Dual studieren: Das sind die Motive und Erfahrungen junger Leute

Duale Studiengänge sind attraktiv: Sie bieten die Möglichkeit, gleich zwei Abschlüsse zu erlangen … einen beruflichen und einen akademischen. So steigt die Zahl der Studienangebote kontinuierlich. Was bisher fehlte, waren wissenschaftliche Erkenntnisse über diese Studienform. Das „Institut Arbeit und Qualifikation“ (IAQ) an der Universität Duisburg-Essen hat sich im Auftrag des Bundesforschungsministeriums des Themas angenommen. Die Forschungsergebnisse liegen jetzt in Buchform vor. Darüber sprach Anja Schreiber mit der Leiterin des Projektes Dr. Sirikit Krone.

Duale Studiengänge sind attraktiv.
Duale Studiengänge sind attraktiv.

Das duale Studium ist attraktiv: Es bietet zwei Abschlüsse und eine Finanzierung.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Studierende, Berufseinsteiger und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie sich das Angebot an dualen Studiengängen in den letzten Jahren entwickelt hat.
  • Warum das duale Studium für Schulabgänger so attraktiv ist.
  • Warum duale Studiengänge für Unternehmen interessant sind.
  • Wo die Probleme liegen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Was untersuchten Sie genau?

Wir führten an 20 Standorten im Rahmen von Fallstudien Experteninterviews mit Vertretern von Hochschulen, Betrieben, Berufsschulen sowie Industrie- und Handelskammern durch. Außerdem befragten wir 500 dual Studierende mittels Online-Fragebögen. Die Ergebnisse dieser Befragung waren die Grundlage für Gruppendiskussionen mit Hochschülern. Damit sind unsere Forschungsergebnisse zwar nicht repräsentativ, aber aussagekräftig, da sie auf einer breiten empirischen Grundlage basieren.

Das Angebot dualer Studiengänge hat sich verdreifacht

Wie entwickelte sich das duale Studium in den letzten Jahren?

In den vergangenen zehn Jahren hat sich das Angebot dualer Studiengänge verdreifacht auf aktuell etwa 1.500. Parallel dazu wuchs die Zahl der Studierenden und beteiligten Betriebe. In einigen Fächern erreicht der Anteil circa zehn Prozent des gesamten Studienangebotes. Mehr als zwei Drittel aller dualen Studiengänge liegen in den Ingenieurs- und Wirtschaftswissenschaften … wobei das Fächerspektrum in den vergangenen Jahren deutlich vielfältiger geworden ist. So kamen gesundheits- und pflegewissenschaftliche sowie frühpädagogische Angebote dazu. Über die Hälfte der Studiengänge sind an Hochschulen für angewandte Wissenschaften angesiedelt. Universitäten fungieren dagegen nur in Einzelfällen als Kooperationspartner. Dafür haben vermehrt private Hochschulen diesen Markt für sich entdeckt.

Dual studieren bedeutet einen ständigen Wechsel zwischen Hochschule und Betrieb. Wie sieht das konkret aus?

In unserer Studie zeigen wir, dass es eine Vielzahl verschiedener Konzepte gibt. Drei Organisationsformen haben sich etabliert, die Theorie und Praxis in unterschiedlicher Form verzahnen: Im Blockmodell wechseln die Studierenden die Lernorte in größeren Zeitabständen. So verbringen sie zum Beispiel die vorlesungsfreie Zeit im Betrieb. Das teilseparierte Modell ist in noch größeren Blöcken organisiert. Das bedeutet etwa, dass die Hochschüler im ersten Jahr komplett im Unternehmen sind. Im integrierten Modell dagegen findet ein permanenter Wechsel innerhalb einer Woche statt.

Motive für die Studienwahl: Bezahlung und Beschäftigungssicherheit

Wer studiert dual?

Überwiegend wählen junge Männer diese Studiengänge. Sie stammen zum größeren Teil nicht aus Akademikerfamilien. Wichtiges Motiv für die Studienwahl ist für sie die Bezahlung während des Studiums, aber auch die Beschäftigungssicherheit nach Studienende. Sie sind besonders leistungsstark und karriereorientiert. Auffällig ist zudem die hohe Zufriedenheit unter den Studierenden.

Was schätzen Hochschulen und Unternehmen am dualen Studienangebot?

Das Leitmotiv der Firmen ist die Nachwuchssicherung für die mittlere Führungsebene. Hinzu kommt der Vorteil, dass die Betriebe frühzeitig junge Menschen an sich binden können. Spätere Einarbeitungszeiten wie etwa bei anderen Hochschulabsolventen entfallen. Für die Hochschulen ist die Nachfrage der Wirtschaft entscheidend. Diese führt schließlich zur Einrichtung dualer Studiengänge.

Gleichzeitige Anforderungen im Studium und im Betrieb

Das hört sich alles sehr positiv an. Gibt es auch Schwierigkeiten?

Die inhaltliche und organisatorische Verknüpfung von Studium und Ausbildung führt in der Praxis immer wieder zu Problemen … zum Beispiel wenn sich Studierende auf Klausuren vorbereiten, aber gleichzeitig Anforderungen im Betrieb erfüllen müssen. Deshalb sind umfangreiche Abstimmungsprozesse zwischen Hochschulen und Unternehmen notwendig. Oft gibt es dazu aber noch keine Standards, sondern nur Einzelabsprachen. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHWB) geht mit gutem Beispiel voran. Sie schließt schriftliche Verträge mit ihren Kooperationspartnern, die etwa Urlaubszeiten und Anwesenheitspflichten genau regeln.

Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich regeln

Was raten Sie Schulabgängern, die sich für ein solches Studium interessieren?

Studierwillige sollten bei den zuständigen Studienberatungen nachfragen, ob die Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich geregelt ist. Das ist ein Zeichen für Mindeststandards bezüglich der Qualität in der gemeinsamen Ausbildung an zwei Lernorten.

Setzen Sie Ihre Forschung zu dem Thema fort?

Ja, wir arbeiten bereits an einem weiterführenden Forschungsprojekt. Es beschäftigt sich mit dem Verbleib der Absolventen dualer Studiengänge. Wir untersuchen die berufliche Entwicklung ehemaliger Studierender. Die Ergebnisse liegen voraussichtlich im September 2017 vor.

Tipps auf einen Blick:

  • Schulabgänger und ihre Eltern sollten sich genau über die Rahmenbedingungen des dualen Studiums informieren.
  • Außerdem ist es wichtig, herauszufinden, ob diese Studienvariante überhaupt zum Studienbewerber passt.
  •  Bewerber sollten  unbedingt die Studienberatungen der entsprechenden Hochschulen aufsuchen und an „Tagen der offenen Tür“ teilnehmen, um die Hochschule kennenzulernen.
  • Es ist sinnvoll, bei den zuständigen Studienberatungen nachzufragen, ob die Kooperation zwischen Betrieb und Hochschule vertraglich geregelt ist.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Überlegen Sie, dual zu studieren?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem dualen Studium gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel? Ist er hilfreich? Dann würde ich mich über einen Like auf meiner Facebookseite freuen!

Bitte schreiben Sie auch einen Kommentar! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Sirikit Krone (Hrsg.): Dual Studieren im Blick. Entstehungsbedingungen, Interessenlagen und Umsetzungserfahrungen in dualen Studiengängen, 264 Seiten, Springer (Wiesbaden) 2015, 29,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juli 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

Hinterlasse einen Kommentar.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *