Berufliche Sehnsucht verwirklichen: So planen Sie Ihren Weg zum Ziel

Sie haben sich vorgenommen, Ihrem Traum nachzugehen? Ich kann Sie zu dieser Entscheidung nur beglückwünschen! Wenn Sie Ihrer Sehnsucht folgen möchten, wird das nur Schritt für Schritt gehen! Und dafür brauchen Sie einen Plan! Vielleicht schrecken Sie jetzt schon ein wenig zurück. Denn viele verbinden mit Sehnsucht pure Emotion und nicht so etwas Nüchternes wie ein organisiertes Vorgehen! Doch ich kann Ihnen versichern: Wenn Sie professionell – also möglichst strukturiert – handeln, kommen Sie am Besten vorwärts.

Berufliche Sehnsucht: So planen Sie Ihren Weg zum Ziel
Berufliche Sehnsucht: So planen Sie Ihren Weg zum Ziel!

Der Weg zum Ziel führt über die Planung

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

Sehnsüchtige, Berufserfahrene, Berufseinsteiger, Neustarter und Neustarter 40plus.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sie Ihr berufliches Ziel durch Planung verwirklichen.
  • Was Sie bei der Planung bedenken sollten.
  • Wie Sie die einzelnen Schritte in Richtung Ziel festlegen.
  • Literaturempfehlung.
  • Linkempfehlungen.

In meinem letzten Artikel zum Thema Sehnsucht  habe ich Ihnen einen Dreamday empfohlen. Diese Zeit sollten Sie nutzen, um Ihre (unbestimmte) Sehnsucht in ein klares Ziel zu verwandeln. Am Schluss des Artikels riet ich Ihnen, sich einen konkreten Rechercheauftrag zu geben.

Rechercherergebnisse für die Planung nutzen

Wer zum Beispiel das Ziel hat, Buchautor zu werden, der könnte im Internet zu diesem Themengebiet recherchieren, aber auch Bücher und Blogs dazu zu lesen. Wichtig ist, dass Sie die Recherchephase nicht unendlich ausdehnen, sondern eine Deadline festlegen! Bis zu diesem Stichtag sollten Sie ein paar relevante Informationen gesammelt haben. Der nächste Schritt ist die Planung. Dafür brauchen Sie kein Experte zu sein! Grundlegendes Wissen über Ihr Thema reicht völlig aus, um in diese Phase einzusteigen!

Den Plan immer wieder nachjustieren

Wenn Sie nun die Umsetzung Ihres Ziels planen, machen Sie sich bitte vorher eines klar: Planung ist keine einmalige Handlung! Sie werden merken, dass Sie Ihr Vorgehen immer wieder an die Realität anpassen müssen, um vorwärts zu kommen. Das kann viele Gründe haben, zum Beispiel inhaltliche Probleme, die plötzlich auftauchen oder persönliche Rahmenbedingungen, die sich ändern.

Deshalb geht es gar nicht darum, von Anfang an ein perfektes Konzept zu erstellen. Bleiben Sie stattdessen sensibel für die sich einstellenden Herausforderungen und justieren Sie nach.

Kleine Schritte planen

Wie Ihr Plan genau aussieht, hängt natürlich von Ihrem Ziel ab. Wollen Sie ein Buch schreiben, werden Sie diese Arbeit wahrscheinlich zunächst in eine Recherche-, Schreib- und Überarbeitungsphase unterteilen.

Aber das sind nur sehr grobe Schritte, die wahrscheinlich nicht ausreichen werden. Planen Sie am Besten zusätzlich kleinere Schritte ein. Wenn Sie zum Beispiel ein Sachbuch schreiben, können Sie anhand Ihrer Gliederung weitere Schritte identifizieren. Oder Sie legen fest, wie viel Seiten Sie in welcher Zeit verfassen wollen. Grundsätzlich gilt: Je kleiner und konkreter die Schritte sind, desto besser lassen sie sich auch umsetzen.

Mut zur Lücke

Wenn Sie sich auf ein neues und unbekanntes Terrain begeben, müssen Sie davon ausgehen, dass Sie nicht sofort den perfekten Plan entwickeln. Kalkulieren Sie das ein! Rechnen Sie damit, einzelne Teilschritte verändern, neue Schritte ins Konzept aufnehmen oder die Reihenfolge revidieren zu müssen. Haben Sie also Mut zur Lücke! Im Laufe Ihres Projektes werden Sie weitere Erkenntnisse gewinnen. Diese sollten Sie dann unbedingt in Ihr Konzept aufnehmen.

Doch schon jetzt können Sie feststellen, ob Ihnen noch etwas fehlt. Meist merkt man während der Planung, ob noch Fragen offen sind. Wenn dem so ist, betrachten Sie deren Beantwortung als Arbeitsauftrag und nehmen Sie diesen in Ihren Plan auf.

Sich selbst beobachten und reflektieren

Machen Sie sich klar, dass Sie am Anfang oft noch ins Blaue hinein planen müssen. Bleiben wir beim Bücherschreiben: Wenn Sie zum ersten Mal ein längeres Manuskript verfassen, wissen Sie nicht, wie viel Zeit Sie für ein Kapitel oder eine Seite brauchen. Arbeiten Sie in diesem Fall mit Annahmen. Schreiben Sie zum Beispiel ein Probekapitel und beobachten Sie sich dabei. Reflektieren Sie über Ihre Handlungen und Arbeitsabläufe. Integrieren Sie diese Erkenntnisse in die Planung!

Auf jeden Fall sollten Sie Ihre spezifischen Rahmenbedingungen berücksichtigen. Denn wer ein Ziel umsetzen will, muss höchstwahrscheinlich beruflich und privat neue Prioritäten setzen. Deshalb ist es so wichtig, sich den Ist-Zustand anzuschauen. Betrachten Sie also Ihr Privatleben:

  • Wie viel Zeit verbringen Sie mit Ihrem Partner und mit Ihren Kindern und Freunden?
  • Pflegen Sie einen Angehörigen? Wie steht es um Ihre Gesundheit?
  • Welche anderweitigen Verpflichtungen haben Sie?
  • Wie sieht Ihr Freizeitverhalten aus?

Überlegen Sie zudem, wie es um Ihre Konstitution steht.

  • Sind Sie oft erschöpft?
  • Wie motiviert sind Sie?
  • Schieben Sie gerne Aufgaben auf?
  • Was lässt Sie in den Flow kommen?

Berufliche Rahmenbedingungen bedenken

Neben den privaten Rahmenbedingungen sollten Sie auch Ihre beruflichen Umstände mitbedenken.

  • Wie lange arbeiten Sie?
  • Machen Sie Überstunden?
  • Wie viel Freiheiten haben Sie bei der Gestaltung Ihrer Arbeit?

Wenn Sie sich diese Fragen beantwortet haben, dann wissen Sie viel über Ihren Ist-Zustand. Diesen sollten Sie in einem zweiten Schritt mit Ihrem Plan abgleichen. Wenn Sie jetzt schon ständig Überstunden machen, werden Sie vermutlich wenig Kraft und Zeit haben, um in der Freizeit ein Buch zu schreiben. Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie ein Projekt gleich ad acta legen müssen.

Ehrlichkeit gegenüber sich selbst

Doch seien Sie ehrlich zu sich selbst! Schauen Sie sich Ihre Rahmenbedingungen ganz genau an. Überlegen Sie, ob diese das Projekt befördern oder eher behindern. Wenn das Umfeld stimmt, kann ich Sie dazu nur beglückwünschen, Sie können gleich durchstarten.

WSind die Bedingungen nicht so ideal, suchen Sie nach Lösungen. Was müssen Sie verändern, damit Sie das Ziel erreichen? Oft lassen sich durch die Veränderung von Gewohnheiten Zeitfenster schaffen, die Ihnen die Umsetzung Ihres Projektes ermöglichen. So wird jemand, der täglich eine halbe Stunde früher aufsteht, um an seinem Buch zu schreiben, mittelfristig ein Manuskript fertigstellen können.

Realistisch sein

Bleiben Sie bei der Planung realistisch! Oft neigen wir Menschen beim Planen dazu, in zu kurzer Zeit zu viel zu erwarten. Das gilt speziell für die Änderungen von Gewohnheiten. Gleich eine Stunde früher aufzustehen, ist vielleicht doch ein zu ehrgeiziges Ziel. Nehmen Sie sich also Zeit! Gewohnheiten stellt man nicht von einem Tag zum anderen um.

Es ist bei den meisten Projekten gar nicht so sehr entscheidend, möglichst viel Arbeit in kurzer Zeit zu leisten, sondern dass Sie kontinuierlich dranbleiben. Wenn Sie jeden Tag zum Beispiel eine halbe Stunde investieren, können Sie damit viel erreichen!

Erfahrungen in die Planung einbeziehen

Wer ein Projekt anschiebt, kann oft von den Erfahrungen Anderer profitieren. Sprechen Sie also mit Leuten auf Meetups oder Konferenzen. Lesen Sie Blogs oder stellen Sie Fragen in Internetforen und Gruppen. Natürlich sind die Erlebnisse und Erkenntnisse von Dritten nur ein Hinweis. Sie sollten mit solchen Informationen kritisch umgehen. Dennoch können sie Ihnen bei der realistischen Einschätzung von Arbeitsschritten helfen.

Ebenso wichtig ist es, die eigenen Erfahrungen zurate ziehen.

  • Wie gehen Sie mit neuen Projekten um?
  • Sind Sie am Anfang Feuer und Flamme, verlieren aber bei den ersten Schwierigkeiten schnell die Lust?
  • Wie gut können Sie eine zusätzliche halbe Stunde Arbeit in Ihren Tagesablauf integrieren?
  • Was diszipliniert Sie persönlich am Besten – ein ehrgeiziger Plan oder einer, der Sie nicht überfordert?

Fragen Sie sich, wie bisherige Pläne bei Ihnen funktioniert haben. Lassen Sie diese Erfahrungswerte in Ihr Konzept einfließen.

Auszeiten einbauen

Jeder kennt die Geschichten von Gründern, die im Büro schlafen und quasi rund um die Uhr arbeiten. Doch auf lange Sicht ist das nicht unbedingt zu empfehlen. Denn Freizeit und Urlaub sind wichtig für Körper, Geist und Seele! Außerdem sind solche Zeiten hilfreich, um Ihr Projekt auch inhaltlich voranzubringen. Denn Sie schauen mit Abstand Probleme anders an, sind in der Lage Sachverhalte nüchterner zu analysieren und finden so leichter Lösungen. Planen Sie deshalb freie Zeit ein!

In meinem Blogbeitrag „Von der Sehnsucht zum Ziel: Eine Perspektive entwickeln“ habe ich Dreamdays empfohlen. Solche Tage sollten Sie ebenfalls immer mal wieder in Ihren Plan integrieren. Denn von Zeit zu Zeit brauchen Sie einen Tag, an dem Sie in sich gehen können. Nutzen Sie so eine Auszeit! Reflektieren Sie, was Sie geschafft haben, analysieren Sie Ihre Schwierigkeiten, entwerfen Sie Lösungen und justieren Sie Ihre Planung neu.

Unvorhergesehenes einplanen

Natürlich können Sie Unvorhergesehenes wie Krankheiten oder Probleme nicht im engeren Sinne einkalkulieren. Sie können aber schon ein bisschen damit rechnen. Zum Beispiel ist es im Winter realistisch, dass Sie irgendwann einen grippalen Infekt auskurieren müssen. Am Besten bauen Sie Pufferzeiten in Ihr Zeitgerüst ein. So gerät Ihr Plan nicht gleich ins Wanken, wenn Sie ein paar Tage krank sind!

In jeden Fall sollten Sie Ihre Planung immer anpassen, wenn sich Ihr bisheriges Konzept als wenig durchführbar erweist. Je weiter Sie kommen, desto klarer wird Ihnen, welche Schritte noch notwendig sind. Sehen Sie diesen Vorgang als natürlich an und nicht als Scheitern Ihrer Planung! Dann fällt es Ihnen auch leichter, nachzujustieren!

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wie planen Sie die Umsetzung Ihrer beruflichen Ziele?
  • Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlung:

  • Anja Schreiber: Die Sehnsuchtsstrategie. Wie Sie durch berufliche Neuorientierung Erfüllung und Zufriedenheit finden, Berlin 2017, 2,99 Euro, Amazon-Shop.

Meine Linkempfehlungen:

(Artikel veröffentlicht Juni 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Zeitmanagement-Tipps: Wider die Zeitfresser im Berufsalltag

Laufend eingehende Nachrichten auf dem Smartphone, allzu viele Meetings und die ständige Suche nach wichtigen Papieren: Ganz unterschiedliche Zeitfresser durchlöchern den Arbeitsalltag und verhindern, dass Berufstätige ihre eigentlichen Aufgaben effektiv erledigen können.

Zeitmanagement: Wider die Zeitfresser im Berufsalltag.
Wider die Zeitfresser im Berufsalltag.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufserfahrene, Berufseinsteiger, Studierende und Sehnsüchtige.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Welche Zeitfresser den Berufsalltag bestimmen.
  • Was Sie gegen diese Zeitfresser tun können.
  • Tipps auf einem Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

Der größte Zeitfresser ist Social Media

Die 33-jährige Poppy J. Anderson kennt das Problem. Die Schriftstellerin veröffentlicht in der Regel alle drei bis vier Monate ein neues Buch. Doch damit sie das auch schafft, braucht sie Zeit zum Schreiben … ohne Störung von außen. „Der größte Zeitfresser bei mir sind sicher die sozialen Medien, allem voran Facebook. Natürlich ist es toll, mit meinen Lesern direkt in Kontakt zu stehen. Aber Social Media schluckt viel Zeit.“

Außerdem ist die Liebesroman-Autorin, die als erste deutsche Selfpublisherin mehr als eine Million E-Books verkauft hat, in verschiedenen Facebook-Gruppen aktiv und mit vielen Menschen vernetzt. „Da kommen ständig interessante News rein. Und wenn ich Facebook schließe, erreichen mich die Nachrichten per Mail, SMS oder Whatsapp.“

Abschalten, um arbeiten zu können

Deshalb schreibt Anderson ihre Kapitel mit Vorliebe morgens früh oder abends, wenn die Flut von Nachrichten abgeklungen ist. So steht die Autorin manchmal schon um 6 Uhr auf und sitzt noch bis nachts um 2 Uhr am Computer. Außerdem nimmt sie sich regelmäßig Auszeiten, um ausschließlich zu schreiben. „Wie andere Kollegen auch nutze ich dafür Schreibwochen in Ferienhäusern – fern von zu Hause. Am meisten habe ich einmal an der Nordseeküste geschafft, als das WLAN ausgefallen war“, berichtet die Essenerin.

Auch Holger Wöltje, Autor und Trainer für elektronisches Zeitmanagement, weiß, dass gerade das Smartphone zum Zeitfresser werden kann. „Ich selbst stelle das Handy eigentlich immer auf stumm und schaue nur dann nach Mails, wenn es für mich passt. Facebook nutze ich nicht privat.“ Auch über Whatsapp ist er nicht erreichbar, lediglich über SMS.

Apps helfen beim effektiven Arbeiten

„Jeder sollte sich beim Umgang mit Smartphone, Tablet und Computer fragen, was ihm wichtig ist und für wen er erreichbar sein möchte“, betont Wöltje. „Apps und Programme sollten uns helfen, intelligenter zu arbeiten, statt uns ständig abzulenken.“

Gerade die Zeitplanung via Smartphone und Computer sei ein guter Weg, Zeit zu sparen und gelassener zu arbeiten. „Der Nutzer kann alle seine Aktivitäten und Termine im Blick haben und sie sich bei Bedarf auf Wiedervorlage legen“, erklärt Wöltje. „Dann erinnern ihn die Programme automatisch.“ Das schaffe Freiraum für wichtige Aufgaben und verhindere, dass Berufstätige in Stress kommen, weil sie Aufgaben übersehen.

Notizen leichter finden

Der Experte für elektronisches Zeitmanagement hat selbst die Erfahrung gemacht, dass die Technik das Finden von Notizen deutlich erleichtere. „OneNote ist zum Beispiel ein digitaler Notizblock, in dem man Texte, aber auch Fotos einbinden kann. Der Vorteil: Alle Notizen mehrerer Jahre sind immer in der Tasche dabei und im Volltext durchsuchbar:  Neue Einträge wandern sofort an die richtige Stelle.“

Suchaktionen als Zeitfresser

Jürgen Kurz, Ratgeberautor und auf Büroeffizienz spezialisierter Unternehmensberater weiß, wie kontraproduktiv im Berufsalltag das Suchen ist. 2013 hat sein Unternehmen gemeinsam mit der AKAD-Hochschule in Leipzig eine Arbeitseffizienzstudie durchgeführt. Ergebnis: Durchschnittlich verbringen Beschäftigte 13 Prozent ihrer Arbeitszeit mit Suchen. 6,5 Prozent entfallen dabei auf die Suche nach Papieren und weitere 6,5 Prozent auf die Suche nach Dateien im Computer.

