Arbeiten im Ausland: Mit „Work & Travel“ oder als Digitaler Nomade

Mit dem Laptop am Strand arbeiten, statt im Büro zu sitzen: Für viele Berufstätige ist das eine verlockende Alternative. Tatsächlich gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Arbeiten und Reisen miteinander zu verbinden. Der klassische „Work and Travel“ ist nur eine Option. Denn auch die Selbstständigkeit bietet diese Chance.

Ortsunabhängig Arbeiten als Digitaler Nomade
Ortsunabhängig Arbeiten als Digitaler Nomade

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • wie ein „Work and Travel“-Aufenthalt ablaufen kann.
  • welche Voraussetzungen an einen „Work and Travel“-Aufenthalt geknüpft sind.
  • welche Jobmöglichkeiten sich dabei bieten.
  • was man beim Jobben im Ausland beachten sollte.
  • welche Voraussetzungen Digitale Nomaden erfüllen sollten.
  • wie das Leben als Digitaler Nomaden konkret aussehen kann.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

„Work and Travel“-Aufenthalt

Die 19-jährige Elena Bergmann aus Weinheim in Baden-Württemberg bereiste während ihres „Work and Travel“-Aufenthaltes Neuseeland, Australien, Thailand und Dubai. „Ich wollte schon mit zehn Jahren nach Neuseeland. Deshalb habe ich vor dem Abitur auch viel gejobbt, um mir diesen Traum zu erfüllen.“ Ein halbes Jahr nach Ende der Reise ist sie sich sicher: „Das war die beste Zeit meines bisherigen Lebens.“

Bergmann durchquerte das ganze Land und wechselte ständig die Jobs. Mal arbeitete sie im Housekeeping eines kleinen Hostels, mal auf einer Farm. „Ich habe im Durchschnitt nur zwei bis fünf Stunden am Tag für Kost und Logis gejobbt. So hatte ich die Möglichkeit, mehr Ausflüge zu unternehmen.“ In Neuseeland lernte sie die Herzlichkeit der Einheimischen kennen: „Ich wurde von meinen Arbeitgebern in die Familie aufgenommen und war nicht nur Hilfskraft.“ Die junge Frau erlebt die Neuseeländer als offene Menschen, die ihr gerne weiterhalfen und sie auch schon mal spontan zum Grillfest einluden. Ihre Arbeit bestand aus vielen Hilfstätigkeiten. Sie machte in Hostels Betten, saugte oder putzte Bäder. Auf einer Farm war sie für die Tiere zuständig. Sie fütterte sie, sorgte aber auch für deren Wohlergehen. „Dort gab es Alpakas, die waren trotz 37 Grad Hitze noch nicht geschoren. Deshalb habe ich sie täglich geduscht. Das fanden die Tiere super.“

Elena Bergmann buchte ihren Flug über TravelWorks, einem auf „Work and Travel“-Reisen spezialisierten Reiseveranstalter: „Das Ticket war günstiger, als wenn ich es allein gekauft hätte.“ Außerdem halfen ihr in der ersten Woche die Partner vor Ort, sich im Land zurechtzufinden.

„Work and Travel“: Voraussetzungen

„Bis zum Alter von 30 oder 35 Jahren können junge Leute in Australien, Neuseeland und Kanada für zwölf Monate Reisen mit Jobben verbinden“, erklärt Tanja Kuntz. Sie ist Geschäftsführerin von dem in Münster beheimateten Unternehmen TravelWorks. Voraussetzung für „Work und Travel“ ist, dass die Reisenden über ausreichend Geldmittel verfügen. „In Australien braucht man zum Beispiel 3500 Euro.“

TravelWorks informiert Reisewillige, unterstützt sie bei der Beantragung von Visa und bucht das Ticket. Vor Ort hat der Veranstalter Partner, die bei der Jobsuche und anderen praktischen Fragen helfen. „Schließlich wollen sich viele ein Auto kaufen und brauchen ein Konto“, so Kuntz. „Natürlich kann man das auch selbstständig organisieren. Aber gerade bei Problemen sind Kontakte vor Ort nützlich.“

„Work and Travel“: Die Jobmöglichkeiten

Sebastian Canaves kennt das Leben als sogenannter  „Backpacker“, also als Rucksacktourist. In seinen Blogs „TravelWorkLive“, „Off The Path“ und seinem gleichnamigen Buch gibt er Gleichgesinnten viele Tipps. „Besonders beliebt bei ‚Work-and-Travel-Aufenthalten‘ sind Jobs in der Gastronomie, zum Beispiel als Kellner oder als Hilfskraft in Hostels. Wer Knochenarbeit nicht scheut, kann auch in Kohleminen im Outback arbeiten. Dort verdient man 40 bis 60 australische Dollars die Stunde.“ Der Reiseblogger und Marketingberater Canaves empfiehlt noch andere Jobs … zum Beispiel als Fruit-Picker – also als Hilfskraft auf Farmen. „Ist jemand Handwerker, kann er natürlich mit seinem Beruf Geld verdienen. Denn Handwerker sind in Australien sehr begehrt„. Gerade Schulabgängern rät er, in dem Bereich zu jobben, in dem sie später beruflich tätig werden wollen.

Arbeiten und Reisen: Jobs im Ausland

„Work and Travel“ ist aber nicht die einzige Möglichkeit, Reisefieber und Geld verdienen zu verbinden.  Canaves: „In vielen Ländern bekommt man als Deutscher problemlos ein Arbeitsvisum. Allerdings ist man dann meist auf ein Unternehmen festgelegt. Verliert jemand seinen Job, ist auch ganz schnell das Visum abgelaufen.“

Dr. Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesarbeitsagentur empfiehlt: „Wer einen sozialversicherungspflichtigen Job im Ausland sucht, sollte mindestens sechs Monate vorher anfangen, sich zu informieren. Wichtig sind Informationen über Arbeiten und Leben allgemein und darüber, wie in dem Zielland der Arbeitsmarkt und die Bewerbungsverfahren funktionieren.“ Ein guter Zeitpunkt für einen Auslandaufenthalt ist – so Raabe – zwei bis drei Jahre nach dem Ende des Studiums oder der Berufsausbildung. Dann haben die Auslandsinteresierten schon erste Berufserfahrungen. Das zählt! Raabe hat noch ein Tipp: „Schon bei der Ausreise sollten Berufstätige an die Rückkehr denken und berufliche Kontakte in Deutschland weiter pflegen.“

Leben als Digitaler Nomade

Eine Alternative zur Anstellung ist die selbstständige Tätigkeit im Ausland: „Wer im Internet sein Geld verdient, der braucht nur einen Laptop und eine Internetverbindung, um zu arbeiten“, betont Canaves, der selbst als „Digitaler Nomande“ lebt. „Die meisten  Selbstständigen haben nur ein Touristenvisum. Kurz vor dessen Ablauf reisen sie einfach aus, um wenig später wieder einzureisen.“

Zu romantisch sollte sich aber niemand diesen Lebensstil vorstellen. Denn er ist nicht gleichbedeutend mit Urlaub. „Die Betonung liegt auf dem Wort ‚Arbeiten‘, nicht auf dem Begriff ‚Reisen’“, so Canaves. „Ich habe seit vier Jahren keinen Urlaub im klassischen Sinne mehr gemacht.“ Er empfiehlt Freelancern, die vom Ausland aus ihre Business betreiben, sich möglichst langsam zu bewegen. Denn alles andere schade dem Broterwerb. Einsteigern rät er: „Ein Internetbusiness muss man sich erst einmal aufbauen. Für die Übergangszeit ist es wichtig, Rücklagen zu haben. 5.000 bis 10.000 Euro als Reserve sind schon sinnvoll.“

Die Vor-und Nachteile des ortsunabhängigen Arbeitens

Für das Leben als „Digitale Nomandin“ hat sich auch die 28-jährige Barbara Riedel entschieden. Sie ist als selbstständige Übersetzerin und Dolmetscherin tätig. „Meine Kunden sind vor allem deutsche Unternehmen und Privatleute.“ Außerdem hat die studierte Philologin auch einen eigenen Reiseblog.

Riedel hat festgestellt, dass sie im sonnigen Gefilden besser arbeitet als in einem deutschen Büro: „Gerade am Strand kann ich meine Batterien immer neu aufladen und bin dann dort viel produktiver. Wenn meine Augen müde werden, schaue ich ein paar Minuten aufs Meer.“ Auch auf die Gesundheit der Hessin wirkt sich das Reisen positiv aus. Sie hat seltener Migräne und Schlafprobleme als zu Hause. Bis diesen Juni war sie auf Weltreise und erlebte 13 Länder und vier Kontinente. „Die meiste Zeit habe ich gearbeitet, das Sightseeing machte oft nur fünf Prozent aus.“

In diesem Sommer ist Barbara Riedel als Strandtesterin in verschiedenen Gegenden Südeuropas unterwegs. „Der Job ist deutlich stressiger als man denkt: Um 9 Uhr morgens ist Team-Meeting. Danach geht es an bis zu drei Strände, die ich nach einem strengen Plan bewerte.“ Außerdem führt sie noch Interviews, produziert Fotos und Videos. Am Abend muss sie alle gesammelten Informationen in eine Datenbank übertragen. „Manchmal schaffe ich es bis 21 Uhr, aber es dauert auch schon mal bis nach Mitternacht.“

Mit dem Hanomag unterwegs in Afrika

Die Berliner Patrick Fuchs und Verena Renneberg arbeiten von ihrem „Hanomag A-L 28“ aus und bereisen Afrika. Ihr Entschluss, so zu leben, entstand 2012. „Zwei Jahre lang durchquerten wir zuvor den Kontinent von Nord nach Süd und lebten von unserem Ersparten. Als wir nach Deutschland zurückkehrten, hatten wir noch lange nicht genug vom Reisen“, betont der 40-jährige Patrick Fuchs. Seitdem arbeiten beide ortsunabhängig. Über ihr Leben berichten sie auf ihrem Blog.

Er ist Webdesigner und bietet seine Produkte im Internet und vor Ort in Afrika an, während Verena Rennebergs Auftraggeber hauptsächlich in Deutschland sitzen. Sie schreibt PR-Artikel und sogenannte Suchmaschinenoptimierungstexte. „Meine Geschäftspartner mussten sich erst an die Kommunikation per Mail gewöhnen. Denn die Telefonverbindungen sind oft ziemlich schlecht“, erklärt die 34-jährige Renneberg. „Und manchmal haben wir auch kein Internet.“ Strom dagegen ist immer vorhanden. Denn der Hanomag Baujahr 1968 hat Solarzellen auf dem Dach. Viel Geld brauchen die beiden nicht: „500 Euro reichen im Monat für alles Notwendige wie Krankenversicherung, Lebensmittel und Treibstoff“, so Fuchs.

Ein Erlebnis hat die beiden in den vergangenen Monaten sehr geprägt: Im Oktober letzten Jahres wurden sie auf einem überwachten Campingplatz Opfer eines Raubüberfalls. „Nachts standen plötzlich vier mit Macheten bewaffnete junge Männer vor mir und griffen mich ohne Vorwarnung an. Sie verletzen mich schwer am rechten Arm und raubten einen unserer Laptops“, so Renneberg. Um sich von dem Vorfall zu erholen, kehrten die beiden nach Deutschland zurück. Doch im September starten sie wieder in Richtung Malawi: „Wir haben so viel Schönes in Afrika erlebt. Das wiegt dieses Erlebnis bei Weitem auf“, so Renneberg. Und Fuchs ergänzt: „Wir sind das ganze Jahr dort, wo andere zwei Wochen Urlaub machen!“

Tipps für Sie:

  • Wer Arbeiten und Reisen verbinden will, hat verschiedene Optionen wie etwa „Work and Travel“, einen klassischen Job im Ausland oder das Leben als Digitaler Nomade.
  • Bis zum Alter von 30 oder 35 Jahren kann man in Australien, Neuseeland und Kanada für zwölf Monate „Work and Travel“-Aufenthalte verbringen.
  • „Work and Traveler“ können z.B. als Kellner, Hilfskraft in Hostels, Farmmitarbeiter oder Handwerker arbeiten.
  • Wer einen sozialversicherungspflichtigen Job im Ausland sucht, sollte mindestens sechs Monate vorher beginnen, sich über das Zielland und den Arbeitsmarkt dort zu informieren.
  • Schon bei der Ausreise ist es sinnvoll, sich über die Rückkehr nach Deutschland Gedanken zu machen.
  • Am Besten man pflegt während des Auslandsaufenthaltes berufliche Kontakte in der Heimat.
  • Wer als Digitaler Nomade ortsunabhängig Geld verdienen will, sollte sein Business bereits in Deutschland aufbauen.
  • Für die erste Zeit im Ausland ist es ratsam, finanzielle Rücklagen zu bilden.

Fragen an Sie:

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  • Was sind Ihre Erfahrungen mit einem „Work and Travel“-Aufenthalt?
  • Haben Sie schon im Ausland gearbeitet? Was haben Sie dort erlebt?
  • Würden Sie gerne als Digitaler Nomade arbeiten und warum?
  • Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit dem ortsunabhängigen Arbeiten gemacht?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

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Meine Linkempfehlungen:

  • Die Website „Work & Travel weltweit“ berichtet über Länder, Versicherungen, „Working Holiday Visa“ sowie Anbieter und Programme: www.work-and-travel.co
  • Travelworks informiet über Auslandsprogramme in den Bereichen „Work and Travel“, Freiwilligenarbeit, Au Pair sowie  Auslandspraktika: www.travelworks.de
  • Der Blog „TravelWorkLive“ hilft, ein ortsunabhängiges Unternehmen zu führen: www.travelworklive.de
  • Barbara Riedel bloggt über das Reisen und Arbeiten unter: www.barbaralicious.com
  • Der Reiseblog „runterwegs“ von Verena Renneberg und Patrick Fuchs zeichnet ihre Afrikareise nach und hilft beim Reisen durch den Schwarzen Kontinent: www.runterwegs.de
  • Die zentrale Auslands- und Fachvermittlung berichtet über die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Ländern unter den Menüpunkten „Arbeit“ und „Länderinformationen“: www.zav.de

Meine Lektüreempfehlung:

  • Sebastian Canaves: Off The Path. Eine Reiseanleitung zum Glücklichsein, 240 Seiten, Ullstein (Berlin) 2015, E-Book: 9,99 Euro, Taschenbuch: 12,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, August 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Wissenschaftler werden: Der Weg zum Professor ist steinig

Manch eine weiß schon im Kindesalter, dass sie Forscherin werden will. Andere entdecken ihre Leidenschaft für die Wissenschaft erst im Studium. Doch egal, wann der akademische Nachwuchs sich für eine universitäre Laufbahn entscheidet: Vor ihm liegt ein steiniger Weg, der zwar eine interessante und anspruchsvolle Tätigkeit mit sich bringt, aber auch ein beträchtliches Risiko birgt.

