Home » Berufswahl » Was mit Tieren machen: Berufe rund ums liebe Vieh

„Was mit Tieren machen“ … ein gar nicht so seltener Berufswunsch unter Jugendlichen. Denn wer Tiere liebt, sucht oft auch nach einem Job, der etwas mit Hunden, Katzen oder Pferden zu tun hat. Zwar sind die Arbeitsmöglichkeiten vielfältig, doch der Zugang zum Traumberuf ist oft gar nicht so einfach.

Berufe mit Tieren: Ausbildungen und Studiengänge.

Berufe mit Tieren: Ausbildungen und Studiengänge.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie es gelingt, das „Hobby Tier“ zum Beruf zu machen.
  • Welche Ausbildungen und Studiengänge sich anbieten.
  • Welche Qualifikationen zählen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Berufe mit Tieren: Ausbildungen und Studiengänge

„Immer wieder berichten mir Schulabgänger von ihrem Wunsch, Tierpfleger oder Tierarzt zu werden“, berichtet die Berufsberaterin Dagmar Falk von der Arbeitsagentur Berlin-Süd. „Oft muss ich ihnen dann den Wind aus den Segeln nehmen.“ Denn die Chancen auf einen Ausbildungs- oder Studienplatz sind relativ gering. Gerade in dem begehrten Beruf des Tierpflegers ist es schwierig, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. „Denn kleine Zoos, aber auch Tierpensionen und Tierheime bilden oft nicht beziehungsweise nicht in jedem Jahr aus.“

Tierpfleger ein beliebter Beruf bei Schulabgängern

Der Zoo Berlin samt Aquarium beschäftigt zum Beispiel 230 Mitarbeiter. Die Hälfte davon sind Tierpfleger. „Jedes Jahr bilden wir fünf bis sechs Leute aus. Aber die Nachfrage ist viel größer! Täglich bewerben sich bei uns Interessenten“, berichtet Dr. Ragnar Kühne, Zoologe und Personalverantwortlicher des Berliner Zoos. „90 Prozent aller Bewerber sind weiblich. Da sich der Zoo um ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen den Geschlechtern bemüht, ist die Konkurrenz unter Frauen größer. Männer kann ich hingegen ermutigen, sich zu bewerben.“

Die Berufsberaterin Dagmar Falk will Schulabgänger, die unbedingt mit Tieren arbeiten wollen, nicht abschrecken: „Wer große Leidenschaft mitbringt und flexibel ist, findet auch einen Weg, sein Hobby zum Beruf zu machen. Er muss aber bereit sein, in eine Region Deutschlands zu gehen, die ihm eine Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeit bietet.“

Praktika und Erfahrungen im Umgang mit Tieren zählen

Grundvoraussetzung für die Ausbildung ist nicht nur ein mittlerer Schulabschluss, sondern auch Erfahrung mit Tieren, zum Beispiel das Halten eigener Haustiere. „Ich empfehle ein Praktikum beim Tierarzt oder idealerweise in einem Zoo“, betont Kühne. Denn so können Interessierte die konkrete Arbeit kennenlernen. „Tierpflege ist vor allem körperliche Arbeit wie etwa Ställe saubermachen, Futter zubereiten oder Tiere füttern.“

Auch Michael Rolfs vom Berufsverband der Zootierpfleger betont, dass Schüler neben dem Schulpraktikum ein oder mehrere freiwillige Praktika absolvieren sollten. „Ohne Praxiserfahrung sind die Chancen deutlich geringer. Denn im Durchschnitt kommen auf eine Stelle hundert Bewerber.“ Rolfs selbst ist gelernter Zootierpfleger und inzwischen Zooinspektor des NaturZoo Rheine.

Kindheitswunsch Tierpfleger

„Im Zoo zu arbeiten war schon mein Kindheitswunsch“, betont der 41-Jährige, der nach dem Abitur erst einmal ein Studium der Geographie und Theologie begonnen hat. Doch das war nicht das Richtige. Er machte ein Praktikum im Münsteraner Zoo, brach das Studium ab und fing die Ausbildung in Rheine an. „Das war eine absolut richtige Entscheidung“, betont Rolfs, der inzwischen eine Weiterbildung zum Tierpflegemeister und einen Narkoselehrgang absolviert hat. Damit kann er Tierärzten assistieren.

