Selbstständigkeit: Wie Frauen erfolgreich gründen!

Frauen entscheiden sich immer öfter für eine Unternehmensgründung. So hat sich die Zahl der selbstständigen Frauen in Deutschland in den letzten zehn Jahren deutlich erhöht und lag 2012 bei knapp 1,4 Millionen. Allerdings macht ihr Anteil an den Selbstständigen insgesamt nur gut ein Drittel aus. Auch starten Gründerinnen mit weniger Kapital und verfügen im Durchschnitt über ein geringeres Einkommen als Gründer. Sie nennen außerdem häufiger nicht finanzielle Motive für ihre Existenzgründung.

Selbstständigkeit: Wie Frauen erfolgreich gründen!
Selbstständigkeit: Wie Frauen erfolgreich gründen!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Sehnsüchtige,  Berufseinsteigerinnen, Berufserfahrene, Neustarterinnen und Neustarterinnen 40plus.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie sich Frauen selbstständig machen.
  • Wie sich Frauen und Männer in Sachen Existenzgründung unterscheiden.
  • Welche Herausforderungen Frauen zu bestehen haben.
  • Wo Gründerinnen Unterstützung bekommen.
  • Linkempfehlungen.

Existenzgründung: Immer mehr Frauen machen sich selbstständig

Frauen machen sich zum Beispiel selbstständig, weil sie in einer abhängigen Beschäftigung nicht aufsteigen können. Oder sie sehen so eine größere Chance, Familie und Beruf zu vereinbaren“, erklärt Dr. Katja von der Bey, Vorstand des Gründerinnen- und Unternehmerinnenzentrums Weiberwirtschaftin Berlin. „Gerade Frauen in der Familienphase wählen relativ oft statt eines Teilzeitjobs die Selbstständigkeit, weil diese meist mehr Flexibilität ermöglicht als eine Anstellung.“

Von der Bey sieht in dieser Form ein Erfolgsmodell: „Viele Frauen können sich – auch auf dem Hintergrund einer Familienfinanzierung durch den Partner – ohne großen Erfolgsdruck ausprobieren und ein Unternehmen aufbauen.“ Meist hätten sie damit großen Erfolg.

Sinnstiftung und Selbstverwirklichung als Gründe

Mariele Trautvetter von der Berliner Gründerinnenzentrale betont: „Frauen gründen, wenn sich ihr Leben verändert … zum Beispiel während der Elternzeit, aber auch in der Arbeitslosigkeit. Dabei stehen neben wirtschaftliche Gründen die Fragen nach Sinnstiftung und Selbstverwirklichung im Vordergrund.“ In ihrer Beratungsarbeit erlebt Trautvetter immer wieder, dass Gründerinnen nicht so sehr auf Wachstum setzen. „Sie haben den Wunsch, ihre Ideen zu verwirklichen.“

Auf die 49-jährige Hessin Sophie Janotta trifft diese Beschreibung zu. Sie ist seit zweieinhalb Jahren selbstständige Webdesignerin, davor war sie fast drei Jahrzehnte Sekretärin. „Während meiner Krebserkrankung 2004 habe ich das erste Mal über die Selbstständigkeit nachgedacht. Davor war ein Berufswechsel nie Thema“, berichtet Janotta. Sie hegte seit dieser Zeit den Wunsch, freier und selbstbestimmter zu arbeiten. Doch wohin die Reise beruflich gehen sollte, war ihr lange nicht klar.

Wunsch nach Unabhängigkeit

Die Entscheidung traf die Sekretärin, als ihr bisheriger Arbeitgeber, bei dem sie zuletzt als Vorstandsekretärin arbeitete, abgewickelt wurde. Sie hatte ein ganz deutliches Gefühl: „Als Sekretärin war ich total abhängig von meinen Chefs. Das wollte ich nicht mehr.“ Da sich Janotta schon immer für Technik interessiert und seit 2009 die Unternehmenswebsite ihres Mannes betreut hat, kam sie auf die Idee, Webdesignerin zu werden.

