob es ihnen gut geht oder ob sie das Futter stehen lassen.“ Gibt es ein Problem, versucht es Rolfs zu lösen. Er füttert etwas, was lieber gefressen wird oder informiert den Tierarzt. Besonders schätzt er an seiner Tätigkeit die selbständige Arbeit, aber auch die emotionale Bindung an die Tiere.

Eine Alternative: tiermedizinische Fachangestellte

Tierpfleger ist nicht der einzige Ausbildungsberuf mit Tieren. Es gibt zum Beispiel auch die Möglichkeit, eine Ausbildung zum tiermedizinischen Fachangestellten zu absolvieren. Diese Fachkräfte arbeiten hauptsächlich in den Tierarztpraxen, aber auch in Tierkliniken und in der Forschung. Die Chancen, in diesem Beruf einen Ausbildungsplatz zu finden, schätzt Falk für relativ gut ein. Denn jeder Tierarzt kann ausbilden, vorausgesetzt er hat eine anerkannte Ausbildungseignung. „Schulabgänger, die daran Interesse haben, sollten Praxen anfragen und den persönlichen Kontakt suchen“, so Falk. Weitere duale Ausbildungsberufe sind der Tier- und Pferdewirt. Auch private Schulen bieten Ausbildungsmöglichkeiten rund ums Tier an. So gibt es zum Beispiel Lehrgänge mit dem Berufsziel Tierheilpraktiker.

Wer Tierarzt werden möchte, hat ebenso hohe Zugangshürden zu nehmen wie diejenigen, die Humanmedizin studieren wollen. „In Berlin liegt der Numerus Clausus bei 1,5 … in Nordrhein-Westfalen sogar bei 1,3“, betont Falk. Entsprechend lang sind auch die Wartezeiten, um bei einem schlechteren Abiturdurchschnitt dennoch zum Studium zugelassen zu werden. Wie bei der Humanmedizin  müssen sich
Studieninteressierte zentral bewerben.

Voraussetzung für die Veterinärmedizin: Interesse an Naturwissenschaften

Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte empfiehlt angehenden Tierärzten, auch Interesse an den Naturwissenschaften mitzubringen, da diese im Studium eine wichtige Rolle spielen. „Wer im Abitur Fächer wie Chemie und Biologie abgewählt hat, wird es an der Universität schwer haben.“

Dr. Anja Ostrowski und Dr. Kristina Dietert, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin, haben nicht nur beide Tiermedizin studiert und darin promoviert, sie teilen auch die Liebe zu Tieren. „Zu unseren Aufgaben gehört es, herauszufinden, woran Tiere gestorben sind … wie zum Beispiel den Grund für ein erhöhtes Kälbersterben in einem landwirtschaftlichen Betrieb“, berichtet Ostrowski.

Als Tiermediziner sind verschiedene Karrierewege möglich

„Wie in der Humanmedizin untersuchen wir auch Tumore daraufhin, ob sie gut- oder bösartig sind“, ergänzt Ostrowski, die ursprünglich Pferdetierärztin werden wollte, dann aber ihre Vorliebe für die Pathologie entdeckte. „Die Pathologie ist ein hochinteressantes Fach. So habe ich schon von der Maus bis zum Zootier fast alles seziert. Ich will deshalb auch auf lange Frist in die Tierseuchendiagnostik gehen und gerne auf einem Untersuchungsamt arbeiten“, betont die 29-Jährige.

Die 34-jährige Kristina Dietert möchte dagegen langfristig in der Forschung bleiben und weiterhin im Bereich der Tierpathologie wissenschaftlich arbeiten. Ihr Weg zum Studium führte sie über eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten: „Ich kann diesen Weg nur jedem empfehlen. Er ist eine sehr gute Vorbereitung für das Tiermedizinstudium.“ Denn dort lernte sie bereits viele Krankheiten kennen und konnte Tiere oft selbständig versorgen. „Gerade in den ersten zwei Jahren ist das Studium sehr theoretisch. In dieser Zeit hat mir meine praktische Erfahrung in der Tierarztpraxis geholfen, motiviert zu bleiben.“

Gute Berufsperspektiven für Tierärzte

Ist ein tiermedizinisches Studium absolviert, sieht Falk gute Berufsperspektiven für Tierärzte: „Die Aussichten für Veterinärmediziner sind ähnlich positiv wie für Humanmediziner. Besonders in ländlichen Gegenden ist der Bedarf hoch. Auch der Verdienst ist mit dem von Humanmedizinern vergleichbar.“

Der Bedarf an Tierärzten ist allerdings zwischen Stadt und Land unterschiedlich groß, betont Behr: „Während es in Ballungsgebieten durchaus ein Überangebot an Kleintierpraxen gibt, fehlen im ländlichen Raum Nutztierärzte.“

Alternative Studiengänge

Eine Alternative zum Studium der Tiermedizin sieht die Berufsberaterin Dagmar Falk in Studiengängen wie der Tierwissenschaft oder Biologie mit dem Schwerpunkt Zoologie. „Abiturienten können aber auch ein Ingenieurstudium der Agrartechnik mit der Spezialisierung Tierhaltung absolvieren.“

Während Ingenieure, die sich auf die Tierhaltung spezialisiert haben, in der Regel in der Landwirtschaft arbeiten, können Tiermediziner und Zoologen auch in Zoos eine Beschäftigung finden. Der Biologe Dr. Ragnar Kühne arbeitet etwa als Kurator und Zoologischer Leiter im Berliner Zoo. „Ich bin Ansprechpartner für die Tierpfleger und entscheide zum Beispiel, ob Tiere in ein anderes Gehege versetzt oder separiert werden müssen, weil es zu Streitigkeiten unter den Artgenossen kommt“, berichtet Kühne. Für die Abgabe von Tieren an andere Zoos ist er ebenfalls zuständig. „Zu meiner Arbeit gehört auch die Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel.“

Die Chance, als Zoologe eine Tätigkeit in einen Zoo zu finden, ist allerdings äußerst gering. „Biologen, die sich im Fach Zoologie spezialisieren, sollten sich auf keinen Fall darauf fixieren, später als Kurator in einem Zoo zu arbeiten“, erklärt Kühne. „Denn es gibt dafür einfach zu wenig Stellen.“

Tipps auf einen Blick:

  • Wer beruflich etwas mit Tieren machen will, sollte große Leidenschaft und Flexibilität mitbringen. Denn er muss auch bereit sein, in jene Regionen Deutschlands zu gehen, die ihm eine Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeit bieten.
  • Grundvoraussetzungen für eine Ausbildung zum Beispiel als Tierpfleger sind ein mittlerer Schulabschluss und Erfahrungen mit Tieren. In jedem Fall verbessern Praktika die Chancen.
  • Sinnvoll ist es, Alternativen zum Beruf des Tierpflegers zu entwickeln wie zum Beispiel die Ausbildung zum tiermedizinischen Fachangestellten oder zum Tier- und Pferdewirt. Private Schulen bieten ebenfalls Ausbildungsmöglichkeiten rund ums Tier an.
  • Wer Tiermedizin studieren will, braucht nicht nur einen entsprechend hohen NC oder ausreichend viele Wartesemester, sondern auch Interesse an den Naturwissenschaften.
  • Zur Tiermedizin gibt es alternative Studiengänge wie die Tierwissenschaften oder Biologie mit dem Schwerpunkt Zoologie.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie „was mit Tieren machen“? Oder arbeiten Sie schon mit Tieren?
  • Welche Erfahrungen haben Sie beim Berufseinstieg gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Januar/Februar 2015)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Fitness- und Wellnessberufe: Der Bedarf an Mitarbeitern steigt

Körperlich fit bleiben und sich wohlfühlen: Das wünschen sich Menschen. Immer mehr sind bereit, dafür Geld auszugeben. Deshalb ist der Bereich Fitness, Wellness und Gesundheit auch ein Wachstumsmarkt. Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern in der Branche steigt genauso wie die verschiedenen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten.

Berufschancen in der Fitness- und Wellness-Branche.
Berufschancen in der Fitness- und Wellness-Branche.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie der Berufseinstieg in die Fitness- und Wellnessbranche gelingt.
  • Welche Ausbildungen und Studiengänge die Branche anbietet.
  • Welche Qualifikationen zählen.
  • Welche Chancen Quereinsteiger haben.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Sportbranche: So gelingt der Berufseinstieg

Der 32-jährige Berliner Kaya Kademci war schon immer sportbegeistert. Er spielte in der Jugend Fußball, später stieg er auf Krafttraining und Kampfsport um. „Nach Abitur und Zivildienst überlegte ich mir, mein Hobby zum Beruf zu machen. Deshalb habe ich Sportwissenschaften in Halle studiert.“ Dabei spezialisierte er sich auf das Thema Rehabilitation und Therapie. Neben dem Studium jobbte er als Fitnesstrainer. Seine Berufswahl ist kein Zufall: „Von meiner Mutter habe ich das Lehrer-Gen geerbt. Außerdem helfe ich unheimlich gerne Menschen. Das kann ich gut als Trainer ausleben. Denn so unterstütze ich andere, ihre persönlichen Ziele zu erreichen.“

Dort arbeiten, wo Andere ihre Freizeit verbringen

Heute arbeitet Kademci als Trainingsleiter im „Fitness First Platinum Club“ in Steglitz. Er verbindet dabei Leitungsaufgaben mit Kundenbetreuung: „Ich bin für das Trainingspersonal zuständig, zum Beispiel für die Personalauswahl, Ausbildung und Qualitätssicherung.“ Auch administrative Tätigkeiten gehören zu seinem Alltag. So schreibt er Trainings- und Dienstpläne und beantwortet Mails und Anrufe. Vormittags ist er im Büro zu finden. Am Nachmittag geht er auf die Trainingsfläche. „Dort mache ich genau das Gleiche wie meine Mitarbeiter“. So bietet er für Gruppen Circle-Training und „Freestyle Functional Training“ an.

