Wie Sie erfolgreich Entscheidungen im Beruf fällen

Ob Kündigung oder Berufswechsel: Weitreichende Entscheidungen fallen den meisten Berufstätigen schwer. Der eine Arbeitnehmer hat Angst vor den Risiken, die mit einem Jobwechsel verbunden sind. Ein anderer Mitarbeiter scheut sich, seinem Chef zu widersprechen, weil er Nachteile befürchtet … auch wenn er unter der Situation leidet. In der Sorge, Fehler zu machen, schieben viele Berufstätige notwendige Entschlüsse vor sich her. Aber das ist häufig keine Lösung! Denn ein Problem zu vertagen kann es sogar noch verschärfen. Andererseits führen bewusste und reflektierte Entscheidungen zu mehr Zufriedenheit im Job.

Entscheiden-im-Beruf-AnjaSchreiber

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Studierende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum Entscheidungen für Berufstätige so schwer sind.
  • Wie Sie zu tragfähigen Entscheidungen kommen.
  • Was bei Entschlüssen hilft und was nicht.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

Tipps für gute Entscheidungen im Berufsalltag

Die 41-jährige Berlinerin Jana Mickel hat in ihrem Arbeitsleben schon zweimal den Beruf gewechselt. „Heute bin ich glücklich mit meinen Entscheidungen!“ Zuerst studierte sie Sozialpädagogik. „In dieser Zeit wurde mir bewusst, dass dies noch nicht der passende berufliche Weg für mich ist. Gerade in Berlin ist die Tätigkeit der sozialen Arbeit eine Herausforderung.“ Deshalb suchte sie nach dem Hochschulabschluss intensiv nach einer Alternative. Schließlich machte sie eine Ausbildung zur Buchhändlerin. „Bei dieser Wahl hatte ich ein gutes Gefühl. Damit bin ich auch zurückgekehrt zu meinen Wurzeln, denn ich komme aus einer Buchhändlerfamilie.“

Zwölf Jahre lang arbeitete Mickel in einer großen Buchhandlung. Doch sie spürte noch eine weitere Berufung: Den Wunsch, Menschen bei ihren individuellen Wachstumsprozessen zu unterstützen. Auch dieser Spur ging sie nach: „Ich absolvierte nebenberuflich eine Coachingausbildung. Daraufhin benannte mich die Geschäftsführung zur Mobbing- und Gleichstellungsbeauftragten“, so Mickel. Sieben Jahre übte sie diese ehrenamtliche Tätigkeit aus. Ihre Kollegen wählten sie zudem zur Betriebsrätin. Immer öfter übernahm sie die Aufgabe einer Mediatorin, zu der sie sich daraufhin ebenfalls ausbilden ließ. Vor wenigen Monaten kündigte sie ihre Festanstellung als Buchhändlerin und machte sich als Intuitionscoach und Mediatorin selbstständig. Auch dieses Mal zeigte ihr die „innere Stimme“ den Weg.

Auf die innere Stimme hören und Erfahrungen sammeln

„Ich bin dem Ruf gefolgt, indem ich mich intensiv mit meiner Berufung auseinandergesetzt habe“, berichtet Mickel. Sie empfiehlt ihren Klienten, die vor einer Entscheidung stehen, zuerst auf ihre innere Stimme zu hören. „Und dann ist es wichtig, in die Handlung zu kommen, um Erfahrungswissen zu sammeln. Dies kann zum Beispiel bedeuten, eine Weiterbildung zu absolvieren.“
Die praktischen Erfahrungen helfen Berufstätigen konkret, eine für sie passende Wahl zu treffen. „Ich habe zum Beispiel so lange nebenberuflich als Coach gearbeitet, bis ich mir sicher war, dass diese Tätigkeit für mich auch hauptberuflich infrage kommt. Erst dann kündigte ich. Für mich war das der Weg, immer selbstsicherer zu werden!“, betont Mickel.

Doch viele hadern mit der Herausforderung, die richtige Wahl zu treffen. „Tatsächlich fällt das Entscheiden Menschen oft schwer. Der Grund: Wer sich entscheidet, legt sich fest“, erklärt der Münchner Dr. Matthias Nöllke, Autor des Buches „Entscheidungen treffen: Schnell, sicher, richtig“. Stehen einem zuvor zahlreiche Türen offen, schließt man mit einer Entscheidung alle Türen bis auf eine. „Viele haben die Befürchtung, dass hinter einer anderen Tür eine bessere Lösung steckt. Deshalb zögern sie so lange wie möglich – oder legen sich überhaupt nicht fest.“ Doch das sei meist das Schlechteste, was jemand tun könne. „Wer übervorsichtig agiert und sich nicht traut, muss damit rechnen, dass andere für ihn entscheiden.“

Entschlussfähigkeit als Schlüssel zum Erfolg

Auch der Kölner Unternehmensberater und Coach Peter Holzer betont: „Die Fähigkeit, Entschlüsse zu fassen, ist die halbe Miete für den beruflichen Erfolg!“ Allerdings ist ihm auch klar: „Entscheidungen sind immer ambivalent. Es gibt keine perfekten Entschlüsse, weil niemand in die Zukunft sehen kann.“ Deshalb sei es nur möglich, nach bestem Wissen und Gewissen zu handeln.

