Berufseinstieg in die Filmbranche: Von der Aushilfe zum Traumberuf

Ob vor oder hinter der Kamera: Die Filmindustrie übt einen ganz besonderen Zauber aus. Gerade die Hauptstadt ist als Drehort beliebt und bietet zahlreiche Jobs. Die Arbeitsbedingungen unterscheiden sich stark von denen anderer Branchen: Sehr intensive Arbeitsphasen während des Drehs wechseln sich mit Leerläufen zwischen den Projekten ab.

Berufseinstieg in die Filmbranche: Von der Aushilfe zum Traumberuf

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Studierende, Berufseinsteiger und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie der Berufseinstieg in die Filmbranche gelingt.
  • Mit welchen Rahmenbedingungen Berufseinsteiger in der Filmindustrie rechnen müssen.
  • Wie der Arbeitsalltag am Set aussieht.
  • Wie Karrieren beim Film verlaufen.
  • Linkempfehlungen.

„Deutschland ist für internationale Filmproduktionen sehr attraktiv. Das gilt besonders für Berlin“, berichtet Kathlen Eggerling von connexx.av, dem ver.di-Netzwerk für Filmschaffende. „Denn es hat sich herumgesprochen, dass es hier eine hervorragende Infrastruktur, gute Locations und ausgezeichnet ausgebildete Mitarbeiter gibt.“ Das hat Auswirkung auf den Arbeitsmarkt: „Vielen Jobs stehen viele Arbeitskräfte gegenüber.“

In Berlin und Babelsberg bieten gleich mehrere Hochschulen branchenspezifische Studiengänge an … etwa die Universität der Künste, die Filmuniversität Babelsberg oder die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Das Studienangebot reicht vom Schauspiel über Bühnen- und Kostümbild bis hin zu Kamera und Regie.

Am Filmset arbeiten

Der 31-jährige Julian Walther (Name von der Redaktion geändert) ist Tonassistent und Tonmeister: „Ich arbeite ‚where the magic happens‘, wo also die Magie entsteht. Gerade als Tonassistent bin ich unglaublich nah dran.“ Walthers Aufgabe ist es, „den Ton zu angeln“: Er hält dabei die sogenannte „Angel“, an deren Ende sich ein Mikrofon befindet. Damit nimmt er die Gespräche der Darsteller auf, ohne jedoch mit dem Mikro im Bild zu sein. „Das ist eine sehr schöne, aber auch körperlich belastende Tätigkeit, weil ich stundenlang über Kopf arbeite.“

Walther weiß die interessanten Seiten seines Berufes zu schätzen: „Bei uns gibt es keine Routine, denn wir drehen an immer anderen Orten. Dabei sehe ich reizvolle Locations, die andere Menschen nie zu Gesicht bekommen. Das sind Fabrikhallen, verlassene Gemäuer oder Naturschutzgebiete.“ Natürlich sind Filmschaffende in ganz Deutschland und europaweit unterwegs.

Seinen Berufsweg startete Walther mit einem Bachelorstudium zum Tonmeister. „Zuerst wollte ich in die Musikbranche. Doch die Jobchancen als Tonmeister sind dort schlecht.“ Deshalb hat er seine Filmleidenschaft zu seinem Beruf gemacht. „Ich war schon immer Cineast.“

Praxiserfahrung zählt: Hochschulstudium und Aushilfe

Der Werdegang des Tonassistenten ist sehr typisch für die Filmbranche: „Der größte Teil der Beschäftigten in der Filmindustrie hat einen Hochschulabschluss“, berichtet Eggerling. Auch Quereinsteiger seien meist Akademiker. „Es zählt aber vor allem die Praxiserfahrung. Deshalb beginnen viele Berufseinsteiger als Aushilfe oder Set-Runner.“ Auch wer ein Studium absolviert hat, startet in der Regel mit Assistenzjobs.

Quereinstieg möglich

Die meisten Studiengänge in unserer Branche sind relativ neu. Sie bieten aber keineswegs die einzige Möglichkeit, um beim Film einzusteigen“, betont Thomas Petersen, Pressechef der Ziegler Film GmbH. „Noch immer kann es ein Produktionsfahrer bis zum Herstellungsleiter schaffen.“ Dieser ist als kaufmännischer Leiter für den Gesamtetat des Filmprojekts verantwortlich. „Bei uns zählt nicht nur das Fachwissen, sondern die Kreativität und die Fähigkeit, Probleme zu lösen.“

Auch Fachkräfte aus anderen Wirtschaftszweigen arbeiten in den Produktionsfirmen: „Steuerfachangestellte sind aufgrund Ihrer Vorbildung zum Beispiel als Filmgeschäftsführer in der Regel gut geeignet. Sie sind für die finanzielle Abwicklung einer Produktion zuständig.“ Aktuell seien in der Branche besonders diese Filmgeschäftsführer gefragt. „Auch sonst gestaltet sich die Suche nach gutem Personal für Film- und Fernsehproduktionen nicht einfach. Denn in Berlin wird viel gedreht.“

Nur wenige sind dauerhaft beschäftigt

Eggerling kennt die Bedingungen, unter denen Filme entstehen: „Nur ein ganz kleiner Stab ist dauerhaft bei den Produktionsfirmen unter Vertrag. Die allermeisten arbeiten zwar auf Lohnsteuerkarte, werden aber nur tage- oder wochenweise angestellt.“ Diese besondere Form der Beschäftigung hat seine Nachteile: „Es ist für Filmschaffende schwer bis unmöglich, so viele sozialversicherungspflichtige Tage anzusammeln, dass sie Arbeitslosengeld I erhalten können.“

Einerseits gibt es Zeiten des Leerlaufs. Andererseits ist während der Arbeitsphasen die Arbeitsbelastung am Set enorm: „Die Arbeitstage dauern häufig länger als zwölf Stunden. In dieser Zeit existiert so gut wie kein Privatleben“, berichtet Eggerling. Die Filmbranche sei grundsätzlich nicht familienfreundlich.

Arbeitszeiten sind „Beziehungskiller“

Walther: „Wir arbeiten eigentlich immer 50 Stunden die Woche. Aber meistens sind es mehr. Es können auch schon mal 67 Stunden sein.“ Die extrem langen Drehtage bleiben nicht folgenlos: „Diese Arbeitszeiten sind ein Beziehungskiller. Das habe ich selbst erlebt.“ Dazu kommt die Unplanbarkeit der Beschäftigung: „Ich weiß maximal, was ich in den nächsten Wochen machen werde, aber nicht, wie der Rest des Jahres aussieht.“ Da die meisten Jobs über Empfehlungen vergeben werden, kann es sein, dass Walther einen spontanen Anruf erhält und dann kurzfristig irgendwo einspringt.

„Wer ans Set will, muss sich klar sein, dass dies harte Arbeit ist. Denn wir drehen auch bei tiefen Minusgraden stundenlang draußen“, berichtet Petersen. Gerade Set-Runner und Praktikanten müssten jede Aufgabe übernehmen. „Wenn zum Beispiel Milch für den Kaffee fehlt, dann geht ein Praktikant schon mal in den nächsten Supermarkt einkaufen.“ Wer nur Glamour erwartet, sei beim Film falsch: „Es gibt nichts Glamouröses am Set … außer das Catering. Das ist wirklich gut!“

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie in der Filmbranche arbeiten?
  • Wenn Sie schon dort arbeiten: Wie verlief Ihre Ausbildung?
  • Welche Tipps würden Sie dem Film-Nachwuchs geben?
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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, 2018)

(Copyright 2019 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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