„Als Trainer zählt die Persönlichkeit. Es geht nicht allein darum, selbst sehr sportlich zu sein, sondern man sollte Anderen sein Wissen vermitteln können. Das Schöne an diesem Beruf ist, dass ich so viel positive Resonanz von unseren Kunden bekomme“, erklärt Kademci. Der diplomierte Sportwissenschaftler steht voll hinter seiner Berufsentscheidung. „Mein Beruf macht mir super viel Spaß. Ich arbeite dort, wo andere ihre Freizeit verleben. Deshalb ist die Stimmung in meinem Job eigentlich immer gut.“

Ausbildungen im Fitnessbereich

Petra Cämmerer, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd, sieht grundsätzlich viele Möglichkeiten, im Bereich Fitness und Wellness zu arbeiten: „Es gibt unzählige private Aus- und Weiterbildungsangebote, zum Beispiel als Wellnessfachberater oder als Fitnesstrainer.“ Oft seien diese Bildungsangebote aber nicht einheitlich geregelt und die Qualitätsstandards unterschiedlich.Cämmerer empfiehlt aus diesem Grund jungen Leuten, einen staatlich anerkannten Abschluss anzustreben. „Schulabgänger können zum Beispiel Sport- und Fitnesskaufleute werden.“ Wobei die Kaufleute eher betriebswirtschaftliche und administrative Aufgaben erledigen. Eine andere Möglichkeit ist etwa ein Studium der Sportwissenschaft.

Auch eine Vorbildung im Gesundheitsbereich ist eine gute Ausgangsvoraussetzung: „Mit einer Ausbildung zum Kranken- und Gesundheitspfleger oder zum Physiotherapeuten und entsprechenden Weiterbildungen kann man in der Wellness- und Fitnessbranche gut Fuß fassen.“ Betätigungsfelder sieht Cämmerer in sowohl in Fitnessklubs, Hotels, Ferienanlagen und auf Kreuzfahrtschiffen, aber auch in Gesundheitseinrichtungen wie Kliniken.

Trainer in jedem Alter gesucht

„Vor der Berufswahl sollten Schulabgänger allerdings überlegen, ob sie wirklich langfristig im Fitnessbereich arbeiten wollen. Schließlich nehmen mit fortschreitendem Alter auch die Gesundheitsbeschwerden zu, die so sportlichen Berufstätigkeit im Wege stehen können“, betont Cämmerer. Bei selbstständigen Trainern sieht sie zudem das Problem, dass es längere Zeit dauere, bis sie sich etabliert haben und von ihrer Tätigkeit leben können.

Um die Zukunft macht sich Kademci keine Sorgen. „Die Fitnessbranche boomt. Außerdem werden unsere Kunden immer älter und wünschen sich Trainer in ihrem Alter. Denn wer will schon mit 60 Jahren von einem 20-Jährigen betreut werden.“ Besonders wichtig sei es aber, sich weiterzubilden und auf dem Laufenden zu bleiben, was aktuelle Trends angeht.

Gesuchte Eigenschaften: Offenheit und Sympathie

Cornelius Riehm, Geschäftsführer des Vabali Spa in Tiergarten, ist überzeugt, dass die Fitness- und Wellnessbranche nicht nur junge Arbeitskräfte braucht. „Wichtiger als ein durchtrainierter Körper ist, dass unsere Mitarbeiter offen und sympathisch sind.“ Auf den Body-Mass-Index komme es nicht an, entscheidend sei ein Verständnis für das Thema Gesundheit.  „Der Altersdurchschnitt unserer Gäste liegt bei 44 Jahren.“ Deshalb achtet das Unternehmen bei seinen Beschäftigten auf einen guten Altersmix. Damit bildet es auch die Altersstruktur seiner Gäste ab.

„Immer mehr wird den Menschen heute bewusst, dass sie in ihre Gesundheit Geld investieren müssen“, betont Riehm. Und das beschere der Branche Wachstum. „Außerdem bieten wir unseren Gästen Urlaubserlebnisse im Alltag an.“ Und das werde ebenfalls zunehmend gewünscht.

Akademisierung im Fitnessbereich

Auch Marius Huber, Director Human Resources bei Fitness First, sieht für Berufstätige in der Fitnessbranche gute Beschäftigungschancen: „Wir sind in einem Zukunftsmarkt tätig. Denn Themen wie Bewegung, Ernährung und Gesundheit werden in einer alternden Gesellschaft immer wichtiger.“ Gleichzeitig erlebt Huber eine Akademisierung des Personals: „Unsere Führungskräfte in den Clubs haben in der Regel ein sportwissenschaftliches Hochschulstudium. Für unsere Nachwuchskräfte bieten wir zudem duale Studiengänge wie etwa den Bachelor-Studiengang Fitnessökonomie oder Fitnesstraining an.“ Bei Fitness First sind aber auch Nicht-Akademiker wie Sport- und Gymnastiklehrer oder Physiotherapeuten tätig.

Riehm sieht für ganz unterschiedliche Berufsgruppen Beschäftigungsmöglichkeiten: „Bei uns arbeiten auch Hotelfachleute, Finanzbuchhalter, Köche und Masseure. Viele haben eine private Ausbildung beim ‚Deutschen Saunabund‘ gemacht oder klassisch in der Hotellerie und Gastronomie gelernt.“ Der Geschäftsführer vom Vabali Spa empfiehlt allen, die Interesse an der Branche haben: „Am Besten ist es, mit Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen und sie nach ihrem Werdegang zu fragen.“ So erfahren Interessierte nicht nur, welche verschiedenen Aus- und Weiterbildungen es gibt, sondern sie bekommen auch praktische Tipps.

Quereinsteiger haben Chancen

„Was zählt, ist der Spaß am Sport, aber auch die Freude daran, eine Dienstleistung für unsere Kunden zu erbringen. Freundlichkeit und soziale Kompetenzen sind entscheidend“, betont Huber. Perspektiven macht der HR-Direktor deshalb nicht nur für Nachwuchskräfte aus, sondern auch für Quereinsteiger in den mittleren Jahren. „Wir beschäftigen auch Mitarbeiter, die 15 oder 20 Jahre in einem anderen Beruf gearbeitet haben und dann etwas anders machen wollten.“ Solche Trainer bekommen bei der Fitness-Club-Kette durchaus eine Chance. Voraussetzung ist eine Trainer-Lizenz und die Lust, sich weiterzubilden. „Mitunter starten Quereinsteiger noch einmal richtig durch und absolvieren ein berufsbegleitendes Studium.“

Die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) mit ihrer Zentrale in Saarbrücken bildet zum Beispiel Fach- und Führungskräfte für die Fitness- und Gesundheitsbranche aus. „Alle unsere dualen Bachelor-Studiengänge verbinden eine betriebliche Ausbildung mit kompakten Präsenzphasen an einem unserer bundesweiten Studienzentren“, berichtet Prof. Dr. Andreas Strack, Prorektor Lehre und Studium der DHfPG.  „Die Ausbildung findet im Unternehmen vor Ort statt, die Lehrinhalte vermitteln wir zum Beispiel in Berlin.“ Während das Bachelorstudium nur Vollzeit möglich ist, können die Master-Studiengänge der Hochschule auch berufsbegleitend absolviert werden.

Duale Studiengänge im Bereich Prävention und Gesundheit

Die Studiengänge haben verschiedene Ausrichtungen wie Fitnessökonomie, Gesundheitsmanagement, Fitnesstraining oder Ernährungsberatung. Strack: „In der Fitnessökonomie spielt die Betriebswirtschaft eine zentrale Rolle, im Studiengang Fitnesstraining dagegen stehen die Trainingswissenschaften im Zentrum.“ Doch auch in einem betriebswirtschaftlich ausgerichteten Studium gehören die Trainingswissenschaften zu den Lehrinhalten.

Tipps auf einen Blick:

  • Für Schulabgänger macht es Sinn, eine duale Ausbildung  zu absolvieren und  zum Beispiel Sport- und Fitnesskaufleute zu werden.
  • Im Sportbereich geht es nicht allein darum, selbst sehr sportlich zu sein.  Trainer sollten Wissen vermitteln können und offen für Menschen sein.
  • Wer Führungskraft werden will, sollte ein sportwissenschaftliches Hochschulstudium absolvieren. Auch duale Studiengänge bieten sich an.
  • Die Branche sucht auch Fachkräfte aus anderen Branchen wie Hotelfachleute, Finanzbuchhalter, Köche oder Masseure.
  • Auch wer 15 oder 20 Jahre in einem anderen Beruf gearbeitet hat, bekommt in der Branche noch eine Chance, wenn er eine Trainer-Lizenz mitbringt und Lust hat, sich weiterzubilden.

Fragen an Sie:

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  • Wollen Sie in der Fitness- und Wellness-Branche arbeiten? Arbeiten Sie schon dort?
  • Welche Erfahrungen haben Sie beim Berufseinstieg gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, November 2015)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Nein-Sagen im Beruf: Grenzen ziehen können

Der Chef überhäuft den Mitarbeiter mit Arbeit, Kollegen bitten ständig um Hilfe … viele Berufstätige kennen diese Situation. Sie werden immer wieder gedrängt, Ja zu sagen. Doch genau das ist das Problem: Denn vor lauter Beschäftigung bleiben ihre eigenen wichtigen Aufgaben auf der Strecke. Die einzig wirksame Strategie dagegen ist, Nein-Sagen zu lernen.

