Nein-Sagen im Beruf: Grenzen ziehen können

Der Chef überhäuft den Mitarbeiter mit Arbeit, Kollegen bitten ständig um Hilfe … viele Berufstätige kennen diese Situation. Sie werden immer wieder gedrängt, Ja zu sagen. Doch genau das ist das Problem: Denn vor lauter Beschäftigung bleiben ihre eigenen wichtigen Aufgaben auf der Strecke. Die einzig wirksame Strategie dagegen ist, Nein-Sagen zu lernen.

Nein-Sagen im Beruf.
Nein-Sagen im Beruf.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum Nein-Sagen wichtig ist.
  • Warum ein Nein schwerfällt.
  • Wie sich Nein-Sagen trainieren lässt.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Richtig „Nein-Sagen“ im Job hilft bei der Karriere

Der Karriereberater und Buchautor Martin Wehrle weiß, warum dies Berufstätigen oft so schlecht gelingt: „Weil sie fürchten, im Ansehen zu sinken. Sie werden dafür bezahlt, Probleme für ihren Chef zu lösen – und nicht, ihm welche zu machen.“ Außerdem sehen sich viele Arbeitnehmer auch moralisch unter Druck: „Oft sind die Personaldecken so dünn, dass jeder denkt: ‚Wenn ich jetzt ablehne, bleibt es an einem Kollegen hängen.‘“

Doch das Ja-Sagen schafft neue Probleme: „Die Quote der Burnout-Kranken hat sich in sechs Jahren verelffacht. Heute hat niemand nur deswegen Feierabend, weil er nach Hause gegangen ist. Denn die neuen Medien sind wie trojanische Pferde: Sie schmuggeln die Arbeit hinter die Mauern des Privatlebens“, analysiert Wehrle. Er beschäftigt sich in seinem aktuellen Buch „Sei einzig, nicht artig“ mit dem Thema Nein-Sagen. „Wer seine Grenzen nicht definiert, hat keinen Feierabend mehr und arbeitet rund um die Uhr. Ein solcher Lebenslauf geht steil nach oben – aber dann kommt der große Knick und die Einweisung in die Burnout-Klinik.“

Nein ist eine Chefvokabel

Außerdem kann die ausgeprägte Bereitschaft zum Ja noch in anderer Weise der Karriere schaden: „Nein ist eine Chefvokabel! Nur wer sie beherrscht, kann in der ersten Karriereliga mitspielen“, betont Wehrle. Denn ein Chef muss zum Beispiel Rabattwünsche, Urlaubsanträge oder Gehaltsforderungen ablehnen können. „Wer Nein sagt, gibt damit zu erkennen, dass er Ja zu etwas Größerem sagt: zu konkreten Zielen, zu persönlichen Grundsätzen.“ Und genau das verschafft Respekt.

Gerade Frauen haben das Problem, dass ihnen das Nein-Sagen besonders schwer über die Lippen kommt: „Sie achten sehr auf Beziehungen. Deshalb fällt es ihnen auch schwerer, Bitten abzulehnen“, betont die Münchner Buchautorin Isabel Nitzsche, die auch als Business-Coach arbeitet. „Frauen leben eher in einer Geltungshierarchie: Es ist wichtig, bei anderen etwas zu gelten, akzeptiert und gemocht zu werden.“ Das sei bei Männern anders: „Sie leben in einer Dominanzhierarchie. Deshalb ist auch ihre Rangordnung bis zum nächsten Kampf stabil, im Gegensatz zur instabilen Geltungshierarchie.“

Frauen fällt ein Nein besonders schwer

Im beruflichen Alltag sieht das dann oft so aus: Während Mitarbeiterinnen fleißig jeden Auftrag abarbeiten, lassen die Männer schon mal etwas liegen oder delegieren es an Andere. Nitzsche: „Irgendwann stellen dann Frauen fest, dass jüngere Männer sie in Sachen Karriere überrunden, unterdessen sie sich ständig um den Kopierer kümmern.“ Das sei der Moment, an dem vielen Frauen dämmert, dass es Wichtigeres im Job gibt als Harmonie. Es ist der Respekt!

Wehrle hat selbst erlebt, wie sich das Wort Nein positiv auf seinen eigenen Berufsweg ausgewirkt hat: „Schon als Abiturient habe ich energisch Nein gesagt zur nächtlichen Abschiebung einer jugoslawischen Asylfamilie mit Kleinkindern“, berichtet der Karriereberater. „Dafür bin ich verklagt und von zwei Gerichten wegen angeblicher ‚Beleidigung‘ verurteilt worden – bis mich das Bundesverfassungsgericht unter Vorsitz von Roman Herzog freigesprochen hat.“ Damals hatte die Süddeutsche Zeitung ihm eine Seite-3-Reportage gewidmet. Das war für ihn einer der Gründe, warum er in den Journalismus gegangen ist. Ein anderes Mal hat er eine gut dotierte Stelle als Chefredakteur gekündigt, um Freiberufler zu werden. Im Vorfeld hatten ihm davon viele Freunde abgeraten. „Doch mein Nein zu diesen Bedenken hat sich gelohnt: Als Autor und Karriereberater habe ich meine wahre Erfüllung gefunden.“

Unentbehrlich für das Selbstmanagement

Auch die Berliner Kommunikationstrainerin Nandine Meyden weiß, dass das Wort Nein unentbehrlich für das Selbstmanagement ist. „Im Beruf wie im Privatleben muss sich jeder abgrenzen. Sonst übernimmt er zu viele Aufgaben und am Ende häufen sich die Fehler.“ Wer Arbeiten nicht termingerecht umsetze, schade seinem Image und wirke nicht professionell.

Das Ja-Sagen kann also großen Schaden anrichten … nicht nur für einen selbst, sondern auch für die Firma. Deshalb empfiehlt Nitzsche, den Ja-Automatismus auszuschalten. „Das heißt nicht, dass zum Beispiel Frauen ihre soziale Fähigkeiten total abtrainieren müssen.“ Aber der vorauseilende Gehorsam sei ein Problem. „Die Dosierung macht es. Sich mal um das Kopierpapier zu kümmern ist okay, aber nicht immer. Das gilt für Männer und Frauen“, betont Nitzsche. Wer auf die Frage ’Kannst Du mal eben‘ immer mit einen Ja reagiert, gilt eben nicht als durchsetzungsstark. „Zudem übernimmt so jemand häufig Aufgaben, die oft wenig Wertschätzung erfahren.“

Nein-Sagen lässt sich trainieren

Nitzsche trainiert in ihren Durchsetzungsseminaren für Frauen mit den Teilnehmerinnen, Nein zu sagen. „Das lässt sich trainieren, zum Beispiel im Rollenspiel. Oft klappt es nicht gleich beim ersten Mal“, berichtet die Businesstrainerin. Denn häufig drücken die Frauen sich anfangs unklar aus. Auch ihre Körperhaltung lässt zu wünschen übrig. Sie haben eine gebeugte Haltung oder neigen sich Ihrem Gegenüber zu stark zu. „Beim zweiten und dritten Mal ist das schon viel besser. Die Frauen sitzen oder stehen aufrecht und schauen geradewegs ins Gesicht ihres Gesprächspartners.“

Auch die Benimmtrainerin Marlies Smits aus Großhansdorf bei Hamburg rät notorischen Ja-Sagern, das Nein zu trainieren. „Es ist hilfreich, ablehnende Antworten im privaten Bereich zu üben. So kann man zum Beispiel an der Wursttheke auf 200 Gramm Schinken bestehen.“ Wer so handelt, lernt die Reaktion des Verkäufers auszuhalten. Er verliert die Angst vor negativen Emotionen.

Respekt und Wertschätzung zählen

„Jeder sollte sich klar machen, dass ein Ja nicht automatisch höflicher ist als ein Nein. Wer zum Beispiel ein Ja unwillig vor sich hinmurmelt, wirkt unfreundlicher als jemand, der wertschätzend Nein sagt“, erklärt Smits. Deshalb ihr Tipp: Dem Fragenden aufmerksam und respektvoll zuhören. Wenn aus der Frage nicht klar wird, welche Umfang die Arbeit hat, sollten Berufstätige nachhaken, wie viel Zeit die Hilfeleistung voraussichtlich in Anspruch nehmen wird.

Besonders heikel ist es natürlich, wenn ein Vorgesetzter zusätzliche Bitten an seinen Mitarbeiter richtet. Doch auch in diesem Fall ist sich Smits sicher: „Wer Zusatzaufgaben gut erledigen will, muss bei seinem Chef im Zweifelsfall nachfragen, wie dringend die Aufgabe zu erledigen ist oder ob Anderes warten soll.“ Erwartet die Führungskraft etwas Unmögliches, sollte der Betroffene das nicht einfach stillschweigend ertragen, sondern mit Fakten belegen, dass die Arbeit so nicht zu schaffen sei. „Auch ein Chef wird ein Nein akzeptieren oder sogar schätzen, wenn er sich darauf verlassen kann, dass die Qualität sichergestellt ist.“

Um Bedenkzeit bitten

Auf Kollegenebene empfiehlt Meyden ebenfalls eine kurze Begründung für die ablehnende Antwort. „Eine langatmige Rechtfertigung ist aber unpassend. Der Angefragte sollte einfach nur kurz eine Erklärung geben, dass er zum Beispiel einen Termin hat.“

Wer ungern Nein sagt, der kann sich durch das Erbitten von Bedenkzeit Luft verschaffen. Smits: „In diesem Fall reicht es aber nicht, den Fragenden auf eine unbestimmte Zeit zu vertrösten. Besser ist es, ihm einen ganz konkreten Zeitpunkt zu nennen, zu dem er eine Antwort erwarten kann. Und natürlich muss man sich an diese selbst gesetzte Deadline halten.“

Nach Lösungen im Interessenkonflikt suchen

So problematisch das Ja-Sagen auch ist … auch eine ausweichende Kommunikation – um etwa ein Nein zu vermeiden – ist im beruflichen Alltag ein echtes Problem. „Wenn Kollegen oder Vorgesetzte drum herumreden und ausweichen, ist die Angelegenheit nicht einfach vom Tisch. Ganz im Gegenteil: Meist eskaliert das Gespräch dadurch nur, weil der Anfragende weiter auf eine Antwort dringt“, betont Meyden. Sie empfiehlt deshalb beiden Seiten, möglichst lösungsorientiert an das Gespräch heranzugehen und proaktiv nach Wegen aus dem Interessenskonflikt zu suchen. Doch dafür braucht es eine klare Position. Und die ist immer vonnöten, um konstruktiv Ja oder Nein sagen zu können.

Tipps auf einen Blick:

  • Seien Sie vorsichtig bei allzu schnellen Zusagen! Überlegen Sie, ob Sie zu oft Ja sagen.
  • Bitten Sie sich Bedenkzeit aus und sagen Sie zu einem bestimmten Zeitpunkt Ihre Entscheidung zu. Halten Sie sich an diese von Ihnen vorgegebene Deadline.
  • Wenn Sie eine Bitte abschlagen, sollten Sie das in einem höflichen und freundlichen Ton tun.
  • Auch gegenüber dem Chef kann das bloße Abnicken zum Problem werden. Deshalb ist es ratsam, bei zusätzlichen Aufträgen zu fragen, was man zuerst erledigen soll und welche Priorität einzelne Aufgaben haben.
  • Das Nein-Sagen lässt sich üben, zum Beispiel in Alltagssituationen.

Fragen an Sie:

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  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Nein-Sagen gemacht?
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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Martin Wehrle: Sei einzig, nicht artig! So sagen Sie nie mehr ja, wenn Sie nein sagen wollen, 384 Seiten, Mosaik (München) 2015, E-Book: 11,99 Euro, Buch: 14,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Januar 2016)
(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Dual studieren: Das sind die Motive und Erfahrungen junger Leute

Duale Studiengänge sind attraktiv: Sie bieten die Möglichkeit, gleich zwei Abschlüsse zu erlangen … einen beruflichen und einen akademischen. So steigt die Zahl der Studienangebote kontinuierlich. Was bisher fehlte, waren wissenschaftliche Erkenntnisse über diese Studienform. Das „Institut Arbeit und Qualifikation“ (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen hat sich im Auftrag des Bundesforschungsministeriums des Themas angenommen. Die Forschungsergebnisse liegen jetzt in Buchform vor. Darüber sprach Anja Schreiber mit der Leiterin des Projektes Dr. Sirikit Krone.

Duale Studiengänge sind attraktiv.
Duale Studiengänge sind attraktiv.

Das duale Studium ist attraktiv: Es bietet zwei Abschlüsse und eine Finanzierung.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie sich das Angebot an dualen Studiengängen in den letzten Jahren entwickelt hat.
  • Warum das duale Studium für Schulabgänger so attraktiv ist.
  • Warum duale Studiengänge für Unternehmen interessant sind.
  • Wo die Probleme liegen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Was untersuchten Sie genau?

Wir führten an 20 Standorten im Rahmen von Fallstudien Experteninterviews mit Vertretern von Hochschulen, Betrieben, Berufsschulen sowie Industrie- und Handelskammern durch. Außerdem befragten wir 500 dual Studierende mittels Online-Fragebögen. Die Ergebnisse dieser Befragung waren die Grundlage für Gruppendiskussionen mit Hochschülern. Damit sind unsere Forschungsergebnisse zwar nicht repräsentativ, aber aussagekräftig, da sie auf einer breiten empirischen Grundlage basieren.

Das Angebot dualer Studiengänge hat sich verdreifacht

Wie entwickelte sich das duale Studium in den letzten Jahren?

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Angebot dualer Studiengänge verdreifacht auf aktuell etwa 1.500. Parallel dazu wuchs die Zahl der Studierenden und beteiligten Betriebe. In einigen Fächern erreicht der Anteil circa zehn Prozent des gesamten Studienangebotes. Mehr als zwei Drittel aller dualen Studiengänge liegen in den Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften … wobei das Fächerspektrum in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden ist. So kamen gesundheits- und pflegewissenschaftliche sowie frühpädagogische Angebote dazu. Über die Hälfte der Studiengänge sind an Hochschulen für angewandte Wissenschaften angesiedelt. Universitäten fungieren dagegen nur in Einzelfällen als Kooperationspartner. Dafür haben vermehrt private Hochschulen diesen Markt für sich entdeckt.

Dual studieren bedeutet einen ständigen Wechsel zwischen Hochschule und Betrieb. Wie sieht das konkret aus?

In unserer Studie zeigen wir, dass es eine Vielzahl verschiedener Konzepte gibt. Drei Organisationsformen haben sich etabliert, die Theorie und Praxis in unterschiedlicher Form verzahnen: Im Blockmodell wechseln die Studierenden die Lernorte in größeren Zeitabständen. So verbringen sie zum Beispiel die vorlesungsfreie Zeit im Betrieb. Das teilseparierte Modell ist in noch größeren Blöcken organisiert. Das bedeutet etwa, dass die Hochschüler im ersten Jahr komplett im Unternehmen sind. Im integrierten Modell dagegen findet ein permanenter Wechsel innerhalb einer Woche statt.