Wissenschaftler werden
Wissenschaftliche Karriere: Der steile Weg zum Professor

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Dieser Artikel informiert Sie über:

  • Vorausetzungen für eine wissenschaftliche Karriere
  • Rahmenbedingungen des Wissenschaftssystems
  • verschiedene Karrierebausteine
  • Alternativen zum Professor
  • Tipps
  • Linkempfehlungen

Intrinsische Motvation als Voraussetzung

Dr. Michal Or-Guil wollte bereits als Kind Forscherin werden. „Das war für mich schon damals eine Traumlaufbahn“, berichtet die Leiterin der Forschungsgruppe Systemimmunologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Den eigentlichen Entschluss fasste die Physikerin nach ihrem Studienabschluss: Während eines Auslandsaufenthaltes in den USA und Brasilien lernte sie verschiedene Forschergruppen kennen. Sie nutzte die Zeit, ein Promotionsthema zu suchen. „Was mich von Anfang an fasziniert hat, war die Möglichkeit, eigenen Forschungszielen nachzugehen und selbstständig Entdeckungen zu machen.“

Nach der Fertigstellung ihrer Promotion an der Universität Münster wechselte Or-Guil zum Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden. „Die Forschung an dieser außeruniversitären Einrichtung war viel internationaler und weltoffener als an der Uni. Deshalb wollte ich dort auch bleiben“, betont die Forscherin. Doch dann reizte sie eine Ausschreibung der Volkswagenstiftung für die Gründung einer Forschungsgruppe an der Humboldt-Universität. Sie bewarb sich und kam nach Berlin.

Voraussetzung: Interesse an der Forschung

Die Berufsberaterin für Abiturienten und Hochschüler Bärbel Orphal wird immer mal wieder mit dem Berufswunsch Forschung konfrontiert. Gerade bei Abiturienten herrscht aber viel Unkenntnis über den beruflichen Werdegang in der Wissenschaft: „Wer sich für diesen Beruf interessiert, muss nach dem Masterstudium erst einmal an einer Universität promovieren“, erklärt Orphal von der Arbeitsagentur Berlin Mitte. Sie rät Interessierten, bereits im Bachelorstudium erste Schritte zu tun. „Am Besten absolvieren sie Forschungspraktika oder arbeiten als wissenschaftliche Hilfskraft an Lehrstühlen.“ Das ist auch eine gute Voraussetzung, um später an der Universität eine Promotionsstelle zu erhalten … vorausgesetzt, die Leistungen stimmen.

Die Rahmenbedingungen im Wissenschaftsystem kennen

Wer in der Forschung arbeiten will, sollte sich mit deren Rahmenbedingungen beschäftigen: „Während und nach der Promotionsphase haben Akademiker fast immer befristete Stellen“, betont Orphal. Außerdem sei das Gehalt an den Hochschulen oft deutlich geringer als in der Wirtschaft.

Auch Or-Guil sieht in der Befristung ein Problem: „In der Wissenschaft zu arbeiten ist wirklich sehr attraktiv, weil man selbstständig forschen kann. Allerdings ist es schwierig, längerfristig zu planen, wenn die Stellen nur befristet sind“, betont die Forscherin. Das mache es vielen Nachwuchskräften schwer, in der Forschung zu bleiben. „Bei mir selbst hat sich immer wieder ein guter nächster Schritt ergeben.“ Doch das Risiko sei erheblich. Denn nach einer befristeten Beschäftigung eine Anschlussfinanzierung zu finden, sei keine Selbstverständlichkeit.

Leben zwischen W 3 und Hartz IV

Die Berlinerin Dr. Monika Klinkhammer hat sich auf die Beratung von Wissenschaftlern spezialisiert und kennt deren spezifische Probleme. „Die Zahl der Professorenstellen ist bekanntlich gering.“ Von zwei bis drei Habilitierten – also entsprechend Qualifizierten –  werde nur einer tatsächlich Professor. Das sei ein „Engpass“. Denn vor der Berufung zum universitären Hochschullehrer stehen oft viele Jahre Unsicherheit und prekäre Arbeitsverhältnisse. „Das ist ein Leben zwischen W 3 und Hartz IV mit vielen Ortswechseln“, fasst es Klinkhammer zusammen. „Auch die Familienplanung und das Leben in einer Partnerschaft bleibt dabei oft auf der Strecke.“

Publikationen und Präsentationen auf Kongressen zählen

Um in der Wissenschaft Karriere zu machen, braucht es nicht nur fachliche Brillanz, sondern noch viele andere Kompetenzen. „Ganz wichtig ist es, dass sich Nachwuchskräfte mit ihrer Arbeit präsentieren können, zum Beispiel auf Kongressen und Tagungen“, berichtet Klinkhammer. Zudem sollten Promovierende neben ihrer eigentlichen Doktorarbeit weitere Forschungsergebnisse publizieren. „Gerade die Anzahl und Qualität der Publikationen entscheidet über den weiteren Werdegang, allerdings auch die Fähigkeit zu netzwerken.“

Zu dem wissenschaftlichen Nachwuchs, den Dr. Monika Klinkhammer coacht, gehört auch Julia Dittmann. Die 44-jährige Berlinerin promoviert derzeit an der Universität Bayreuth und hat ein klares Ziel vor Augen: „Ich möchte später an einer Film- oder Kunsthochschule arbeiten.“ Die Mutter zweier Kinder kann auf vielfältige künstlerische und wissenschaftliche Erfahrungen zurückblicken: Sie hat eine Film- und Schauspielschule besucht, ihr Geld als Filmemacherin fürs Fernsehen verdient und dann Filmwissenschaft, Geschichte und Gender Studies studiert. Dittmann: „Da ich mein Studium mit ’sehr gut‘ abgeschlossen habe, entstand die Idee, eine Doktorarbeit zu schreiben.“

Julia Dittmann promoviert im Rahmen der Bayreuth International Graduate School of African Studies über ein Thema im Bereich der feministischen Filmtheorie. So pendelt sie zwischen Berlin und Oberfranken. „Das ist natürlich mit zwei kleinen Kindern ziemlich anstrengend.“ Von ihrer Doktormutter erfährt sie Unterstützung und Förderung. So konnte sie bereits zwei Semester an der Uni lehren.

Disziplin hilft

„Für die Arbeit an der Promotion ist viel innere Disziplin nötig. Doch auch der Austausch innerhalb der Graduiertenschule und mit meiner queer-feministische Promotionsgruppe hilft mir.“ So trifft sie sich in Berlin regelmäßig mit anderen Doktorandinnen und diskutiert offen anstehende Probleme.

Dr. Uta Hoffmann vom Servicezentrum Forschung der Humboldt-Universität empfiehlt allen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, frühzeitig zu netzwerken: „Es ist sinnvoll herauszufinden, wo im eigenen Fach die Musik spielt und was in der Spitzenforschung vor sich geht“, so Hoffmann. Das sei in erster Linie Aufgabe jedes Einzelnen. Doch inzwischen könnten Promovierende und Promovierte auf ein differenziertes Unterstützungssystem an vielen Hochschulen bauen. So habe die Humboldt-Universität zum Beispiel die Dachorganisation für strukturierte Promotionsprogramme die „Humboldt Graduate School“ eingerichtet. Deren Ziel es ist, Promovierenden gute Rahmenbedingungen zu bieten wie zum Beispiel Kurse zu Schlüsselqualifikationen, Mentoring und Orientierung sowie die Unterstützung in Konfliktfällen.

Beratungsangebote nutzen

Nach der Promotion berät die Universität die sogenannten Postdocs zum Beispiel bei der Beantragung von Geldern.Sie bietet auch ein spezielles Fortbildungsprogramm an“, betont Hoffmann. Trotz der vielfältigen Angebote ist jedoch das Engagement des Nachwuchswissenschaftlers entscheidend … zum Beispiel die Bereitschaft, für einen Forschungsaufenthalt ins Ausland zu gehen. Denn internationale Erfahrung spielt in der Wissenschaft eine wichtige Rolle.

Gerade angesichts der wenigen Professorenstellen hält Orphal es für hilfreich, sich frühzeitig über die vielfältige Wissenschaftslandschaft in Deutschland zu informieren. Denn so könne man auch Alternativen zum Karriereziel Hochschullehrer entwickeln. Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Institute kommen dafür genauso infrage wie Stellen im Wissenschaftsmanagement.

Alternativen entwickeln

Die Arbeit im Wissenschaftsmanagement ist dabei keineswegs nur eine Notlösung, wenn es mit dem Traum vom Forscher nicht geklappt hat. Der Beruf des wissenschaftlichen Koordinators kann vielmehr selbst ein interessantes berufliches Ziel sein! Dr. Micha Schröter hat sich zum Beispiel ganz bewusst für diese Arbeit entschieden. Zuerst studierte er Biochemie in Halle an der Saale und promovierte dann am „Deutschen Rheuma-Forschungszentrum“ in Berlin. Nach seiner Promotion arbeitete er noch zwei Jahre als Forscher, bevor er dann ins Wissenschaftsmanagement wechselte.

„Ich wollte immer etwas mit Menschen für Menschen machen. Das kommt in der Forschung zu kurz“, betont Schröter, der heute als Wissenschaftlicher Koordinator beim „Integrativen Forschungsinstitut für Lebenswissenschaften“ in Berlin beschäftigt ist.  Er  arbeitet an der Vernetzung von Wissenschaftlern, organisiert Veranstaltungen und Kongresse. „Außerdem entwickle ich ein Angebot für unsere Graduiertenschule.“ Dass er selbst so lange geforscht hat, sieht Schröter als wichtige Voraussetzung, um mit den Forschern auf Augenhöhe arbeiten zu können.

Meine Tipps auf einen Blick:

  • Intrinsische Motivation und Interesse an der Forschung sind Voraussetzungen für eine Karriere in der Wissenschaft.
  • Angehende Wissenschaftler sollten die Rahmenbedingungen im Wissenschafts- und Hochschulsystem kennen, wie zum Beispiel die Befristung von Stellen.
  • Diese Rahmenbedingungen sollten sich mit den weiteren Lebenszielen des Forschers vereinbaren lassen.
  • Publikationen und Präsentationen auf Kongressen sind wichtige Karrierebausteine.
  • Internationale Erfahrung zählt.
  • Selbstdisziplin und Selbstmanagement sind Voraussetzungen für den beruflichen Erfolg als Forscher.
  • Wissenschaftler sollten die verschiedenen Beratungsangebote nutzen.
  • Sie sollten eine berufliche Alternative zum Professor entwickeln.

Meine Fragen an Sie:

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  • Was sind Ihre Erfahrungen mit der Promotions- und Postdoc-Zeit?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juli 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Selbstsabotage im Job: Gegen die eigenen Interessen handeln

Schon wieder einen Termin vergessen oder Aufgaben vor sich hergeschoben … Berufstätige handeln nicht immer zu ihrem eigenen Vorteil, sondern sabotieren sich mitunter selbst. Und das bleibt nicht ohne Folgen für den Job. Psychologen und Coachs kennen das Phänomen des sich selbst schädigenden Verhaltens.

Vorsicht Selbstsabotage!
Selbstsabotage im Beruf

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  • Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

Dieser Artikel informiert Sie über:

  • Ursachen der Selbstsabotage
  • Folgen
  • Lösungsansätze
  • Tipps
  • Linkempfehlungen
  • Literaturempfehlungen

„Selbstsabotage im Beruf kann verschiedene Gestalten annehmen“, erklärt der Buchautor und Coach Prof. Dr. Manuel Tusch aus Köln. „Zum Beispiel in Form von Vorsätzen, die Berufstätige nicht einhalten oder Angst, die sie blockiert. Manche lassen Termine schleifen oder kommunizieren anders als sie eigentlich wollen. Der menschliche Geist ist da sehr erfinderisch.“

Ein typisches Beispiel für Selbstsabotage kennt auch Autorin und Coach Dr. Petra Bock: „Statt den Chef auf eine Lohnerhöhung anzusprechen, denken sich Arbeitnehmer vorher Gründe aus, warum ihr Vorgesetzter das ablehnen wird.“ So torpedieren sie von vornherein ihren Wunsch nach mehr Gehalt. „Ich nenne dieses Phänomen ‚Mindfuck‘. Darunter verstehe ich Gedanken, mit denen sich Menschen – auch im Job – selbst schaden„, erklärt die Berlinerin. Bock schreibt über die Selbstsabotage im Beruf gerade ein Buch mit dem Titel „Mindfuck. Job“, das im kommenden Herbst erscheinen wird.

Das Problem sind die Gedanken

Es sind oft die eigenen Gedanken, die Berufstätigen im Wege stehen: „Ein sich selbst schädigendes Verhalten resultiert am häufigsten aus dysfunktionalen Glaubenssätzen“, betont Tusch, der in Münster zum Thema Beratung, Mediation und Coaching lehrt und forscht. Und die funktionieren so: Jemand will Karriere machen, denkt aber gleichzeitig unbewusst negativ über sich selbst. In seinem Kopf tauchen immer wieder Sätze auf wie „Ich bin wertlos“, „Ich kann nichts“ oder „Mich nimmt keiner ernst“. Das Problem bei diesen Glaubenssätzen ist, dass sie häufig genau das bewirken, was sie beschreiben. „Es handelt sich dabei um eine selbsterfüllende Prophezeiung: Das, was Menschen am stärksten befürchten, tritt ein. Ein sehr tragischer Mechanismus.“

Oft spielt auch die Angst eine große Rolle: „Manchmal ist es für Menschen angenehmer, wenn sie Aufgaben erst gar nicht angehen, als wenn sie Gefahr laufen, potenziell zu scheitern“, berichtet Tusch. Das erklärt auch, warum so viele Berufstätige bestimmte Vorhaben immer wieder aufschieben, wie zum Beispiel, an einer Fortbildung teilzunehmen oder weitere Karriereschritte in Angriff zu nehmen. So können sie den ausbleibenden Erfolg auf ihre Aufschieberitis zurückführen und müssen sich nicht der Tatsache stellen, dass sie scheitern könnten. „Dieses Verhalten dient dazu, den Selbstwert zu schützen.“

Aufschieberitis

Dr. Frank Wieber vom Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Motivation an der Universität Konstanz kennt als Wissenschaftler das sogenannte Self-Handicapping. „Studien zeigen zum Beispiel, dass Studierende vor einer Prüfung noch Party machten.“ Dieses selbstschädigende Verhalten hatte für sie zwei entscheidende Vorteile: Im Falle einer schlechten Leistung hatten die Studierenden so einen Begründung und mussten sich und anderen nicht eingestehen, dass es eventuell auch an ihren mangelnden intellektuellen Fähigkeiten lag. War die Leistung gut, wirkt das Resultat noch eindrucksvoller und lässt den Betreffenden intelligenter erscheinen.

