Home » Berufswahl » Existenzgründung: Sich selbstständig machen mit Yoga

Sein persönliches Interesse zum Beruf machen … und das als Selbstständiger: Für viele Menschen ein attraktiver Weg. Sie können zum Beispiel im Bereich Gesundheit und Prävention als Yogalehrer arbeiten. Doch um erfolgreich zu sein, sind nicht nur Fachkenntnisse gefragt, sondern auch unternehmerische Fähigkeiten.

Sich selbstständig machen als Yogalehrer.

Sich selbstständig machen als Yogalehrer.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufserfahrene, Berufseinsteiger, Neustarter,  Neustarter 40plus und Sehnsüchtige.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Welche Voraussetzungen Sie für eine Selbstständigkeit mitbringen sollten.
  • Wie der Weg in die Selbstständigkeit als Yogalehrerin konkret aussehen kann.
  • Welche Unterstützungsmöglichkeiten es vonseiten der Arbeitsagenturen und Jobcenter gibt.
  • Tipps auf einem Blick.
  • Linkempfehlungen.

Als selbstständiger Yogalehrer arbeiten

Oliver Förster vom „EXZET – Zentrum für Existenzgründung und Unternehmensentwicklung“ in Stuttgart weiß, welche hohe Motivation Gründer mitbringen müssen: „Das zeigt schon das Wort ,selbstständig‘. In ihm steckt ,selbst‘ und ,ständig‘ drinnen. Und genau dazu sollten Existenzgründer bereit sein: Selbstverantwortlich zu arbeiten … und das weit über die normalen Arbeitszeiten hinaus.“ Deshalb sei es ganz besonders wichtig, dass auch das private Umfeld diese Art der Berufstätigkeit unterstützt. „Sonst wird es sehr schwer“, betont Förster.

Außerdem empfiehlt der Berater, sich mit betriebswirtschaftlichen Inhalten zu befassen. „Viele Gründer glauben, dass der Steuerberater ihnen Planung und Kalkulation abnimmt. Das ist falsch. Er ist nur für steuerliche Fragen zuständig, nicht für Preisgestaltung und wirtschaftlichen Erfolg.“ Interessierte brauchen aus diesem Grund nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern auch BWL-Wissen. „Kurse zu Themen wie Marketing oder kaufmännische Grundlagen bieten zum Beispiel Existenzgründungszentren oder Volkshochschulen an.“

Nebenberuflich in die Selbstständigkeit starten

Der Existenzgründerberater sieht gerade für Trainer und Übungsleiter die Möglichkeit, sich nebenberuflich selbstständig zu machen. „So können Gründer ihr Risiko minimieren und erst einmal in Gelassenheit ausprobieren, ob ihre Geschäftsidee funktioniert“, erklärt Förster. Sie haben so die Chance, Erfahrungen zu sammeln und ohne großen Druck zu netzwerken.  Denn ihre Existenz hängt noch nicht am geschäftlichen Erfolg, weil sie Einnahmen über eine sozialversicherungspflichtige Tätigkeit erzielen und somit abgesichert sind. Allerdings empfiehlt er nebenberuflich Tätigen, wöchentlich mindestens 15 bis 20 Stunden zu investieren, um einen Kundenstamm aufzubauen.

„Man muss Spaß am ‚Mehr‘ haben“, betont Förster. „Denn gerade Soloselbstständige wie Übungsleiter sind nicht nur für die Betreuung ihrer Kunden zuständig, sondern auch für viele andere Dinge wie etwa das Marketing. Sie pflegen zum Beispiel ihre Internetseite selbst.“ Wer gerne dazulernt, egal ob es sich um aktuelle Computerprogramme oder andere Trends handelt, bringt die richtige Einstellung mit.

Die Leidenschaft zum Geschäftsmodell machen

Die 49-jährige Christiane Klann hat sich als Yoga-Lehrerin selbstständig gemacht und ist Mitinhaberin von „Yoga Süd“ in Stuttgart. Zuerst absolvierte sie ein Studium der Tanzpädagogik und Germanistik. Anschließend studierte sie noch Sprecherziehung an der „Hochschule für Musik und Darstellende Kunst“ in Stuttgart. „Ich hatte Engagements an verschiedenen Theatern und war Lehrbeauftragte an der Musikhochschule in Stuttgart und Karlsruhe.“ berichtet Klann. „Doch als Mutter von zwei Kindern war es schwierig, diese Tätigkeiten auszuüben.“

Über Klanns Liebe zur Bewegung kam sie zum Yoga. „Ich beschäftige mich seit über 20 Jahren mit Atem und Bewegung und deren Einfluss auf Körper, Seele und Geist. Im Yoga hat dies alles ein Zuhause gefunden“, erklärt sie. Ihre erste Yoga-Ausbildung begann sie 2005. Inzwischen hat sie weitere Ausbildungen und Fortbildungen im Bereich Yoga absolviert.