„Natürlich bin ich eine Quereinsteigerin und begann mit einem Lernprozess“, erklärte Janotta. Inzwischen hat sie ihre Nische gefunden: Sie entwickelt Websites hauptsächlich für Solo-Selbstständige wie zum Beispiel Coachs. „Meist sind das Frauen, die in einer ähnlichen Lage sind wie ich. Das ist wunderbar! Denn so können wir gemeinsam miteinander wachsen und voneinander profitieren.“ Ihre Kunden findet sie via Social Media und über ihren Blog. Auch Unterstützung holt sich Janotta im Internet: Dort ist sie auf „she-preneur“ gestoßen, ein Angebot der Unternehmensberaterin Tanja Lenke.

Hilfe im Internet

„Auf she-preneur.de zeige ich, wie Frauen eine erfolgreiche Selbstständigkeit aufbauen können“, berichtet Lenke. „Denn vielen Gründerinnen fehlen die betriebwirtswirtschaftlichen Grundlagen. Zum Beispiel sind sie sich nicht klar, wie viel sie verdienen müssen, um davon leben zu können.“ Deshalb vermittelt Lenke auf ihrem Blog, in ihrem kostenpflichtigen Online-Mitgliederbereich und im Coaching alle wichtige Fakten etwa aus dem Bereich Marketing.

„Im Internet gibt es viel zu viele Informationen. Was aber den Solo-Selbstständigen oft fehlt, ist ein Ansprechpartner, der sie konkret unterstützt“, betont Lenke. So zeigt sie ihren Klientinnen, wie sie ihre Zielgruppe definieren oder den Wettbewerb analysieren können. „In meinen Facebook-Gruppen haben die Frauen die Chance, Fragen zu stellen. Ich antworte und gebe Feedback.“ Außerdem tauschen sich die Mitglieder dort untereinander aus.

Lenke weiß, dass viele Gründerinnen zu geringe Preise nehmen. „Frauen unterschätzen sich oft. Sie glauben, nicht gut genug zu sein.“ Gegen diese Glaubenssätze versucht die Betriebswirtin anzugehen. Denn meist entbehren sie jeder Grundlage.

Frauen haben geringere Umsätze

Wie wichtig die Unterstützung von Frauen ist, zeigt auch die Forschung von Prof. Dr. Claudia Gather von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR): „Frauen erzielen kleinere Umsätze als Männer. Nach unserer Untersuchung liegen ihre Einkünfte 33 bis 34 Prozent niedriger.“ Bei abhängig Erwerbstätigen ist der Unterschied mit etwa 22 Prozent deutlich geringer.

Das Einkommen der Selbständigen unterscheidet sich je nach Branche. So haben zum Beispiel Ärzte oder Finanzdienstleister ein höheres Einkommen als etwa Ergotherapeuten oder Einzelhändler. Dennoch gibt es den Einkommensunterschied nach Geschlecht in allen Branchen. „Die Gründe dafür sind unklar, weder können die Bildung der Frauen noch Kinder im Haus die Unterschiede erklären. Allerdings arbeiten Frauen in Berufen und Branchen“, so Gather, „die weniger einkommensstark sind. Diese Verteilung findet sich bei Unternehmerinnen wieder“.

Gründe für die niedrigeren Einkommen der Frauen

Auch Gather bestätigt die Erfahrung der Unternehmensberaterin Tanja Lenke, dass Frauen nicht das gleiche Geld nehmen wie Männer. Bei einer studentischen Umfrage der HWR kam zudem heraus, dass Kunden nicht bereit sind, weiblichen Selbstständigen dieselben Preise zu zahlen wie männlichen Mitbewerbern. Das ist selbst dann nicht der Fall, wenn die Qualifikation identisch ist.

„In der Selbstständigkeit gibt es kein Mindesthonorar wie den Mindestlohn bei abhängiger Beschäftigung“, so Gather. Ausnahme sei die Gebühren- und Honorarordnungen bei den verkammerten Berufen, zum Beispiel bei den Notaren. „So etwas kann bei Honorarforderungen sehr hilfreich sein.“ Eine weitere Besonderheit ist, dass Frauen eher im „Zuerwerb“ selbstständig sind. „Oft spielt in diesem Kontext das Haushaltseinkommen eine wichtige Rolle, zum Beispiel das sichere Einkommen des Partners.“

Frauen gründen anders

Von der Bey sieht für Gründerinnen zahlreiche Herausforderungen: „Das Vermögen von Frauen liegt 40 Prozent unter dem der Männer. Damit haben sie bei einer Gründung weniger Startkapital zur Verfügung.“ Auch können sie weit weniger mit Förderung rechnen. „Männer gründen häufiger im MINT-Bereich. Die Förderung ist genau darauf ausgerichtet.“ Das bedeute, dass Unternehmerinnen wesentlich weniger von den Finanzierungsmöglichkeiten profitieren.