Motive für die Studienwahl: Bezahlung und Beschäftigungssicherheit

Wer studiert dual?

Überwiegend wählen junge Männer diese Studiengänge. Sie stammen zum größeren Teil nicht aus Akademikerfamilien. Wichtiges Motiv für die Studienwahl ist für sie die Bezahlung während des Studiums, aber auch die Beschäftigungssicherheit nach Studienende. Sie sind besonders leistungsstark und karriereorientiert. Auffällig ist zudem die hohe Zufriedenheit unter den Studierenden.

Was schätzen Hochschulen und Unternehmen am dualen Studienangebot?

Das Leitmotiv der Firmen ist die Nachwuchssicherung für die mittlere Führungsebene. Hinzu kommt der Vorteil, dass die Betriebe frühzeitig junge Menschen an sich binden können. Spätere Einarbeitungszeiten wie etwa bei anderen Hochschulabsolventen entfallen. Für die Hochschulen ist die Nachfrage der Wirtschaft entscheidend. Diese führt schließlich zur Einrichtung dualer Studiengänge.

Gleichzeitige Anforderungen im Studium und im Betrieb

Das hört sich alles sehr positiv an. Gibt es auch Schwierigkeiten?

Die inhaltliche und organisatorische Verknüpfung von Studium und Ausbildung führt in der Praxis immer wieder zu Problemen … zum Beispiel wenn sich Studierende auf Klausuren vorbereiten, aber gleichzeitig Anforderungen im Betrieb erfüllen müssen. Deshalb sind umfangreiche Abstimmungsprozesse zwischen Hochschulen und Unternehmen notwendig. Oft gibt es dazu aber noch keine Standards, sondern nur Einzelabsprachen. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHWB) geht mit gutem Beispiel voran. Sie schließt schriftliche Verträge mit ihren Kooperationspartnern, die etwa Urlaubszeiten und Anwesenheitspflichten genau regeln.

Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich regeln

Was raten Sie Schulabgängern, die sich für ein solches Studium interessieren?

Studierwillige sollten bei den zuständigen Studienberatungen nachfragen, ob die Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich geregelt ist. Das ist ein Zeichen für Mindeststandards bezüglich der Qualität in der gemeinsamen Ausbildung an zwei Lernorten.

Setzen Sie Ihre Forschung zu dem Thema fort?

Ja, wir arbeiten bereits an einem weiterführenden Forschungsprojekt. Es beschäftigt sich mit dem Verbleib der Absolventen dualer Studiengänge. Wir untersuchen die berufliche Entwicklung ehemaliger Studierender. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich im September 2017 vor.

Tipps auf einen Blick:

  • Schulabgänger und ihre Eltern sollten sich genau über die Rahmenbedingungen des dualen Studiums informieren.
  • Außerdem ist es wichtig, herauszufinden, ob diese Studienvariante überhaupt zum Studienbewerber passt.
  •  Bewerber sollten  unbedingt die Studienberatungen der entsprechenden Hochschulen aufsuchen und an „Tagen der offenen Tür“ teilnehmen, um die Hochschule kennenzulernen.
  • Es ist sinnvoll, bei den zuständigen Studienberatungen nachzufragen, ob die Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich geregelt ist.

Fragen an Sie:

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  • Überlegen Sie, dual zu studieren?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem dualen Studium gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Sirikit Krone (Hrsg.): Dual Studieren im Blick. Entstehungsbedingungen, Interessenlagen und Umsetzungserfahrungen in dualen Studiengängen, 264 Seiten, Springer (Wiesbaden) 2015, 29,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juli 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Hochsensibilität im Beruf: Fluch und Segen zugleich

Sie reagieren extrem auf Geräusche, Gerüche und Licht. Wenn etwas im Team nicht stimmt, spüren sie es sofort … das alles zeichnet hochsensible Menschen aus. Im Arbeitsalltag kann das Fluch und Segen zugleich sein. Denn diese Kollegen sind sehr empathisch, wirken auf Außenstehende aber auch oft überempfindlich.

Hochsensibilität im Beruf: Eine Herausforderung.
Hochsensibilität im Beruf: Eine Herausforderung.

So wirkt sich Hochsensibilät im Arbeitsalltag aus

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was Hochsensibiltät ist.
  • Wie sich Hochsensibilität im Berufsalltag auswirkt.
  • Was Hochsensible tun können.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlungen.

„Etwa 15 bis 20 Prozent der Menschen sind hochsensibel oder hochsensitiv“, berichtet Ulrike Hensel, Buchautorin und Coach für Hochsensible aus dem Stuttgarter Raum. Sie betont, dass Hochsensibilität keine Krankheit ist und kein therapiebedürftiger Zustand, sondern eine angeborene Variation, wie das Nervensystem reagiert. Zu den Merkmalen gehört zum Beispiel das intensive Empfinden von optischen oder akustischen Reizen und Gerüchen. Ein ausgeprägtes intuitives Denken, hohe Begeisterungsfähigkeit, Kreativität und psychosoziale Feinwahrnehmung zeichnen diese Personen ebenfalls aus. „Sie sind aber nicht zwangsläufig introvertiert oder gar schüchtern, auch wenn 70 Prozent als introvertiert gelten.“

Petra Overbek (Name von der Redaktion geändert) gehört zu diesen hochsensiblen Menschen. Schon in frühen Jahren war sie anders als ihre Altersgenossen. Sie fremdelte als Säugling deutlich öfter als andere. Als Jugendliche ging sie ungern auf Partys, sondern brauchte mehr Ruhezeiten. Auch im Berufsalltag stellte die ausgebildete Grafikdesignerin eine große Diskrepanz zwischen sich und ihren Kollegen fest: „Immer wieder höre ich Sätze wie ’Du bist zu sensibel‘ oder ‚Du musst Dich ändern‘“, berichtet Overbek. Den Ratschlag „sich ein dickeres Fell zuzulegen“ hört die heute 41-Jährige ständig.

Hochsensible sind leichter gestresst

Sie empfindet viele Alltagssituationen im Beruf so ganz anders ihre Kollegen. Wenn zwei oder drei im Büro miteinander reden, ist das für sie zu laut. Sie kann dann nicht konzentriert arbeiten. „Während sich in meinem Betrieb die meisten bei Gesprächen in der Mittagspause entspannen, ist das für mich total anstrengend. Und zum Schluss bräuchte ich eigentlich erst recht eine Auszeit“, erklärt Overbek.

Hensel weiß, dass Hochsensible durch die Art ihrer Wahrnehmung häufiger gestresst sind als andere Mitarbeiter. „Sie sind leichter reizbar und reagieren unter Umständen heftiger als der Durchschnitt“, so Hensel. „Gerade die empathischen Fähigkeiten führen bei diesen Personen dazu, dass sie Konflikte intensiver empfinden.“

Hin und wieder kommt es auch in Overbeks Berufsalltag zu Problemen. „Wenn ich etwas nicht verstehe, traue ich mich oft nicht nachzufragen.  Aus Angst vor Ablehnung bin ich in Konferenzen viel zu zurückhaltend. So können Fehler entstehen.“ Von ihrem Chef hört sie dann: „Wehr Dich, frag nach, sag etwas!“

Hochsensitivität hat viele Vorteile

Overbek erlebt ihre Hochsensibilität aber keineswegs nur als Problem, sondern sie weiß auch um ihre Vorteile. Wie viele Hochsensible ist sie kreativ. Darum hat sie sich auch für den Beruf der Grafikdesignerin entschieden. Außerdem ist sie sozial sehr kompetent: „Immer wieder haben mir Kollegen und Vorgesetzte bestätigt, dass die Stimmung besser wird, wenn ich den Raum betrete. Scheinbar strahle ich eine Ruhe aus, die sich auf alle überträgt.“ Zudem erlebt Overbek häufig, dass Unternehmensmitarbeiter zu ihr kommen, wenn sie Probleme haben.

Auch Anne Heintze, Buchautorin und Leiterin der OpenMind-Akademie in München, bestätigt: „Hochsensible sind sehr empathisch und kreativ. Deshalb finden sie sich häufig in sozialen Berufen wieder, aber auch im Marketing und Coaching.

Empathisch und kreativ

Hensel sieht die Stärken dieser Personengruppen zudem im analytischen Bereich: „Besonders ausgeprägt ist das konzeptionelle und kritische Denken. Viele arbeiten deshalb in Wissenschaft und Forschung.“ Allerdings brauchen diese Berufstätigen die Möglichkeit, sich zurückzuziehe

„Ständiger Kundenkontakt kann leicht zur Überforderung führen“, berichtet Birgit Trappmann-Korr, Psychologin und Coach für Hochsensitive und Hochbegabte aus Rheinberg. Eine therapeutische Tätigkeit kommt diesen Menschen dagegen sehr entgegen, da es sich um eine intensive Eins-zu-Eins-Situation handelt.“ Geeignet sei zudem eine Selbstständigkeit. Denn diese erlaubt Berufstätigen, ihren Arbeitsalltag eigenständig zu gestalten.„Hochsensible brauchen mehr Ruhe. Nur so können sie ihre Batterien wieder aufladen. Deshalb ist ein Homeoffice ebenfalls eine gute Lösung.“

Berufwahl und Hochsensibilität

Doch um den richtigen Beruf wählen zu können, der zu den eigenen Anlagen passt, müssen Menschen erst einmal ihre Besonderheiten kennen. Auch Petra Overbek hatte lange keinen Schimmer von ihrer Veranlagung. Erst vor wenigen Jahren fand sie das heraus. „Vorher hatte ich immer das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen.“ Inzwischen akzeptiert sie sich so, wie sie ist. „Ich gönne mir heute mehr Ruhepausen und ziehe mich öfter mal von den Kollegen zurück“, berichtet Overbek. So kommt sie seltener mit in die Kantine, sondern verbringt die Pausen auch mal alleine. Manchmal verlässt sie das Büro, geht auf die Toilette, um dort für einige Minuten Ruhe zu tanken. Dort macht sie kurze Entspannungsübungen. Das hilft. Um nicht stigmatisiert zu werden oder auf Unverständnis zu stoßen, möchte sie von ihrer Hochsensibilität im Kollegenkreis aber lieber nicht erzählen.

Das können Hochsensible tun: Sich und Andere verstehen

Auch Trappmann-Korr bestätigt, dass die meisten „Betroffenen“ erst nach vielen Lebensjahren ihre Disposition erkennen. „Wenn die Menschen zu mir kommen, haben sie sich meist schon eingelesen oder im Internet recherchiert. Sie treibt oft der Wunsch an, alles noch einmal im Dialog zu klären.“

Für Hochsensible ist es ganz wichtig, ihre Veranlagung zu entdecken. „Viele meiner Klienten erleben es als Erleichterung, wenn sie erfahren, dass sie eben nicht krank sind“, betont Heintze. Mit diesem Wissen verstehen sie sich und die Reaktionen ihrer Umwelt besser. „Ihnen wird klar, dass die Kollegen oder Chefs ihnen gar nichts Böses wollen, sondern lediglich die Dinge anders wahrnehmen.“

Das hilft hochsensiblen Menschen

Wer um sich selbst weiß, schafft es auch eher, für sich zu sorgen. „Ein Hochsensibler sollte in stressigen Situationen Distanz schaffen, indem er zum Beispiel diese in Richtung Kopierer verlässt“, so Heintze. Als Alternative zum kraftzehrenden Plausch in der Kantine könnte er etwa einen Spaziergang unternehmen. „Was ‚Betroffenen‘ gut tut, wissen sie in der Regel selbst am Besten. Denn sie haben viel Intuition.“

Trappmann-Korr betont: „Hochsensitive sollten erkennen, wer sie sind und was sie brauchen, damit es ihnen gut geht.“ Sie hat oft festgestellt, dass ihre Klienten sich mehr um Kollegen, Freunde und Familie kümmern als um sich selbst. Das sei aber gerade problematisch. Denn es führe oft zu psychosomatischen Stressreaktionen wie Verspannungen, Kopfschmerzen oder Herz-Kreislauf-Problemen. Vor diesem Hintergrund empfiehlt sie ’Betroffenen‘, zu den an sie herangetragenen Wünschen auch mal nein zu sagen.

Richtig die eigenen Bedürfnisse kommunizieren

Zur Selbstfürsorge gehört die Kommunikation. Schließlich sollten Hochsensible nicht still vor sich hinleiden, wenn ihnen beispielsweise die Geräuschkulisse im Büro zu laut ist. Hensel: „Die Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg hat sich dafür als besonders hilfreich erwiesen. Denn sie stößt den Gesprächspartner nicht vor den Kopf, sondern macht auf die eigenen Empfindungen, Bedürfnisse und Wünsche aufmerksam.“

Die Selbstfürsorge im Beruf kann sehr unterschiedlich aussehen. Hensel: „Manchmal reicht es schon, morgens früher als die Kollegen anzufangen, um so in den ersten Stunden in Ruhe arbeiten zu können. Manchmal ist vielleicht auch ein Jobwechsel notwendig.

Tipps auf einen Blick:

  • Oft erleben sich Hochsensible als defizitär. Doch ihre Veranlagung hat auch im Beruf viele Vorteile.
  • Wichtig ist deshalb, einen Beruf auszuwählen oder einen Job zu suchen, der zu den eigenen Stärken passt.
  • Damit Hochsensible das tun können, müssen sie sich ihrer Veranlagung bewusst werden und zuvor über das Thema Hochsensibilität recherchieren.
  • Wer seine Veranlagung kennt, sollte für sich sorgen und auf seine Bedürfnisse achten.
  • Oft ist es hilfreich, zu Menschen und Situationen Distanz zu schaffen.
  • Wichtig ist es auch, über die eigenen Bedürfnisse klug zu kommunizieren, z.B. mit der Gewaltfreien Kommunikation.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Sind Sie hochsensibel?
  • Haben Sie die im Artikel beschriebenen Symptome?
  • Welche Erfahrungen haben Sie als hochsensibler Mensch im Beruf gemacht?
  • Welche Probleme haben Sie und wie sehen Ihre Lösungsansätze aus?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie es in die Kommentare! Vielen Dank!

Meine Literaturempfehlungen:

Ulrike Hensel: Mit viel Feingefühl – Hochsensibilität verstehen und wertschätzen. Einblicke in ein gar nicht so seltenes Phänomen, Junfermann (Paderborn) 2013, 240 Seiten, broschiert: 22,90 Euro, E-Book: 19,99 Euro.

