Antipathie überwinden: Im Job mit schwierigen Menschen umgehen

Zu laut, mürrisch oder arrogant: Es gibt viele Gründe, warum Kollegen unsympathisch wirken können. Manch ein Berufstätiger entwickelt eine regelrechte Antipathie gegenüber anderen Teammitgliedern. Doch diese Gefühlsregung kann im Job zum Problem werden. Denn statt sich voll auf die Arbeit zu konzentrieren, führen einige einen Kleinkrieg gegen den Unsympathen. Das ist riskant, schließlich steht das soziale Image auf dem Spiel. Besser er ist es, die Abneigung zu überwinden und konstruktiv nach einer Lösung zu suchen.

Antipathie überwinden: Im Job mit schwieriegen Menschen umgehen.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Antipathien entstehen.
  • Warum Antipathie im Beruf problematisch ist.
  • Wie Sie Antipathie überwinden können.
  • Linkempfehlungen.

Wie Sie Abneigung gegen Menschen erfolgreich bekämpfen

„Mit unseren Kollegen verbringen wir oft mehr Zeit als mit unserem Partner“, erklärt Karrierecoach Jessica Wahl aus Berlin. Deshalb hat ein gestörtes Verhältnis zum Büronachbarn einen großen Einfluss auf den Job. „Wer Antipathien gegen Teammitgliedern oder Chefs hegt, fühlt sich oft blockiert. Er kann sich nicht mehr voll auf seine Aufgaben konzentrieren.“

Außerdem verändert Antipathie das menschliche Verhalten: „So ein Mitarbeiter wird durch seine Körperhaltung deutlich machen, dass er den Betreffenden nicht mag. Er wird zum Beispiel kopfschütteln, abfällig lächeln oder dem anderen ins Wort fallen“, so Wahl. Dieses unbewusste Benehmen führe dann oft zu Konflikten.

Antipathie wirkt sich negativ auf das Betriebsklima aus

Auch Buchautorin und Coach Dr. Sylvia Löhken aus Bonn weiß, dass Antipathie im beruflichen Kontext schadet: „In Unternehmen gibt es die Erwartung, dass die Mitarbeiter flexibel und erfolgreich zusammenarbeiten. Sind aber die Beziehungen untereinander gestört, laufen meist auch die Projekte nicht gut.“ Abneigungen können sogar regelrecht hinderlich für die Karriere sein.

„Wenn ein Chef mitbekommt, dass ein Teammitglied Aversionen zeigt, wird er diesen sicherlich nicht für besonders teamfähig halten“, so Löhken. Deshalb ist sie davon überzeugt, dass sich so jemand unter Wert verkauft und Nachteile im Job befürchten muss. Sich selbst gegenüber erweist so ein Mitarbeiter ebenfalls einen Bärendienst: „Wer Antipathie auslebt, fühlt sich schlecht und senkt dadurch seine Lebensqualität.“

Gründe für Antipathie

Die Gründe für Antipathien können sehr unterschiedlich sein. Oft sind es Kleinigkeiten: „Manchmal ist es nur die Stimme des Büronachbarn, die nervt“, berichtet Wahl. Ein mürrisches Auftreten oder Wortkargheit kann Teammitglieder genauso stören wie Redseligkeit oder Besserwisserei.

Sympathie oder Antipathie entsteht schon beim Kennenlernen, betont Dr. Gerd Reimann, Geschäftsführer der Gideon Wirtschaftspsychologen aus Potsdam: „Die erste Zehntelsekunde entscheidet darüber, welches Bild wir uns vom anderen machen.“ Wer den Blickkontakt verweigert oder sich im Gespräch wegdreht, wirkt zum Beispiel auf das Gegenüber meist unsympathisch.

Wie Sympathie entsteht

„Wir Menschen sind eigentlich der Überzeugung, dass die Welt ein besserer Ort wäre, wenn alle so wären wie wir selbst“, erklärt Löhken. Sie hat sich als Coach auf Introvertierte spezialisiert und weiß, dass Sympathie in der Regel mit Gemeinsamkeiten einhergeht. „Wenn zwei ein ähnliches Weltbild haben, mögen sie sich häufig.“

Genauso funktioniert es auch in der anderen Richtung: „Jemand, der ordentlich und penibel ist, wird sich höchstwahrscheinlich darüber aufregen, wenn sein Büronachbar die Pizzareste in die Computertastatur krümelt“, so Löhken. Der Hintergrund für den Ärger kann zum Beispiel in der Vergangenheit des Mitarbeiters liegen. „Vielleicht würde dieser Kollege gerne auch krümeln, aber seine Eltern haben ihm strikte Ordnung anerzogen.“

Wahl sieht Neid als weiteren Auslöser für Antipathie: „Manche Menschen stört es, wenn andere im Mittelpunkt stehen und im wahrsten Sinne des Wortes viel Raum einnehmen. Dabei wünschen sie sich selbst mehr Beachtung.“