Nein-Sagen im Beruf.
Nein-Sagen im Beruf.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum Nein-Sagen wichtig ist.
  • Warum ein Nein schwerfällt.
  • Wie sich Nein-Sagen trainieren lässt.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Richtig „Nein-Sagen“ im Job hilft bei der Karriere

Der Karriereberater und Buchautor Martin Wehrle weiß, warum dies Berufstätigen oft so schlecht gelingt: „Weil sie fürchten, im Ansehen zu sinken. Sie werden dafür bezahlt, Probleme für ihren Chef zu lösen – und nicht, ihm welche zu machen.“ Außerdem sehen sich viele Arbeitnehmer auch moralisch unter Druck: „Oft sind die Personaldecken so dünn, dass jeder denkt: ‚Wenn ich jetzt ablehne, bleibt es an einem Kollegen hängen.‘“

Doch das Ja-Sagen schafft neue Probleme: „Die Quote der Burnout-Kranken hat sich in sechs Jahren verelffacht. Heute hat niemand nur deswegen Feierabend, weil er nach Hause gegangen ist. Denn die neuen Medien sind wie trojanische Pferde: Sie schmuggeln die Arbeit hinter die Mauern des Privatlebens“, analysiert Wehrle. Er beschäftigt sich in seinem aktuellen Buch „Sei einzig, nicht artig“ mit dem Thema Nein-Sagen. „Wer seine Grenzen nicht definiert, hat keinen Feierabend mehr und arbeitet rund um die Uhr. Ein solcher Lebenslauf geht steil nach oben – aber dann kommt der große Knick und die Einweisung in die Burnout-Klinik.“

Nein ist eine Chefvokabel

Außerdem kann die ausgeprägte Bereitschaft zum Ja noch in anderer Weise der Karriere schaden: „Nein ist eine Chefvokabel! Nur wer sie beherrscht, kann in der ersten Karriereliga mitspielen“, betont Wehrle. Denn ein Chef muss zum Beispiel Rabattwünsche, Urlaubsanträge oder Gehaltsforderungen ablehnen können. „Wer Nein sagt, gibt damit zu erkennen, dass er Ja zu etwas Größerem sagt: zu konkreten Zielen, zu persönlichen Grundsätzen.“ Und genau das verschafft Respekt.

Gerade Frauen haben das Problem, dass ihnen das Nein-Sagen besonders schwer über die Lippen kommt: „Sie achten sehr auf Beziehungen. Deshalb fällt es ihnen auch schwerer, Bitten abzulehnen“, betont die Münchner Buchautorin Isabel Nitzsche, die auch als Business-Coach arbeitet. „Frauen leben eher in einer Geltungshierarchie: Es ist wichtig, bei anderen etwas zu gelten, akzeptiert und gemocht zu werden.“ Das sei bei Männern anders: „Sie leben in einer Dominanzhierarchie. Deshalb ist auch ihre Rangordnung bis zum nächsten Kampf stabil, im Gegensatz zur instabilen Geltungshierarchie.“

Frauen fällt ein Nein besonders schwer

Im beruflichen Alltag sieht das dann oft so aus: Während Mitarbeiterinnen fleißig jeden Auftrag abarbeiten, lassen die Männer schon mal etwas liegen oder delegieren es an Andere. Nitzsche: „Irgendwann stellen dann Frauen fest, dass jüngere Männer sie in Sachen Karriere überrunden, unterdessen sie sich ständig um den Kopierer kümmern.“ Das sei der Moment, an dem vielen Frauen dämmert, dass es Wichtigeres im Job gibt als Harmonie. Es ist der Respekt!

Wehrle hat selbst erlebt, wie sich das Wort Nein positiv auf seinen eigenen Berufsweg ausgewirkt hat: „Schon als Abiturient habe ich energisch Nein gesagt zur nächtlichen Abschiebung einer jugoslawischen Asylfamilie mit Kleinkindern“, berichtet der Karriereberater. „Dafür bin ich verklagt und von zwei Gerichten wegen angeblicher ‚Beleidigung‘ verurteilt worden – bis mich das Bundesverfassungsgericht unter Vorsitz von Roman Herzog freigesprochen hat.“ Damals hatte die Süddeutsche Zeitung ihm eine Seite-3-Reportage gewidmet. Das war für ihn einer der Gründe, warum er in den Journalismus gegangen ist. Ein anderes Mal hat er eine gut dotierte Stelle als Chefredakteur gekündigt, um Freiberufler zu werden. Im Vorfeld hatten ihm davon viele Freunde abgeraten. „Doch mein Nein zu diesen Bedenken hat sich gelohnt: Als Autor und Karriereberater habe ich meine wahre Erfüllung gefunden.“

Unentbehrlich für das Selbstmanagement

Auch die Berliner Kommunikationstrainerin Nandine Meyden weiß, dass das Wort Nein unentbehrlich für das Selbstmanagement ist. „Im Beruf wie im Privatleben muss sich jeder abgrenzen. Sonst übernimmt er zu viele Aufgaben und am Ende häufen sich die Fehler.“ Wer Arbeiten nicht termingerecht umsetze, schade seinem Image und wirke nicht professionell.

Das Ja-Sagen kann also großen Schaden anrichten … nicht nur für einen selbst, sondern auch für die Firma. Deshalb empfiehlt Nitzsche, den Ja-Automatismus auszuschalten. „Das heißt nicht, dass zum Beispiel Frauen ihre soziale Fähigkeiten total abtrainieren müssen.“ Aber der vorauseilende Gehorsam sei ein Problem. „Die Dosierung macht es. Sich mal um das Kopierpapier zu kümmern ist okay, aber nicht immer. Das gilt für Männer und Frauen“, betont Nitzsche. Wer auf die Frage ’Kannst Du mal eben‘ immer mit einen Ja reagiert, gilt eben nicht als durchsetzungsstark. „Zudem übernimmt so jemand häufig Aufgaben, die oft wenig Wertschätzung erfahren.“

Nein-Sagen lässt sich trainieren

Nitzsche trainiert in ihren Durchsetzungsseminaren für Frauen mit den Teilnehmerinnen, Nein zu sagen. „Das lässt sich trainieren, zum Beispiel im Rollenspiel. Oft klappt es nicht gleich beim ersten Mal“, berichtet die Businesstrainerin. Denn häufig drücken die Frauen sich anfangs unklar aus. Auch ihre Körperhaltung lässt zu wünschen übrig. Sie haben eine gebeugte Haltung oder neigen sich Ihrem Gegenüber zu stark zu. „Beim zweiten und dritten Mal ist das schon viel besser. Die Frauen sitzen oder stehen aufrecht und schauen geradewegs ins Gesicht ihres Gesprächspartners.“

Auch die Benimmtrainerin Marlies Smits aus Großhansdorf bei Hamburg rät notorischen Ja-Sagern, das Nein zu trainieren. „Es ist hilfreich, ablehnende Antworten im privaten Bereich zu üben. So kann man zum Beispiel an der Wursttheke auf 200 Gramm Schinken bestehen.“ Wer so handelt, lernt die Reaktion des Verkäufers auszuhalten. Er verliert die Angst vor negativen Emotionen.

Respekt und Wertschätzung zählen

„Jeder sollte sich klar machen, dass ein Ja nicht automatisch höflicher ist als ein Nein. Wer zum Beispiel ein Ja unwillig vor sich hinmurmelt, wirkt unfreundlicher als jemand, der wertschätzend Nein sagt“, erklärt Smits. Deshalb ihr Tipp: Dem Fragenden aufmerksam und respektvoll zuhören. Wenn aus der Frage nicht klar wird, welche Umfang die Arbeit hat, sollten Berufstätige nachhaken, wie viel Zeit die Hilfeleistung voraussichtlich in Anspruch nehmen wird.

Besonders heikel ist es natürlich, wenn ein Vorgesetzter zusätzliche Bitten an seinen Mitarbeiter richtet. Doch auch in diesem Fall ist sich Smits sicher: „Wer Zusatzaufgaben gut erledigen will, muss bei seinem Chef im Zweifelsfall nachfragen, wie dringend die Aufgabe zu erledigen ist oder ob Anderes warten soll.“ Erwartet die Führungskraft etwas Unmögliches, sollte der Betroffene das nicht einfach stillschweigend ertragen, sondern mit Fakten belegen, dass die Arbeit so nicht zu schaffen sei. „Auch ein Chef wird ein Nein akzeptieren oder sogar schätzen, wenn er sich darauf verlassen kann, dass die Qualität sichergestellt ist.“

Um Bedenkzeit bitten

Auf Kollegenebene empfiehlt Meyden ebenfalls eine kurze Begründung für die ablehnende Antwort. „Eine langatmige Rechtfertigung ist aber unpassend. Der Angefragte sollte einfach nur kurz eine Erklärung geben, dass er zum Beispiel einen Termin hat.“

Wer ungern Nein sagt, der kann sich durch das Erbitten von Bedenkzeit Luft verschaffen. Smits: „In diesem Fall reicht es aber nicht, den Fragenden auf eine unbestimmte Zeit zu vertrösten. Besser ist es, ihm einen ganz konkreten Zeitpunkt zu nennen, zu dem er eine Antwort erwarten kann. Und natürlich muss man sich an diese selbst gesetzte Deadline halten.“

Nach Lösungen im Interessenkonflikt suchen

So problematisch das Ja-Sagen auch ist … auch eine ausweichende Kommunikation – um etwa ein Nein zu vermeiden – ist im beruflichen Alltag ein echtes Problem. „Wenn Kollegen oder Vorgesetzte drum herumreden und ausweichen, ist die Angelegenheit nicht einfach vom Tisch. Ganz im Gegenteil: Meist eskaliert das Gespräch dadurch nur, weil der Anfragende weiter auf eine Antwort dringt“, betont Meyden. Sie empfiehlt deshalb beiden Seiten, möglichst lösungsorientiert an das Gespräch heranzugehen und proaktiv nach Wegen aus dem Interessenskonflikt zu suchen. Doch dafür braucht es eine klare Position. Und die ist immer vonnöten, um konstruktiv Ja oder Nein sagen zu können.

