Gegen den Frust am Arbeitsplatz: Seien Sie gut zu sich!

Ratgeber gegen den Frust am Arbeitsplatz gibt es viele. Doch oft verhallen die gut gemeinten Ratschläge. Horst Conen, Psychologe, Coach und Autor des Buches „Sei gut zu dir, wir brauchen dich“ kennt den Weg heraus aus der Misere: Er empfiehlt den liebevollen Umgang mit sich selbst – das Take-Care-Prinzip.

Was gegen den Frust im Job helfen kann.
Was gegen den Frust im Job helfen kann.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

„Selbstfürsorge ist für viele Berufstätige wie ein Fremdwort“, berichtet Conen. Der Hinweis, sich selbst etwas Gutes zu tun, verpufft meist ergebnislos. Im Gegenteil: Oft erhöhen die Beschäftigten selbst den Druck, zum Beispiel durch überhöhte Ansprüche an sich selbst und ungute Verhaltensmuster wie etwa Perfektionismus.

Besser mit sich umgehen

„Es gab noch nie so viele psychosomatische Krankheiten wie im vergangenen Jahr, die durch Stress im Berufsalltag entstanden sind“, betont Conen. Wer aber mit sich selbst besser umgeht, erhöht nicht nur seine Lebensqualität und ist gesünder, sondern ist häufig auch leistungsstärker und erfolgreicher.

Der Coach empfiehlt nicht in erster Linie Sport oder ein Wellness-Wochenende, sondern Selbstreflexion: „Ohne diese sind Berufstätige nach einer Auszeit ganz schnell wieder genauso gestresst wie vorher.“ Eine Frage kann dabei helfen: „Was sind die negativen Glaubenssätze, nach denen ich handle?“ Solche Sätze sind zum Beispiel: „Du bist eine Enttäuschung“ oder „Das schaffst Du nie“. In der Regel haben Menschen, die von solchen Sätzen geprägt sind, überzogene Ansprüche an sich selbst. „Besser ist es aber, diese negativen Botschaften ins Positive zu wenden. Machen Sie sich also lieber bewusst, dass Sie okay sind! Denn wer sich selbst mag und nicht abwertet, muss sich auch nicht ständig selber etwas beweisen.“ So setzt man sich selbst weniger unter Druck und behandelt man sich wohlwollender.

Take-Care-Prinzip

Zum Take-Care-Prinzip gehört auch, sich im Alltag kleine Inseln der Erholung zu schaffen: „Gestressten Klienten rate ich eine halbe Stunde früher aufzustehen. So haben sie noch etwas Zeit für sich. Lauschen Sie zum Beispiel in dieser Zeit auf die Stille, zünden Sie eine Kerze an oder schauen Sie aus dem Fenster“, betont Conen. „Wer auf diese Weise ruhig und gelassen den Tag beginnt, schafft einen Puffer zwischen sich und dem Alltagsstress! Das ist eine Investition in Ihre innere Balance!“

Conen kennt noch andere solcher Investitionen. So empfiehlt er zum Beispiel Berufstätigen, ihren Eigensinn zu bewahren und zu kultivieren. „Studien haben herausgefunden, dass Exzentriker oft gesünder als ihre nichtexzentrischen Mitmenschen sind. Schmettern Sie also im Sommer Weihnachtslieder, wenn das zum Beispiel ein Spleen von Ihnen ist und es einfach Spaß macht.“

Wer gut für sich selbst sorgen will, sollte nicht auf Negatives fokussiert sein, sondern lernen, das Positive im Leben wahrzunehmen. Conens Tipp: Stecken Sie eine Handvoll trockener Bohnen in Ihre rechte Hosentasche. Immer, wenn Sie etwas Schönes erlebt haben, ob nun das Lächeln einer Kollegin oder die Regenpause auf dem Heimweg, lassen Sie eine Bohne von der rechten in die linke Hosentasche wandern. So bemerken Sie, wie viele schöne Momente es jeden Tag gibt.

Innerer Abstand

Für alle, die unter ihren schwierigen Kollegen und Chefs leiden, hat der Coach ebenfalls einen Rat parat: „Versuchen Sie es mal mit innerem Abstand! Fühlen Sie sich nicht persönlich angesprochen, sondern sehen Sie sich einfach als Touristen, der sich über das merkwürdige Verhalten dieser Menschen wundert.“

Außerdem empfiehlt Conen, einen Freundschaftsvertrag mit sich selbst abzuschließen, der zum Beispiel den Umgang mit sich selbst oder mit den eigenen Lebensträumen regelt. „Wer diesen Vertrag immer mal wieder hervorholt, verirrt sich nicht ständig in Nebensächlichkeiten, sondern behält seine wahren Ziele im Blick.“

Literaturtipp:
Horst Conen: Sei gut zu dir, wir brauchen dich. Vom besseren Umgang mit sich selbst, Campus, Frankfurt/Main 2011, 262 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-593-39543-2

(Veröffentlicht bei GMX.de, März 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Business-Knigge: Welcher Händedruck-Typ sind Sie?

Der Händedruck: Ein klassisches Begrüßungsritual … zumindest in der westlichen Welt. Die Geste sagt oft mehr als viele Worte. Benimm-Trainerin Marlies Smits aus dem norddeutschen Großhanddorf erklärt, wie sie zu deuten ist.

Was ein Händedruck bedeuten kann.
Was ein Händedruck bedeuten kann.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Der Quetscher:

Manche Berufstätige lieben es, mit großem Kraftaufwand die Hand des Anderen zu drücken. Das kann soweit gehen, dass dieser am liebsten einen Aufschrei des Entsetzens loswerden möchte. Gerade für jene, die Ringe tragen, kann ein allzu fester Handschlag schnell zum schmerzhaften Erlebnis werden. „Der Quetscher demonstriert seine Macht“, betont Smits. „Er signalisiert: Ich bin ein handfester Typ und kein Weichei.“ So ist also das Quetschen ein Statement, das von großem Selbstbewusstsein zeugt … oft auf Kosten des Begrüßten. „Wer so handelt, dem fehlt das Gespür für seine Umgebung.“

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wenn der Begrüßende die Hand seiner Kontaktperson nur halb zu fassen bekommt, kann schon aus einem normalen festen Händedruck eine unangenehme Erfahrung werden. In diesem Fall ist der „Quetscher“ unschuldig. Smits‘ Tipp: Wer die Hand seines Gegenübers nicht richtig greift, sollte lieber nachfassen. Vielleicht mit einem freundlichen und launigen Kommentar wie „Jetzt noch einmal richtig!“

Der Schulterklopfer:

Noch dominanter als der Quetscher ist der Schulterklopfer. Denn wer seinen Zeitgenossen die Hand auf die Schulter oder den Arm legt, demonstriert noch deutlicher seine Macht. Er zeigt, dass er das Sagen hat und im Status über dem Anderen steht. „Viele ranghohe Politiker reagieren auf diese Geste ihrerseits mit einem Schulterklopfen. So neutralisieren sie den Machtanspruch des Anderen“, erklärt Smits. Wer sich also nicht dominieren lassen will, sollte es so wie die Politiker machen und die Geste erwidern!

Der Schüttler:

Der Schüttler praktiziert einen ungewöhnlich langen Handschlag. Damit das nicht so auffällt, wird die Hand der Kontaktperson die ganze Zeit geschüttelt. Meist wird dieses „Händeschütteln“ noch von einem Wortschwall begleitet. Im Gegensatz zum Quetscher ist diese Form des Händeschüttelns kein Ausdruck eines Dominanz- und Machtverhaltens. Ganz im Gegenteil: Wer Hände schüttelt will eine gleichberechtigte Beziehung. Smits: „Es handelt sich hier in der Regel um einen fröhlichen und kommunikativen Menschen, der mit seinem Händedruck Sympathien erwerben will.“ Doch kommt auch dieser Arbeitnehmer bei seinen Kollegen oft nicht so gut an. „Viele empfinden den überlangen Händedruck als übergriffig, weil das Bedürfnis nach Distanz verletzt wird.“ Smits‘ Tipp: Schütteln Sie nie länger als drei Sekunden die Hand Ihres Gegenübers!

Der tote Fisch:

Dieser Händedruck ist das Gegenteil einer dominanten Begrüßungsgeste: Er wirkt passiv und leblos. Dies wird im Businessalltag fast genauso negativ empfunden wie ein zu machtvolles Auftreten. Schließlich wirkt so ein Handschlag weder tatkräftig noch engagiert. „Wer einen zu schlaffen Händedruck hat, dem wird Desinteresse und mangelndes Selbstbewusstsein unterstellt“, erklärt Smits. Doch Vorsicht: Kommt ein Geschäftspartner aus einem anderen Kulturraum wie zum Beispiel Ostasien, sollten seine Gesprächspartner keine falschen Schlüsse ziehen. Da dort der Handschlag unüblich ist, wird er sanfter ausfallen als unter Europäern.