Anne Heintze: Ich spüre was, was du nicht spürst. Wie Hochsensible ihre Kraftquellen entdecken, Gräfe und Unzer (München) 2015, 128 Seiten, gebunden: 12,99 Euro, E-Book: 10,99 Euro.

Birgit Trappmann-Korr: Hochsensitiv: Einfach anders und trotzdem ganz normal. Leben zwischen Hochbegabung und Reizüberflutung, VAK Verlag (Kirchzarten bei Freiburg) 2014, 336 Seiten, broschiert: 18,95 Euro.

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Zehn Tipps zum neuen Jahr: So werden aus Vorsätzen Erfolge!

Endlich eine aufgeschobene Hausarbeit fertig stellen, mehr Sport machen, mit dem Rauchen aufhören oder weniger zocken … Du hast Dir für das neue Jahr richtig viel vorgenommen? So weit, so gut! Doch oft bleiben viele gute Vorsätze für das neue Jahr Wunschträume. Scheinbar ist der innere Schweinehund einfach zu stark. Das muss aber nicht sein. Mit diesen zehn Tipps bist Du Deiner Willensschwäche nicht mehr machtlos ausgeliefert!

So klappt es mit den Vorsätzen!
So klappt es mit den Vorsätzen!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Auszubildende, Schulabgänger, Berufseinsteiger und  Berufserfahrene.

In diesem Artikel erfährst Du:

  • Wie es mit den Vorsätzen klappt.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

1. Ziele statt Wünsche

Der Wunsch, weniger zu zocken, um mehr Zeit für die Uni zu haben, ist löblich, aber leider noch ziemlich unkonkret. Was heißt eigentlich weniger? Damit aus Deinem Wunsch auch Wirklichkeit wird, solltest Du Dir ein konkretes Ziel vornehmen, zum Beispiel eine Zock-Höchstgrenze festlegen und Dir so Raum für andere Aktivitäten schaffen.

2. Keine Wunder erwarten

So lobenswert es ist, dass Du etwas verändern willst, vergiss nicht, realistisch zu bleiben! Wenn Du ein supervolles Studienjahr vor Dir hast, kannst Du Dich schnell verzetteln, wenn Du noch zusätzlich Chinesisch lernen willst … es sei denn, Du bist wirklich ein Überflieger. Erwarte also von Deiner Leistungsfähigkeit keine Wunder!

3. Schritte zum Ziel konkret planen

Große Ziele zu haben, beflügelt. Die Feinplanung ist dagegen mühsam und holt oft auf den Boden der Realität zurück. Aber wenn Du Deine Vorsätze verwirklichen willst, ist es wichtig, einzelne konkrete Schritte zum Ziel festzulegen.

4. Gewohnheiten einüben

Gewohnheit: Das klingt so langweilig. Und das soll ein Mittel zum Erfolg sein? Ist aber so: Kleine Änderungen, die Du in Deinen Alltag integrierst, bringen oft mehr als große Kraftanstrengungen, die Du nur wenige Tage durchhältst.

5. Hindernisse einkalkulieren

Wenn Du Dir etwas Größeres vornimmst, solltest Du damit rechnen, dass nicht alles reibungslos funktioniert. Es kann so viel passieren: Krankheiten, unvorhergesehene Probleme oder Unerwartetes im Privatleben. Und die machen Dir schnell einen Strich durch die Rechnung. Kalkulierst Du dagegen vorher Schwierigkeiten ein, kannst Du viel gelassener damit umgehen, wenn sie dann tatsächlich auftauchen.

6. Gemeinsam geht es besser

Ohne Motivation geht es nicht. Und wenn Du gerade durchhängst, kann der Elan Anderer Dir neuen Antrieb geben. Deshalb suche Dir Mitstreiter! Wenn Du zum Beispiel endlich eine Hausarbeit fertigstellen willst, könnte Dir eine Schreibgruppe helfen. Auf eingefleischte Introvertierte kann eine Arbeitsgruppe allerdings kontraproduktiv wirken!

7. Sich belohnen

Du arbeitest regelmäßig für Dein Ziel, aber noch ist es in weiter Ferne? Dann brauchst Du hin und wieder eine Frischzellenkur für Deine Motivation! Deshalb solltest Du Dich öfter mal für Deine Anstrengungen belohnen. Wie wäre es mit einem Konzert oder Clubbesuch? Es gibt natürlich auch Belohnungen, die gar nichts kosten wie ein extra freier Tag.

8. Sich ein Zwischenzeugnis ausstellen

Auf dem Weg zum Ziel ist es wichtig, den inneren Schweinehund in Schach zu halten. Der macht sich oft nach der ersten Anfangseuphorie breit. Am Besten schlägst Du ihm ein Schnippchen, wenn Du Dir bewusst machst, wo Du gerade stehst. Frage Dich also von Zeit zu Zeit, wie Dein „Projekt“ funktioniert. Läufst es gut? Gibt es Probleme? Bist Du de facto schon ausgestiegen? Wer sich so im Abstand von ein paar Wochen ein kleines Zwischenzeugnis ausstellt, kann leichter gegensteuern, wenn etwas schiefläuft.

9. Ziele anpassen

Hast Du Dir ein Zwischenzeugnis ausgestellt, wirst Du erkennen, wie weit Du noch vom Ziel entfernt bist. Natürlich kann es sein, dass alles super läuft und Du im Zeitplan bist. Aber auch das Gegenteil ist möglich. Dann solltest Du den Kopf nicht hängen lassen, sondern Dich fragen, ob Dein Ziel vielleicht überambitioniert war. Statt einfach aufzugeben, macht es meist Sinn, den Vorsatz noch einmal zu überdenken und ihn der Realität anzupassen.

10. Nicht nur zu Neujahr

Niemand muss übrigens bis Neujahr warten, um etwas in seinem Leben zu ändern oder neue Ziele anzuvisieren. Eigentlich kannst Du jeden Tag für einen Neuanfang nutzen. Okay, es macht schon Sinn, an einem besonderen Tag zu beginnen, zum Beispiel, wenn Du umgezogen bist, am Anfang eines neuen Semesters oder wenn Dein Partner mit Dir Schluss gemacht hat!

Tipps für das neue Jahr:

    • #1 Du solltest aus Deinen Wünschen konkrete Ziele machen, die messbar und terminiert sind.
    • #2 Bleibe in Sachen Vorsätze realistisch und erwarte von Dir keine Wunder.
    • #3 Besonders wichtig ist es, einzelne konkrete Schritte zum Ziel festzulegen.
    • #4 Kleine Änderungen, die Du in Deinen Alltag integrierst und so zu Deiner Gewohnheit machst, bringen oft mehr als große Kraftanstrengungen.
    • #5 Am Besten kalkulierst Du Schwierigkeiten vorher ein, dann kannst Du viel gelassener damit umgehen, wenn sie tatsächlich auftauchen.
    • #6 Wenn Du ein Teamworker bist, suche Dir Mitstreiter.
    • #7 Belohne Dich hin und wieder für Deine Anstrengungen.
    • #8 Stelle Dir im Abstand von ein paar Wochen ein kleines Zwischenzeugnis aus. Damit findest Du leicht heraus, ob etwas schief läuft. So kannst Du gegensteuern.
    • #9 Statt einen Vorsatz einfach aufzugeben, macht es Sinn, ihn noch einmal zu überdenken und ihn der Realität anzupassen.
    • #10 Du kannst jeden Tag für einen Neuanfang nutzen.

Fragen an Dich:

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  • Gelingt Dir die Umsetzung Deiner Vorsätze?
  • Mit welcher Strategie schaffst Du es, Deine Ziele zu verwirklichen?
  • Woran scheitern Deine Vorsätze?
  • Welche Tipps würdest Du Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht im Werkblatt, Januar/Februar 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Berufseinstieg als Tätowierer oder Kosmetikerin: Jobs rund um den Körperkult

Attraktiv sein und gut aussehen: Dieser zutiefst menschliche Wunsch sorgt für Jobperspektiven in ganz unterschiedlichen Berufen. Ob es nun um die Frisur geht, das individuelle Tattoo oder eine kosmetische Behandlung: Am Ende soll sich der Kunde wohlfühlen. Deshalb ist Freude am Umgang mit Menschen für Berufe rund um den Körperkult wichtig. Aber auch ästhetisches Feingefühl und Kreativität zählen.

Tattoo und Co.: Berufe rund um den Körperkult.
Tattoo und Co.: Berufe rund um den Körperkult.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Schulabgänger, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Ausbildung und Berufseinstieg im Bereich Beauty und Körperkult aussehen.
  • Wie die Berufschancen sind.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Traumberuf Tätowierer

Der 28-jährige Bobby Anders hat sich seinen Berufstraum erfüllt: Er ist Tätowierer im Berliner Tatoo- und Piercingstudio AKA. „Tattoos faszinierten mich schon früh … besonders die von meinem Großvater. Der hatte mit seinen Tattoos alte KZ-Tätowierungen überdecken lassen.“ Anders ließ sich mit 14 Jahren das erste Tattoo stechen. Doch die damalige Szene in Frankfurt am Main, wo er zuhause war, gefiel ihm nicht. „Diese Leute hörten Böhse Onkelz. Das Tätowieren war für sie keine Kunst.“ So verlor er das Interesse und studierte erst einmal Design in Darmstadt.

Vor zwei Jahren entdeckte er seine alte Liebe neu. Er kaufte sich eine Maschine und begann, sich selbst zu tätowieren. „Natürlich habe ich am Anfang viel falsch gemacht und zum Beispiel ungeeignete Nadeln benutzt“, berichtet Bobby Anders. Nach und nach aber brachte er sich das Wissen selbst bei. Dann fing er an, auch Freunden Tattoos zu stechen.

Bobbys großer Traum war es, bei AKA Tattoo in Neukölln zu arbeiten. „Ich wusste: Das Studio ist wirklich gut. Dort wollte ich hin.“ Und Bobby Anders bekam seine Chance. Er konnte von den Tattoo-Künstlern des Studios lernen. Erst wurde er für zwei Probewochen engagiert, dann für zwei Monate. Inzwischen ist er fest angestellt. Seit mittlerweile einem Jahr gehört er zu den Tattookünstlern des angesagten Studios, dessen Facebook-Seite knapp 45.000 Fans hat. Die Mitarbeit bei AKA hat ihn – wie er sagt –  „total gepusht“.

Tätowierer ist kein dualer Ausbildungsberuf

„Auch wenn Tätowieren und Piercen ein Hype ist … eine klassische Ausbildung gibt es dafür nicht“, erklärt Petra Cämmerer, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd. „Oft sucht sich der Nachwuchs ein Studio, das ihm gefällt, und lernt dort. Diese Ausbildung funktioniert also wie zu vergangenen Zeiten ohne Berufsschule und staatliche Abschlüsse.“ Am Anfang stehen Hilfsarbeiten und Zuschauen. Die Lernenden probieren sich zuerst an Schweinehäuten aus. „Tätowierer müssen natürlich zeichnen können, sie sollten aber auch verantwortungsvoll sein“, erklärt Cämmerer. Denn schließlich gehe es um die Gesundheit von Menschen.

Anders unterstreicht: „50 Prozent des Tätowierens ist Kunst, die restlichen 50 Prozent Hygiene. Deshalb sind auch Hygieneschulungen so wichtig.“ Neben Menschenkenntnis empfiehlt der studierte Designer Einsteigern, sich für die Tattoo-Szene zu interessieren. „Dazu gehören Kenntnisse über die Geschichte des Tätowierens, aber auch das Wissen um die neuesten Trends.“ Die Bereitschaft, sich fortzubilden, sei ebenfalls wünschenswert.

Vorher eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren

Da „Tätowierer“ kein anerkannter Beruf ist, empfiehlt Cämmerer jungen Leuten, die dieses Berufsziel haben, erst einmal eine duale Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren. „Später können sie immer noch ihrer Leidenschaft nachgehen.“

Ein Klassiker unter allen Berufen rund um den Körperkult ist der Friseur. „Das Friseurhandwerk ist unter den Schulabgängern immer noch sehr beliebt“, betont Cämmerer. „Doch inzwischen gibt es mehr offene Ausbildungsplätze als Bewerber. Das mag auch an der unattraktive Ausbildungsvergutung und den Arbeitszeiten, aber auch an der körperlichen Anstrengung liegen.“ Dennoch hält die Berufsberaterin die Ausbildung für eine gute Ausgangsbasis für beruflichen Erfolg. So könnten Friseure den Meisterabschluss erwerben und sich selbstständig machen.

Friseurhandwerk: Auszubildende sind gefragt

Die 48-jährige Ursula Gerber ist seit 32 Jahren mit Leib und Seele Friseurin, 19 Jahre davon in Berlin selbstständig. Seit 15 Jahren hat sie einen Salon in der Charlottenburger Grolmanstraße. Sie ist über Monate hin ausgebucht. „In diesem Jahr habe ich keinen Auszubildenden, weil ich niemand Passendes gefunden habe“, betont sie. Viele Bewerber hätten falsche Vorstellungen und wenig Ausdauer. „Für den Beruf braucht man die Leidenschaft, den Menschen etwas Gutes zu tun und die Bereitschaft, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.“ Natürlich sei auch Kreativität wichtig, aber auch ein Gespür für Farben und Formen.

Gerber selbst hat ihren Beruf in der Schweiz gelernt und dort ihre Meisterprüfung abgelegt. Einige Jahre arbeitete sie als Geschäftsführerin, bevor sie sich selbstständig machte. „Wer ehrgeizig ist und an sich glaubt, kann weit kommen und gut verdienen“, so Gerber. Sie empfiehlt dem Nachwuchs, sich ein Ziel zu setzen und mit Freude und Ehrgeiz seine Kreativität auszuleben, um dieses Ziel zu erreichen. „Friseure können in Luxushotels im In- und Ausland arbeiten, aber auch zu Film- oder Fernsehproduktionen gehen, wenn eine Zusatzausbildung zum  Visagist oder Maskenbildner vorliegt.“

Kosmetik: Duale Ausbildung oder  Schule?

Die Kosmetik bietet ebenfalls Berufsperspektiven an. „Anders als bei den Friseuren ist es relativ schwer, in diesem Beruf einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, erklärt Cämmerer. Denn die meisten Kosmetiksalons sind „Ein-Frau-Unternehmen“, die nicht ausbilden. „Eine Kosmetikschule ist deshalb eine Alternative. Allerdings kostet sie Schulgeld.“

An der Kosmetikschule Berlin können Interessierte verschiedene Aus- und Weiterbildungen absolvieren, zum Beispiel in der Ganzheitskosmetik oder in „Fußpflege und Maniküre“. Schulleiterin Alexandra Nüske: „Unsere Kurse haben eine Länge von mehreren Wochen bis zu einem Jahr. Umschulungen werden häufig vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur übernommen.“ So haben 65 Prozent der Absolventen bereits eine erste Ausbildung abgeschlossen.  „Bei uns geht es um die Pflege, nicht um Kreativität wie im Friseurhandwerk. In erster Linie behandeln wir gesunde Haut, aber auch Akne. Das muss jemand wissen, der sich für diesen Beruf interessiert.“

Nüske weiß, dass gerade junge Frauen oft falsche Vorstellungen von dem Beruf haben. „Viele glauben, dass Kosmetikerin und Visagistin das Gleiche ist. Natürlich muss man perfekt schminken können. Doch das Reinigen der Haut, die Fußpflege, die Ganzkörpermassage oder Enthaarung gehören ebenfalls zur Ausbildung und zur späteren Tätigkeit.