„Ein frauenspezifisches Problem ist, dass die unentgeltliche Arbeit im Haushalt immer noch zum größten Teil von dem weiblichen Part übernommen wird. Damit verbleibt Unternehmerinnen weniger Zeit für ihre geschäftlichen Aktivitäten“, betont von der Bey. „Andererseits sind die Unternehmen von Frauen in Finanz- und Wirtschaftskrisen stabiler als die von Männern.“ Das liege auch an der realistischeren Risikoeinschätzung. „Von 400 Unternehmen, die im Rahmen der Weiberwirtschaft gegründet wurden, gab es nur drei Insolvenzen.“ Auch Trautvetter sieht, dass Frauen eher ein risikobewusster Gründungstyp sind, der keine zu großen Wagnisse eingeht.

Unterstützung von selbstständigen Frauen

„In der Anfangsphase werden die Weichen für den späteren Erfolg gestellt“, betont Trautvetter. Umso wichtiger sei es, sich in diesem Zeitfenster möglichst umfassend zu informieren. „Wir sind als Gründerinnenzentrale die Erstanlaufstelle für alle Frauen und geben einen Überblick über Finanzierungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote in der Stadt.“

Trautvetter empfiehlt Interessierten, sich nicht abschrecken zu lassen, sondern jede Form der Beratung in Anspruch zu nehmen, die möglich ist. „Ganz wichtig ist es, von Anfang an Networking zu betreiben und andere Selbstständige kennenzulernen. Dazu bieten sich zum Beispiel unsere Veranstaltungen an.“ Auch die gegenseitige Unterstützung von Gründerinnen bietet Chancen.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie sich selbstständig machen?
  • Welche Erfahrungen haben Sie als Gründerin gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie anderen Frauen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Dezember 2016)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

6 Kommentare

  1. Ein schöner Übeblick, der aber auch ein wenig nachdenklich stimmt…: „Bei einer studentischen Umfrage der HWR kam zudem heraus, dass Kunden nicht bereit sind, weiblichen Selbstständigen dieselben Preise zu zahlen wie männlichen Mitbewerbern.“

    Ich frage mich, ob das wirklich an den „frauenfeindlichen Kunden“ liegt, oder ob die Frauen einfach zu mäusschenhaft auftreten und männlichen Kunden es damit sehr leicht machen, den Preis zu drücken. Das wird ja auch im Artikel zT angerissen wird: „Frauen unterschätzen sich oft. Sie glauben, nicht gut genug zu sein.“ (Tanja L.).

    Auch erfahren wir, dass Frauen häufig nur dann gründen, wenn der Mann im Hintergrund den Lebensunterhalt für beide weiterhin sichert. Das ist weder besonders mutig, noch selbstständig.

    Schuld ist meiner Ansicht nach das Bildungssystem Schule, das den Menschen darauf vorbereitet, ein fleißiger Angestellter zu sein. Das gilt dann wieder für beide Geschlechter gleichermaßen.

    1. Hallo Franzi, danke für deinen Kommentar. In der Selbstständigkeit ist es ähnlich wie im Angestelltenverhältnis. Frauen verdienen weniger… Und ja.. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Frauen sich unterschätzen und sich auch nicht trauen nach mehr mehr Gehalt oder einem höheren Honorar zu fragen. Am Wochenende hatte ich erst wieder ein Gespräch zu diesem Thema. Und es ist wirklich traurig zu sehen, wie viele talentierte Frauen sich unter Wert verkaufen. Zum Thema Gründung: Frauen werden immer mutiger, aber bei vielen Frauen steht der Sicherheitsaspekt weiter im Vordergrund, insbesondere wenn Kinder zu versorgen sind. LG Tanja

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