Petra Bock kennt noch weitere Selbstsabotage-Methoden beschrieben: Wer sich zum Beispiel ständig irgendwelche Horrorszenarien wie den Jobverlust ausdenkt – und das ohne stichhaltige Gründe -, ist vom „Katastrophen-Mindfuck“ betroffen. Eine andere Variante ist der „Selbstverleugnungs-Mindfuck“. Dieser sorgt dafür, dass der Mitarbeiter sich eher um das Wohl der Kollegen kümmert als um seine eigene Arbeit. Manche Beschäftigte leiden auch unter dem „Regel-Mindfuck“: Er suggeriert dem Betroffenen, sich unbedingt an willkürliche oder längst überholte Regeln halten zu müssen.

Ursachen erkennen

Was sich im Berufsalltag heute als problematisch erweist, hatte in anderen Lebensabschnitten seinen Sinn. Tusch: „Je nachdem, wie wir erzogen wurden, begleiten uns gewisse Glaubenssätze und Ängste schon seit Jahren oder Jahrzehnten. Manche davon waren durchaus einmal nützlich für uns.“ So bewahrt die Angst Menschen davor, unvorsichtig zu sein. Aber ab einem gewissen Zeitpunkt können sich Gedanken, die einmal ihren Sinn hatten, kontraproduktiv auswirken.

Auch der Psychologe Wieber betont, dass die scheinbaren Vorteile des Self-Handicapping langfristig mehr Nachteile mit sich bringen: „Die sogenannten interpersonellen Kosten dieses Verhaltens sind sehr hoch. Denn die Menschen, die sich selbst schädigen, werden als unzuverlässig wahrgenommen.“ Das Umfeld unterstellt Aufschiebern, sie seien nicht gut organisiert oder uninteressiert. Die Ausrede, keine Zeit gehabt zu haben, wird zwar von dem Umfeld in der Regel für einen konkreten Fall akzeptiert. Allerdings leidet das allgemeine Ansehen des Aufschiebers. Die Forschung belegt zudem, dass Frauen solch ein Verhalten deutlich negativer beurteilen als Männer, die in diesen Fällen toleranter sind.

Langfristig entstehen Nachteile

Das selbstschädigende Verhalten wirkt sich langfristig auch negativ auf die Motivation und Leistungsfähigkeit eines Menschen aus: „Self-Handicapping führt dazu, dass sich Betroffene hinter ihren Möglichkeiten zurückbleiben und nur wenig weiterentwickeln. Da es in den meisten Fällen wichtiger ist, Erfolg zu haben, als gute Gründe für einen Misserfolg, kann Self-Handicapping das berufliche Weiterkommen sabotieren.“, berichtet Wieber. Außerdem wird dieses Verhalten oft als große psychische Belastung empfunden, die auch die Gesundheit beeinträchtigen kann.

Frank Berndt aus Neuburg an der Donau erlebt in seiner Beratertätigkeit ständig, wie bestimmte Glaubenssätze Berufstätigen schaden. Der Coach hat sich auf die Themen Burnout und Burnoutprävention spezialisiert. „Wer zum Beispiel glaubt, es allen recht machen zu müssen, überschreitet meist seine Belastungsgrenze.“ So ein Berufstätiger kann einfach nicht ’nein‘ sagen, weil er die schlimmsten Konsequenzen fürchtet. Aber genau dieses Verhalten führt in der Regel zu Selbstausbeutung. „Die Betroffenen nehmen sich immer weniger Zeit für soziale Kontakte, ausreichend Schlaf oder andere schöne Dinge des Lebens“, betont Berndt. „Am Ende bekommen sie oft Burnout.“

Eine mögliche Folge: Burnout

Nach Berndts Einschätzung helfen Präventions-Maßnahmen wie mehr Work-Life-Balance, Nein-Sagen oder mehr Entspannung gerade deshalb nicht, weil die Ursachen tiefer liegen. „Wenn Berufstätige diese Ratschläge befolgen, haben sie meist ein schlechtes Gewissen und Angst vor den Konsequenzen.“ Deshalb empfiehlt Berndt, sich der eigenen Gedanken bewusst zu werden. Um ein mögliches Ausbrennen zu verhindern, sei es wichtig, die inneren Antreiber für selbstschädigende Handlungen zu erkennen und die verborgenen Mechanismen zu identifizieren. Erst dann haben Betroffene die Chance, problematische Glaubenssätze und Ängste zu „entmachten“.

Auch die mit dem Coaching Award 2012 ausgezeichnete Petra Bock rät dazu, problematischen Gedanken auf die Spur zu kommen. „Hilfreich ist zum Beispiel das Führen eines Gefühlstagebuchs. Hier sollten Berufstätige alle Stimmungen und Gedanken aufschreiben, die sie den Tag über begleiten.“ Mithilfe dieser Aufzeichnungen lässt sich leicht ein Realitätscheck machen. Der Unterschied zwischen diffusen Ängsten und berechtigten Sorgen wird deutlich. „Die ständige Angst vor der Kündigung entlarvt sich dabei zum Beispiel meist als Hirngespinst“, betont Bock.

Selbstsabotage überwinden

„Da jeder Mensch ein individuelles Muster der Selbstsabotage hat, gibt es leider keine Standardrezepte für deren Überwindung“, betont Bock. Ein Weg hat sich aber ihrer Erfahrung nach bewährt: „Wer sich selbst sabotiert, verhält sich häufig wie ein Kind. Er ist trotzig oder ängstlich. Aus dieser Rolle sollten die Betroffenen aber herausschlüpfen und sich wie ein wirklich Erwachsener verhalten.“ Denn wer sich fragt, wie so ein Erwachsener handeln würde, findet am ehesten tragfähige Lösungen für Probleme. Ein Arbeitnehmer redet sich dann zum Beispiel den Wunsch nach einer Gehaltserhöhung nicht mehr aus, sondern bereitet sich bestens auf das Gespräch mit dem Chef vor.

Wieber empfiehlt, sich konkret mit den eigenen Wünschen und Zielen zu beschäftigen. Der Psychologe weiß nur zu gut, dass viele Wünsche eher Tagträume sind, die gar nicht darauf angelegt sind, Wirklichkeit zu werden. Die sogenannte mentale Kontrastierungsmethode kann helfen, Ziele zu finden, die nicht nur erstrebenswert, sondern auch erreichbar sind: „Dabei stellt man sich zunächst die gewünschte Veränderung mit ihren positiven Konsequenzen vor, um diese dann mit den Hindernissen zu kontrastieren, die dem Erreichen dieses Ziel im Weg stehen.“ Um die Umsetzung dieser Ziele zu unterstützen, sollte zusätzlich genau geplant werden, wie sich die Hindernisse überwinden lassen. Nachgewiesenermaßen hilft dieses Vorgehen.

Meine Tipps auf einen Blick:

  • Überlegen Sie sich, ob das Thema Selbstsabotage in Ihrem eignen Leben eine Rolle spielt.
  • Finden Sie heraus, welche Gedanken und Gefühle Ihnen immer wieder im Wege stehen.
  • Seien Sie ehrlich zu sich.
  • Notieren Sie Ihre Empfindungen und Gedankenspiele auf und reflektieren Sie diese.
  • Versuchen Sie herauszufinden, welche Ursache diese Gefühle und Gedanken haben.
  • Überlegen Sie, welche mittel- und langfristigen Folgen die Selbstsabotage mit sich bringen kann.
  • Fragen Sie sich, ob Ihre eigenen Wünsche, eher Tagträume sind oder Ziele, die Sie wirlich erreichen wollen.
  • Kontrastieren Sie die gewünschte Veränderung mit Ihren positiven Konsequenzen mit möglichen Hindernissen.
  • Fragen Sie sich ehrlich, ob der Aufwand lohnt.
  • Planen Sie die Umsetzung Ihres Ziels möglichst genau.

Meine Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Kommt Ihnen das Thema ‪‎Selbstsabotage‬ bekannt vor?
  • Schieben Sie bestimmte Aufgaben immer wieder auf?
  • Stehen Sie sich manchmal oder öfters selbst im Weg?
  • Wenn dem so ist, interessiert mich, was Ihnen hilft?
  • Faden Sie meinen Artikel weiterführend?

Bitte schreiben Sie es in die Kommentare! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Mein Artikel zum Thema „Denkfallen im Job“ zeigt, wie Menschen sich mit ihren eigenen Gedanken im Wege stehen: http://blog.anjaschreiber.de/fiese-denkfallen-im-job

Frank Berndt informiert auf seiner Website über Burnout und Burnoutprävention sowie über sein Beratungsangebot: www.burnout-fachberatung.de

Mehr über das Coachingangebot und die Bücher von Petra Bock findet sich unter: www.petrabock.de

Über den Buchautor, Coach und Wirtschaftsmediator Prof. Dr. Manuel Tusch informiert seine Homepage: www.tusch-consulting.com

Meine Literaturempfehlungen:

Petra Bock : Mindfuck. Warum wir uns selbst sabotieren und was wir dagegen tun können, 256 Seiten, Knaur (München) 2011, 19,90 Euro.

Volker Kitz, Manuel Tusch: Warum uns das Denken nicht in den Kopf will. Noch mehr nützliche Erkenntnisse der Alltagspsychologie, 288 Seiten, Heyne (München) 2014, 8,99 Euro.

(Hauptartikel  veröffentlicht in der Berliner Zeitung, April 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Jobs in der Finanzbranche: Viele Wege führen zum Ziel

Das Image der Banken hat gelitten. Doch die Finanzwirtschaft bietet vielfältige Berufseinstiegsmöglichkeiten: Neben einer großen Palette an grundständigen betriebswirtschaftlichen Studiengängen können junge Leute auch eine klassische kaufmännische Ausbildung oder ein duales Studium absolvieren.

Jobs in der Finanzbranche: Eine Ausbildung oder ein Studium ermöglichen den Einstieg.
Berufseinstieg in die Finanzbranche: Studium oder Ausbildung machen es möglich.

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  • Schulabgänger, Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

Dieser Artikel informiert Sie über:

  • die verschiedenen Wege in die Finanzbranche
  • die verschiedenen Studiengänge
  • das duale Studium
  • die duale Ausbildung
  • den Berufseinstieg in die Finanzbranche für Akademiker
  • den Berufseinstieg als selbstständiger Finanzberater
  • Meine Infos für Sie auf einen Blick
  • Meine Linkempfehlungen

Trotz der vielen BWL-Absolventen hält auch Thomas Werner, Berater für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur München, ein betriebswirtschaftliches Studium für aussichtsreich: „Die Finanzwirtschaft bietet viele Jobs. Denn nicht nur Banken brauchen BWLer, sondern auch jedes Unternehmen hat eine Finanzabteilung, die sich mit Investition und Finanzierung beschäftigt.“

Dr. Alexandra Rohlmann, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte, sieht ebenfalls „wirklich gute Berufsaussichten“: „Unternehmen brauchen vor allem Betriebswirtschaftler. Während Banken sowohl Betriebswirtschaftler als auch Volkswirtschaftler einstellen, finden sich in den Wirtschaftsforschungsinstitutionen in erste Linie Volkswirte. “ Auch die Einstiegsgehälter seien sehr gut und die Konkurrenz werde kleiner. Denn bei der Generation Y habe die Finanzwirtschaft einen Vertrauensmalus zu verzeichnen.

Welche Art des Studiums für den einzelnen Schulabgänger infrage komme, hänge vom jeweiligen Typ ab, so Werner: „Wer sich zum Beispiel für ein duales Studium entscheidet, also den berufsbildenden Abschluss samt Bachelor-Titel parallel erwerben will, sollte sich über die speziellen Charakteristika und Anforderungen des eingeschlagenen Weges bewusst sein und sich genau informieren, zum Beispiel bei uns als Arbeitsagentur.“

Studieren oder dual studieren

Obwohl der Doppelabschluss eine mögliche Alternative sein kann, führen auch weitere Wege zum Ziel: „Ob sich Abiturienten für eine Universität oder eine Hochschule für angewandten Wissenschaften entscheiden, hängt davon ab, ob sie sich etwas mehr für die theoretische Forschung oder mehr für die angewandte Praxis interessieren.“ Grundsätzlich qualifizieren all diese verschiedenen Studiengänge für eine Tätigkeit in der Finanzwirtschaft, egal ob sie nun den Begriff Finance, Finanzwirtschaft oder BWL im Namen haben.

Immer wichtiger wird das Thema Spezialisierung. „Heute brauchen Banken immer weniger Generalisten, sondern Spezialisten“, erklärt Rohlmann. „Deshalb sollten sich Studierende möglichst frühzeitig auf die Finanzwirtschaft fokussieren und auf das Renommee der Hochschule achten.“

Doch auch die Noten und Persönlichkeit spielen eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund ergänzt Werner: „Wichtig bei der Wahl des Studienorts und der Hochschule ist, dass sich der Studierwillige vor Ort genau über die Studieninhalte informiert.“ Wenn diese zu seinen Interessen passen, kann er auch gute Noten erreichen.

Neben einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium ist der klassische Weg in die Finanzwirtschaft immer noch eine betriebliche Ausbildung. Ulf Grimmke, Leiter Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik beim Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes, erklärt: „Die Bankkauffrau und der Bankkaufmann gehören zu den beliebtesten und zahlenmäßig stärksten Ausbildungsberufen. Die Einstellungsquoten sind genauso wie die Bewerberzahlen auf hohem Niveau.“ Ein Nachwuchsproblem sieht er nicht.

Klassische Ausbildung

Wer in den Finanzabteilungen von Unternehmen arbeiten will, dem bieten sich verschiedene kaufmännische Ausbildungen an, wie zum Beispiel die Ausbildung zum Bankkaufmann, Kaufmann Versicherungen und Finanzen sowie Industriekaufmann, erklärt Werner. „In Immobilienunternehmen sind im Bereich Finanzierung unter anderem auch Immobilienkaufleute tätig.“ Nach einer Ausbildung eröffnen sich viele Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten: Bankkaufleute können zum Beispiel den Fachwirt machen oder ein akademisches Studium absolvieren. Neben einem Präsenzstudium sind auch berufsbegleitende Studiengänge möglich.