Gute Berufschancen für Kosmetikerinnen

Wer eine Kosmetikschule absolviert hat, kann in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten. „Neben der Möglichkeit, sich selbstständig zu machen, bieten auch Hotels und Kreuzfahrtschiffe Arbeitsplätze für Kosmetikerinnen an. In Alten- und Krankenpflege-Einrichtungen werden sie ebenfalls gebraucht.“ Nüske sieht gute Berufschancen: „Uns  rufen regelmäßig alle möglichen Arbeitgeber wie etwa Reedereien an und fragen nach unseren Absolventinnen.“

Veronika Gracher hat die Kosmetikschule Berlin besucht und sich dann mit ihrer „Beauty Therapy“ selbstständig gemacht. Sie kommt ursprünglich aus einer ganz anderen Branche: „Ich studierte zuerst Spanisch. Danach absolvierte ich noch ein BWL-Studium mit den Schwerpunkten Marketing und Vertrieb.“ Die Akademikerin war anschließend viele Jahre für das Fernsehen tätig und verkaufte international Produktionen. „Mir wurde aber klar, dass ich diesen Beruf nicht bis zur Rente ausüben wollte. Deshalb orientierte ich mich noch einmal neu und griff den Kindheitstraum Kosmetikerin und Visagistin auf.“

Heute arbeitet Gracher als Ganzheitskosmetikerin im hochpreisigen Bereich. Denn schließlich ist sie mehrsprachig und kann sich mit ihren Kunden auf englisch, französisch und spanisch unterhalten. Sie absolvierte Weiterbildungen in der Visagistik sowie in der Farb- und Stilberatung. Ein Ladengeschäft hat sie nicht, sondern sie empfängt ihre Kundinnen in einem gediegenen Altbau mit Stuck. „Meine größte Motivation ist es, für die Menschen da zu sein. Oft schließen meine Kundinnen die Augen und erzählen mir viel, als wäre ich ihre Psychotherapeutin.“

Tipps für Berufseinsteiger:

  • Da Tätowierer kein klassischer Ausbildungsberuf ist, macht es Sinn vorher eine duale Ausbildung oder ein Studium in einem anderen Berufsfeld zu absolvieren.
  • Interesse an der Tattoo-Szene sollten künftige Tätowierer mitbringen. Auch zeichnerische Fähigkeiten sind wichtig. Im Friseurhandwerk zählen neben handwerklichem Geschick und Kreativität die Bereitschaft, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Freude am Umgang mit Menschen sollten Sie in allen Berufen rund um den Körperkult mitbringen. Fragen Sie sich, ob Sie diese Eigenschaften haben.
  • In der Kosmetik geht es nicht nur darum, den Kunden perfekt zu schminken, sondern auch um das Reinigen der Haut, die Fußpflege, die Ganzkörpermassage oder Enthaarung. Überlegen Sie sich, ob dass die Tätigkeiten sind, die Sie gerne ausüben wollen.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie im Bereich Beauty und Körperkult arbeiten?
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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, November 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Tipps für Muffel: So überstehen Sie die Weihnachtsfeier gut!

Die Adventszeit … die Saison der Weihnachtsfeiern. Für manche Beschäftigte ein Grund, den bevorstehenden Wochen mit Magengrummeln entgegenzusehen. Denn nicht jeder ist ein Smalltalk-King oder eine Party-Königin. Manch einer mutiert eher zum Weihnachtsfeier-Muffel. Einfach zu Hause zu bleiben ist aber keine Lösung des Problems.

Tipps für die Weihnachtsfeier.
Tipps für die Weihnachtsfeier.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Warum Sie Weihnachtsfeiern besuchen sollten.
  • Was Sie auf einer Weihnachtsfeier unterlassen sollten. 
  • Wie Sie sich angemessen verhalten.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Warum Sie Weihnachtsfeiern besuchen sollten

„Bei betrieblichen Weihnachtsfeiern kann sich kein Beschäftigter ganz heraushalten“, betont Bettina von Oertzen, Benimm-Trainerin aus Frankfurt am Main. „Solche Feste gehören in einer Gemeinschaft dazu. Wer schwänzt, wird es bei den Kollegen umso schwerer haben.“ Deshalb rät sie dringend, in den sauren Apfel zu beißen und hinzugehen. Denn sonst wird der Weihnachtsfeier-Hasser schnell zum Außenseiter. „Es fehlen dann die gemeinsamen Themen mit denen, die bei dem Fest dabei waren. In so einem Fall machen die Anderen schnell zu und schließen den Feiermuffel aus.“

Dr. Thorsten Knobbe, Karriere-Coach und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Leaderspoint aus dem Rheinland, betont: „Sie können nur verlieren, wenn Sie sich selbst ausgrenzen. Schließlich ist jede Feier auch eine wichtige Kontaktbörse und ein Netzwerktreffen.“ Gerade für jene, die im Unternehmen Karriere machen wollen, hält Knobbe diesen Termin für ein absolutes Muss: „Je weiter Sie aufsteigen wollen und je kleiner der Betrieb ist, desto wichtiger ist Ihre Teilnahme.“

Keine schlechte Laune mitbringen

Die einzige Lösung lautet also: Sich nicht entziehen, sondern hingehen! Wer das allerdings mit schlechter Laune und genervtem Gesichtsausdruck tut, wird ebenfalls nicht gut ankommen. „Wenn Sie alle anderen Festgäste für Dummköpfe halten, strahlen Sie das auch aus“, warnt von Oertzen. Stattdessen kann sich der Mitarbeiter selbst motivieren, indem er sich ganz bewusst auf die netten Kollegen freut oder der Weihnachtfeier einen Sinn gibt. Schließlich soll das Fest das Betriebsklima verbessern.

Suchen Sie sich doch eine bestimmte Aufgabe. Zum Beispiel könnten Sie sich um die Auszubildenden oder um einen Ausländer mit Verständigungsschwierigkeiten kümmern.“ Unangebracht ist es natürlich, dem Servicepersonal unter die Arme greifen zu wollen. Haben Sie eine Aufgabe gefunden, wird es Ihnen auch viel leichter fallen, einen Sinn in der Weihnachtsfeier zu sehen.

Nicht den Frust im Alkohol ertränken

Eines aber sollten Arbeitnehmer vermeiden: Ihren Frust über die Weihnachtsfeier im Alkohol zu ertränken. Denn das hat in aller Regel beträchtliche Nebenwirkungen: „Unter starkem Alkoholeinfluss kann man alle Hemmungen verlieren und so vielleicht einen Kollegen beschimpfen oder im Extremfall eine Mitarbeiterin sexuell belästigen“, betont Knobbe. „Die Gefahr des Gesichtsverlustes ist sehr groß … und sie wird im Laufe des Abends mit steigendem Pegel immer größer.“

Auch jenseits des Alkoholkonsums gilt, dass sich kein Arbeitnehmer zu sehr gehen lassen sollte. Deshalb ist eine Weihnachtsfeier garantiert der falsche Ort, um seinen Unmut über Andere auszudrücken oder Konfliktgespräche zu führen. Auch die Weiterführung des letzten Meetings sollte unterbleiben. Weitere Tabuthemen sind Religion, Politik und Gesundheit. Über andere Kollegen zu lästern sollten Arbeitnehmer ebenfalls unbedingt vermeiden.

Ein passendes Smalltalk-Thema finden

„Bei einer gut organisierten Weihnachtsfeier ist es auch gar nicht so schwer, ein geeignetes Thema zu finden. Schließlich bietet das Programm, das Essen oder die Dekoration genug Gelegenheit für Gespräche“, so Knobbe.

Von Oertzen rät gerade Weihnachtsmuffeln zur Vorsicht beim Gespräch, denn wer jetzt seinen Kollegen verklickert, dass er Weihnachtsfeiern doof findet, dass das Essen schlecht und die Stimmung miserabel ist, macht sich unbeliebt. „Finden Sie lieber neutrale Themen wie die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest oder Anregungen für Geschenke.“ Vielleicht kommen die Kollegen aus verschiedenen Herkunftsländern, dann ist die Frage interessant, welche Weihnachtstraditionen es dort gibt.

Nicht auffällig früh gehen

Zwar müssen Weihnachtsfeiermuffel nicht bis zum Schluss bleiben, sie sollten aber auch nicht auffällig früh das Fest verlassen. Von Oertzen rät zum Augenmaß: „Am besten warten Sie, bis ein oder zwei Leute gegangen sind, dann können auch Sie getrost die Feier verlassen.“

Natürlich ist kein Mitarbeiter verpflichtet, sich an all diese Regeln zu halten. Doch von Oertzen gibt zu bedenken: „Nach der Weihnachtsfeier sehen Sie Ihre Kollegen auf jeden Fall wieder und das viele Stunden am Tag. Die Beziehung zu ihnen ist also sehr wichtig. Sie sollten dieses Verhältnis nicht durch ein Fehlverhalten bei der Weihnachtsfeier gefährden.“

Tipps für Weihnachtsfeier-Muffel:

  • Einfach nicht zur Weihnachtsfeier gehen, ist keine Lösung.
  • Bitte keine schlechte Laune mitbringen, sondern sich lieber auf nette Kollegen freuen.
  • Den Frust nicht im Alkohol ertränken.
  • Sich eine Aufgabe suchen.
  • Nicht über Negatives reden, auch nicht über die misslungene Feier.
  • Nicht auffällig früh gehen.

Fragen an Sie:

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  • Sind Sie ein Weihnachtsfeier-Muffel?
  • Mit welchen Tricks überstehen Sie Weihnachtsfeiern?
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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, November 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Berufsorientierung für Schulabgänger: Stärken erkennen

Die Suche nach dem passenden Beruf … in den letzten beiden Schuljahren ein wichtiges Thema. Doch viele Schüler sind sich unsicher, wo ihre Stärken liegen und welche Ausbildungs- und Studiengänge für sie infrage kommen. Dabei können Hobbies und ehrenamtliches Engagement wichtige Hinweise für die Wahl geben.

Berufsorientierung für Schüler: Stärken erkennen.
Berufsorientierung für Schüler: Stärken erkennen.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Schulabgänger, Studierende und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Sie bei der Berufsorientierung vorgehen sollten. 
  • Welche Kriterien für die Berufswahl wichtig sind.
  • Warum niemand Angst vor der Berufsentscheidung haben sollte. 
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Ohne Druck entscheiden

„In jeden Fall sollten junge Leute die Entscheidung für einen Beruf ohne Druck von außen treffen“, betont  Karriere-Coach Padideh Kaschefi, Geschäftsführerin des auch in Stuttgart vertretenen Beratungsunternehmens „Karriere²“. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Fähigkeiten und Interessen ist dabei zentral. Deshalb empfiehlt die Jobberaterin Jugendlichen, sich mit verschiedenen Fragen zu beschäftigen: Was kann ich? Was will ich? Was macht mir Spaß? Wo und wie möchte ich arbeiten? Und was passt zu meinem Charakter?

Nicht immer ist es den Schulabgängern klar, wo ihre eigenen Stärken liegen. „Zwar können Schulnoten erste Hinweise geben, aber sie sind oft wenig aussagekräftig“, betont Kaschefi. „Häufig begeistern sich junge Leute zum Beispiel für YouTube und haben dort einen eigenen Kanal. Die dadurch erworbenen Fähigkeiten stehen aber auf keinem schulischen Lehrplan.“ Deswegen sollten Jugendliche ihr Freizeitverhalten reflektieren. Denn gerade soziale, sportliche und kulturelle Aktivitäten geben wichtige Anhaltspunkte, was Schulabgängern Spaß macht und was sie gut können. „Wer überdurchschnittlich viel Zeit und großes Engagement in bestimmte Hobbies steckt, sollte sich fragen, ob er diese Tätigkeit nicht zum Beruf machen könnte.“

Sich in der Berufspraxis ausprobieren

Das zentrale Problem von Schülern sieht Kaschefi darin, dass diese noch keine oder wenig Erfahrungen mit der Arbeitswelt gemacht haben. „Deshalb ist es so notwendig, sich auszuprobieren und die Praxis zu erleben.“ Neben dem verpflichtenden Schulpraktikum sei ein weiteres freiwilliges Praktikum hilfreich, um in Kontakt mit Unternehmen zu kommen.

Wer am Ende der Schullaufbahn noch nicht sicher ist, welche Art von Ausbildung oder Studium zu ihm passt, muss noch keine abschließende Wahl treffen. Es gibt auch Zwischenlösungen. „Eine längere Zeit im Ausland oder ein ‚Freiwilliges soziales Jahr‘ hilft oft bei der Entscheidung, da junge Leute so die Gelegenheit bekommen, erst einmal Lebenserfahrung zu sammeln.“

Auf die Stärken achten, nicht auf die Schwächen

Als Coach weiß Kaschefi, dass bei der Berufswahl oft die Schwächen der Schüler eine dominierende Rolle spielen. „Das ist aber nicht hilfreich. Besser ist es, die Stärken zu betrachten. Daraus lässt sich ableiten, wie das Umfeld, die Aufgaben und die Schwerpunkte einer Berufstätigkeit aussehen sollten.“ Der nächste Schritt ist die gründliche Information über mögliche Berufe und welche Ausbildung sie voraussetzen.

Berufswahl passend zum Charakter

Außerdem ist es wichtig, die Persönlichkeit in den Blick zu nehmen. „Wer introvertiert ist, dem wird es zum Beispiel schwerfallen, ständig auf fremde Menschen zuzugehen“, erklärt Kaschefi. „Vielleicht kommt in diesem Fall eher ein Beruf infrage, bei dem Kundenkontakt keine große Rolle spielt.“

Die Beraterin empfiehlt Schulabgängern, mutig zu sein. „Niemand braucht vor der Entscheidung Angst zu haben. Denn wer merkt, dass eine Ausbildung oder ein Studium doch nicht zu ihm passt, kann immer noch nachbessern.“ Als Karrierecoach weiß Kaschefi, dass es kaum idealtypische Lebensläufe gibt: „Oft führen gerade berufliche Umwege zum Ziel.“

 Tipps für Schulabgängerinnen und Schulabgänger:

  • Erkennen Sie Ihre Fähigkeiten und Talente, aber auch Ihre Werte und Leidenschaften.
  • Darauf weisen nicht nur Schulnoten, sondern auch Hobbies und Freizeitverhalten hin.
  • Lernen Sie Ihre Persönlichkeit kennen und suchen Sie nach Tätigkeiten, die dazu passen.
  • Nehmen Sie Ihre Wünsche ernst.
  • Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken, nicht auf Ihre Schwächen.
  • Nutzen Sie eine Auszeit für die Berufsorientierung, wie zum Beispiel ein „Freiwilliges Soziales Jahr“ oder einen „Work and Travel“-Aufenthalt.
  • Machen Sie Praktika, die Ihnen bei der Orientierung helfen.
  • Bleiben Sie bei der Berufswahl gelassen. Haben Sie keine Angst vor einer Fehlentscheidung. Wichtig ist erst einmal überhaupt eine Entscheidung.