Auch auf organisatorischer Seite im Unternehmen gibt es viele Zeitdiebe. Dr. Falk Richter, Wirtschaftspsychologe und Berater aus Dresden: „Häufig treten Mängel bei der Informationsübermittlung auf. Sie werden zum Arbeitshindernis und machen einen zusätzlichen zeitlichen Aufwand erforderlich.“ Auch schlecht vorbereitete Meetings sind ein bedeutsamer Zeitfresser.

Meetings als Zeitfresser

„Im Mittel verbrachten die Teilnehmer unserer Studie 19 Prozent ihrer Arbeitszeit in Besprechungen“, so Kurz. Dabei seien viele Meetings höchst ineffizient. Denn 40 Prozent des Besprochenen würde nicht umgesetzt. Kurz kommt insgesamt zu dem Ergebnis, dass der Arbeitszeitverlust durch ineffiziente Organisation durchschnittlich 25 Prozent betrage.

Die Berlinerin Hannelore Fritz kennt als Coach auch positive Beispiele für eine gelungene und effiziente Meetingkultur. „Es gibt Teams, die morgens gerade einmal zehn Minuten brauchen, um alle tagesaktuellen Fragen zu klären“, so die Trainerin, die Veränderungsprozesse in Unternehmen begleitet. Ihr Tipp: „Berufstätige sollten sich genau überlegen, ob sie zu jedem Meeting erscheinen müssen oder ob es beispielsweise reicht, ein Sitzungsprotokoll zu lesen.“

Mails als Zeitfresser

Ein besonders großer Zeitfresser sind Mails. „Durchschnittlich etwa zehn Stunden pro Arbeitswoche sind Mitarbeiter mit elektronischer Post beschäftigt. Häufig verschicken Beschäftigte diese, um sich abzusichern und Anerkennung zu bekommen“, erklärt Kurz. So werden viele Kollegen und Chefs ins CC gesetzt. Das Ergebnis: eine E-Mail-Flut! Auch Newsletter sind ein echtes Spam-Problem. Deshalb rät Kurz dazu, diese möglichst abzubestellen, wenn ihr Nutzen nicht hoch ist.

Holger Wöltje hat in Sachen digitaler Post einen weiteren Vorschlag: „Dutzende Mails an mehrere Personen bei der Dokumentbearbeitung lassen sich oft vermeiden, wenn Teammitglieder einen elektronischen Sharepoint nutzen. Dort liegen dann die Dokumente. Die Mitarbeiter können diese einsehen, ergänzen und nur bei Bedarf Status-Mails abonnieren, zum Beispiel einmal täglich für Änderungen.“ Ein ständiges Hin- und Herschicken ist überflüssig. Diese Lösung erspart allen viel Zeit.

Mails dreimal am Tag bearbeiten

Die meisten Berufstätigen macht die große Menge an Mails mutlos. Sie schauen ständig in die Inbox und sichten die Eingänge, ohne diese zu bearbeiten. Doch das sei extrem ineffizient, erklärt Kurz. Sein Tipp: Sich zwei bis dreimal am Tag Zeit für die Erledigung der elektronischen Post nehmen! „In dieser Zeit sollten Mitarbeiter die Eingänge entweder sofort löschen, weiterleiten oder gleich bearbeiten. Jede schnell beantwortete Mail erspart oft mehrere Reminder.“

Wie sehr eingehende Mails Mitarbeiter unter Druck setzen, erlebt Fritz immer wieder: „Viele meinen, sie müssten unmittelbar reagieren und dürften keine Info verpassen, weil ihnen sonst Konsequenzen vonseiten des Chefs drohen.“ Doch gerade diese Haltung führe dazu, dass wichtige Aufgaben nicht entschlossen abgearbeitet würden. „Dabei ist es gerade in solchen Situation notwendig, sich eine Übersicht zu verschaffen und zu planen.“

To-Do-Listen nutzen

Auch wenn Anderson Facebook, Nachrichten und Mails als Zeitfresser kennt, ist für sie das Zeitmanagement eigentlich kein Problem. Denn sonst wäre sie auch nicht in Lage gewesen, seit 2012 mehr als 20 Bücher zu publizieren. „Ich arbeite mit To-Do-Listen, die direkt an meinem Computer hängen.“ Diese arbeitet sie konsequent ab und macht an jede erledigte Aufgabe ein Häkchen. „Solche Listen sind unglaublich wichtig. Denn in der Regel habe ich gleichzeitig verschiedene Baustellen wie die Buchmesse, eine E-Book-Veröffentlichung und ein Verlagsprojekt.“ Jedes Projekt wiederum umfasst eine Vielzahl einzelner Handlungen. Durch ihre Aufstellung behält die studierte Geisteswissenschaftlerin den Überblick. Alle Aufgaben sortiert sie nach Prioritäten.

Fritz empfiehlt ihren Kunden ebenfalls das Führen von To-Do-Listen. „Da hat man alle Aufgaben im Blick und kann Erledigtes abhaken. Ob jemand dafür Zettel oder das Smartphone nutzt, ist gleichgültig … Hauptsache, es ist aus dem Kopf„, betont Fritz.

Zeitaufwand einschätzen und Prioritäten setzen

Richter rät bei der Planung des Arbeitsalltages, den Zeitaufwand realistisch einzuschätzen und dabei die richtigen Prioritäten zu setzen. „Für jemanden, der regelmaßig Zeitmanagemt betreibt, erscheinen mir 15 Minuten optimal, um den Tag zu planen. Am besten erledigen das Berufstätige am Vorabend für den kommenden Arbeitstag. Denn dann wissen sie schon, worin die Ziele für den nächsten Tag bestehen.“ Der Psychologe empfiehlt, dabei auch zeitliche Puffer für Unerwartetes und Erholung einzuplanen.

Das macht auch Poppy Anderson so. Als Autorin hat sie zwar keine klassischen Arbeitszeiten und geschützte Pausen. Dennoch kommen bei ihr die Auszeiten nicht zu kurz. Nach einer Stunde konzentrierter Arbeit macht sie eine längere Pause, geht mit dem Hund spazieren oder kauft ein. „Auch mit Freunden unternehme ich regelmäßig etwas, gehe essen oder ins Kino.“

Tipps auf einen Blick:

  • Überlegen Sie sich genau, wann Sie Social Media und Smartphone im Beruf nutzen. Denn es sind große Zeitfresser. Schaffen Sie sich Arbeitszeiten, bei denen Ihr Handy aus bleibt.
  • Arbeiten Sie Ihre Mails gezielt ab, zum Beispiel zwei bis dreimal am Tag. Belassen Sie es nicht beim Lesen. Entscheiden Sie sofort, ob Sie die Eingänge löschen können oder bearbeiten müssen. Bedenken Sie, dass  schnell beantwortete Mails Ihnen Reminder ersparen.
  • Überlegen Sie, wie Sie die Mailflut eindämmen. Suchen Sie nach Alternativen zum „CC“.
  • Bedenken Sie, dass auch Meetings ausgesprochene Zeitfresser sind.  Fragen Sie sich deshalb, ob Sie zu jeder Besprechung erscheinen müssen oder ob es beispielsweise reicht, ein Sitzungsprotokoll zu lesen.
  • Nutzen Sie To-Do-Listen, die  Sie konsequent abarbeiten. Machen Sie an jede erledigte Aufgabe ein Häkchen.
  • Versuchen Sie bei der täglichen Arbeitsplanung, den Zeitaufwand realistisch einzuschätzen und Prioritäten zu setzen. Planen Sie Pufferzeiten für Unvorhersehbares ein.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche Zeitfresser kennen Sie?
  • Welche Zeitmanagement-Methoden nutzen Sie?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlungen:

  • Lothar Seiwert, Holger Wöltje, Christian Obermayr: Zeitmanagement mit Microsoft Outlook.(Versionen 2003 bis 2013) (Microsoft Press 2013, 242 Seiten)
  • Jürgen Kurz: Für immer aufgeräumt – auch digital. So meistern Sie E-Mail-Flut und Datenchaos. (Gabal Verlag 2014, 128 Seiten)

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Existenzgründung: Sich selbstständig machen mit Yoga

Sein persönliches Interesse zum Beruf machen … und das als Selbstständiger: Für viele Menschen ein attraktiver Weg. Sie können zum Beispiel im Bereich Gesundheit und Prävention als Yogalehrer arbeiten. Doch um erfolgreich zu sein, sind nicht nur Fachkenntnisse gefragt, sondern auch unternehmerische Fähigkeiten.

Sich selbstständig machen als Yogalehrer.
Sich selbstständig machen als Yogalehrer.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufserfahrene, Berufseinsteiger, Neustarter und Sehnsüchtige.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Welche Voraussetzungen Sie für eine Selbstständigkeit mitbringen sollten.
  • Wie der Weg in die Selbstständigkeit als Yogalehrerin konkret aussehen kann.
  • Welche Unterstützungsmöglichkeiten es vonseiten der Arbeitsagenturen und Jobcenter gibt.
  • Tipps auf einem Blick.
  • Linkempfehlungen.

Als selbstständiger Yogalehrer arbeiten

Oliver Förster vom „EXZET – Zentrum für Existenzgründung und Unternehmensentwicklung“ in Stuttgart weiß, welche hohe Motivation Gründer mitbringen müssen: „Das zeigt schon das Wort ,selbstständig‘. In ihm steckt ,selbst‘ und ,ständig‘ drinnen. Und genau dazu sollten Existenzgründer bereit sein: Selbstverantwortlich zu arbeiten … und das weit über die normalen Arbeitszeiten hinaus.“ Deshalb sei es ganz besonders wichtig, dass auch das private Umfeld diese Art der Berufstätigkeit unterstützt. „Sonst wird es sehr schwer“, betont Förster.

Außerdem empfiehlt der Berater, sich mit betriebswirtschaftlichen Inhalten zu befassen. „Viele Gründer glauben, dass der Steuerberater ihnen Planung und Kalkulation abnimmt. Das ist falsch. Er ist nur für steuerliche Fragen zuständig, nicht für Preisgestaltung und wirtschaftlichen Erfolg.“ Interessierte brauchen aus diesem Grund nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch BWL-Wissen. „Kurse zu Themen wie Marketing oder kaufmännische Grundlagen bieten zum Beispiel Existenzgründungszentren oder Volkshochschulen an.“

Nebenberuflich in die Selbstständigkeit starten

Der Existenzgründerberater sieht gerade für Trainer und Übungsleiter die Möglichkeit, sich nebenberuflich selbstständig zu machen. „So können Gründer ihr Risiko minimieren und erst einmal in Gelassenheit ausprobieren, ob ihre Geschäftsidee funktioniert“, erklärt Förster. Sie haben so die Chance, Erfahrungen zu sammeln und ohne großen Druck zu netzwerken.  Denn ihre Existenz hängt noch nicht am geschäftlichen Erfolg, weil sie Einnahmen über eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit erzielen und somit abgesichert sind. Allerdings empfiehlt er nebenberuflich Tätigen, wöchentlich mindestens 15 bis 20 Stunden zu investieren, um einen Kundenstamm aufzubauen.

„Man muss Spaß am ‚Mehr‘ haben“, betont Förster. „Denn gerade Soloselbstständige wie Übungsleiter sind nicht nur für die Betreuung ihrer Kunden zuständig, sondern auch für viele andere Dinge wie etwa das Marketing. Sie pflegen zum Beispiel ihre Internetseite selbst.“ Wer gerne dazulernt, egal ob es sich um aktuelle Computerprogramme oder andere Trends handelt, bringt die richtige Einstellung mit.

Die Leidenschaft zum Geschäftsmodell machen

Die 49-jährige Christiane Klann hat sich als Yoga-Lehrerin selbstständig gemacht und ist Mitinhaberin von „Yoga Süd“ in Stuttgart. Zuerst absolvierte sie ein Studium der Tanzpädagogik und Germanistik. Anschließend studierte sie noch Sprecherziehung an der „Hochschule für Musik und Darstellende Kunst“ in Stuttgart. „Ich hatte Engagements an verschiedenen Theatern und war Lehrbeauftragte an der Musikhochschule in Stuttgart und Karlsruhe.“ berichtet Klann. „Doch als Mutter von zwei Kindern war es schwierig, diese Tätigkeiten auszuüben.“

Über Klanns Liebe zur Bewegung kam sie zum Yoga. „Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Atem und Bewegung und deren Einfluss auf Körper, Seele und Geist. Im Yoga hat dies alles ein Zuhause gefunden“, erklärt sie. Ihre erste Yoga-Ausbildung begann sie 2005. Inzwischen hat sie weitere Ausbildungen und Fortbildungen im Bereich Yoga absolviert.

Durchhaltevermögen und kaufmännisches Geschick

Christiane Klann kannte sich bereits mit der Selbstständigkeit aus, bevor sie Yogalehrerin wurde, denn auch davor war sie nicht fest angestellt. „Ich wusste, wie es ist, mit finanzieller Unsicherheit zu leben“, berichtet sie. „Was man braucht, ist Durchhaltevermögen, kaufmännisches Geschick und die Bereitschaft, viel zu arbeiten. Manchmal sitze ich noch um 23 Uhr am Computer und stelle neue Termine auf die Homepage.“ Auch am Wochenende bietet sie Workshops an. Doch abgeschreckt hat sie die viele Arbeit nie: „Meine Entscheidung vor zehn Jahren war genau richtig. denn ich gehe jedenTag glücklich und beschenkt aus meinen Unterrichtsstunden.“

Sich selbstständig machen mit dem Gründungszuschuss

Wer sich im Bereich Entspannung, Prävention und Gesundheit selbstständig machen will, kann von staatlicher Förderung profitieren. „Empfänger von Arbeitslosengeld I haben zum Beispiel die Möglichkeit, einen Gründungszuschuss zu erhalten, wenn die geplante Selbstständigkeit Aussicht auf Erfolg hat“, betont Doris Reif-Woelki, Sprecherin der Arbeitsagentur Stuttgart. „Voraussetzung ist, dass der Gründer noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat. Für sechs Monate hat der Zuschuss die Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes. Außerdem zahlt die Arbeitsagentur zusätzlich monatlich 300 Euro  für die soziale Absicherung. Der Zuschuss von 300 Euro pro Monat kann für weitere neun Monate verlängert werden. „Diese Zuschüsse sind allerdings seit 2012 keine Pflichtleistungen mehr, sondern sogenannte Ermessensleistungen.“

Reif-Woelki weiß, dass die staatlichen Zuschüsse allein meist nicht reichen. Deshalb seien Bankkredite oder Abfindungen aus früheren Beschäftigungsverhältnissen oft notwendig. Ihr dringender Rat: „Wer selbstständig werden will, sollte unbedingt Existenzgründungskurse belegen und sich mit der kaufmännischen Seite beschäftigen.“

Unterstützung bei ALG II-Bezug

Auch für ALG II-Bezieher gibt es die Möglichkeit der Unterstützung. „Wir haben schon erfolgreich Yogalehrerinnen und Heilpraktiker in die Selbstständigkeit begleitet“, berichtet Alexander Haberer vom „Team für Selbstständige“ des Jobcenters Stuttgart. „Für zwei Jahre unterstützten wir Neugründer.“ Dazu gehört zum einen die Existenzsicherung durch den ALG II-Bezug, zum anderen eine externe Unternehmensberatung. „Sofern der benötigte Finanzbedarf für die Gründung nicht am Kapitalmarkt beschafft werden kann, können wir derzeit Zuschüsse bis 2000 Euro und Darlehen bis maximal 5000 Euro vergeben.“

Das „Team für Selbstständige“ bietet Existenzgründern zudem Netzwerkarbeit und Weiterbildung an. „Damit jemand erfolgreich ist, braucht er eine hohe Motivation und Zielstrebigkeit, aber auch die Fähigkeit zur Reflexion“, betont Haberer. „Denn er muss seine persönlichen Stärken und Defizite kennen und bereit sein, daran zu arbeiten.“

Tipps auf einen Blick:

  • Wer sich selbstständig machen möchte, muss bereit sein, selbstverantwortlich zu arbeiten und das weit über die normalen Arbeitszeiten hinaus.
  • Soloselbstständigen sollte klar sein, dass sie nicht nur für die Betreuung ihrer Kunden zuständig sind, sondern auch für viele andere Dinge wie etwa Marketing und PR.
  •  Interessierte brauchen neben fachlichen Kompetenzen auch BWL-Wissen, das zum Beispiel in Existenzgründungskursen vermittelt wird
  • Um erfolgreich zu gründen, ist Unterstützung im privaten Umfeld sehr wichtig.
  •  Für viele Soloselbstständige bietet sich auch die Möglichkeit an, nebenberuflich zu gründen. So können sie ihr Risiko minimieren und erst einmal ihre Geschäftsidee ausprobieren.
  • Für eine erfolgreiche Gründung sind hohe Motivation und Zielstrebigkeit unverzichtbar, aber auch die Fähigkeit, zu reflektieren. Schließlich geht es darum, seine persönlichen Stärken und Defizite zu kennen und bereit zu sein, an sich zu arbeiten.
  •  Im ALG-I-Bezug besteht die Chance, einen Gründungszuschuss zu erhalten. Auch im ALG II-Bezug gibt es die Möglichkeit der Unterstützung.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie sich als Yogalehrer oder Yogalehrerin selbstständig machen?
  • Haben Sie sich bereits selbstständig gemacht?
  • Welche Erfahrungen haben Sie  damit gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, April 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Von der Sehnsucht zum Ziel: Eine Perspektive entwickeln

Sie sehnen sich nach einer sinnvollen Arbeit? Sie wollen endlich Ihren Traumberuf aus der Kindheit verwirklichen? Oder Sie sehen in Ihrem aktuellen Beruf keine Perspektive und möchten noch einmal neu durchstarten? Dann haben Sie Ihre Sehnsucht schon gespürt, die Sehnsucht nach etwas Anderem, Neuem! Doch die allein reicht nicht, um daraus eine handfeste Perspektive zu gewinnen. Um das zu erreichen, müssen Sie ein Ziel entwickeln.

