Jobs in der Kreativwirtschaft: Der Weg führt oft in die Selbstständigkeit

Kreativ und innovativ: Das sind die Menschen in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ihre konkrete Tätigkeiten und Berufsprofile könnten unterschiedlicher nicht sein. Denn Designer gehören ebenso dazu wie Softwareentwickler, Künstler oder Schriftsteller.

Kreativwirtschaft: Sich erfolgreich selbstständig machen!
Kreativwirtschaft: Sich erfolgreich selbstständig machen!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Sehnsüchtige, Studierende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie es um die Kultur- und Kreativwirtschaft in Berlin und Köln steht.
  • Wie Kreative ihren Berufstraum leben.
  • Linkempfehlungen

Kreativbranche: Für Berlin und Köln ein bedeutender Wirtschaftszweig

Die 39-jährige Melanie Seifart ist Kulturmanagerin. Sie hat an der Hochschule Zittau/ Görlitz das Bachelorstudium “Kultur und Management” absolviert. Inzwischen ist sie Projektmanagerin bei der Kreativwirtschaftsberatung Berlin. „Wir sind seit Anfang des Jahres die zentrale Anlaufstelle für Selbstständige in der Berliner Kreativwirtschaft“, erklärt Seifart. Die Beratungsstelle ist sowohl für Gründungsinteressierte als auch für bestehende Unternehmen da.

„So bieten wir zum Beispiel eine kostenlose Orientierungsberatung an, geben aber auch einen Überblick über Förderprogramme und passende Ansprechpartner in der Stadt.“ Die Kreativwirtschaftsberatung Berlin informiert außerdem über weitere branchenrelevanten Themen. Sie veranstaltet auch Workshops und Netzwerkabende.

Kulturmanager an der Schnittstelle von Kultur und Wirtschaft

Seifart arbeitet mit großer Freude an der Schnittstelle von Kultur und Wirtschaft. „Ich selbst habe kein so großes kreatives Talent, aber ich unterstütze gerne Künstler mit meinem organisatorischen und betriebswirtschaftlichen Know-How.“ Denn zum Studium der Kulturmanagerin gehörten auch Fächer wie BWL, VWL, Kultur- und Medienrecht sowie Projektmanagement.

„Das Besondere dieser Branche ist, dass Menschen mit kreativen Produkten und Dienstleistungen unternehmerisch tätig sind..“ Die Kultur- und Kreativwirtschaft besteht aus insgesamt elf Teilbranchen wie zum Beispiel die Werbebranche, den Kunstmarkt oder die Musik- und Filmwirtschaft. Auch Journalisten, Designer und Architekten gehören dazu.

Viele Selbstständige in der Kreativwirtschaft

„Der Anteil der Selbstständigen ist hier besonders hoch. Er liegt bundesweit bei 30 Prozent. In Berlin sind es sogar 42 Prozent“, so Seifart. „97 Prozent sind Soloselbstständige oder Kleinst- und Kleinunternehmen mit bis zu sieben Mitarbeitern im Durchschnitt.“ Meist handelt es sich dabei nur um temporäre und projektbezogene Beschäftigungsverhältnisse. Typisch für die Branche ist das Arbeiten in Coworking-Spaces. „Denn Kreative brauchen flexible Meeting- und Arbeitsräume oder bezahlbare Mieten zum beispiel für Ateliers. “

Auch das Berliner Unternehmen „Fahrer“ hat einmal ganz klein angefangen. In diesem Sommer erhielt es die Auszeichnung „Berlin´s Best“. Alles begann 2004 mit einer Idee von Joachim Leffler: „Mich als passioniertem Fahrradfahrer ärgerte es, dass es nur Fahrradbänder in schlechter Qualität gab. So kam ich auf den Einfall, Hosenbänder aus recycelten LKW-Planen zu nähen.“ Diese verkaufte der heute 42-jährige dann auf Design-Weihnachtsmärkten und bei befreundeten Fahrradhändlern. „Der Zuspruch war so groß, dass ich begann, die Hosenbänder nebenberuflich zu produzieren“, erklärt der studierte Architekt.

Von der Designidee zum Unternehmen

Nach vier Jahren entschied sich Leffler, sein Unternehmen hauptberuflich weiterzuführen. „Das war natürlich sehr riskant“, betont der Geschäftsführer. Von diesem Zeitpunkt an steckte er alle Energie in das Projekt. Er erfand neue Produkte wie Fahrradtaschen und Smartphonehalter. Natürlich musste er erst einmal seine Erzeugnisse bekannt machen. So besuchte er Fahrradmessen. „In der Anfangsphase ging es sehr langsam vorwärts. Erst bei der dritten und vierten Messe nahmen mich die anderen Firmen ernst. Was zählt, ist Kontinuität.“

Kredite oder große Fördersummen nahm Leffler nicht in Anspruch. „Alles, was ich einnahm, investierte ich in die Firma. Wenn ich zusätzlich Geld brauchte, fragte ich im Familienkreis“, erklärt der Unternehmer. So konnte er natürlich keine großen Sprünge machen. Aber im Nachhinein ist er mit diesem Vorgehen sehr zufrieden: „So ging die Entwicklung zwar langsam vorwärts, aber sie war gesund und nachhaltig.“