Der optimale Handschlag:

Er ist trocken, kräftig, kurz und ohne ausdauerndes Schütteln. Der Begrüßte fühlt sich dabei einfach wohl. Deshalb gehören auch der Blickkontakt und ein freundliches Lächeln dazu. Der Händedruck sollte die Begegnung auf Augenhöhe unterstreichen. Er darf keine Geste der Dominanz oder Unterwerfung sein. Smits: „Das richtige Maß und ein Gespür für die Bedürfnisse des Anderen sind Grundvoraussetzungen, um gleich bei der Begrüßung einen positiven Eindruck zu hinterlassen!“

(Veröffentlicht bei GMX.de, Februar 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Vorsicht bei der Jobsuche: So finden Sie den passenden Arbeitgeber!

Die falsche Arbeitgeber-Wahl kann schnell zum Problem werden. Deshalb gilt: Suchen Sie ein Unternehmen, das zu Ihnen passt!

Wie Sie den passenden Arbeitgeber finden.
Wie Sie den passenden Arbeitgeber finden.

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  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

„Die Frage nach dem richtigen Arbeitgeber stellt sich nicht nur für hochqualifizierte Arbeitnehmer oder in Zeiten eines freundlichen Arbeitsmarktes. Denn eine falsche Arbeitgeber-Wahl wirkt sich immer negativ aus“, berichtet Doris Reif-Woelki, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Stuttgart. So sehe eine Kündigung in der Probezeit in keinem Lebenslauf gut aus. „Bei jeder darauffolgenden Neueinstellung werden Sie gefragt, was los war. Dann kommen Sie eventuell in Erklärungsnot.“ Deshalb empfiehlt sie allen Bewerbern, nicht wahllos zu suchen. Bei Akademikern und anderen Hochqualifizierten gelte das natürlich in einem besonderen Maß.

Aktionismus meist nicht zielführend

„Wer den passenden Arbeitgeber finden will, sollte seine Suche als Prozess verstehen und damit so früh wie möglich beginnen“, betont Heinz-Wilhelm Seegers, Berater im Team „Akademische Berufe“ bei der Arbeitsagentur Stuttgart. „Ad hoc-Aktionismus ist meist nicht zielführend!“

Am Anfang steht nicht die Suche nach einem Arbeitsplatz, sondern der Blick auf sich selbst. Seegers rät, sich über seine fachlichen und persönlichen Eignungen, Neigungen und Fähigkeiten klar zu werden. Da die Passgenauigkeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht nur von fachlichen Fähigkeiten, sondern auch von weichen Faktoren abhängt, empfiehlt er Bewerbern, sich folgende Fragen zu stellen: „Wie ticke ich? Bin ich extrovertiert oder in mich gekehrt? Bin ich Teamplayer oder Einzelgänger, karriere- oder freizeitorientiert? Werde ich gerne geführt oder führe ich lieber? Bin ich ein Motivator, Umsetzer oder ein akribischer Analytiker?“

Auch berufliche Rahmenbedingungen sollten Jobsuchende mitbedenken. Wie wichtig sind dem Bewerber zum Beispiel geregelte Arbeitszeiten oder ein hohes Gehalt? Ist er bereit, an wechselnden Arbeitsorten zu arbeiten oder bevorzugt er einen gleichbleibenden Ort? Hat er bestimmte Wunschvorstellungen über seinem Arbeitgeber, zum Beispiel über seine Reputation, Führungsstil, Arbeitsklima oder Dresscode? Sind alle diese Frage beantwortet, lässt sich daraus in der Regel ein klares Profil ableiten. In einem nächsten Schritt geht es dann darum, zu welcher Firma und zu welchem Arbeitsplatz dieses Profil passt.

Sich ein Bild von der Zielbranche machen

„Für Berufseinsteiger und Berufs- sowie Branchenwechsler ist es gar nicht so leicht herauszufinden, zu welchem Unternehmen sie wirklich passen“, betont der Stuttgarter Bewerbungscoach Thomas Goetze. „Denn sie haben kein vertieftes Wissen über ihre Zielbranche und deren Unternehmen. Das ist bei branchenerfahrenen Bewerbern anders.“ Umso wichtiger ist es, sich ein umfassendes Bild von den Betrieben zu machen, bei denen sich der Jobsuchende bewerben will. „Verlassen Sie sich nicht allein auf die Selbstdarstellung in Unternehmensbroschüren und im Internet, sondern nutzen Sie möglichst vielfältige Informationskanäle, wie zum Beispiel Presseartikel, Blogeinträge oder Erfahrungsberichte in Sozialen Netzwerken.“

Seegers: „Besuchen Sie auch die verschiedenen Bewertungsportale wie etwa kununu.de oder jobvoting.de. Hier bewerten Mitarbeiter ihre Unternehmen. So erfahren Sie auch etwas über die Schwächen der Firmen.“ Neben der Internetrecherche legt der Berater Bewerbern auch die Informationssuche im realen Leben ans Herz: „Sprechen Sie mit Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern aus Ihrem Bekanntenkreis und befragen sie diese nach ihrer Erfahrung.“

Auch bei der Arbeitsagentur können Bewerber zusätzliche Informationen über Arbeitgeber bekommen: „Wir erhalten häufig von ehemaligen Beschäftigten und Bewerbern Rückmeldungen zu Unternehmen. Wenn wir hier verdichtete positive oder negative Erkenntnisse haben, geben wir diese gerne weiter“, so Seegers.

Auf die innere Stimme hören

Wer den richtigen Arbeitgeber für sich finden will, sollte sich aber nicht nur auf das Urteil Anderer verlassen, sondern auch selber auf die verbale und nonverbale Kommunikation des Unternehmens achten und auf seine innere Stimme hören. „Wird Ihnen zum Beispiel während des Bewerbungsverfahrens auf Augenhöhe begegnet? Kommuniziert Ihr Gegenüber respektvoll mit Ihnen oder vermissen Sie Signale der persönlichen Wertschätzung? Die Antworten auf diese Fragen verraten Ihnen, wie wohl Sie sich bei diesem Unternehmen fühlen“, so Götze. Und dieses Bauchgefühl ist ein wichtiger Hinweis darauf, ob das Unternehmen zu Ihnen passt.

Auch während eines Praktikums oder einiger Probearbeitstage können sich Bewerber ein Bild vom Betrieb zu machen. „Achten Sie in dieser Zeit darauf, wie es um das Arbeitsklima und die Mitarbeiterorientierung im Unternehmen bestellt ist“, so Seegers.

Hinweise im Bewerbungsverfahren

Der Karrierecoach und Autor des Buches „Ich arbeite in einem Irrenhaus“ Martin Wehrle kennt noch weitere aussagekräftige Hinweise im Bewerbungsverfahren: „Besonders wichtig ist die Stellenanzeige: Wie oft ist sie zum Beispiel erschienen? Wenn dieselbe Stelle alle drei, vier Monate wieder angeboten wird, ist etwas faul. Das kann auf überzogene Ansprüche des Chefs hindeuten. Oder auf eine schlechte Einarbeitung. Jedenfalls scheint es dort niemand lange auszuhalten.“

Wie offen eine Firma ist, können Bewerber schon daran sehen, so Wehrle, ob in der Ausschreibung ein Ansprechpartner mit Telefonnummer genannt ist und sie eingeladen werden, die Firma mit Fragen zu kontaktieren. „Ist das nicht der Fall, sind Fragen offenbar unerwünscht. Das deutet auf schlechte Kommunikation hin.“

Der Buchautor empfiehlt, auch die Kommunikation im Bewerbungsgespräch genau zu analysieren: „Achten Sie zum Beispiel darauf, ob Ihr Gesprächspartner Ihren Lebenslauf überhaupt kennt.“ Wenn der Personaler fragt, ob der Bewerber auch mal im Ausland war, obwohl das aus den Unterlagen hervorgeht, dann ist er einfach schlecht vorbereitet. „Das ist ein Ausdruck der Geringschätzung.“ Genauso wichtig ist die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander: „Wie gehen die Gesprächsführer miteinander oder mit der Sekretärin um, die den Kaffee bringt? Wenn hier ein rauer Ton herrscht, weiß der Bewerber genau, was ihn später erwartet.“ Jetzt muss er sich fragen, ob er sich in einem solchen Betriebsklima wohlfühlen wird und in der Lage ist, seine volle Leistung zu bringen.

