Ausstrahlung im Beruf: Wie Sie Ihr Charisma verbessern

Beim Vorstellungsgespräch oder bei der Präsentation im Meeting: Oft entscheidet eine positive Ausstrahlung über den beruflichen Erfolg. Einige haben ein natürliches Charisma. Aber auch, wer nicht damit gesegnet ist, kann bewusst an seiner Außenwirkung arbeiten.

Ausstrahlung im Beruf: Wie Sie Ihr Charisma verbessern!
Ausstrahlung im Beruf: Wie Sie Ihr Charisma verbessern!

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Was eine positive Ausstrahlung ausmacht.
  • Wie Sie Ihre innere Strahlkraft zum Leuchten bringen.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Positive Strahlkraft als Schlüssel zum Erfolg

„Die Ausstrahlung ist fast immer das Zünglein an der Waage: Ob es nun um eine Inhousepräsentation oder die Verhandlung mit einem Auftraggeber geht“, erklärt Michael Reiter, Coach aus München und Autor des Buches „Ihre Ausstrahlung erkennen, entwickeln und bewusst leben“. Nur in ganz wenigen technischen Berufen, in denen Spezialisten gebraucht werden, sei die Stahlkraft nicht so – falls überhaupt – relevant. Bei einem Programmierer etwa setzt das Unternehmen auf die fachliche Leistung und weniger auf seine Außenwirkung.

Aber in den meisten Bewerbungsverfahren sieht es anders aus. „Personaler müssen sich zwischen vielleicht dreihundert Kandidaten entscheiden, alle mit ähnlichen Lebensläufen und besten Zeugnissen“, so Reiter. Da seien zusätzliche Unterscheidungskriterien vonnöten wie Sympathie, Glaubwürdigkeit, aber auch Offenheit und Überzeugungskraft, die allesamt Elemente einer positiven Ausstrahlung sind.

Authentische Freundlichkeit kommt an

„Wir Menschen strahlen immer etwas aus. Wenn wir zum Beispiel schlechte Laune haben, vermitteln wir das unserer Umgebung“, erklärt die Berlinerin Monika Schubert, Coach für Ausstrahlung, Selbstführung und Potenzialentfaltung. Genauso wie sich negative Einstellungen und Gedanken dem Gegenüber mitteilen, gilt das auch für positive Eigenschaften wie Selbstbewusstsein und Souveränität. „Diese bewirken bei den anderen Sympathie und Interesse, aber auch Vertrauen.“

Freundliche Zeitgenossen haben zum Beispiel eine positive Strahlkraft. Doch sie allein reicht nicht. „Freundlichkeit muss authentisch wirken, damit sie einen guten Eindruck hinterlässt“, betont Schubert. „Wenn Menschen das Gefühl haben, jemand verbirgt etwas vor ihnen, empfinden sie ihn als unauthentisch.“ Sie erwarten von ihm dann auch keine Win-Win-Beziehung. „Aber genau darauf kommt es im Beruf an!“

Positive Ausstrahlung durch Selbstbewusstsein

Wie wichtig Authentizität ist, zeigt das Beispiel eines Klienten von Schubert: Der Finanzchef hatte Probleme bei Präsentationen. „Er meinte, dass er kühl und reserviert auftreten müsse, um gut zu performen. Aber er kam nicht gut an, weil er unauthentisch war“, betont Schubert.  Die Trainerin bat ihn, sich vorzustellen, er spreche mit seinen Kindern. „Dadurch fand er die Begeisterung, Wärme und Zuwendung, die er dann auf seine Vorträge übertragen konnte, weil er mit seinem Herzen dabei war.“

Was sich in der Ausstrahlung ausdrückt, ist die Persönlichkeit: „Wenn Menschen sich bewusst sind, was sie können und was sie ausmacht, wirkt das auf andere. Sie stehen zu sich selbst und das offenbart Selbstbewusstsein, aber auch Gelassenheit und Entspannung“, so Schubert. „Ich hatte einmal eine Professorin als Klientin, die sehr schüchtern war. Doch immer, wenn sie über ihr Fachgebiet sprach, vermittelte sie die Begeisterung, die sie selbst empfand.“

Charisma durch Zielorientierung

Vor diesem Hintergrund empfiehlt Schubert ihren Klienten, ihre Mission herauszufinden: „Wer kein klares berufliches Ziel hat, der wird immer nur an Äußerlichkeiten herumdoktern. Er wird einem Idealbild nachjagen, das aber nicht das eigene ist.“ Um aber Charisma verströmen zu können, müssen sich Berufstätige über die eigenen Ziele klar werden. „Deshalb sind für mich zum Beispiel Michelle Obama oder Pal Dardai Menschen mit Charisma.“

Diese innere Befindlichkeit vermittelt sich durch den Körper. Das gilt für nicht nur für die Gestik und Mimik, sondern auch für Körperhaltung und Geruch. „Eine Person, die Angst hat, riecht anders als jemand, der jovial ist oder Aggressionen hat, egal welches Parfüm er auflegt“, erklärt Reiter. Der Ausdruck „jemanden riechen können“ beschreibe diesen Umstand.