Traineeprogramm oder Direkteinstieg

Für Hochschulabsolventen unterschiedlicher Fachrichtungen hat das Bankwesen zwei Einstiegsoptionen: Traineeprogramme und der Direkteinstieg. „Als Trainees werden nicht nur Wirtschaftswissenschaftler, sondern zum Beispiel auch Politologen, Physiker oder Geisteswissenschaftler eingestellt“, so Grimmke. Bei Positionen für einen Direkteinstieg zählt oft die fachliche Expertise, wie sie zum Beispiel Juristen oder Informatiker mitbringen.

Berufseinstieg als selbstständiger Finanzberater

Zur Finanzwirtschaft gehören auch die unabhängigen Finanzdienstleister. „In der Vergangenheit haben es Vertriebe mit ihrer Personalgewinnung leider oft nicht so genau genommen, da Vermittler nur einen Gewerbeschein brauchten … sonst nichts“, berichtet Frank Rottenbacher vom Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung. Doch diese Zeiten seien inzwischen vorbei. „Heute müssen alle diejenigen, die Kapitalanlagen vermitteln, bei den Industrie- und Handelskammern eine Sachkundeprüfung ablegen, zuverlässig sein, geordnete Vermögensverhältnisse nachweisen und über eine Berufshaftpflicht verfügen.

Das hat vieles für Berufseinsteiger verändert: „Den nebenberuflichen Anlageberater, der als Neuling sofort seine Kunden berät, gibt es nicht mehr. Denn jeder Einsteiger muss mindestens drei- bis sechsmonatige Kurse absolvieren, um eine IHK-Prüfung ablegen zu können … oder aber bereits ausreichend Qualifikationen nachweisen“, so Rottenbacher. Wer sich zum Beispiel nach jahrelanger Tätigkeit in einer Bank für die Selbständigkeit als Finanzberater entscheidet, dem wird seine Bankqualifikation anerkannt. „Ein unabhängiger Finanzberater braucht nicht unbedingt ein Hochschulstudium. Aber wenn er insbesondere Akademiker beraten will oder eine größere Agentur aufbauen möchte, kann so ein Studium sehr wohl Sinn machen.“

Doch egal, ob jemand bei Unternehmen, Banken oder als Selbständiger arbeitet: Leidenschaft für Kunden und Finanzthemen ist Grundvoraussetzung für den beruflichen Erfolg.

Meine Infos für Sie auf einen Blick:

  • Es gibt verschiedene Ausbildungsvarianten für alle, die in der Finanzbranche arbeiten wollen.
  • Ein Klassiker ist ein wirtschaftswissenschaftliches Studium.
  • Auch mit anderen Studienabschlüssen können Sie in die Finanzbranche einsteigen, zum Beispiel als Juristen, Politologen, Physiker oder Geisteswissenschaftler.
  • Nach einem Hochschulabschluss können Sie via Traineeprogramm oder Direkteinstieg Ihre Laufbahn in der Branche starten.
  • Auch über ein duales Studium oder eine klassische Ausbildung ist ein Berufseinstieg möglich.
  • Nach einer klassischen Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten an, zum Beispiel auf akademischem Niveau.
  • Eine weitere Möglichkeit in der Finanzbranche zu arbeiten, bietet die Tätigkeit als selbstständiger Finanzberater. Diese Option bietet sich auch für berufserfahrene Quereinsteiger aus anderen Branchen.
  • Dafür müssen Sie bei der Industrie- und Handelskammer eine Sachkundeprüfung ablegen oder über entsprechende Vorkenntnisse verfügen.

Meine Fragen an Sie:

  • Welche Erfahrungen haben Sie beim Einstieg in die Finanzbranche gemacht?
  • Welchen Studienabschluss oder welche Ausbildung haben Sie absolviert?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Fanden Sie diesen Artikel hilfreich?

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel eröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Juni 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Downshifting im Beruf: Sinn statt Hamsterrad

Freiwillig auf Geld und Status verzichten: Das nennt sich Downshifting. Dabei schalten Berufstätige ganz bewusst „herunter“, um berufliches Neuland zu betreten und mehr Lebensqualität zu gewinnen. Hintergrund ist ihre Unzufriedenheit im alten Job. Doch mit Aussteigen hat das Downshifting in den allermeisten Fällen nichts zu tun.

Downshifting im Job
Tipps für’s Dowbnshifting im Beruf

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • was Downshifting ist.
  • welche Gründe dazu führen.
  • welche Schritte zum Downshifting gehören.
  • Tipps in Sachen Bewerbung.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Die 54-jährige Karriereberaterin Martina Bandoly begleitet nicht nur ihre Klienten beim Downshifting. Sie hat diesen Prozess auch selber hinter sich: Viele Jahre lang war sie in einem großen Telekommunikationskonzern als Führungskraft tätig. Zuletzt führte sie 30 Beschäftigte. „Die längste Zeit machte mir meine Arbeit großen Spaß. Denn ich hatte viele Freiheiten und konnte selbstbestimmt arbeiten.“ Ein wichtiger Schwerpunkt ihrer Tätigkeit bildete die Karriereentwicklung ihrer Mitarbeiter. Sie schloss Zielvereinbarungen, führte Jahresgespräche und Gehaltsverhandlungen.

Doch Umstrukturierungen im Konzern veränderten ihre Arbeit. „Auf einmal sollte ich mich hauptsächlich mit der Akquise neuer Projekte befassen. Die Mitarbeiterführung selbst hatte ich nach den Vorstellungen meiner neuen Vorgesetzten nur noch nebenbei zu erledigen“, berichtet Bandoly. Auf einmal wurde der Führungskraft genau auf die Finger geschaut.

Die Frage nach dem Sinn

Bandoly sah keinen Sinn mehr in ihrer Arbeit. „Ich konnte meine wichtigsten Werte nicht mehr leben: Das freie selbstbestimmte Arbeiten und den Einsatz für die Angestellten.“ Sie entschied sich für den Ausstieg, bekam eine Abfindung und suchte nach einem beruflichen Neuanfang. Das war vor fünf Jahren. „Es war genau die richtige Entscheidung“, sagt die Berliner Karriereberaterin heute.

Immer noch hält sich die Meinung, dass Downshifting gleichbedeutend mit Totalausstieg ist. Dass dies nur in Ausnahmefällen zutrifft, weiß Dr. Wiebke Sponagel, Coach und Buchautorin aus Frankfurt a. M.: „Beim Downshifting finden Berufstätige heraus, was sie können und was sie wirklich wollen“, betont sie. „Die meisten meiner Klienten wollen im Einklang mit sich selbst und anderen leben und arbeiten.“

Zentrale Faktoren dabei sind Selbstbestimmung und die Frage nach dem Sinn. Ziel ist es, die Kontrolle über das eigene Leben zurückzugewinnen. Die Berufstätigen möchten ihr Lebenstempo und die Inhalte ihrer Arbeit besser steuern können. „Es geht keinesfalls um ein Leben in der Hängematte. Auch Menschen, die heruntergeschaltet haben, sollten in der Lage sein, bei Bedarf wieder ein paar Gänge hochzuschalten. Denn Langsamkeit allein ist noch keine Problemlösung“, erklärt Sponagel.“ 30 Prozent meiner Klienten sind potentielle Downshifter, die in ihrer jetzigen Arbeit keinen Sinn mehr sehen“, berichtet Sponagel. Größtenteils sind sie 40 Jahre oder älter und männlich. Viele von ihnen sind in „Sandwichpositionen“.

Macht und Status allein reichen nicht

Der Kölner Karrierecoach Dr. Bernd Slaghuis bestätigt ebenfalls: „Meist sind Downshifter Menschen im mittleren Alter, deren Karriere meist gut läuft.“ Doch das Macht und Status allein reicht vielen nicht mehr aus, um dauerhaft zufrieden zu sein. „Diese Berufstätigen stellen fest, dass sich ihre Werte im Laufe ihres Berufslebens verändert haben. Sie wollen raus aus dem Hamsterrad. Karriere und Geld allein interessiert sie immer weniger. Sie brauchen mehr Zeit für Anderes, etwa die Familie und suchen häufig eine stärker selbstbestimmte Tätigkeit.“

Auch Herwarth Brune, Geschäftsführer der ManpowerGroup Deutschland, sieht in der Sinnfrage einen wesentlichen Grund für die Jobunzufriedenheit von Arbeitnehmern: „Wer in seiner Arbeit keinen Sinn erlebt, verliert den Spaß daran und ist häufig nicht mehr so erfolgreich.“ Wie die kürzlich erschienene Studie ‚Jobzufriedenheit 2015‘ der ManpowerGroup nachweist, gehört auch fehlende Wertschätzung zu den Faktoren, die Beschäftigte unzufrieden stimmen. Ein weiteres Problem sind die zeitlichen Rahmenbedingungen: „Mit der aktuell anziehenden Konjunktur verschlechtert sich oft die Situation der Mitarbeiter. Diese müssen mehr leisten, weil die Aufträge gestiegen sind“, so Brune. „Der Anteil an flexiblen Arbeitszeitmodellen sank im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls.

Unzufriedenheit als Symptom

Viele Klienten von Slaghuis sind sich gar nicht klar darüber, dass sie eigentlich den Wunsch nach Downshifting haben. „Oft verspüren sie ein unbestimmtes Gefühl von Unzufriedenheit. Erst wenn ich mit ihnen über ihre Werte rede, stellt sich heraus, dass sie diese in ihrem Job nicht verwirklichen können.“ Deshalb ist der erste Schritt zu mehr Zufriedenheit, sich über die eigenen Werte klar zu werden. In einem zweiten Schritt wird überlegt, wie sich diese Werte konkret umsetzen lassen. Deshalb fragt Slaghuis seine Klienten, welche Dinge sie in ihrem Arbeitsalltag als erstes verändern würden und was sie davon für realistisch halten. Ein Vertriebsmanager könnte zum Beispiel feststellen, dass er lieber sein Wissen weitergeben möchte als ständig neue Umsatzziele zu erreichen. In diesem Fall macht zum Beispiel eine berufsbegleitende Trainerausbildung Sinn. „Es muss nicht sein, dass jemand sofort aussteigt. Aber ein neues langfristiges Ziel kann dazu führen, dass sich auch die Einstellung des Berufstätigen zum aktuellen Job ändert und er zufriedener wird.“

Um gute, aber unzufriedene Mitarbeiter zu halten, sieht Brune auch die Arbeitgeber in der Pflicht: „Gerade Arbeitnehmer, die komplexe Aufgaben zu lösen haben, sind oft in 30 Arbeitsstunden produktiver als andere in 50 Stunden. Deshalb sollten Unternehmen ihren Mitarbeitern in Sachen Arbeitszeit und Flexibilität soweit wie möglich entgegenkommen.“ Er ist sich sicher, dass ein solches Vorgehen die Jobzufriedenheit steigern würde und mögliche Downshifter davon abhält, die Firma ganz zu verlassen.

Tipp: Ziele und Wünsche klar kommunizieren

„Aufgabe des Mitarbeiters bleibt es, sich über seine Ziele und Wünsche klar zu werden und diese auch klar zu kommunizieren“, so Brune. Wer das macht, kann leichter gegenüber seinem Vorgesetzten argumentieren, was er wirklich will. „Ein guter Chef wird die Wünsche seines Mitarbeiters nicht einfach abschlägig behandeln, sondern ihn nach Möglichkeiten unterstützen.“

Nicht jedes „Herunterschalten“ muss mit der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses einhergehen. Aber ein Stellenwechsel oder der Schritt in die Selbständigkeit ist für manche Berufstätige eine bedenkenswerte Alternative. Allerdings empfiehlt Sponagel, zuvor alle Pro- und Contra-Argumente genau abzuwägen. Denn Downshifting heißt zwar mehr selbstbestimmte Zeit, aber nicht unbedingt weniger Arbeit. Außerdem sollten sich Berufstätige überlegen, ob sie auf einen Teil ihres Einkommens, ihres Status oder ihrer beruflichen Sicherheit verzichten können. „Oft verändert sich mit einem Job- oder Berufswechsel auch der Bekanntenkreis.“ Das ist ebenfalls zu bedenken..

Tipp: Strategisch bewerben

„Eine Führungskraft, die wieder als Sachbearbeiter tätig sein will, löst in Unternehmen heute immer noch Kopfschütteln aus“, betont Karrierecoach Martina Bandoly. Um so wichtiger sei es für den Downshifter, sich genau zu überlegen, was er seinem künftigen Arbeitgeber kommunizieren will. Ihr Tipp: „Firmen suchen Mitarbeiter, die ihnen nutzen. Darauf sollten sich Bewerber einstellen. Am Besten ist es, wenn die Entscheidung für die berufliche Veränderung folgerichtig erscheint. Das überzeugt Personaler.“ Es kommt also auf den rote Faden an.

Slaghuis empfiehlt außerdem Wechselwilligen, den potentiellen Arbeitgeber genau unter die Lupe zu nehmen. „Downshifter haben einen intensiven Reflexionsprozess hinter sich und wissen, was sie brauchen. Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern Freiräume bieten und Selbstverantwortung groß schreiben, stehen bei ihnen hoch im Kurs.“

Berufliche Umbrüche bringen oft auch Veränderungen in den sozialen Beziehungen mit sich. Wer das weiß, kann diesen Wandel sinnvoll gestalten. „Wenn jemand neue berufliche Wege sucht, sollte er lieber Tante Erna meiden, die ihm das ausreden will“, empfiehlt Bandoly. Stattdessen ist es hilfreich, ein neues Netzwerk zu knüpfen: „Ich bin zum Beispiel gleich in einen Berufsverband eingetreten und habe dort viel Unterstützung erfahren.“

Fehlende Anerkennung im Job

Unzufriedenheit: Fast die Hälfte der Arbeitnehmer in Deutschland sind aktuell mit ihrem Job unzufrieden. Das ist ein Ergebnis der repräsentativen Studie „Jobzufriedenheit 2015“ der ManpowerGroup Deutschland. Damit hat sich die Unzufriedenheit im Vergleich zu 2014 noch einmal um vier Prozentpunkte gesteigert und liegt nun bei 49 Prozent. Die geringere Zufriedenheit gegenüber dem Vorjahr zeigt sich dabei in fast allen Bewertungskriterien wie etwa Arbeitszeit, Förderungsmöglichkeiten sowie Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

Umorientierung: Mit der steigenden Unzufriedenheit im Job wächst auch die Bereitschaft, sich beruflich umzuorientieren. So erwägen derzeit 45 Prozent der Angestellten, ihren Job in den nächsten zwölf Monaten zu wechseln. 2014 lag diese Zahl noch bei 42 Prozent. Rund jeder vierte Arbeitnehmer sucht einen besser bezahlten Job. Der Wunsch nach Abwechslung bewegt 14 Prozent der Befragten zum Jobwechsel. Bei 13 Prozent spielt der Wunsch nach mehr Anerkennung eine entscheidende Rolle.

