Arbeitsmarkt Immobilienbranche: Vom Boom profitieren

Immobilienboom in Berlin: Immer mehr Menschen zieht es in die Hauptstadt. Die Mieten stiegen genauso wie die Investitionen. Auch die Anleger haben die Stadt für sich entdeckt. Wer jetzt beruflich in die Immobilienbranchen einsteigt, kann von dieser wirtschaftlichen Entwicklung profitieren.

Karrierechancen in der Immobilienbranche.
Karrierechancen in der Immobilienbranche.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Studierende.

„Der Arbeitsmarkt sieht in der Immobilienwirtschaft sehr gut aus“, erklärt Nils Knochmuß, der als Ausbildungsberater bei der Industrie- und Handelskammer Berlin für Immobilienkaufleute zuständig ist. „In der Hauptstadt wird sehr viel in Immobilien investiert, auch von ausländischen Anlegern. Und alle diese Immobilien müssen gebaut, verkauft und verwaltet werden.“ Außerdem habe die Belegschaft der Immobilienunternehmen ein relativ hohes Alter. Auch aus diesem Grund brauchen sie Nachwuchs.

Sehr gute Berufsaussichten

Hervorragende Berufsperspektiven sieht auch der Berliner Sven R. Johns, langjähriger Geschäftsführer des Immobilienverbandes Deutschland (IVD): „In vielen Ballungsräumen steigen die Haushaltszahlen und damit der Bedarf an neuen Wohnungen. Außerdem haben sich Immobilien inzwischen zu einer gleichberechtigten Anlageform entwickelt. All das macht die Immobilienwirtschaft zu einer Zukunftsbranche.“

Die GSW Immobilien AG gehört zu den Unternehmen, die ihr Personal aufstocken. „2010 hatten wir 286 Mitarbeiter, im Dezember letzten Jahres waren es schon 337“, berichtet Georg Diederichs, Personalleiter der GSW Immobilien AG. „Ich bin zuversichtlich, dass wir weiter wachsen werden und unser Personalbedarf auch in Zukunft steigt.“

Von dem wachsenden Bedarf in der Branche profitieren auch die Auszubildenden. „Die Zahl der auszubildenden Immobilienkaufleute hat in den letzten Jahren sehr angezogen“, so Knochmuß. „Etwa 95 Prozent davon sind Abiturienten.“

Verschiedene Ausbildungsvarianten

Wegen des hohen Bedarfs an Nachwuchskräften in der Branche bietet die IHK Berlin neben der klassischen dreijährigen Ausbildung zusätzlich zwei besondere Ausbildungsvarianten an: „Abbrechern eines betriebswirtschaftlichen Studiums ermöglichen wir eine 18-monatige Ausbildung zum Immobilienkaufmann. Voraussetzung ist aber, dass sie zwei Semester studiert haben.“ Wer einen mittleren Schulabschluss hat, kann innerhalb von vier Jahren sowohl eine Ausbildung absolvieren als auch das Abitur erlangen.

Neben der klassischen Ausbildung gewinnt im Immobiliensektor auch die akademische Bildung immer mehr an Bedeutung. So bildet beispielsweise die GSW aktuell 26 junge Leute aus, die Hälfte als Immobilienkaufleute, die anderen innerhalb des dualen Bachelor-Studiums „Immobilienwirtschaft“. Diese Studierenden arbeiten zeitweise im Unternehmen. Den theoretischen Teil des Studiums absolvieren sie an der Hochschule für Recht und Wirtschaft Berlin. Das Unternehmen setzt auch deshalb auf den akademischen Nachwuchs, weil die Ansprüche an die Mitarbeiter steigen. „Spezialwissen wird bei uns immer wichtiger, zum Beispiel bei der Finanzierung von Immobilien, aber auch beim Portfoliomanagement, das seit unserem Börsengang 2011 an Bedeutung gewinnt“, berichtet Diederichs.

Akademisierung der Immobienbranche

Auch Johns stellt eine starke Akademisierung der Branche fest: „Da sich Immobilien – wie gesagt – inzwischen als gleichberechtigte Anlageform durchgesetzt haben, wird die perfekte Bewirtschaftung einer Immobilie immer wichtiger. Damit steigt auch der Bedarf an Spezialwissen.“ Ein Indiz dafür ist die Zunahme an Studiengängen: „Heute gibt es im Bereich der Immobilienwirtschaft etwa hundert Studiengänge, vor zwanzig Jahren gab es noch keinen einzigen.“

So bietet zum Beispiel die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) ein grundständiges Bachelor-Studium „Immobilienwirtschaft“ an, das sowohl immobilienwirtschaftliche als auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse vermittelt. „Gerade in dieser Branche reicht es in der Regel nicht mehr aus, allgemeine Betriebswirtschaft zu studieren. Die Akademiker brauchen vertieftes Wissen über Immobilien“, berichtet Nicole Lindstedt-Lilienthal, zuständige Verwaltungsleiterin an der HTW. So steht zum Beispiel die gesamte Wertschöpfungskette einer Immobilie auf dem Lehrplan, die von der Projektentwicklung, Planung und Finanzierung über die Vermarktung bis hin zum Abriss reicht. Weitere Studieninhalte sind etwa Gebäudelehre, Statistik und Rechtsgrundlagen. „Die Nachfrage nach diesem Studiengang ist sehr groß. So liegt der NC bei 1,6. Auf die 40 Studienplätze kamen im vergangen Wintersemester 386 zulassungsfähige Bewerber!“

Angesichts der stetig wachsenden Anforderungen in den Unternehmen empfiehlt Johns auch fertig ausgebildeten Immobilienkaufleuten, sich weiterzuqualifizieren, ob nun durch eine Weiterbildung zum Fachwirt oder durch ein berufsbegleitendes Bachelor- und Master-Studium im Bereich der Immobilienwirtschaft. Das bietet zum Beispiel das Center for Real Estate Studies (CRES) in Freiburg an. „Damit bereiten sie sich optimal auf die Zukunft vor.“

Chance für Quereinsteiger

In der Branche haben auch Quereinsteiger Chancen, wenn sie sich gezielt weiterbilden. Denn als Immobilienmakler ist eine einschlägige Ausbildung nicht Pflicht. Die Firma Rohrer Immobilien GmbH gibt deshalb auch Quereinsteigern die Möglichkeit, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Sie sorgt gleichzeitig auch für ihre Weiterqualifikation. „Wir brauchen Menschen mit sehr guten sozialen Kompetenzen. Sie sollten über Berufserfahrung verfügen und Englisch sprechen. Eine Ausbildung in der Immobilienbranche ist nicht zwingend“, betont Corvin Tolle, geschäftsführender Gesellschafter der auch in Berlin tätigen Firma.

Ein Beispiel für einen gelungenen Quereinstieg ist Susann Siebert, die bei Rohrer Immobilien arbeitet. „Ich habe Geographie mit dem Schwerpunkt Stadtplanung studiert und dann bei einem Großunternehmen in der Bewertung von Immobilien gearbeitet. Heute bin ich bei Rohrer Immobilien für die Akquise und Exposé-Erstellung bei Privatimmobilien und Investments zuständig.“ Als Quereinsteigerin war ihr kaufmännisches Wissen begrenzt. Deshalb absolviert sie zurzeit einen berufsbegleitenden Studiengang zur Immobilienbetriebswirtin und trägt bereits jetzt schon größere Verantwortung.

(Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, April 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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