(Veröffentlicht bei Stuttgarter Zeitung, Februar 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Teamarbeit konstruktiv gestalten: Mitglied einer Mannschaft

Die Arbeit im Team: Viele Mitarbeiter erleben sie als ineffizient. Sie vermissen oft Anerkennung und leiden unter ihren Kollegen. Wissenschaftler und Berater suchen nach Wegen, wie Firmen Teamarbeit konstruktiv gestalten können.

Wie Sie Teamarbeit konstruktiv gestalten können.
Wie Sie Teamarbeit konstruktiv gestalten können.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

„Nicht die Teamarbeit ist das eigentliche Problem, sondern die Tatsache, dass Teamarbeit nicht zu jeder Aufgabenstellung passt“, erklärt der Wirtschafts- und Organisationspsychologe Prof. Dr. Guido Hertel von der Universität Münster. Für seine Forschungsarbeit zu diesem Thema sind ihm von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gerade 320.000 Euro bewilligt worden. „Auch fehlende Anerkennung demotiviert Teammitglieder, weil die eigene Leistung in der Gruppe untergeht“, so Hertel. Er untersucht, unter welchen Rahmenbedingungen Teamarbeit bereichernd wirken kann. Seine Studien belegen, dass neben der Anerkennung der Leistung vor allem auch soziale Verantwortung zu zusätzlicher Bereitschaft führt, sich im Team anzustrengen.

Unverzichtbar sein: eine starke Motivation

„Das Gefühl, unverzichtbar für ein Team zu sein, ist eine starke Motivation“, erklärt Hertel. Aber genau diese Erkenntnis wird bei der Zusammenstellung von Arbeitsgruppen oft nicht berücksichtigt. „So werden dann in Forschungsabteilungen Teams paritätisch besetzt. Statt fünf Mitglieder werden 20 berufen.“ Die Folge: Die meisten Mitglieder fühlen sich überflüssig und halten sich aus der Arbeit heraus. Das wiederum demotiviert auch die Leistungsträger. Deshalb entscheidet bereits eine intelligente Zusammensetzung des Teams häufig über dessen Erfolg. Sein Tipp: Besondere Qualifikationen der Mitarbeiter sollten nicht doppelt vorhanden sein. Denn so weiß jeder, dass es auf sein Expertenwissen ankommt … und das motiviert!

Jeder der Teammitglieder sollte außerdem durchschauen, welche Auswirkungen seine Teilleistung auf die Arbeit der Anderen hat. Bei großen Gruppenaufgaben empfiehlt deshalb Hertel, diese in kleine Verantwortungsbereiche aufzuteilen und den Aufgabenverlauf transparent zu gestalten. „Dadurch wird jedem deutlich: Wenn jemand seine Aufgabe nicht erledigt, werden auch alle Anderen scheitern.“

Aktuell untersucht Hertel, wie stabil Motivationsgewinne durch Teamarbeit auf Dauer sind oder ob sie sich am Ende doch kontraproduktiv auswirken, weil sich Mitarbeiter übernehmen. „Wenn sich Mitarbeiter für unersetzlich halten, kann das auch zur Demotivation der anderen Gruppenmitglieder führen.“

Ineffizienz als häufiges Problem

Svenja Hofert, Karrierecoach aus Hamburg und Mitautorin des Buches „Ich hasse Teams“, kennt die Auswirkungen der Teamarbeit auf Arbeitnehmer: „Am häufigsten beklagen Mitarbeiter, dass Ziele nicht eingehalten oder ineffizient umgesetzt werden. Auch in der Gruppen-Kommunikation und in unproduktiven Meetings sehen sie häufig ein Problem.“ Als besonders schwierig empfänden Mitarbeiter, dass Termine nicht eingehalten würden, dass Zuständigkeiten nicht geklärt seien und Informationen nicht ausreichend fließen würden. So das Ergebnis einer Befragung, die Hofert gemeinsam mit ihrem Co-Autor Thorsten Visbal 2010 durchgeführt hat. „Auch der Egoismus der Teammitglieder macht die Arbeit in Gruppen schwierig.“

Vorteile von hetrogenen Teams

Prof. Dr. Eric Kearney weiß als Hochschullehrer für Organizational Behavior und Human Resource Management an der Gisma Business School der Leibniz Universität Hannover, warum Teamarbeit oft als so problematisch empfunden wird: „Damit innovative Ideen entstehen können, brauchen Unternehmen heterogene Teams. Aber gerade diese Arbeitsgruppen haben häufig Kommunikationsprobleme.“ Altersunterschiede, unterschiedliche Persönlichkeitstypen, fachliche Ausrichtungen und Bildungsgrade sowie divergierende kulturelle Prägungen der Teammitglieder führen zu Konflikten. Dies erklärt Kearney so: „Personen, die sich ähnlich sind, finden sich in der Regel sympathisch. Sie verstehen sich besser als sehr unterschiedlich veranlagte Menschen.“

Hochschullehrer Kearney empfiehlt Unternehmen, diese Tatsache bei der Teambildung mitzubedenken. Sein Tipp: Nicht für jede Aufgabe brauchen Firmen heterogene Teams. Sinnvoll ist es also, im Vorfeld zu klären, wie komplex die Aufgabe ist und danach die Gruppenmitglieder auszuwählen. „Bei einfacheren Aufgaben führen homogene Teams zu schnelleren Ergebnissen, während heterogene Gruppen oft innovativer sind, da das Spektrum der Ideen größer ist.“ Bei großem Zeitdruck warnt der Wissenschaftler ebenfalls vor einer zu heterogen besetzten Arbeitsgruppe.

Auch die Berlinerin Stefanie Heizmann, Bereichsleiterin beim Personalberatungsunternehmen „von Rundstedt HR Partners“, weiß um die Problematik heterogener Teams: „Oft sehen Mitarbeiter nicht die Vorteile, die Einzelne mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten für das Team bringen. Sie verstehen nicht, wie gut es ist, dass es im Team Kreative und Macher, aber auch Menschen mit hohen sozialen Fähigkeiten gibt.“ Deshalb besteht Heizmanns Aufgabe oft darin, den Gruppenmitgliedern diese gegenseitige Wertschätzung zu vermitteln. Sie erklärt zum Beispiel Ingenieuren, wie wichtig es ist, dass es unter ihnen auch ein kommunikativ begabtes Teammitglied gibt, das die Arbeitsergebnisse der Gruppe gut präsentieren kann.

Begegnen sich die Mitarbeiter untereinander mit Wertschätzung, ist meist schon ein großes Problem gelöst. „Denn häufig leiden schlecht funktionierende Gruppen an der gestörten menschlichen Beziehung ihrer Mitglieder. Deshalb blockieren sie zum Beispiel Vorschläge. Die Aufgabe von Teamleitern ist es, solche Konflikte auf den Tisch zu bringen und nicht schwelen zu lassen“, so Heizmann.

Das Klima ist entscheidend

Damit Teams wirklich erfolgreich arbeiten können, müssen aber noch andere Faktoren stimmen. Dazu gehören zum Beispiel eine kompetente Leitung und flache Hierarchien. „Teams nützen nichts, wenn der Ranghöchste mehr Gewicht hat als andere Gruppenmitglieder, deren Ideen dann womöglich nicht angemessen Gehör finden“, erklärt Kearney. „Das Klima ist entscheidend für den Erfolg.“

Und noch etwas muss stimmen: Arbeitsgruppen brauchen ein klar definiertes Ziel. Heizmann: „Bei problematischen Teams ist oft nicht klar, wozu sie eigentlich gut sein sollen. Wenn es aber keine klare Zielsetzung gibt, kann es auch keinen Erfolg geben!“

 

Infokasten:

Frauen bevorzugen Teamarbeit … zu dieser Erkenntnis kommt eine im November vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlichte Studie. Danach setzen Frauen im Job häufiger auf Kooperation, während Männer bevorzugt als „Einzelkämpfer“ ihr Geld verdienen. Männer entscheiden sich oft nur dann freiwillig für Teamarbeit, wenn sie daraus einen konkreten materiellen Vorteil erzielen können.

Im Rahmen eines Laborexperiments ließen Verhaltensökonomen an der Universität Lyon 174 männliche und weibliche Probanden gegen Bezahlung verschiedene Aufgaben lösen. Im Versuchsverlauf konnten die Teilnehmer wählen, ob sie nach Einzel- oder Teamleistung entlohnt werden wollten. Ergebnis: Insbesondere leistungsfähige Männer entschieden sich für die Einzelarbeit, während Frauen – unabhängig vom eigenen Leistungsniveau – die Teamvariante wählten. Die Forscher haben für dieses Verhalten drei Gründe herausgearbeitet: Frauen schätzen die Leistung ihrer Mitstreiter weniger pessimistisch ein als Männer und legen mehr Wert auf die sozialen Aspekte des Arbeitens, etwa das faire Teilen des gemeinsam erwirtschafteten Gewinns. Außerdem sind Männer empfänglicher für materielle Anreize: Sie entschieden sich im gleichen Maße für Teamarbeit wie Frauen, wenn der im Team erzielbare Stücklohn nur geringfügig höher war.

