Mit YouTube-Channel oder Blog richtig Geld verdienen

Sami Slimani und die Space Frogs: Zwei Beispiele für erfolgreiche Youtube-Kanäle mit Millionen von Aufrufen und hunderttausenden von Abonnenten. Beide verbindet die Begeisterung fürs Videodrehen. Dabei ist ihr Profil denkbar unterschiedlich: Von ironisch-witzigen Videos bis hin zum Lifestyle- und Do-it-yourself-Ratgebern. So verschieden die YouTuber auch sind, sie beweisen: Mit Werbeeinnahmen lässt sich auch als Einzelkämpfer im Internet Geld verdienen. Und das gilt ebenfalls für Blogger.

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Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

Der 24-jährige Sami Slimani hat 2009 sein erstes Video hochgeladen. „Ich hatte damals während meines Abiturs total viele Pickel und suchte auf YouTube nach Pflegetipps. Aber ich fand nur englischsprachige Videos. Als ich dann eine Lösung für mein Problem gefunden hatte, machte ich einen kleinen Film darüber und lud ihn hoch.“ Schon nach einem Monat hatte er 3000 Abonnenten und 100.000 Aufrufe. Heute ist er kurz davor, bei Abonnenten die Eine-Million-Marke zu knacken.

Der Stuttgarter Sami war der erste Mann in Deutschland, der Videos zum Thema Lifestyle und Do-it-yourself drehte. Damit hatte er von Anfang an ein Alleinstellungsmerkmal. „Es ging mir bei meinen Clips nicht um den Erfolg – daran habe ich überhaupt nicht gedacht -, sondern um die Leidenschaft am Videodrehen“, erklärt Sami, der mit seinen Fans über die sozialen Netzwerke im ständigen Austausch ist. „Viele Themen, die ich umsetze, wünschen sich meine Zuschauer.“

Nach seinen Zivildienst wollte Sami eigentlich Medienmanagement oder Wirtschaftswissenschaften studieren. Doch er entschied sich dagegen: „Schon damals war ich bekannt. Von Professoren bekam ich den Tipp, dass so ein Studium sehr zeitaufwendig sei und sich schlecht mit meinen YouTube-Aktivitäten vereinbaren lasse. Da dachte ich mir: Du kannst auch später noch studieren.“

Sami macht sein Erfolg immer noch „sprachlos“, wie er sagt. „Ich hätte vor fünf Jahre nie gedacht, dass ich heute davon leben kann.“ Neben der Arbeit an seinem YouTube-Kanal moderiert Sami seit diesem Frühjahr auf dem Musiksender VIVA die Chartsendung „Top 100“. Außerdem macht er Werbung für einen Telefonanbieter.

Durchhaltevermögen und Disziplin

Auch die „Space Frogs“ Steve und Rick sind YouTuber aus Leidenschaft. Die beiden Berliner haben ihren ersten Clip 2010 hochgeladen. „Der entstand bei einem Schulprojekt“, so Rick. Nach der Schule machten die beiden Freunde gemeinsam eine zweijährige schulische Ausbildung zum gestaltungstechnischen Assistenten. „Das machen viele als Lückenfüller, die meisten beginnen danach ein Studium“, berichtet Steve. Schon während dieser Schulzeit hatten die beiden de facto zwei Fulltimejobs – die Ausbildung und YouTube. Danach machten sie sich selbständig. Ihre Genre sind ironisch-witzige Videos, die Alltagssituationen aufs Korn nehmen. Ihr Video „Hunde versus Katzen – Wenn Tiere Menschen wären“ hat über 1,2 Millionen Aufrufe und karikiert das gegensätzliche Verhalten beider Haustiere gegenüber dem Menschen.

„Was YouTuber brauchen ist Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin“, betonen Rick und Steve unisono. „Auch bei uns ist in den ersten zwei Jahren nicht viel passiert.“ Steve ergänzt: „Wir haben zuerst unseren Freunden davon erzählt und uns über 200 Zugriffe gefreut, später wurden es dann 200.000.“ Heute betreiben die beiden drei Kanäle – darunter ein Gaming-Kanal. Insgesamt kommen sie inzwischen auf mehr als eine Million Abonnenten und 99 Millionen Aufrufe.

Doch Geld allein interessiert die Space Frogs nicht. Sie haben schon TV-Angebote abgelehnt: „Wir drehen, was uns Spaß macht. So würden wir nie über ein Spiel berichten, nur weil es gerade angesagt ist und uns viele Klicks bringen würde“, so Steve. Noch heute schreiben, drehen und schneiden die beiden alles selbst. „Wir haben Kontrolle über alle Inhalte. Niemand redet uns da rein“, ergänzt Rick.