Von der Sehnsucht zum Ziel: Eine berufliche Perspektive entwickeln.
Von der Sehnsucht zum Ziel: Eine berufliche Perspektive entwickeln.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

Sehnsüchtige, Berufserfahrene, Berufseinsteiger und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sie aus Ihrer Sehnsucht ein Ziel entwickeln.
  • Wie ein Dreamday Ihnen dabei helfen kann.
  • Wie Sie einen Dreamday gestalten sollten.
  • Wie Sie den nächsten Schritt in Richtung Ziel festlegen.
  • Literaturempfehlung.
  • Linkempfehlungen.

Der erste Schritt: Ein berufliches Ziel finden

Oft gibt es ein unbestimmtes Gefühl von Unzufriedenheit: Sie sind gestresst oder oft krank. Sie fühlen sich ausgelaugt und sehen sich nur noch als Arbeitsmaschine. Vielleicht wurden Sie auch durch einen Schicksalschlag in diese Situation getrieben, weil sie zum Beispiel Ihren Job verloren haben.

Aber da gibt es noch die Sehnsucht: Die Suche nach Sinn, Zufriedenheit und Glück!

Doch das ist noch ein unbestimmtes Gefühl und eine leise Ahnung. Damit sich Ihre Wünsche und Sehnsüchte verwirklichen lassen, müssen sie erst in ein konkretes Ziel übersetzt werden. Vielleicht wissen Sie schon, warum Sie unzufrieden sind und vielleicht kennen sie ihre Sehnsüchte bereits genauer. Aber dennoch bleiben meist noch ganz viele Fragen offen:

  • Wer bin ich?
  • Was will ich?
  • Was will ich nicht?
  • Was kann ich?

Für die Beantwortung dieser Fragen brauchen Sie eines auf jeden Fall: Zeit für sich selbst!

Mit sich selbst ins Gespräch kommen

Es ist sinnvoll, sich gleich am Anfang mit all diesen Fragen zu konfrontieren und mit sich ins Gespräch zu kommen. Denn durch eine Selbstbefragung wird Ihr Ziel fassbar. Und nur, wenn es konkret genug ist, können Sie darauf zugehen. Erst dann sind wir Menschen in der Lage, Pläne zu schmieden … und zwar solche, die sich auch tatsächlich umsetzen lassen.
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Wie gesagt: Der Schritt von der Sehnsucht zum Ziel braucht Zeit. Er ist nicht zwischen dem Schreiben von zwei Whatsapp-Nachrichten zu erledigen. Bedenken Sie die Wichtigkeit Ihres Ziels! Es wird Ihren Arbeitsalltag prägen und vielleicht sogar Auswirkungen auf Ihr Privatleben haben.

Sich Zeit nehmen

Es geht also um eine wichtige Sache. Und deshalb möchte ich Sie bitten, diesem Thema auch die ihm gebührende Priorität einzuräumen. Wer frisch verliebt ist, für den werden eigentlich alle anderen Termine unwichtig. Wenn Ihnen ein Mensch oder ein Ereignis besonders am Herzen liegt, dann nehmen Sie sich doch bestimmt Zeit dafür? So ähnlich sollte es auch mit Ihrem Ziel sein.

Allerdings ist es gar nicht so einfach, sich Zeit zu nehmen. Ständig rauschen Nachrichten via Smartphone herein. Facebook, Twitter und Co. laden dauernd dazu ein, nur einen kleinen Blick auf die Timeline zu werfen. Und schon ist man wieder abgelenkt. Deshalb möchte ich Ihnen ein Experiment vorschlagen: Machen Sie einen „Dreamday“.

Einen Dreamday wagen

Ein Dreamday ist ein Tag, an dem Sie eine Verabredung mit sich selbst haben. Am besten reservieren Sie dafür einen ganzen Tag oder sogar ein Wochenende. Dieser Tag sollte keine anderen Termine beinhalten, keine Partys oder berufliche Meetings. Um konzentriert nachdenken zu können, ist es hilfreich, das Handy auszuschalten. Vergessen Sie einen Tag lang Facebook, Instagram und Snapchat.

Kommunizieren Sie nicht mit anderen, sondern mit sich selbst! Sie werden erkennen, dass Sie dafür Zeit brauchen. Über sich zu reflektieren ist eine anstrengende Aufgabe. Und deshalb sollte sie auch Priorität haben. Denn um so besser sind die Arbeitsergebnisse.

Einen stillen Ort suchen

Um sich wirklich konzentrieren zu können, macht ein Ortswechsel Sinn. Denn in den eigenen vier Wänden lenkt uns alles Mögliche ab. Ob Wäschewaschen, Staubputzen oder Papiere sortieren. Es gibt immer so viel zu tun. Deshalb ist es eine gute Idee, an einen Ort zu reisen, der all diese Ablenkungen nicht bietet.

Vielleicht leben Sie mit einer Partnerin oder einem Partner zusammen oder Sie haben Kinder. Dann ist die ständige Kommunikation zu Hause wahrscheinlich der Normalfall. Um aber sich selbst auf die Spur zu kommen und ein Ziel zu entwickeln, sollten Sie nach einem Ort der Stille suchen.

Ein Klosteraufenthalt

Ich selbst habe sehr gute Erfahrungen mit Klosteraufenthalten gemacht. Anders als bei einem klassischen Urlaub gibt es dort keine Leute, die Party machen. Der geregelte Tagesablauf wirkt sich meist positiv auf die eigene Konzentration aus. Die Ablenkungen in den Gästehäusern der Klöster sind sehr viel geringer als zu Hause. Das ist eine Chance. Andere Möglichkeiten bieten Ferienwohnungen oder kleine Familienpensionen.

Mit sich allein

Wenn Sie so einen Ort der Stille gefunden haben, ist es zwar still, aber Sie sind deshalb noch nicht automatisch in der Lage, diese Ruhe auch zu nutzen. Vielleicht erleben Sie die vor Ihnen liegende Zeit sogar als Bedrohung oder empfinden sie zumindest als unangenehm.

Wundern Sie sich darüber nicht! Sie brauchen eine gewisse Zeit, um herunterzufahren … genau wie Ihr Computer. Hilfreich ist es in dieser Situation, sich einen eigenen Stundenplan zu erstellen und den Tag ganz bewusst zu strukturieren. Wer in einem Kloster absteigt, kann sich zwar den vorgegebenen Tagesablauf mit seinen Gebetszeiten zu eigen machen. Dennoch sollten auch Sie die Zeit dort selbst gestalten.

Den Dreamday strukturieren

Um so einen Dreamday effektiv nutzen zu können, brauchen Sie also eine konkrete Tagesgestaltung. Dabei geht es sowohl um die organisatorische Seite als auch um die inhaltliche. Organisatorisch sollten Sie festlegen, wie Sie zum Beispiel die Mahlzeiten gestalten, wann Sie aufstehen und zu Bett gehen wollen.

Das Nachdenken über die Zukunft ist – das kann ich Ihnen aus eigener Erfahrung versichern – harte Arbeit. Deshalb sollten sich idealerweise Zeiten des Nachdenkens, des Brainstormens und des Schreibens mit Erholungsphasen abwechseln.

Sie kennen sich und Ihren Biorhythmus am Besten. Richten Sie sich danach. Nutzen Sie Zeiten, in denen Sie gut arbeiten können für die Zukunftsplanung und Phasen, in denen Sie durchhängen, um sich bewusst zu entspannen.

Den Dreamday inhaltlich gestalten

Auch inhaltlich sollten Sie diesen Tag strukturieren. Am Besten machen Sie sich einen schriftlichen Plan. Bedenken Sie, dass das Thema „Von der Sehnsucht zum Ziel“ zunächst sehr abstrakt ist. Wenn Sie wirklich am Ende des Dreamdays weitergekommen sein wollen, müssen Sie konkrete Schritte planen!

Persönlich würde ich Ihnen empfehlen, mit Ihren Träumen und Sehnsüchten zu beginnen. Nehmen Sie sich zum Beispiel eine gewisse Zeitspanne und malen Sie sich Ihre Träume aus.

Den Träumen Raum geben

  • Wie soll Ihr Leben künftig aussehen?
  • Wie wollen Sie wohnen und arbeiten?

Gehen Sie ins Detail. Denken Sie an die Wohnungsausstattung oder Ihren Sehnsuchtsort. Stellen Sie sich alles möglichst konkret vor: Die Farben, die Gerüche und Ihre Gefühle.

Wenn Sie das getan haben, sind Sie schon einen wichtigen Schritt weiter. Denn Sie haben Ihre Sehnsucht sprechen lassen. Diese Fantasien sollten Sie möglichst detailreich aufschreiben.

Fragen helfen

Ein weiterer inhaltlicher Bestandteil Ihres Dreamdays sollte die Standortbestimmung sein. Fragen Sie sich, wie Ihre aktuelle Situation aussieht:

  • Wie steht es um die objektiven Fakten in Ihrem Leben (Festanstellung, Arbeitslosigkeit, Schulden, Krankheiten,…)?
  • Wie fühlen Sie sich im Beruf und im Privatleben?

Fragen Sie aber auch nach Ihren Ressourcen:

  • Was können Sie?

Fragen Sie im nächsten Schritt, was Sie ändern wollen:

  • Was wollen Sie?
  • Und was wollen Sie nicht (mehr)?

Vielleicht empfinden Sie es gar nicht so leicht, auf all diese Fragen zu antworten. Denn viele Menschen wissen zwar, was sie nicht wollen. Aber von dem, was Sie möchten, haben sie keine so konkrete Vorstellung. Wenn es Ihnen ebenso ergeht, blicken Sie zurück in die Vergangenheit:

  • Welche Zukunftspläne hatten Sie in Ihrer Schul- und Studienzeit?

Der Blick zurück hilft

Vielleicht haben Sie alte Aufzeichnungen wie Tagebücher oder andere Texte. Nehmen Sie sich diese Materialien als Lektüre für den Dreamday vor. Denn diese Texte können Sie inspirieren! Eines sollten Sie dabei aber nicht vergessen: Machen Sie sich Notizen!

Wenn Sie das getan haben, waren Sie wirklich produktiv. Herzlichen Glückwunsch!!

Notizen als Ausgangspunkt

Vielleicht ist inzwischen aus all Ihren gedanklichen Aktivitäten schon so etwas wie ein Ziel entstanden, zum Beispiel der Wunsch, ein Buch zu schreiben. Vielleicht ist es auch noch nicht ganz so weit. Aber mit dem vorliegenden Material haben Sie einen guten Ausgangspunkt, um weiter daran zu arbeiten. Sie könnten zum Beispiel in einem nächsten Schritt die Aufzeichnungen als Grundlage für ein Brainstorming nutzen und dazu ein Mindmap erstellen.

Den nächsten Schritt festlegen

Was auch immer bei Ihrem Dreamday herausgekommen sein mag: Halten Sie alles schriftlich fest! Und noch etwas dürfen Sie nicht vergessen: Legen Sie am Ende des Tages den nächsten Schritt fest. Worin dieser besteht, kann natürlich höchst unterschiedlich sein.

Ich bleibe mal bei dem Beispiel, ein Buch zu schreiben. Der nächste Schritt könnte zum Beispiel in der Informationsbeschaffung bestehen. Diese Recherche sollte Antworten auf ein paar Fragen geben: Wie schreibt man eigentlich ein Buch? Was sind die verschiedenen Arbeitsschritte? An was muss der Autor alles denken?

Auf dem Buchmarkt und im Netz gibt es unendlich viele Möglichkeiten sich zu informieren … auch über das Thema „Bücherschreiben“. Beginnen Sie also mit der Recherche. Sie ist in ganz vielen Fällen der erste Schritt in Richtung Ziel!

Den Zeitraum bestimmen

Um aber effektiv zu sein, sollten Sie´auch einen realistischen Zeitraum für die Umsetzung dieses ersten Schrittes festlegen. Die Zeitspanne sollte dabei nicht zu kurz, aber auch nicht zu lang sein. Ein paar Wochen sind zum Beispiel sinnvoll. Am Besten legen Sie eine Deadline fest und planen für diesen Zeitpunkt schon den nächsten Dreamday!

Ich wünsche Ihnen beim ersten Schritt viel Erfolg!!

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wie sehen Ihre Sehnsüchte aus?
  • Haben Sie aus einer beruflichen Sehnsucht schon einmal ein Ziel entwickelt?
  • Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlung:

  • Anja Schreiber: Die Sehnsuchtsstrategie. Wie Sie durch berufliche Neuorientierung Erfüllung und Zufriedenheit finden, Berlin 2017, 2,99 Euro, Amazon-Shop.

Meine Linkempfehlungen:

(Artikel veröffentlicht Mai 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Neid und Missgunst im Beruf: Wie Sie negative Gefühle überwinden

Die spitzen Bemerkungen der Büronachbarin, die scharfe Kritik des Kollegen … all das kann viele Gründe haben. Häufig verstecken sich hinter diesem Verhalten Neid und Missgunst. So nachvollziehbar die Emotionen im Einzelfall auch sein mögen: Sie können die Atmosphäre am Arbeitsplatz nachhaltig vergiften. Mit den richtigen Strategien lassen sich aber destruktive Verhaltensweisen in Schach halten.

Neid und Missgunst im Beruf.
Neid und Missgunst im Beruf.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Sehnsüchtige.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Neid und Missgunst entstehen.
  • Wie sie sich auswirken.
  • Wie Sie den eigenen Gefühlen begegnen können.
  • Wie Sie mit dem Neid Anderer umgehen sollten.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

So gehen Sie gut mit Neid und Missgunst im Job um

„Neid kann entstehen, wenn das Gerechtigkeitsgefühl der Mitarbeiter gestört ist … zum Beispiel, wenn ein Kollege zum Senior Manager aufgestiegen ist und ein anderer, der ähnlich viel Erfahrung hat, diesen Karriereschritt nicht machen kann“, berichtet der Hamburger Psychologe und Coach Thomas Prünte. Typisch ist auch die Situation, dass immer ein bestimmter Mitarbeiter Vorträge halten darf, während die Anderen im Team gar nicht erst gefragt werden, obwohl sie durchaus Interesse hätten.

„Auch wenn ein Beschäftigter auf Dauer weniger leistet als seine Umgebung, entwickelt sich bei Teammitgliedern oft Missgunst“, weiß Prünte. Ist eine Krankheit oder eine familiäre Belastung der Grund für den Leistungsabfall, könne die Führungskraft dem entgegenwirken, wenn sie das Thema offen kommuniziere. Im Idealfall haben die Kollegen dann Verständnis, zumindest wenn die eigene Arbeitsbelastung dadurch auf Dauer nicht über Gebühr steigt. „Ist aber nicht transparent, warum jemand weniger arbeiten darf, sind Konflikte vorprogrammiert.“

Die Urlaubsverteilung ist ein weiterer möglicher Streitpunkt. „Wenn Beschäftigte ohne Kinder jedes Jahr immer wieder erleben müssen, dass sie – anders als Eltern – nicht zu ihrem Wunschtermin verreisen können, kann sich Frust breitmachen und die Toleranz leiden“, erklärt Prünte.

Grund für Neid sind versteckte Sehnsüchte

Den Grund für Neid sieht Prünte, der auch Autor von Antistress-Büchern ist, in versteckten Sehnsüchten: „Neid weist darauf hin, dass dem Betroffenen etwas fehlt, was Andere scheinbar haben. Das können Eigenschaften und Fähigkeiten sowie Besitztümer und berufliche wie materielle Vorteile sein.“ Wer dieses Gefühl an sich selbst entdeckt, hat die Chance, seine verdeckten Wünsche zu erkennen.

