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Ein Doktor ist für viele immer noch erstrebenswert … allen Plagiatsskandalen zum Trotz. Doch für wen macht ein Doktortitel wirklich Sinn? Denn nicht jede Promotion garantiert schon den beruflichen Erfolg. Andererseits ist sie in manchen Bereichen auch eine Voraussetzung, zum Beispiel für eine Karriere in der Wissenschaft.

Promovieren: Der Weg zum Doktortitel

Der Weg zum Doktortitel

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Schulabgänger, Berufseinsteiger und Eltern.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • für wen der Doktortitel Sinn macht und für wen nicht.
  • mehr über den Vorteil anwendungsbezogener  Promotionen.
  • mehr über die wichtigsten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Doktorarbeit.
  • Tipp auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

In Fachrichtungen wie etwa Medizin, Chemie oder Pharmazie ist eine Promotion sehr ratsam„, betont die Berlinerin Dr. Monika Klinikhammer, die auf das Coaching von Wissenschaftlern und Doktoranden spezialisiert ist. „Schließlich werden in diesen Bereichen die meisten Promotionen abgeschlossen. Ein fehlender Doktortitel fällt also auf.“

Ingrid Arbeitlang, Beraterin für akademische Berufe der Arbeitsagentur Berlin-Süd ergänzt: „Bei Medizinern ist der Doktor immer noch üblich. Meist lässt sich diese Arbeit auch in einem Jahr bewältigen und ist damit viel weniger aufwendig als in anderen Fächern.“

Ohne Doktor keine Wissenschaft

Fächerübergreifend ist die Promotion für alle ein Grundvoraussetzung, die eine Karriere an Hochschulen und Forschungseinrichtungen anstreben. „Ohne Doktortitel geht im Wissenschaftsbetrieb gar nichts“, so Klinkhammer.

Außerhalb von Forschung und Lehre ist der Doktortitel ebenfalls gefragt: „Wer Leitungsfunktionen in Wirtschaft, Verwaltung und Politik anstrebt, für den ist der Doktorarbeit eine wichtige Qualifikation„, berichtet Dr. Uta Hoffmann vom Servicezentrum Forschung an der Humboldt-Universität. Gerade der an einer deutschen Universität erworbene Titel sei international ein Markenzeichen.

Vorteilhaft in der Kultur und für Selbstständige

Auch jenseits der Leitungsebene wird in manchen Kultureinrichtungen der Doktortitel verlangt: „Eine Volontärin im Museum ist ohne Doktor genauso schwer vorstellbar wie ein nichtpromovierte Volontär in einem Wissenschaftsverlag“, berichtet Arbeitlang.

Klinkhammer sieht für Selbstständige mit Titel ebenfalls Vorteile: „Promovierte Juristen, Berater, Coachs oder Ingenieure haben in der Regel eine höhere Reputation und damit einen deutlichen Wettbewerbsvorteil.“

Problem der Überqualifzierung

So hilfreich der Doktortitel auch bei der Karriere sein kann, er muss nicht automatisch zum „Türöffner“ werden: Wer als Doktor keine große Laufbahn anstrebt, sondern nur in mittleren Positionen arbeiten will, scheint häufig als überqualifiziert. „Kollegen und Vorgesetzte werden ihm ehrgeizige Ambitionen unterstellen und daraus können ihm Nachteile erwachsen“, erklärt Klinkhammer.

Der Karriere-Coach und vielfacher Radgeberautor Christian Püttjer weiß um die Tatsache, dass eine Promotion nicht in jedem Fall von Vorteil ist: „Während der Doktor in den Forschungs- und Entwicklungsbereich der Industrie gern gesehen wird, ist er zum Beispiel im Bereich Sales und Marketing nicht entscheidend.“ Problematisch sieht er manchen Titel von Geisteswissenschaftlern, wenn diese ohne Praxisbezug promoviert haben. Schließlich setzen sie sich der Gefahr aus, ihren Berufseinstieg zu verzögern und sich so zu schaden.