Mit dem Thema Teamarbeit beschäftigt sich auch eine repräsentative Umfrage der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga), die in diesem Jahr veröffentlicht wurde. Dabei stand das Thema Altersunterschiede im Blickpunkt. Ergebnis: Wenn Beschäftigte Altersunterschiede in ihrem Team stark wahrnehmen und Diskriminierung erleben, hat das negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Die Umfrage zeigt auch, dass Mitarbeiter kleiner Unternehmen weniger häufig von Ungleichbehandlungen und Diskriminierungen aufgrund des Alters berichten als Mitarbeiter in größeren Unternehmen. Sie haben im Durchschnitt auch einen besseren Gesundheitszustand als die Beschäftigten in mittelständischen und Großunternehmen. Die meisten Vorurteile gegenüber Älteren zeigen sich bei jüngeren Mitarbeitern bis 40 Jahren.

Mit zunehmendem Alter der Mitarbeiter nimmt auch die Wertschätzung altersgemischter Teams zu. Auch in dieser Studie zeigen sich die Frauen als sozial kompatibler: Sie haben weniger Vorurteile und sehen eher die positiven Effekte altersgemischter Gruppen.

Literaturtipp:
Ich hasse Teams! Wie Sie die Woche mit Kollegen überleben: Svenja Hofert, Thorsten Visbal, Eichborn, Frankfurt/Main (2010), 176 Seiten, 12,95 Euro.

Internettipp:
Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Universität Münster: www.uni-muenster.de/OWMS/

(Veröffentlicht bei Berliner Zeitung, Dezember 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Empfindsame Mitarbeiter im Berufsalltag: Zart besaitet!

Zart besaitete Arbeitnehmer haben es schwer: Sie fühlen sich oft angegriffen und sind schnell beleidigt. Und auch ihre Kollegen haben es nicht leicht, denn sie treten bei ihnen oft in Fettnäpfe. Doch mit einem ordentlichen Maß an Selbsterkenntnis und ein bisschen Einfühlungsvermögen und Verständnis füreinander klappt auch das Miteinander von feinfühligen und emotional robusteren Kollegen und Chefs.

Empfindsame Mitarbeiter im Berufsalltag.
Empfindsame Mitarbeiter im Berufsalltag.

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„Zart besaitete Mitarbeiter leiden meist besonders an vermeintlicher Kritik“, berichtet die Münchnerin Irene Becker, die als Coach und Buchautorin im Bereich Personal- und Persönlichkeitsentwicklung arbeitet. „Bei der kleinsten Beanstandung fühlen sich diese Menschen komplett abgelehnt.“ Das Problem sind oft die Gedanken: Empfindsame Menschen entwickeln häufig Horrorfantasien. So wird zum Beispiel in einen scheinbar verächtlichen Blick sehr viel hineininterpretiert. Der Betroffene rechnet dann schnell mit dem schlimmsten. Das ist weder für ihn noch für sein berufliches Umfeld angenehm.

Den Gedankenkreislauf durchbrechen

Empfindsamen Berufstätigen empfiehlt Becker deshalb, ganz bewusst diesen Gedankenkreislauf zu durchbrechen und die eigenen Horrorfantasien wie Kündigung oder dauerhafte Feindschaft kritisch zu beleuchten. „Fragen Sie sich, auf was sich die Kritik oder Ablehnung genau beziehen könnte“, betont Becker. Gegen Horrorfantasien helfen auch andere Fragen: Wie groß ist das Problem wirklich? Was sagt mir meine Lebenserfahrung und mein gesunder Menschenverstand? Wie rational sind meine Ängste und Befürchtungen? Wer sich diese Fragen ernsthaft beantwortet, wird oft feststellen, dass er selbst emotional überreagiert hat. „Wer seine eigenen Gefühle überdenkt, ist in der Regel auch in der Lage, sie zu beeinflussen.“

Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere, warum er überhaupt seine Gefühle beeinflussen soll, anstatt in ihnen zu schwelgen. Becker kennt ein triftiges Argument: „Das tun Sie für sich selbst!“ Denn wer sich über die Kränkungen vonseiten seiner Kollegen oder Vorgesetzten aufregt, der schadet sich in erster Linie selber. Schließlich können solche Gefühle ihm den Job vermiesen, während der eigentliche „Übeltäter“ das vielleicht noch nicht einmal merkt.

Selbstbestimmt mit Kränkungen umgehen

Becker: „Sie bestimmen selbst, wie wichtig Ihnen eine vermeintliche Kränkung ist.“ Beispiel: Wenn sich ein bestimmter Kollege im Ton vergreift, den sie überhaupt nicht schätzen, müssen sie nicht unbedingt tief verletzt sein. Sie könnten auch anders reagieren: Da sie mit dem besagten Kollegen sowieso kein freundschaftliches Verhältnis anstreben, ist Ihnen sein Verhalten egal!

Und noch ein Tipp von der Trainerin und Buchautorin: Kommen Sie sich selbst auf die Spur! „Vielleicht können Sie den scheinbar abschätzigen Blick eines Kollegen deshalb nicht ertragen, weil Ihr ehemaliger Mathelehrer – unter dem Sie so gelitten haben – auch so geschaut hat.“ Wenn dem so ist, sollten Berufstätige das herausfinden. Schließlich kann der Kollege nichts für diese Traumatisierung. Wer sich selbst besser versteht, kann auch Konflikte im Job vermeiden.

Doch nicht nur die besonders empfindsamen Berufstätigen sollten an sich arbeiten, sondern auch ihr berufliches Umfeld. „Wenn jemand aggressiv wird oder die Kommunikation abbricht, kann das ein Anzeichen für eine Kränkung sein“, betont Becker. Bei zart besaiteten Mitarbeitern reichen oft schon Kleinigkeiten wie eine unbedacht geäußerte Kritik, um sie erheblich zu kränken. Deshalb rät Becker den Chefs und Kollegen zu einer passgenauen Kommunikation: „Wer Kritik äußern muss, sollte vorher den Betreffenden loben. Zeigen Sie ihm, dass Sie ihn als Menschen und seine Arbeit grundsätzlich schätzen. Natürlich sollte das auch ernst gemeint sein.“ Erst danach empfiehlt es sich, die Kritik zu platzieren, die möglichst konkret formuliert sein sollte. Pauschale Beschuldigungen sind hier fehl am Platze. „Idealerweise beenden Sie das Gespräch mit einem positiven Ausblick. Sagen Sie zum Beispiel: Damit wir auch weiterhin so gut zusammenarbeiten, sollten wir das Problem lösen.“ Wer so kommuniziert, zeigt seinem Gegenüber, dass er nichts Grundsätzliches gegen ihn hat. Und das macht es einem zart besaiteten Mitarbeiter leichter, die Kritik anzunehmen.

Literaturtipp:
Irene Becker: Endlich Rose statt Mimose, Wie Sie lernen, nicht alles so schwer zu nehmen, Goldmann Verlag,304 Seiten, 7,95 Euro, ISBN: 978-3442170654

(Veröffentlicht bei GMX.de, Dezember 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Gut vorbereitet: Weihnachtsfeier im Job

Es wird höchste Zeit, an die Weihnachtsfeier im Betrieb zu denken. Doch was kommt bei den lieben Kollegen gut an? Was wirkt verschlafen, altbacken oder im schlimmsten Fall peinlich? Benimm-Expertin Marlies Smits aus Großhansdorf bei Hamburg hat ein Gespür für Trends und gelungene Überraschungen.

 Tipps für eine gelungene Weihnachtsfeier.
Tipps für eine gelungene Weihnachtsfeier.