Tipps für Sie auf einen Blick:

  • Downshifting ist nicht gleichbedeutend mit Totalausstieg. Es geht vielmehr darum, herausfinden, was Sie können und was Sie wirklich wollen.
  • Fragen Sie sich, wie viel Sinn Sie in Ihrer aktuellen Tätigkeit sehen und ob Sie unzufrieden sind.
  • Fragen Sie sich, welche Werte Sie antreiben und ob Sie diese in Ihrem Job verwirklichen können.
  • Überlegen Sie, wie sich Ihre Werte konkret umsetzen lassen.
  • Versuchen Sie sich auch über Ihre anderen Ziele und Wünsche klar zu werden.
  • Kommunizieren Sie diese in strategisch sinnvoller Weise gegenüber Ihrem Vorgesetzten. Denn sonst kann sich auch nichts ändern.
  • Falls Sie in Ihrer jetzigen Position keine Möglichkeiten sehen, sich zu verändern, sollten Sie über einen Job- oder Berufswechsel nachdenken.
  • Überlegen Sie sich bei einer Bewerbung ganz genau, wie Sie Ihr Downshifting verkaufen wollen. Lassen Sie Ihre berufliche Veränderung als folgerichtig erscheinen.
  • Knüpfen Sie ein neues Netzwerk, das zu Ihren Zielen und Wünschen passt.

Meine Fragen an Sie:

  • Haben Sie sich schon mal überlegt auszusteigen? Und wenn ja, warum?
  • Haben Sie bereits ein Downshifting hinter sich?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel?
  • Ist er hilfreich?

Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlungen:

  • Wiebke Sponage: Downshifting. Selbstbestimmung und Ausgeglichenheit im Job, 124 Seiten, Haufe (Planegg bei München) 2013, 6,95 Euro.

(Hauptartikel eröffentlicht in der Berliner Zeitung, Mai 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Promovieren: Der Weg zum Doktortitel

Ein Doktor ist für viele immer noch erstrebenswert … allen Plagiatsskandalen zum Trotz. Doch für wen macht ein Doktortitel wirklich Sinn? Denn nicht jede Promotion garantiert schon den beruflichen Erfolg. Andererseits ist sie in manchen Bereichen auch eine Voraussetzung, zum Beispiel für eine Karriere in der Wissenschaft.

Promovieren: Der Weg zum Doktortitel
Der Weg zum Doktortitel

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Schulabgänger, Berufseinsteiger und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • für wen der Doktortitel Sinn macht und für wen nicht.
  • mehr über den Vorteil anwendungsbezogener  Promotionen.
  • mehr über die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Doktorarbeit.
  • Tipp auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

In Fachrichtungen wie etwa Medizin, Chemie oder Pharmazie ist eine Promotion sehr ratsam„, betont die Berlinerin Dr. Monika Klinikhammer, die auf das Coaching von Wissenschaftlern und Doktoranden spezialisiert ist. „Schließlich werden in diesen Bereichen die meisten Promotionen abgeschlossen. Ein fehlender Doktortitel fällt also auf.“

Ingrid Arbeitlang, Beraterin für akademische Berufe der Arbeitsagentur Berlin-Süd ergänzt: „Bei Medizinern ist der Doktor immer noch üblich. Meist lässt sich diese Arbeit auch in einem Jahr bewältigen und ist damit viel weniger aufwendig als in anderen Fächern.“

Ohne Doktor keine Wissenschaft

Fächerübergreifend ist die Promotion für alle ein Grundvoraussetzung, die eine Karriere an Hochschulen und Forschungseinrichtungen anstreben. „Ohne Doktortitel geht im Wissenschaftsbetrieb gar nichts“, so Klinkhammer.

Außerhalb von Forschung und Lehre ist der Doktortitel ebenfalls gefragt: „Wer Leitungsfunktionen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik anstrebt, für den ist der Doktorarbeit eine wichtige Qualifikation„, berichtet Dr. Uta Hoffmann vom Servicezentrum Forschung an der Humboldt-Universität. Gerade der an einer deutschen Universität erworbene Titel sei international ein Markenzeichen.

Vorteilhaft in der Kultur und für Selbstständige

Auch jenseits der Leitungsebene wird in manchen Kultureinrichtungen der Doktortitel verlangt: „Eine Volontärin im Museum ist ohne Doktor genauso schwer vorstellbar wie ein nichtpromovierte Volontär in einem Wissenschaftsverlag“, berichtet Arbeitlang.

Klinkhammer sieht für Selbstständige mit Titel ebenfalls Vorteile: „Promovierte Juristen, Berater, Coachs oder Ingenieure haben in der Regel eine höhere Reputation und damit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.“

Problem der Überqualifzierung

So hilfreich der Doktortitel auch bei der Karriere sein kann, er muss nicht automatisch zum „Türöffner“ werden: Wer als Doktor keine große Laufbahn anstrebt, sondern nur in mittleren Positionen arbeiten will, scheint häufig als überqualifiziert. „Kollegen und Vorgesetzte werden ihm ehrgeizige Ambitionen unterstellen und daraus können ihm Nachteile erwachsen“, erklärt Klinkhammer.

Der Karriere-Coach und vielfacher Ratgeberautor Christian Püttjer weiß um die Tatsache, dass eine Promotion nicht in jedem Fall von Vorteil ist: „Während der Doktor in den Forschungs- und Entwicklungsbereich der Industrie gern gesehen wird, ist er zum Beispiel im Bereich Sales und Marketing nicht entscheidend.“ Problematisch sieht er manchen Titel von Geisteswissenschaftlern, wenn diese ohne Praxisbezug promoviert haben. Schließlich setzen sie sich der Gefahr aus, ihren Berufseinstieg zu verzögern und sich so zu schaden.

Mit Firmen kooperieren

Püttjer Tipp lautet deshalb: „Doktoranden, die nicht in die Wissenschaft wollen, sollten sich ein anwendungsbezogenes Thema suchen und vielleicht sogar mit einer Firma kooperieren.“ Wichtig ist es, dass sie bereits in der Promotionsphase Networking zu betreiben, um sich so die Einmündung in das spätere Berufsleben zu erleichtern.

Die Argumente für und gegen eine Promotion sollten Hochschulabsolventen also vorher gründlich abwägen. „Abraten von einer Doktorarbeit, würde ich allen Unentschlossenen und von Selbstzweifeln Geplagten. Wer nur als Verlegenheitslösung promoviert, sollte das Projekt lieber gleich lassen„, betont Hoffmann. „Auch denjenigen, die eine Promotion nur als willkommene Gelegenheit ansehen weiter an der Uni zu bleiben, weil der Weg ins Ungewisse ihnen Angst macht, lassen am Besten die Finger davon.“ Häufig sprechen Professoren ihre Studierenden auf eine Doktorarbeit an. In diesem Fall rät Hoffmann ebenfalls zur Vorsicht. Denn so ein Angebot reicht als alleiniger Antrieb für das Vorhaben nicht aus.

Gesicherte Finanzierung wichtig

Eine weitere wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Doktorarbeit sollte zudem gewährleistet sein: die Finanzierung des Promotionsvorhabens. „Egal, ob sich Hochschulabsolventen über eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter, als Stipendiat oder im Rahmen eines Graduiertenprogrammes finanzieren wollen, die Abschlussnote muss ’sehr gut’ sein, damit sie darauf Chancen haben“, erklärt Hoffmann.

Kompetenzen müssen stimmen

Auch die Eigenschaften des Promotionswilligen entscheiden über den Verlauf des Projekts. Deshalb ist es wichtig, dass Hochschulabsolventen sich kritisch prüfen, ob sie der richtige Typ dafür sind: Doktoranden müssen sehr motiviert und zielstrebig sein, aber auch die Fähigkeit haben, sich an Themen ‚festzubeißen‘ und mit dem wissenschaftlichen Methoden des Faches exzellent umgehen können. „Sie sollten ihre wissenschaftlichen Arbeiten selbständig planen, durchführen und publizieren können, aber auch Managementkompetenzen besitzen und die eigenen Ergebnisse ehrlich und real einschätzen können“, betont Hoffmann.

Ein guter Anhaltspunkt für die wissenschaftlichen Fähigkeiten eines Promotionswilligen ist die Masterthesis. Arbeitlang: „Wer dabei gute Erfahrungen gemacht hat und erfolgreich war, ist sicher besser für ein Promotionsvorhaben geeignet, als jemand, der seine Abschlussarbeit als Quälerei empfunden hat.“

Tipp für Sie:

Diese Fragen helfen Ihnen bei der Entscheidung, ob für Sie eine Doktorarbeit Sinn macht:

  • Warum will ich promovieren?
  • Reicht dieser Grund als Motivation auch in schwierigen Zeiten?
  • Wie finanziere ich meine Doktorarbeit?
  • Wie viel Zeit will und kann ich in die Arbeit investieren?
  • Passt mein Dissertationsvorhaben in meine Lebensplanung?
  • Ist die Promotion für meinen beruflichen Werdegang wichtig?
  • Was sagt mein „Bauchgefühl“?

Meine Fragen an Sie:

  • Wollen Sie promovieren?
  • Und wenn ja, warum?
  • Oder promovieren Sie gerade?
  • Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben, die promovieren wollen?
  • Gefällt Ihnen der Artikel?
  • Ist er hilfreich?

Meine Linkempfehlungen:

Meine Lektüreempfehlung:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juni 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Smartphone und Social Media: Aktuelle Trends in Sachen Bewerbung

Die Zeiten ändern sich und mit ihnen die Suche nach einem passenden Arbeitsplatz. Smartphone und Social Media beeinflussen heute auch das Verhalten von Bewerbern. Anja Schreiber sprach mit Anna Polinski vom Bewerberblog.de, der vom Unternehmen TowerConsult in Jena betreut wird.

Die neuesten Trends in Sachen Bewerbung.
Die neuesten Trends in Sachen Bewerbung.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter, Schulabgänger und Studierende.

Was ist der neueste Trend in Sachen Bewerbung?

Immer mehr große Firmen bieten ihren potenziellen Bewerbern an, sie über WhatsApp-Gruppen näher kennenzulernen. Die Nutzer können zum Beispiel während einer begrenzten Zeit ganz konkrete Fragen an Unternehmensmitarbeiter stellen. So erfahren sie zum Beispiel Konkretes über den Joballtag von Trainees oder Auszubildenden. Interessenten können so den Beschäftigten quasi über die Schulter schauen.

Welche anderen Informationskanäle nutzen potenzielle Bewerber heute?

Viele folgen den Karriere-Accounts großer Firmen bei Twitter oder haben die Facebookseiten von Unternehmen geliked. So erfahren sie von neuen Aktionen und können Privatnachrichten verschicken. Der Vorteil: Sie erhalten von der Firma schnell eine Antwort ohne dass ein Außenstehender dies mitbekommt. Auch den Bewerberblog erreichen oft Privatnachrichten oder Mails, die ich dann beantworte.

Was verändert sich beim Versenden der Bewerbungsunterlagen?

Die Bewerbung per Mail hat sich inzwischen etabliert, wobei öffentliche Einrichtungen immer noch gerne die Papierform verlangen. Onlineformulare benutzen dagegen nur große Konzerne. Sie haben sich also nicht flächendeckend durchgesetzt. Auch bei der Stellensuche verändert sich etwas: Es gibt inzwischen eigene Apps, mit denen sich nach Stellenangeboten recherchieren lässt. Es ist aber die Frage, ob sich diese Apps wirklich am Markt behaupten werden.

Gibt es auch aktuelle Trends bei den Bewerbern?

Ja. Gerade den jungen Bewerbern von heute ist die Work-Life-Balance wichtig. Sie wollen nicht nur eine erfüllende Arbeit, sondern auch ein erfüllendes Privatleben. Deshalb spielen flexible Arbeitszeiten eine immer größere Rolle. Außerdem gehen diese Kandidaten viel selbstbewusster ins Vorstellungsgespräch als das früher üblich war.

Bewerberblog: www.bewerberblog.de

 (Veröffentlicht , Juni 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Einstieg in den Beruf: So umgehen Sie Fettnäpfchen!

Wenn der erste Arbeitsvertrag nach dem Studium unterscchrieben ist, kommt Freude auf. Doch den eigentlichen Berufseinstieg hat der Hochschulabsolvent noch vor sich und im neuen Arbeitsumfeld lauern jede Menge Fallstricke. Wie Sie diesen ausweichen, weiß die Kommunikationsberaterin und Benimm-Expertin Elisabeth Bonneau aus Freiburg.

 Was Hochschulabsolventen in den ersten Arbeitstagen beachten sollten.
Was Hochschulabsolventen in den ersten Arbeitstagen beachten sollten.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Schulabgänger, Studierende und Eltern.

Seien Sie kein Besserwisser

Bei alteingesessenen Mitarbeitern kommt es nicht gut an, wenn Berufseinsteiger als Besserwisser auftreten. Bitte unterlassen Sie solche Sätze wie „Bei uns an der Uni“ oder „Das habe ich so gelernt“, betont Bonneau. Sie empfiehlt freundliche Bescheidenheit und respektvolles Verhalten. „Arroganz schadet Ihnen.“

Stellen Sie sich richtig vor

Manchmal verzichten Berufsanfänger darauf, sich den Anderen vorzustellen. Auch das ist ein Fehler. Denn Eigenschaften wie Höflichkeit, Freundlichkeit und Zuverlässigkeit sind Grundvoraussetzungen, damit der Einstieg in ein Unternehmen gelingt. Deshalb rät Bonneau, sich bei den einzelnen Mitarbeitern im Team oder der Abteilung persönlich vorzustellen. „Gehen Sie aber nicht mit offenen Armen auf den Anderen zu, sondern warten Sie, ob dieser Ihnen die Hand geben möchte oder nicht. Das entscheiden nämlich nicht Sie.“

Seien Sie freundlich … zu allen

Zum Vorgesetzten freundlich zu sein: Das beherrschen fast alle. Doch viele Berufseinsteiger vergessen, auch alle anderen Mitarbeiter genauso zu behandeln. Und das ist ein Fehler, der sich rächen kann. Wer zum Beispiel die Sekretärin ignoriert, wird von ihr kaum die Unterstützung erhalten, die er vielleicht braucht. „Zur Freundlichkeit und Höflichkeit gehört es, alle zu grüßen und auch mal die Tür aufzuhalten“, betont Bonneau.

