Home » Ausland » Arbeiten im Ausland: Mit „Work & Travel“ oder als Digitaler Nomade

Mit dem Laptop am Strand arbeiten, statt im Büro zu sitzen: Für viele Berufstätige ist das eine verlockende Alternative. Tatsächlich gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, Arbeiten und Reisen miteinander zu verbinden. Der klassische „Work and Travel“ ist nur eine Option. Denn auch die Selbstständigkeit bietet diese Chance.

Ortsunabhängig Arbeiten als Digitaler Nomade

Ortsunabhängig Arbeiten als Digitaler Nomade

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter, Neustarter 40plus  und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • wie ein „Work and Travel“-Aufenthalt ablaufen kann.
  • welche Voraussetzungen an einen „Work and Travel“-Aufenthalt geknüpft sind.
  • welche Jobmöglichkeiten sich dabei bieten.
  • was man beim Jobben im Ausland beachten sollte.
  • welche Voraussetzungen Digitale Nomaden erfüllen sollten.
  • wie das Leben als Digitaler Nomaden konkret aussehen kann.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

„Work and Travel“-Aufenthalt

Die 19-jährige Elena Bergmann aus Weinheim in Baden-Württemberg bereiste während ihres „Work and Travel“-Aufenthaltes Neuseeland, Australien, Thailand und Dubai. „Ich wollte schon mit zehn Jahren nach Neuseeland. Deshalb habe ich vor dem Abitur auch viel gejobbt, um mir diesen Traum zu erfüllen.“ Ein halbes Jahr nach Ende der Reise ist sie sich sicher: „Das war die beste Zeit meines bisherigen Lebens.“

Bergmann durchquerte das ganze Land und wechselte ständig die Jobs. Mal arbeitete sie im Housekeeping eines kleinen Hostels, mal auf einer Farm. „Ich habe im Durchschnitt nur zwei bis fünf Stunden am Tag für Kost und Logis gejobbt. So hatte ich die Möglichkeit, mehr Ausflüge zu unternehmen.“ In Neuseeland lernte sie die Herzlichkeit der Einheimischen kennen: „Ich wurde von meinen Arbeitgebern in die Familie aufgenommen und war nicht nur Hilfskraft.“ Die junge Frau erlebt die Neuseeländer als offene Menschen, die ihr gerne weiterhalfen und sie auch schon mal spontan zum Grillfest einluden. Ihre Arbeit bestand aus vielen Hilfstätigkeiten. Sie machte in Hostels Betten, saugte oder putzte Bäder. Auf einer Farm war sie für die Tiere zuständig. Sie fütterte sie, sorgte aber auch für deren Wohlergehen. „Dort gab es Alpakas, die waren trotz 37 Grad Hitze noch nicht geschoren. Deshalb habe ich sie täglich geduscht. Das fanden die Tiere super.“

Elena Bergmann buchte ihren Flug über TravelWorks, einem auf „Work and Travel“-Reisen spezialisierten Reiseveranstalter: „Das Ticket war günstiger, als wenn ich es allein gekauft hätte.“ Außerdem halfen ihr in der ersten Woche die Partner vor Ort, sich im Land zurechtzufinden.

„Work and Travel“: Voraussetzungen

„Bis zum Alter von 30 oder 35 Jahren können junge Leute in Australien, Neuseeland und Kanada für zwölf Monate Reisen mit Jobben verbinden“, erklärt Tanja Kuntz. Sie ist Geschäftsführerin von dem in Münster beheimateten Unternehmen TravelWorks. Voraussetzung für „Work und Travel“ ist, dass die Reisenden über ausreichend Geldmittel verfügen. „In Australien braucht man zum Beispiel 3500 Euro.“

TravelWorks informiert Reisewillige, unterstützt sie bei der Beantragung von Visa und bucht das Ticket. Vor Ort hat der Veranstalter Partner, die bei der Jobsuche und anderen praktischen Fragen helfen. „Schließlich wollen sich viele ein Auto kaufen und brauchen ein Konto“, so Kuntz. „Natürlich kann man das auch selbstständig organisieren. Aber gerade bei Problemen sind Kontakte vor Ort nützlich.“