„Neid ist eine normale Emotion, die zum menschlichen Leben dazugehört … auch wenn sie in der kirchlichen Tradition zu den sieben Todsünden gehört“, betont die Psychologin Prof. Dr. Mahena Stief, Professorin für Soziale Kompetenzen an der Hochschule Augsburg. Dieses Gefühl entwickelt sich dann, wenn jemand ein für ihn wichtiges materielles oder nicht-materielles Gut im geringerem Maße als andere hat. Empfindet dagegen ein Mensch den beruflichen Aufstieg seines Büronachbarn als wenig attraktiv, wird er nicht missgünstig reagieren.

Neid kann anspornen

„Neid entsteht durch den Vergleich“, erklärt die Hamburger Psychologin Elke Overdick. „Dabei ist das Vergleichen aber nicht grundsätzlich problematisch, da es hilft, sich einzuschätzen und zu verbessern. Schwierig wird es aber immer dann, wenn man sich nur in eine Richtung orientiert“, so die Trainerin für Führungskräfte. Denn so könne niemand einen realistischen Eindruck von sich selbst und seinen Fähigkeiten gewinnen.

Auch die Expertin für Personal- und Organisationsentwicklung Mahena Stief weiß: „Neid muss nicht immer negativ sein, denn er kann anspornen und den Neider zur Produktivität anstacheln.“ Die Bemerkung „Da bin ich aber neidisch“ ist meist augenzwinkernd und unproblematisch gemeint. „Problematisch wird es, wenn Kollegen destruktive Sprüche klopfen und eine negative Stimmung verbreiten.“ In extremen Fällen von Missgunst könne es sogar zu Mobbing kommen.

Stief kennt bei Neid zwei Reaktionsmuster: Das eine kehrt sich nach innen, das andere nach außen: „Die einen entwerten sich selbst und haben das Gefühl, nichts wert und hilflos zu sein. Am Ende können daraus sogar Depressionen stehen.“ Der nach außen gerichtete Neid zeigt sich dagegen in Sticheleien, übermäßiger Kritik und Aggressionen.

Emotionen wahrnehmen und relativieren

„Um solch destruktive Emotionen bekämpfen zu können, muss man sie erst einmal wahrnehmen“, betont Stief. In einem zweiten Schritt geht es dann um den richtigen Umgang damit. Ihr Tipp an alle Neidgeplagten: „Fragen Sie sich, wie wichtig Ihnen die Sache wirklich ist. Überlegen sie, in welchen anderen Lebensbereichen sie zufrieden sind.“ Der Neid lässt sich auch durch Gedankenspiele relativieren, zum Beispiel durch die Beantwortung der Frage: Wie bedeutend ist für mich das, was mich heute neidisch macht, in drei Jahren?

Statt sich in den Gedanken zu verrennen, dass Andere zu Unrecht einen Karriereschritt machen konnten, rät Overdick, etwas Anderes in den Blick zu nehmen: „Betrachten Sie das, was Sie schon erreicht haben und seien Sie dafür dankbar.“ Auch  die alte Tugend der Bescheidenheit sei ein gutes Gegenmittel gegen Unzufriedenheit.

Das Selbstwertgefühl stabilisieren

Außerdem rät Stief dazu, das eigene Selbstwertgefühl zu stabilisieren: „In dieser Situation ist es sinnvoll, sich loben zu lassen. Man kann zum Beispiel eine liebe Kollegin augenzwinkernd um Anerkennung für Geleistetes bitten.“ Auch den Vorgesetzten kann man bei Ablieferung einer guten Leistung gezielt nach einem Feedback fragen.

Hat ein Arbeitnehmer unter der Missgunst seiner Kollegen zu leiden, gibt es auch dagegen  Strategien: „Zuerst sollte sich der Betroffene fragen, wie wichtig die neidische Person für sein Fortkommen ist“, so Stief. Ist sie in dieser Beziehung irrelevant, empfiehlt sie, die Gefühle des Betreffenden zu ignorieren. „Achten Sie stattdessen darauf, wer in Ihrem Unternehmen zu den Meinungsbildnern gehört und pflegen Sie die Beziehung zu ihnen! Denn es ist entscheidend, was diese Personengruppe von Ihnen denkt.“

Neid und Missgunst ignorieren

Machen Sie sich klar, dass Sie nicht beeinflussen können, was der Andere denkt und fühlt, rät Overdick. „Das sollten Sie akzeptieren.“ Es gehe weder im Beruf noch im Privatleben darum, von allen gemocht zu werden. „Wichtig ist, dass ich mich selbst im Spiegel anschauen kann.“ Missgunst sollten sich Berufstätige nicht so zu Herzen nehmen.

Kollegen reden gerne über Dritte. So kommt es immer mal wieder vor, dass ein viel beneideter Kollegen von Anderen hört, wer missgünstige Kommentare abgesondert hat. „Auf so eine Erzählung sollten Betroffene erst gar nicht eingehen. Am Besten sagen Sie, dass Sie davon nichts hören wollen“, so Stief.

Neider einbinden

Wenn der missgünstige Kollege wichtig für die Karriere ist oder dem Beneideten aus anderen Gründen am Herzen liegt, ist es sinnvoll, den Neider einzubinden. Stief: „Man kann zum Beispiel die Stärken des Neiders loben und ihn vielleicht sogar in Projekte einbeziehen.“

Das Problem Missgunst anzusprechen, ist dagegen nicht gefahrlos. „Sie sollten vorher genau Risiken und Nutzen abwägen. Denn es besteht die Möglichkeit, dass die Situation noch mehr eskaliert“, betont Prünte. Wenn der Betroffene dieses Risiko tragen will, sollte er unbedingt auf seine Wortwahl achten. Vorwürfe oder Unterstellungen sind tabu. „Beschreiben Sie das Verhalten Ihres Gegenübers zum Beispiel mit den Worten: ‚Mir ist aufgefallen, dass …‘. Und fragen Sie, was es damit auf sich hat.“

Strategien für Chefs

Missgunst ist nicht nur ein Problem unter Kollegen, auch für Chefs ist das Thema eine Herausforderung. Schließlich wollen sie, dass ihre Mitarbeiter produktiv sind und zwischenmenschliche Probleme nicht die Arbeitsabläufe stören. Deshalb rät Stief: „Vorgesetzte sollten nicht für zu viel Konkurrenz unter den Teammitgliedern sorgen. So ist es  keine gute Idee, zwei Leute mit einer Aufgabe zu betrauen und das bessere Ergebnis zu nehmen.“

Andererseits ist Neid aber auch ein ganz normales Gefühl. „Ein vollkommen harmonisches Team ist eine Illusion“, erklärt Stief. „Deshalb sollten Chefs nicht Kuschelteams erwarten, sondern normale menschliche Prozesse zulassen.“

Tipps auf einen Blick:

  • Um Neid und Missgunst bekämpfen zu können, müssen Sie diese Emotionen erst einmal wahrnehmen.
  • Fragen Sie sich, wie wichtig Ihnen die Sache, die Sie neidisch macht, wirklich ist.
  • Überlegen Sie, in welchen anderen Lebensbereichen Sie zufrieden sind und relativieren Sie so den Neid.
  • Stabilisieren Sie Ihr eigenes Selbstwertgefühl, indem Sie bei Ablieferung einer guten Leistung gezielt nach einem Feedback fragen.
  • Beim Umgang mit einem neidischen Kollegen sollten Sie sich fragen, wie wichtig diese Person für Ihr Fortkommen ist. Ist sie dafür irrelevant,  sollten Sie die Gefühle des Neiders ignorieren.
  • Ist der Neider für Ihre weitere Entwicklung wichtig, ist es sinnvoll, ihn zum Beispiel in Projekte einzubinden.
  • Das offene Ansprechen des Problems ist risikoreich.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Neid und Missgunst im Beruf gemacht?
  • Wie gehen Sie damit um?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlung:

  • Thomas Prünte: Das Gefühlsklavier. Vom stimmigen Umgang mit unseren Emotionen, dgvt-Verlag (Tübingen) 2009, 464 Seiten, broschiert: 19,80 Euro.

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Richtig gut präsentieren im Beruf: Vorbereitung und Strategie zählen

Seine Arbeitsergebnisse präsentieren, in einem Meeting Rede und Antwort stehen: In immer mehr Berufen gehört das zum Joballtag. Doch viele haben Angst davor. Sie geraten ins Schwitzen, verlieren den roten Faden oder verkaufen sich unter Wert. Doch mit der richtigen Strategie lässt sich die Panik vor dem Auftritt effektiv bekämpfen.

Richtig gut präsentieren: So gelingt es!
Richtig gut präsentieren: So gelingt es!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sie Ihre Redeangst überwinden.
  • Wie Sie sich gut vorbereiten.
  • Wie Sie Fehler vermeiden.
  • Wie Sie schwierige Situationen meistern.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

Mit der richtigen Einstellung die Redeangst überwinden

Mit Präsentationen und Vorträgen kennt sich Dr. Sylvia C. Löhken bestens aus. Denn als Buchautorin und Speakerin redet sie häufig vor großem Publikum. Dabei ist ihr das Sprechen vor vielen Menschen nicht in die Wiege gelegt worden: „Als ich während meiner Promotionsphase Vorträge auf Konferenzen hielt, war ich sehr gestresst“, berichtet Löhken. „Ein Referat in einem kleineren Rahmen an der Uni war für mich kein Problem. Aber vor vielen Experten zu reden, machte mich wahnsinnig nervös.“

Die promovierte Linguistin schaffte es, diese Nervosität erfolgreich in den Griff zu bekommen: „Ich habe mir die Frage gestellt, warum ich einen Vortrag halten will und was ich erreichen möchte.“ Und die Beantwortung half ihr. „Denn damit definierte ich mein Ziel und fühlte mich selbstbestimmt.“

Vorbereitung: Sich auf sein Publikum einstellen

Löhken empfiehlt, sich bei der Vorbereitung einer Präsentation mit seinem Publikum zu beschäftigen: „Viele Ängstliche kreisen um sich selbst. Besser ist es aber, die eigenen Befindlichkeiten hintanzustellen und stattdessen die Interessen und Bedürfnisse des Gegenübers wahrzunehmen.“

Josef Seifert ist Buchautor und Spezialist in Sachen Präsentation. Er rät, bei der Vorbereitung genau zu recherchieren, wer im Publikum sitzt. „Es ist unbedingt notwendig, die Erwartungshaltung der Zuhörer zu kennen und sich darauf einzustellen“, so der aus Pörnbach bei Ingolstadt stammende Trainer.

Das Ziel der Präsentation kennen

Löhken hat sich als Trainerin auf Introvertierte spezialisiert. Dabei ist auch sie selbst eine „Intro“. „Viele glauben, dass introvertierte Menschen nicht gut präsentieren können. Doch das Gegenteil ist der Fall! Denn sie bringen einen entscheidenden Vorteil mit: Sie bereiten Vorträge besonders gründlich vor.“ Und wer gut vorbereitet ist, kann in der Regel sicher auftreten, da er keine inhaltlichen Schwächen zu fürchten braucht.

Auch Seifert weiß, dass es auf die Vorbereitung ankommt: „Zuerst sollte sich der Redner klar werden, was er erreichen will. Möchte er informieren oder überzeugen? Dann geht es darum, die Kernbotschaft zu formulieren.“ Und genau diese Reduktion des vorhandenen Wissens ist für viele Berufstätige ein Problem. Denn sie würden am liebsten ihr gesamtes Know-How präsentieren. So entstehen dann die häufigsten Fehler bei Präsentationen: „Viele reden zu schnell, sagen inhaltlich zu viel und sprechen außerdem zu lang.“

Den Menschen positiv gegenübertreten

Die Freiburger Kommunikationstrainerin Elisabeth Bonneau legt zudem Wert auf die mentale Vorbereitung: „Am besten blickt der Vortragende positiv auf die Menschen. An negative Erfahrungen sollte er möglichst nicht denken. So hat er eine positive Ausstrahlung, die sich auch auf seine Zuhörerschaft überträgt.“ Um sich im Raum wohlzufühlen, in dem die Präsentation stattfindet, ist es wichtig, diesen vorher zu erkunden und sich mit der Technik vertraut zu machen. „Dafür sollte man genug Zeit einplanen.“

Aber auch eine gründliche Vorbereitung bewahrt nicht vor bösen Überraschungen. So war Sylvia Löhken auf einer Messe rund ums Haar eingeladen. „Ich war gut vorbereitet, hatte ausführlich über das Thema und mein Publikum recherchiert. Doch nebenan gab es eine Modenschau.“ Die Musik dröhnte laut herüber. Nur wenige Messebesucher fanden zu ihr. Sie musste vor vielen leeren Reihen reden. „Das war natürlich ein Desaster, obwohl die wenigen Zuhörer sehr interessiert waren.“ Die professionelle Rednerin wusste, dass sie an der Situation nichts ändern konnte. „Ich gab trotzdem mein Bestes.“

Mit dem Publikum im Dialog sein

Vielen Menschen – gerade Introvertierten – fällt es schwer, vor einer großen anonymen Masse zu stehen. Doch auch für diesen Fall hat Löhken eine passende Strategie entwickelt: „Ich versuche, auf mein Publikum einzugehen und mit ihm in einen Dialog zu treten.“ Hilfreich ist es auch, mit einzelnen Zuhörern vorher bewusst direkten Kontakt aufzunehmen.

Die Kommunikationstrainerin Gabriele Zienterra weiß, dass viele Menschen Angst vor einem großen Publikum haben: „Dabei ist es viel leichter, vor einer Masse zu sprechen. Denn meistens kommt es in einem solchen Rahmen zu weniger Fragen und Einwänden.“  Aber vor dieser Situation haben Berufstätige besonders große Furcht: „Sie machen sich Sorgen, dass der Vorstand ihre Präsentation zerschießt oder ein einzelner Kollege sie bloßstellt“, erklärt die Inhaberin des Instituts für Rhetorik und Kommunikation in Bornheim bei Bonn, das auch eine Dependance in Berlin hat.

Die Bedenken der Kritiker einbinden

„Viele Ängstliche glauben, sie müssten vor lauter kritischen und unfreundlichen Menschen  sprechen. Aber das ist ein Irrglaube“, erklärt Bonneau. Denn in der Regel sei das Auditorium wohlwollend und interessiert.

Auch Zienterra betont: „Oft will das Publikum dem Redner gar nichts Böses.“ Dennoch empfiehlt sie, sich gerade auf bekanntermaßen schwierige Zuhörer einzustellen. „Der Vortragende kann zum Beispiel den persönlichen Kontakt zu diesem Menschen suchen, ihn begrüßen und ihn mit seinen Bedenken und Fragen in seine Rede einbinden“, rät Zienterra. Auch Humor sei ein Mittel, um Destruktiven zu begegnen. Das kann zum Beispiel nach dem Motto geschehen: „Auf Ihren Frage habe ich schon gewartet.“ Auf jeden Fall sollte so ein Vorgehen wertschätzend sein und den Angesprochenen nicht verletzen. Besteht die Gefahr, dass jemand den Vortrag „sprengt“, muss der Redner den Störer sanft doch klar steuern. „Macht er das nicht, verhalten sich bald auch andere Personen kontraproduktiv.“

Nicht alles auf sich beziehen

Gabriele Zienterra erinnert sich ebenfalls an unliebsame Ereignisse bei ihren Vorträgen: „Neulich hat jemand mein Wasserglas umgeschmissen, das sich dann über mein Laptop ergoss.“ Die Kommunikationstrainerin griff beherzt zu ihrem Schal und wischte damit die Wasserlache auf. „Ich kommentierte das Ganze mit den Worten: Hoppla! Wie gut, dass mich mein Schal heute begleitet, welche Ideen zu Thema begleiten Sie heute?“ Und tatsächlich: Der Computer funktionierte und sie konnte fortfahren. „Ein Redner sollte in solchen Situationen also gelassen und flexibel bleiben und das Ganze am Besten mit Worten wie etwa ’Es ist alles in Ordnung‘ kommentieren“, betont Zienterra. „Was bei vermeintlichen Katastrophen wie einem Technikausfall aber gar nicht geht, sind Beschimpfungen des Technikers!“

Und noch einen Tipp hat die Kommunikationstrainerin Zienterra: „Man sollte nicht alles auf sich beziehen. Es gibt Rahmenbedingungen, die niemand beeinflussen kann. Die Stimmung ist nun mal eine andere, wenn Deutschland Weltmeister geworden ist als wenn das Publikum schon seit Stunden in einem überhitzten Raum zuhören muss.“ In so einer Situation helfe oft ein passender und verständnisvoller Kommentar wie: „Nach so einem Tag wie heute freuen wir uns alle heute Abend auf ein kühles Getränk. Bald haben wir es geschafft.“ Außerdem heben auch angenehme Überraschungen wie Eis für jeden die Stimmung.

