Auszeit vom Beruf: So gelingt das Sabbatical

Zwei, drei Wochen Jahresurlaub reichen nicht immer. Wer große Träume wie eine Weltreise verwirklichen will und nicht bis zur Rente warten möchte, braucht mehr Zeit. Ein Sabbatical – eine mehrmonatige oder gar einjährige berufliche Auszeit – bietet diese Möglichkeit … vorausgesetzt, der Arbeitgeber ist einverstanden!

Auszeit vom Beruf: So gelingt das Sabbatical!
Auszeit vom Beruf: So gelingt das Sabbatical!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

Sehnsüchtige, Berufserfahrene und Berufseinsteiger.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was Sie über ein Sabbatical wissen sollten.
  • Wie Sie eine berufliche Auszeit vorbereiten.
  • Welche Strategien Ihnen im Umgang mit dem Arbeitgeber helfen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Sabbatzeit: Eine Pause vom Job planen

Die aus Thüringen stammende Julia Patzenhauer hat ein Sabbatical gemacht: „Nach dem Abitur war ich für neun Monate mit zwei Freundinnen in Australien und habe dort einen ’Work and Travel‘-Aufenthalt verbracht. Dabei wurde mir klar, dass ich so etwas unbedingt noch ein weiteres Mal erleben möchte“, berichtet die 26-Jährige. „Denn ich habe auf dieser Reise viel gelernt und war sehr glücklich.“

Doch erst einmal kam Patzenhauer zurück und absolvierte ein duales Tourismus-Studium. Nach ihrem Studienabschluss erfuhr sie, dass einige ihrer Kollegen die Möglichkeit eines Sabbaticals nutzten. So entstand bei ihr der Wunsch, es ihnen gleichzutun.

Vorbereitung eines Sabbaticals: Das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen

Nachdem sie zwei Jahre bei einem großen Spa- und Wellnessanbieter gearbeitet hatte, entschloss sie sich, nach einer Sabbatzeit zu fragen. „Ich habe mir natürlich auch überlegt, was ich mache, wenn mein Arbeitgeber ’nein‘ sagt. Aber mir war die Auszeit so wichtig, dass ich sogar dafür gekündigt hätte“, so Patzenhauer. Doch dazu kam es nicht. Denn ihre Vorgesetzten sahen in der sechmonatigen Reise durch Neuseeland, Australien, Thailand, Bali und Costa Rica auch einen Mehrwert für die Firma.

„Mit meinem Trip wechselte ich die Seiten. Statt Marketingassistentin war ich nun Touristin. Ich fand heraus, welche neue Trends es gibt und wie sich Touristen heute informieren“, erklärt Patzenhauer. So lernte sie, via Instagram an touristische Insider-Informationen zu kommen. „Jetzt überlegen wir, dieses soziale Netzwerk auch für unsere Firma zu nutzen.“ In ihrer halbjährigen Auszeit, die sie gemeinsam mit ihrem Freund verbrachte, bloggte sie über ihre Erlebnisse. „Ich habe meine technischen Kenntnisse über Fotografie und Bildbearbeitung ausgebaut“, beschreibt die Marketingfrau die Win-Win-Situation für sich und ihren Beruf.

Frühzeitig die Auszeit planen

„Ich kann jedem nur empfehlen, ein Sabbatical zu machen. Denn es war viel einfacher als gedacht“, betont Patzenhauer. In den eineinhalb Jahren vor der Reise sparte sie ein Teil des Gehaltes, das ihr dann während des Sonderurlaubs ausgezahlt wurde. Ihr Tipp: „Wer ein Sabbatjahr verbringen will, sollte frühzeitig mit dem Arbeitgeber sprechen. Bei mir war es schon relativ knapp.“

Die Inhaberin der Frankfurter Auszeitagentur Daniela Scholl empfiehlt, mit der Planung einer Sabbatzeit etwa drei Jahre vorher zu beginnen. „Es ist ganz entscheidend, früh mit dem Arbeitgeber zu sprechen“, berichtet Scholl. „Eines muss jedoch jedem klar sein: Es gibt keinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical. Wenn ein Unternehmen partout nicht will, dann kann man seinen Wunsch nicht durchsetzen!“ Doch die Reiseverkehrskauffrau und studierte Kulturwissenschaftlerin weiß, dass viele Firmen auch die Vorteile kennen, die ihnen die Gewährung von Sonderurlaub oder Sabbatical-Modellen bringt wie etwa eine höhere Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter.