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Es muss nicht immer das Gleiche sein

In den allermeisten Fällen ist eine Weihnachtsfeier eine Einladung zum Abendessen. Doch das ist keine Muss. Deshalb empfiehlt Marlies Smits auch unterhaltsame Alternativen: „Wie wäre es, wenn Sie mit Ihren Kollegen gemeinsam kochen, eine Weinprobe besuchen oder einen Pralinenkurs absolvieren? Auch ein Abend auf einer Go-Kart-Bahn oder im Theater mit anschließendem gemütlichem Ausklang ist eine gelungene Abwechslung.“ Der Vorteil solcher Aktivitäten liegt auf der Hand: Die Mitarbeiter erleben zusammen etwas Schönes und können gemeinsame Interessen entdecken. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Der Weihnachtsmann kommt

Bei vielen Weihnachtsfeiern gehört er einfach dazu: Der Auftritt des rotgewandeten Mannes mit weißem Rauschebart. Doch ob der Auftritt gelingt oder vor Peinlichkeiten strotzt, hängt vom Feingefühl des Darstellers ab. „Wer die Aufgabe des Weihnachtsmanns übernimmt, sollte sich vorher genau überlegen, was er zum Besten gibt. Er sollte nur das über Andere verkünden, was er auch selbst gern über sich hören würde“, so Smits. Deshalb warnt sie auch vor einem Nikolaus, der über die Unzulänglichkeiten der Kollegen schwadroniert. „Viel besser kommt es an, wenn der Weihnachtsmann die Beschäftigten lobt, zum Beispiel, dass ein bestimmter Kollege immer das Kopierpapier nachfüllt.“

Nicht über 20 Minuten

Reden gehören bei vielen Weihnachtsfeiern einfach dazu. Und auch hier macht der Ton die Musik. Schließlich soll der Vortrag bei den Zuhörern gut ankommen und keinen fahlen Nachgeschmack hinterlassen. Smits empfiehlt dem Redner, seine Ansprache kurz und knackig zu halten. „Länger als 20 Minuten darf eine Rede nicht dauern. Vergessen Sie auch nicht, sich für die geleistete Arbeit zu bedanken.“ Inhaltlich bietet sich für so einen Vortrag ein Jahresrückblick an. „Natürlich ist Negatives tabu. Sprechen Sie lieber über die Highlights im Unternehmen oder über lustige Begebenheiten.“

Vorsicht Spiele!

Auch wenn manch ein Kollege nichts lieber tut: Bei Spielen ist Vorsicht angebracht. Denn nicht jeder Zeitvertreib kommt bei allen gleich gut an. „Vermeiden Sie alles, was peinlich werden kann, wie etwa Wetttrinken, Strippoker oder Tabledance-Einlagen“, betont Smits. Gut kommen dagegen in der Regel Quizfragen an, die Mitarbeiter gemeinsam oder allein auf ausgeteilten Fragebögen beantworten können. Wenn dann noch ein kleiner Preis lockt, macht es Vielen sicher noch mehr Spaß!

Wichteln mal anders

Der Julklapp gehört bei weihnachtlichen Feiern ebenfalls zu den Klassikern. Doch oft nervt die Beteiligten die Tatsache, dass sie in der stressigen Adventszeit auch noch dafür Besorgungen machen müssen. Aber Wichteln geht auch anders: Wie wäre es zum Beispiel mit „Gräulichwichteln“? Jeder bringt dabei das zum Julklapp mit, was er so gar nicht mag und was bisher im Keller oder in der Abstellkammer sein Dasein fristen musste. Dann wird gewürfelt und der Zufall entscheidet, wer was mit nach Hause nimmt. Auch Werbegeschenke wie Kalender lassen sich so weitergeben!

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Geht es dann auf das Ende der Veranstaltung zu, ist ein kleines Präsent zum Abschied eine gute Idee. Smits: „Werden Geschenke gleich am Beginn der Feier verteilt, weiß keiner so recht, wo er sie hinlegen soll. Aber über eine kleine Gabe zum Abschluss wie leckeres Marzipan oder einen Taschenkalender werden sich die Gäste sicher freuen!“

(Veröffentlicht bei GMX.de, November 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Schlechte Laune muss nicht sein: Wider die Herbstdepression

Gereizte Kollegen und Übellaunigkeit im Büro… kennen Sie das aus Ihrem Berufsalltag? Haben Sie sich schon mal gefragt, ob Sie dieser negative Stimmung etwas entgegensetzen können? Experten kennen Strategien, die Ihnen helfen, sich vor der schlechten Laune Anderer zu schützen.

Sich vor der schlechten Laune Anderer schützen.
Sich vor der schlechten Laune Anderer schützen.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

„Das Problem bei der schlechte Laune ist: Sie ist ansteckend. Wenn fünf Kollegen gute Laune haben und lediglich einer schlecht drauf ist, dann wird dieser eine die fünf anderen herunterziehen. Also reicht bereits ein schlecht gelaunter Kollege aus, um die Anderen zu demotivieren“, berichtet Klaus Merg, Managementtrainer und Coach aus der Nähe von Augsburg. „Außerdem sind wir Deutschen ein Volk, das gerne klagt.“ Das werde insbesondere im internationalen Vergleich deutlich. So sähen zum Beispiel Amerikaner Probleme als Herausforderung. Diese Einstellung sei in Deutschland weit weniger verbreitet.

„Wie ich mit der schlechten Stimmung Anderer umgehe, hängt in erste Linie von meiner eigenen Entscheidung ab“, betont der Managementtrainer. „Ich muss mich fragen, ob ich mich von meinem Umfeld beeinflussen lasse oder ob ich selbst mein Umfeld präge. Anders gesagt: Will ich selbst leben oder will ich mich leben lassen.“ Zu dieser Grundentscheidung gehöre auch die Frage, ob ein Mensch lieber optimistisch oder pessimistisch durchs Leben gehen will. „Haben Sie sich dafür entschieden, optimistisch an Ihre Arbeit heranzugehen, sollten Sie Kontakt zu Kollegen mit der gleichen Lebenseinstellung suchen. Bevorzugen Sie die Gesellschaft von positiv eingestellten Menschen, zum Beispiel in Arbeitspausen oder beim Essen in der Kantine!“

Merg betont aber auch die Notwendigkeit, sich seiner Grenzen bewusst zu werden: „In einem Meeting, in dem schlechte Laune herrscht, können Sie zwar das Positive betonen. Allerdings ist es eine Illusion, Andere verändern zu können.“

Wie Übellaunigkeit abperlt

Die Etikette-Trainerin Nandine Meyden aus Berlin erklärt: „Wenn Leute, die Sie gar nicht oder kaum kennen, im Job schlechte Laune haben, sollten Sie darauf nicht eingehen. Stellen Sie sich bildlich vor, dass Sie als Außenhülle eine Teflonbeschichtung haben, an der die Übellaunigkeit Anderer einfach abperlt.“ Wichtig sei es, die negative Stimmung nicht persönlich zu nehmen. „Zahlen Sie keineswegs mit der gleichen Münze zurück, indem Sie ebenfalls unfreundlich werden“, so die Benimm-Expertin, die ganz im Gegenteil zur Freundlichkeit rät.

Damit Sie dies auch durchhalten, empfiehlt Nandine Meyden einen kleinen Trick: „Legen Sie eine kleine Pause ein, um der schlechten Stimmung in Ihrem Büro zu entgehen. Verlassen Sie ein paar Minuten das Büro und nutzen Sie diese zum Beispiel für Aufgaben, die Sie anderswo zu erledigen haben.“ Auch eine mentale Stärkung kann helfen: Machen Sie sich klar, dass Sie sozial kompetenter sind als die Miesepeter in Ihrer Umgebung. Denn Sie lassen Ihre schlechte Laune nicht an anderen Leuten aus.

So gehen Sie mit Schlechtgelaunten um

„Wenn Sie den Schlechtgelaunten gut kennen, können Sie ihn fragen, was mit ihm los ist oder ob Sie etwas für ihn tun können“, so Meyden. Wichtig sei dabei, dass Sie Empathie zeigen. Ein besonderer Fall sei die schlechte Laune des Chefs. Die Benehmensberaterin warnt davor, auf sie einzugehen. Am sinnvollsten sei es in diesem Fall, seine Übellaunigkeit auszusitzen und freundlich zu bleiben.