Präsentationen nachbereiten

Wer seinen Auftritt überstanden hat, sollte diesen nachbereiten. Denn wie im Sport gilt auch bei Präsentationen und Reden das Motto: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel.“ Deshalb rät Seifert, sich ein paar Fragen ehrlich zu beantworten: Wie habe ich mich beim Vortrag gefühlt? Konnte ich das umsetzen, was ich mir vorgenommen habe? Wie waren die Reaktionen? „Aus diesen Antworten lassen sich dann Konsequenzen für das nächste Mal ziehen. Denn Präsentieren ist keine gottgegebene Eigenschaft, sondern braucht lebenslange Übung.“

Mit der richtigen Vorbereitung und einem hohen Maß an Souveränität sind auch vermeintliche Katastrophen kein Problem. So funktionierte bei einer Veranstaltung von Elisabeth Bonneau die Technik nicht. Sie erbat sich kurzerhand einen Flipchart und begann. „Am Ende kamen die Leute zu mir und fragten mich, ob die technische Panne Absicht war.“ Sie konnten kaum glauben, dass die Kommunikationstrainerin unter so widrigen Umständen zur Hochform aufgelaufen ist.

Tipps auf einen Blick:

  • Bereiten Sie sich inhaltlich und mental  auf Ihr Publikum vor.
  • Stellen Sie Ihre eigenen Befindlichkeiten hintan, nehmen Sie stattdessen die Interessen und Bedürfnisse Ihres Gegenübers wahr.
  • Begegnen Sie vermeintlichen Katastrophen und Unvorhergesehenem mit Humor.
  • Bleiben Sie gelassen und flexibel.
  • Beziehen Sie nicht alles auf sich.
  • Bereiten Sie Ihren Auftritt  auch nach.
  • Lernen Sie aus Ihren Erfahrungen.

Fragen an Sie:

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  • Haben Sie Angst vor Präsentationen?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit Präsentationen gemacht?
  • Wie bereiten Sie sich vor?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlungen:

  • Josef W. Seifert: Visualisieren Präsentieren Moderieren, GABAL Verlag (Offenbach) 2012, 31. Auflage, 200 Seiten
  • Sylvia C. Löhken: Leise Menschen – starke Wirkung. Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden. GABAL Verlag (Offenbach) 2012, 285 Seiten

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Februar 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Sehnsucht im Beruf: Der Wegweiser zu mehr Zufriedenheit

Wir Menschen haben Wünsche, Träume und Sehnsüchte. Wir sehnen uns etwa nach Liebe, Zuneigung und Anerkennung. Viele erhoffen sich all das von ihrem Privatleben: von ihren Partnern, Freunden und der Familie. Andere haben auch Sehnsüchte, die sich auf ihren Beruf beziehen. Sie arbeiten etwa als Verwaltungsangestellte und träumen davon, Schriftstellerin zu werden. Oder sie machen einen Nine-to-five-Job und würden am liebsten als digitale Nomaden die Welt bereisen. Sie fühlen sich in ihrem Job wie in einem Hamsterrad, suchen aber Sinn und Erfüllung.

Sehnsucht im Beruf: Der Wegweiser zu mehr Zufriedenheit
Sehnsucht im Beruf: Der Wegweiser zu mehr Zufriedenheit

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

Sehnsüchtige, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was die Gründe für Unzufriedenheit im Job sind.
  • Wie Unzufriedenheit und Sehnsucht zusammenhängen.
  • Wie Sie Ihrer beruflichen Sehnsucht auf die Spur kommen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Literaturempfehlung.
  • Linkempfehlungen.

Jobunzufriedenheit als Ursache für Sehnsucht

Eine Ursache von Sehnsüchten ist die Unzufriedenheit mit dem aktuellen Job. Und die ist sehr verbreitet. Laut den aktuellen Zahlen des Gallup Engagement Index 2015 sind nur 16 Prozent der Arbeitnehmer mit Herz, Hand und Verstand bei der Arbeit. 68 Prozent der Beschäftigten machen lediglich Dienst nach Vorschrift. 16 Prozent der Werktätigen haben bereits innerlich gekündigt.

Ob jemand hoch engagiert ist oder nicht, hängt von der Erfüllung seiner Bedürfnisse ab. Das zeigt auch die Gallup-Studie. Wer sich entwickeln kann, als Mensch gesehen wird und Anerkennung erhält, ist zufriedener und engagierter. Besonders wichtig ist auch das Verhältnis zum Chef.

Anerkennung im Beruf zählt

Viele Sehnsüchte von Arbeitnehmern drehen sich also genauso wie im Privatleben um Anerkennung. So sehnen sich Berufstätige danach, dass ihr Chef sie sieht, ihre Leistung schätzt und sie fördert. Bleibt dieses Verhalten vom Vorgesetzten aus, sinkt die Motivation. So entsteht der dringende Wunsch nach einem Job, der genau das bietet.

Doch nicht immer liegen die Gründe für die Unzufriedenheit klar zutage. Auch bei Beschäftigten, die betonen, wie zufrieden sie sind, gibt es dieses Verlangen nach etwas, das sie nicht haben, aber gerne hätten.

Sehnsucht und berufliche Veränderung

Natürlich ist es die normalste Sache von der Welt, dass sich bestimmte Wünsche und Träume nicht erfüllen lassen. Das ist im Privatleben so und im Beruf auch nicht anders. Dennoch lohnt es sich, seinen Sehnsüchten auf die Spur zu kommen. Denn nur, wer weiß, was in ihm vorgeht, hat die Chance, sein Berufsleben zum Besseren zu verändern.

Dann kann er die Weichen so stellen, dass er am Ende zufriedener ist. In jedem Fall erlebt er sich dann als Handelnder. Er reagiert nicht nur, er beginnt zu agieren und wird selbstwirksam. Denn er steigt aus dem Hamsterrad aus.

Berufliche Veränderung als Krankheitsprävention

Gemäß seiner Sehnsüchte zu leben, hat viele Vorteile: So zeigt die Gallup-Studie, dass Mitarbeiter, die innerlich gekündigt haben, häufiger wegen Krankheit fehlen. Der Faktor Zufriedenheit spielt also für die Gesundheit eine große Rolle. Der eigenen Sehnsucht nachzugehen ist also keineswegs ein entbehrlicher Luxus, sondern Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung.

Wer dauerhaft unzufrieden ist, kann schneller ungeduldig und gereizt reagieren. Er ist weniger tolerant gegenüber den Schwächen seiner Mitmenschen – sowohl im Privatleben als auch im Job. Und so entstehen weitere Konfliktherde, die wiederum negative Folgen mit sich bringen. Wer dagegen gemäß seiner Sehnsucht lebt, wird aller Wahrscheinlichkeit nach eben deswegen weniger Konflikte mit seinem Umfeld haben.

Spüren Sie der eigenen Sehnsucht nach

Den meisten Menschen sind diese Mechanismen durchaus bewusst. Allerdings sind viele auch davon überzeugt, dass sich Sehnsüchte nicht erfüllen lassen, dass sie selbst keine Wahl haben, ihr (Berufs-)Leben anders zu gestalten. Und tatsächlich gehört zur Sehnsucht das Gefühl, den Gegenstand des Verlangens nicht erreichen zu können. (Siehe Wikipedia)

Das heißt aber noch lange nicht, dass es sich nicht lohnt, der eigenen Sehnsucht nachzuspüren. Doch wie finden Sie heraus, was Sie wirklich bewegt, worunter Sie leiden, nach was Sie sich sehnen? Denn oft genug stellt sich nur ein schmerzhaftes Gefühl, ein Unwohlsein oder eine Traurigkeit ein – ohne dass der Betroffene  schon die Gründe dafür kennt. Vielleicht empfinden Sie Neid oder Aggressionen, aber Ihnen ist gar nicht klar, wo der eigentliche Knackpunkt liegt.

Gehen Sie den ersten Schritt: die Selbsterkenntnis

Wenn Sie in dieser Situation sind, habe ich ein paar Tipps für Sie, wie Sie sich selbst auf die Spur kommen. Doch bevor Sie sich damit beschäftigen, bitte ich Sie: Seien Sie ehrlich zu sich! Legen Sie allen falschen Stolz ab, all das, was Ihnen im Laufe des Lebens eingetrichtert wurde. Vergessen Sie die Worte „müssen“, „sollen“ und „nicht dürfen“.

  • #1 Nehmen Sie sich selbst wahr! Das hört sich einfach an. Doch oft sind wir im Leben von so vielen Eindrücken, Aufgaben und Informationen überflutet, dass wir gar nicht mehr richtig spüren, wie es uns eigentlich geht. Erst wenn sich eine Krankheit Bahn bricht, merken wir, dass etwas nicht stimmt.
  • # 2 Zu dieser Selbstwahrnehmung gehört die Wahrnehmung von Gefühlen. Auch das hört sich höchst simpel an, ist es aber nicht. Denn manche Gefühle möchten wir uns nicht eingestehen, zum Beispiel, weil sie unserem Selbstbild nicht entsprechen.
  • # 3 Um herauszufinden, wie Sie sich wirklich fühlen, kann es hilfreich sein, Ihre eigenen Reaktionen zu beobachten. Was stresst Sie?
  • # 4 Nehmen Sie wahr, wie Sie kommunizieren. Über was reden Sie? Über was schimpfen Sie? Wen loben Sie? Wie oft sprechen Sie über Positives?
  • # 5 Schauen Sie nicht nur auf Ihre Gefühle, sondern auch auf Ihre Gedanken. Welche Gedanken drängen sich Ihnen immer wieder auf? Welche bringen Sie um den Schlaf?
  • # 6 Körperliche Reaktionen können Ihnen wichtige Hinweise geben. Wie oft sind Sie krank oder fühlen sich unwohl? Wie äußert sich Ihr Unwohlsein?
  • # 7 Manchmal sind wir die Letzten, die uns verstehen. Während unsere Umgebung schon längst den Braten gerochen hat, ist uns das noch lange nicht klar. Deshalb ist es ratsam, dass Sie auf Ihre Umgebung hören. Nehmen Sie wahr, was Andere Ihnen sagen.

Zweiter Schritt: Finden Sie Ihr Sehnsuchtsziel

Mit diesen Tipps finden Sie heraus, wie zufrieden oder unzufrieden Sie sind. Sie erkennen, ob und wie notwendig eine Veränderung ist. Vielleicht bringen Sie die oben angeführte Fragen auch schon der Antwort näher, wonach Sie sich im Beruf sehnen. Aber vielleicht ist Ihnen Ihr Sehnsuchtsziel immer noch nicht ganz klar. Hier sind noch ein paar Hinweise für Sie. Fragen Sie sich Folgendes:

  • # 1 Wen beneiden Sie und warum?
  • # 2 Was sind Ihre Träume? Wie sahen Ihre Träume in Ihrer Kindheit und Jugend aus?
  • # 3 Wer sind Ihre Stars oder Vorbilder?
  • # 4 Mit was beschäftigen Sie sich in der Freizeit? Womit können Sie sich stundenlang befassen und dabei völlig die Zeit aus dem Blick verlieren?
  • # 5 In welchen Momenten erleben Sie Sinn?

Sicher haben Sie jetzt schon eine ganze Reihe von Anhaltspunkten gesammelt. Am Besten schreiben Sie diese auf. Lesen Sie diesen Zettel immer mal wieder durch. Wird Ihnen Ihr Sehnsuchtsziel jetzt klarer? Im nächsten Schritt geht es darum, herauszufinden, wie stark Ihre Sehnsucht ist.

Dritter Schritt: Denken Sie an Risiken und Nebenwirkungen

Nicht jeder Traum und Wunsch, den Sie haben, ist es wert, umgesetzt und gelebt zu werden. Manche Wünsche bleiben aus guten Gründen Träume. Ihnen sollte klar sein: Wenn Sie Ihre Sehnsüchte leben, dann geht das nicht zum Nulltarif. Sie werden einen Preis bezahlen: Sie müssen Energie und Zeit investieren, sie brauchen Ausdauer und Geduld. Es wird Sie etwas kosten. Aber wenn sie die Sehnsucht packt, werden Sie dazu bereit sein.

Wägen Sie die Risiken und Nebenwirkungen ab. Wer sich seinem Ziel nähern will, muss es nicht notwendigerweise erreichen. Er kann auch scheitern. Und für viele ist das ein echtes Problem. Deshalb beginnen so wenige mit dem ersten Schritt. Das schützt sie vor der Erkenntnis, möglicherweise doch nicht so talentiert zu sein, wie sie sich das ausgemalt haben.

Seien Sie mutig

Die Verwaltungsangestellte muss vielleicht erkennen, dass ihr fertiges Manuskript von keinem Verlag angenommen wurde, oder dass sie als Selfpublisherin nur wenige Downloads hat und nicht zur nächsten E-Book-Queen avanciert. Doch ist das wirklich ein hohes Risiko? Oder ist das Risiko nicht größer, am Ende des Lebens die vielen verpassten Chancen und den fehlenden Mut zu bedauern? Wägen Sie ab, was Ihnen wichtiger ist. Ihre Sehnsucht wird Ihnen den Weg weisen. Da bin ich mir sicher!

Also überlegen Sie: Haben Sie Lust und Mut zur Veränderung? Dann herzlich willkommen auf meinem Blog. Auf dem wird es ab sofort regelmäßig Artikel für Sehnsüchtige geben. Diese sollen Ihnen auf dem Weg zum Ziel helfen.

Klicken Sie einfach auf den Menüpunkt Sehnsüchtige.

Tipps auf einen Blick:

  • # 1 Finden Sie heraus, wie unzufrieden Sie sind.
  • # 2 Versuchen Sie zu verstehen, warum Sie unzufrieden sind.
  • # 3 Nehmen Sie Ihre berufliche Sehnsucht wahr.
  • # 4 Finden Sie heraus, wie stark diese Sehnsucht ist und ob Ihr Mut reicht, Ihrer Sehnsucht nachzugehen.
  • # 5 Wenn Ihr Mut reicht, legen Sie los.

Mehr dazu in weiteren Artikeln!

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Sind Sie unzufrieden mit Ihrem Job?
  • Haben Sie eine berufliche Sehnsucht?
  • Sind Sie schon mal einer beruflichen Sehnsucht nachgegangen?
  • Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
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Meine Literaturempfehlung:

  • Anja Schreiber: Die Sehnsuchtsstrategie. Wie Sie durch berufliche Neuorientierung Erfüllung und Zufriedenheit finden, Berlin 2017, 2,99 Euro, Amazon-Shop.

Meine Linkempfehlungen:

(Artikel veröffentlicht April 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Was mit Tieren machen: Berufe rund ums liebe Vieh

„Was mit Tieren machen“ … ein gar nicht so seltener Berufswunsch unter Jugendlichen. Denn wer Tiere liebt, sucht oft auch nach einem Job, der etwas mit Hunden, Katzen oder Pferden zu tun hat. Zwar sind die Arbeitsmöglichkeiten vielfältig, doch der Zugang zum Traumberuf ist oft gar nicht so einfach.

Berufe mit Tieren: Ausbildungen und Studiengänge.
Berufe mit Tieren: Ausbildungen und Studiengänge.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie es gelingt, das „Hobby Tier“ zum Beruf zu machen.
  • Welche Ausbildungen und Studiengänge sich anbieten.
  • Welche Qualifikationen zählen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Berufe mit Tieren: Ausbildungen und Studiengänge

„Immer wieder berichten mir Schulabgänger von ihrem Wunsch, Tierpfleger oder Tierarzt zu werden“, berichtet die Berufsberaterin Dagmar Falk von der Arbeitsagentur Berlin-Süd. „Oft muss ich ihnen dann den Wind aus den Segeln nehmen.“ Denn die Chancen auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz sind relativ gering. Gerade in dem begehrten Beruf des Tierpflegers ist es schwierig, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. „Denn kleine Zoos, aber auch Tierpensionen und Tierheime bilden oft nicht beziehungsweise nicht in jedem Jahr aus.“

Tierpfleger ein beliebter Beruf bei Schulabgängern

Der Zoo Berlin samt Aquarium beschäftigt zum Beispiel 230 Mitarbeiter. Die Hälfte davon sind Tierpfleger. „Jedes Jahr bilden wir fünf bis sechs Leute aus. Aber die Nachfrage ist viel größer! Täglich bewerben sich bei uns Interessenten“, berichtet Dr. Ragnar Kühne, Zoologe und Personalverantwortlicher des Berliner Zoos. „90 Prozent aller Bewerber sind weiblich. Da sich der Zoo um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern bemüht, ist die Konkurrenz unter Frauen größer. Männer kann ich hingegen ermutigen, sich zu bewerben.“

Die Berufsberaterin Dagmar Falk will Schulabgänger, die unbedingt mit Tieren arbeiten wollen, nicht abschrecken: „Wer große Leidenschaft mitbringt und flexibel ist, findet auch einen Weg, sein Hobby zum Beruf zu machen. Er muss aber bereit sein, in eine Region Deutschlands zu gehen, die ihm eine Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeit bietet.“

Praktika und Erfahrungen im Umgang mit Tieren zählen

Grundvoraussetzung für die Ausbildung ist nicht nur ein mittlerer Schulabschluss, sondern auch Erfahrung mit Tieren, zum Beispiel das Halten eigener Haustiere. „Ich empfehle ein Praktikum beim Tierarzt oder idealerweise in einem Zoo“, betont Kühne. Denn so können Interessierte die konkrete Arbeit kennenlernen. „Tierpflege ist vor allem körperliche Arbeit wie etwa Ställe saubermachen, Futter zubereiten oder Tiere füttern.“

Auch Michael Rolfs vom Berufsverband der Zootierpfleger betont, dass Schüler neben dem Schulpraktikum ein oder mehrere freiwillige Praktika absolvieren sollten. „Ohne Praxiserfahrung sind die Chancen deutlich geringer. Denn im Durchschnitt kommen auf eine Stelle hundert Bewerber.“ Rolfs selbst ist gelernter Zootierpfleger und inzwischen Zooinspektor des NaturZoo Rheine.

