Stellenanzeigen richtig verstehen: Wie Sie das passende Jobangebot finden

Top-Arbeitgeber sucht allerbesten Bewerber: Dieser Eindruck entsteht oft bei der Lektüre von Stellenanzeigen. Doch in der Regel haben auch ganz normale Kandidaten gute Chancen. Denn niemand muss alle Anforderungen vollständig erfüllen. Damit Bewerber erkennen, ob sie für einen Job infrage kommen, ist es entscheidend, die Ausschreibungen richtig zu verstehen. Dann bestehen beste Aussichten auf Erfolg!

Stellenanzeigen verstehen!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Studierende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Unternehmen ihre Ausschreibungen formulieren.
  • Wie Sie eine Stellenanzeigen lesen sollten.
  • Welche Konsequenzen Sie aus Ausschreibungen ziehen sollten.
  • Wie Sie sich erfolgreich bewerben.
  • Linkempfehlungen.

Erfolgreich bewerben: Vom richtigen Umgang mit Ausschreibungen

„Arbeitgeber und Arbeitnehmer tun sich gleichermaßen schwer mit Stellenanzeigen“, betont der Berliner Jürgen Hesse, Karrierecoach und vielfacher Buchautor des Hesse/Schrader-Autorenteams. So sei es für Unternehmen gar nicht so einfach, ihre Wünsche und Erwartungen in Worte zu fassen. Auch Jobsuchende haben oft Probleme, Ausschreibungen klar einzuschätzen. „Häufig lesen Bewerber die Anzeigen nur flüchtig und sind dann überzeugt, dass es keine für sie passende Ausschreibung gab.“

Annika Schneider vom Wissenschaftsladen Bonn stellt ebenfalls fest, dass viele die Texte lediglich überfliegen. „Sie achten nur auf den Ort und die Tätigkeit. Weitere Informationen wie die Anforderungen und die Tätigkeitsbeschreibung unterschätzen sie“, so Schneider, die als leitende Redakteurin den „Infodienst für Berufe in Bildung, Kultur und Sozialwesen“ verantwortet. Dabei lohne es sich, die Anzeigen als Informationsquelle zu nutzen.

Wie Anzeigentexte entstehen

Der Kölner Karrierecoach Dr. Bernd Slaghuis kennt viele Bewerber, die sich von Stellenanzeigen abschrecken lassen: „Ich höre oft: ’Die Anforderungen erfülle ich nicht‘.“ Doch diese Befürchtung sei häufig unbegründet: „Es kommt vor, dass am Ende der Kandidat den Job bekommt, der zum Beispiel branchenfremd ist, aber dennoch für die Position wichtige Erfahrungen und Fähigkeiten mitbringt. Viele Bewerber unterschätzen zudem den Wert ihrer Berufserfahrung.“

Slaghuis weiß, wie einige Ausschreibungstexte zustande kommen: „Manch ein Personaler fragt sich, welche Ausbildung jemand hatte, der zuvor die Stelle bekleidete. War es ein BWLer, der gute Arbeit geleistet hat, wird einfach wieder ein Betriebswirtschaftler gesucht, ohne die Ideal-Qualifikation neu zu hinterfragen.“

Sich von Stellenanzeigen nicht abschrecken lassen

Wenn Unternehmen Anzeigen schalten, skizzieren sie darin ihren Wunschkandidaten: „Die Arbeitgeber beschreiben die ideale Besetzung. Die Ausschreibung ist also eine Wunschliste“, erklärt Schneider. Nur die wenigsten Kandidaten bringen alle genannten Anforderungen mit. „Niemand sollte sich davon abschrecken lassen.“

Auch Hesse betont: „Kein Bewerber muss alles hundertprozentig erfüllen. Es reicht durchaus, wenn man zu 60 Prozent dem gewünschten Profil entspricht und andere von seinen Fähigkeiten überzeugen kann.“ Das zeigt sich zum Beispiel im Anschreiben und im Lebenslauf. Diese muss der Bewerber passgenau auf die Stelle formulieren. Ist etwa Büroorganisation gefragt, sollte der Kandidat zum Beispiel über seine administrativen Erfahrungen berichten … und nicht über seine Leidenschaft, Wasserhähne zu reparieren. Schneider unterstreicht ebenfalls: „Der Jobsuchende muss in den Bewerbungsunterlagen konkret auf die Unternehmenswünsche eingehen.“

Die eigenen Qualikationen kennen

Um herauszufinden, ob Bewerber-Qualifikationen und die von Unternehmen geforderten Tätigkeiten und Kompetenzen zusammenpassen, helfen drei Fragen, so Schneider:

  • Habe ich diese Arbeit schon mal gemacht?
  • Traue ich sie mir zu? Oder habe ich keine
  • Ahnung davon?

„Jemand, der sich bei vielen der genannten Tätigkeiten eingestehen muss, dass er sie nicht beherrscht, sollte keine Bewerbung versenden“, so Schneider. Werden allerdings in der Stellenanzeige die geforderten Fähigkeiten nur vage formuliert, lohne es sich unter Umständen gerade dann, Unterlagen einzusenden.

