„Sehnsucht Buch“: Ruprecht Frieling über Erfolg in der Buchbranche

Einen Roman schreiben, Schriftsteller werden, Bücher veröffentlichen: Das ist der Traum vieler Menschen. Genau diesem Thema widmet sich die Serie „Sehnsucht Buch“: Sie lässt Menschen aus der Buchbranche zu Wort kommen, die von ihrer Sehnsucht berichten  und zeigen, welchen Weg sie gegangen sind. Erster Interviewpartner ist der Autor, Verleger und Produzent Ruprecht Frieling aus Berlin. Er gibt auch Tipps für angehende Autoren.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Sehnsüchtige

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Ruprecht Frieling seine Buchkarriere startete und fortführte.
  • Was Autoren antreibt.
  • Was Autoren erfolgreich macht.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Frieling: Eigenständige Gedanken sind Erfolgsrezept in der Buchbranche

Könntest Du Dich den Lesern meines Blogs vorstellen?

Ruprecht Frieling: Sehr gern. Mein Name ist Ruprecht Frieling, im Netz lautet mein Nick »Prinz Rupi«. Ich bin ein deutschsprachiger Autor, Verleger und Produzent. Von mir sind mehr als 40 Bücher in verschiedenen Sprachen lieferbar, ich blogge seit langem, veranstalte gern Bühnenshows, berate Autoren und Verlage und fördere im Rahmen meiner Möglichkeiten künstlerische Talente. Als digitaler Hippie pendele ich zwischen Berlin und Palma de Mallorca und liebe Bücher, Rhythm & Blues, Bach, Wagner, Dada und Surrealismus.

Diese Interview-Serie heißt »Sehnsucht Buch«. Viele sehnen sich danach, Bücher zu schreiben und zu veröffentlichen. Wie war das bei Dir, als Du Dich entschieden hast, in die Branche einzusteigen?

Frieling: Es war mir schon als Kind klar, dass ich künstlerisch-gestaltend tätig sein wollte. Mein Berufswunsch schwankte anfangs zwischen Dirigent und Journalist. Nach ersten Fingerübungen als dichtender Pennäler und Schülerzeitungsredakteur habe ich dann – statt Berufsmusiker zu werden – zuerst einmal am Berliner Lette-Verein den Beruf des Fotografen erlernt. Ich dachte, mich mit dem Bild optimal ausdrücken zu können. Nach einigen Berufsjahren spürte ich, dass das Wort meinen Fähigkeiten und Neigungen besser entsprach und auch bessere berufliche Chancen bot. Deshalb habe ich im nächsten Ausbildungsgang von der Pike auf den Journalismus erlernt, es vom Redakteur zum Lokalchef, über das Feuilleton bis zum Chefredakteur gebracht, eigene Zeitschriften herausgegeben und 1980 einen eigenen Verlag gegründet. Im Laufe der Jahre wurde ich von Kollegen und Verlagen schließlich als Buchautor eingekauft, und so fand ich von der kurzen, tagesaktuellen Nachricht über die Reportage zum Sachbuch.

Der Wunsch, Menschen positiv zu beeinflussen

Was genau hat Dich angetrieben?

Frieling: Mich lockte die Möglichkeit, mit Sprache zu jonglieren, Sachverhalte möglichst genau und dennoch bildhaft darstellen zu können und damit Leser zu begeistern. Am Tagesjournalismus kam dann noch die Faszination einer gewissen Macht hinzu, mit Veröffentlichungen gesellschaftliche Prozesse verändern und das Denken und Handeln der Menschen positiv beeinflussen zu können.

Als Verleger hast Du die Idee der »Vanity Press« aus den USA nach Deutschland gebracht. Du hast also Autoren gegen Bezahlung die Veröffentlichung in Deinem Verlag angeboten. Welche Rolle spielte bei Deinen Kunden die Sehnsucht?

Frieling: Das war damals ein vollkommen neues, spektakuläres Verlagskonzept, das Autoren erstmals die Möglichkeit eröffnete, eigene Werke unzensiert herauszugeben. Jeder Autor sehnt sich danach, einen Hafen zu finden, der ihm Heimat ist und Brücken zum Publikum baut. Da die etablierten Verlage schon damals arrogant und abweisend gegenüber neuen Talenten auftraten, meldeten sich auf meinen Werbeslogan »Verlag sucht Autoren« mehr als 30.000 Autoren aus allen Generationen und Schichten. Aus den von diesen Suchenden vorgelegten Arbeiten veröffentlichten wir im Laufe von zwanzig unternehmerisch erfolgreichen Jahren mehr als zehntausend Werke in Buchform. Wer sich auf den Slogan »Verlag sucht Autoren« meldete, war von der Sehnsucht getrieben, einen Gesprächspartner zu finden, der bereit war, sich mit seinen Texten zu befassen und ihnen ein Publikum zu erschließen. Den Verlag habe ich mit großem Enthusiasmus bis 2003 geführt und stets als Gesamtkunstwerk und Traumfabrik betrachtet.