Kindheitswunsch Tierpfleger

„Im Zoo zu arbeiten war schon mein Kindheitswunsch“, betont der 41-Jährige, der nach dem Abitur erst einmal ein Studium der Geographie und Theologie begonnen hat. Doch das war nicht das Richtige. Er machte ein Praktikum im Münsteraner Zoo, brach das Studium ab und fing die Ausbildung in Rheine an. „Das war eine absolut richtige Entscheidung“, betont Rolfs, der inzwischen eine Weiterbildung zum Tierpflegemeister und einen Narkoselehrgang absolviert hat. Damit kann er Tierärzten assistieren.

„Mein Beruf ist zwar zu 80 bis 90 Prozent Routine. Dennoch ist er spannend, weil ich es mit lebendigen Tieren zu tun habe“, erklärt Rolfs. „So sehe ich, ob es ihnen gut geht oder ob sie das Futter stehen lassen.“ Gibt es ein Problem, versucht es Rolfs zu lösen. Er füttert etwas, was lieber gefressen wird oder informiert den Tierarzt. Besonders schätzt er an seiner Tätigkeit die selbständige Arbeit, aber auch die emotionale Bindung an die Tiere.

Eine Alternative: tiermedizinische Fachangestellte

Tierpfleger ist nicht der einzige Ausbildungsberuf mit Tieren. Es gibt zum Beispiel auch die Möglichkeit, eine Ausbildung zum tiermedizinischen Fachangestellten zu absolvieren. Diese Fachkräfte arbeiten hauptsächlich in den Tierarztpraxen, aber auch in Tierkliniken und in der Forschung. Die Chancen, in diesem Beruf einen Ausbildungsplatz zu finden, schätzt Falk für relativ gut ein. Denn jeder Tierarzt kann ausbilden, vorausgesetzt er hat eine anerkannte Ausbildungseignung. „Schulabgänger, die daran Interesse haben, sollten Praxen anfragen und den persönlichen Kontakt suchen“, so Falk. Weitere duale Ausbildungsberufe sind der Tier- und Pferdewirt. Auch private Schulen bieten Ausbildungsmöglichkeiten rund ums Tier an. So gibt es zum Beispiel Lehrgänge mit dem Berufsziel Tierheilpraktiker.

Wer Tierarzt werden möchte, hat ebenso hohe Zugangshürden zu nehmen wie diejenigen, die Humanmedizin studieren wollen. „In Berlin liegt der Numerus Clausus bei 1,5 … in Nordrhein-Westfalen sogar bei 1,3“, betont Falk. Entsprechend lang sind auch die Wartezeiten, um bei einem schlechteren Abiturdurchschnitt dennoch zum Studium zugelassen zu werden. Wie bei der Humanmedizin  müssen sich
Studieninteressierte zentral bewerben.

Voraussetzung für die Veterinärmedizin: Interesse an Naturwissenschaften

Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte empfiehlt angehenden Tierärzten, auch Interesse an den Naturwissenschaften mitzubringen, da diese im Studium eine wichtige Rolle spielen. „Wer im Abitur Fächer wie Chemie und Biologie abgewählt hat, wird es an der Universität schwer haben.“

Dr. Anja Ostrowski und Dr. Kristina Dietert, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin, haben nicht nur beide Tiermedizin studiert und darin promoviert, sie teilen auch die Liebe zu Tieren. „Zu unseren Aufgaben gehört es, herauszufinden, woran Tiere gestorben sind … wie zum Beispiel den Grund für ein erhöhtes Kälbersterben in einem landwirtschaftlichen Betrieb“, berichtet Ostrowski.

Als Tiermediziner sind verschiedene Karrierewege möglich

„Wie in der Humanmedizin untersuchen wir auch Tumore daraufhin, ob sie gut- oder bösartig sind“, ergänzt Ostrowski, die ursprünglich Pferdetierärztin werden wollte, dann aber ihre Vorliebe für die Pathologie entdeckte. „Die Pathologie ist ein hochinteressantes Fach. So habe ich schon von der Maus bis zum Zootier fast alles seziert. Ich will deshalb auch auf lange Frist in die Tierseuchendiagnostik gehen und gerne auf einem Untersuchungsamt arbeiten“, betont die 29-Jährige.

Die 34-jährige Kristina Dietert möchte dagegen langfristig in der Forschung bleiben und weiterhin im Bereich der Tierpathologie wissenschaftlich arbeiten. Ihr Weg zum Studium führte sie über eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten: „Ich kann diesen Weg nur jedem empfehlen. Er ist eine sehr gute Vorbereitung für das Tiermedizinstudium.“ Denn dort lernte sie bereits viele Krankheiten kennen und konnte Tiere oft selbständig versorgen. „Gerade in den ersten zwei Jahren ist das Studium sehr theoretisch. In dieser Zeit hat mir meine praktische Erfahrung in der Tierarztpraxis geholfen, motiviert zu bleiben.“

Gute Berufsperspektiven für Tierärzte

Ist ein tiermedizinisches Studium absolviert, sieht Falk gute Berufsperspektiven für Tierärzte: „Die Aussichten für Veterinärmediziner sind ähnlich positiv wie für Humanmediziner. Besonders in ländlichen Gegenden ist der Bedarf hoch. Auch der Verdienst ist mit dem von Humanmedizinern vergleichbar.“

Der Bedarf an Tierärzten ist allerdings zwischen Stadt und Land unterschiedlich groß, betont Behr: „Während es in Ballungsgebieten durchaus ein Überangebot an Kleintierpraxen gibt, fehlen im ländlichen Raum Nutztierärzte.“

Alternative Studiengänge

Eine Alternative zum Studium der Tiermedizin sieht die Berufsberaterin Dagmar Falk in Studiengängen wie der Tierwissenschaft oder Biologie mit dem Schwerpunkt Zoologie. „Abiturienten können aber auch ein Ingenieurstudium der Agrartechnik mit der Spezialisierung Tierhaltung absolvieren.“

Während Ingenieure, die sich auf die Tierhaltung spezialisiert haben, in der Regel in der Landwirtschaft arbeiten, können Tiermediziner und Zoologen auch in Zoos eine Beschäftigung finden. Der Biologe Dr. Ragnar Kühne arbeitet etwa als Kurator und Zoologischer Leiter im Berliner Zoo. „Ich bin Ansprechpartner für die Tierpfleger und entscheide zum Beispiel, ob Tiere in ein anderes Gehege versetzt oder separiert werden müssen, weil es zu Streitigkeiten unter den Artgenossen kommt“, berichtet Kühne. Für die Abgabe von Tieren an andere Zoos ist er ebenfalls zuständig. „Zu meiner Arbeit gehört auch die Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel.“

Die Chance, als Zoologe eine Tätigkeit in einen Zoo zu finden, ist allerdings äußerst gering. „Biologen, die sich im Fach Zoologie spezialisieren, sollten sich auf keinen Fall darauf fixieren, später als Kurator in einem Zoo zu arbeiten“, erklärt Kühne. „Denn es gibt dafür einfach zu wenig Stellen.“

Tipps auf einen Blick:

  • Wer beruflich etwas mit Tieren machen will, sollte große Leidenschaft und Flexibilität mitbringen. Denn er muss auch bereit sein, in jene Regionen Deutschlands zu gehen, die ihm eine Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeit bieten.
  • Grundvoraussetzungen für eine Ausbildung zum Beispiel als Tierpfleger sind ein mittlerer Schulabschluss und Erfahrungen mit Tieren. In jedem Fall verbessern Praktika die Chancen.
  • Sinnvoll ist es, Alternativen zum Beruf des Tierpflegers zu entwickeln wie zum Beispiel die Ausbildung zum tiermedizinischen Fachangestellten oder zum Tier- und Pferdewirt. Private Schulen bieten ebenfalls Ausbildungsmöglichkeiten rund ums Tier an.
  • Wer Tiermedizin studieren will, braucht nicht nur einen entsprechend hohen NC oder ausreichend viele Wartesemester, sondern auch Interesse an den Naturwissenschaften.
  • Zur Tiermedizin gibt es alternative Studiengänge wie die Tierwissenschaften oder Biologie mit dem Schwerpunkt Zoologie.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie „was mit Tieren machen“? Oder arbeiten Sie schon mit Tieren?
  • Welche Erfahrungen haben Sie beim Berufseinstieg gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Januar/Februar 2015)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Fitness- und Wellnessberufe: Der Bedarf an Mitarbeitern steigt

Körperlich fit bleiben und sich wohlfühlen: Das wünschen sich Menschen. Immer mehr sind bereit, dafür Geld auszugeben. Deshalb ist der Bereich Fitness, Wellness und Gesundheit auch ein Wachstumsmarkt. Der Bedarf an qualifizierten Mitarbeitern in der Branche steigt genauso wie die verschiedenen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten.

Berufschancen in der Fitness- und Wellness-Branche.
Berufschancen in der Fitness- und Wellness-Branche.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie der Berufseinstieg in die Fitness- und Wellnessbranche gelingt.
  • Welche Ausbildungen und Studiengänge die Branche anbietet.
  • Welche Qualifikationen zählen.
  • Welche Chancen Quereinsteiger haben.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Sportbranche: So gelingt der Berufseinstieg

Der 32-jährige Berliner Kaya Kademci war schon immer sportbegeistert. Er spielte in der Jugend Fußball, später stieg er auf Krafttraining und Kampfsport um. „Nach Abitur und Zivildienst überlegte ich mir, mein Hobby zum Beruf zu machen. Deshalb habe ich Sportwissenschaften in Halle studiert.“ Dabei spezialisierte er sich auf das Thema Rehabilitation und Therapie. Neben dem Studium jobbte er als Fitnesstrainer. Seine Berufswahl ist kein Zufall: „Von meiner Mutter habe ich das Lehrer-Gen geerbt. Außerdem helfe ich unheimlich gerne Menschen. Das kann ich gut als Trainer ausleben. Denn so unterstütze ich andere, ihre persönlichen Ziele zu erreichen.“

Dort arbeiten, wo Andere ihre Freizeit verbringen

Heute arbeitet Kademci als Trainingsleiter im „Fitness First Platinum Club“ in Steglitz. Er verbindet dabei Leitungsaufgaben mit Kundenbetreuung: „Ich bin für das Trainingspersonal zuständig, zum Beispiel für die Personalauswahl, Ausbildung und Qualitätssicherung.“ Auch administrative Tätigkeiten gehören zu seinem Alltag. So schreibt er Trainings- und Dienstpläne und beantwortet Mails und Anrufe. Vormittags ist er im Büro zu finden. Am Nachmittag geht er auf die Trainingsfläche. „Dort mache ich genau das Gleiche wie meine Mitarbeiter“. So bietet er für Gruppen Circle-Training und „Freestyle Functional Training“ an.

„Als Trainer zählt die Persönlichkeit. Es geht nicht allein darum, selbst sehr sportlich zu sein, sondern man sollte Anderen sein Wissen vermitteln können. Das Schöne an diesem Beruf ist, dass ich so viel positive Resonanz von unseren Kunden bekomme“, erklärt Kademci. Der diplomierte Sportwissenschaftler steht voll hinter seiner Berufsentscheidung. „Mein Beruf macht mir super viel Spaß. Ich arbeite dort, wo andere ihre Freizeit verleben. Deshalb ist die Stimmung in meinem Job eigentlich immer gut.“

Ausbildungen im Fitnessbereich

Petra Cämmerer, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd, sieht grundsätzlich viele Möglichkeiten, im Bereich Fitness und Wellness zu arbeiten: „Es gibt unzählige private Aus- und Weiterbildungsangebote, zum Beispiel als Wellnessfachberater oder als Fitnesstrainer.“ Oft seien diese Bildungsangebote aber nicht einheitlich geregelt und die Qualitätsstandards unterschiedlich.Cämmerer empfiehlt aus diesem Grund jungen Leuten, einen staatlich anerkannten Abschluss anzustreben. „Schulabgänger können zum Beispiel Sport- und Fitnesskaufleute werden.“ Wobei die Kaufleute eher betriebswirtschaftliche und administrative Aufgaben erledigen. Eine andere Möglichkeit ist etwa ein Studium der Sportwissenschaft.

Auch eine Vorbildung im Gesundheitsbereich ist eine gute Ausgangsvoraussetzung: „Mit einer Ausbildung zum Kranken- und Gesundheitspfleger oder zum Physiotherapeuten und entsprechenden Weiterbildungen kann man in der Wellness- und Fitnessbranche gut Fuß fassen.“ Betätigungsfelder sieht Cämmerer in sowohl in Fitnessklubs, Hotels, Ferienanlagen und auf Kreuzfahrtschiffen, aber auch in Gesundheitseinrichtungen wie Kliniken.

Trainer in jedem Alter gesucht

„Vor der Berufswahl sollten Schulabgänger allerdings überlegen, ob sie wirklich langfristig im Fitnessbereich arbeiten wollen. Schließlich nehmen mit fortschreitendem Alter auch die Gesundheitsbeschwerden zu, die so sportlichen Berufstätigkeit im Wege stehen können“, betont Cämmerer. Bei selbstständigen Trainern sieht sie zudem das Problem, dass es längere Zeit dauere, bis sie sich etabliert haben und von ihrer Tätigkeit leben können.

Um die Zukunft macht sich Kademci keine Sorgen. „Die Fitnessbranche boomt. Außerdem werden unsere Kunden immer älter und wünschen sich Trainer in ihrem Alter. Denn wer will schon mit 60 Jahren von einem 20-Jährigen betreut werden.“ Besonders wichtig sei es aber, sich weiterzubilden und auf dem Laufenden zu bleiben, was aktuelle Trends angeht.

Gesuchte Eigenschaften: Offenheit und Sympathie

Cornelius Riehm, Geschäftsführer des Vabali Spa in Tiergarten, ist überzeugt, dass die Fitness- und Wellnessbranche nicht nur junge Arbeitskräfte braucht. „Wichtiger als ein durchtrainierter Körper ist, dass unsere Mitarbeiter offen und sympathisch sind.“ Auf den Body-Mass-Index komme es nicht an, entscheidend sei ein Verständnis für das Thema Gesundheit.  „Der Altersdurchschnitt unserer Gäste liegt bei 44 Jahren.“ Deshalb achtet das Unternehmen bei seinen Beschäftigten auf einen guten Altersmix. Damit bildet es auch die Altersstruktur seiner Gäste ab.

„Immer mehr wird den Menschen heute bewusst, dass sie in ihre Gesundheit Geld investieren müssen“, betont Riehm. Und das beschere der Branche Wachstum. „Außerdem bieten wir unseren Gästen Urlaubserlebnisse im Alltag an.“ Und das werde ebenfalls zunehmend gewünscht.

Akademisierung im Fitnessbereich

Auch Marius Huber, Director Human Resources bei Fitness First, sieht für Berufstätige in der Fitnessbranche gute Beschäftigungschancen: „Wir sind in einem Zukunftsmarkt tätig. Denn Themen wie Bewegung, Ernährung und Gesundheit werden in einer alternden Gesellschaft immer wichtiger.“ Gleichzeitig erlebt Huber eine Akademisierung des Personals: „Unsere Führungskräfte in den Clubs haben in der Regel ein sportwissenschaftliches Hochschulstudium. Für unsere Nachwuchskräfte bieten wir zudem duale Studiengänge wie etwa den Bachelor-Studiengang Fitnessökonomie oder Fitnesstraining an.“ Bei Fitness First sind aber auch Nicht-Akademiker wie Sport- und Gymnastiklehrer oder Physiotherapeuten tätig.