Fragen an Sie:

  • Wie gehen Sie bei Ihrer Berufswahl vor?
  • Was hat Ihnen bei der Berufswahl geholfen?
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(Hauptartikel veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, September 2015)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Fernstudium: So lässt sich Berufstätigkeit und akademische Weiterbildung verbinden

Ein Hochschulabschluss per Fernstudium wird immer beliebter. So verzeichnen die Anbieter staatlich zugelassener Fernstudiengänge ein Teilnehmerplus. Kein Wunder, denn dieses Studienmodell kommt den Bedürfnissen jener Arbeitnehmer entgegen, die Berufstätigkeit und akademische Weiterbildung verbinden wollen.

Fernstudium: Berufstätigkeit und akademische Weiterbildung verbinden.
Fernstudium: Berufstätigkeit und akademische Weiterbildung verbinden.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • warum ein Fernstudium sinnvoll sein kann.
  • welche Voraussetzungen für den Erfolg wichtig sind.
  • wie Fernstudierende sich organisieren sollten.
  • warum die Kommunikation mit dem Arbeitgeber ratsam ist.
  • Tipps auf einen Blick – ein kleiner Guide für das Fernstudium.
  • Linkempfehlungen.

Das Ziel: Weiterqualifikation

Die 30-jährige Berlinerin Alice Lorch ist ein klassisches Beispiel für eine Fernstudierende: Sie ist im Beruf erfolgreich, möchte sich aber durch ein Studium weiterqualifizieren. Seit 2012 belegt sie an der AKAD University aus Stuttgart den Bachelor-Studiengang „International Business Communication“.

Gleich nach ihrem Abitur begann sie schon einmal mit einem Studium: Sie belegte die Fächer Volkswirtschaftslehre und französische Philologie an der Technischen Universität. Doch eines fehlte ihr: Sie hatte keine klare Vorstellung, was sie mit dem Hochschulabschluss einmal beruflich machen könnte. „Das Studium war mir viel zu theoretisch. Es gab überhaupt keinen Praxisbezug“, betont Lorch. Deshalb brach sie es schon bald ab.

Erst Ausbildung, dann Fernstudium

Anschließend bereiste sie Frankreich, Spanien und die USA. „Ich wollte andere Kulturen und Sprachen kennenlernen.“ Schon bald stand fest, dass sie ihr Interesse an anderen Ländern zu ihrem Beruf machte wollte. So entschied sich Alice Lorch für eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin. Danach arbeitete sie vier Jahre im Projektmanagement und später in der Geschäftsführung einer spanischen Stiftung auf Teneriffa. 2010 kam sie nach Deutschland zurück und begann als Projektassistentin in der Stiftung Genshagen. Heute ist sie in ihr zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der europäischen Kunst- und Kulturvermittlung.

„Schon bald nach meiner Rückkehr war mir klar, dass ich studieren muss, wenn ich beruflich weiterkommen will“, erklärt Lorch. Aber es waren nicht nur Nützlichkeitserwägungen, die sie bewogen haben, noch einmal zu studieren: „Ich fühlte mich endlich für ein Studium bereit und hatte richtig Lust, etwas Neues zu lernen.“

Wunsch nach Aufstieg oder beruflicher Umorientierung

Für Fernstudierende ist das ganz typisch: „Sie wollen sich weiterentwickeln und in der Hierarchie weiter nach oben kommen“, berichtet Prof. Dr. Daniel Markgraf vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der AKAD University. „Andere bereiten mit Hilfe des Studiums ganz gezielt ihre berufliche Umorientierung vor. Bei der Gruppe der über 45-Jährigen, die bereits beruflich etabliert sind, geht es in der Regel darum, noch mal etwas Neues zu lernen.“

Ein Fernstudium bietet dafür die idealen Voraussetzungen, denn die Studierenden können ihre Zeit frei einteilen. Voraussetzung ist natürlich, dass sie noch freie zeitliche Kapazitäten haben. „Wer schon im normalen Berufsalltag 60 Stunden oder mehr pro Woche arbeitet, für den kommt so ein Studium nicht in Frage“, so Markgraf. „Denn in der Regel müssen Studierende mit einem Zeitaufwand von mindestens zehn bis 15 Stunden in der Woche rechnen.“ Das sei zum Beispiel bei einer geregelten Arbeitswoche von 38 oder 40 Stunden durchaus möglich. Zusätzlich müssen Studierende der AKAD University noch zehn Tage im Jahr für Präsenzveranstaltungen einplanen.

Wichtige Voraussetzung: Zeit für das Studium

Markgraf empfiehlt Arbeitnehmern, die sich nicht sicher sind, ob sie das Arbeitspensum zeitlich in ihr Leben integrieren können, erst einmal auf Probe zu studieren: „Bei uns gibt es zum Beispiel einen Probemonat. Sie haben auch die Möglichkeit, erst einmal einen zertifizierten Kurs zu belegen, der ihnen später auf ein Studium angerechnet werden kann.“
Auch Sabine Dietzsch, Beraterin für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd, betont: „Studierwillige sollten sich vorher über die Doppelbelastung klar werden, die ein Fernstudium mit sich bringt.“ Deshalb empfiehlt sie ihnen, im Vorfeld die eigene Lebenssituation genau unter die Lupe zu nehmen. „Wer einen Partner oder eine Familie hat, muss sich mit diesem engsten Umfeld abstimmen. Am Besten ist es, wenn die ganze Familie dahinter steht.“

Außerdem rät Markgraf Fernstudierenden, realistisch zu planen: „Viele sind gerade am Anfang übermotiviert.“ Deshalb sei auch der Austausch mit anderen Studierenden besonders wichtig. Möglichkeiten dazu bieten nicht nur Präsenzveranstaltungen, sondern auch die Online-Communities der Hochschulen. Die Doppelbelastung von Beruf und Studium kennt auch Alice Lorch. „Wichtig ist eine gute Planung und Organisation„, betont die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Von ihrem Arbeitgeber wird sei dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt.

Unbedingt mit dem Arbeitgeber reden

Dietzsch empfiehlt Berufstätigen, unbedingt mit ihrem Arbeitgeber ins Gespräch zu kommen und ihn über ihren Studienwunsch zu informieren: „Wenn das Studium den Mitarbeiter für seine aktuell ausgeübte Berufstätigkeit weiterqualifiziert, sind viele Unternehmen bereit, ihm beizustehen. So kommen Arbeitgeber dem Studierenden zum Beispiel bei der Arbeitszeit entgegen.“ Eine Herausforderung bleibt es allerdings dennoch, Beruf und Studium unter einen Hut zu bringen.

Deswegen betont Dietzsch: „Wer ein Fernstudium erfolgreich absolvieren möchte, muss bereit sein, seine bisherigen Freizeitaktivitäten neu organisieren.“ Zeitlich aufwendiges soziales Engagement und viele Hobbies lassen sich nur schwer mit dem Studium vereinbaren.

Richtig planen: Freizeit neu ordnen

Das erforderliche Zeitmanagement fällt Alice Lorch leicht: „Ich habe in meinem Beruf gelernt, mich gut zu organisieren.“ Natürlich muss auch Alice Lorch privat kürzer treten, um Zeitfür ihr Studium zu haben. Denn Feierabende, Wochenenden und die Urlaubszeit nutzt sie in der Regel zum Lernen. So holt sie auch abends um 23 Uhr noch einmal ihre Skripte heraus, um diese zu lesen. „In meinem Freundeskreis finden es alle toll, dass ich studiere. Meine Freunde akzeptieren, dass ich weniger Zeit habe, um zum Beispiel mit ihnen ins Kino gehen.“ Trotz der zeitlichen Belastung versucht die Bachelor-Studentin, ihr Privatleben nicht ganz zu vernachlässigen. So macht sie weiterhin Sport und trifft dabei auch Freunde.

Verzahnung von Theorie und Praxis

Schon jetzt profitiert sie von ihren Studieninhalten wie der interkulturellen Kommunikation oder den Wirtschaftswissenschaften. „Durch mein Studium erkenne ich zum Beispiel psychologische Zusammenhänge und verstehe die Auswirkungen kultureller Einflüsse in der Kommunikation besser. Das bereichert meine Arbeit“, berichtet Lorch. Schließlich hat sie es tagtäglich mit internationalen Gesprächspartnern zu tun. „Das Studium macht mich viel feinfühliger in Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen.“ Auch über Führungsstile, Arbeits- und Organisationsmanagement weiß Lorch inzwischen viel mehr. „Als rechte Hand der Geschäftsführung kommt mir das alles sehr zugute.“ Auf der anderen Seite profitiert sie im Studium von ihrer Praxiserfahrung.

Mit der Wahl eines Fernstudiengangs ist Lorch ganz und gar zufrieden: „Diese Studienart ermöglicht mir, in einem selbstbestimmten Tempo zu lernen und Prüfungen abzulegen.“ So hat sie die Möglichkeit, ihr Studium ohne Zusatzkosten in fünf Jahren zu absolvieren. Erst danach wird eine zusätzliche Gebühr verlangt. „Ich habe mir aber vorgenommen, meinen Bachelor schon nach dreieinhalb Jahren zu machen.“

Fakten zum Fernstudium

Die Beliebtheit von Fernlernangeboten steigt: Die Anbieter staatlich zugelassener Fernstudiengänge konnten nach Angaben des Forums DistancE-Learning im Jahre 2012 ein Teilnehmerplus von sieben Prozent vorweisen. Über 400.000 Fernlerner bildeten sich in 3.498 Fernlehrangeboten weiter. 268.622 Fernschüler absolvierten dabei einen Fernlehrgang im subakademischen Bereich, während 142.468 E-Learner in ein Fernstudium eingeschrieben waren, so aktuelle Zahlen des Fachverbandes Forum DistancE-Learning.

Tipps für Sie – ein kleiner Guide für das Fernstudium:

  • Finden Sie heraus, warum Sie studieren wollen. Der Wunsch nach Aufstieg oder beruflicher Umorientierung steht oft hinter dem Entschluss, ein Fernstudium zu absolvieren.
  • Finden Sie heraus, welcher Lerntyp Sie sind. Arbeiten Sie gerne selbstständig? Brauchen Sie den sozialen Anschluss in Präsenzveranstaltungen? Suchen Sie daraufhin das für Sie geeignete Studienmodell.
  • Wägen Sie Vor- und Nachteile eines Fernstudiums ab.
  • Fragen Sie sich, ob Sie genug freie zeitliche Kapazitäten haben, um erfolgreich studieren zu können.
  • Werden Sie sich über die Doppelbelastung klar. Nehmen Sie deshalb Ihre eigene Lebenssituation genau unter die Lupe.
  • Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arbeitgeber und informieren ihn über Ihren Studienwunsch. Vielleicht hat er Interesse Sie zu unterstützen.
  • Organisieren Sie während Ihres Fernstudiums Ihre bisherigen Freizeitaktivitäten neu.  Denn Ihre Feierabende, Wochenenden und die Urlaubszeit werden Sie in der Regel zum Lernen nutzen.
  • Vergessen Sie trotz der zeitlichen Belastung  durch das Fernstudium nicht soziale Kontakte, Sport und Erholung.

Fragen an Sie:

  • Haben Sie schon mal über ein Fernstudium nachgedacht?
  • Warum wollen Sie ein Fernstudium belegen?
  • Welche  Vor- und Nachteile sehen Sie?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit einem Fernstudium gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2014)

(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

Die Rolle der Eltern bei der Berufswahl: Begleiten statt bevormunden

Eltern begleiten ihre Kinder zur Studienberatung oder machen für sie einen Termin beim Bewerbungscoach: Das ist ein Trend in den letzten Jahren. Damit dieses Engagement den Jugendlichen auch wirklich hilft, ist ein richtiges Maß an Unterstützung wichtig. In keinem Fall  jedoch sollten Väter und Mütter den Nachwuchs bevormunden.

Eltern und die Berufswahl ihrer Kinder
Eltern spielen bei der Berufswahl ihrer Kinder eine große Rolle.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Eltern, Schulabgänger, Studierende, Auszubildende, Berufseinsteiger und berufserfahrene Angehörige.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • wie die Rolle der Eltren bei der Berufswahl ihrer Kinder aussieht.
  • wo die Eltern hilfreich sind.
  • wie Konflikte aussehen.
  • welche Ängste Eltern haben.
  • was Experten Eltern raten.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Die Eltern kommen mit zur Beratung

Petra Caemmerer, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd, stellt seit einigen Jahren fest, dass Eltern vermehrt zur Berufsberatung mitkommen. „Etwa 30 Prozent der Abiturienten bringen bei uns eine Begleitperson mit. Oft sind das die Mütter, manchmal beide Elternteile.“ Und auch Großmütter begleiten desweilen ihre Enkel zum Gespräch.
Caemmerer kennt sich mit der Beratung von Schulabgängern der verschiedenen Schulformen bestens aus. „Überwiegend engagieren sich Eltern von Abiturienten. Diese nehmen für den Beratungstermin oft sogar Urlaub.“ Bei Erziehungsberechtigten, deren Kinder die Haupt- oder Realschule besuchen, sei dies seltener der Fall.