Und noch ein Tipp von Nandine Meyden: „Wenn es Ihnen schwer fällt, in schwierigen Fällen freundlich zu sein, dann sollte Sie das üben. Nutzen Sie dafür Gelegenheiten im Alltag. Wenn zum Beispiel die Verkäuferin beim Bäcker unfreundlich ist, versuchen Sie, trotzdem freundlich zu reagieren.“

Wenn die Stimmung im Keller ist, dann bekommt meist auch die Leistungsfähigkeit einen Dämpfer. Wer jetzt meint, besonders viel leisten zu müssen, hat gleich zwei Probleme: Die trübe Grundhaltung und den Leistungsdruck. Deshalb empfiehlt Diplom-Psychologe und Coach Thomas Prünte aus Hamburg: „Die Erwartung an die eigene Leistungsfähigkeit sollten Menschen mit Stimmungstief nicht zu hoch setzen. Viele erhöhen den Druck auf sich selbst und setzen sich zu große Arbeitsziele. Besser ist es, sich kleinere Ziele vorzunehmen und diese Schritt für Schritt zu verwirklichen.“

Durchschauen Sie sich selbst

Manche Menschen meinen, sie müssten immer 150 Prozent bringen. Sie traktieren sich oft mit Parolen wie: „Du musst das schaffen! Keine Müdigkeit vorschützen!“ Prüntes Tipp: „Am besten durchschauen Sie diese Durchhalte-Parolen und erlauben sich stattdessen Gegenstimmen wie: „90 Prozent Leistung sind in dieser Phase auch genug!“ oder: „Ein kluges Pausenmanagement erhält meine Leistungsfähigkeit oder steigert sie sogar.“

Für viele ist schon der Weg zur Arbeit im grauen wetter eine Zumutung. Doch Life-Balance-Coach Hannelore Fritz aus Berlin weiß Rat: „Wer sich aufmutern will, sollte bewusst Positives wahrnehmen, zum Beispiel das Lächeln der Bäckereiverkäuferin oder der Kollegin.“ Auch andere Kleinigkeiten können die Stimmung heben: Ein Bild der Kinder auf dem Schreibtisch oder ein Andenken aus dem letzten Urlaub.

Sport als Ausgleich

Gerade das usselige Herbstwetter lässt manch einen Freizeitsportler zum Couch-Potato mutieren. Doch wer seine Laune im Job verbessern will, sollte ganz bewusst die Pause nutzen, um frische Luft zu schnappen oder sich zu bewegen, rät Fritz. Auch das Joggen in der Freizeit oder das Saunieren am Abend wirken stimmungsaufhellend.

Wer trüber Stimmung ist, sollte ganz bewusst Gegenakzente setzen und sich etwas Gutes tun. Prünte: „Eigentlich wissen die Menschen, was ihnen gut tut.“ Deshalb empfiehlt er, den eigenen Wünschen nachzugehen und schon am Morgen etwas Schönes für den Abend zu planen … wie einen Spiele- oder Kino-Abend, ein Konzert oder eine DVD anzusehen. Das wirkt wie eine Belohnung für einen überstandenen Arbeitstag und verbessert während der Stunden im Büro die Laune.

Es kann auch hilfreich sein, seine Kollegen über die eigene Gefühlslage zu informieren und so deutlich zu machen, dass die eigene Traurigkeit nichts mit dem Gegenüber zu tun hat. Aber Coach Hannelore Fritz warnt auch: „Wer so etwas zu oft thematisiert, wird als Jammerer wahrgenommen. Dieses Image bleibt auch dann, wenn das herbstliche und winterliche Stimmungstief längst den Frühlingsgefühlen gewichen ist.“

Ein guter Kompass über die eigene Befindlichkeit ist der Körper. Er verrät durch Schmerzen und Unwohlsein häufig, dass auch etwas auf der psychischen Ebene nicht stimmt. Deshalb empfiehlt Prünte, die Warnsignale des Körpers wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass sich der Körper entspannt und erholt… vielleicht auch mit Hilfe von Entspannungsmethoden wie dem Autogenen Training oder der Progressive Muskelentspannung.

Gedanken-TÜV

Hilfreich bei Verstimmungen ist auch ein Gedanken-TÜV. Dabei seien ein paar Fragen sehr hilfreich, betont Prünte: „Heben bestimmte Verhaltens- und Denkweisen meine Stimmung oder nicht? Geht es mir etwa mit der Parole ,Du musst im Job durchhalten!“ oder „Ich muss funktionieren“ besser? Wohin führen mich solche Gedanken? Welche Konsequenzen haben sie für mich?“ Wer sich solche Fragen stellt, bekommt schnell heraus, welche Gedanken oder Verhaltensweisen das Unwohlsein oder die Traurigkeit verscheuchen oder verstärken. Das sind Hinweisschilder zu einem guten Umgang mit sich selbst.

So hilfreich es auch ist, sich selbst in schwierigen Situationen etwas Gutes zu tun: Auch die Hilfe für Andere kann ein Stimmungsaufheller sein. Fritz: „Ein Kompliment für die Kollegin, die kleine Unterstützung im Arbeitsalltag oder das Anlächeln einer Mitarbeiterin verändern die eigene Emotionslage. Denn so bekommen Sie auf Ihr eigenes Verhalten positive Reaktionen … und das erfreut!“

Gedrückte Stimmung kann auch seine guten Seiten haben, meint Diplom-Psychologe Thomas Prünte. Denn sie gibt die Gelegenheit, in sich zu gehen und sich zu fragen, ob man wesentliche Bedürfnisse übergangen hat oder ob es einen ernsten Grund für die Verstimmung gibt: Bin ich gekränkt worden? Hat jemand meine Grenzen verletzt? Fehlt mir etwas? „Es ist wie bei einem roten Lämpchen im Auto: Sie sind ein Signal.“ Dann erst kann man über geeignete Gegenmaßnahmen nachdenken und  zum Beispiel über die Frage reflektieren: „Wo will ich hin?“ Sein Tipp: Die Gelegenheit nutzen und sich einmal ganz bewusst zurückzuziehen, zum Beispiel in ein Kloster.

Literaturtipp:
Thomas Prünte: Vom Sinn schlechter Laune, Warum es gut tut, sich schlecht zu fühlen, Orell Füssli, Zürich 2010, 192 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-280-05401-7

(Veröffentlicht bei monster.de, November 2010)
(Copyright 2010 by Anja Schreiber)

Psychologische Effekte: Fiese Denkfallen im Job

Menschen sind gar nicht so rational, wie sie sich gerne darstellen… das ist im Privatleben genauso wie Job. So beeinflussen eine Vielzahl psychologischer Phänomene den beruflichen Alltag. Oft werden sie sogar zu Denkfallen. Die Autoren Jochen Mai und Daniel Rettig sind in ihrem neuen Buch „Ich denke, also spinn ich“ auf Entdeckungstour gegangen und haben mehr als 120 psychologische Effekte entlarvt, die uns Menschen hinters Licht führen. Hier eine jobrelevante Auswahl:

Wie psychologische Phänomene den beruflichen Alltag beeinflussen.
Wie psychologische Phänomene den beruflichen Alltag beeinflussen.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Schulabgänger und Studierende.

Der Halo-Effekt

Ein Harvardabsolvent kann noch so einen Unsinn reden: Die allermeisten in seiner beruflichen Umgebung werden seine Äußerungen für brillant halten. Dieses Phänomen nennt man Halo-Effekt („Halo“: Englisch für „Heiligenschein“). Es handelt sich dabei um einen Wahrnehmungsfehler: Einzelne Eigenschaften einer Person überstrahlen alle anderen Eigenschaften und dominieren oder verfälschen somit den Gesamteindruck.

Der Hindsight-Bias

„Das habe ich doch gleich gewusst.“ Solch einen Kommentar wird jeder schon mal in seinem Berufsleben gehört haben. Er beschreibt eine weitere Denkfalle: Wir Menschen neigen dazu, im Nachhinein unsere Aussagen und Gedanken so lange umzuinterpretieren, bis sie zum später eingetretenen Ereignis passen. Egal ob bei der Wettervorhersage oder in der Einschätzung von Ereignissen… gerade Kollegen mit einem starken Drang zur Selbstdarstellung erliegen am häufigsten solchen Rückschaufehlern.

Die Entscheidungsparalyse

Ein Chef trifft keine Entscheidung, obwohl das längst überfällig ist. Ein Arbeitnehmer hat schon lange innerlich gekündigt, zieht daraus aber keine Konsequenzen. Wenn sich Menschen im Berufsalltag so oder ähnlich verhalten, dann leiden sie häufig an einer Entscheidungsparalyse: Sie müssten eigentlich eine Entscheidung treffen, drücken sich aber davor. Sie halten einfach am Altbewährten fest, so suboptimal das auch ist. Doch auch dieses Verhalten ist eine Entscheidung!

Der Confirmation-Bias

Chefs umgeben sich gern mit Mitarbeitern, die ihnen nach dem Mund reden. Entscheider in Unternehmen ziehen häufig die Informationen heran, die ihre Meinung bestärken. Dieses Phänomen kannte schon der englische Philosoph Francis Bacon. Er beschrieb, dass der menschliche Verstand – hat er sich erst einmal eine Meinung gebildet – alles heranzieht, um diese zu bestätigen. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind Flexibilität und die Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern.

Der Wiederholungseffekt

Warum glauben Mitarbeiter und Chefs bestimmten Aussagen mehr als anderen? Das kann zum Beispiel am Wiederholungseffekt liegen. Denn meist schenken Menschen einer Aussage mehr Glauben, je häufiger sie wiederholt wird. Es ist also Vorsicht angebracht: Meinungen und Urteile werden durch ständige Wiederholung eben nicht „wahrer“.