Tipps auf einen Blick:

  • Seien Sie vorsichtig bei allzu schnellen Zusagen! Überlegen Sie, ob Sie zu oft Ja sagen.
  • Bitten Sie sich Bedenkzeit aus und sagen Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt Ihre Entscheidung zu. Halten Sie sich an diese von Ihnen vorgegebene Deadline.
  • Wenn Sie eine Bitte abschlagen, sollten Sie das in einem höflichen und freundlichen Ton tun.
  • Auch gegenüber dem Chef kann das bloße Abnicken zum Problem werden. Deshalb ist es ratsam, bei zusätzlichen Aufträgen zu fragen, was man zuerst erledigen soll und welche Priorität einzelne Aufgaben haben.
  • Das Nein-Sagen lässt sich üben, zum Beispiel in Alltagssituationen.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Nein-Sagen gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Martin Wehrle: Sei einzig, nicht artig! So sagen Sie nie mehr ja, wenn Sie nein sagen wollen, 384 Seiten, Mosaik (München) 2015, E-Book: 11,99 Euro, Buch: 14,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Januar 2016)
(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Dual studieren: Das sind die Motive und Erfahrungen junger Leute

Duale Studiengänge sind attraktiv: Sie bieten die Möglichkeit, gleich zwei Abschlüsse zu erlangen … einen beruflichen und einen akademischen. So steigt die Zahl der Studienangebote kontinuierlich. Was bisher fehlte, waren wissenschaftliche Erkenntnisse über diese Studienform. Das „Institut Arbeit und Qualifikation“ (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen hat sich im Auftrag des Bundesforschungsministeriums des Themas angenommen. Die Forschungsergebnisse liegen jetzt in Buchform vor. Darüber sprach Anja Schreiber mit der Leiterin des Projektes Dr. Sirikit Krone.

Duale Studiengänge sind attraktiv.
Duale Studiengänge sind attraktiv.

Das duale Studium ist attraktiv: Es bietet zwei Abschlüsse und eine Finanzierung.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie sich das Angebot an dualen Studiengängen in den letzten Jahren entwickelt hat.
  • Warum das duale Studium für Schulabgänger so attraktiv ist.
  • Warum duale Studiengänge für Unternehmen interessant sind.
  • Wo die Probleme liegen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Was untersuchten Sie genau?

Wir führten an 20 Standorten im Rahmen von Fallstudien Experteninterviews mit Vertretern von Hochschulen, Betrieben, Berufsschulen sowie Industrie- und Handelskammern durch. Außerdem befragten wir 500 dual Studierende mittels Online-Fragebögen. Die Ergebnisse dieser Befragung waren die Grundlage für Gruppendiskussionen mit Hochschülern. Damit sind unsere Forschungsergebnisse zwar nicht repräsentativ, aber aussagekräftig, da sie auf einer breiten empirischen Grundlage basieren.

Das Angebot dualer Studiengänge hat sich verdreifacht

Wie entwickelte sich das duale Studium in den letzten Jahren?

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Angebot dualer Studiengänge verdreifacht auf aktuell etwa 1.500. Parallel dazu wuchs die Zahl der Studierenden und beteiligten Betriebe. In einigen Fächern erreicht der Anteil circa zehn Prozent des gesamten Studienangebotes. Mehr als zwei Drittel aller dualen Studiengänge liegen in den Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften … wobei das Fächerspektrum in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden ist. So kamen gesundheits- und pflegewissenschaftliche sowie frühpädagogische Angebote dazu. Über die Hälfte der Studiengänge sind an Hochschulen für angewandte Wissenschaften angesiedelt. Universitäten fungieren dagegen nur in Einzelfällen als Kooperationspartner. Dafür haben vermehrt private Hochschulen diesen Markt für sich entdeckt.

Dual studieren bedeutet einen ständigen Wechsel zwischen Hochschule und Betrieb. Wie sieht das konkret aus?

In unserer Studie zeigen wir, dass es eine Vielzahl verschiedener Konzepte gibt. Drei Organisationsformen haben sich etabliert, die Theorie und Praxis in unterschiedlicher Form verzahnen: Im Blockmodell wechseln die Studierenden die Lernorte in größeren Zeitabständen. So verbringen sie zum Beispiel die vorlesungsfreie Zeit im Betrieb. Das teilseparierte Modell ist in noch größeren Blöcken organisiert. Das bedeutet etwa, dass die Hochschüler im ersten Jahr komplett im Unternehmen sind. Im integrierten Modell dagegen findet ein permanenter Wechsel innerhalb einer Woche statt.

Motive für die Studienwahl: Bezahlung und Beschäftigungssicherheit

Wer studiert dual?

Überwiegend wählen junge Männer diese Studiengänge. Sie stammen zum größeren Teil nicht aus Akademikerfamilien. Wichtiges Motiv für die Studienwahl ist für sie die Bezahlung während des Studiums, aber auch die Beschäftigungssicherheit nach Studienende. Sie sind besonders leistungsstark und karriereorientiert. Auffällig ist zudem die hohe Zufriedenheit unter den Studierenden.

Was schätzen Hochschulen und Unternehmen am dualen Studienangebot?

Das Leitmotiv der Firmen ist die Nachwuchssicherung für die mittlere Führungsebene. Hinzu kommt der Vorteil, dass die Betriebe frühzeitig junge Menschen an sich binden können. Spätere Einarbeitungszeiten wie etwa bei anderen Hochschulabsolventen entfallen. Für die Hochschulen ist die Nachfrage der Wirtschaft entscheidend. Diese führt schließlich zur Einrichtung dualer Studiengänge.

Gleichzeitige Anforderungen im Studium und im Betrieb

Das hört sich alles sehr positiv an. Gibt es auch Schwierigkeiten?

Die inhaltliche und organisatorische Verknüpfung von Studium und Ausbildung führt in der Praxis immer wieder zu Problemen … zum Beispiel wenn sich Studierende auf Klausuren vorbereiten, aber gleichzeitig Anforderungen im Betrieb erfüllen müssen. Deshalb sind umfangreiche Abstimmungsprozesse zwischen Hochschulen und Unternehmen notwendig. Oft gibt es dazu aber noch keine Standards, sondern nur Einzelabsprachen. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHWB) geht mit gutem Beispiel voran. Sie schließt schriftliche Verträge mit ihren Kooperationspartnern, die etwa Urlaubszeiten und Anwesenheitspflichten genau regeln.

Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich regeln

Was raten Sie Schulabgängern, die sich für ein solches Studium interessieren?

Studierwillige sollten bei den zuständigen Studienberatungen nachfragen, ob die Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich geregelt ist. Das ist ein Zeichen für Mindeststandards bezüglich der Qualität in der gemeinsamen Ausbildung an zwei Lernorten.

Setzen Sie Ihre Forschung zu dem Thema fort?

Ja, wir arbeiten bereits an einem weiterführenden Forschungsprojekt. Es beschäftigt sich mit dem Verbleib der Absolventen dualer Studiengänge. Wir untersuchen die berufliche Entwicklung ehemaliger Studierender. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich im September 2017 vor.

Tipps auf einen Blick:

  • Schulabgänger und ihre Eltern sollten sich genau über die Rahmenbedingungen des dualen Studiums informieren.
  • Außerdem ist es wichtig, herauszufinden, ob diese Studienvariante überhaupt zum Studienbewerber passt.
  •  Bewerber sollten  unbedingt die Studienberatungen der entsprechenden Hochschulen aufsuchen und an „Tagen der offenen Tür“ teilnehmen, um die Hochschule kennenzulernen.
  • Es ist sinnvoll, bei den zuständigen Studienberatungen nachzufragen, ob die Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich geregelt ist.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Überlegen Sie, dual zu studieren?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem dualen Studium gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Sirikit Krone (Hrsg.): Dual Studieren im Blick. Entstehungsbedingungen, Interessenlagen und Umsetzungserfahrungen in dualen Studiengängen, 264 Seiten, Springer (Wiesbaden) 2015, 29,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juli 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Hochsensibilität im Beruf: Fluch und Segen zugleich

Sie reagieren extrem auf Geräusche, Gerüche und Licht. Wenn etwas im Team nicht stimmt, spüren sie es sofort … das alles zeichnet hochsensible Menschen aus. Im Arbeitsalltag kann das Fluch und Segen zugleich sein. Denn diese Kollegen sind sehr empathisch, wirken auf Außenstehende aber auch oft überempfindlich.

Hochsensibilität im Beruf: Eine Herausforderung.
Hochsensibilität im Beruf: Eine Herausforderung.

So wirkt sich Hochsensibilät im Arbeitsalltag aus

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was Hochsensibiltät ist.
  • Wie sich Hochsensibilität im Berufsalltag auswirkt.
  • Was Hochsensible tun können.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

„Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen sind hochsensibel oder hochsensitiv“, berichtet Ulrike Hensel, Buchautorin und Coach für Hochsensible aus dem Stuttgarter Raum. Sie betont, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist und kein therapiebedürftiger Zustand, sondern eine angeborene Variation, wie das Nervensystem reagiert. Zu den Merkmalen gehört zum Beispiel das intensive Empfinden von optischen oder akustischen Reizen und Gerüchen. Ein ausgeprägtes intuitives Denken, hohe Begeisterungsfähigkeit, Kreativität und psychosoziale Feinwahrnehmung zeichnen diese Personen ebenfalls aus. „Sie sind aber nicht zwangsläufig introvertiert oder gar schüchtern, auch wenn 70 Prozent als introvertiert gelten.“

Petra Overbek (Name von der Redaktion geändert) gehört zu diesen hochsensiblen Menschen. Schon in frühen Jahren war sie anders als ihre Altersgenossen. Sie fremdelte als Säugling deutlich öfter als andere. Als Jugendliche ging sie ungern auf Partys, sondern brauchte mehr Ruhezeiten. Auch im Berufsalltag stellte die ausgebildete Grafikdesignerin eine große Diskrepanz zwischen sich und ihren Kollegen fest: „Immer wieder höre ich Sätze wie ’Du bist zu sensibel‘ oder ‚Du musst Dich ändern‘“, berichtet Overbek. Den Ratschlag „sich ein dickeres Fell zuzulegen“ hört die heute 41-Jährige ständig.