Brigitte Reysen-Kostudis von der Studienberatung der Freien Universität beobachtet das gleiche Phänomen: „Noch vor 15 Jahren waren Mütter und Väter eigentlich nie beim Beratungsgespräch dabei. Heute sind es bei uns etwa acht Prozent.“ Aus anderen Regionen Deutschlands weiß sie, dass das Thema im Hochschulalltag noch viel präsenter ist. „Die Universität Bamberg lädt zum Beispiel zu Beginn des Wintersemesters nicht nur die Studienanfänger sondern ausdrücklich auch deren Familien zu einer feierlichen Begrüßung ein.“

Bei der Berliner Studien- und Berufsberatung planZ spielen die Erziehungsberechtigten eine zentrale Rolle. Schließlich bezahlen sie auch die private Beratungsleistung. „Unsere mehrstündige Beratung beginnt mit den Eltern und Kindern gemeinsam. Nach etwa einer Stunde verlassen dann die Väter und Mütter das Gespräch. Sie kommen erst am Ende bei der Präsentation der Ergebnisse wieder“, betont Malte Eilenstein, Mitbegründer von planZ. Er sieht die Vorteile der Familienberatung: „Wir haben fast nur positive Erfahrungen gemacht. Denn die ältere Generation begleitet die Jugendliche in aller Regel gut.“ Der Studienberater empfindet es außerdem als hilfreich, die Eltern kennenzulernen. „So kann ich mir ein Bild über die familiäre Situation machen.“

Mehr Engagement der Eltern

Oft verdrängen Minderjährige das Thema Studien- und Berufswahl, weiß Eilenstein. „Angesichts der schulischen Belastung ist das natürlich verständlich. Umso wichtiger ist es, dass Mütter und Väter dafür sorgen, dass das Thema im Alltag präsent bleibt.“ Das vermehrte Engagement der Erziehungsberechtigten bei der Berufswahl macht Eilenstein auch an der Verkürzung der Schulzeiten fest. So sind die Abiturienten aktuell deutlich jünger als noch vor einigen Jahren. „Heute greifen viele Eltern gern tief in die Tasche, um ihre Sprösslinge zu unterstützen. Unsere Kunden stammen aus ganz Deutschland oder sogar aus dem Ausland. So fallen neben der Beratungsgebühr noch Kosten für Fahrt und Unterkunft an.“

Auch der Karrierecoach Jürgen Hesse vom Autorenteam Hesse/Schrader berät immer wieder ganze Familien. „Die Eltern machen in der Regel den Beratungstermin aus und bringen ihr Kind vorbei. In vielen Fällen kommen sie sogar selbst mit zum Gespräch.“ Für den vielfachen Buchautor ist dieser Trend nur relativ neu. „Die Entwicklung begann vor etwa sechs Jahren nach abklingen der Wirtschaftskrise.“

Hilfreich im Beratungsgespräch

Die Familienberatung erlebt Caemmerer in aller Regel als unproblematisch: „Die Eltern sind überwiegend hilfreich. Denn oft fällt es den Jugendlichen schwer, über ihre eigenen Interessen und Fähigkeiten zu sprechen. In diesem Fällen sind Väter und Mütter meist gesprächsfördernd“, berichtet Caemmerer. Denn sie können ihren Nachwuchs an seine speziellen Begabungen und Fertigkeiten erinnern und zum Beispiel berichten, dass sich ihr Sohn bestens mit Fahrradreparaturen auskennt. „Ansonsten halten sie sich diskret im Hintergrund. Nur die wenigsten dominieren das Gespräch.

Die Diplom-Psychologin Reysen-Kostudis sieht die Familienbegleitung ebenfalls häufig als problemlos an: „Die Jugendlichen wünschen oft sogar ausdrücklich, dass Vater und Mutter sie begleiten.“ Auf jeden Fall ist es sinnvoll, wenn sich die Erziehungsberechtigten informieren. „Denn selbst wenn sie Akademiker sind, wird vieles für sie neu sein. Schließlich unterscheidet sich das Studium von heute deutlich von dem vergangener Zeiten“, so Reysen-Kostudis. Außerdem sei durch die Bologna-Reform das Studienangebot sehr stark gewachsen, sodass das Bedürfnis nach Information aus erster Hand gestiegen sei.

Informationsbedarf der Eltern

Ein Grund für das verstärkte Interesse der Eltern ist das Alter der Studienanfänger: „Einige Abiturienten sind heute noch nicht volljährig. Sie können nicht einmal einen eigenen Mietvertrag unterschreiben. Deshalb ist es nachvollziehbar, wenn sich die Erziehungsberechtigten aus elterlicher Sorge auch mit der Studienwahl ihres Nachwuchses beschäftigen.“
Nicht immer läuft eine familiäre Berufsberatung harmonisch ab. Manchmal treffen auch konträre Meinungen aufeinander. Da kommen Sprüche wie: „Das hast Du mir ja noch nie gesagt“. Caemmerer: „Das Beratungsgespräch macht es möglich, dass Kinder und ihre Eltern offener miteinander reden als bei sich zu Hause. Oft enden diese Konfliktgespräche erfreulich und alle liegen sich zum Schluss im wortwörtlichen Sinn in den Armen.“

Berater als Mediatoren

Reysen-Kostudis kennt ebenfalls Konfliktsituationen: „Gerade wenn der Redeanteil der Erziehungsberechtigten sehr groß ist, wird es meist problematisch.“ Dann schlüpft die Psychologin in die Rolle der Mediatorin. So informiert sie etwa über die beruflichen Perspektiven jener Studiengänge, die Väter und Mütter vielleicht als „brotlose Kunst“ ansehen.

Auch Jürgen Hesse kennt aus seinem Coachalltag Situationen, die Eltern vor Überraschungen stellen. „Eine junge Frau erzählte zum Beispiel von ihrem Wunsch, Polizistin zu werden. Die sie begleitende Mutter war davon völlig perplex.“ Der Psychologe Hesse weiß, dass ein ungewohntes Setting wie ein Beratungsgespräch neue Erkenntnisse zutage fördern kann.

Doch auch am heimischen Küchentisch ist ein offenes Gespräch mit dem Nachwuchs möglich. Caemmerer: „Am besten fragen Sie nach den Träumen und Wünschen Ihres Kindes, ohne alles zu bewerten. Nehmen Sie ihm den Druck, dass seine Entscheidung auf Anhieb richtig sein muss.“

Oft besteht Caemmerers Aufgabe darin, die ältere Generation zu beruhigen. Schließlich bieten der demografische Wandel und der stärker werdende Fachkräftemangel den jungen Leuten vielfältige Beschäftigungsperspektiven. „Heute muss niemand unbedingt studieren, um beruflich erfolgreich zu  sein. Auch mit einer Ausbildung hat man beste Karrierechancen, zumal einem späteren Studium meist nichts im Wege steht … auch ohne Abitur.“

Begleiten statt bevormunden

Die Psychologin Brigitte Reysen-Kostudis rät zur Gelassenheit: „Eingeschlagene Wege können sich im Lauf eines Studiums noch ändern. Oft kippt im ersten oder zweiten Semester die Studienentscheidung. Und das ist kein Drama!“ Im Gegenteil: Ein Studienfachwechsel oder ein Studienabbruch ist oft der Ausgangspunkt einer guten beruflichen Entwicklung.

Jürgen Hesse versteht die Gefühle von Eltern, auch als Vater: „Natürlich will man seine Totchter oder seinen Sohn vor allem Bösen bewahren. Trotzdem sollte sich jeder klar sein, dass mit der Entscheidung für einen Beruf nun aber endgültig die Verantwortung der Erziehungsberechtigten aufhört.“ Deshalb empfiehlt er, die jungen Leute zu begleiten statt sie zu bevormunden.

Eltern sollten sich über ihren Einfluss auf die Berufsentscheidung ihrer Kinder klar werden. Denn nicht selten  tritt die junge Generation in die Fussstapfen der älteren, ergreift dieselben Berufe oder übernimmt sogar das Familieunternehmen. Doch das hat auch seine Schattenseiten. Hesse: „Manche Erwachsene sind mit ihrer Berufsentscheidung unglücklich, weil sie diese nur ihrer Familie zuliebe getroffen haben.“ Und genau diese Situation gelte es zu verhindern.  „Ermuntern Sie Ihren Nachwuchs, sich auszuprobieren. Signalisieren Sie aber auch Unterstützung, falls es mit der ersten Berufswahl nicht so klappt wie gewünscht.“

Die Ängste von Eltern, die Sorgen der Kinder

Ein immer wiederkehrendes Problem ist, dass Väter und Mütter ihre eigenen Sorgen auf ihre Kinder übertragen. Caemmerer: „Wer in der Familie nur über die Schattenseiten seines Jobs spricht, schürt bei Jugendlichen massive Ängste. Besser ist es, ihnen Lust auf den Beruf zu machen.“ Deshalb ihr Tipp: Erzählen Sie Ihrem Nachwuchs auch mal von den positiven Aspekten Ihrer Arbeit.

Nicht immer stülpen Eltern den Kindern ihre Befürchtungen über. Manchmal sind es auch die jungen Leute, die Ängste entwickeln. Malte Eilenstein erlebt zum Beispiel oft überbesorgte Schulabgänger: „Viele fühlen sich unter Druck, die richtige Entscheidung treffen zu müssen, während die Erziehungsberechtigten eher gelassen wirken. Denn nicht wenige Eltern haben selbst ein Studium abgebrochen und dennoch später Karriere gemacht.“

Tipps für Sie als Eltern:

  • Die Kinder nach ihren Wünsche und Zielen befragen. Das offene Gespräch suchen.
  • Den Jugendlichen nicht die eigenen Vorstellungen überstülpen.
  • Die eigenen  beruflichen und existenziellen Ängste nicht auf die Kinder übertragen.
  • Nicht nur über den eigenen Beruf klagen, sondern auch etwas Positives erzählen.
  • Sich selbst über die Studien- und Berufswahl und aktuelle Trends informieren.
  • Im Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur oder Uni keine dominierende Rolle spielen, sondern eher zuhören.
  • Den jungen Leuten die Chance bieten, sich auszuprobieren und sie zum Beispiel ermutigen, ein Jahrespraktikum oder ein Freiwilliges Soziales Jahr zu absolvieren.
  • Den Kindern bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen helfen.
  • Unterstützung bei Problemen wie Ausbildungs- oder Studienabbruch signalisieren.

Fragen an Sie:

  • Begleiten Sie Ihr Kind zur Studien- und Berufsberatung?
  • Wie unterstützen Sie Ihr Kind bei der Berufswahl?
  • Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie anderen Eltern geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel?
  • Ist er hilfreich?

Meine Linkempfehlungen:

Meine Lektüreempfehlung:

  • Svenja Hofert: „Am besten wirst du Arzt“. So unterstützen Sie Ihr Kind wirklich bei der Berufswahl, 232 Seiten, Campus Verlag (Frankfurt a.M.) 2012 19,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, September 2015)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Social Media Marketing: Jobs für Kommunikationsprofis

Social Media als Job: Immer mehr Unternehmen sind auf Facebook, Twitter und Co. vertreten. Dafür brauchen sie Profis! Deshalb haben junge Leute etwa als Social Media Manager gute Berufschancen. Eine standardisierte Ausbildung existiert aber noch nicht.

Social Media Jobs
Social Media Jobs bieten neuen Berufschancen

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Studierende, Auszubildende, Berufseinsteiger und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • wie der Berufseinstieg ins Social Media Marketing gelingt.
  • welche Studiengängen und Ausbildungen sich anbieten.
  • welche Fähigkeiten und Kompetenzen erwartet werden.
  • wie wichtig Praxiserfahrung ist.
  • wie unterschiedliche Berufsbilder aussehen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Die Kommunikation mit dem User

Der 33-jährige Atilla Sayan arbeitet heute bei der Robert Bosch GmbH im Geschäftsbereich Power Tools als „Teamleader Content Marketing and Social Media“. „Wir kommunizieren mit unseren Kunden über Facebook, Twitter und unsere eigene Community ‚1-2-do.de‘. Dort helfen wir Heimwerkern, ihre Probleme zu lösen und antworten auf ihre Fragen“, berichtet Sayan. Denn er ist für das Online-Marketing der Heimwerker-Werkzeuge zuständig. Das Besondere an Social Media beschreibt er so: „Es geht nicht darum, schöne PR-Texte zu verfassen, sondern zuzuhören und ohne Sprücheklopferei Verständnis für den User zu zeigen.“

Das Thema Design und Technologie zieht sich durch Sayans Lebenslauf wie ein roter Faden. Zuerst absolvierte er eine Ausbildung als Mediengestalter, machte dann sein Abitur und begann danach das Studium „Textildesign und Management“. „Das war aber nicht das Richtige. Deshalb wechselte ich an die Hochschule der Medien in Stuttgart, an der ich bis 2012 ‚Werbung und Marktkommunikation‘ studierte. Das war die beste Entscheidung meines Lebens.“ Schon während seines BA-Studiums arbeitete er freiberuflich als Social Media Berater und unterstützte Unternehmen bei der Kommunikation mit ihren Kunden. Zu Bosch kam Sayan über ein Praktikum und eine anschließende Werkstudententätigkeit.

Die Vorbildung:  Häufig BWL- oder Medienstudium

Prof. Harald Eichsteller, Studiendekan der Medienmasterstudiengänge an der Hochschule der Medien (HdM), betont: „Medienstudiengänge beschäftigen sich heute natürlich immer auch mit Social Media … egal wie sie auch im Einzelnen heißen.“ Aus seiner Erfahrung weiß er, dass viele Social Media Manager und Berater einerseits über einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und andererseits über eine journalistische oder PR-Ausbildung verfügten.

Auch die Berufsberaterin Jutta Dietrich von der Arbeitsagentur Stuttgart sieht ganz unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten in den Social Media-Bereich: „Interessierte Schulabgänger können zum Beispiel ‚Online-Medien-Management‘ studieren. Aber auch Marketing-Studiengänge befassen sich heute mit Social Media.“ Hochschulabsolventen mit einem Studium in Kommunikationswissenschaften, BWL oder Kommunikationsdesign haben genauso Chancen wie IT-Spezialisten. Denn schließlich gibt es in den sozialen Medien unterschiedliche Anforderungsprofile. Deshalb kommt auch eine Ausbildung zum Mediengestalter infrage.

Praxiserfahrung zählt

Neben theoretischen Kenntnissen zählt die Praxis. „Ganz dringend empfehle ich Praktika. Aber auch wer bloggt oder einen YouTube-Kanal betreibt, kann wertvolle Erfahrungen sammeln, genauso wie jemand, der die Facebook-Seite seines Vereins betreut“, betont Dietrich.

Auch Eichsteller rät zu praktischer Erfahrung. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig: „Junge Leute können via Social Media Geld für ihren Abi-Ball sammeln, im Netz eine Aktion für ein Tierheim starten oder über Facebook studentische Projekte organisieren.“

Kommunikationsfähigkeit ist ein Muss

Neben der Praxiserfahrung stehen in der Branche auch ein paar andere Eigenschaften hoch im Kurs: „Bewerber sollten auf jeden Fall Begeisterungsfähigkeit für das Thema Social Media mitbringen sowie kommunikationsfähig und empathisch sein. Denn sie stehen im ständigen Austausch mit Usern“, so Eichsteller.