Körpersprache wirkt sich auf Ausstrahlung aus

„Wer herausfinden will, wie er wirkt, sollte zum Beispiel ein Foto von sich von vorne in stehender Position machen lassen“, erklärt Reiter. So wird er leicht erkennen, ob seine Schultern gleich hoch sind und ob er natürlich aufrecht oder gebeugt steht. Personaler und Chefs – so Reiters Erfahrung – nehmen solche Körperzeichen sehr wohl wahr.

Auch Stress teilt sich dem Gegenüber mit. Er kann zum Beispiel ganz erheblich die Stimme beeinflussen … das betont Jessica Wahl, Stimmtrainerin und Karrierecoach aus Berlin. „Menschen, die mit klarer Stimme ihre Ziele kommunizieren, wirken souveräner, als Menschen, deren Stimme beim Sprechen angespannt und unsicher nach oben rutscht. “

Einfluss der Kleidung

Die Berlinerin sieht einen engen Zusammenhang zwischen äußerem Erscheinungsbild und innerer Einstellung: „Wirkt jemand ständig übermüdet blass und trägt ungepflegte Kleidung, denken wir leicht, die Person ist nicht belastbar und geht nachlässig mit seinen beruflichen Aufgaben um.“ Die Kleidung hat ebenfalls eine große Strahlkraft.

„Eine zierliche Frau wirkt in einer dünnen Bluse, neben einem Mann im Anzug, vermutlich schwächer und dadurch unsicherer, als wenn sie ebenfalls einen gut sitzenden Blazer trägt, der ihre Schultern unterstreicht“, erklärt Wahl. „Das Outfit prägt das eigene Image und kann zum Markenzeichen werden.“ Wenn die Garderobe eine positive Wirkung haben soll, muss sie zum Träger und zu seiner Branche passen: „Die Kleidung eines Bankers sollte nach wie vor klassisch formal sein. Zu einem Coach, der seine Kunden bei der Sabbaticalplanung unterstützt, passt sogar ein Freizeit-Look.“

Zwar brechen in immer mehr Branchen die Kleidervorschriften auf, das heißt aber noch lange nicht, dass Menschen im beruflichen Kontext nicht registrieren, was jemand anzieht. Wahl: „Wer sehr erfolgreich ist, kann vielleicht wie ein Udo Jürgens, auch im Bademantel erscheinen. So ein Tabubruch ist jedoch eine absolute Ausnahme. Für alle anderen gilt der im Unternehmen vorgegebene Kleidercodex.“

Outfit sollte zum Charakter passen

Die Kleidung sollte grundsätzlich zum Typ passen. „Gibt es eine Diskrepanz zwischen Outfit und dem Charakter, fällt das der Umgebung unangenehm auf“, betont Veronika Wimmer, Gründerin der Farb- und Stilberatung ImagoBerlin. „So wirkt eine zarte zurückhaltende Frau, die Signalfarben und pinken Nagellack trägt, unauthentisch. Wer sie sieht, wird bewusst oder unbewusst erkennen, dass da etwas nicht stimmt.“

Andererseits braucht sich ein extravaganter Typ nicht hinter einem „0815“-Outfit zu verstecken, so Wimmer. „Selbst beim klassischen Business-Dresscode lassen sich eigene Akzente setzen, zum Beispiel bei der Krawatte, dem Halstuch, dem Material und der Schnittform des Jacketts oder der Aktentasche.“ Die Farbgebung der Kleidung sollte zudem mit der Haar- und Augenfarbe harmonieren, empfiehlt die Stilberaterin. „Dunkelhaarigen stehen eher dunkle Farben, während helle Typen darin eher unvorteilhaft aussehen.“

Mit ihrem Outfit können Berufstätige auch ganz bewusst Botschaften senden: „Wer beruflich aufsteigen will, der sollte sich so anziehen, wie sich Menschen auf der nächsthöheren Karrierestufe kleiden. Besser angezogen als der eigene Chef darf er aber auch nicht sein.“ Aus ihrer Beratungstätigkeit weiß Wimmer, dass die Garderobe einen großen Einfluss auf das Wohlbefinden von Menschen hat: „Wer sich in seinem Outfit gut fühlt, strahlt das auch aus.“

Positive Selbstwahrnehmung als Erfolgskriterium

Zur positiven Ausstrahlung gehört für Reiter einerseits ein stimmiges Auftreten, andererseits die bewusste und positive Selbstwahrnehmung. Das Wichtigste sei die Selbstbejahung: „Wenn wir uns ohne Einschränkungen so annehmen, wie wir sind, unsere Schwächen anerkennen und damit offen umgehen, wirken wir überzeugend, weil wir authentisch sind.“ Ein Bewerber nimmt keinen Personaler für sich ein, wenn er seine Fähigkeiten nicht wertschätzt. Wer mit seinem Leben hadert, sich ungerecht behandelt fühlt oder seinen Körper ablehnt, wird nie kraftvoll strahlen. „Menschen, die sich dagegen selbst bejahen, den nehmen auch andere positiv wahr.“

Fragen an Sie:

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  • Was macht für Sie eine positive Ausstrahlung aus?
  • Welche Tipps würden Sie Menschen mit geringer Strahlkraft geben?
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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Michael Reiter: Ihre Ausstrahlung erkennen, entwickeln und bewusst leben, 128 Seiten, 5. Auflage, Haufe Verlag (München) 2013, broschiert: 6,95 Euro, E-Book: 3,99 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2017)

(Copyright 2017 by Anja Schreiber)

 

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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