Vom Erfolg, das eigene Buch in Händen zu halten

Kannst Du von Kunden berichten, die ihre Sehnsucht zum Erfolg geführt hat?

Frieling: Der größte Erfolg und zugleich der erhabenste Moment im Leben jedes Autors ist, das eigene Buch erstmals in Händen zu halten. Das eigene Buch wird zur Wunscherfüllung. Die Veröffentlichung materialisiert seine Sehnsucht, denn der Traum vom eigenen Buch wird damit wahr. Wenn du darüber hinaus mit dem Begriff Erfolg beruflichen Aufstieg, gesellschaftliche Anerkennung, öffentliche Wahrnehmung, mediale Präsenz und Umsatz verbindest, dann könnte ich hier wahrscheinlich stundenlang erzählen …

Zielgruppenorientierung als Erfolgsfaktor

Was ist denn für Dich ein erfolgreicher Autor? Wie sieht für Dich Erfolg in der Buchbranche aus?

Frieling: Jedes neue gute Buch ist eine Alternative zum herrschenden Massenkonsum, ein nennenswerter Fortschritt und sichtbarer Erfolg. Doch längst genügt es nicht mehr, einen erstklassigen Text zu verfassen und herauszugeben. Ein Autor muss heute genau wissen, wie er sein Buch zusammenstellt, verpackt, adressiert und anbietet. Er muss seine Zielgruppe kennen, Teil seiner Zielgruppe sein und sich vollständig mit ihr vernetzen. Dann gelingt vielleicht die nächste Stufe zum Erfolg: die öffentliche Anerkennung. Es gibt nichts Schlimmeres, als unbeachtet am Wegesrand vergessen zu werden. Darum ist jede öffentliche Wahrnehmung, selbst eine niederschmetternde Rezension, ein Stück Beachtung und damit ein Quäntchen Erfolg. Denn über den Erfolg eines Autors entscheidet letztlich das Publikum, die Leserschaft, der Applaus.

Meine These ist ja, dass zur Sehnsucht auch eine Strategie gehört. Sonst klappt es nicht mit der erfolgreichen Umsetzung der Traumziele. Was waren Deine Erfolgsstrategien?

Frieling: Ein guter Autor versucht, unabhängig von Strömungen der Zeit und ihren modischen Irrungen und Wirrungen, sich selber treu zu bleiben. Mein persönliches Erfolgsrezept sind die »Großen G«: eigenständige Gedanken, unerschütterlicher Glaube an die eigene Kraft, Geduld auch in schweren Zeiten und genügend Geld als Grundlage. Kommt dazu die Gunst der Stunde, hat der Erfolg bestmögliche Voraussetzungen.

Viele positive Beispiele erfolgreicher Selfpublisher

Seit einigen Jahren bist Du auch Self-Publisher und wirkst als zweiter Vorsitzender des Selfpublishing-Verbandes. Wie stark beeinflusst die Sehnsucht Self-Publisher?

Frieling: Self-Publisher sind Autoren, die ihre Zukunft selbstbestimmt in die eigene Hand nehmen. Sie träumen davon, sich mit ihren Texten in die Herzen der Leser zu schreiben und möchten vielleicht sogar eines schönen Tages vom Schreiben leben. Durch die vielen positiven Beispiele höchst erfolgreicher Self-Publisher ist die Wunscherfüllung greifbar nah.

Viele Autoren beginnen ihren Traum damit, dass sie in der Freizeit schreiben. Welche Tipps kannst Du diesen Freizeitschriftstellern geben?