„Work and Travel“: Die Jobmöglichkeiten

Sebastian Canaves kennt das Leben als sogenannter  „Backpacker“, also als Rucksacktourist. In seinen Blogs „TravelWorkLive“, „Off The Path“ und seinem gleichnamigen Buch gibt er Gleichgesinnten viele Tipps. „Besonders beliebt bei ‚Work-and-Travel-Aufenthalten‘ sind Jobs in der Gastronomie, zum Beispiel als Kellner oder als Hilfskraft in Hostels. Wer Knochenarbeit nicht scheut, kann auch in Kohleminen im Outback arbeiten. Dort verdient man 40 bis 60 australische Dollars die Stunde.“ Der Reiseblogger und Marketingberater Canaves empfiehlt noch andere Jobs … zum Beispiel als Fruit-Picker – also als Hilfskraft auf Farmen. „Ist jemand Handwerker, kann er natürlich mit seinem Beruf Geld verdienen. Denn Handwerker sind in Australien sehr begehrt„. Gerade Schulabgängern rät er, in dem Bereich zu jobben, in dem sie später beruflich tätig werden wollen.

Arbeiten und Reisen: Jobs im Ausland

„Work and Travel“ ist aber nicht die einzige Möglichkeit, Reisefieber und Geld verdienen zu verbinden.  Canaves: „In vielen Ländern bekommt man als Deutscher problemlos ein Arbeitsvisum. Allerdings ist man dann meist auf ein Unternehmen festgelegt. Verliert jemand seinen Job, ist auch ganz schnell das Visum abgelaufen.“

Dr. Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Bundesarbeitsagentur empfiehlt: „Wer einen sozialversicherungspflichtigen Job im Ausland sucht, sollte mindestens sechs Monate vorher anfangen, sich zu informieren. Wichtig sind Informationen über Arbeiten und Leben allgemein und darüber, wie in dem Zielland der Arbeitsmarkt und die Bewerbungsverfahren funktionieren.“ Ein guter Zeitpunkt für einen Auslandaufenthalt ist – so Raabe – zwei bis drei Jahre nach dem Ende des Studiums oder der Berufsausbildung. Dann haben die Auslandsinteresierten schon erste Berufserfahrungen. Das zählt! Raabe hat noch ein Tipp: „Schon bei der Ausreise sollten Berufstätige an die Rückkehr denken und berufliche Kontakte in Deutschland weiter pflegen.“

Leben als Digitaler Nomade

Eine Alternative zur Anstellung ist die selbstständige Tätigkeit im Ausland: „Wer im Internet sein Geld verdient, der braucht nur einen Laptop und eine Internetverbindung, um zu arbeiten“, betont Canaves, der selbst als „Digitaler Nomande“ lebt. „Die meisten  Selbstständigen haben nur ein Touristenvisum. Kurz vor dessen Ablauf reisen sie einfach aus, um wenig später wieder einzureisen.“

Zu romantisch sollte sich aber niemand diesen Lebensstil vorstellen. Denn er ist nicht gleichbedeutend mit Urlaub. „Die Betonung liegt auf dem Wort ‚Arbeiten‘, nicht auf dem Begriff ‚Reisen’“, so Canaves. „Ich habe seit vier Jahren keinen Urlaub im klassischen Sinne mehr gemacht.“ Er empfiehlt Freelancern, die vom Ausland aus ihre Business betreiben, sich möglichst langsam zu bewegen. Denn alles andere schade dem Broterwerb. Einsteigern rät er: „Ein Internetbusiness muss man sich erst einmal aufbauen. Für die Übergangszeit ist es wichtig, Rücklagen zu haben. 5.000 bis 10.000 Euro als Reserve sind schon sinnvoll.“

Die Vor-und Nachteile des ortsunabhängigen Arbeitens

Für das Leben als „Digitale Nomandin“ hat sich auch die 28-jährige Barbara Riedel entschieden. Sie ist als selbstständige Übersetzerin und Dolmetscherin tätig. „Meine Kunden sind vor allem deutsche Unternehmen und Privatleute.“ Außerdem hat die studierte Philologin auch einen eigenen Reiseblog.