„Mein Beruf ist zwar zu 80 bis 90 Prozent Routine. Dennoch ist er spannend, weil ich es mit lebendigen Tieren zu tun habe“, erklärt Rolfs. „So sehe ich, ob es ihnen gut geht oder ob sie das Futter stehen lassen.“ Gibt es ein Problem, versucht es Rolfs zu lösen. Er füttert etwas, was lieber gefressen wird oder informiert den Tierarzt. Besonders schätzt er an seiner Tätigkeit die selbständige Arbeit, aber auch die emotionale Bindung an die Tiere.

Eine Alternative: tiermedizinische Fachangestellte

Tierpfleger ist nicht der einzige Ausbildungsberuf mit Tieren. Es gibt zum Beispiel auch die Möglichkeit, eine Ausbildung zum tiermedizinischen Fachangestellten zu absolvieren. Diese Fachkräfte arbeiten hauptsächlich in den Tierarztpraxen, aber auch in Tierkliniken und in der Forschung. Die Chancen, in diesem Beruf einen Ausbildungsplatz zu finden, schätzt Falk für relativ gut ein. Denn jeder Tierarzt kann ausbilden, vorausgesetzt er hat eine anerkannte Ausbildungseignung. „Schulabgänger, die daran Interesse haben, sollten Praxen anfragen und den persönlichen Kontakt suchen“, so Falk. Weitere duale Ausbildungsberufe sind der Tier- und Pferdewirt. Auch private Schulen bieten Ausbildungsmöglichkeiten rund ums Tier an. So gibt es zum Beispiel Lehrgänge mit dem Berufsziel Tierheilpraktiker.

Wer Tierarzt werden möchte, hat ebenso hohe Zugangshürden zu nehmen wie diejenigen, die Humanmedizin studieren wollen. „In Berlin liegt der Numerus Clausus bei 1,5 … in Nordrhein-Westfalen sogar bei 1,3“, betont Falk. Entsprechend lang sind auch die Wartezeiten, um bei einem schlechteren Abiturdurchschnitt dennoch zum Studium zugelassen zu werden. Wie bei der Humanmedizin  müssen sich
Studieninteressierte zentral bewerben.

Voraussetzung für die Veterinärmedizin: Interesse an Naturwissenschaften

Astrid Behr vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte empfiehlt angehenden Tierärzten, auch Interesse an den Naturwissenschaften mitzubringen, da diese im Studium eine wichtige Rolle spielen. „Wer im Abitur Fächer wie Chemie und Biologie abgewählt hat, wird es an der Universität schwer haben.“

Dr. Anja Ostrowski und Dr. Kristina Dietert, wissenschaftliche Mitarbeiterinnen am Institut für Tierpathologie an der Freien Universität Berlin, haben nicht nur beide Tiermedizin studiert und darin promoviert, sie teilen auch die Liebe zu Tieren. „Zu unseren Aufgaben gehört es, herauszufinden, woran Tiere gestorben sind … wie zum Beispiel den Grund für ein erhöhtes Kälbersterben in einem landwirtschaftlichen Betrieb“, berichtet Ostrowski.

Als Tiermediziner sind verschiedene Karrierewege möglich

„Wie in der Humanmedizin untersuchen wir auch Tumore daraufhin, ob sie gut- oder bösartig sind“, ergänzt Ostrowski, die ursprünglich Pferdetierärztin werden wollte, dann aber ihre Vorliebe für die Pathologie entdeckte. „Die Pathologie ist ein hochinteressantes Fach. So habe ich schon von der Maus bis zum Zootier fast alles seziert. Ich will deshalb auch auf lange Frist in die Tierseuchendiagnostik gehen und gerne auf einem Untersuchungsamt arbeiten“, betont die 29-Jährige.

Die 34-jährige Kristina Dietert möchte dagegen langfristig in der Forschung bleiben und weiterhin im Bereich der Tierpathologie wissenschaftlich arbeiten. Ihr Weg zum Studium führte sie über eine Ausbildung zur tiermedizinischen Fachangestellten: „Ich kann diesen Weg nur jedem empfehlen. Er ist eine sehr gute Vorbereitung für das Tiermedizinstudium.“ Denn dort lernte sie bereits viele Krankheiten kennen und konnte Tiere oft selbständig versorgen. „Gerade in den ersten zwei Jahren ist das Studium sehr theoretisch. In dieser Zeit hat mir meine praktische Erfahrung in der Tierarztpraxis geholfen, motiviert zu bleiben.“