Hochsensible sind leichter gestresst

Sie empfindet viele Alltagssituationen im Beruf so ganz anders ihre Kollegen. Wenn zwei oder drei im Büro miteinander reden, ist das für sie zu laut. Sie kann dann nicht konzentriert arbeiten. „Während sich in meinem Betrieb die meisten bei Gesprächen in der Mittagspause entspannen, ist das für mich total anstrengend. Und zum Schluss bräuchte ich eigentlich erst recht eine Auszeit“, erklärt Overbek.

Hensel weiß, dass Hochsensible durch die Art ihrer Wahrnehmung häufiger gestresst sind als andere Mitarbeiter. „Sie sind leichter reizbar und reagieren unter Umständen heftiger als der Durchschnitt“, so Hensel. „Gerade die empathischen Fähigkeiten führen bei diesen Personen dazu, dass sie Konflikte intensiver empfinden.“

Hin und wieder kommt es auch in Overbeks Berufsalltag zu Problemen. „Wenn ich etwas nicht verstehe, traue ich mich oft nicht nachzufragen.  Aus Angst vor Ablehnung bin ich in Konferenzen viel zu zurückhaltend. So können Fehler entstehen.“ Von ihrem Chef hört sie dann: „Wehr Dich, frag nach, sag etwas!“

Hochsensitivität hat viele Vorteile

Overbek erlebt ihre Hochsensibilität aber keineswegs nur als Problem, sondern sie weiß auch um ihre Vorteile. Wie viele Hochsensible ist sie kreativ. Darum hat sie sich auch für den Beruf der Grafikdesignerin entschieden. Außerdem ist sie sozial sehr kompetent: „Immer wieder haben mir Kollegen und Vorgesetzte bestätigt, dass die Stimmung besser wird, wenn ich den Raum betrete. Scheinbar strahle ich eine Ruhe aus, die sich auf alle überträgt.“ Zudem erlebt Overbek häufig, dass Unternehmensmitarbeiter zu ihr kommen, wenn sie Probleme haben.

Auch Anne Heintze, Buchautorin und Leiterin der OpenMind-Akademie in München, bestätigt: „Hochsensible sind sehr empathisch und kreativ. Deshalb finden sie sich häufig in sozialen Berufen wieder, aber auch im Marketing und Coaching.

Empathisch und kreativ

Hensel sieht die Stärken dieser Personengruppen zudem im analytischen Bereich: „Besonders ausgeprägt ist das konzeptionelle und kritische Denken. Viele arbeiten deshalb in Wissenschaft und Forschung.“ Allerdings brauchen diese Berufstätigen die Möglichkeit, sich zurückzuziehe

„Ständiger Kundenkontakt kann leicht zur Überforderung führen“, berichtet Birgit Trappmann-Korr, Psychologin und Coach für Hochsensitive und Hochbegabte aus Rheinberg. Eine therapeutische Tätigkeit kommt diesen Menschen dagegen sehr entgegen, da es sich um eine intensive Eins-zu-Eins-Situation handelt.“ Geeignet sei zudem eine Selbstständigkeit. Denn diese erlaubt Berufstätigen, ihren Arbeitsalltag eigenständig zu gestalten.„Hochsensible brauchen mehr Ruhe. Nur so können sie ihre Batterien wieder aufladen. Deshalb ist ein Homeoffice ebenfalls eine gute Lösung.“

Berufwahl und Hochsensibilität

Doch um den richtigen Beruf wählen zu können, der zu den eigenen Anlagen passt, müssen Menschen erst einmal ihre Besonderheiten kennen. Auch Petra Overbek hatte lange keinen Schimmer von ihrer Veranlagung. Erst vor wenigen Jahren fand sie das heraus. „Vorher hatte ich immer das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen.“ Inzwischen akzeptiert sie sich so, wie sie ist. „Ich gönne mir heute mehr Ruhepausen und ziehe mich öfter mal von den Kollegen zurück“, berichtet Overbek. So kommt sie seltener mit in die Kantine, sondern verbringt die Pausen auch mal alleine. Manchmal verlässt sie das Büro, geht auf die Toilette, um dort für einige Minuten Ruhe zu tanken. Dort macht sie kurze Entspannungsübungen. Das hilft. Um nicht stigmatisiert zu werden oder auf Unverständnis zu stoßen, möchte sie von ihrer Hochsensibilität im Kollegenkreis aber lieber nicht erzählen.

Das können Hochsensible tun: Sich und Andere verstehen

Auch Trappmann-Korr bestätigt, dass die meisten „Betroffenen“ erst nach vielen Lebensjahren ihre Disposition erkennen. „Wenn die Menschen zu mir kommen, haben sie sich meist schon eingelesen oder im Internet recherchiert. Sie treibt oft der Wunsch an, alles noch einmal im Dialog zu klären.“

Für Hochsensible ist es ganz wichtig, ihre Veranlagung zu entdecken. „Viele meiner Klienten erleben es als Erleichterung, wenn sie erfahren, dass sie eben nicht krank sind“, betont Heintze. Mit diesem Wissen verstehen sie sich und die Reaktionen ihrer Umwelt besser. „Ihnen wird klar, dass die Kollegen oder Chefs ihnen gar nichts Böses wollen, sondern lediglich die Dinge anders wahrnehmen.“

Das hilft hochsensiblen Menschen

Wer um sich selbst weiß, schafft es auch eher, für sich zu sorgen. „Ein Hochsensibler sollte in stressigen Situationen Distanz schaffen, indem er zum Beispiel diese in Richtung Kopierer verlässt“, so Heintze. Als Alternative zum kraftzehrenden Plausch in der Kantine könnte er etwa einen Spaziergang unternehmen. „Was ‚Betroffenen‘ gut tut, wissen sie in der Regel selbst am Besten. Denn sie haben viel Intuition.“

Trappmann-Korr betont: „Hochsensitive sollten erkennen, wer sie sind und was sie brauchen, damit es ihnen gut geht.“ Sie hat oft festgestellt, dass ihre Klienten sich mehr um Kollegen, Freunde und Familie kümmern als um sich selbst. Das sei aber gerade problematisch. Denn es führe oft zu psychosomatischen Stressreaktionen wie Verspannungen, Kopfschmerzen oder Herz-Kreislauf-Problemen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt sie ’Betroffenen‘, zu den an sie herangetragenen Wünschen auch mal nein zu sagen.

Richtig die eigenen Bedürfnisse kommunizieren

Zur Selbstfürsorge gehört die Kommunikation. Schließlich sollten Hochsensible nicht still vor sich hinleiden, wenn ihnen beispielsweise die Geräuschkulisse im Büro zu laut ist. Hensel: „Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg hat sich dafür als besonders hilfreich erwiesen. Denn sie stößt den Gesprächspartner nicht vor den Kopf, sondern macht auf die eigenen Empfindungen, Bedürfnisse und Wünsche aufmerksam.“

Die Selbstfürsorge im Beruf kann sehr unterschiedlich aussehen. Hensel: „Manchmal reicht es schon, morgens früher als die Kollegen anzufangen, um so in den ersten Stunden in Ruhe arbeiten zu können. Manchmal ist vielleicht auch ein Jobwechsel notwendig.

Tipps auf einen Blick:

  • Oft erleben sich Hochsensible als defizitär. Doch ihre Veranlagung hat auch im Beruf viele Vorteile.
  • Wichtig ist deshalb, einen Beruf auszuwählen oder einen Job zu suchen, der zu den eigenen Stärken passt.
  • Damit Hochsensible das tun können, müssen sie sich ihrer Veranlagung bewusst werden und zuvor über das Thema Hochsensibilität recherchieren.
  • Wer seine Veranlagung kennt, sollte für sich sorgen und auf seine Bedürfnisse achten.
  • Oft ist es hilfreich, zu Menschen und Situationen Distanz zu schaffen.
  • Wichtig ist es auch, über die eigenen Bedürfnisse klug zu kommunizieren, z.B. mit der Gewaltfreien Kommunikation.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Sind Sie hochsensibel?
  • Haben Sie die im Artikel beschriebenen Symptome?
  • Welche Erfahrungen haben Sie als hochsensibler Mensch im Beruf gemacht?
  • Welche Probleme haben Sie und wie sehen Ihre Lösungsansätze aus?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie es in die Kommentare! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlungen:

Ulrike Hensel: Mit viel Feingefühl – Hochsensibilität verstehen und wertschätzen. Einblicke in ein gar nicht so seltenes Phänomen, Junfermann (Paderborn) 2013, 240 Seiten, broschiert: 22,90 Euro, E-Book: 19,99 Euro.

Anne Heintze: Ich spüre was, was du nicht spürst. Wie Hochsensible ihre Kraftquellen entdecken, Gräfe und Unzer (München) 2015, 128 Seiten, gebunden: 12,99 Euro, E-Book: 10,99 Euro.

Birgit Trappmann-Korr: Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal. Leben zwischen Hochbegabung und Reizüberflutung, VAK Verlag (Kirchzarten bei Freiburg) 2014, 336 Seiten, broschiert: 18,95 Euro.

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Zehn Tipps zum neuen Jahr: So werden aus Vorsätzen Erfolge!

Endlich eine aufgeschobene Hausarbeit fertig stellen, mehr Sport machen, mit dem Rauchen aufhören oder weniger zocken … Du hast Dir für das neue Jahr richtig viel vorgenommen? So weit, so gut! Doch oft bleiben viele gute Vorsätze für das neue Jahr Wunschträume. Scheinbar ist der innere Schweinehund einfach zu stark. Das muss aber nicht sein. Mit diesen zehn Tipps bist Du Deiner Willensschwäche nicht mehr machtlos ausgeliefert!

So klappt es mit den Vorsätzen!
So klappt es mit den Vorsätzen!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Auszubildende, Schulabgänger, Berufseinsteiger und  Berufserfahrene.