Immer mehr Agenturen haben sich auf das Thema Internet und Social Media spezialisiert. So auch die Stuttgarter Internet-Agentur VERDURE. Sie sucht aktuell nach Mitarbeitern. „Zurzeit brauchen wir Social Media Trainees und Social Media Berater“, berichtet der VERDURE-Geschäftsführer Tobias Fox. „Wer bei uns als Trainee einsteigen will, sollte internetaffin und textsicher sein.“ Zudem will die Agentur wissen, ob sich der Bewerber auch inhaltlich mit dem Thema Social Media befasst hat. Ein Facebook-Account allein belegt das noch nicht. So erwartet Fox, dass die Kandidaten zum Beispiel einschlägige Blogs zum Thema lesen und die aktuellen Trends kennen. „Auch wenn wir hauptsächlich junge Leute zwischen 24 und 26 Jahren einstellen, haben ältere Quereinsteiger ebenfalls eine Chance.“

Kanalpflege oder Strategieentwicklung

Besonders wichtig ist der Agentur die Kommunikation mit ihren Kunden. „Social Media Berater müssen Strategien und Konzepte präsentieren. Dafür braucht es natürlich Eloquenz“, erklärt Fox. So leiten sie zum Beispiel Workshops zur Konzeptentwicklung und Wissensvermittlung, sie werten aber auch Kampagnen aus.

Während Agenturen oft Berater einstellen, suchen Unternehmen häufig Community Manager oder Social Media Manager. Dabei ist ein Community Manager für die Pflege der verschiedenen Kanäle zuständig. Ein Social Media Manager arbeitet dagegen meist an strategischen Fragen. „Die Aufgabenstellung in einem Unternehmen kann sehr unterschiedlich sein. Gerade im Mittelstand sind viele Leute Generalisten. Sie sind für das Marketing, die PR, die Website und Social Media gleichzeitig zuständig„, so Fox. Bei diesen Unternehmen übernimmt dann oft ein freiberuflicher Berater oder eine Agentur die Strategie-Entwicklung. „Konzerne brauchen dagegen häufiger hochspezialisierte Mitarbeiter, die sich zum Beispiel allein um die Anzeigenschaltung bei Facebook kümmern.“

Eichsteller sieht grundsätzlich sehr guten Arbeitsplatzchancen: „Viele Unternehmen haben einen großen Nachholbedarf, was Marketing und PR via Social Media angeht. Das gilt sowohl für den Handel als auch für die Hersteller.“ Doch nicht nur die Kommunikation mit dem Endkunden läuft heute immer mehr über sozialen Medien, auch zwischen den Branchen und Unternehmen werden diese Kanäle vermehrt genutzt. „Besonders wichtig sind inzwischen digitale Medien mit Interaktionsmöglichkeit, um neues Personal zu gewinnen.“

Tipps für Sie:

  • Medienstudiengänge bieten sich für die Arbeit im Social Media-Bereich genauso an wie betriebswirtschaftliche Studiengänge. Auch Kommunikationsdesign oder IT als Studium sind eine gute Ausgangsbasis. Als Ausbildungsberuf kommt etwa der Mediengestalter  infrage.
  • Besonders wichtig ist Praxiserfahrung zum Beispiel durch Praktika, aber auch durch das Betreiben eines eigenen Blogs oder YouTube-Kanals.
  • Wichtige Voraussetzungen für Jobs sind Kommunikationsfähigkeit, Empathie und das Interesse für das Thema Social Media.
  • Die Arbeitsplatzchancen im Social Media-Bereich sind grundsätzlich gut. Denn viele Unternehmen haben einen Nachholbedarf.

Fragen an Sie:

  • Wollen Sie im Social Media Marketing arbeiten? Und wenn ja, warum?
  • Welche Berufserfahrungen haben Sie bisher im Social Media Marketing gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Berufseinsteigern geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel?
  • Ist er hilfreich?

Meine Linkempfehlungen:

  • Die Hochschule der Medien in Stuttgart bietet gleich vier Bachelor- und einen Master-Studiengang im Bereich Medien an: www.hdm-stuttgart.de
  • Stuttgarter Internet-Agentur VERDURE. www.verdure.de

Meine Lektüreempfehlung:

  • Nico Lumma, Stefan Rippler, Branko Woischwill: Social Media. Wie Karrieren im Web 2.0 funktionieren, 119 Seiten, Springer Gabler (Wiesbaden) 2013, 24,99 Euro (E-Book: 19,99)

(Hauptartikel veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, Juli  2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Arbeiten im Ausland: Mit „Work & Travel“ oder als Digitaler Nomade

Mit dem Laptop am Strand arbeiten, statt im Büro zu sitzen: Für viele Berufstätige ist das eine verlockende Alternative. Tatsächlich gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Arbeiten und Reisen miteinander zu verbinden. Der klassische „Work and Travel“ ist nur eine Option. Denn auch die Selbstständigkeit bietet diese Chance.

Ortsunabhängig Arbeiten als Digitaler Nomade
Ortsunabhängig Arbeiten als Digitaler Nomade

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • wie ein „Work and Travel“-Aufenthalt ablaufen kann.
  • welche Voraussetzungen an einen „Work and Travel“-Aufenthalt geknüpft sind.
  • welche Jobmöglichkeiten sich dabei bieten.
  • was man beim Jobben im Ausland beachten sollte.
  • welche Voraussetzungen Digitale Nomaden erfüllen sollten.
  • wie das Leben als Digitaler Nomaden konkret aussehen kann.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

„Work and Travel“-Aufenthalt

Die 19-jährige Elena Bergmann aus Weinheim in Baden-Württemberg bereiste während ihres „Work and Travel“-Aufenthaltes Neuseeland, Australien, Thailand und Dubai. „Ich wollte schon mit zehn Jahren nach Neuseeland. Deshalb habe ich vor dem Abitur auch viel gejobbt, um mir diesen Traum zu erfüllen.“ Ein halbes Jahr nach Ende der Reise ist sie sich sicher: „Das war die beste Zeit meines bisherigen Lebens.“

Bergmann durchquerte das ganze Land und wechselte ständig die Jobs. Mal arbeitete sie im Housekeeping eines kleinen Hostels, mal auf einer Farm. „Ich habe im Durchschnitt nur zwei bis fünf Stunden am Tag für Kost und Logis gejobbt. So hatte ich die Möglichkeit, mehr Ausflüge zu unternehmen.“ In Neuseeland lernte sie die Herzlichkeit der Einheimischen kennen: „Ich wurde von meinen Arbeitgebern in die Familie aufgenommen und war nicht nur Hilfskraft.“ Die junge Frau erlebt die Neuseeländer als offene Menschen, die ihr gerne weiterhalfen und sie auch schon mal spontan zum Grillfest einluden. Ihre Arbeit bestand aus vielen Hilfstätigkeiten. Sie machte in Hostels Betten, saugte oder putzte Bäder. Auf einer Farm war sie für die Tiere zuständig. Sie fütterte sie, sorgte aber auch für deren Wohlergehen. „Dort gab es Alpakas, die waren trotz 37 Grad Hitze noch nicht geschoren. Deshalb habe ich sie täglich geduscht. Das fanden die Tiere super.“

Elena Bergmann buchte ihren Flug über TravelWorks, einem auf „Work and Travel“-Reisen spezialisierten Reiseveranstalter: „Das Ticket war günstiger, als wenn ich es allein gekauft hätte.“ Außerdem halfen ihr in der ersten Woche die Partner vor Ort, sich im Land zurechtzufinden.

„Work and Travel“: Voraussetzungen

„Bis zum Alter von 30 oder 35 Jahren können junge Leute in Australien, Neuseeland und Kanada für zwölf Monate Reisen mit Jobben verbinden“, erklärt Tanja Kuntz. Sie ist Geschäftsführerin von dem in Münster beheimateten Unternehmen TravelWorks. Voraussetzung für „Work und Travel“ ist, dass die Reisenden über ausreichend Geldmittel verfügen. „In Australien braucht man zum Beispiel 3500 Euro.“

TravelWorks informiert Reisewillige, unterstützt sie bei der Beantragung von Visa und bucht das Ticket. Vor Ort hat der Veranstalter Partner, die bei der Jobsuche und anderen praktischen Fragen helfen. „Schließlich wollen sich viele ein Auto kaufen und brauchen ein Konto“, so Kuntz. „Natürlich kann man das auch selbstständig organisieren. Aber gerade bei Problemen sind Kontakte vor Ort nützlich.“

„Work and Travel“: Die Jobmöglichkeiten

Sebastian Canaves kennt das Leben als sogenannter  „Backpacker“, also als Rucksacktourist. In seinen Blogs „TravelWorkLive“, „Off The Path“ und seinem gleichnamigen Buch gibt er Gleichgesinnten viele Tipps. „Besonders beliebt bei ‚Work-and-Travel-Aufenthalten‘ sind Jobs in der Gastronomie, zum Beispiel als Kellner oder als Hilfskraft in Hostels. Wer Knochenarbeit nicht scheut, kann auch in Kohleminen im Outback arbeiten. Dort verdient man 40 bis 60 australische Dollars die Stunde.“ Der Reiseblogger und Marketingberater Canaves empfiehlt noch andere Jobs … zum Beispiel als Fruit-Picker – also als Hilfskraft auf Farmen. „Ist jemand Handwerker, kann er natürlich mit seinem Beruf Geld verdienen. Denn Handwerker sind in Australien sehr begehrt„. Gerade Schulabgängern rät er, in dem Bereich zu jobben, in dem sie später beruflich tätig werden wollen.

Arbeiten und Reisen: Jobs im Ausland

„Work and Travel“ ist aber nicht die einzige Möglichkeit, Reisefieber und Geld verdienen zu verbinden.  Canaves: „In vielen Ländern bekommt man als Deutscher problemlos ein Arbeitsvisum. Allerdings ist man dann meist auf ein Unternehmen festgelegt. Verliert jemand seinen Job, ist auch ganz schnell das Visum abgelaufen.“

Dr. Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesarbeitsagentur empfiehlt: „Wer einen sozialversicherungspflichtigen Job im Ausland sucht, sollte mindestens sechs Monate vorher anfangen, sich zu informieren. Wichtig sind Informationen über Arbeiten und Leben allgemein und darüber, wie in dem Zielland der Arbeitsmarkt und die Bewerbungsverfahren funktionieren.“ Ein guter Zeitpunkt für einen Auslandaufenthalt ist – so Raabe – zwei bis drei Jahre nach dem Ende des Studiums oder der Berufsausbildung. Dann haben die Auslandsinteresierten schon erste Berufserfahrungen. Das zählt! Raabe hat noch ein Tipp: „Schon bei der Ausreise sollten Berufstätige an die Rückkehr denken und berufliche Kontakte in Deutschland weiter pflegen.“

Leben als Digitaler Nomade

Eine Alternative zur Anstellung ist die selbstständige Tätigkeit im Ausland: „Wer im Internet sein Geld verdient, der braucht nur einen Laptop und eine Internetverbindung, um zu arbeiten“, betont Canaves, der selbst als „Digitaler Nomande“ lebt. „Die meisten  Selbstständigen haben nur ein Touristenvisum. Kurz vor dessen Ablauf reisen sie einfach aus, um wenig später wieder einzureisen.“

Zu romantisch sollte sich aber niemand diesen Lebensstil vorstellen. Denn er ist nicht gleichbedeutend mit Urlaub. „Die Betonung liegt auf dem Wort ‚Arbeiten‘, nicht auf dem Begriff ‚Reisen’“, so Canaves. „Ich habe seit vier Jahren keinen Urlaub im klassischen Sinne mehr gemacht.“ Er empfiehlt Freelancern, die vom Ausland aus ihre Business betreiben, sich möglichst langsam zu bewegen. Denn alles andere schade dem Broterwerb. Einsteigern rät er: „Ein Internetbusiness muss man sich erst einmal aufbauen. Für die Übergangszeit ist es wichtig, Rücklagen zu haben. 5.000 bis 10.000 Euro als Reserve sind schon sinnvoll.“

Die Vor-und Nachteile des ortsunabhängigen Arbeitens

Für das Leben als „Digitale Nomandin“ hat sich auch die 28-jährige Barbara Riedel entschieden. Sie ist als selbstständige Übersetzerin und Dolmetscherin tätig. „Meine Kunden sind vor allem deutsche Unternehmen und Privatleute.“ Außerdem hat die studierte Philologin auch einen eigenen Reiseblog.

Riedel hat festgestellt, dass sie im sonnigen Gefilden besser arbeitet als in einem deutschen Büro: „Gerade am Strand kann ich meine Batterien immer neu aufladen und bin dann dort viel produktiver. Wenn meine Augen müde werden, schaue ich ein paar Minuten aufs Meer.“ Auch auf die Gesundheit der Hessin wirkt sich das Reisen positiv aus. Sie hat seltener Migräne und Schlafprobleme als zu Hause. Bis diesen Juni war sie auf Weltreise und erlebte 13 Länder und vier Kontinente. „Die meiste Zeit habe ich gearbeitet, das Sightseeing machte oft nur fünf Prozent aus.“

In diesem Sommer ist Barbara Riedel als Strandtesterin in verschiedenen Gegenden Südeuropas unterwegs. „Der Job ist deutlich stressiger als man denkt: Um 9 Uhr morgens ist Team-Meeting. Danach geht es an bis zu drei Strände, die ich nach einem strengen Plan bewerte.“ Außerdem führt sie noch Interviews, produziert Fotos und Videos. Am Abend muss sie alle gesammelten Informationen in eine Datenbank übertragen. „Manchmal schaffe ich es bis 21 Uhr, aber es dauert auch schon mal bis nach Mitternacht.“

Mit dem Hanomag unterwegs in Afrika

Die Berliner Patrick Fuchs und Verena Renneberg arbeiten von ihrem „Hanomag A-L 28“ aus und bereisen Afrika. Ihr Entschluss, so zu leben, entstand 2012. „Zwei Jahre lang durchquerten wir zuvor den Kontinent von Nord nach Süd und lebten von unserem Ersparten. Als wir nach Deutschland zurückkehrten, hatten wir noch lange nicht genug vom Reisen“, betont der 40-jährige Patrick Fuchs. Seitdem arbeiten beide ortsunabhängig. Über ihr Leben berichten sie auf ihrem Blog.

Er ist Webdesigner und bietet seine Produkte im Internet und vor Ort in Afrika an, während Verena Rennebergs Auftraggeber hauptsächlich in Deutschland sitzen. Sie schreibt PR-Artikel und sogenannte Suchmaschinenoptimierungstexte. „Meine Geschäftspartner mussten sich erst an die Kommunikation per Mail gewöhnen. Denn die Telefonverbindungen sind oft ziemlich schlecht“, erklärt die 34-jährige Renneberg. „Und manchmal haben wir auch kein Internet.“ Strom dagegen ist immer vorhanden. Denn der Hanomag Baujahr 1968 hat Solarzellen auf dem Dach. Viel Geld brauchen die beiden nicht: „500 Euro reichen im Monat für alles Notwendige wie Krankenversicherung, Lebensmittel und Treibstoff“, so Fuchs.

