Home » Gesundheit » Mentales Training: Für den Erfolg in Sport und Beruf

Erst die EM, dann Olympia und Paralympics: Dieser Sommer steht im Zeichen des Sportes. Viele bewundern die Spitzensportler für ihre Höchstleistungen. Manche wünschen sich insgeheim ähnliche Erfolge im Beruf. Neben Talent und hartem Training sind auch psychologische Faktoren für einen Sieg entscheidend. Deshalb wird die Sportpsychologie immer wichtiger. Ihre Erkenntnisse können auch im normalen Berufsalltag helfen.

Mentales Traing hilft beim Erfolg in Sport und Beruf.

Mentales Traing hilft beim Erfolg in Sport und Beruf.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

 Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter, Neustarter 40plus und Sehnsüchtige.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was Berufstätige von der Sportpsychologie lernen können.
  • Wie sich mentales Training auf den Erfolg auswirkt.
  • Wie mentale Trainingsmethoden im Beruf helfen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Mentale Stärke: Ein wichtiger Erfolgsfaktor für Sport und Beruf

Der Berliner Psychologe Markus Flemming war früher selbst Eishockey-Profi und zweimal deutscher Meister. Als sportpsychologischer Betreuer von Hochleistungssportlern kennt er die Herausforderungen der Top-Athleten: „Sportler erleben schon in frühen Jahren Leistungsdruck und Stress. Sie müssen lernen mit den Erwartungen der Umgebung wie Eltern und Publikum, gut umzugehen. Zugleich wollen sie ihre Leistung gezielt abrufen können“, so Flemming. Und hier sei die Sportpsychologie gefragt.

Wer den Erwartungsdruck seiner Umwelt spürt, kann zum Beispiel die Angst entwickeln, einen Fehler zu machen. Allerdings sei das eine falsche Strategie. „Denn Fehler gehören zum Menschsein dazu. Niemand auf der Welt ist perfekt“, erkärt Flemming. Der Sportpsychologe warnt daher, vor Wettkämpfen die Konzentration unbewusst auf die eigenen Schwächen zu legen und so in die Vermeidung von Fehlern zu gehen! Vielmehr sollten sich Athleten auf ihre Stärken fokussieren.

Sich auf seine Stärken konzentrieren

Dieses Vorgehen hält Flemming auch im beruflichen Alltag für sinnvoll: Wer zum Beispiel im Vorstellungsgespräch oder bei einer Präsentation Prüfungsangst hat, sollte sich ebenfalls im Vorfeld auf seine Stärken statt auf mögliche Horrorszenarien konzentrieren. „Wir Psychologen raten zum Beispiel Sportlern während des Wettkampfes – also innerhalb ihrer trainierten Tätigkeit – nicht über die Konsequenzen nachzudenken, die ihre Leistungen mit sich bringen, sondern einfach im ‚Jetzt-und-Hier‘ zu sein!“ Denn das Ausmalen von Folgen führe zu Nervosität.

„Ein guter Sportler ist 100 Prozent bei sich“, betont der Sportpychologe und mentale Trainer Dr. René Paasch aus Münster. „Er weiß genau, was er kann. Er konzentriert sich kurz vor dem Wettkampf auf den aktuellen Moment und denkt weder über die Vergangenheit noch über die Zukunft nach.“ Und das sei für den Erfolg ganz wichtig: „Oft entscheidet der Kopf über Sieg oder Niederlage, da die meisten Top-Athleten ansonsten ein sehr ähnlich hohes Leistungsniveau haben.“

In sich selbst ruhen

Diese mentale Stärke ist von außen erkennbar, weiß Paasch. „Das zeigt die Art der Körpersprache. Spitzensportler ruhen – auch vor dem Wettkampf – ganz in sich.“ Den Unterschied zwischen Top-Athleten und den vielen anderen Berufstätigen beschreibt der Coach so: „Die meisten Menschen sind überwiegend auf das Negative ausgerichtet und nicht auf ihren Erfolg.“ So bestehe ein Großteil ihrer Kommunikation aus Klagen über Krankheiten oder ihre Lebensumstände. „Der Top-Athelet konzentriert sich dagegen auf das, was er beeinflussen kann. Und das sind seine Fähigkeiten.“