Formalien einhalten

Auch wenn die eine oder andere Beschreibung im Ungefähren bleibt: Formalitäten sollten Jobsuchende aber unbedingt ernst nehmen! Schneider: „An den Einsendeschluss müssen sie sich genauso halten wie an den vorgeschriebenen Bewerbungsweg. Wenn eine Firma eine Bewerbung per Mail vorsieht, können Interessenten ihre Unterlagen nicht einfach postalisch versenden.“

Anders sieht es mit Phrasen wie „kommunikationsstark“ oder „teamfähig“ aus, die fast in jeder Ausschreibung vorkommen „Diese Begriffe sind stark interpretierbar“, so Schneider. „In einem Job erwartet das Unternehmen außerordentliche kommunikative Fähigkeiten, in einem anderen Job geht es lediglich um das ganz normale kollegiale Miteinander.“

Auf die genaue Wortwahl achten

Wie wichtig eine Kompetenz tatsächlich ist, zeigt sich im Kontext: „Werden die Begriffe ,wünschenswert‘ oder ,idealerweise‘ gebraucht, ist eine Eigenschaft nicht unbedingt erforderlich“, erklärt Schneider. Deshalb sollten Bewerber auch die Tätigkeitsbeschreibung genau lesen. Diese gibt oft wichtige Hinweise darauf, wie die Arbeit des künftigen Mitarbeiters aussieht.

Tauchen Begriffe wie ‚koordinieren‘ und ‚leiten‘ auf, handelt es sich oft um eine Tätigkeit mit mehr Verantwortung. Je nach Stellenprofil haben Berufseinsteiger in diesem Fall weniger Chancen“, so Schneider. Wörter wie ‚unterstützen‘ und ‚Assistenz‘ weisen dagegen auf eine Mitarbeit im Team hin.

Natürlich gibt es auch klare Anforderungen an die Kandidaten: „Wird ein Mediziner gesucht wird, sollte sich kein Tierarzt bewerben. Andererseits hat eine Bürokraft durchaus Chancen, wenn sie sich auf eine Stelle im Büro bewirbt … obgleich sie eine Schwäche bei der Erstellung von Präsentationen hat“, so Hesse.

Die eigenen Werte kennen

Grundsätzlich rät Slaghuis Jobsuchern, sich zu fragen, ob sie auf die ausgeschriebene Position wirklich Lust haben und sie sich selbst zutrauen. „Berufstätige sollten dafür ihre eigenen Stärken, Werte und Ziele kennen sowie sich über den idealen Arbeitgeber Gedanken machen.“ Je mehr Klarheit ein Arbeitnehmer darüber hat, desto einfacher fällt ihm die Bewertung, ob er zu einem bestimmten Jobprofil in einem konkreten Unternehmen passt.

Auf das eigene Bauchgefühl hören

Ob ein Jobsuchender glaubt, für einen Job infrage zu kommen, ist aber grundsätzlich eine Bauchentscheidung. Inwieweit er mit dieser Entscheidung richtig liegt, erfährt er ohnehin erst in der Probezeit“, betont Hesse. Stellenanzeigen würden lediglich Hinweise geben.

„Bewerber sollten darauf achten, ob sie die Anzeige anspricht“, erklärt Slaghuis. Statt die Ausschreibung nur sachlich zu analysieren, ist es sinnvoll, auch bei sich selbst zu beobachten, welches Bauchgefühl sie bei der Lektüre haben. Natürlich sollte aber niemand seinen Verstand abschalten. So sei es auch wichtig, dass sich Bewerber über die Firmen informieren. Hilfreich sind dabei zum Beispiel die Website des Unternehmens, Presseartikel, aber auch Arbeitgeber-Bewertungsplattformen.

Stellenanzeigen verstehen lernen

Hesse empfiehlt, den Umgang mit Ausschreibungen zu üben: „Am Besten sammeln Bewerber verschiedene Stellenanzeigen. So bekommen sie ein Gefühl dafür, ob es sich um einen supertollen Job handelt oder dieser eher im Mittelfeld angesiedelt ist.“

Schneider ergänzt: „Es macht Sinn, öfter einmal Anzeigen zu lesen … auch abseits der Wunschbranche und des Wunscharbeitsorts. So entwickelt man ein Gespür für den Arbeitsmarkt.“ Das helfe zudem, die eigenen Fähigkeiten besser einzuschätzen.

Um Anzeigen wirklich zu verstehen, braucht es zudem die richtige mentale Einstellung: „Jobsuchende sollten Stellenanzeigen nur dann durcharbeiten, wenn sie Lust auf die Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft haben“, betont Slaghuis. Wer gerade entlassen wurde und noch in der Trauerphase stecke, sei oft noch nicht bereit, um nach einem neuen Job zu suchen.

Fragen an Sie:

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  • Auf was achten Sie beim Lesen von Stellenzeigen?
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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, 2018)

(Copyright 2018 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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