Vorsicht beim Wunsch, zu kündigen!

„Manchmal versteckt sich hinter dem Bedürfnis nach einer Auszeit in Wirklichkeit der Wunsch, zu kündigen“, so Scholl. Doch sie warnt vor einer Vermischung dieser beiden Beweggründe. „Wer eigentlich kündigen will, sollte das direkt tun und nicht den Umweg über eine Sabbatzeit nehmen.“

Scholl berät in allen Fragen der Sabbaticalgestaltung. Sie informiert über die ersten Schritte und gibt Erfahrungsberichte weiter. Auf Wunsch organisiert sie auch Vorabtreffen zum Beispiel mit den Projektträgern, bei denen der Auszeitsuchende sein Sabbatical verbringen will.

Vorbereitung: Sparpotenziale entdecken

Auch wenn es um die Kommunikationsstrategie mit dem Arbeitgeber geht, ist Scholl  eine kompetente Ratgeberin. „Ich empfehle eine schriftliche Vereinbarung. Darin sollte zum Beispiel stehen, wie lange die Auszeit dauert, und dass der Arbeitnehmer am Ende der Sabbatzeit wieder in der gleichen Position arbeiten kann.“ Auch beim Thema Finanzierung berät sie. „Für ein Sabbatical muss niemand im Lotto gewinnen, aber 5.000 bis 6.000 Euro sollte man schon gespart haben.“ Ihr Tipp: Im Vorfeld das eigene Konsumverhalten unter die Lupe nehmen und Sparpotenziale entdecken.

Daniela Scholl weiß, wovon sie spricht. Denn sie machte 2008 selbst eine Auszeit. „Im Zuge der Finanzkrise bot mein Arbeitgeber allen Beschäftigten diese Möglichkeit an.“ Allerdings war die konkrete Umsetzung dann doch kompliziert. „Ich musste viel Überzeugungsarbeit leisten, obwohl ich vorher Absprachen mit meinen Kollegen und Kunden getroffen hatte.“ Sie nutzte die drei freien Monate dazu, ihren Wohnort Frankfurt zu erkunden. „Durch meinen Beruf in der Tourismusbranche war ich viel unterwegs. So fand ich während des Sabbaticals endlich mal Zeit, die Stadt kennenzulernen, in der ich zum damaligen Zeitpunkt schon acht Jahre wohnte.“

Verschiedene Beweggründe für die Auszeit

Wie unterschiedlich die Beweggründe und Auszeit-Aktivitäten sein können, zeigt das Beispiel von Monika Müller-Steinmacher. Die 52-Jährige arbeitet als Herrenschneidermeisterin in einem hessischen Theater. Inzwischen ist ihr einjähriges Sabbatical genehmigt. „Ich möchte in Afrika verschiedene soziale Projekte kennenlernen und in Indien für drei Monate Frauen das Nähen beibringen. Außerdem habe ich vor, in Ecuador in einem weiteren Frauenprojekt mitzuarbeiten“, berichtet Müller-Steinmacher.

„Mein Wunsch ist es, die Welt anzuschauen und etwas Sinnvolles zu machen“, erklärt die Herrenschneidermeisterin, die auch Erholungsphasen einplant: „Ich werde in Neuseeland zwei bis drei Wochen richtig Urlaub machen und vor meinem Einsatz in Ecuador einen Spanisch-Sprachkurs besuchen.“