Treffen Sie den richtigen Ton

An der Uni gehören „cool“ oder „geil“ zum normalen Sprachgebrauch. Doch im Berufsleben kann dieser Wortschatz zum Fallstrick werden. „Seien Sie sich bewusst, dass Sie mit dem Berufseinstieg Ihr Umfeld wechseln. Benutzen Sie eine förmlichere Sprache. Auch die Begrüßung ‚Hi‘ kommt nicht immer gut an“, so Bonneau. Ihr Tipp: Beobachten Sie, wie die Anderen reden und sich begrüßen. Passen Sie Ihren Sprachstil daran an!

Seien Sie respektvoll

„Oft sind Berufseinsteiger in Unternehmen besser gekleidet als viele Berufserfahrene. Wer deshalb die älteren Kollegen mit abschätzigen Blicken oder gesenkten Mundwinkeln betrachtet, tritt in einen Fettnapf“, erklärt Bonneau. „Machen Sie sich also nie über andere Kollegen oder Mitarbeiter lustig und seien Sie immer respektvoll.“

Achten Sie auf Formalitäten

Wer bei Facebook und Co. unterwegs ist, sendet oft Nachrichten ohne jede Höflichkeitsfloskel. Und genau das ist im Job ein No-Go! „Achten Sie bei geschäftlichen Mails auf Formalitäten. Anrede und Abschlussgruß sind absolut notwendig. Bedanken Sie sich auch für erhaltene Mails“, rät Bonneau. Die Worte „Danke“ und „Bitte“ gehören ebenfalls zum beruflichen Alltag und sind keineswegs überflüssige Zeitverschwendung.

Vorsicht Privates!

Frei weg von der Leber erzählen: Was im Freundeskreis und an der Uni eine Selbstverständlichkeit ist, kann im Beruf zum Problem werden. Deshalb empfiehlt Bonneau: „Halten Sie sich im Job bedeckt, was Ihr Privatleben angeht. Reagieren Sie zum Beispiel ausweichend, wenn jemand wissen will, ob Sie einen Partner haben. Erst wenn der Andere auch Privates erzählt, sollten Sie nachziehen.“

Bitten um Hilfe

Wer neu in der Berufswelt und im Unternehmen ist, kann nicht alles wissen. Schließlich gibt es viele informelle Verhaltensregeln wie etwa eine Antwort auf die Frage, ob und wie die Mitarbeiter ihr Telefon in der Mittagspause umstellen. „Das Verkehrteste, was Sie in solchen Fällen tun können, ist, nicht zu fragen“, erklärt Bonneau. Sie empfiehlt allen Berufseinsteigern, sich nach solchen Regelungen zu erkundigen und – bevor ein Problem entsteht – um Hilfe zu bitten.


(Veröffentlicht bei GMX.de, Oktober 2014)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Krank im Beruf: Sich nur nichts anmerken lassen?

Krank und berufstätig … wer davon betroffen ist, hat meist mehr Herausforderungen zu meistern als Gesunde. Er muss zum Beispiel entscheiden, ob er mit Arbeitgebern und Kollegen über die Erkrankung reden oder lieber schweigen will. Zwar muss der Arbeitnehmer keine Diagnose offenlegen. Aber es gibt Fälle, in denen dies sinnvoll ist.

Welche Herausforderung kranke Mitarbeiter im Beruf zu bestehen haben.
Welche Herausforderung kranke Mitarbeiter im Beruf zu bestehen haben.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Der 37-jährige Marius Schmidt (Name von der Redaktion geändert) hatte genau dieses Problem: Vor zehn Jahren erkrankte er an Multipler Sklerose, einer chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems. „Ich habe mir als Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma zehn Jahre lang nichts anmerken lassen und mit niemandem darüber gesprochen“, betont Schmidt. Wenn er doch einmal wegen eines akuten Schubes krankgeschrieben war und die Kollegen nachfragten, wich er aus. „Ich habe höflich darauf hingewiesen, dass das meine Privatsache sei und dann ein anderes Thema angeschnitten.“

Das Problem war allerdings, dass er viele Überstunden machen musste und es ihm im Laufe der Zeit immer schwerer fiel, sein Arbeitspensum durchzuhalten. Bei Schmidt entwickelte sich eine Fatigue-Symptomatik, eine chronische Erschöpfung, die seine Leistungsfähigkeit immer mehr beeinträchtigte. Er wusste nun, dass es beruflich so nicht weitergehen konnte.

Während eines stationären Rehabilitationsaufenthalts stellten die Ärzte dann fest, dass er nicht mehr voll arbeiten konnte. Der nächste Schritt war nun die Beantragung einer Erwerbsminderungsrente. Dabei unterstützte ihn eine Beraterin der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG). „Für mich war es sehr wichtig, nicht allein zu sein. Ohne die Hilfe der DMSG hätte ich das Anwaltsdeutsch in den Anträgen nicht verstanden“, berichtet Schmidt.

Bei allen Schritten begleitete ihn die Sozialarbeiterin Sylvia Habel-Schljapin von der DMSG. Sie war auch bei den Gesprächen mit seinem Arbeitgeber dabei und informierte diesen über die Erkrankung. „In diesem Fall verlief alles traumhaft“, erklärt Habel-Schljapin. „Inzwischen hat Marius Schmidt eine Arbeitsstelle, die für ihn wie angegossen ist. Er kann sitzen, sich aber auch bewegen und ist nicht allein in seiner Schicht.“ Auch Schmidt ist von der Problemlösung begeistert: „Ich kann nur jedem chronisch Erkrankten raten, sich von einer Organisation wie der DMSG unterstützen zu lassen.“

Manche Fragen sind unzulässig

Für alle erkrankten Beschäftigten ist die Gesetzeslage eindeutig: „Niemand muss seinen Arbeitgeber über ausgeheilte oder akute Erkrankungen aufklären“, betont Rechtsanwalt Christian Götz von der ver.di Bundesverwaltung. „Informieren muss er nur, wenn die Erkrankung ansteckend ist oder sie den Mitarbeiter dauerhaft an der Erbringung seiner Arbeit hindert.“ Konkret bedeutet das: Wer eine Krankheit hat, die sich nicht negativ auf die Leistungsfähigkeit auswirkt, hat keinerlei Verpflichtung, sie seinem Arbeitgeber mitzuteilen. „Auch gegenüber einem Amts- oder Betriebsarzt brauchen Beschäftigte sie nicht zu erwähnen … auch nicht in Fragebögen“, ergänzt Götz, der noch auf einen weiteren rechtlichen Aspekt hinweist: „Wenn der Arbeitgeber unzulässige Fragen über den Gesundheitszustand stellt, muss niemand Konsequenzen fürchten, wenn er etwas verschweigt oder lügt.“

Allgemeine Fragen über den Gesundheitszustand sind im Vorstellungsgespräch ein Tabu. „Ein Personaler darf einen Bewerber nicht fragen, ob er für den Job gesund genug ist. Er kann nur gezielte Fragen stellen, zum Beispiel, ob er – wenn er sich als Bäcker bewirbt – eine Mehlallergie hat“, erklärt der Karriereberater und vielfacher Buchautor Christian Püttjer. Nur wenn die Krankheit auch tatsächlich Auswirkungen auf die Arbeit hat, sieht der Berater einen Grund, diese zu thematisieren. „Wer dagegen von einem Burnout-Syndrom geheilt ist, braucht dieses nicht zu erwähnen.“

Schweigt sich jemand im Vorstellungsgespräch zu Recht über das Thema Gesundheit aus, sollte er in der Probezeit jedoch nicht offenherzig über Krankheiten plaudern. „In dieser Zeit kann jeder ohne Angabe von Gründen gekündigt werden. Eine Erkrankung, die dem Arbeitgeber suspekt ist, könnte also ausreichen, um sich von dem neuen Mitarbeiter zu trennen“, so Püttjer. Der Coach empfiehlt Menschen mit schweren oder chronischen Krankheiten, sich in beruflichen Fragen von Selbsthilfeorganisationen unterstützen zu lassen.

Ein Betroffener braucht sich auch keine Sorge darüber zu machen, dass sich sein Arbeitgeber über die Krankenkasse Informationen über ihn besorgen könnte: „Die Diagnose unterliegt selbstverständlich dem Datenschutz. Wenn ein Arbeitgeber zweifelt, dass sein Mitarbeiter wirklich krank ist, kann er sich zwar an uns wenden. Unser Medizinischer Dienst prüft das dann auch“, betont Marcus Dräger von der Techniker Krankenkasse Berlin und Brandenburg. „Aber selbst in diesem Fall erfährt die Firma nicht die Krankheit, sondern nur, ob eine Arbeitsunfähigkeit vorliegt.“

Im Zweifel zum Betriebsarzt

Auch wenn niemand seinem Arbeitgeber die Diagnose mitteilen muss, hält es die Sozialarbeiterin Habel-Schljapin von der DMSG Berlin für problematisch, wenn MS-Patienten ihre Krankheit lange Zeit verheimlichen. „Das kann großen Druck auf den Betroffenen ausüben und ihn psychisch belasten.“ Allerdings ist sie vorsichtig mit Verallgemeinerungen, denn jeder Krankheitsfall und jedes berufliche Umfeld ist anders. „Wenn aber der Betroffene beruflich fest im Sattel sitzt und ein Vertrauensverhältnis in der Firma besteht, kann es sehr hilfreich sein, über die gesundheitliche Probleme zu sprechen.“ Denn so können der Chef und die Kollegen Verhaltensweisen des Erkrankten besser verstehen und ihn bei Bedarf unterstützen.

Auch die Sozialpädagogin Dagmar Hinz vom DMSG-Landesverband Nordrhein-Westfalen weiß, dass sich kein Fall gleicht. „Wer sich im öffentlichen Dienst bewirbt, für den kann die Schwerbehinderung hilfreich sein. Andere wiederum entscheiden sich, ihrem Arbeitgeber trotz Nachfrage die Schwerbehinderung nicht mitzuteilen“, so Hinz. Dieses Verhalten hat aber auch Nachteile: Bei einer Kündigung kann der Arbeitnehmer nicht nachträglich auf einen besonderen Kündigungsschutz bestehen. „Wenn eine Erkrankung fortschreitet, sollten Betroffene noch einmal genau überlegen, ob sie ihre Kommunikation gegenüber dem Arbeitgeber nicht doch ändern wollen.“ Entscheidet sich ein Mitarbeiter für Offenheit, rät die Sozialpädagogin dazu, den Arbeitgeber genau über die Krankheit zu informieren, um so möglichen Vorurteilen entgegenzuwirken. Die DMSG bietet zum Beispiel spezielles Infomaterial für Arbeitgeber an.

Auch an einer Depression erkrankte Berufstätige stehen vor der Frage, ob sie mit dem Chef und den Kollegen über ihre Krankheit sprechen sollten. „Natürlich muss das niemand erzählen“, betont Prof. Ulrich Hegerl, Psychiater und Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. „Aber wer Andere einweiht, erntet oft Verständnis und erlebt, dass er gar nicht so allein ist.“ Der Mediziner weiß, dass es in dieser Frage keinen allgemeinen Rat gibt. Denn auch bei psychisch Erkrankten hängt es vom Einzelfall ab, ob Offenheit Sinn macht. Ausschlaggebend ist das Vertrauensverhältnis zwischen Vorgesetzten und Arbeitnehmern und unter den Kollegen. Bestimmen Konkurrenz und Missgunst die Arbeitsbeziehung, sollten Erkrankte von allzu großer Offenheit eher Abstand nehmen, so Hegerl.

Allerdings kennt der Psychiater auch Beispiele, in denen offene Gespräche sehr konstruktiv waren. „Wenn die Vorgesetzten informiert sind, können diese es dem Betroffenen ermöglichen, bei deutlich reduziertem Arbeitspensum im Arbeitsrhythmus zu bleiben. Das ist aber nur bei bestimmten Arbeitsplätzen und einem vertrauensvollen beruflichen Umfeld möglich.“ So kann vielleicht vermieden werden, dass der Erkrankte nach der Krankschreibung tagsüber zu Hause grübelnd im Bett liegt.

Auch bei der Wiedereingliederung nach längerer Arbeitsunfähigkeit ist es eventuell günstiger, wenn Vorgesetzte die Art der Erkrankung kennen. So lassen sich offen die krankheitsbedingten Konsequenzen für den Arbeitsalltag besprechen. „Menschen mit Depression und insbesondere manisch-depressiven Erkrankungen sollten zum Beispiel keine Schichtarbeit leisten.“ Hegerl empfiehlt denen, die nicht offen darüber sprechen wollen, den Betriebsarzt einzuschalten. Der kann wichtige Informationen an den Vorgesetzten weitergeben, ohne dass die Diagnose publik wird. „Am Besten ist es, wenn Erkrankte Experten in eigener Sache werden. Denn so finden sie heraus, was für sie der richtige Umgang mit der Erkrankung ist!“

Zahlen

Depressionen gehören zu den häufigsten Erkrankungen, die zu einer Arbeitsunfähigkeit führen. Frauen sind in allen Bundesländern mehr von depressionsbedingten Krankschreibungen betroffen als Männer: So der aktuelle Depressionsatlas der Techniker Krankenkasse. Auf 100 weibliche Erwerbstätige in Berlin kamen im Jahr 2013 162 Fehltage. Noch stärker belastet sind Frauen in Hamburg und in Schleswig-Holstein. Die geringsten Fehltage gab es bei den Baden-Württemberginnen. In Berlin und Hamburg kamen auf 100 männliche Erwerbstätige 94 Fehltage. Das sind mehr als in allen anderen Bundesländern! In Thüringen waren es zum Beispiel nur 61 Fehltage.