Gute Berufsperspektiven für Tierärzte

Ist ein tiermedizinisches Studium absolviert, sieht Falk gute Berufsperspektiven für Tierärzte: „Die Aussichten für Veterinärmediziner sind ähnlich positiv wie für Humanmediziner. Besonders in ländlichen Gegenden ist der Bedarf hoch. Auch der Verdienst ist mit dem von Humanmedizinern vergleichbar.“

Der Bedarf an Tierärzten ist allerdings zwischen Stadt und Land unterschiedlich groß, betont Behr: „Während es in Ballungsgebieten durchaus ein Überangebot an Kleintierpraxen gibt, fehlen im ländlichen Raum Nutztierärzte.“

Alternative Studiengänge

Eine Alternative zum Studium der Tiermedizin sieht die Berufsberaterin Dagmar Falk in Studiengängen wie der Tierwissenschaft oder Biologie mit dem Schwerpunkt Zoologie. „Abiturienten können aber auch ein Ingenieurstudium der Agrartechnik mit der Spezialisierung Tierhaltung absolvieren.“

Während Ingenieure, die sich auf die Tierhaltung spezialisiert haben, in der Regel in der Landwirtschaft arbeiten, können Tiermediziner und Zoologen auch in Zoos eine Beschäftigung finden. Der Biologe Dr. Ragnar Kühne arbeitet etwa als Kurator und Zoologischer Leiter im Berliner Zoo. „Ich bin Ansprechpartner für die Tierpfleger und entscheide zum Beispiel, ob Tiere in ein anderes Gehege versetzt oder separiert werden müssen, weil es zu Streitigkeiten unter den Artgenossen kommt“, berichtet Kühne. Für die Abgabe von Tieren an andere Zoos ist er ebenfalls zuständig. „Zu meiner Arbeit gehört auch die Veröffentlichung wissenschaftlicher Artikel.“

Die Chance, als Zoologe eine Tätigkeit in einen Zoo zu finden, ist allerdings äußerst gering. „Biologen, die sich im Fach Zoologie spezialisieren, sollten sich auf keinen Fall darauf fixieren, später als Kurator in einem Zoo zu arbeiten“, erklärt Kühne. „Denn es gibt dafür einfach zu wenig Stellen.“

Tipps auf einen Blick:

  • Wer beruflich etwas mit Tieren machen will, sollte große Leidenschaft und Flexibilität mitbringen. Denn er muss auch bereit sein, in jene Regionen Deutschlands zu gehen, die ihm eine Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeit bieten.
  • Grundvoraussetzungen für eine Ausbildung zum Beispiel als Tierpfleger sind ein mittlerer Schulabschluss und Erfahrungen mit Tieren. In jedem Fall verbessern Praktika die Chancen.
  • Sinnvoll ist es, Alternativen zum Beruf des Tierpflegers zu entwickeln wie zum Beispiel die Ausbildung zum tiermedizinischen Fachangestellten oder zum Tier- und Pferdewirt. Private Schulen bieten ebenfalls Ausbildungsmöglichkeiten rund ums Tier an.
  • Wer Tiermedizin studieren will, braucht nicht nur einen entsprechend hohen NC oder ausreichend viele Wartesemester, sondern auch Interesse an den Naturwissenschaften.
  • Zur Tiermedizin gibt es alternative Studiengänge wie die Tierwissenschaften oder Biologie mit dem Schwerpunkt Zoologie.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie „was mit Tieren machen“? Oder arbeiten Sie schon mit Tieren?
  • Welche Erfahrungen haben Sie beim Berufseinstieg gemacht?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Januar/Februar 2015)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
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    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

Comments

  1. Justine Djukic sagt:

    Vielen Dank, für diesen sehr informativen Beitrag! :)
    Es interessiert mich wirklich sehr, etwas mit Tieren zu machen. Ich wollte lange Veterinärmedizin studieren, bis ich darauf hingewiesen wurde, dass man im Studium ein Schlachthaus besuchen muss etc… Alternativ interessiere ich mich dafür, Fachärztin für Pathologie zu werden. Gäbe es die Möglichkeit das Humanmedizin Studium abzuschließen und mich danach auf Tierpathologie zu spezialisieren?
    Vielen Dank im Voraus
    Justine Djukic

    1. Anja Schreiber Anja Schreiber sagt:

      Vielen Dank für Ihren Kommentar! Zu Ihrer Frage: Ich rate Ihnen, sich bei der Studienberatung zu informieren. Denn diese kennt die Studienvoraussetzungen im Detail. Ich wünsche Ihnen für Ihren Berufsweg alles Gute!

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