Mit Firmen kooperieren

Püttjer Tipp lautet deshalb: „Doktoranden, die nicht in die Wissenschaft wollen, sollten sich ein anwendungsbezogenes Thema suchen und vielleicht sogar mit einer Firma kooperieren.“ Wichtig ist es, dass sie bereits in der Promotionsphase Networking zu betreiben, um sich so die Einmündung in das spätere Berufsleben zu erleichtern.

Die Argumente für und gegen eine Promotion sollten Hochschulabsolventen also vorher gründlich abwägen. „Abraten von einer Doktorarbeit, würde ich allen Unentschlossenen und von Selbstzweifeln Geplagten. Wer nur als Verlegenheitslösung promoviert, sollte das Projekt lieber gleich lassen„, betont Hoffmann. „Auch denjenigen, die eine Promotion nur als willkommene Gelegenheit ansehen weiter an der Uni zu bleiben, weil der Weg ins Ungewisse ihnen Angst macht, lassen am Besten die Finger davon.“ Häufig sprechen Professoren ihre Studierenden auf eine Doktorarbeit an. In diesem Fall rät Hoffmann ebenfalls zur Vorsicht. Denn so ein Angebot reicht als alleiniger Antrieb für das Vorhaben nicht aus.

Gesicherte Finanzierung wichtig

Eine weitere wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Doktorarbeit sollte zudem gewährleistet sein: die Finanzierung des Promotionsvorhabens. „Egal, ob sich Hochschulabsolventen über eine Anstellung als wissenschaftlicher Mitarbeiter, als Stipendiat oder im Rahmen eines Graduiertenprogrammes finanzieren wollen, die Abschlussnote muss ’sehr gut’ sein, damit sie darauf Chancen haben“, erklärt Hoffmann.

Kometenzen müssen stimmen

Auch die Eigenschaften des Promotionswilligen entscheiden über den Verlauf des Projekts. Deshalb ist es wichtig, dass Hochschulabsolventen sich kritisch prüfen, ob sie der richtige Typ dafür sind: Doktoranden müssen sehr motiviert und zielstrebig sein, aber auch die Fähigkeit haben, sich an Themen ‚festzubeißen‘ und mit dem wissenschaftlichen Methoden des Faches exzellent umgehen können. „Sie sollten ihre wissenschaftlichen Arbeiten selbständig planen, durchführen und publizieren können, aber auch Managementkompetenzen besitzen und die eigenen Ergebnisse ehrlich und real einschätzen können“, betont Hoffmann.

Ein guter Anhaltspunkt für die wissenschaftlichen Fähigkeiten eines Promotionswilligen ist die Masterthesis. Arbeitlang: „Wer dabei gute Erfahrungen gemacht hat und erfolgreich war, ist sicher besser für ein Promotionsvorhaben geeignet, als jemand, der seine Abschlussarbeit als Quellerei empfunden hat.“

Tipp für Sie:

Diese Fragen helfen Ihnen bei der Entscheidung, ob für Sie eine Doktorarbeit Sinn macht:

  • Warum will ich promovieren?
  • Reicht dieser Grund als Motivation auch in schwierigen Zeiten?
  • Wie finanziere ich meine Doktorarbeit?
  • Wie viel Zeit will und kann ich in die Arbeit investieren?
  • Passt mein Dissertationsvorhaben in meine Lebensplanung?
  • Ist die Promotion für meinen beruflichen Werdegang wichtig?
  • Was sagt mein „Bauchgefühl“?

Meine Fragen an Sie:

  • Wollen Sie promovieren?
  • Und wenn ja, warum?
  • Oder promovieren Sie gerade?
  • Welche Erfahrungen haben Sie bisher gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben, die promovieren wollen?
  • Gefällt Ihnen der Artikel?
  • Ist er hilfreich?

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(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juni 2014)
(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
    Article By :
    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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