Riehm sieht für ganz unterschiedliche Berufsgruppen Beschäftigungsmöglichkeiten: „Bei uns arbeiten auch Hotelfachleute, Finanzbuchhalter, Köche und Masseure. Viele haben eine private Ausbildung beim ‚Deutschen Saunabund‘ gemacht oder klassisch in der Hotellerie und Gastronomie gelernt.“ Der Geschäftsführer vom Vabali Spa empfiehlt allen, die Interesse an der Branche haben: „Am Besten ist es, mit Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen und sie nach ihrem Werdegang zu fragen.“ So erfahren Interessierte nicht nur, welche verschiedenen Aus- und Weiterbildungen es gibt, sondern sie bekommen auch praktische Tipps.

Quereinsteiger haben Chancen

„Was zählt, ist der Spaß am Sport, aber auch die Freude daran, eine Dienstleistung für unsere Kunden zu erbringen. Freundlichkeit und soziale Kompetenzen sind entscheidend“, betont Huber. Perspektiven macht der HR-Direktor deshalb nicht nur für Nachwuchskräfte aus, sondern auch für Quereinsteiger in den mittleren Jahren. „Wir beschäftigen auch Mitarbeiter, die 15 oder 20 Jahre in einem anderen Beruf gearbeitet haben und dann etwas anders machen wollten.“ Solche Trainer bekommen bei der Fitness-Club-Kette durchaus eine Chance. Voraussetzung ist eine Trainer-Lizenz und die Lust, sich weiterzubilden. „Mitunter starten Quereinsteiger noch einmal richtig durch und absolvieren ein berufsbegleitendes Studium.“

Die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) mit ihrer Zentrale in Saarbrücken bildet zum Beispiel Fach- und Führungskräfte für die Fitness- und Gesundheitsbranche aus. „Alle unsere dualen Bachelor-Studiengänge verbinden eine betriebliche Ausbildung mit kompakten Präsenzphasen an einem unserer bundesweiten Studienzentren“, berichtet Prof. Dr. Andreas Strack, Prorektor Lehre und Studium der DHfPG.  „Die Ausbildung findet im Unternehmen vor Ort statt, die Lehrinhalte vermitteln wir zum Beispiel in Berlin.“ Während das Bachelorstudium nur Vollzeit möglich ist, können die Master-Studiengänge der Hochschule auch berufsbegleitend absolviert werden.

Duale Studiengänge im Bereich Prävention und Gesundheit

Die Studiengänge haben verschiedene Ausrichtungen wie Fitnessökonomie, Gesundheitsmanagement, Fitnesstraining oder Ernährungsberatung. Strack: „In der Fitnessökonomie spielt die Betriebswirtschaft eine zentrale Rolle, im Studiengang Fitnesstraining dagegen stehen die Trainingswissenschaften im Zentrum.“ Doch auch in einem betriebswirtschaftlich ausgerichteten Studium gehören die Trainingswissenschaften zu den Lehrinhalten.

Tipps auf einen Blick:

  • Für Schulabgänger macht es Sinn, eine duale Ausbildung  zu absolvieren und  zum Beispiel Sport- und Fitnesskaufleute zu werden.
  • Im Sportbereich geht es nicht allein darum, selbst sehr sportlich zu sein.  Trainer sollten Wissen vermitteln können und offen für Menschen sein.
  • Wer Führungskraft werden will, sollte ein sportwissenschaftliches Hochschulstudium absolvieren. Auch duale Studiengänge bieten sich an.
  • Die Branche sucht auch Fachkräfte aus anderen Branchen wie Hotelfachleute, Finanzbuchhalter, Köche oder Masseure.
  • Auch wer 15 oder 20 Jahre in einem anderen Beruf gearbeitet hat, bekommt in der Branche noch eine Chance, wenn er eine Trainer-Lizenz mitbringt und Lust hat, sich weiterzubilden.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie in der Fitness- und Wellness-Branche arbeiten? Arbeiten Sie schon dort?
  • Welche Erfahrungen haben Sie beim Berufseinstieg gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, November 2015)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Nein-Sagen im Beruf: Grenzen ziehen können

Der Chef überhäuft den Mitarbeiter mit Arbeit, Kollegen bitten ständig um Hilfe … viele Berufstätige kennen diese Situation. Sie werden immer wieder gedrängt, Ja zu sagen. Doch genau das ist das Problem: Denn vor lauter Beschäftigung bleiben ihre eigenen wichtigen Aufgaben auf der Strecke. Die einzig wirksame Strategie dagegen ist, Nein-Sagen zu lernen.

Nein-Sagen im Beruf.
Nein-Sagen im Beruf.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum Nein-Sagen wichtig ist.
  • Warum ein Nein schwerfällt.
  • Wie sich Nein-Sagen trainieren lässt.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Richtig „Nein-Sagen“ im Job hilft bei der Karriere

Der Karriereberater und Buchautor Martin Wehrle weiß, warum dies Berufstätigen oft so schlecht gelingt: „Weil sie fürchten, im Ansehen zu sinken. Sie werden dafür bezahlt, Probleme für ihren Chef zu lösen – und nicht, ihm welche zu machen.“ Außerdem sehen sich viele Arbeitnehmer auch moralisch unter Druck: „Oft sind die Personaldecken so dünn, dass jeder denkt: ‚Wenn ich jetzt ablehne, bleibt es an einem Kollegen hängen.‘“

Doch das Ja-Sagen schafft neue Probleme: „Die Quote der Burnout-Kranken hat sich in sechs Jahren verelffacht. Heute hat niemand nur deswegen Feierabend, weil er nach Hause gegangen ist. Denn die neuen Medien sind wie trojanische Pferde: Sie schmuggeln die Arbeit hinter die Mauern des Privatlebens“, analysiert Wehrle. Er beschäftigt sich in seinem aktuellen Buch „Sei einzig, nicht artig“ mit dem Thema Nein-Sagen. „Wer seine Grenzen nicht definiert, hat keinen Feierabend mehr und arbeitet rund um die Uhr. Ein solcher Lebenslauf geht steil nach oben – aber dann kommt der große Knick und die Einweisung in die Burnout-Klinik.“

Nein ist eine Chefvokabel

Außerdem kann die ausgeprägte Bereitschaft zum Ja noch in anderer Weise der Karriere schaden: „Nein ist eine Chefvokabel! Nur wer sie beherrscht, kann in der ersten Karriereliga mitspielen“, betont Wehrle. Denn ein Chef muss zum Beispiel Rabattwünsche, Urlaubsanträge oder Gehaltsforderungen ablehnen können. „Wer Nein sagt, gibt damit zu erkennen, dass er Ja zu etwas Größerem sagt: zu konkreten Zielen, zu persönlichen Grundsätzen.“ Und genau das verschafft Respekt.

Gerade Frauen haben das Problem, dass ihnen das Nein-Sagen besonders schwer über die Lippen kommt: „Sie achten sehr auf Beziehungen. Deshalb fällt es ihnen auch schwerer, Bitten abzulehnen“, betont die Münchner Buchautorin Isabel Nitzsche, die auch als Business-Coach arbeitet. „Frauen leben eher in einer Geltungshierarchie: Es ist wichtig, bei anderen etwas zu gelten, akzeptiert und gemocht zu werden.“ Das sei bei Männern anders: „Sie leben in einer Dominanzhierarchie. Deshalb ist auch ihre Rangordnung bis zum nächsten Kampf stabil, im Gegensatz zur instabilen Geltungshierarchie.“

Frauen fällt ein Nein besonders schwer

Im beruflichen Alltag sieht das dann oft so aus: Während Mitarbeiterinnen fleißig jeden Auftrag abarbeiten, lassen die Männer schon mal etwas liegen oder delegieren es an Andere. Nitzsche: „Irgendwann stellen dann Frauen fest, dass jüngere Männer sie in Sachen Karriere überrunden, unterdessen sie sich ständig um den Kopierer kümmern.“ Das sei der Moment, an dem vielen Frauen dämmert, dass es Wichtigeres im Job gibt als Harmonie. Es ist der Respekt!

Wehrle hat selbst erlebt, wie sich das Wort Nein positiv auf seinen eigenen Berufsweg ausgewirkt hat: „Schon als Abiturient habe ich energisch Nein gesagt zur nächtlichen Abschiebung einer jugoslawischen Asylfamilie mit Kleinkindern“, berichtet der Karriereberater. „Dafür bin ich verklagt und von zwei Gerichten wegen angeblicher ‚Beleidigung‘ verurteilt worden – bis mich das Bundesverfassungsgericht unter Vorsitz von Roman Herzog freigesprochen hat.“ Damals hatte die Süddeutsche Zeitung ihm eine Seite-3-Reportage gewidmet. Das war für ihn einer der Gründe, warum er in den Journalismus gegangen ist. Ein anderes Mal hat er eine gut dotierte Stelle als Chefredakteur gekündigt, um Freiberufler zu werden. Im Vorfeld hatten ihm davon viele Freunde abgeraten. „Doch mein Nein zu diesen Bedenken hat sich gelohnt: Als Autor und Karriereberater habe ich meine wahre Erfüllung gefunden.“

Unentbehrlich für das Selbstmanagement

Auch die Berliner Kommunikationstrainerin Nandine Meyden weiß, dass das Wort Nein unentbehrlich für das Selbstmanagement ist. „Im Beruf wie im Privatleben muss sich jeder abgrenzen. Sonst übernimmt er zu viele Aufgaben und am Ende häufen sich die Fehler.“ Wer Arbeiten nicht termingerecht umsetze, schade seinem Image und wirke nicht professionell.

Das Ja-Sagen kann also großen Schaden anrichten … nicht nur für einen selbst, sondern auch für die Firma. Deshalb empfiehlt Nitzsche, den Ja-Automatismus auszuschalten. „Das heißt nicht, dass zum Beispiel Frauen ihre soziale Fähigkeiten total abtrainieren müssen.“ Aber der vorauseilende Gehorsam sei ein Problem. „Die Dosierung macht es. Sich mal um das Kopierpapier zu kümmern ist okay, aber nicht immer. Das gilt für Männer und Frauen“, betont Nitzsche. Wer auf die Frage ’Kannst Du mal eben‘ immer mit einen Ja reagiert, gilt eben nicht als durchsetzungsstark. „Zudem übernimmt so jemand häufig Aufgaben, die oft wenig Wertschätzung erfahren.“

Nein-Sagen lässt sich trainieren

Nitzsche trainiert in ihren Durchsetzungsseminaren für Frauen mit den Teilnehmerinnen, Nein zu sagen. „Das lässt sich trainieren, zum Beispiel im Rollenspiel. Oft klappt es nicht gleich beim ersten Mal“, berichtet die Businesstrainerin. Denn häufig drücken die Frauen sich anfangs unklar aus. Auch ihre Körperhaltung lässt zu wünschen übrig. Sie haben eine gebeugte Haltung oder neigen sich Ihrem Gegenüber zu stark zu. „Beim zweiten und dritten Mal ist das schon viel besser. Die Frauen sitzen oder stehen aufrecht und schauen geradewegs ins Gesicht ihres Gesprächspartners.“

Auch die Benimmtrainerin Marlies Smits aus Großhansdorf bei Hamburg rät notorischen Ja-Sagern, das Nein zu trainieren. „Es ist hilfreich, ablehnende Antworten im privaten Bereich zu üben. So kann man zum Beispiel an der Wursttheke auf 200 Gramm Schinken bestehen.“ Wer so handelt, lernt die Reaktion des Verkäufers auszuhalten. Er verliert die Angst vor negativen Emotionen.

Respekt und Wertschätzung zählen

„Jeder sollte sich klar machen, dass ein Ja nicht automatisch höflicher ist als ein Nein. Wer zum Beispiel ein Ja unwillig vor sich hinmurmelt, wirkt unfreundlicher als jemand, der wertschätzend Nein sagt“, erklärt Smits. Deshalb ihr Tipp: Dem Fragenden aufmerksam und respektvoll zuhören. Wenn aus der Frage nicht klar wird, welche Umfang die Arbeit hat, sollten Berufstätige nachhaken, wie viel Zeit die Hilfeleistung voraussichtlich in Anspruch nehmen wird.

Besonders heikel ist es natürlich, wenn ein Vorgesetzter zusätzliche Bitten an seinen Mitarbeiter richtet. Doch auch in diesem Fall ist sich Smits sicher: „Wer Zusatzaufgaben gut erledigen will, muss bei seinem Chef im Zweifelsfall nachfragen, wie dringend die Aufgabe zu erledigen ist oder ob Anderes warten soll.“ Erwartet die Führungskraft etwas Unmögliches, sollte der Betroffene das nicht einfach stillschweigend ertragen, sondern mit Fakten belegen, dass die Arbeit so nicht zu schaffen sei. „Auch ein Chef wird ein Nein akzeptieren oder sogar schätzen, wenn er sich darauf verlassen kann, dass die Qualität sichergestellt ist.“

Um Bedenkzeit bitten

Auf Kollegenebene empfiehlt Meyden ebenfalls eine kurze Begründung für die ablehnende Antwort. „Eine langatmige Rechtfertigung ist aber unpassend. Der Angefragte sollte einfach nur kurz eine Erklärung geben, dass er zum Beispiel einen Termin hat.“

Wer ungern Nein sagt, der kann sich durch das Erbitten von Bedenkzeit Luft verschaffen. Smits: „In diesem Fall reicht es aber nicht, den Fragenden auf eine unbestimmte Zeit zu vertrösten. Besser ist es, ihm einen ganz konkreten Zeitpunkt zu nennen, zu dem er eine Antwort erwarten kann. Und natürlich muss man sich an diese selbst gesetzte Deadline halten.“

Nach Lösungen im Interessenkonflikt suchen

So problematisch das Ja-Sagen auch ist … auch eine ausweichende Kommunikation – um etwa ein Nein zu vermeiden – ist im beruflichen Alltag ein echtes Problem. „Wenn Kollegen oder Vorgesetzte drum herumreden und ausweichen, ist die Angelegenheit nicht einfach vom Tisch. Ganz im Gegenteil: Meist eskaliert das Gespräch dadurch nur, weil der Anfragende weiter auf eine Antwort dringt“, betont Meyden. Sie empfiehlt deshalb beiden Seiten, möglichst lösungsorientiert an das Gespräch heranzugehen und proaktiv nach Wegen aus dem Interessenskonflikt zu suchen. Doch dafür braucht es eine klare Position. Und die ist immer vonnöten, um konstruktiv Ja oder Nein sagen zu können.

Tipps auf einen Blick:

  • Seien Sie vorsichtig bei allzu schnellen Zusagen! Überlegen Sie, ob Sie zu oft Ja sagen.
  • Bitten Sie sich Bedenkzeit aus und sagen Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt Ihre Entscheidung zu. Halten Sie sich an diese von Ihnen vorgegebene Deadline.
  • Wenn Sie eine Bitte abschlagen, sollten Sie das in einem höflichen und freundlichen Ton tun.
  • Auch gegenüber dem Chef kann das bloße Abnicken zum Problem werden. Deshalb ist es ratsam, bei zusätzlichen Aufträgen zu fragen, was man zuerst erledigen soll und welche Priorität einzelne Aufgaben haben.
  • Das Nein-Sagen lässt sich üben, zum Beispiel in Alltagssituationen.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Nein-Sagen gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Martin Wehrle: Sei einzig, nicht artig! So sagen Sie nie mehr ja, wenn Sie nein sagen wollen, 384 Seiten, Mosaik (München) 2015, E-Book: 11,99 Euro, Buch: 14,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Januar 2016)
(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Dual studieren: Das sind die Motive und Erfahrungen junger Leute

Duale Studiengänge sind attraktiv: Sie bieten die Möglichkeit, gleich zwei Abschlüsse zu erlangen … einen beruflichen und einen akademischen. So steigt die Zahl der Studienangebote kontinuierlich. Was bisher fehlte, waren wissenschaftliche Erkenntnisse über diese Studienform. Das „Institut Arbeit und Qualifikation“ (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen hat sich im Auftrag des Bundesforschungsministeriums des Themas angenommen. Die Forschungsergebnisse liegen jetzt in Buchform vor. Darüber sprach Anja Schreiber mit der Leiterin des Projektes Dr. Sirikit Krone.

Duale Studiengänge sind attraktiv.
Duale Studiengänge sind attraktiv.

Das duale Studium ist attraktiv: Es bietet zwei Abschlüsse und eine Finanzierung.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie sich das Angebot an dualen Studiengängen in den letzten Jahren entwickelt hat.
  • Warum das duale Studium für Schulabgänger so attraktiv ist.
  • Warum duale Studiengänge für Unternehmen interessant sind.
  • Wo die Probleme liegen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Was untersuchten Sie genau?