Die Sportpsychologin Wencke Schwarz kennt weitere mentale Stärken von Sportlern: „Athleten wissen, was ihr Ziel ist und entwickeln eine tiefe Leidenschaft, um dieses zu erreichen. Und genau das fehlt vielen Berufstätigen“, so Schwarz. Der Vorteil dieser Zielorientierung sei, dass Sportler „dranbleiben“. „Die Erfolgreichen unter ihnen lassen sich durch Rückschläge nicht entmutigen. Sie werden sogar noch besser“, erklärt die mentale Trainerin, die in der Wirtschaft auch als Coach arbeitet.

Überwindung des inneren Schweinehundes

Die Hannoveranerin weiß, dass gerade die ständige Überwindung des inneren Schweinehundes den Unterschied ausmacht: „Wer in den Spitzensport will, muss auf Vieles verzichten. Während andere in jungen Jahren Party machen und Alkohol trinken, hat er auf seine gesunde Ernährung zu achten, regelmäßig zu trainieren und an Wettkämpfen teilzunehmen.“ Das Privatleben spiele eine deutlich geringere Rolle als bei Altersgenossen.

Ganz entscheidend ist oft die Nervenstärke: „Bei Mannschaftsportarten ist es zum Beispiel zentral, seine Emotionen über eine ungerechte Schiedsrichterentscheidung im Spiel positiv umwandeln zu können. Das Motto sollte also lauten: Jetzt erst recht“, so Schwarz. Diese mentale Stärke zu unterstützen, ist Aufgabe von Sportpsychologen. „Um in Wettkämpfen und bei Turnieren erfolgreich zu sein, braucht es eine innere Balance“ erklärt Schwarz. „Denn Sportler sollten auch dann ihre volle Leistung bringen, wenn sie Liebeskummer haben oder sich in einem Konflikt mit ihrem Teamkollegen befinden.“

Der Umgang mit den eigenen Gedanken

Was Sportler im mentalen Coaching lernen, ist insbesondere der Umgang mit den eigenen Gedanken. Dabei können die Erkenntnisse der Psychologie von großer Hilfe sein: „Nach der ABC-Theorie bewerten Menschen jeden wahrgenommenen Reiz. Diese Bewertung ist dann die Ursache für ihr Verhalten. Es liegt also am Menschen selbst, wie er einen bestimmten Reiz beurteilt“, so Paasch. Bei der ABC-Theorie steht A für „Activating event“, also einen Reiz. Das B verweist auf den Begriff „Belief“. Damit ist die Bewertung des Reizes gemeint. Und das C steht für „Consequences“ und bedeutet übersetzt Verhaltenskonsequenz.

Wer das als Athlet weiß, der bietet zum Beispiel Neidern und Miesmachern weniger Angriffsfläche. Denn er hat erkannt, dass er selbst solchen Leuten ihre Bedeutung gibt. Statt automatisch ihre Meinung zu übernehmen, fragt er, wie wichtig ihm diese Personen sind, die ihn gerade beeinflussen wollen. „Auch im beruflichen Alltag hilft dieses Denken, selbstbestimmt zu handeln.“

Selbstregulation und Visualisierung als Erfolgsfaktoren

Die Selbstregulationsfähigkeit spielt für einen Sportler eine wichtige Rolle, betont auch Flemming: „Er darf einerseits keine Angst vor dem Spiel oder dem Wettkampf haben, sollte die Sache aber andererseits auch nicht zu cool angehen.“ Möglich wird unter anderem das durch eine Regulation der Gedanken. So lernen die Athleten im Coaching, belastende Gedankengänge zu identifizieren und in positive Gedanken umzuformulieren. „Wichtig ist, sich ein positives Ziel zu setzen und kein Vermeidungsziel wie etwa, keinen Fehler zu machen!“

Ein zentraler Bestandteil des mentalen Trainings ist die Visualisierung: „Hierbei geht ein Sportler im Geist noch einmal seinen Bewegungsablauf durch. Damit stimuliert er genau die gleichen Hirnregionen, die er auch beim realen Training gebraucht“, erklärt Paasch. Das bringt gleich mehrere Vorteile mit sich: „Der Bewegungsablauf wird sicherer.“ Außerdem steigert diese Technik die Konzentrationsfähigkeit und das Selbstvertrauen.