Durchhaltevermögen und kaufmännisches Geschick

Christiane Klann kannte sich bereits mit der Selbstständigkeit aus, bevor sie Yogalehrerin wurde, denn auch davor war sie nicht fest angestellt. „Ich wusste, wie es ist, mit finanzieller Unsicherheit zu leben“, berichtet sie. „Was man braucht, ist Durchhaltevermögen, kaufmännisches Geschick und die Bereitschaft, viel zu arbeiten. Manchmal sitze ich noch um 23 Uhr am Computer und stelle neue Termine auf die Homepage.“ Auch am Wochenende bietet sie Workshops an. Doch abgeschreckt hat sie die viele Arbeit nie: „Meine Entscheidung vor zehn Jahren war genau richtig. denn ich gehe jedenTag glücklich und beschenkt aus meinen Unterrichtsstunden.“

Sich selbstständig machen mit dem Gründungszuschuss

Wer sich im Bereich Entspannung, Prävention und Gesundheit selbstständig machen will, kann von staatlicher Förderung profitieren. „Empfänger von Arbeitslosengeld I haben zum Beispiel die Möglichkeit, einen Gründungszuschuss zu erhalten, wenn die geplante Selbstständigkeit Aussicht auf Erfolg hat“, betont Doris Reif-Woelki, Sprecherin der Arbeitsagentur Stuttgart. „Voraussetzung ist, dass der Gründer noch mindestens 150 Tage Anspruch auf Arbeitslosengeld I hat. Für sechs Monate hat der Zuschuss die Höhe des zuletzt bezogenen Arbeitslosengeldes. Außerdem zahlt die Arbeitsagentur zusätzlich monatlich 300 Euro  für die soziale Absicherung. Der Zuschuss von 300 Euro pro Monat kann für weitere neun Monate verlängert werden. „Diese Zuschüsse sind allerdings seit 2012 keine Pflichtleistungen mehr, sondern sogenannte Ermessensleistungen.“

Reif-Woelki weiß, dass die staatlichen Zuschüsse allein meist nicht reichen. Deshalb seien Bankkredite oder Abfindungen aus früheren Beschäftigungsverhältnissen oft notwendig. Ihr dringender Rat: „Wer selbstständig werden will, sollte unbedingt Existenzgründungskurse belegen und sich mit der kaufmännischen Seite beschäftigen.“

Unterstützung bei ALG II-Bezug

Auch für ALG II-Bezieher gibt es die Möglichkeit der Unterstützung. „Wir haben schon erfolgreich Yogalehrerinnen und Heilpraktiker in die Selbstständigkeit begleitet“, berichtet Alexander Haberer vom „Team für Selbstständige“ des Jobcenters Stuttgart. „Für zwei Jahre unterstützten wir Neugründer.“ Dazu gehört zum einen die Existenzsicherung durch den ALG II-Bezug, zum anderen eine externe Unternehmensberatung. „Sofern der benötigte Finanzbedarf für die Gründung nicht am Kapitalmarkt beschafft werden kann, können wir derzeit Zuschüsse bis 2000 Euro und Darlehen bis maximal 5000 Euro vergeben.“

Das „Team für Selbstständige“ bietet Existenzgründern zudem Netzwerkarbeit und Weiterbildung an. „Damit jemand erfolgreich ist, braucht er eine hohe Motivation und Zielstrebigkeit, aber auch die Fähigkeit zur Reflexion“, betont Haberer. „Denn er muss seine persönlichen Stärken und Defizite kennen und bereit sein, daran zu arbeiten.“

Tipps auf einen Blick:

  • Wer sich selbstständig machen möchte, muss bereit sein, selbstverantwortlich zu arbeiten und das weit über die normalen Arbeitszeiten hinaus.
  • Soloselbstständigen sollte klar sein, dass sie nicht nur für die Betreuung ihrer Kunden zuständig sind, sondern auch für viele andere Dinge wie etwa Marketing und PR.
  •  Interessierte brauchen neben fachlichen Kompetenzen auch BWL-Wissen, das zum Beispiel in Existenzgründungskursen vermittelt wird
  • Um erfolgreich zu gründen, ist Unterstützung im privaten Umfeld sehr wichtig.
  •  Für viele Soloselbstständige bietet sich auch die Möglichkeit an, nebenberuflich zu gründen. So können sie ihr Risiko minimieren und erst einmal ihre Geschäftsidee ausprobieren.
  • Für eine erfolgreiche Gründung sind hohe Motivation und Zielstrebigkeit unverzichtbar, aber auch die Fähigkeit, zu reflektieren. Schließlich geht es darum, seine persönlichen Stärken und Defizite zu kennen und bereit zu sein, an sich zu arbeiten.
  •  Im ALG-I-Bezug besteht die Chance, einen Gründungszuschuss zu erhalten. Auch im ALG II-Bezug gibt es die Möglichkeit der Unterstützung.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie sich als Yogalehrer oder Yogalehrerin selbstständig machen?
  • Haben Sie sich bereits selbstständig gemacht?
  • Welche Erfahrungen haben Sie  damit gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, April 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
    Article By :
    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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