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Social Media als Job: Immer mehr Unternehmen sind auf Facebook, Twitter und Co. vertreten. Dafür brauchen sie Profis! Deshalb haben junge Leute etwa als Social Media Manager gute Berufschancen. Eine standardisierte Ausbildung existiert aber noch nicht.

Social Media Jobs

Social Media Jobs bieten neuen Berufschancen

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Studierende, Auszubildende, Berufseinsteiger, Neustarter und Neustarter 40plus.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • wie der Berufseinstieg ins Social Media Marketing gelingt.
  • welche Studiengängen und Ausbildungen sich anbieten.
  • welche Fähigkeiten und Kompetenzen erwartet werden.
  • wie wichtig Praxiserfahrung ist.
  • wie unterschiedliche Berufsbilder aussehen.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Die Kommunikation mit dem User

Der 33-jährige Atilla Sayan arbeitet heute bei der Robert Bosch GmbH im Geschäftsbereich Power Tools als „Teamleader Content Marketing and Social Media“. „Wir kommunizieren mit unseren Kunden über Facebook, Twitter und unsere eigene Community ‚1-2-do.de‘. Dort helfen wir Heimwerkern, ihre Probleme zu lösen und antworten auf ihre Fragen“, berichtet Sayan. Denn er ist für das Online-Marketing der Heimwerker-Werkzeuge zuständig. Das Besondere an Social Media beschreibt er so: „Es geht nicht darum, schöne PR-Texte zu verfassen, sondern zuzuhören und ohne Sprücheklopferei Verständnis für den User zu zeigen.“

Das Thema Design und Technologie zieht sich durch Sayans Lebenslauf wie ein roter Faden. Zuerst absolvierte er eine Ausbildung als Mediengestalter, machte dann sein Abitur und begann danach das Studium „Textildesign und Management“. „Das war aber nicht das Richtige. Deshalb wechselte ich an die Hochschule der Medien in Stuttgart, an der ich bis 2012 ‚Werbung und Marktkommunikation‘ studierte. Das war die beste Entscheidung meines Lebens.“ Schon während seines BA-Studiums arbeitete er freiberuflich als Social Media Berater und unterstützte Unternehmen bei der Kommunikation mit ihren Kunden. Zu Bosch kam Sayan über ein Praktikum und eine anschließende Werkstudententätigkeit.

Die Vorbildung:  Häufig BWL- oder Medienstudium

Prof. Harald Eichsteller, Studiendekan der Medienmasterstudiengänge an der Hochschule der Medien (HdM), betont: „Medienstudiengänge beschäftigen sich heute natürlich immer auch mit Social Media … egal wie sie auch im Einzelnen heißen.“ Aus seiner Erfahrung weiß er, dass viele Social Media Manager und Berater einerseits über einen betriebswirtschaftlichen Hintergrund und andererseits über eine journalistische oder PR-Ausbildung verfügten.

Auch die Berufsberaterin Jutta Dietrich von der Arbeitsagentur Stuttgart sieht ganz unterschiedliche Einstiegsmöglichkeiten in den Social Media-Bereich: „Interessierte Schulabgänger können zum Beispiel ‚Online-Medien-Management‘ studieren. Aber auch Marketing-Studiengänge befassen sich heute mit Social Media.“ Hochschulabsolventen mit einem Studium in Kommunikationswissenschaften, BWL oder Kommunikationsdesign haben genauso Chancen wie IT-Spezialisten. Denn schließlich gibt es in den sozialen Medien unterschiedliche Anforderungsprofile. Deshalb kommt auch eine Ausbildung zum Mediengestalter infrage.

Praxiserfahrung zählt

Neben theoretischen Kenntnissen zählt die Praxis. „Ganz dringend empfehle ich Praktika. Aber auch wer bloggt oder einen YouTube-Kanal betreibt, kann wertvolle Erfahrungen sammeln, genauso wie jemand, der die Facebook-Seite seines Vereins betreut“, betont Dietrich.

Auch Eichsteller rät zu praktischer Erfahrung. Die Möglichkeiten dazu sind vielfältig: „Junge Leute können via Social Media Geld für ihren Abi-Ball sammeln, im Netz eine Aktion für ein Tierheim starten oder über Facebook studentische Projekte organisieren.“

Kommunikationsfähigkeit ist ein Muss

Neben der Praxiserfahrung stehen in der Branche auch ein paar andere Eigenschaften hoch im Kurs: „Bewerber sollten auf jeden Fall Begeisterungsfähigkeit für das Thema Social Media mitbringen sowie kommunikationsfähig und empathisch sein. Denn sie stehen im ständigen Austausch mit Usern“, so Eichsteller.