Das Unternehmen „Fahrer“ wächst

Den ersten Mitarbeiter stellte Leffler dann 2009 ein. Nach und nach erweiterte Leffler nicht nur seinen Mitarbeiterstab, sondern auch seine Produktpalette. Heute arbeiten sechs Leute für das Unternehmen, das seit Anfang des Jahres eine GmbH ist. „Unsere Taschen und Accessoires produziert eine Behindertenwerkstatt zum Beispiel aus recycelten Lkw-Planen.“ Jedes dieser Produkte sei ein Unikat. Für ihre Designs im Bereich „Urban Cycling Accessoires“ erhielt die Firma schon mehrfach den „Eurobike Award“. Mit seiner Entscheidung eine eigene Firma zu gründen, ist Leffler sehr zufrieden: „Ich kann heute meine Ideen viel schneller umsetzen als in der Zeit, in der ich als Architekt gearbeitet habe!“

Berlin und Köln sind attraktiv für Kreative

Auch wenn es in der Branche nur wenige Großunternehmen gibt, ist die Bedeutung der Sparte groß. Das gilt besonders für die Hauptstadt „Jedes fünfte Unternehmen in Berlin kommt aus der Kreativwirtschaft und die Umsätze steigen laut des dritten Kreativwirtschaftsberichts des Landes Berlin“, erklärt Seifart.

In Köln zählt die Kultur- und Kreativwirtschaft ebenfalls zu den stärksten Wirtschaftszweigen. „Mit rund 54.500 Erwerbstätigen schafft diese Branche in unser Region doppelt so viele Arbeitsplätze wie zum Beispiel die Chemie- und Kunststoffindustrie“, zitiert Dr. Ulrich S. Soénius, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Köln, aus der IHK Standortanalyse Medien 2014. Dabei sei die Domstadt nicht nur im Medienbereich stark aufgestellt. „Natürlich ist die Medienbranche mit Film- und TV-Produktionen dominierend, aber auch die Designwirtschaft ist wichtig … genauso wie die Gamesindustrie.“ Für die Attraktivität der Rheinmetropole sieht Soénius vielfältige Gründe: „Wir haben viele Kunsthochschulen. Oft bleiben die Studierenden auch nach ihrem Abschluss in der Stadt.“

Beratungsmöglichkeiten und Coworking Spaces

Zudem zieht die kreative Atmosphäre junge Leute an. „Vom Christopher Street Day bis zum Karneval, von der Gamescom bis zur Art Cologne: Köln punktet mit vielen kulturellen Events, aber auch mit vielen Beratungsmöglichkeiten für Existenzgründer und Coworking Spaces“, erklärt Soénius. Seit 2009 unterstützt das Forum Kultur- und Kreativwirtschaft die Kreativen beim Networking. „Außerdem zieht die Kölner Lebensart Leute von weit her an.“

Natürlich ist auch Berlin mit seiner vielfältigen Hochschulandschaft, Kulturszene und seinem ganz speziellen Flair ein Magnet für Kreative. Die 28-jährige Natacha Le Duff zog es genau deshalb in die Hauptstadt. Die Französin lebt hier ihren Lebenstraum. „Ich will ein ‚Museum der Farben‘ aufbauen“, berichtet die aus der Normandie stammende Geisteswissenschaftlerin. „Nach ausführlicher Recherche habe ich festgestellt, dass es so etwas noch nicht gibt.“

Den Lebenstraum „Museum der Farben“ verwirklichen

Den Einfall hatte Le Duff 2012 in Berlin, als sie nach einem Clubbesuch das Farbenspiel der erwachenden Stadt wahrnahm. „In diesem Moment kam mir die Idee, sich interdisziplinär mit dem Thema Farben zu beschäftigen.“ Sie ist sich sicher, dass sie die Aufgabe ihres Lebens gefunden hat. Nach ihrem Masterabschluss im Studiengang „Kulturelle Projektleitung“ zog sie ganz in die Hauptstadt, um ihren Traum vom Museum zu verwirklichen.

„Mein erstes Ausstellungsprojekt wird sich mit den ’Farben von Berlin‘ befassen“, erklärt Le Duff. Typische Berliner Exponate organisiert sie sich zum Beispiel bei Institutionen wie der BVG, BSR oder FC-Union. Was ihr aber noch fehlt, das sind finanzkräftige Sponsoren. Zurzeit finanziert die Französin ihr Projekt selbst. Sie verdient mit englisch- und französischsprachigen Stadtführungen ihr Geld. Aber sie hat inzwischen Aussicht auf einen Ausstellungsraum. „Damit geht mein Projekt dann in eine neue Phase!“

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Arbeiten Sie selbst in der Kreativwirtschaft?
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  • Welche Tipps würden Sie anderen geben, die in der Kreativwirtschaft arbeiten wollen?
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Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, August 2016)

(Copyright 2016 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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