In diesem Artikel erfährst Du:

  • Wie es mit den Vorsätzen klappt.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

1. Ziele statt Wünsche

Der Wunsch, weniger zu zocken, um mehr Zeit für die Uni zu haben, ist löblich, aber leider noch ziemlich unkonkret. Was heißt eigentlich weniger? Damit aus Deinem Wunsch auch Wirklichkeit wird, solltest Du Dir ein konkretes Ziel vornehmen, zum Beispiel eine Zock-Höchstgrenze festlegen und Dir so Raum für andere Aktivitäten schaffen.

2. Keine Wunder erwarten

So lobenswert es ist, dass Du etwas verändern willst, vergiss nicht, realistisch zu bleiben! Wenn Du ein supervolles Studienjahr vor Dir hast, kannst Du Dich schnell verzetteln, wenn Du noch zusätzlich Chinesisch lernen willst … es sei denn, Du bist wirklich ein Überflieger. Erwarte also von Deiner Leistungsfähigkeit keine Wunder!

3. Schritte zum Ziel konkret planen

Große Ziele zu haben, beflügelt. Die Feinplanung ist dagegen mühsam und holt oft auf den Boden der Realität zurück. Aber wenn Du Deine Vorsätze verwirklichen willst, ist es wichtig, einzelne konkrete Schritte zum Ziel festzulegen.

4. Gewohnheiten einüben

Gewohnheit: Das klingt so langweilig. Und das soll ein Mittel zum Erfolg sein? Ist aber so: Kleine Änderungen, die Du in Deinen Alltag integrierst, bringen oft mehr als große Kraftanstrengungen, die Du nur wenige Tage durchhältst.

5. Hindernisse einkalkulieren

Wenn Du Dir etwas Größeres vornimmst, solltest Du damit rechnen, dass nicht alles reibungslos funktioniert. Es kann so viel passieren: Krankheiten, unvorhergesehene Probleme oder Unerwartetes im Privatleben. Und die machen Dir schnell einen Strich durch die Rechnung. Kalkulierst Du dagegen vorher Schwierigkeiten ein, kannst Du viel gelassener damit umgehen, wenn sie dann tatsächlich auftauchen.

6. Gemeinsam geht es besser

Ohne Motivation geht es nicht. Und wenn Du gerade durchhängst, kann der Elan Anderer Dir neuen Antrieb geben. Deshalb suche Dir Mitstreiter! Wenn Du zum Beispiel endlich eine Hausarbeit fertigstellen willst, könnte Dir eine Schreibgruppe helfen. Auf eingefleischte Introvertierte kann eine Arbeitsgruppe allerdings kontraproduktiv wirken!

7. Sich belohnen

Du arbeitest regelmäßig für Dein Ziel, aber noch ist es in weiter Ferne? Dann brauchst Du hin und wieder eine Frischzellenkur für Deine Motivation! Deshalb solltest Du Dich öfter mal für Deine Anstrengungen belohnen. Wie wäre es mit einem Konzert oder Clubbesuch? Es gibt natürlich auch Belohnungen, die gar nichts kosten wie ein extra freier Tag.

8. Sich ein Zwischenzeugnis ausstellen

Auf dem Weg zum Ziel ist es wichtig, den inneren Schweinehund in Schach zu halten. Der macht sich oft nach der ersten Anfangseuphorie breit. Am Besten schlägst Du ihm ein Schnippchen, wenn Du Dir bewusst machst, wo Du gerade stehst. Frage Dich also von Zeit zu Zeit, wie Dein „Projekt“ funktioniert. Läufst es gut? Gibt es Probleme? Bist Du de facto schon ausgestiegen? Wer sich so im Abstand von ein paar Wochen ein kleines Zwischenzeugnis ausstellt, kann leichter gegensteuern, wenn etwas schiefläuft.

9. Ziele anpassen

Hast Du Dir ein Zwischenzeugnis ausgestellt, wirst Du erkennen, wie weit Du noch vom Ziel entfernt bist. Natürlich kann es sein, dass alles super läuft und Du im Zeitplan bist. Aber auch das Gegenteil ist möglich. Dann solltest Du den Kopf nicht hängen lassen, sondern Dich fragen, ob Dein Ziel vielleicht überambitioniert war. Statt einfach aufzugeben, macht es meist Sinn, den Vorsatz noch einmal zu überdenken und ihn der Realität anzupassen.

10. Nicht nur zu Neujahr

Niemand muss übrigens bis Neujahr warten, um etwas in seinem Leben zu ändern oder neue Ziele anzuvisieren. Eigentlich kannst Du jeden Tag für einen Neuanfang nutzen. Okay, es macht schon Sinn, an einem besonderen Tag zu beginnen, zum Beispiel, wenn Du umgezogen bist, am Anfang eines neuen Semesters oder wenn Dein Partner mit Dir Schluss gemacht hat!

Tipps für das neue Jahr:

    • #1 Du solltest aus Deinen Wünschen konkrete Ziele machen, die messbar und terminiert sind.
    • #2 Bleibe in Sachen Vorsätze realistisch und erwarte von Dir keine Wunder.
    • #3 Besonders wichtig ist es, einzelne konkrete Schritte zum Ziel festzulegen.
    • #4 Kleine Änderungen, die Du in Deinen Alltag integrierst und so zu Deiner Gewohnheit machst, bringen oft mehr als große Kraftanstrengungen.
    • #5 Am Besten kalkulierst Du Schwierigkeiten vorher ein, dann kannst Du viel gelassener damit umgehen, wenn sie tatsächlich auftauchen.
    • #6 Wenn Du ein Teamworker bist, suche Dir Mitstreiter.
    • #7 Belohne Dich hin und wieder für Deine Anstrengungen.
    • #8 Stelle Dir im Abstand von ein paar Wochen ein kleines Zwischenzeugnis aus. Damit findest Du leicht heraus, ob etwas schief läuft. So kannst Du gegensteuern.
    • #9 Statt einen Vorsatz einfach aufzugeben, macht es Sinn, ihn noch einmal zu überdenken und ihn der Realität anzupassen.
    • #10 Du kannst jeden Tag für einen Neuanfang nutzen.

Fragen an Dich:

Ich freue mich, dass Du diesen Artikel gelesen hast! Jetzt möchte ich Dir ein paar Fragen stellen:

  • Gelingt Dir die Umsetzung Deiner Vorsätze?
  • Mit welcher Strategie schaffst Du es, Deine Ziele zu verwirklichen?
  • Woran scheitern Deine Vorsätze?
  • Welche Tipps würdest Du Anderen geben?
  • Gefällt Dir der Artikel?
  • Ist er hilfreich?

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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht im Werkblatt, Januar/Februar 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Berufseinstieg als Tätowierer oder Kosmetikerin: Jobs rund um den Körperkult

Attraktiv sein und gut aussehen: Dieser zutiefst menschliche Wunsch sorgt für Jobperspektiven in ganz unterschiedlichen Berufen. Ob es nun um die Frisur geht, das individuelle Tattoo oder eine kosmetische Behandlung: Am Ende soll sich der Kunde wohlfühlen. Deshalb ist Freude am Umgang mit Menschen für Berufe rund um den Körperkult wichtig. Aber auch ästhetisches Feingefühl und Kreativität zählen.

Tattoo und Co.: Berufe rund um den Körperkult.
Tattoo und Co.: Berufe rund um den Körperkult.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Schulabgänger, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Ausbildung und Berufseinstieg im Bereich Beauty und Körperkult aussehen.
  • Wie die Berufschancen sind.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Traumberuf Tätowierer

Der 28-jährige Bobby Anders hat sich seinen Berufstraum erfüllt: Er ist Tätowierer im Berliner Tatoo- und Piercingstudio AKA. „Tattoos faszinierten mich schon früh … besonders die von meinem Großvater. Der hatte mit seinen Tattoos alte KZ-Tätowierungen überdecken lassen.“ Anders ließ sich mit 14 Jahren das erste Tattoo stechen. Doch die damalige Szene in Frankfurt am Main, wo er zuhause war, gefiel ihm nicht. „Diese Leute hörten Böhse Onkelz. Das Tätowieren war für sie keine Kunst.“ So verlor er das Interesse und studierte erst einmal Design in Darmstadt.

Vor zwei Jahren entdeckte er seine alte Liebe neu. Er kaufte sich eine Maschine und begann, sich selbst zu tätowieren. „Natürlich habe ich am Anfang viel falsch gemacht und zum Beispiel ungeeignete Nadeln benutzt“, berichtet Bobby Anders. Nach und nach aber brachte er sich das Wissen selbst bei. Dann fing er an, auch Freunden Tattoos zu stechen.

Bobbys großer Traum war es, bei AKA Tattoo in Neukölln zu arbeiten. „Ich wusste: Das Studio ist wirklich gut. Dort wollte ich hin.“ Und Bobby Anders bekam seine Chance. Er konnte von den Tattoo-Künstlern des Studios lernen. Erst wurde er für zwei Probewochen engagiert, dann für zwei Monate. Inzwischen ist er fest angestellt. Seit mittlerweile einem Jahr gehört er zu den Tattookünstlern des angesagten Studios, dessen Facebook-Seite knapp 45.000 Fans hat. Die Mitarbeit bei AKA hat ihn – wie er sagt –  „total gepusht“.

Tätowierer ist kein dualer Ausbildungsberuf

„Auch wenn Tätowieren und Piercen ein Hype ist … eine klassische Ausbildung gibt es dafür nicht“, erklärt Petra Cämmerer, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd. „Oft sucht sich der Nachwuchs ein Studio, das ihm gefällt, und lernt dort. Diese Ausbildung funktioniert also wie zu vergangenen Zeiten ohne Berufsschule und staatliche Abschlüsse.“ Am Anfang stehen Hilfsarbeiten und Zuschauen. Die Lernenden probieren sich zuerst an Schweinehäuten aus. „Tätowierer müssen natürlich zeichnen können, sie sollten aber auch verantwortungsvoll sein“, erklärt Cämmerer. Denn schließlich gehe es um die Gesundheit von Menschen.