Das Helfersyndrom

Der allzu dienstbereite Mitarbeiter, die immer Kuchen mitbringende und Kaffee kochende Kollegin … das sind die typischen Kollegen mit Helfersyndrom. Bei diesen Menschen ist das Helfen längst Mittel zum Zweck geworden. Sie können nicht „Nein“ sagen, sie müssen helfen und benötigen das Gefühl, gebraucht zu werden. Das Problem ist aber, dass ihre eigene Arbeit vor lauter Hilfsmaßnahmen für Dritte leidet.

Das TINA-Prinzip

„Das haben wir schon immer so gemacht!“ „Das hat noch nie funktioniert!“ Wer kennt nicht diese Phrasen aus seinem Berufsalltag? Solche Aussagen haben alle nur ein Ziel: Andere auszubremsen, zum Beispiel in ihrem Veränderungs- und Innovationswillen. Wer diese Phrasen benutzt, macht sich den TINA-Effekt zu eigen. Dabei ist TINA das Akronym für „There Is No Alternative“. Wichtig ist also, diese Aussagen als das zu entlarven, was sie sind: Killerphrasen.

Literaturtipp:
Jochen Mai, Daniel Rettig: Ich denke, also spinn ich. Warum wir uns oft anders verhalten, als wir wollen, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011, 384 Seiten, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-423-24873-0

(Veröffentlicht bei GMX.de, August 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Der Selbstversuch: Fünf Schlechte-Laune-Killer

Die Liste der Ratgeber gegen schlechte Laune im Job ist lang, Tipps gibt es viele. Ich wollte es für die Berliner Akzente genau wissen und habe fünf ausprobiert. Meine Mission: Eine ganze Arbeitswoche gute Laune. Ein Selbstversuch.

Das hilft gegen schlechte Laune!
Das hilft gegen schlechte Laune!

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Studierende.

Montag. Erster Tag meines Selbstversuches: Trotz Sommer regnet es in Strömen, und ich bin nur noch am Gähnen, fühle mich wie zerschlagen. Meine Gedanken wandern nach Oberbayern, wo ich die vergangenen Tage eine inspirierende Tagung besucht habe. Ich sehne mich nach der traumhaften Landschaft, dem schönen Wetter und den tollen Gesprächen. Dagegen wirkt dieser Berliner Morgen so grau, noch dazu platzt meine To-Do-Liste aus alle Nähten.

Nicht zuviel vornehmen!

Kein Wunder: Nach ein paar Tagen Abwesenheit stapeln sich die Mails im Eingangskorb, häufen sich die Anrufe auf dem Anrufbeantworter. Zwei Artikel wollen noch geschrieben werden. Das alles demotiviert. Die erste Anti-Schlechte-Laune-Methode: „Nehmen Sie sich nicht zu viel vor, sondern geben Sie sich mit kleineren Zielen zufrieden, und verwirklichen Sie diese Schritt für Schritt.“ Statt wie wild drauflos zu arbeiten, gönne ich mir also einen stillen Augenblick und studiere dabei die To-Do-Liste: Was ist wirklich dringend? Was ist wichtig? Was kann warten?

Ich verschaffe mir auch einen Überblick über die Mails und Anrufe, setze Prioritäten. Dabei purzeln zwei Drittel aller Mails und über die Hälfte der Anrufe von der heutigen Aufgabenliste. Auch einen der beiden Artikel verschiebe ich auf morgen. Die Strategie „Arbeit minimieren“ – ein voller Erfolg. Meine Motivation steigt, die gute Laune kehrt wieder – und am Abend habe ich wirklich alles erledigt, was ich mir vorgenommen habe.

Die Bilanz: Unbedingt empfehlenswert! Die Strategie schützt vor Überarbeitung, falschen Prioritäten und bekämpft so einen der häufigsten Gründe für schlechte Laune.

Ganz bewusst lächeln

Dienstag. Gleich am Morgen bahnt sich ein Problem an: Ein Interviewpartner hat sich nicht an eine Absprache gehalten. Obwohl ich ihm ein Interview zur Autorisierung geschickt habe, hat er sich nicht gemeldet. Ich muss nachhaken. Schließlich soll das Interview noch heute bei meinem Auftraggeber landen. Aber: Mein Gesprächspartner ist nicht erreichbar, und seine Sekretärin weiß von nichts. Sie reagiert unwillig. Na, toll! Innerlich fällt mir die Kinnlade herunter, und ich bekomme schlechte Laune. Ich probiere eine weiteren Trick gegen Übellaunigkeit: „Wenn es am Telefon schwierig wird, hilft es, die Mundwinkel ganz bewusst nach oben zu ziehen und zu lächeln. Auch wenn das Gegenüber am Telefon den Anrufer nicht sieht, überträgt sich so statt einer angespannten Stimmung eine freundliche Grundhaltung.“

Ich bin skeptisch: Kann denn ein bisschen Gesichtsgymnastik wirklich die schlechte Laune vertreiben? Es klappt tatsächlich. Ich bleibe freundlich, und die Sekretärin ist schließlich doch bereit, mir zu helfen.

Aber: Auch wenn der Tipp funktioniert hat, bezweifle ich, dass sich jede Verstimmung weglächeln lässt!

Mittwoch. Heute regnet es immer noch. Die für den Feierabend geplante Radtour mit einer Freundin und das Einkehren im Biergarten fallen ins Wasser. Wenn ich mir meine To-Do-Liste anschaue, muss ich zudem noch feststellen, dass sie wieder viel zu lang ist. Außerdem steht heute Buchhaltung auf dem Programm. Eine Arbeit, die bei mir keine Jubelstürme auslöst.

Sich belohnen

Aber gerade deshalb greife ich tief in die Trickkiste gegen schlechte Laune und versuche es mit der Selbstbelohnung. Ich nehme mir also etwas besonders Schönes vor. Am Mittag werde ich mir ein Wohlfühlessen beim Araber gönnen: Fleischspieß mit Reis, viel Salat und schön scharfen Peperoni. Und den Abend werde ich trotzdem mit meiner Freundin verbringen. Dann halt ohne Fahrradtour!

Und tatsächlich: Der Tag wird richtig schön! Mein Lieblingsessen und der Klön bei meiner Freundin, die zu meiner großen Überraschung ein superleckeres Abendessen mit Backgemüse, Tsatsiki und Fladenbrot gezaubert hat, belohnt mich für die harte Arbeit in Sachen Buchhaltung.

Die Bilanz: Sich selbst gerade an schwierigen Tagen etwas Gutes zu gönnen, ist ein Super-Tipp! Ich neige nämlich dazu, an diesen Tagen die Selbstfürsorge eher zu vernachlässigen. Und ich kenne viele, denen es ähnlich geht.

Donnerstag. Weiterhin regnerisch und ungemütlich. Und ein schwieriger Kunde raubt mir den letzten Nerv. Zwar bleibe ich freundlich und höflich, fühle mich aber nach dem Telefonat wie durch die Wäschemangel gedreht. Die Motivation ist auf ihren Tiefpunkt abgerutscht.

Kaffeeduft als Motivator

Vielleicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt für einen weiteren Tipp: „Gehen Sie in eine Bäckerei oder Kaffeerösterei und atmen Sie ganz bewusst den Duft frischer Backwaren oder von frisch gemahlenem Kaffee ein.“ Kaffeeduft gegen den Durchhänger? Ich will nicht so recht an die „Wunderwaffe“ glauben, stapfe trotzdem tapfer in den nächsten Coffeeshop und genieße einen heißen Latte Macchiato. Das tut für den Augenblick wirklich gut! Aber ein richtiger Motivationsschub sieht anders aus.

Mein Fazit: Bestimmte Schlechte-Laune-Auslöser lassen sich auch nicht wegschnuppern!

Freitag, der letzte Tag des Selbstversuches: Über das regnerische Sommerwetter rege ich mich schon lange nicht mehr auf, wohl aber über die Tatsache, dass sich scheinbar alle von mir angerufenen Pressestellen zum Ziel gesetzt haben, meine Anfragen nicht zeitnah zu bearbeiten. „Erlauben Sie sich selbst und anderen, ab und zu Fehler zu machen“, lautet deshalb für heute die Strategie.

Perfektionismus bekämpfen

Ich atme tief durch und überlege, wie schwer mir das gerade jetzt fallen wird. Doch dann wird mir klar, dass ich gegen die Trödelei Dritter sowieso nichts ausrichten kann. Es ist also ratsam und viel entspannender, einfach mal darauf zu vertrauen, dass ich alle nötigen Informationen schon rechtzeitig erhalten werde.