Ein Erlebnis hat die beiden in den vergangenen Monaten sehr geprägt: Im Oktober letzten Jahres wurden sie auf einem überwachten Campingplatz Opfer eines Raubüberfalls. „Nachts standen plötzlich vier mit Macheten bewaffnete junge Männer vor mir und griffen mich ohne Vorwarnung an. Sie verletzen mich schwer am rechten Arm und raubten einen unserer Laptops“, so Renneberg. Um sich von dem Vorfall zu erholen, kehrten die beiden nach Deutschland zurück. Doch im September starten sie wieder in Richtung Malawi: „Wir haben so viel Schönes in Afrika erlebt. Das wiegt dieses Erlebnis bei Weitem auf“, so Renneberg. Und Fuchs ergänzt: „Wir sind das ganze Jahr dort, wo andere zwei Wochen Urlaub machen!“

Tipps für Sie:

  • Wer Arbeiten und Reisen verbinden will, hat verschiedene Optionen wie etwa „Work and Travel“, einen klassischen Job im Ausland oder das Leben als Digitaler Nomade.
  • Bis zum Alter von 30 oder 35 Jahren kann man in Australien, Neuseeland und Kanada für zwölf Monate „Work and Travel“-Aufenthalte verbringen.
  • „Work and Traveler“ können z.B. als Kellner, Hilfskraft in Hostels, Farmmitarbeiter oder Handwerker arbeiten.
  • Wer einen sozialversicherungspflichtigen Job im Ausland sucht, sollte mindestens sechs Monate vorher beginnen, sich über das Zielland und den Arbeitsmarkt dort zu informieren.
  • Schon bei der Ausreise ist es sinnvoll, sich über die Rückkehr nach Deutschland Gedanken zu machen.
  • Am Besten man pflegt während des Auslandsaufenthaltes berufliche Kontakte in der Heimat.
  • Wer als Digitaler Nomade ortsunabhängig Geld verdienen will, sollte sein Business bereits in Deutschland aufbauen.
  • Für die erste Zeit im Ausland ist es ratsam, finanzielle Rücklagen zu bilden.

Fragen an Sie:

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  • Was sind Ihre Erfahrungen mit einem „Work and Travel“-Aufenthalt?
  • Haben Sie schon im Ausland gearbeitet? Was haben Sie dort erlebt?
  • Würden Sie gerne als Digitaler Nomade arbeiten und warum?
  • Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit dem ortsunabhängigen Arbeiten gemacht?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

  • Die Website „Work & Travel weltweit“ berichtet über Länder, Versicherungen, „Working Holiday Visa“ sowie Anbieter und Programme: www.work-and-travel.co
  • Travelworks informiet über Auslandsprogramme in den Bereichen „Work and Travel“, Freiwilligenarbeit, Au Pair sowie  Auslandspraktika: www.travelworks.de
  • Der Blog „TravelWorkLive“ hilft, ein ortsunabhängiges Unternehmen zu führen: www.travelworklive.de
  • Barbara Riedel bloggt über das Reisen und Arbeiten unter: www.barbaralicious.com
  • Der Reiseblog „runterwegs“ von Verena Renneberg und Patrick Fuchs zeichnet ihre Afrikareise nach und hilft beim Reisen durch den Schwarzen Kontinent: www.runterwegs.de
  • Die zentrale Auslands- und Fachvermittlung berichtet über die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Ländern unter den Menüpunkten „Arbeit“ und „Länderinformationen“: www.zav.de

Meine Lektüreempfehlung:

  • Sebastian Canaves: Off The Path. Eine Reiseanleitung zum Glücklichsein, 240 Seiten, Ullstein (Berlin) 2015, E-Book: 9,99 Euro, Taschenbuch: 12,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, August 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Wissenschaftler werden: Der Weg zum Professor ist steinig

Manch eine weiß schon im Kindesalter, dass sie Forscherin werden will. Andere entdecken ihre Leidenschaft für die Wissenschaft erst im Studium. Doch egal, wann der akademische Nachwuchs sich für eine universitäre Laufbahn entscheidet: Vor ihm liegt ein steiniger Weg, der zwar eine interessante und anspruchsvolle Tätigkeit mit sich bringt, aber auch ein beträchtliches Risiko birgt.

Wissenschaftler werden
Wissenschaftliche Karriere: Der steile Weg zum Professor

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Studierende, Berufseinsteiger und Eltern.

Dieser Artikel informiert Sie über:

  • Vorausetzungen für eine wissenschaftliche Karriere
  • Rahmenbedingungen des Wissenschaftssystems
  • verschiedene Karrierebausteine
  • Alternativen zum Professor
  • Tipps
  • Linkempfehlungen

Intrinsische Motvation als Voraussetzung

Dr. Michal Or-Guil wollte bereits als Kind Forscherin werden. „Das war für mich schon damals eine Traumlaufbahn“, berichtet die Leiterin der Forschungsgruppe Systemimmunologie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Den eigentlichen Entschluss fasste die Physikerin nach ihrem Studienabschluss: Während eines Auslandsaufenthaltes in den USA und Brasilien lernte sie verschiedene Forschergruppen kennen. Sie nutzte die Zeit, ein Promotionsthema zu suchen. „Was mich von Anfang an fasziniert hat, war die Möglichkeit, eigenen Forschungszielen nachzugehen und selbstständig Entdeckungen zu machen.“

Nach der Fertigstellung ihrer Promotion an der Universität Münster wechselte Or-Guil zum Max-Planck-Institut für Physik komplexer Systeme in Dresden. „Die Forschung an dieser außeruniversitären Einrichtung war viel internationaler und weltoffener als an der Uni. Deshalb wollte ich dort auch bleiben“, betont die Forscherin. Doch dann reizte sie eine Ausschreibung der Volkswagenstiftung für die Gründung einer Forschungsgruppe an der Humboldt-Universität. Sie bewarb sich und kam nach Berlin.

Voraussetzung: Interesse an der Forschung

Die Berufsberaterin für Abiturienten und Hochschüler Bärbel Orphal wird immer mal wieder mit dem Berufswunsch Forschung konfrontiert. Gerade bei Abiturienten herrscht aber viel Unkenntnis über den beruflichen Werdegang in der Wissenschaft: „Wer sich für diesen Beruf interessiert, muss nach dem Masterstudium erst einmal an einer Universität promovieren“, erklärt Orphal von der Arbeitsagentur Berlin Mitte. Sie rät Interessierten, bereits im Bachelorstudium erste Schritte zu tun. „Am Besten absolvieren sie Forschungspraktika oder arbeiten als wissenschaftliche Hilfskraft an Lehrstühlen.“ Das ist auch eine gute Voraussetzung, um später an der Universität eine Promotionsstelle zu erhalten … vorausgesetzt, die Leistungen stimmen.

Die Rahmenbedingungen im Wissenschaftsystem kennen

Wer in der Forschung arbeiten will, sollte sich mit deren Rahmenbedingungen beschäftigen: „Während und nach der Promotionsphase haben Akademiker fast immer befristete Stellen“, betont Orphal. Außerdem sei das Gehalt an den Hochschulen oft deutlich geringer als in der Wirtschaft.

Auch Or-Guil sieht in der Befristung ein Problem: „In der Wissenschaft zu arbeiten ist wirklich sehr attraktiv, weil man selbstständig forschen kann. Allerdings ist es schwierig, längerfristig zu planen, wenn die Stellen nur befristet sind“, betont die Forscherin. Das mache es vielen Nachwuchskräften schwer, in der Forschung zu bleiben. „Bei mir selbst hat sich immer wieder ein guter nächster Schritt ergeben.“ Doch das Risiko sei erheblich. Denn nach einer befristeten Beschäftigung eine Anschlussfinanzierung zu finden, sei keine Selbstverständlichkeit.

Leben zwischen W 3 und Hartz IV

Die Berlinerin Dr. Monika Klinkhammer hat sich auf die Beratung von Wissenschaftlern spezialisiert und kennt deren spezifische Probleme. „Die Zahl der Professorenstellen ist bekanntlich gering.“ Von zwei bis drei Habilitierten – also entsprechend Qualifizierten –  werde nur einer tatsächlich Professor. Das sei ein „Engpass“. Denn vor der Berufung zum universitären Hochschullehrer stehen oft viele Jahre Unsicherheit und prekäre Arbeitsverhältnisse. „Das ist ein Leben zwischen W 3 und Hartz IV mit vielen Ortswechseln“, fasst es Klinkhammer zusammen. „Auch die Familienplanung und das Leben in einer Partnerschaft bleibt dabei oft auf der Strecke.“

Publikationen und Präsentationen auf Kongressen zählen

Um in der Wissenschaft Karriere zu machen, braucht es nicht nur fachliche Brillanz, sondern noch viele andere Kompetenzen. „Ganz wichtig ist es, dass sich Nachwuchskräfte mit ihrer Arbeit präsentieren können, zum Beispiel auf Kongressen und Tagungen“, berichtet Klinkhammer. Zudem sollten Promovierende neben ihrer eigentlichen Doktorarbeit weitere Forschungsergebnisse publizieren. „Gerade die Anzahl und Qualität der Publikationen entscheidet über den weiteren Werdegang, allerdings auch die Fähigkeit zu netzwerken.“

Zu dem wissenschaftlichen Nachwuchs, den Dr. Monika Klinkhammer coacht, gehört auch Julia Dittmann. Die 44-jährige Berlinerin promoviert derzeit an der Universität Bayreuth und hat ein klares Ziel vor Augen: „Ich möchte später an einer Film- oder Kunsthochschule arbeiten.“ Die Mutter zweier Kinder kann auf vielfältige künstlerische und wissenschaftliche Erfahrungen zurückblicken: Sie hat eine Film- und Schauspielschule besucht, ihr Geld als Filmemacherin fürs Fernsehen verdient und dann Filmwissenschaft, Geschichte und Gender Studies studiert. Dittmann: „Da ich mein Studium mit ’sehr gut‘ abgeschlossen habe, entstand die Idee, eine Doktorarbeit zu schreiben.“

Julia Dittmann promoviert im Rahmen der Bayreuth International Graduate School of African Studies über ein Thema im Bereich der feministischen Filmtheorie. So pendelt sie zwischen Berlin und Oberfranken. „Das ist natürlich mit zwei kleinen Kindern ziemlich anstrengend.“ Von ihrer Doktormutter erfährt sie Unterstützung und Förderung. So konnte sie bereits zwei Semester an der Uni lehren.

Disziplin hilft

„Für die Arbeit an der Promotion ist viel innere Disziplin nötig. Doch auch der Austausch innerhalb der Graduiertenschule und mit meiner queer-feministische Promotionsgruppe hilft mir.“ So trifft sie sich in Berlin regelmäßig mit anderen Doktorandinnen und diskutiert offen anstehende Probleme.

Dr. Uta Hoffmann vom Servicezentrum Forschung der Humboldt-Universität empfiehlt allen, die eine wissenschaftliche Karriere anstreben, frühzeitig zu netzwerken: „Es ist sinnvoll herauszufinden, wo im eigenen Fach die Musik spielt und was in der Spitzenforschung vor sich geht“, so Hoffmann. Das sei in erster Linie Aufgabe jedes Einzelnen. Doch inzwischen könnten Promovierende und Promovierte auf ein differenziertes Unterstützungssystem an vielen Hochschulen bauen. So habe die Humboldt-Universität zum Beispiel die Dachorganisation für strukturierte Promotionsprogramme die „Humboldt Graduate School“ eingerichtet. Deren Ziel es ist, Promovierenden gute Rahmenbedingungen zu bieten wie zum Beispiel Kurse zu Schlüsselqualifikationen, Mentoring und Orientierung sowie die Unterstützung in Konfliktfällen.

Beratungsangebote nutzen

Nach der Promotion berät die Universität die sogenannten Postdocs zum Beispiel bei der Beantragung von Geldern.Sie bietet auch ein spezielles Fortbildungsprogramm an“, betont Hoffmann. Trotz der vielfältigen Angebote ist jedoch das Engagement des Nachwuchswissenschaftlers entscheidend … zum Beispiel die Bereitschaft, für einen Forschungsaufenthalt ins Ausland zu gehen. Denn internationale Erfahrung spielt in der Wissenschaft eine wichtige Rolle.

Gerade angesichts der wenigen Professorenstellen hält Orphal es für hilfreich, sich frühzeitig über die vielfältige Wissenschaftslandschaft in Deutschland zu informieren. Denn so könne man auch Alternativen zum Karriereziel Hochschullehrer entwickeln. Außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie die Max-Planck-Institute kommen dafür genauso infrage wie Stellen im Wissenschaftsmanagement.

Alternativen entwickeln

Die Arbeit im Wissenschaftsmanagement ist dabei keineswegs nur eine Notlösung, wenn es mit dem Traum vom Forscher nicht geklappt hat. Der Beruf des wissenschaftlichen Koordinators kann vielmehr selbst ein interessantes berufliches Ziel sein! Dr. Micha Schröter hat sich zum Beispiel ganz bewusst für diese Arbeit entschieden. Zuerst studierte er Biochemie in Halle an der Saale und promovierte dann am „Deutschen Rheuma-Forschungszentrum“ in Berlin. Nach seiner Promotion arbeitete er noch zwei Jahre als Forscher, bevor er dann ins Wissenschaftsmanagement wechselte.

„Ich wollte immer etwas mit Menschen für Menschen machen. Das kommt in der Forschung zu kurz“, betont Schröter, der heute als Wissenschaftlicher Koordinator beim „Integrativen Forschungsinstitut für Lebenswissenschaften“ in Berlin beschäftigt ist.  Er  arbeitet an der Vernetzung von Wissenschaftlern, organisiert Veranstaltungen und Kongresse. „Außerdem entwickle ich ein Angebot für unsere Graduiertenschule.“ Dass er selbst so lange geforscht hat, sieht Schröter als wichtige Voraussetzung, um mit den Forschern auf Augenhöhe arbeiten zu können.

Meine Tipps auf einen Blick:

  • Intrinsische Motivation und Interesse an der Forschung sind Voraussetzungen für eine Karriere in der Wissenschaft.
  • Angehende Wissenschaftler sollten die Rahmenbedingungen im Wissenschafts- und Hochschulsystem kennen, wie zum Beispiel die Befristung von Stellen.
  • Diese Rahmenbedingungen sollten sich mit den weiteren Lebenszielen des Forschers vereinbaren lassen.
  • Publikationen und Präsentationen auf Kongressen sind wichtige Karrierebausteine.
  • Internationale Erfahrung zählt.
  • Selbstdisziplin und Selbstmanagement sind Voraussetzungen für den beruflichen Erfolg als Forscher.
  • Wissenschaftler sollten die verschiedenen Beratungsangebote nutzen.
  • Sie sollten eine berufliche Alternative zum Professor entwickeln.

Meine Fragen an Sie:

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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juli 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)