Anders unterstreicht: „50 Prozent des Tätowierens ist Kunst, die restlichen 50 Prozent Hygiene. Deshalb sind auch Hygieneschulungen so wichtig.“ Neben Menschenkenntnis empfiehlt der studierte Designer Einsteigern, sich für die Tattoo-Szene zu interessieren. „Dazu gehören Kenntnisse über die Geschichte des Tätowierens, aber auch das Wissen um die neuesten Trends.“ Die Bereitschaft, sich fortzubilden, sei ebenfalls wünschenswert.

Vorher eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren

Da „Tätowierer“ kein anerkannter Beruf ist, empfiehlt Cämmerer jungen Leuten, die dieses Berufsziel haben, erst einmal eine duale Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren. „Später können sie immer noch ihrer Leidenschaft nachgehen.“

Ein Klassiker unter allen Berufen rund um den Körperkult ist der Friseur. „Das Friseurhandwerk ist unter den Schulabgängern immer noch sehr beliebt“, betont Cämmerer. „Doch inzwischen gibt es mehr offene Ausbildungsplätze als Bewerber. Das mag auch an der unattraktive Ausbildungsvergutung und den Arbeitszeiten, aber auch an der körperlichen Anstrengung liegen.“ Dennoch hält die Berufsberaterin die Ausbildung für eine gute Ausgangsbasis für beruflichen Erfolg. So könnten Friseure den Meisterabschluss erwerben und sich selbstständig machen.

Friseurhandwerk: Auszubildende sind gefragt

Die 48-jährige Ursula Gerber ist seit 32 Jahren mit Leib und Seele Friseurin, 19 Jahre davon in Berlin selbstständig. Seit 15 Jahren hat sie einen Salon in der Charlottenburger Grolmanstraße. Sie ist über Monate hin ausgebucht. „In diesem Jahr habe ich keinen Auszubildenden, weil ich niemand Passendes gefunden habe“, betont sie. Viele Bewerber hätten falsche Vorstellungen und wenig Ausdauer. „Für den Beruf braucht man die Leidenschaft, den Menschen etwas Gutes zu tun und die Bereitschaft, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.“ Natürlich sei auch Kreativität wichtig, aber auch ein Gespür für Farben und Formen.

Gerber selbst hat ihren Beruf in der Schweiz gelernt und dort ihre Meisterprüfung abgelegt. Einige Jahre arbeitete sie als Geschäftsführerin, bevor sie sich selbstständig machte. „Wer ehrgeizig ist und an sich glaubt, kann weit kommen und gut verdienen“, so Gerber. Sie empfiehlt dem Nachwuchs, sich ein Ziel zu setzen und mit Freude und Ehrgeiz seine Kreativität auszuleben, um dieses Ziel zu erreichen. „Friseure können in Luxushotels im In- und Ausland arbeiten, aber auch zu Film- oder Fernsehproduktionen gehen, wenn eine Zusatzausbildung zum  Visagist oder Maskenbildner vorliegt.“

Kosmetik: Duale Ausbildung oder  Schule?

Die Kosmetik bietet ebenfalls Berufsperspektiven an. „Anders als bei den Friseuren ist es relativ schwer, in diesem Beruf einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, erklärt Cämmerer. Denn die meisten Kosmetiksalons sind „Ein-Frau-Unternehmen“, die nicht ausbilden. „Eine Kosmetikschule ist deshalb eine Alternative. Allerdings kostet sie Schulgeld.“

An der Kosmetikschule Berlin können Interessierte verschiedene Aus- und Weiterbildungen absolvieren, zum Beispiel in der Ganzheitskosmetik oder in „Fußpflege und Maniküre“. Schulleiterin Alexandra Nüske: „Unsere Kurse haben eine Länge von mehreren Wochen bis zu einem Jahr. Umschulungen werden häufig vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur übernommen.“ So haben 65 Prozent der Absolventen bereits eine erste Ausbildung abgeschlossen.  „Bei uns geht es um die Pflege, nicht um Kreativität wie im Friseurhandwerk. In erster Linie behandeln wir gesunde Haut, aber auch Akne. Das muss jemand wissen, der sich für diesen Beruf interessiert.“

Nüske weiß, dass gerade junge Frauen oft falsche Vorstellungen von dem Beruf haben. „Viele glauben, dass Kosmetikerin und Visagistin das Gleiche ist. Natürlich muss man perfekt schminken können. Doch das Reinigen der Haut, die Fußpflege, die Ganzkörpermassage oder Enthaarung gehören ebenfalls zur Ausbildung und zur späteren Tätigkeit.

Gute Berufschancen für Kosmetikerinnen

Wer eine Kosmetikschule absolviert hat, kann in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten. „Neben der Möglichkeit, sich selbstständig zu machen, bieten auch Hotels und Kreuzfahrtschiffe Arbeitsplätze für Kosmetikerinnen an. In Alten- und Krankenpflege-Einrichtungen werden sie ebenfalls gebraucht.“ Nüske sieht gute Berufschancen: „Uns  rufen regelmäßig alle möglichen Arbeitgeber wie etwa Reedereien an und fragen nach unseren Absolventinnen.“

Veronika Gracher hat die Kosmetikschule Berlin besucht und sich dann mit ihrer „Beauty Therapy“ selbstständig gemacht. Sie kommt ursprünglich aus einer ganz anderen Branche: „Ich studierte zuerst Spanisch. Danach absolvierte ich noch ein BWL-Studium mit den Schwerpunkten Marketing und Vertrieb.“ Die Akademikerin war anschließend viele Jahre für das Fernsehen tätig und verkaufte international Produktionen. „Mir wurde aber klar, dass ich diesen Beruf nicht bis zur Rente ausüben wollte. Deshalb orientierte ich mich noch einmal neu und griff den Kindheitstraum Kosmetikerin und Visagistin auf.“

Heute arbeitet Gracher als Ganzheitskosmetikerin im hochpreisigen Bereich. Denn schließlich ist sie mehrsprachig und kann sich mit ihren Kunden auf englisch, französisch und spanisch unterhalten. Sie absolvierte Weiterbildungen in der Visagistik sowie in der Farb- und Stilberatung. Ein Ladengeschäft hat sie nicht, sondern sie empfängt ihre Kundinnen in einem gediegenen Altbau mit Stuck. „Meine größte Motivation ist es, für die Menschen da zu sein. Oft schließen meine Kundinnen die Augen und erzählen mir viel, als wäre ich ihre Psychotherapeutin.“

Tipps für Berufseinsteiger:

  • Da Tätowierer kein klassischer Ausbildungsberuf ist, macht es Sinn vorher eine duale Ausbildung oder ein Studium in einem anderen Berufsfeld zu absolvieren.
  • Interesse an der Tattoo-Szene sollten künftige Tätowierer mitbringen. Auch zeichnerische Fähigkeiten sind wichtig. Im Friseurhandwerk zählen neben handwerklichem Geschick und Kreativität die Bereitschaft, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Freude am Umgang mit Menschen sollten Sie in allen Berufen rund um den Körperkult mitbringen. Fragen Sie sich, ob Sie diese Eigenschaften haben.
  • In der Kosmetik geht es nicht nur darum, den Kunden perfekt zu schminken, sondern auch um das Reinigen der Haut, die Fußpflege, die Ganzkörpermassage oder Enthaarung. Überlegen Sie sich, ob dass die Tätigkeiten sind, die Sie gerne ausüben wollen.

Fragen an Sie:

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  • Wollen Sie im Bereich Beauty und Körperkult arbeiten?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, November 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Tipps für Muffel: So überstehen Sie die Weihnachtsfeier gut!

Die Adventszeit … die Saison der Weihnachtsfeiern. Für manche Beschäftigte ein Grund, den bevorstehenden Wochen mit Magengrummeln entgegenzusehen. Denn nicht jeder ist ein Smalltalk-King oder eine Party-Königin. Manch einer mutiert eher zum Weihnachtsfeier-Muffel. Einfach zu Hause zu bleiben ist aber keine Lösung des Problems.

Tipps für die Weihnachtsfeier.
Tipps für die Weihnachtsfeier.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum Sie Weihnachtsfeiern besuchen sollten.
  • Was Sie auf einer Weihnachtsfeier unterlassen sollten. 
  • Wie Sie sich angemessen verhalten.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Warum Sie Weihnachtsfeiern besuchen sollten

„Bei betrieblichen Weihnachtsfeiern kann sich kein Beschäftigter ganz heraushalten“, betont Bettina von Oertzen, Benimm-Trainerin aus Frankfurt am Main. „Solche Feste gehören in einer Gemeinschaft dazu. Wer schwänzt, wird es bei den Kollegen umso schwerer haben.“ Deshalb rät sie dringend, in den sauren Apfel zu beißen und hinzugehen. Denn sonst wird der Weihnachtsfeier-Hasser schnell zum Außenseiter. „Es fehlen dann die gemeinsamen Themen mit denen, die bei dem Fest dabei waren. In so einem Fall machen die Anderen schnell zu und schließen den Feiermuffel aus.“

Dr. Thorsten Knobbe, Karriere-Coach und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Leaderspoint aus dem Rheinland, betont: „Sie können nur verlieren, wenn Sie sich selbst ausgrenzen. Schließlich ist jede Feier auch eine wichtige Kontaktbörse und ein Netzwerktreffen.“ Gerade für jene, die im Unternehmen Karriere machen wollen, hält Knobbe diesen Termin für ein absolutes Muss: „Je weiter Sie aufsteigen wollen und je kleiner der Betrieb ist, desto wichtiger ist Ihre Teilnahme.“

Keine schlechte Laune mitbringen

Die einzige Lösung lautet also: Sich nicht entziehen, sondern hingehen! Wer das allerdings mit schlechter Laune und genervtem Gesichtsausdruck tut, wird ebenfalls nicht gut ankommen. „Wenn Sie alle anderen Festgäste für Dummköpfe halten, strahlen Sie das auch aus“, warnt von Oertzen. Stattdessen kann sich der Mitarbeiter selbst motivieren, indem er sich ganz bewusst auf die netten Kollegen freut oder der Weihnachtfeier einen Sinn gibt. Schließlich soll das Fest das Betriebsklima verbessern.