Unterschied zwischen Frauen und Männern

Businesscoach Isabel Nitzsche aus München erkennt Unterschiede zwischen den Geschlechtern: „Frauen haben meist einen höheren Anspruch an zwischenmenschliche Beziehungen. Das gilt auch für den Job. Deshalb stört sie es mehr, wenn ihnen jemand unsympathisch ist.“ Männer hätten geringere Erwartungen an ein kollegiales Verhältnis. Das mache sie in diesem Punkt toleranter. „Übrigens sind die meisten Menschen gegenüber Kunden wesentlich aufgeschlossener als gegenüber Kollegen.“

Nitzsche beobachtet noch ein weiteres Phänomen: „Mitarbeiter, die unter Druck stehen, entwickeln öfter Abneigungen als solche, die in einem entspannten Umfeld arbeiten.“

So überwinden Sie Antipathie

Doch niemand muss sein Verhalten von Antipathien diktieren lassen, so Nitzsche. „Berufstätige sollten erst einmal freundlich sein … auch gegenüber unsympathischen Menschen. Selbst wenn der Gesprächspartner diese Freundlichkeit nicht sofort erwidert, ist es wichtig, weiter auf ihn zuzugehen und sich nicht zurückzuziehen. Denn das wirkt langfristig.“ Zwar dauere es bei dem einem Kollegen länger als bei dem anderen. Doch auf Dauer könne sich niemand einer positiven Ausstrahlung entziehen.

Um die Antipathie zu überwinden, empfiehlt Reimann, den ersten Eindruck zu relativieren: „Berufstätige sollten sich ihrer selektiven Wahrnehmung bewusst werden und die Gesamtpersönlichkeit des vermeintlich unsympathischen Teammitgliedes betrachten.“ Dabei geht es nicht so sehr um die Schwachstellen, sondern um die Fähigkeiten und positiven Charaktereigenschaften. „Es kann zum Beispiel sein, dass dieser Kollege andere im Team bei ihrer Arbeit unterstützt.“

Das Positive sehen

Auch Löhken rät zur Denkdisziplin. Ihr Tipp: Sich fünf bis zehn positive Eigenschaften überlegen, die den scheinbar abstoßenden Menschen ausmachen. „Wer das macht, verändert seine Wahrnehmung und ist nicht mehr Beute der eigenen negativen Impulse.“ Es macht also Sinn, die Perspektive zu wechseln. „Jeder kennt Typen, die er grundsätzlich nicht mag“, so Löhken. „Wichtig ist es, trotzdem auf diese Menschen zuzugehen und sich eine Grundneugier auf andere zu erhalten.“ So sollten sich zum Beispiel Berufstätige bei Netzwerktreffen auch mit dem Menschentyp unterhalten, der ihnen am wenigsten liegt. Denn vielleicht kann gerade dieser Kontakt künftig wichtig werden.

Da oft kleine Verhaltensweisen Antipathien auslösen, sollten sich Berufstätige klar machen, dass unsympathisches Benehmen viele Gründe haben kann. „Eventuell ist jemand selbst unsicher oder hat schlecht geschlafen. Vielleicht kneift ein Mitarbeiter deshalb immer die Augen zu, weil er an Sehproblemen leidet“, so Wahl. Es muss nicht unbedingt Abneigung sein, die Menschen veranlasst, unfreundlich zu wirken.

Vorsicht beim Thematisieren von Problemen

Stört einem Mitarbeiter das Verhalten eines Kollegen so sehr, dass darunter die Arbeit leidet, sollte der Betroffene allerdings das Gespräch suchen. Reimann: „Dabei kann ein Berufstätiger aber viel falsch machen. So darf er niemals den anderen verurteilen, sondern sollte sogenannte Ich-Botschaften senden.“ Es geht also darum, die eigene Befindlichkeit auszusprechen. Sein Tipp: Jeden Appell unterlassen und stattdessen eine gemeinsame Zielstellung erarbeiten.

Manchmal ist ein konstruktives Zweier-Gespräch allerdings nicht mehr möglich. Dann braucht es einen Moderator. „Das kann aber nur funktionieren, wenn der Dritte wirklich neutral ist und keine Partei ergreift“, erklärt Reimann. Im Zweifelsfall sollten Unternehmen dafür auf einen externen Dienstleister zurückgreifen.

Insbesondere wenn Mitarbeiter erleben müssen, dass ihre Kollegen Grenzen überschreiten wie bei einem sexuellen Übergriff, rät Reimann dringend dazu, die Sache nicht auf sich beruhen zu lassen. „In so einem Fall müssen sich  Mitarbeiter unbedingt Unterstützung holen.“

Fragen an Sie:

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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2017)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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