Immer mehr Agenturen haben sich auf das Thema Internet und Social Media spezialisiert. So auch die Stuttgarter Internet-Agentur VERDURE. Sie sucht aktuell nach Mitarbeitern. „Zurzeit brauchen wir Social Media Trainees und Social Media Berater“, berichtet der VERDURE-Geschäftsführer Tobias Fox. „Wer bei uns als Trainee einsteigen will, sollte internetaffin und textsicher sein.“ Zudem will die Agentur wissen, ob sich der Bewerber auch inhaltlich mit dem Thema Social Media befasst hat. Ein Facebook-Account allein belegt das noch nicht. So erwartet Fox, dass die Kandidaten zum Beispiel einschlägige Blogs zum Thema lesen und die aktuellen Trends kennen. „Auch wenn wir hauptsächlich junge Leute zwischen 24 und 26 Jahren einstellen, haben ältere Quereinsteiger ebenfalls eine Chance.“

Kanalpflege oder Strategieentwicklung

Besonders wichtig ist der Agentur die Kommunikation mit ihren Kunden. „Social Media Berater müssen Strategien und Konzepte präsentieren. Dafür braucht es natürlich Eloquenz“, erklärt Fox. So leiten sie zum Beispiel Workshops zur Konzeptentwicklung und Wissensvermittlung, sie werten aber auch Kampagnen aus.

Während Agenturen oft Berater einstellen, suchen Unternehmen häufig Community Manager oder Social Media Manager. Dabei ist ein Community Manager für die Pflege der verschiedenen Kanäle zuständig. Ein Social Media Manager arbeitet dagegen meist an strategischen Fragen. „Die Aufgabenstellung in einem Unternehmen kann sehr unterschiedlich sein. Gerade im Mittelstand sind viele Leute Generalisten. Sie sind für das Marketing, die PR, die Website und Social Media gleichzeitig zuständig„, so Fox. Bei diesen Unternehmen übernimmt dann oft ein freiberuflicher Berater oder eine Agentur die Strategie-Entwicklung. „Konzerne brauchen dagegen häufiger hochspezialisierte Mitarbeiter, die sich zum Beispiel allein um die Anzeigenschaltung bei Facebook kümmern.“

Eichsteller sieht grundsätzlich sehr guten Arbeitsplatzchancen: „Viele Unternehmen haben einen großen Nachholbedarf, was Marketing und PR via Social Media angeht. Das gilt sowohl für den Handel als auch für die Hersteller.“ Doch nicht nur die Kommunikation mit dem Endkunden läuft heute immer mehr über sozialen Medien, auch zwischen den Branchen und Unternehmen werden diese Kanäle vermehrt genutzt. „Besonders wichtig sind inzwischen digitale Medien mit Interaktionsmöglichkeit, um neues Personal zu gewinnen.“

Tipps für Sie:

  • Medienstudiengänge bieten sich für die Arbeit im Social Media-Bereich genauso an wie betriebswirtschaftliche Studiengänge. Auch Kommunikationsdesign oder IT als Studium sind eine gute Ausgangsbasis. Als Ausbildungsberuf kommt etwa der Mediengestalter  infrage.
  • Besonders wichtig ist Praxiserfahrung zum Beispiel durch Praktika, aber auch durch das Betreiben eines eigenen Blogs oder YouTube-Kanals.
  • Wichtige Voraussetzungen für Jobs sind Kommunikationsfähigkeit, Empathie und das Interesse für das Thema Social Media.
  • Die Arbeitsplatzchancen im Social Media-Bereich sind grundsätzlich gut. Denn viele Unternehmen haben einen Nachholbedarf.

Fragen an Sie:

  • Wollen Sie im Social Media Marketing arbeiten? Und wenn ja, warum?
  • Welche Berufserfahrungen haben Sie bisher im Social Media Marketing gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Berufseinsteigern geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel?
  • Ist er hilfreich?

Meine Linkempfehlungen:

  • Die Hochschule der Medien in Stuttgart bietet gleich vier Bachelor- und einen Master-Studiengang im Bereich Medien an: www.hdm-stuttgart.de
  • Stuttgarter Internet-Agentur VERDURE. www.verdure.de

Meine Lektüreempfehlung:

  • Nico Lumma, Stefan Rippler, Branko Woischwill: Social Media. Wie Karrieren im Web 2.0 funktionieren, 119 Seiten, Springer Gabler (Wiesbaden) 2013, 24,99 Euro (E-Book: 19,99)

(Hauptartikel veröffentlicht in der Stuttgarter Zeitung, Juli  2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
    Article By :
    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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