Infos:

Die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) informiert über die verschiedenen Aspekte der Krankheit und bietet unter dem Menüpunkt „Shop“ den Ratgeber „Mein Mitarbeiter hat MS – Ein Leitfaden für Arbeitgeber“ an: www.dmsg.de

Ein Austausch unter MS-Betroffenen ist im DMSG-Forum möglich: www.dmsg.de/multiple-sklerose-forum/

Die „Stiftung Deutsche Depressionshilfe“ bietet auf ihrer Homepage einen Selbsttest sowie Informationen und Adressen rund um das Thema Depression an: www.deutsche-depressionshilfe.de

Das „Diskussionsforum Depression“ ermöglicht den Erfahrungsaustausch von Betroffenen und Angehörigen: www.diskussionsforum-depression.de

Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Große Gefühle: Liebe im Job

Gelegenheit macht Liebe: Das passiert nicht nur auf Partys, in Clubs oder im Urlaub, sondern auch am Arbeitsplatz. Doch es gibt da ein kleines Problem: Im Job ist niemand privat. Deshalb wird die Liebe im Büro manchmal zur Herausforderung.

Liebe im Beruf.
Liebe im Beruf: Zwischen Beziehung und Karriere.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Schulabgänger.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Auf was Liebespaare achten sollten.
  • Wie problematisch eine Beziehung zum Chef ist.
  • Was einander liebende Geschäftspartner wissen müssen.
  • Was bei einer Trennung zu beachten ist.
  • Zahlen zum Thema Liebe.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Partnerschaft am Arbeitsplatz: So gelingt die Beziehung

„Viele Paare lernen sich im Beruf kennen“, erklärt der Diplom-Psychologe Rüdiger Wacker, der in Essen eine Praxis für Paarberatung und Partnerschaft betreibt. „Und das ist eigentlich auch gar nicht überraschend, denn überall, wo Menschen zusammenkommen, können sie sich verlieben.“

Das Problem bei der Liebe am Arbeitsplatz bringt die Berliner Benimm-Trainerin Nandine Meyden so auf den Punkt: „Als Mitarbeiter einer Firma wollen Menschen wegen ihrer eigenen Professionalität geschätzt werden. Doch wenn sie sich am Arbeitsplatz verlieben, verschwimmen die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben.“ Gerade dieser Umstand birgt ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. „Wenn sich eine Beziehung zwischen Kollegen oder gar zwischen Vorgesetzten und Untergebenen entwickelt, können im Betrieb Neid, Missgunst oder Gerüchte entstehen … bis hin zur Unterstellung, der Vorgesetzte bevorzuge seinen Partner gegenüber anderen Mitarbeitern“, so Meyden.

Die Liebesbeziehung zum Chef ist riskant

Gerade wenn zwischen den Partnern ein Hierarchiegefälle oder Abhängigkeiten bestehen, sind Probleme wahrscheinlich. „Bei einer Führungskraft, die seinen Partner beurteilen soll, wird schnell der Verdacht aufkommen, sie sei nicht objektiv“, erklärt Prof. Dr. Tim Hagemann vom Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld. Dabei muss es gar nicht sein, dass eine Leistungsbeurteilung des geliebten Menschen immer besonders positiv ausfällt: „Ein Chef kann auch versucht sein, seinen Partner schlechter zu behandeln, um sich nicht den Vorwurf der Begünstigung aussetzen zu müssen. In jedem Fall ist es eine Herausforderung, unter diesen Umständen das rechte Maß zu finden.“

Um dieser Problematik zu entgehen, rät Hagemann den ungleichen Paaren, die Situation zu klären. „Ein Paar in der gleichen Abteilung könnte sich ernsthaft überlegen, ob es nicht für alle Beteiligten besser wäre, wenn einer von beiden die Abteilung wechselt“, erklärt Hagemann. „Natürlich gibt es offene Teams, die mit solchen Konstellationen gar keine Probleme haben. Vielleicht ist es aber auch dann ratsam, das Thema anzusprechen und eine Lösung ins Spiel zu bringen.“ Dieses Vorgehen macht natürlich nur Sinn, wenn die Beziehung auf Dauer angelegt ist. Deshalb Hagemanns Tipp: Aufkeimende Gefühle nicht sofort publik machen!

Liebe unter Geschäftspartnern: Auch ein rechtliches Problem

Noch komplizierter wird eine Liebesbeziehung, wenn es sich um Auftraggeber und Auftragnehmer handelt. „Immer wieder gibt es Skandale um Führungskräfte oder Politiker, die ihrem Lebenspartner lukrative Aufträge verschaffen. Hier steht dann schnell ein Korruptionsverdacht im Raum“, betont Hagemann. Deshalb ist es kritisch, wenn Geschäftspartner in einer Liebesbeziehung stehen. „Kommt heraus, dass jemand Aufträge an einen geliebten Menschen vergeben hat, glaubt ihm keiner mehr, dass ihn das Angebot inhaltlich überzeugt hat.“

Oft muss er sogar mit beruflichen Konsequenzen rechnen, weil er zum Beispiel gegen die Compliance-Richtlinien seiner Firma verstoßen hat. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Hagemann, von Anfang an Konsequenzen zu ziehen: „Informieren Sie Ihren Vorgesetzten über die Liebesbeziehung. Lassen Sie Andere mit auf die Verträge schauen und geben Sie im Zweifelsfall Aufgaben ab.“

Rücksicht nehmen auf Kollegen

Auch wenn die Liebenden kein Hierarchiegefälle trennt, sollten sie auf ihre Umgebung Rücksicht nehmen und sich nicht nur auf ihre zärtlichen Gefühle füreinander konzentrieren. Meyden: „Es ist keine gute Idee, öffentlich in der Firma zu knutschen oder dauernd Händchen zu halten. Schicken Sie nicht dauernd intime Mails über den Firmenserver und kommunizieren Sie nicht auf andere Weise ständig miteinander.“

Wer sich in seine Vorgesetzten und Kollegen hineindenkt, wird erkennen, was an einer Liebesbeziehung im Büro problematisch ist: Die Anderen vermuten zum Beispiel, dass das Paar ein eingeschworenes Team bildet und andere gewachsene Beziehungen obsolet sind. „Um solchen nicht ganz unberechtigten Befürchtungen entgegenzutreten, sollten Sie Ihr normales Verhalten nicht verändern“, erklärt der Berliner Businesscoach und Trainer Karsten Noack. „Pflegen Sie in Mittagspausen wie gewöhnlich den Kontakt zu ihren Teamkollegen und sondern Sie sich nicht mit Ihrem Partner ab.“ Wer seiner Umgebung zeigt, dass durch die Liebe zu einem Teammitglied nicht gleich alles andere in Frage gestellt ist, kann viele Bedenken zerstreuen.

Nicht zu viele Details erzählen

Noack: „Überlegen Sie doch einmal, ob es Sie selbst nicht nerven würde, wenn Ihre Kollegin nur ständig von ihrer großen Liebe spräche.“ Mit diesem Gedankenspiel vermeiden Liebende im Job Probleme. „So drosseln sie den Informationsfluss zum Thema Liebe von ganz allein und verschonen ihre Umgebung mit zu vielen Details.“

Auch Nandine Meyden rät eindringlich dazu, kein „Porzellan zu zerschlagen“. Das gilt insbesondere für die Anbahnung von Beziehungen am Arbeitsplatz: „Auch wenn Sie im Privatleben eher der offensive Flirttyp sind, sollten Sie es im beruflichen Umfeld langsamer angehen. Vermeiden Sie Missverständnisse, sonst kann Ihnen sexuelle Belästigung unterstellt werden … und das ist kein lustiges Thema.“ Besser ist es also zu beobachten, ob das Gegenüber die Gefühle erwidert.

Trennung nicht hinausposaunen

Liebesbeziehungen im Beruf werden oft dann zum Problem, wenn sie auseinandergehen. Das weiß Paartherapeut Rüdiger Wacker: „Wenn sich Paare trennen, laufen sie sich trotzdem immer noch über den Weg … und das nervt! Wer möchte schon ständig denjenigen treffen, der ihn gekränkt hat.“ Gerade in dieser Situation empfiehlt der Psychologe den Betroffenen, genau zu überlegen, wem sie sich im Betrieb anvertrauen wollen. „Bei allen anderen Kollegen sollten Sie lieber eine Informationssperre verhängen und auf neugierige Nachfragen nicht reagieren.“

Idealerweise suchen sich Mitarbeiter, die unter Trennungsschmerzen leiden, Gesprächspartner außerhalb der Firma. „Vertrauen Sie sich guten Freunden oder einem professionellen Berater an“, rät Wacker. „Sie werden die schwierige Zeit im Büro besser überstehen, wenn Sie wissen, dass Sie am Feierabend alles erzählen können.“ In diesen Gesprächen dürfen sich dann – anders als im Job – auch Ihre Emotionen Bahn brechen.

Denn egal, wie tief die eigenen Gefühle verletzt sind: Im betrieblichen Alltag gilt es, sich professionell zu verhalten. „Reißen Sie sich im Büro zusammen, verlassen Sie – wenn nötig – den Raum. Waschen Sie sich zum Beispiel Gesicht und Hände, um dann nach einer kleinen Pause weiter arbeiten zu können“, so Meyden.

Trauer und Kränkung verarbeiten

Gerade in der ersten Phase nach dem Beziehungsende rät Wacker: „Statt bei der Arbeit zusammenzubrechen, sollten Sie sich lieber krankschreiben lassen.“ Wie sehr Menschen unter Trennungen leiden, weiß Wacker nur zu gut: „Manchmal leiden die Betroffenen monatelang. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Trauer und Kränkung zu verarbeiten. Setzen Sie sich dabei nicht unter Druck, das Ganze möglichst schnell hinter sich zu bringen.“

Infos: Zahlen zur „Liebe im Büro“

Fast jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer hat sich schon einmal im Beruf verliebt: Das ist ein Ergebnis der zum Valentinstag 2013 veröffentlichten repräsentativen Studie, die Forsa im Auftrag des beruflichen Online-Netzwerkes XING durchgeführt hat. Eine feste Beziehung am Arbeitsplatz sind demnach bereits 14 Prozent der Berufstätigen eingegangen. 35 Prozent der erwerbstätigen Deutschen können sich eine solche Beziehung vorstellen. Nur für eine Minderheit ist eine Beziehung mit dem Chef vorstellbar. Die meisten bevorzugen dagegen lieber einen Kollegen.

Tipps auf einen Blick:

  • Machen Sie aufkeimende Gefühle nicht sofort publik. Wenn Sie davon erzählen, sollten Sie Ihre Umgebung mit zu vielen Details verschonen.
  • Bei einer Liebesbeziehung zu Chef oder Chefin können Neid und Missgunst entstehen. Seien Sie sich darüber klar.
  • Als Chef oder Chefin müssen Sie das rechte Maß finden und den Partner weder zu streng noch zu wohlwollend beurteilen.
  • Wenn Sie eine Liebesbeziehung zu einem Geschäfts- und Vertragspartner entwickeln, informieren Sie Ihren Vorgesetzten über die Beziehung und besprechen Sie das weitere Vorgehen.
  • Nehmen Sie Rücksicht auf die anderen Kollegen und vernachlässigen Sie nicht die Beziehung zu diesen.
  • Überlegen Sie sich in einer Trennungssituation genau, wem Sie sich im Betrieb anvertrauen wollen.  Im Zweifelsfalle verhängen Sie lieber eine Informationssperre.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema „Liebe im Beruf“ gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Nandine Meyden: Flirten mit Stil. So finde ich einen niveauvollen Partner. So vermeide ich peinliche Situationen, Humboldt, Hannover (2012), 224 Seiten, 12,95 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, November 2014)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Motiviert arbeiten: Anerkennung und Einstellung zählen

Sich im Beruf motivieren trotz Widerständen: Vor dieser Aufgabe stand die Hessin Pinar Dogan. 2010 musste sie als frischgebackene Betriebswirtin die Geschäftsführung einer Dönerproduktion übernehmen. Denn ihr Vater, der bisher den Betrieb geleitet hatte, war schwer erkrankt. Von heute auf morgen war sie Chefin von 15 Leuten … und das in einer Männerdomäne! Schwere Startbedingungen für die heute 28-jährige.

Was Berufstätige motiviert
Was Berufstätige motiviert

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

„Am Anfang habe ich mich schwergetan. Als junge Frau musste ich mich in einer Führungsposition gegenüber Vorurteilen behaupten. Auch der Status als Akademikerin machte es mir schwer. Schließlich hatte ich als Betriebswirtin eine ganz andere Mentalität als die meisten in der Branche“, berichtet Dogan. „Was mich in dieser Zeit motiviert hat, ist die Erkenntnis, dass ich aus negativen Erfahrungen lernen kann und sie dadurch positive Effekte haben.“ Dogan hat die Herausforderung, anders zu sein als die meisten Geschäftsführer ihrer Branche, angenommen … auch mit Hilfe der Berliner Unternehmensberaterin Dr. Christiane Nill-Theobald. „Unterstütung meines deutschen Fleischermeisters hat mich ebenfalls motiviert“, so Dogan. Sie sieht das Anderssein nicht als Makel, sondern hat es sogar zu ihrem Markenzeichen gemacht. „Heute habe ich mich durchgesetzt und bekomme positives Feedback. Keiner zweifelt mehr daran, dass ich meine Aufgaben meistere.“

Pinar Dogans Erfolg ist kein Zufall: „Ob Menschen motiviert arbeiten oder nicht, hängt von ihren Zielen und Antrieben ab“, betont Prof. Dr. Michael Krämer, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen. „So ein Ziel ist zum Beispiel, für Leistung anerkannt zu werden oder eine Herausforderung erfolgreich zu bestehen.“ Diese Ziele und Antriebe können aber auch die Motivation rauben. Das ist immer dann der Fall, wenn Berufstätige keine Chance haben, ihre Ziele zu erreichen. „Wer nie eine positive Rückmeldung von seinem Vorgesetzten bekommt und wessen Streben nach Anerkennung immer erfolglos bleibt, wird immer unzufriedener zur Arbeit gehen.“

Der Sinn des Jobs

Doch fehlende Anerkennung ist nicht die einzige Rahmenbedingung, die dazu führt, dass ehemals hochmotivierte Mitarbeiter nur noch Dienst nach Vorschrift machen oder gar „innerlich gekündigt“ haben: „Wenn es am Arbeitsplatz keine klare Führung gibt und Ansprüche ständig wechseln, wird die Situation für die Mitarbeiter unübersichtlich. Das demotiviert Arbeitnehmer“, erklärt Krämer. Auch wenn sich die Unternehmensziele zu häufig ändern oder die gestellten Forderungen an die Mitarbeiter nicht erreichbar sind, verlieren Berufstätige früher oder später die Freude an der Leistung. Denn sie sehen sich in einem Hamsterrad gefangen … ohne die Chance, irgendwann erfolgreich zu sein.