Die WOOP-Methode hilft, Ziele zu erreichen

Auch in der WOOP-Methode der Psychologie-Professorin Gabriele Oettingen geht es um Visualisierung. Dabei steht W für „wish“ (Wunsch), O für „outcome“ (Ergebnis), O für „obstacle“ (Hindernis) und P für „plan“ (Plan). Paasch erklärt sie Trainierenden so: „Am Anfang machen Sie sich bitte Ihren Wunsch klar, dann visualisieren Sie die Erfüllung Ihres Wunsches. Im nächsten Schritt überlegen Sie, welchen Hindernissen Sie auf Ihrem Weg zum Ziel begegnen können. Und schließlich planen Sie detailliert Ihren Weg zum Ziel.“ Diese Methode sei für Sportler und Berufstätigegleichermaßen anwendbar.

Entspannungsmethoden sind ebenfalls Bausteine der Sportpsychologie. Ob und welche Verfahren Athleten benutzen, sei individuell verschieden. „Manche wenden die Muskelentpannung nach Jacobsen an, andere das Autogene Training“, so Flemming. Was aber immer eine entscheidende Rolle für den Erfolg spiele, sei ein guter Schlaf. Denn im Schlaf regeneriert sich der Körper. „Deshalb gehe ich auch mal mit Sportlern, die damit Schwierigkeiten haben, ins Schlaflabor, um die Ursachen für die Störung herauszufinden.“ Flemming rät auch Berufstätigen, Schlafstörungen nachzugehen. Allerdings muss nicht jede gelegentliche Schlaflosigkeit ein Problem sein: „Wer zwar in der Regel gut schläft, jedoch vor großen Ereignissen mal eine schlaflose Nacht verbringt, braucht sich keine Sorgen zu machen. Er kann dennoch 100 Prozent seiner Leistung abrufen!“

Was den Erfolg letztendlich ausmachen kann, ist die innere Haltung: „Erfolgreiche Sportler zeichnet eine positive Grundeinstellung aus. Sie wissen, dass sie ihr eigenes Schicksal günstig beeinflussen können“, so Schwarz. Und genau diese Denkweise ist auch im beruflichen Alltag vorteilhaft!

Tipps auf einen Blick:

  • Im Vorfeld vor Prüfungen und wichtigen Terminen ist es entscheidend, sich auf seine Stärken zu konzentrieren und sich nicht mit möglichen Horrorszenarien zu belasten.
  • Top-Athleten sind ganz bei sich und bei ihrer trainierten Tätigkeit. Sie fokussieren sich auf das, was sie beeinflussen können. Und dieses im ‚Hier-und-Jetzt‘-Sein ist auch für Berufstätige sinnvoll.
  • Wichtige Erfolgsfaktoren sind die Zielorientierung und die Fähigkeit, „dran zu bleiben“.
  • Ein zentraler Bestandteil des mentalen Trainings ist die Visualisierung. Dabei spielt man im Geist noch einmal einen Bewegungsablauf oder eine konkrete Situation durch.
  • Die WOOP-Methode der Psychologie-Professorin Gabriele Oettingen ist ebenfalls hilfreich. Das W steht für „wish“ (Wunsch), das O für „outcome“ (Ergebnis), das zweite O für „obstacle“ (Hindernis) und das P für „plan“ (Plan). Hier wird die Methode erklärt: www.sueddeutsche.de/karriere/woop-wie-man-seine-ziele-erreicht-1.2706485

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Betreiben Sie eine Sportart und trainieren Sie auch mental?
  • Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?
  • Nutzen Sie diese Techniken auch für den Berufsalltag?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, August 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
    Article By :
    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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