Der Wunsch, die Welt anzuschauen und Sinnvolles zu tun

Müller-Steinmacher ist es wichtig, Abstand zu gewinnen. „Mein Mann ist verstorben als ich 30 Jahre alt war. Meine beiden Kinder waren damals noch sehr klein.“ So schlug sie sich in den folgenden Lebensjahren als Alleinerziehende durch und musste zudem mit gesundheitlichen Problemen kämpfen. Diese Situation machte ihr jetzt aber das Sabbatical möglich. „Denn ich brauchte für die Beantragung ein ärztliches Attest, das die Auszeit befürwortet.“

Der Kölner Karrierecoach Dr. Bernd Slaghuis kennt aus seiner Beratungspraxis Berufstätige, die sich nach einem Sabbatical sehnen: „Gerade unter den 40- bis 49-Jährigen gibt es den höchsten Jobfrust. Viele kommen daher auf die Idee, die Reißleine zu ziehen und eine Auszeit zu nehmen.“ Allerdings empfiehlt der Berater, sich bewusst dafür zu entscheiden und nicht aus einer Laune heraus zu handeln. „Die Tatsache, dass ein Berufstätiger keinen Spaß mehr im Job hat, reicht als Argument für ein Sabbatical nicht aus.“

Sabbatzeit: Den Chef überzeugen

Slaghuis‘ Tipp: „Wer seinen Chef von einer Auszeit überzeugen will, sollte im Vorfeld die Brille des Chefs aufsetzen und sich in seine Lage versetzen.“ Wenn sich Arbeitnehmer zum Beispiel im Vorfeld um Vertretungsmöglichkeiten bemühten und die Übergabe von Aufgaben klärten, hätten sie im Allgemeinen gute Chancen, ihren Wunsch durchzusetzen. „Denn Arbeitgeber wollen qualifizierte Mitarbeiter an sich binden.“

Auch wenn eine mehrmonatige Auszeit verlockend erscheint, empfiehlt der Businesscoach, sich über die möglichen negativen Konsequenzen im Klaren zu sein: „Viele schämen sich im Nachhinein für ihre Auszeit. Und tatsächlich ist bei späteren Bewerbungen die Lücke im Lebenslauf ein Problem … natürlich nur für die, die nicht zu ihrem alten Arbeitgeber zurückgekehrt sind.“ Schließlich herrsche in Deutschland immer noch die Vorstellung, dass ein Sabbatical etwas mit Schwäche zu tun habe.. „Länder wie die Niederlande, Finnland oder Dänemark sind in der Akzeptanz schon viel weiter.“

Tipps auf einen Blick:

  • Wenn Sie eine Sabbatzeit planen, sollten Sie frühzeitig mit Ihrem Arbeitgeber sprechen … am Besten drei Jahre vorher.
  • Sie müssen wissen, dass Sie keinen Rechtsanspruch auf ein Sabbatical haben.
  • Werden Sie sich darüber klar, ob hinter Ihrem Bedürfnis nach einer Auszeit in Wirklichkeit der Wunsch steht, zu kündigen. Wenn dem so ist, gehen Sie lieber nicht den Umweg über eine Sabbatzeit.
  • Überlegen Sie sich vorher, welche negativen Konsequenzen ein Sabbatical haben könnte. Wägen Sie Vor- und Nachteile ab.
  • Um Ihren Chef überzeugen zu können, sollten Sie sich im Vorfeld in seine Lage versetzen. Überlegen Sie sich zum Beispiel, wer Ihre Aufgaben übernehmen könnte. Sprechen Sie mit Kollegen und Kunden über Ihren Wunsch und suchen Sie nach Lösungen.
  • Treffen Sie mit Ihrem Arbeitgeber eine schriftliche Vereinbarung über Ihre Auszeit.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Sehnen Sie sich nach einer beruflichen Auszeit?
  • Haben Sie schon mal ein Sabbatical gemacht?
  • Wie haben Sie das geplant?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

 

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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juni 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

2 Kommentare

  1. Wer würde das nicht gerne einmal tun, eine längere Auszeit vom Job. Doch wer macht es? Die wenigsten. Ein Grund dürfte sein, das wir Menschen Gewohnheitstiere sind, die ihren geregelten Gang brauchen. Und das gehört sicher nicht dazu

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