Worst Case im Beruf: Erste Hilfe bei großen Problemen im Job

Die harte Kritik des Chefs, das katastrophale Meeting … im Berufsalltag gibt es immer wieder Situationen, die stark belasten. Die einen werden wütend, den anderen treibt es die Tränen in die Augen. Doch es gibt Sofortmaßnahmen, die wie die Medikamente aus dem Notfallkit helfen, eine akute Problemlage gut zu überstehen.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was Ihnen bei emotionalen Ausnahmenzuständen im Beruf hilft.
  • Was Sie für sich selbst tun können.
  • Wie Sie sich auf problematische Situationen vorbereiten sollten.
  • Linkempfehlungen.

Diese Maßnahmen helfen bei emotionalen Krisen im Arbeitsalltag

„Es ist wichtig, die inneren Signale wahrzunehmen, die eine Notsituation anzeigen“, erklärt Coach Dr. Monika Klinkhammer aus Berlin. Das kann ein rasender Puls, eine schnelle Atmung, aber auch aufsteigende Wut sein. „Während der ersten Sekunden haben wir Menschen allerdings wenig Einfluss auf unser Verhalten. Danach können wir bewusster handeln.“ Doch selbst dann fällt es vielen schwer, adäquat zu reagieren.

Tiefes Durchatmen senkt die Erregung

„Berufstätige wissen oft nicht, was sie bei Angriffen tun sollen. Ihr Gehirn ist regelrecht blockiert“, berichtet Hannelore Fritz, Business-Coach aus Frankfurt am Main. „In so einem Moment hilft es, tief durchzuatmen. Das kann jeder im Alltag üben, indem er in harmloseren Stresssituationen bewusst atmet.“ Wichtig ist, dass der Puls runtergeht. „Das geschieht zum Beispiel, wenn man von zehn bis eins runterzählt.“ Ein paar Züge aus einem Wasserglas senken ebenfalls das Erregungsniveau. Klinkhammer empfiehlt, sich für einen kurzen Moment aus der Situation „herauszuziehen“. „Statt gleich zu reagieren, kann man eins, zwei Minuten verstreichen lassen.“

Die Berliner Karriereberaterin Martina Bandoly rät: „Solange Ihr Kontrahent Sie nicht tätlich angreift, sollten Sie freundlich und interessiert blicken und zuhören. Denken Sie aber nicht ‚dieser Schwachkopf‘, denn das vermittelt sich nonverbal.“ Das schweigende Zuhören hat einen entscheidenden Vorteil: Der Angreifer lässt Dampf ab und die Wut kann verrauchen.

Raus aus der Hilflosigkeit

Finden Sie heraus, was gerade passiert, rät Hannelore Fritz. Denn Betroffene sind oft so konsterniert, dass ihnen das gar nicht klar ist. In einem zweiten Schritt geht es dann darum, aus der Hilflosigkeit herauszukommen. Das ist mit unterschiedlichen Strategien möglich.: „Benutzen Sie die bekannten W-Fragen und haken Sie nach, indem Sie etwa fragen, worum es sich genau handelt.“

Auch andere Fragestellungen versachlichen die Diskussion. Bandoly: „Nach einer Zurechtweisung kann der Mitarbeiter seinem Chef zum Beispiel entgegnen: ’Was erwarten Sie jetzt von mir? Was kann ich für Sie tun?‘“

Konstruktiver Umgang mit Kritik

Hilfreich ist es, Vorwürfe durch bestimmte Phrasen an sich abprallen zu lassen. „Ein Betroffener könnte die Bemerkungen seines Gegenübers mit ’genau‘ kommentieren und so scheinbar nachgeben“, erklärt Klinkhammer, jedoch im Nachsatz das Thema in eine andere Richtung lenken . Sie empfiehlt zudem, sich für das Feedback zu bedanken und die Bereitschaft zu zeigen, sich konstruktiv mit dem Feedback auseinanderzusetzen. „Damit nehmen Sie dem Angriff die Schärfe!“

Eine weitere Möglichkeit, einer schwierigen Situation zu entkommen, besteht in der räumlichen Distanzierung. Fritz: „Gibt es einen Eklat, kann man zum Beispiel zwei oder drei Schritte zurückweichen. Steht der Angreifer, sollte der Angegriffene unbedingt auch aufstehen, damit er sich auf Augenhöhe befindet.“ Den Raum kurz zu verlassen, ist ebenfalls eine Option. „Um eine Eskalation zu vermeiden, kann es hilfreich sein, ein Gespräch abzubrechen und zu einem anderen Zeitpunkt fortzuführen.“

Abstand gewinnen

Der Betroffene kann außerdem mental Abstand gewinnen, indem er sich auf etwas Positives fokussiert … etwa das Foto auf dem eigenen Schreibtisch oder ein Bild, das man vor dem inneren Auge entstehen lässt.

Auch Klinkhammer rät zur Visualisierung: „Stellen Sie sich vor, dass Sie mit einer Ritterrüstung bekleidet oder von einer unsichtbaren Schutzschicht umgeben sind.“ Wer so denkt, fühlt sich gleich sicherer.

Außerdem können Berufstätige ihren Verstand davon überzeugen, dass die problematische Situation weniger bedrohlich ist als sie im Moment erscheint. Fritz: „Fragen Sie sich etwa, inwieweit diese Stresssituation ihr Leben in ein paar Monaten noch beeinflussen wird.“ Vielleicht erkennt der Betroffene so, dass sich die Aufregung gar nicht lohnt.

„Erste-Hilfe-Maßnahmen“ trainieren

Eventuell will ein ausfälliger Chef gar nichts Böses, sondern ist selbst nur gestresst, gibt Bandoly zu bedenken.„Oft wissen Mitarbeiter außerdem schon vorher, welche Gespräche schwierig sein könnten. Dann macht es Sinn, die Situation zu antizipieren und eine Strategie zu entwickeln.“ Mit dem Notfall-Kit für schwierige Lagen im Beruf verhält es sich also genauso wie mit dem Erste-Hilfe-Kasten: Er muss schon vorher bestückt sein!

Stresssituationen lassen sich außerdem im Vorfeld trainieren. Beispiel: „Statt sich sofort lauthals über die Unordnung im Kinderzimmer aufzuregen, sollten Sie bewusst durchatmen und dann versuchen, entspannt zu reagieren“, so Bandoly. Das übt, auch im Job die Contenance zu wahren.

Um sich auf Aggressionen gut vorzubereiten, rät Klinkhammer sogar zu Selbstverteidigungskursen: „Wer daran teilnimmt, der strahlt Stärke aus. So kann man sich potenzielle Angreifer vom Leib halten.“

Im Vorfeld zur Ruhe kommen

Unmittelbar vor einem schwierigen Gespräch ist es wichtig, zur Ruhe zu kommen und sich zu entspannen: „Öffnen Sie zum Beispiel für einen kurzen Moment das Fenster und machen Sie eine kleine Atemübung“, rät Bandoly.

Problembehaftete Situationen sollten Berufstätige nachbereiten, indem sie diese im Nachgang analysieren. Bandoly: „Fragen Sie sich, was Sie gut gemacht haben und wie Sie künftig reagieren wollen.“ Diese Erkenntnisse helfen bei der Vorbereitung des nächsten Konfliktgesprächs.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche „Erste-Hilfe-Maßnahmen“ nutzen Sie bei emotionalen Krisen im Job?
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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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