Frieling: Jeder Autor muss seine schriftstellerische Laufbahn irgendwann einmal beginnen, und sei es noch so schwer. Er tritt, wie jeder Debütant, zunächst als Unbekannter in die Arena. Dort muss er sich beweisen. Lebensläufe großer Schriftsteller sind eine aufschlussreiche Fundgrube. In ihnen spiegelt sich der oft steinige Weg, den viele Autoren beschreiten mussten, bevor sie Erfolg hatten und Anerkennung fanden. Deshalb gilt als unbedingte Pflicht: Lesen, lesen, lesen …

Chancen auf dem Buchmarkt

Immer wieder müssen Autoren mit dem Argument kämpfen, dass sie auf dem Buchmarkt doch sowieso keine Chancen haben. Wie siehst Du das? Wie sollten Autoren mit Hindernissen und Problemen auf dem Weg zur ersehnten Autorenschaft umgehen?

Frieling: Diese Argumentation ist ausgemachter Quatsch derjenigen, die den Markt und seine Gesetze nicht kennen. Wir hören nahezu täglich neue, aufregende Erfolgsstorys von Autoren, die an sich und ihre Fähigkeiten glauben. Ein Blick auf die Bestsellerlisten beweist: Mittlerweile rangieren Titel von Self-Publishern bereits auf den ersten Plätzen der SPIEGEL-Bestsellerliste. Werke von Self-Publishern werden verfilmt und in ARD und ZDF gezeigt. Die teilweise sagenhaften Erfolgsstorys dieser neuen Autoren finden sich in jeder besseren Zeitung, und die Entscheidungsgewaltigen der Großverlage pochen demütig an ihre Türen und bieten Verlagsverträge an wie saures Bier. Natürlich setzt all das ein einwandfreies Manuskript voraus, das auf dem eigenen Mist gewachsen ist und von fachkundigen Lektoren, Korrektoren und Gestaltern betreut wurde.

Magst Du von einem Deiner Probleme als Autor und Verleger berichten und wie Du damit umgegangen bist?

Frieling: Da gibt es einige Anekdoten. 1985 ersann ich den ersten esoterischen Stadtführer der Welt. Es ging um das Boomen von Wahrsagern, Hellsehern und Heilern, die damals Stadt und Land überschwemmten. Dieses Stadtadressbuch sollte »Berlin okkult« heißen. Um die Idee vorab zu testen, verfasste ich einen schmissigen Werbetext, schickte ihn an hunderte Zeitungsverlage und kündigte das Erscheinen des Stadtführers »Berlin okkult« an. Die Resonanz war überwältigend! Nahezu alle angeschriebenen Redaktionen vom »Spiegel« bis zum »Börsenblatt des deutschen Buchhandels« druckten ohne Rückfrage oder weitere Prüfung die Meldung ab, so als hätten sie nur darauf gewartet. Das auf die Presseberichte folgende Leserecho schlug alle Rekorde. Bald türmten sich insgesamt 32.000 Bestellungen aus dem Handel und von Privatleuten auf meinem Schreibtisch. 32.000 Leute wollten »Berlin okkult« besitzen und lesen! Doch der durch meine Pressemeldung gepuschte und stark vorbestellte Titel existierte lediglich in meiner Phantasie. Es war doch noch keine Zeile geschrieben, kein Foto geschossen worden. Was blieb mir übrig? Innerhalb weniger Tage fertigte ich mit guten Freunden wie im Rausch das Buch, um es dann auszuliefern …

Sehnsucht nach einer friedvollen Welt

Und ganz zum Schluss noch etwas Persönliches: Was ist heute Deine größte Sehnsucht?

Frieling: Um ganz offen zu antworten: Ich bin ein Typ mit ausgeprägtem Suchtcharakter. Im Laufe meines bisherigen Lebens habe ich manche Süchte kennengelernt und allein durch Willenskraft überwunden: Nikotinsucht, Alkoholsucht, Sexsucht, Spielsucht, Arbeitssucht. Geblieben ist die Sehnsucht. Sehnsucht nach einem Leben in einer friedvollen und harmonischen Welt ohne Dummheit, Irrsinn und Gewalt. Sehnsucht nach einem Lebensabend ohne Krankheit, ohne körperliche Gebrechen und geistigen Verfall. Sehnsucht nach Harmonie und einem erfüllten Leben.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie  Buchautor werden?
  • Was treibt Sie an und was ist Ihre Sehnsucht?
  • Wenn Sie selbst schon Autor sind: Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

Wilhelm Ruprecht Frieling: Der Bücherprinz. Eine Lebensabschnittsgeschichte, Internet-Buchverlag,  Berlin 2014, E-Book: 3,99 Euro, Taschenbuch: 12,80 Euro.

(Veröffentlicht Oktober 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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