Riedel hat festgestellt, dass sie im sonnigen Gefilden besser arbeitet als in einem deutschen Büro: „Gerade am Strand kann ich meine Batterien immer neu aufladen und bin dann dort viel produktiver. Wenn meine Augen müde werden, schaue ich ein paar Minuten aufs Meer.“ Auch auf die Gesundheit der Hessin wirkt sich das Reisen positiv aus. Sie hat seltener Migräne und Schlafprobleme als zu Hause. Bis diesen Juni war sie auf Weltreise und erlebte 13 Länder und vier Kontinente. „Die meiste Zeit habe ich gearbeitet, das Sightseeing machte oft nur fünf Prozent aus.“

In diesem Sommer ist Barbara Riedel als Strandtesterin in verschiedenen Gegenden Südeuropas unterwegs. „Der Job ist deutlich stressiger als man denkt: Um 9 Uhr morgens ist Team-Meeting. Danach geht es an bis zu drei Strände, die ich nach einem strengen Plan bewerte.“ Außerdem führt sie noch Interviews, produziert Fotos und Videos. Am Abend muss sie alle gesammelten Informationen in eine Datenbank übertragen. „Manchmal schaffe ich es bis 21 Uhr, aber es dauert auch schon mal bis nach Mitternacht.“

Mit dem Hanomag unterwegs in Afrika

Die Berliner Patrick Fuchs und Verena Renneberg arbeiten von ihrem „Hanomag A-L 28“ aus und bereisen Afrika. Ihr Entschluss, so zu leben, entstand 2012. „Zwei Jahre lang durchquerten wir zuvor den Kontinent von Nord nach Süd und lebten von unserem Ersparten. Als wir nach Deutschland zurückkehrten, hatten wir noch lange nicht genug vom Reisen“, betont der 40-jährige Patrick Fuchs. Seitdem arbeiten beide ortsunabhängig. Über ihr Leben berichten sie auf ihrem Blog.

Er ist Webdesigner und bietet seine Produkte im Internet und vor Ort in Afrika an, während Verena Rennebergs Auftraggeber hauptsächlich in Deutschland sitzen. Sie schreibt PR-Artikel und sogenannte Suchmaschinenoptimierungstexte. „Meine Geschäftspartner mussten sich erst an die Kommunikation per Mail gewöhnen. Denn die Telefonverbindungen sind oft ziemlich schlecht“, erklärt die 34-jährige Renneberg. „Und manchmal haben wir auch kein Internet.“ Strom dagegen ist immer vorhanden. Denn der Hanomag Baujahr 1968 hat Solarzellen auf dem Dach. Viel Geld brauchen die beiden nicht: „500 Euro reichen im Monat für alles Notwendige wie Krankenversicherung, Lebensmittel und Treibstoff“, so Fuchs.

Ein Erlebnis hat die beiden in den vergangenen Monaten sehr geprägt: Im Oktober letzten Jahres wurden sie auf einem überwachten Campingplatz Opfer eines Raubüberfalls. „Nachts standen plötzlich vier mit Macheten bewaffnete junge Männer vor mir und griffen mich ohne Vorwarnung an. Sie verletzen mich schwer am rechten Arm und raubten einen unserer Laptops“, so Renneberg. Um sich von dem Vorfall zu erholen, kehrten die beiden nach Deutschland zurück. Doch im September starten sie wieder in Richtung Malawi: „Wir haben so viel Schönes in Afrika erlebt. Das wiegt dieses Erlebnis bei Weitem auf“, so Renneberg. Und Fuchs ergänzt: „Wir sind das ganze Jahr dort, wo andere zwei Wochen Urlaub machen!“