Reichweite durch inhaltliche Relevanz

„Um von Videos oder Blogeinträgen leben zu können, braucht man schon Zugriffszahlen eher im siebenstelligen Bereich“, betont Christian Hoffmeister. Der Gründer des DCI Institute berät Firmen zum Thema „Digitales Business“. Aber gerade die Schwelle dieser Sichtbarkeit sei sehr schwer zu erreichen, denn viele Blogs starten bei Null. „Es funktioniert dann eigentlich nur, wenn sich Blogger oder YouTuber als Marke aufbauen. Reichweite bekommen sie, wenn sie inhaltliche Relevanz erreichen und sich spezialisieren, zum Beispiel nur mit dem Thema Schminken. Sechs- bis siebenstellige Aufrufe haben auch Videos, die eine ganz bestimmte Software erklären.“

Tobias Arns, der Social Media-Experte des Hightech-Verbandes Bitkom, sieht in der Spezialisierung auf Nischen ebenfalls eine Möglichkeit für Einzelkämpfer, im Internet Geld zu verdienen. „Es kommt darauf an, für eine bestimmte Zielgruppe im Netz passende Inhalte zu produzieren.“, so Arns. Gerade Ratgeberblogs oder -videos zu originellen Themen generierten einen hohen Traffic.

„Besonders gut laufen bei YouTube Comedy und Games. Blogs zum Thema Mode sind ebenfalls erfolgreich“, berichtet Hoffmeister. „Dennoch leben viele YouTuber und Blogger nicht allein von ihren Werbeeinnahmen, sondern auch vom Merchandising und anderen Erlösquellen. Und oft verdanken viele Stars der Szene ihre Bekanntheit den klassischen Medien, zum Beispiel Fernsehauftritten.“

Kontakt mit den Nutzern

Ein Fernsehstar ist der selbstständige Programmierer und Blogger Peer Wandiger aus Gräfenhainichen nicht. Bevor das Bloggen vor vier Jahren zu seiner Hauptbeschäftigung wurde, hat Wandiger Internetseiten für Kunden erstellt. „Heute kann ich allein von meinem Blog selbstaendig-im-netz.de gut leben. Das können aber nur wenige Blogger von sich sagen.“ Auf seinem Blog gibt er Tipps, wie Selbständige im Internet Geld verdienen können. Anders als viele YouTuber setzt Wandiger dabei nicht auf Comedy und Unterhaltung, sondern auf handfeste Informationen. Deshalb kennt er dieses Geschäftsmodell aus gleich zwei Perspektiven: Als Ratgebender und als Blogger.

„Beim Bloggen entscheidet eigentlich immer die Qualität über den Erfolg. Wer nur ein paar Sätzen veröffentlicht, die noch dazu abgeschrieben sind, bekommt auch wenig Seitenaufrufe.“ Seiner Meinung nach zählt einzigartiger Content … das gilt sowohl für Blogs als auch für YouTube.

„Themen mit viel Konkurrenz sind nicht sehr erfolgsversprechend. Es ist deshalb eher sinnlos, den x-ten Blog zum Thema Finanzen zu starten. Besser eignen sich Nischenthemen“, betont Wandiger. Denn in diesem Bereich herrscht weniger Wettbewerb. Auch Wandiger selbst betreibt erfolgreich einige Nischenseiten.

Eins vereint erfolgreiche Blogger und YouTuber: Die Leidenschaft. „Um es zu schaffen, ist die Lust am Schreiben eine Grundvoraussetzung. Schließlich sollten schon zwei bis drei Artikel pro Tag online gehen.“

Ähnlich wie bei YouTubern ist es beim Bloggen mit dem Produzieren von Beiträgen nicht getan. Denn der Kontakt mit Nutzern ist ganz besonders wichtig und prägt den Arbeitsalltag. Für ihre Werbe- und Marketing-Aktivitäten sind sie natürlich auch selbst zuständig. Für Wandiger hat dieses Geschäftsmodell aber nicht nur finanzielle Vorteile: „Ich entscheide allein, worüber ich schreibe. Und das ist mir wichtig.“

Infos:

Die „Space Frogs“ Steve und Rick haben insgesamt drei Youtube-Kanäle. Der Hauptkanal findet sich unter www.youtube.com/SpaceFrogs

Sami Slimani bietet auf seinem Youtube-Kanal Do-it-yourself-Anleitungen und Tutorials an: www.youtube.com/SamiSlimani

Peer Wandiger informiert in seinem Blog über die Möglichkeiten, als Selbständiger im Internet Geld zu verdienen: www.selbstaendig-im-netz.de

Christian Hoffmeister: Digitale Geschäftsmodelle richtig einschätzen, erschienen im Carl Hanser Verlag, München (2013), 239 Seiten, 39,90 Euro.

 (Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Oktober 2014)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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