Wir führten an 20 Standorten im Rahmen von Fallstudien Experteninterviews mit Vertretern von Hochschulen, Betrieben, Berufsschulen sowie Industrie- und Handelskammern durch. Außerdem befragten wir 500 dual Studierende mittels Online-Fragebögen. Die Ergebnisse dieser Befragung waren die Grundlage für Gruppendiskussionen mit Hochschülern. Damit sind unsere Forschungsergebnisse zwar nicht repräsentativ, aber aussagekräftig, da sie auf einer breiten empirischen Grundlage basieren.

Das Angebot dualer Studiengänge hat sich verdreifacht

Wie entwickelte sich das duale Studium in den letzten Jahren?

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Angebot dualer Studiengänge verdreifacht auf aktuell etwa 1.500. Parallel dazu wuchs die Zahl der Studierenden und beteiligten Betriebe. In einigen Fächern erreicht der Anteil circa zehn Prozent des gesamten Studienangebotes. Mehr als zwei Drittel aller dualen Studiengänge liegen in den Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften … wobei das Fächerspektrum in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden ist. So kamen gesundheits- und pflegewissenschaftliche sowie frühpädagogische Angebote dazu. Über die Hälfte der Studiengänge sind an Hochschulen für angewandte Wissenschaften angesiedelt. Universitäten fungieren dagegen nur in Einzelfällen als Kooperationspartner. Dafür haben vermehrt private Hochschulen diesen Markt für sich entdeckt.

Dual studieren bedeutet einen ständigen Wechsel zwischen Hochschule und Betrieb. Wie sieht das konkret aus?

In unserer Studie zeigen wir, dass es eine Vielzahl verschiedener Konzepte gibt. Drei Organisationsformen haben sich etabliert, die Theorie und Praxis in unterschiedlicher Form verzahnen: Im Blockmodell wechseln die Studierenden die Lernorte in größeren Zeitabständen. So verbringen sie zum Beispiel die vorlesungsfreie Zeit im Betrieb. Das teilseparierte Modell ist in noch größeren Blöcken organisiert. Das bedeutet etwa, dass die Hochschüler im ersten Jahr komplett im Unternehmen sind. Im integrierten Modell dagegen findet ein permanenter Wechsel innerhalb einer Woche statt.

Motive für die Studienwahl: Bezahlung und Beschäftigungssicherheit

Wer studiert dual?

Überwiegend wählen junge Männer diese Studiengänge. Sie stammen zum größeren Teil nicht aus Akademikerfamilien. Wichtiges Motiv für die Studienwahl ist für sie die Bezahlung während des Studiums, aber auch die Beschäftigungssicherheit nach Studienende. Sie sind besonders leistungsstark und karriereorientiert. Auffällig ist zudem die hohe Zufriedenheit unter den Studierenden.

Was schätzen Hochschulen und Unternehmen am dualen Studienangebot?

Das Leitmotiv der Firmen ist die Nachwuchssicherung für die mittlere Führungsebene. Hinzu kommt der Vorteil, dass die Betriebe frühzeitig junge Menschen an sich binden können. Spätere Einarbeitungszeiten wie etwa bei anderen Hochschulabsolventen entfallen. Für die Hochschulen ist die Nachfrage der Wirtschaft entscheidend. Diese führt schließlich zur Einrichtung dualer Studiengänge.

Gleichzeitige Anforderungen im Studium und im Betrieb

Das hört sich alles sehr positiv an. Gibt es auch Schwierigkeiten?

Die inhaltliche und organisatorische Verknüpfung von Studium und Ausbildung führt in der Praxis immer wieder zu Problemen … zum Beispiel wenn sich Studierende auf Klausuren vorbereiten, aber gleichzeitig Anforderungen im Betrieb erfüllen müssen. Deshalb sind umfangreiche Abstimmungsprozesse zwischen Hochschulen und Unternehmen notwendig. Oft gibt es dazu aber noch keine Standards, sondern nur Einzelabsprachen. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHWB) geht mit gutem Beispiel voran. Sie schließt schriftliche Verträge mit ihren Kooperationspartnern, die etwa Urlaubszeiten und Anwesenheitspflichten genau regeln.

Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich regeln

Was raten Sie Schulabgängern, die sich für ein solches Studium interessieren?

Studierwillige sollten bei den zuständigen Studienberatungen nachfragen, ob die Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich geregelt ist. Das ist ein Zeichen für Mindeststandards bezüglich der Qualität in der gemeinsamen Ausbildung an zwei Lernorten.

Setzen Sie Ihre Forschung zu dem Thema fort?

Ja, wir arbeiten bereits an einem weiterführenden Forschungsprojekt. Es beschäftigt sich mit dem Verbleib der Absolventen dualer Studiengänge. Wir untersuchen die berufliche Entwicklung ehemaliger Studierender. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich im September 2017 vor.

Tipps auf einen Blick:

  • Schulabgänger und ihre Eltern sollten sich genau über die Rahmenbedingungen des dualen Studiums informieren.
  • Außerdem ist es wichtig, herauszufinden, ob diese Studienvariante überhaupt zum Studienbewerber passt.
  •  Bewerber sollten  unbedingt die Studienberatungen der entsprechenden Hochschulen aufsuchen und an „Tagen der offenen Tür“ teilnehmen, um die Hochschule kennenzulernen.
  • Es ist sinnvoll, bei den zuständigen Studienberatungen nachzufragen, ob die Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich geregelt ist.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Überlegen Sie, dual zu studieren?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem dualen Studium gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Sirikit Krone (Hrsg.): Dual Studieren im Blick. Entstehungsbedingungen, Interessenlagen und Umsetzungserfahrungen in dualen Studiengängen, 264 Seiten, Springer (Wiesbaden) 2015, 29,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juli 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Hochsensibilität im Beruf: Fluch und Segen zugleich

Sie reagieren extrem auf Geräusche, Gerüche und Licht. Wenn etwas im Team nicht stimmt, spüren sie es sofort … das alles zeichnet hochsensible Menschen aus. Im Arbeitsalltag kann das Fluch und Segen zugleich sein. Denn diese Kollegen sind sehr empathisch, wirken auf Außenstehende aber auch oft überempfindlich.

Hochsensibilität im Beruf: Eine Herausforderung.
Hochsensibilität im Beruf: Eine Herausforderung.

So wirkt sich Hochsensibilät im Arbeitsalltag aus

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was Hochsensibiltät ist.
  • Wie sich Hochsensibilität im Berufsalltag auswirkt.
  • Was Hochsensible tun können.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

„Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen sind hochsensibel oder hochsensitiv“, berichtet Ulrike Hensel, Buchautorin und Coach für Hochsensible aus dem Stuttgarter Raum. Sie betont, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist und kein therapiebedürftiger Zustand, sondern eine angeborene Variation, wie das Nervensystem reagiert. Zu den Merkmalen gehört zum Beispiel das intensive Empfinden von optischen oder akustischen Reizen und Gerüchen. Ein ausgeprägtes intuitives Denken, hohe Begeisterungsfähigkeit, Kreativität und psychosoziale Feinwahrnehmung zeichnen diese Personen ebenfalls aus. „Sie sind aber nicht zwangsläufig introvertiert oder gar schüchtern, auch wenn 70 Prozent als introvertiert gelten.“

Petra Overbek (Name von der Redaktion geändert) gehört zu diesen hochsensiblen Menschen. Schon in frühen Jahren war sie anders als ihre Altersgenossen. Sie fremdelte als Säugling deutlich öfter als andere. Als Jugendliche ging sie ungern auf Partys, sondern brauchte mehr Ruhezeiten. Auch im Berufsalltag stellte die ausgebildete Grafikdesignerin eine große Diskrepanz zwischen sich und ihren Kollegen fest: „Immer wieder höre ich Sätze wie ’Du bist zu sensibel‘ oder ‚Du musst Dich ändern‘“, berichtet Overbek. Den Ratschlag „sich ein dickeres Fell zuzulegen“ hört die heute 41-Jährige ständig.

Hochsensible sind leichter gestresst

Sie empfindet viele Alltagssituationen im Beruf so ganz anders ihre Kollegen. Wenn zwei oder drei im Büro miteinander reden, ist das für sie zu laut. Sie kann dann nicht konzentriert arbeiten. „Während sich in meinem Betrieb die meisten bei Gesprächen in der Mittagspause entspannen, ist das für mich total anstrengend. Und zum Schluss bräuchte ich eigentlich erst recht eine Auszeit“, erklärt Overbek.

Hensel weiß, dass Hochsensible durch die Art ihrer Wahrnehmung häufiger gestresst sind als andere Mitarbeiter. „Sie sind leichter reizbar und reagieren unter Umständen heftiger als der Durchschnitt“, so Hensel. „Gerade die empathischen Fähigkeiten führen bei diesen Personen dazu, dass sie Konflikte intensiver empfinden.“

Hin und wieder kommt es auch in Overbeks Berufsalltag zu Problemen. „Wenn ich etwas nicht verstehe, traue ich mich oft nicht nachzufragen.  Aus Angst vor Ablehnung bin ich in Konferenzen viel zu zurückhaltend. So können Fehler entstehen.“ Von ihrem Chef hört sie dann: „Wehr Dich, frag nach, sag etwas!“

Hochsensitivität hat viele Vorteile

Overbek erlebt ihre Hochsensibilität aber keineswegs nur als Problem, sondern sie weiß auch um ihre Vorteile. Wie viele Hochsensible ist sie kreativ. Darum hat sie sich auch für den Beruf der Grafikdesignerin entschieden. Außerdem ist sie sozial sehr kompetent: „Immer wieder haben mir Kollegen und Vorgesetzte bestätigt, dass die Stimmung besser wird, wenn ich den Raum betrete. Scheinbar strahle ich eine Ruhe aus, die sich auf alle überträgt.“ Zudem erlebt Overbek häufig, dass Unternehmensmitarbeiter zu ihr kommen, wenn sie Probleme haben.

Auch Anne Heintze, Buchautorin und Leiterin der OpenMind-Akademie in München, bestätigt: „Hochsensible sind sehr empathisch und kreativ. Deshalb finden sie sich häufig in sozialen Berufen wieder, aber auch im Marketing und Coaching.

Empathisch und kreativ

Hensel sieht die Stärken dieser Personengruppen zudem im analytischen Bereich: „Besonders ausgeprägt ist das konzeptionelle und kritische Denken. Viele arbeiten deshalb in Wissenschaft und Forschung.“ Allerdings brauchen diese Berufstätigen die Möglichkeit, sich zurückzuziehe

„Ständiger Kundenkontakt kann leicht zur Überforderung führen“, berichtet Birgit Trappmann-Korr, Psychologin und Coach für Hochsensitive und Hochbegabte aus Rheinberg. Eine therapeutische Tätigkeit kommt diesen Menschen dagegen sehr entgegen, da es sich um eine intensive Eins-zu-Eins-Situation handelt.“ Geeignet sei zudem eine Selbstständigkeit. Denn diese erlaubt Berufstätigen, ihren Arbeitsalltag eigenständig zu gestalten.„Hochsensible brauchen mehr Ruhe. Nur so können sie ihre Batterien wieder aufladen. Deshalb ist ein Homeoffice ebenfalls eine gute Lösung.“

Berufwahl und Hochsensibilität

Doch um den richtigen Beruf wählen zu können, der zu den eigenen Anlagen passt, müssen Menschen erst einmal ihre Besonderheiten kennen. Auch Petra Overbek hatte lange keinen Schimmer von ihrer Veranlagung. Erst vor wenigen Jahren fand sie das heraus. „Vorher hatte ich immer das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen.“ Inzwischen akzeptiert sie sich so, wie sie ist. „Ich gönne mir heute mehr Ruhepausen und ziehe mich öfter mal von den Kollegen zurück“, berichtet Overbek. So kommt sie seltener mit in die Kantine, sondern verbringt die Pausen auch mal alleine. Manchmal verlässt sie das Büro, geht auf die Toilette, um dort für einige Minuten Ruhe zu tanken. Dort macht sie kurze Entspannungsübungen. Das hilft. Um nicht stigmatisiert zu werden oder auf Unverständnis zu stoßen, möchte sie von ihrer Hochsensibilität im Kollegenkreis aber lieber nicht erzählen.

Das können Hochsensible tun: Sich und Andere verstehen

Auch Trappmann-Korr bestätigt, dass die meisten „Betroffenen“ erst nach vielen Lebensjahren ihre Disposition erkennen. „Wenn die Menschen zu mir kommen, haben sie sich meist schon eingelesen oder im Internet recherchiert. Sie treibt oft der Wunsch an, alles noch einmal im Dialog zu klären.“

Für Hochsensible ist es ganz wichtig, ihre Veranlagung zu entdecken. „Viele meiner Klienten erleben es als Erleichterung, wenn sie erfahren, dass sie eben nicht krank sind“, betont Heintze. Mit diesem Wissen verstehen sie sich und die Reaktionen ihrer Umwelt besser. „Ihnen wird klar, dass die Kollegen oder Chefs ihnen gar nichts Böses wollen, sondern lediglich die Dinge anders wahrnehmen.“

Das hilft hochsensiblen Menschen

Wer um sich selbst weiß, schafft es auch eher, für sich zu sorgen. „Ein Hochsensibler sollte in stressigen Situationen Distanz schaffen, indem er zum Beispiel diese in Richtung Kopierer verlässt“, so Heintze. Als Alternative zum kraftzehrenden Plausch in der Kantine könnte er etwa einen Spaziergang unternehmen. „Was ‚Betroffenen‘ gut tut, wissen sie in der Regel selbst am Besten. Denn sie haben viel Intuition.“

Trappmann-Korr betont: „Hochsensitive sollten erkennen, wer sie sind und was sie brauchen, damit es ihnen gut geht.“ Sie hat oft festgestellt, dass ihre Klienten sich mehr um Kollegen, Freunde und Familie kümmern als um sich selbst. Das sei aber gerade problematisch. Denn es führe oft zu psychosomatischen Stressreaktionen wie Verspannungen, Kopfschmerzen oder Herz-Kreislauf-Problemen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt sie ’Betroffenen‘, zu den an sie herangetragenen Wünschen auch mal nein zu sagen.

Richtig die eigenen Bedürfnisse kommunizieren

Zur Selbstfürsorge gehört die Kommunikation. Schließlich sollten Hochsensible nicht still vor sich hinleiden, wenn ihnen beispielsweise die Geräuschkulisse im Büro zu laut ist. Hensel: „Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg hat sich dafür als besonders hilfreich erwiesen. Denn sie stößt den Gesprächspartner nicht vor den Kopf, sondern macht auf die eigenen Empfindungen, Bedürfnisse und Wünsche aufmerksam.“

Die Selbstfürsorge im Beruf kann sehr unterschiedlich aussehen. Hensel: „Manchmal reicht es schon, morgens früher als die Kollegen anzufangen, um so in den ersten Stunden in Ruhe arbeiten zu können. Manchmal ist vielleicht auch ein Jobwechsel notwendig.

Tipps auf einen Blick:

  • Oft erleben sich Hochsensible als defizitär. Doch ihre Veranlagung hat auch im Beruf viele Vorteile.
  • Wichtig ist deshalb, einen Beruf auszuwählen oder einen Job zu suchen, der zu den eigenen Stärken passt.
  • Damit Hochsensible das tun können, müssen sie sich ihrer Veranlagung bewusst werden und zuvor über das Thema Hochsensibilität recherchieren.
  • Wer seine Veranlagung kennt, sollte für sich sorgen und auf seine Bedürfnisse achten.
  • Oft ist es hilfreich, zu Menschen und Situationen Distanz zu schaffen.
  • Wichtig ist es auch, über die eigenen Bedürfnisse klug zu kommunizieren, z.B. mit der Gewaltfreien Kommunikation.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Sind Sie hochsensibel?
  • Haben Sie die im Artikel beschriebenen Symptome?
  • Welche Erfahrungen haben Sie als hochsensibler Mensch im Beruf gemacht?
  • Welche Probleme haben Sie und wie sehen Ihre Lösungsansätze aus?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie es in die Kommentare! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlungen:

Ulrike Hensel: Mit viel Feingefühl – Hochsensibilität verstehen und wertschätzen. Einblicke in ein gar nicht so seltenes Phänomen, Junfermann (Paderborn) 2013, 240 Seiten, broschiert: 22,90 Euro, E-Book: 19,99 Euro.

Anne Heintze: Ich spüre was, was du nicht spürst. Wie Hochsensible ihre Kraftquellen entdecken, Gräfe und Unzer (München) 2015, 128 Seiten, gebunden: 12,99 Euro, E-Book: 10,99 Euro.

Birgit Trappmann-Korr: Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal. Leben zwischen Hochbegabung und Reizüberflutung, VAK Verlag (Kirchzarten bei Freiburg) 2014, 336 Seiten, broschiert: 18,95 Euro.

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)