„Jede Wahl bringt Schmerzen mit sich. Immer ist ein Preis zu zahlen“, erklärt Holzer. „Wer zum Beispiel den Job wechselt, der kann auch scheitern. Vielleicht hat er die Sorge, was die anderen dann denken. Oder ihn belasten finanzielle Verbindlichkeiten, denen er im schlimmsten Fall nicht mehr nachkommen kann.“ Das alles verursache negative Gefühle.

Raus aus der Komfortzone

Dabei stellt der Unternehmensberater und Buchautor Holzer fest: „Viele Berufstätige haben nicht den Mut, sich diesen Schmerzen zu stellen. Stattdessen bleiben sie lieber in ihrer Komfortzone.“ Aber genau so ein Verhalten werde beruflich zum Problem: „Wer nur in der Mitte seiner Komfortzone verweilt, für den schrumpft diese.“ Konkret kann das bedeuten, dass sich jemand immer weniger in der Lage fühlt, selbstständig zu handeln. Dadurch werden sogar kleine Entscheidungen schwierig. So setzt ein Mitarbeiter zum Beispiel viel zu viele Leute in „CC“, nur um keinen Fehler zu machen.

Andererseits hat Holzer auch eine gute Nachricht: „Wer durch den Schmerz hindurchgeht, der erlebt das als Stärkung.“ Es wird ihm also in Zukunft leichter fallen, die eine oder andere Option zu wählen. „So jemandem ist es möglich, auf die innere Stimme zu hören und sein eigenes Leben zu leben.“

Zusätzliche Alternativen helfen

Nöllke weiß, dass Menschen oft nur darüber entscheiden, etwas entweder tun oder bleiben zu lassen. „Zusätzlich sollte noch eine echte Alternative ins Spiel kommen: Die Entschlüsse werden besser, wenn jemand zwischen zwei bis drei unterschiedlichen Lösungen auswählen kann.“

Nöllke benennt einen weiteren Irrtum: „Viele Leute sind überzeugt, dass ihre Entscheidungen besser werden, je mehr Informationen sie einholen und je mehr Experten sie befragen. Das stimmt jedoch nicht.“ Zwar sei es sinnvoll, relevante Fakten zusammentragen. Zu viele Informationen verschlechtern aber die Entscheidung.

Nöllkes Tipp: Berufstätige sollten erst einmal klären, worum es überhaupt geht. „Was genau wollen sie entscheiden?“ Im nächsten Schritt macht es Sinn, die eigenen Ziele zu definieren. Danach sollte der Entscheidungswillige verschiedenen Optionen entwickeln.

Pro- und Contra-Liste

Die Diplom-Psychologin Kerstin Till aus Berlin empfiehlt, zur Vorbereitung von Entscheidungen eine Pro- und Contra-Liste zu erstellen. Wer zum Beispiel den Job wechseln will, sollte sich fragen: Was spricht dafür, was dagegen? Was ist noch unklar? Was muss zunächst getan werden?

Allerdings sieht Till bei vielen Berufstätigen die Gefahr, dass diese ihre Entschlüsse davon abhängig machen, was andere sagen. „Natürlich kann man Informationen aus dem eigenen Umfeld nutzen. Doch braucht man dafür ein eigenes Bewertungssystem.“ Denn wer die Tipps anderer ungefiltert übernimmt, entscheidet nicht mehr selbst. Das ist etwa der Fall, wenn jemand dem Ratschlag einer guten Freundin nachkommt, nur um die Beziehung zu ihr nicht zu gefährden. Deshalb rät Till, Personen mit leichten Formen der Autismus-Spektrums-Störung zu beobachten. Denn Autismus bringt Veränderungen der Personenwahrnehmung und sozialen Kommunikation mit sich: „Diese Menschen entscheiden streng analytisch. Emotionen wie beispielsweise die Furcht, andere zu enttäuschen, spielen keine Rolle.“

Entscheidungsfähigkeit trainieren

Till weiß, dass Berufstätige ihre Entscheidungsfähigkeit trainieren können. „Es ist hilfreich, sich darüber klar zu werden, dass jeder ständig Entscheidungen trifft, sind sie auch noch so klein.“ So entschließt sich vielleicht ein Mitarbeiter, nicht zum Bus zu rennen und sich lieber etwas zu verspäten, um nicht verschwitzt ins Meeting zu kommen. „Wer über diese Mikroentscheidungen reflektiert, wird herausfinden, wie gut er im Alltag funktioniert.“ Das kann ihm Mut machen. Es ist auch ein Zeichen positiver Selbstwirksamkeitserwartungen. Er vertraut sich und „weiß“ intuitiv, dass er die anstehende Situation meistern kann. Andererseits wird ihm auch deutlich, in welchen Situationen er kein gutes Gefühl hatte und dass dieses Gefühl ihn meist nicht täuschte. Till empfiehlt, ehrlich mit sich zu sein und ist sich sicher: Die innere Stimme gibt häufig klare Entscheidungshilfen, wenn die Menschen bereit sind, auf diese zu hören.

Fragen an Sie:

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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlungen:

  • Matthias Nöllke: Entscheidungen treffen: Schnell, sicher, richtig. Rudolf Haufe Verlag, Planegg  2015, Taschenbuch: 7,95  Euro, E-Book: 3,99 Euro.
  • Peter Holzer: Mut braucht eine Stimme: Wie Sie Ihrem Leben Wirkung geben.Gabal Verlag, Offenbach 2017, ebundene Ausgabe: 25,00 Euro,  E-Book: 20,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, 2017)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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