Was den Einzelne zufrieden macht, kann höchst unterschiedlich sein. „Ist für einen bestimmten Menschen eine Tätigkeit stupide und langweilig, muss das für einen andern Arbeitnehmer noch lange nicht zutreffen. Er kann diese sehr wohl als motivierend empfinden, weil er damit seine Familie finanziert und die Routinen ausgezeichnet beherrscht“, berichtet Krämer. Würde dieser Beschäftigte befördert, könnte er an der anspruchsvollen Tätigkeit scheitern und so seine Motivation verlieren.

Auch Management-Coach und Unternehmensberaterin Dr. Christiane Nill-Theobald weiß, dass Zufriedenheit und Motivation von der Persönlichkeit des Berufstätigen abhängen. Dazu gehört zum Beispiel die Frage, welchen Sinn der Arbeitnehmer in seinem eigenen Job sieht. „Eine Reinigungskraft im Krankenhaus kann ihren Beruf für höchst sinnvoll halten, weil sie weiß, wie wichtig Sauberkeit und Hygiene für kranke Menschen sind“, betont die Berlinerin. „Sie kann ihre Arbeit aber auch geringschätzen, weil sie in der Krankenhaushierarchie ganz weit unten rangiert.“ Es kommt also auf die persönliche Einstellung an.

Selbstreflexion ist gefragt

„Viele Berufstätige, die sich am Montag lustlos zur Arbeit schleppen, wissen allerdings gar nicht, warum das so ist“, erklärt Nill-Theobald. „Sie haben zwar ein ungutes Gefühl, aber diese Emotion bleibt oft diffus.“ Deshalb rät sie Menschen, die ihre Leistungslust zurückerobern wollen, den eigenen Zufriedenheitsdefiziten auf die Spur kommen. „Ein wichtiger Schlüssel für die Lust auf Leistung ist das Wohlbefinden. Das entsteht, wenn der Berufstätige bei der Arbeit gute Gefühle hat oder wenn die zwischenmenschlichen Beziehungen am Arbeitsplatz und die Anerkennung durch den Chef stimmen. Das ist meist viel wichtiger als ein hohes Gehalt.“ Wer diese Hauptfaktoren unter die Lupe nimmt, wird herausfinden, wo das Problem liegt.

Zur Reflexion gehört auch die Frage, wo die eigenen Interessen und Fähigkeiten des Unzufriedenen liegen. „Viele Erwachsene haben vergessen, was ihnen in ihrem Job eigentlich Spaß macht“, weiß Nill-Theobald aus vielen ihrer Coachings. Doch genau das sollten Arbeitnehmer wissen, um mehr Zufriedenheit in ihren Arbeitsalltag zu bringen. „Wer als kreativer Typ in der deutschen Verwaltung arbeitet, der muss sich eigentlich nicht wundern, dass er aufgrund eher formeller Arbeitsabläufe am Montagsblues leidet.“ Ihr Tipp: Arbeitnehmer sollten herausfinden, was ihr Lebensker ist. „Um Lust auf Leistung zu haben, ist es wichtig, seine Potentiale gemeinsam mit seinen Kollegen und Chefs verwirklichen können.“

Krämer bringt es so auf den Punkt: „Um nicht auszubrennen oder innerlich zu kündigen, brauchen Menschen nicht nur eine als angemessen empfundene Entlohnung und Anerkennung, sondern die Persönlichkeit muss zu der Tätigkeit passen.“

Ist sich der Beschäftigte erst einmal klar, was in seinem Job schief läuft, sollte er überlegen, wie sich seine Arbeitssituation schrittweise verändern lässt und das dann auch umzusetzen. Ein Beispiel aus Nill-Theobalds Beratungspraxis: Eine Rechtsanwältin für internationales Urheberrecht hatte eine große Vorliebe für das Land Italien, trotzdem lag der Schwerpunkt ihrer Arbeit in anderen europäischen Ländern. Nachdem sie sich ihrer Vorliebe bewusst wurde, verlagerte sie ihre Tätigkeit. „Es kann manchmal so einfach sein, das Berufsleben motivierend zu gestalten“, erklärt die Unternehmensberaterin.

Weiterbildung und Erholung hilft

Auch andere Handlungsalternativen sind denkbar: So könnte ein Mitarbeiter seinen Chef nach Weiterbildungsmöglichkeiten fragen, die seinen Fähigkeiten und Interessen entsprechen oder diese ausbauen. Eine andere Möglichkeit ist, sich im Unternehmen aktiv an Projekten zu beteiligen, die dem Mitarbeiter Spaß machen. „So könnte sich der kreative Typ, der in der Verwaltung gelandet ist, vielleicht in die Gestaltung von Betriebsfeiern und Sommerfesten einbringen. Wer das macht, wird sicher lieber zur Arbeit gehen“, so Nill-Theobald.

Krämer sieht auch in der bewussten Gestaltung des Privatlebens eine Chance, die Motivation für die Arbeit zu stärken. Sein Tipp an Berufstätige: Sich Erfolgserlebnisse außerhalb des Arbeitslebens suchen und Fähigkeiten, die im Beruf nicht eingesetzt werden können, in Freizeitaktivitäten auszuleben. Außerdem sollten Arbeitnehmer nicht vergessen, für sich zu sorgen, zum Beispiel durch ausreichende Entspannungs- und Erholungsphasen.

Nill-Theobald: „In Firmen, in denen chaotische Arbeitsabläufe oder eine katastrophale Unternehmenskultur herrscht, bringen aber eigene Aktivitäten keinerlei Motivationsschub. Dann hilft oft nur noch der Wechsel der Arbeitsstelle.“

 


Literaturtipp:

Christiane Nill-Theobald: Endlich wieder Montag! Die neue Lust auf Leistung, Wiley-VCH Verlag, Weinheim (2014), 194 Seiten, 19,99 Euro

 (Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juli 2014)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

„Generation Internet“: Warum Bewerbungen floppen

Ihre Jobsuche war erfolglos. Doch Sie haben bisher gute Leistungen erbracht. Auch Ihre Qualifikation stimmt. Die Verantwortliche für die Bewerbungsratgeber des Karrierenetzwerkes „squeaker.net“ Jennifer Kiepe kennt die Gründe, warum Bewerbungen im digitalen Zeitalter floppen können. Offensichtliche Fehler spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings wird für junge Leute, die mit dem Netz groß geworden sind, das Internet oft zur Falle.

Warum Bewerbungen der "Generation Internet" floppen können.
Warum Bewerbungen der „Generation Internet“ floppen können.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Schulabgänger, Studierende und Eltern.

1. Social Media ist für Sie ein Fremdwort

Nicht jeder Bewerber muss ein Blog oder einen YouTube-Kanal haben. Aber wer in den sozialen Medien nicht aktiv ist, kann gegenüber Konkurrenten im Nachteil sein. „Wenn Sie sich für einen Social-Media-Job bewerben, ist es ein No-Go, kein eigenes Profil bei Twitter oder Facebook zu haben. Wer in seinem neuen Job einen Firmenblog aufpolieren soll, disqualifiziert sich, wenn er selber keinen eigenen Blog hat“, betont Kiepe. Und auch für kleinere Unternehmen sind Mitarbeiter mit Social-Media-Erfahrung attraktiv. Denn sie können zum Beispiel für ihre Arbeitgeber die Facebook-Seite pflegen.

2. Ihre Postings schrecken ab

Ist jemand in den sozialen Netzwerken mit fragwürdigen Postings präsent, kann auch das seinen möglichen Arbeitgeber abschrecken. „Wenn ein Profil den Bewerber fast ausschließlich bei Extremsportarten, betrunken auf Partys oder in aufreizenden Posen zeigt, ist das für die Bewerbung genauso Gift wie das Posten fragwürdiger politischer Aussagen“, erklärt Kiepe. „Immer noch viel zu wenige User beschäftigen sich mit den Netzwerk-Einstellungen zur Privatsphäre.“ Aber genau das ist ein Problem bei der Jobsuche. Deshalb sollte jeder Bewerber checken, auf welche Postings fremde Leute zugreifen können.

3. Sie sind kein Netzwerker

Nicht in jedem Job ist ein Profil bei Online-Karrierenetzwerken ein Muss. Aber in vielen Berufen ist ein Account bei Xing, LinkedIn oder bei branchenspezifischen Seiten eine wichtige Voraussetzung. Wer dort nicht vertreten ist, fällt negativ auf. Über Internetportale lassen sich außerdem Kontakte knüpfen, die bei der Jobsuche von Vorteil sind. So erfahren Netzwerker zum Beispiel von offenen Stellen. Jemand ohne solche Beziehungen hat oft weniger Informationen und Fürsprecher. Negativ ist auch ein veraltetes Profil, das den Bewerber zum Beispiel als Studenten beschreibt, obwohl er schon vor zwei Jahren seinen Abschluss absolviert hat.

4. Sie sind nicht im Internet zu finden

„Wer zu der Generation der ‚Digital Natives‘ gehört und trotzdem keinerlei Spuren im Internet hinterlassen hat, erntet wahrscheinlich Verwunderung“, so Kiepe. Bei einem frischgebackenen Akademiker wirkt es seltsam, wenn er als Einziger unter den Bewerbern im Netz nicht auffindbar ist. Skepsis erntet so jemand besonders dann, wenn er sich zum Beispiel als gesellschaftspolitisch äußerst aktiv beschreibt. Denn dann können Unternehmensvertreter erwarten, dass solch ein Engagement im Netz zu finden ist. Im schlimmsten Fall wirkt die Darstellung in Anschreiben und Lebenslauf wie eine Behauptung.

5. Ihre E-Mails floppen

Die Ausgestaltung Ihrer Mails kann ebenfalls daneben gehen: „Wenn eine junge Frau ihre Mails über eine unprofessionelle Adresse wie etwa ‚Sandra89@….‘ verschickt, braucht sie sich nicht über eine Absage zu wundern. So ein Name macht eher bei einem Dating-Portal Sinn“, erklärt Kiepe. E-Mail-Bewerbungen mit unzähligen Dokumenten im Anhang oder übergroße Datenmengen sind genauso ein No-Go wie ein zu lockerer Kommunikationsstil. Gerade von jungen Leuten wird erwartet, dass sie ein PDF-Dokument erstellen können. Das Verschicken von Word-Dokumenten ist ein schlimmer Fauxpas … zumal jeder Rechner das Dokument anders dargestellt. Das Layout wirkt dann oft wie zerschossen.

6. Sie halten sich nicht an Regeln

Auch wer die Spielregeln für das Bewerbungsverfahren ignoriert, kann schnell ins Abseits geraten. „Wer den Termin für das Online Assessment Center verpasst oder sich – wenn gefordert – nicht über das Bewerber-Managementsystem bewirbt, hat meist keine Chance“, berichtet Kiepe. Kandidaten fallen im schlimmsten Fall einfach durch das Raster, wenn sie ihre Unterlagen trotz anderer Vorgaben postalisch verschicken. Gibt das Bewerbungsverfahren den Jobsucher Fragen auf, sollte sich dieser unbedingt bei der jeweiligen Firma erkundigen und nicht „auf eigene Faust“ die Regeln brechen.

7. Sie haben einen schlechten Ruf

Ein miserabler Eindruck kann ebenfalls zum Stolperstein werden. „In Zeiten von flachen Hierarchien entscheidet häufig nicht der Chef allein, sondern er fragt das Team“, betont Kiepe. „Dumm nur, wenn schon jemand schlechte Erfahrungen mit dem Kandidaten gemacht hat und das auch sagt.“ Dann geht das Jobangebot mit Sicherheit an jemand anderen. Ist ein Praktikant zum Beispiel negativ aufgefallen, kann sich das auch auf die Bewerbung bei einem anderen Unternehmen auswirken. Denn Mitarbeiter wechseln die Firmen. Ihr Wissen über den Praktikanten nehmen sie aber mit.

8. Der Job ist nicht (mehr) zu vergeben

Manche Ablehnungsgründe haben gar nichts mit dem Bewerber oder seine Unterlagen zu tun. Kiepe: „Es kann durchaus sein, dass der Job bereits vergeben wurde oder die Stelle doch nicht mehr besetzt werden soll.“ In einer sich rasant verändernden Wirtschaftslage müssen Unternehmen manchmal schnell reagieren. Und das kann dann auch dazu führen, dass keine neuen Mitarbeiter mehr eingestellt werden. Manchmal entscheiden sich Arbeitgeber auch von vornherein für einen bestimmten Kandidaten. In diesem Fall können Bewerbungen noch so gut sein, sie werden erfolglos bleiben.

9. Sie sind arbeitslos

Bei Arbeitgebern kommt es meistens nicht gut an, wenn Sie arbeitslos sind. Kiepe: „Es ist immer ein Vorteil, sich aus einer ungekündigten Stellung heraus zu bewerben. Im Idealfall geht es dabei um einen weiteren Karriereschritt.“ Beim Übergang vom Studium zum Beruf sind ein paar Monate „Sucharbeitslosigkeit“ in der Regel kein Problem. Aber bei längeren Fehlzeiten wird es immer schwerer, einen Job zu finden. Deshalb sollten Sie nachweisen, dass Sie sich in dieser Zeit weiterqualifiziert oder die Zeit auf andere Weise sinnvoll genutzt haben.

10. Sie sind nicht erreichbar

Auch wenn eine Firma einen bestimmten Kandidaten schon als Idealbesetzung identifiziert hat, kann dieser es sich noch mit dem künftigen Arbeitgeber verscherzen: „Wer nicht erreichbar ist oder auf Nachfragen nicht antwortet, ist in Zeiten von Smartphones und Co. aus dem Rennen“, betont Kiepe. Genauso fatal ist es, wenn sich in Handynummern oder E-Mail-Adressen Schreibfehler eingeschlichen haben. Deshalb ist Sorgfalt so wichtig! Hat sich der Bewerber für einen anderen Job entschieden, sollte er höflich absagen und nicht einfach untertauchen. Sonst hinterlässt er einen extrem schlechten Eindruck. Das kann ihm beim nächsten Mal schaden.

Mehr zum Thema Bewerbung:

Das steht in Stellenanzeigen wirklich drin http://blog.anjaschreiber.de/das-steht-in-stellenanzeigen-wirklich-drin

Gute Form macht Eindruck http://blog.anjaschreiber.de/gute-form-macht-eindruck

Perfekt gekontert im Vorstellungsgespräch http://blog.anjaschreiber.de/fiese-fragen-perfekt-gekontert-im-vorstellungsgespraech

 

(Veröffentlicht bei GMX.de, Februar 2015)

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