Suchen Sie sich doch eine bestimmte Aufgabe. Zum Beispiel könnten Sie sich um die Auszubildenden oder um einen Ausländer mit Verständigungsschwierigkeiten kümmern.“ Unangebracht ist es natürlich, dem Servicepersonal unter die Arme greifen zu wollen. Haben Sie eine Aufgabe gefunden, wird es Ihnen auch viel leichter fallen, einen Sinn in der Weihnachtsfeier zu sehen.

Nicht den Frust im Alkohol ertränken

Eines aber sollten Arbeitnehmer vermeiden: Ihren Frust über die Weihnachtsfeier im Alkohol zu ertränken. Denn das hat in aller Regel beträchtliche Nebenwirkungen: „Unter starkem Alkoholeinfluss kann man alle Hemmungen verlieren und so vielleicht einen Kollegen beschimpfen oder im Extremfall eine Mitarbeiterin sexuell belästigen“, betont Knobbe. „Die Gefahr des Gesichtsverlustes ist sehr groß … und sie wird im Laufe des Abends mit steigendem Pegel immer größer.“

Auch jenseits des Alkoholkonsums gilt, dass sich kein Arbeitnehmer zu sehr gehen lassen sollte. Deshalb ist eine Weihnachtsfeier garantiert der falsche Ort, um seinen Unmut über Andere auszudrücken oder Konfliktgespräche zu führen. Auch die Weiterführung des letzten Meetings sollte unterbleiben. Weitere Tabuthemen sind Religion, Politik und Gesundheit. Über andere Kollegen zu lästern sollten Arbeitnehmer ebenfalls unbedingt vermeiden.

Ein passendes Smalltalk-Thema finden

„Bei einer gut organisierten Weihnachtsfeier ist es auch gar nicht so schwer, ein geeignetes Thema zu finden. Schließlich bietet das Programm, das Essen oder die Dekoration genug Gelegenheit für Gespräche“, so Knobbe.

Von Oertzen rät gerade Weihnachtsmuffeln zur Vorsicht beim Gespräch, denn wer jetzt seinen Kollegen verklickert, dass er Weihnachtsfeiern doof findet, dass das Essen schlecht und die Stimmung miserabel ist, macht sich unbeliebt. „Finden Sie lieber neutrale Themen wie die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest oder Anregungen für Geschenke.“ Vielleicht kommen die Kollegen aus verschiedenen Herkunftsländern, dann ist die Frage interessant, welche Weihnachtstraditionen es dort gibt.

Nicht auffällig früh gehen

Zwar müssen Weihnachtsfeiermuffel nicht bis zum Schluss bleiben, sie sollten aber auch nicht auffällig früh das Fest verlassen. Von Oertzen rät zum Augenmaß: „Am besten warten Sie, bis ein oder zwei Leute gegangen sind, dann können auch Sie getrost die Feier verlassen.“

Natürlich ist kein Mitarbeiter verpflichtet, sich an all diese Regeln zu halten. Doch von Oertzen gibt zu bedenken: „Nach der Weihnachtsfeier sehen Sie Ihre Kollegen auf jeden Fall wieder und das viele Stunden am Tag. Die Beziehung zu ihnen ist also sehr wichtig. Sie sollten dieses Verhältnis nicht durch ein Fehlverhalten bei der Weihnachtsfeier gefährden.“

Tipps für Weihnachtsfeier-Muffel:

  • Einfach nicht zur Weihnachtsfeier gehen, ist keine Lösung.
  • Bitte keine schlechte Laune mitbringen, sondern sich lieber auf nette Kollegen freuen.
  • Den Frust nicht im Alkohol ertränken.
  • Sich eine Aufgabe suchen.
  • Nicht über Negatives reden, auch nicht über die misslungene Feier.
  • Nicht auffällig früh gehen.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Sind Sie ein Weihnachtsfeier-Muffel?
  • Mit welchen Tricks überstehen Sie Weihnachtsfeiern?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, November 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Berufsorientierung für Schulabgänger: Stärken erkennen

Die Suche nach dem passenden Beruf … in den letzten beiden Schuljahren ein wichtiges Thema. Doch viele Schüler sind sich unsicher, wo ihre Stärken liegen und welche Ausbildungs- und Studiengänge für sie infrage kommen. Dabei können Hobbies und ehrenamtliches Engagement wichtige Hinweise für die Wahl geben.

Berufsorientierung für Schüler: Stärken erkennen.
Berufsorientierung für Schüler: Stärken erkennen.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Schulabgänger, Studierende und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sie bei der Berufsorientierung vorgehen sollten. 
  • Welche Kriterien für die Berufswahl wichtig sind.
  • Warum niemand Angst vor der Berufsentscheidung haben sollte. 
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Ohne Druck entscheiden

„In jeden Fall sollten junge Leute die Entscheidung für einen Beruf ohne Druck von außen treffen“, betont  Karriere-Coach Padideh Kaschefi, Geschäftsführerin des auch in Stuttgart vertretenen Beratungsunternehmens „Karriere²“. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und Interessen ist dabei zentral. Deshalb empfiehlt die Jobberaterin Jugendlichen, sich mit verschiedenen Fragen zu beschäftigen: Was kann ich? Was will ich? Was macht mir Spaß? Wo und wie möchte ich arbeiten? Und was passt zu meinem Charakter?

Nicht immer ist es den Schulabgängern klar, wo ihre eigenen Stärken liegen. „Zwar können Schulnoten erste Hinweise geben, aber sie sind oft wenig aussagekräftig“, betont Kaschefi. „Häufig begeistern sich junge Leute zum Beispiel für YouTube und haben dort einen eigenen Kanal. Die dadurch erworbenen Fähigkeiten stehen aber auf keinem schulischen Lehrplan.“ Deswegen sollten Jugendliche ihr Freizeitverhalten reflektieren. Denn gerade soziale, sportliche und kulturelle Aktivitäten geben wichtige Anhaltspunkte, was Schulabgängern Spaß macht und was sie gut können. „Wer überdurchschnittlich viel Zeit und großes Engagement in bestimmte Hobbies steckt, sollte sich fragen, ob er diese Tätigkeit nicht zum Beruf machen könnte.“

Sich in der Berufspraxis ausprobieren

Das zentrale Problem von Schülern sieht Kaschefi darin, dass diese noch keine oder wenig Erfahrungen mit der Arbeitswelt gemacht haben. „Deshalb ist es so notwendig, sich auszuprobieren und die Praxis zu erleben.“ Neben dem verpflichtenden Schulpraktikum sei ein weiteres freiwilliges Praktikum hilfreich, um in Kontakt mit Unternehmen zu kommen.

Wer am Ende der Schullaufbahn noch nicht sicher ist, welche Art von Ausbildung oder Studium zu ihm passt, muss noch keine abschließende Wahl treffen. Es gibt auch Zwischenlösungen. „Eine längere Zeit im Ausland oder ein ‚Freiwilliges soziales Jahr‘ hilft oft bei der Entscheidung, da junge Leute so die Gelegenheit bekommen, erst einmal Lebenserfahrung zu sammeln.“

Auf die Stärken achten, nicht auf die Schwächen

Als Coach weiß Kaschefi, dass bei der Berufswahl oft die Schwächen der Schüler eine dominierende Rolle spielen. „Das ist aber nicht hilfreich. Besser ist es, die Stärken zu betrachten. Daraus lässt sich ableiten, wie das Umfeld, die Aufgaben und die Schwerpunkte einer Berufstätigkeit aussehen sollten.“ Der nächste Schritt ist die gründliche Information über mögliche Berufe und welche Ausbildung sie voraussetzen.

Berufswahl passend zum Charakter

Außerdem ist es wichtig, die Persönlichkeit in den Blick zu nehmen. „Wer introvertiert ist, dem wird es zum Beispiel schwerfallen, ständig auf fremde Menschen zuzugehen“, erklärt Kaschefi. „Vielleicht kommt in diesem Fall eher ein Beruf infrage, bei dem Kundenkontakt keine große Rolle spielt.“

Die Beraterin empfiehlt Schulabgängern, mutig zu sein. „Niemand braucht vor der Entscheidung Angst zu haben. Denn wer merkt, dass eine Ausbildung oder ein Studium doch nicht zu ihm passt, kann immer noch nachbessern.“ Als Karrierecoach weiß Kaschefi, dass es kaum idealtypische Lebensläufe gibt: „Oft führen gerade berufliche Umwege zum Ziel.“

 Tipps für Schulabgängerinnen und Schulabgänger:

  • Erkennen Sie Ihre Fähigkeiten und Talente, aber auch Ihre Werte und Leidenschaften.
  • Darauf weisen nicht nur Schulnoten, sondern auch Hobbies und Freizeitverhalten hin.
  • Lernen Sie Ihre Persönlichkeit kennen und suchen Sie nach Tätigkeiten, die dazu passen.
  • Nehmen Sie Ihre Wünsche ernst.
  • Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken, nicht auf Ihre Schwächen.
  • Nutzen Sie eine Auszeit für die Berufsorientierung, wie zum Beispiel ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ oder einen „Work and Travel“-Aufenthalt.
  • Machen Sie Praktika, die Ihnen bei der Orientierung helfen.
  • Bleiben Sie bei der Berufswahl gelassen. Haben Sie keine Angst vor einer Fehlentscheidung. Wichtig ist erst einmal überhaupt eine Entscheidung.

Fragen an Sie:

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(Hauptartikel veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, September 2015)

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