Tipps für Sie:

  • Wer Arbeiten und Reisen verbinden will, hat verschiedene Optionen wie etwa „Work and Travel“, einen klassischen Job im Ausland oder das Leben als Digitaler Nomade.
  • Bis zum Alter von 30 oder 35 Jahren kann man in Australien, Neuseeland und Kanada für zwölf Monate „Work and Travel“-Aufenthalte verbringen.
  • „Work and Traveler“ können z.B. als Kellner, Hilfskraft in Hostels, Farmmitarbeiter oder Handwerker arbeiten.
  • Wer einen sozialversicherungspflichtigen Job im Ausland sucht, sollte mindestens sechs Monate vorher beginnen, sich über das Zielland und den Arbeitsmarkt dort zu informieren.
  • Schon bei der Ausreise ist es sinnvoll, sich über die Rückkehr nach Deutschland Gedanken zu machen.
  • Am Besten man pflegt während des Auslandsaufenthaltes berufliche Kontakte in der Heimat.
  • Wer als Digitaler Nomade ortsunabhängig Geld verdienen will, sollte sein Business bereits in Deutschland aufbauen.
  • Für die erste Zeit im Ausland ist es ratsam, finanzielle Rücklagen zu bilden.

Fragen an Sie:

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  • Was sind Ihre Erfahrungen mit einem „Work and Travel“-Aufenthalt?
  • Haben Sie schon im Ausland gearbeitet? Was haben Sie dort erlebt?
  • Würden Sie gerne als Digitaler Nomade arbeiten und warum?
  • Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit dem ortsunabhängigen Arbeiten gemacht?
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Meine Linkempfehlungen:

  • Die Website „Work & Travel weltweit“ berichtet über Länder, Versicherungen, „Working Holiday Visa“ sowie Anbieter und Programme: www.work-and-travel.co
  • Travelworks informiet über Auslandsprogramme in den Bereichen „Work and Travel“, Freiwilligenarbeit, Au Pair sowie  Auslandspraktika: www.travelworks.de
  • Der Blog „TravelWorkLive“ hilft, ein ortsunabhängiges Unternehmen zu führen: www.travelworklive.de
  • Barbara Riedel bloggt über das Reisen und Arbeiten unter: www.barbaralicious.com
  • Der Reiseblog „runterwegs“ von Verena Renneberg und Patrick Fuchs zeichnet ihre Afrikareise nach und hilft beim Reisen durch den Schwarzen Kontinent: www.runterwegs.de
  • Die zentrale Auslands- und Fachvermittlung berichtet über die Arbeitsbedingungen in den verschiedenen Ländern unter den Menüpunkten „Arbeit“ und „Länderinformationen“: www.zav.de

Meine Lektüreempfehlung:

  • Sebastian Canaves: Off The Path. Eine Reiseanleitung zum Glücklichsein, 240 Seiten, Ullstein (Berlin) 2015, E-Book: 9,99 Euro, Taschenbuch: 12,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, August 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
    Article By :
    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

Comments

  1. Marie sagt:

    Hallo Anja,

    vielen Dank für den tollen Artikel. Ich plane gerade ein Auslandsjahr mit Work and Travel zu verbringen, da sind Infos dieser Art immer willkommen :-) Ich bin auf meiner Infosuche noch auf diese Organisation aufmerksam geworden: https://www.stepin.de/work-and-travel/ Scheint mir einen seriösen Eindruck zu machen. Viell. magst du sie ja in deine Linkliste aufnehmen.

    Viele Grüße,
    Marie

    1. Admin Admin sagt:

      Hallo Marie, vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich schaue mir gerne Deine Linkempfehlung an! Ich wünsche Dir viel Spaß bei Deinem Auslandsjahr! Dir eine wunderschöne Zeit und alles Gute! Anja

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