Eigentlich gar keine so schlechte Idee, sich vom Perfektionismus zu verabschieden. Aber dieser Tipp ist trotzdem nicht so recht alltagstauglich, denn es ist einfach schwer, sich andere Gedanken zu verordnen.

Fazit: Mein Lieblingstipp gegen schlechte Laune ist die Entrümpelung von To-Do-Listen. Meist steht viel zu viel auf der Liste, so dass dieses Sammelsurium oft eher ein Motivationskiller als alles andere ist. Habe ich erst einmal ein paar Punkte gestrichen, steigt mein Gute-Laune-Pegel deutlich. Noch besser wird meine Laune, wenn ich mich für geleistete Arbeit bewusst belohne. Auch diesen Tipp kann ich nur empfehlen!

Info: Warnsignal Jobfrust

Gegen schlechte Laune am Arbeitsplatz gibt es zwar Gegenmittel – dennoch gilt sie auch als Warnsignal, dass etwas gehörig falsch läuft. Studien zeigen immer wieder: Berufliche Unzufriedenheit ist in Deutschland weit verbreitet. So hat eine Umfrage des Personaldienstleisters Kelly Services ergeben, dass rund ein Drittel der deutschen Arbeitnehmer mit ihren Arbeitsbedingungen nicht zufrieden sind. „Schlechte Laune ist wie ein rotes Lämpchen, das dann aufleuchtet, wenn der Ist- und der Sollzustand auseinanderklaffen. Sie lädt zur Spurensuche ein, ob dem Betroffenen irgendetwas fehlt“, sagt Thomas Prünte, Psychologe und Autor des Buches „Vom Sinn schlechter Laune“.

Diese Selbstreflexion sei der erste Schritt. Deshalb rät Prünte, sich bei anhaltender gedrückter Stimmungslage eine „Stille Stunde“ zu gönnen, sich mit Freunden auszutauschen oder Tagebuch zu führen, um herauszufinden, welches elementare Bedürfnis übergangen wurde. So könnten Berufstätige erkennen, ob Über- oder Unterforderung im Job, eine Kränkung oder Konflikte mit dem Chef das Stimmungstief ausgelöst haben.

Literaturtipps:
Thomas Prünte: Vom Sinn schlechter Laune. Warum es gut tut, sich schlecht zu fühlen, Orell Füssli, Zürich 2010, 192 Seiten, 19,90 Euro.
Kirsten Khaschei: Schon wieder Montag … 50 Ideen, mit denen Sie den Jobfrust überwinden, Frankfurt 2009, 192 Seiten, 14,90 Euro.

(Veröffentlicht in Berliner Akzente, August 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Berufliche Neuorientierung: „Womit will ich mein Geld verdienen?“

Wer unzufrieden im Job ist, gekündigt wurde oder an beruflicher Perspektivlosigkeit leidet, für den stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? Eine Möglichkeit ist, sich beruflich neu zu orientieren … auch noch im späteren Lebensalter. Doch damit das auch gelingt, ist eine gründliche Selbstreflexion und eine klare Zieldefinition unbedingt erforderlich.

Wie Sie sich beruflich neu orientieren.
Wie Sie sich beruflich neu orientieren.

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  • Berufserfahrene und Neustarter.

Bei dem 41jährigen Marc Weyersberg hat der berufliche Neustart hervorragend funktioniert. Er ist heute Inhaber der „Kupfermanufaktur Weyersberg“ (www.kupfermanufaktur.com) in Herrenberg und produziert hochwertiges Kupferkochgeschirr. Dabei war der studierte Betriebswirtschaftler lange Jahre als Verkaufsleiter Süddeutschland und Key Account Manager Gesamtdeutschland einer renommierten Marke im Bereich Kochgeschirre angestellt. „Im Lauf der Jahre merkte ich eine zunehmende Unzufriedenheit mit meinem Job. Es gab Änderungen in der Vertriebspolitik, die ich für problematisch hielt.“

Die Lust, austzusteigen

Mit dem Frust im Job stieg die Lust, auszusteigen. „Aber mir fehlte der Mut“, betont Weyersberg. Schließlich bekleidete er eine gutbezahlte und attraktive Position bei einer Markenfirma. Dennoch nahm die Frustration zu, denn es kam auch noch zum Zerwürfnis zwischen ihm und der Unternehmensleitung. Auch wenn Weyersberg nicht so recht wusste, wohin sein Weg führen sollte, war er sich sicher, dass in seinem Berufsleben eine Änderung anstand. Deshalb ging er im Herbst 2008 zu dem Karrierecoach Thomas Götze aus Stuttgart.

„Mich trieben verschiedene Fragen an: Was will ich in meinen Leben noch erreichen? Womit will ich künftig mein Geld verdienen?“, berichtet Weyersberg, dem in dieser Zeit gekündigt wurde. Heute empfindet der Betriebswirtschaftler diesen Umstand als Glück, denn durch diese Kündigung bekam er die Gelegenheit, sich ernsthaft mit Alternativen zu seiner bisherigen Tätigkeit auseinanderzusetzen. Dabei wurde ihm deutlich, dass er selbst ein Unternehmen leiten wollte.

„In dieser Zeit erfuhr ich, dass der Inhaber einer Kupfermanufaktur sein Unternehmen verkaufen wollte. Durch die damals herrschende Finanzkrise war es mir möglich, diese Manufaktur zu einem erschwinglichen Preis zu erwerben“, berichtet Weyersberg. Sein Plan war es, hochwertiges Kochgeschirr aus Kupfer zu produzieren. „Damit habe ich mir eine Nische im Markt gesucht und durch die Verarbeitung von Kupfer bei Kochgeschirr auch ein Alleinstellungsmerkmal gefunden.“

Der Weg in die Selbständigkeit

Inzwischen schreibt Weyersbergs Kupfermanufaktur schwarze Zahlen: „Ich habe berechtigte Hoffnung, dass mein Weg in die Selbständigkeit richtig war. Noch nie habe ich so viel Spaß bei der Arbeit gehabt und mit so viel Energie und Euphorie Hindernisse bewältigt.“

Karriere-Coach Thomas Götze hat schon viele seiner Klienten bei der beruflichen Neuorientierung begleitet: „Die Ausgangslage meiner Klienten ist sehr unterschiedlich. Die einen wollen sich verändern und machen das aus einer Position der Stärke heraus, die anderen müssen sich verändern, weil sie zum Beispiel gekündigt wurden.“ In diesem Fall beginnen seine Klienten die Neuorientierung vielfach aus einer Position der Schwäche und spürbarer Betroffenheit heraus.

Am Beginn steht die Selbstreflexion

Doch egal wie die Ausgangslage auch aussieht: Am Beginn jeder Neuorientierung steht die Selbstreflexion und Beschäftigung mit dem Ist-Zustand. Dazu gehört neben der Reflexion über die aktuelle berufliche Situation auch die Beschäftigung mit den eigenen Stärken und Kompetenzen.“Das ist ein wichtiger, klärender Schritt, denn er schafft ein Bewusstsein darüber, auf welches Kompetenzprofil der Klient alles kann zurückgreifen kann“, erklärt Götze. „Er zeigt außerdem, in welchen Berufsfeldern er künftig arbeiten kann. Oft ist das Berufsspektrum, das sich aus dieser Analyse ergibt, sehr groß.“ In einem nächsten Schritt geht es dann darum, herauszufinden, was den Berufstätigen Spaß macht und ihn motiviert.

Götze rät, eine Liste mit all den Kriterien anzulegen, die der neue Beruf unbedingt erfüllen muss, damit der Wechselwillige künftig ein erfüllenderes Berufsleben als bisher hat. „Schreiben Sie aber auch auf, welche Rahmenbedingung wünschenswert, aber nicht unbedingt notwendig wären. Mit diesen Listen haben Sie ein klares Suchraster für Ihren neuen Beruf.“

Die Selbstreflexion allein reicht aber oft nicht aus, um einen erfolgreichen Berufswechsel zu initiieren. Deshalb empfiehlt Götze auch den Austausch mit anderen. „Es muss nicht unbedingt ein Coach sein, aber lassen Sie sich bei Ihrer Neuorientierung von einem Außenstehenden – zum Beispiel einem guten Freund – begleiten.“ Denn dieser kann dabei helfen, Selbst- und Fremdwahrnehmung miteinander zu vergleichen und den Blickwinkel zu weiten. Natürlich sollte der Freund möglichst unvoreingenommen sein und keine persönliche Motive einbringen.

Rahmenbedingungen klären

Hat sich so ein neues Berufsziel herauskristallisiert, geht es nun darum herauszufinden, ob seine Umsetzung realistisch ist. „Fragen Sie sich, ob Ihre Familie Ihre berufliche Neuorientierung mittragen kann“, erklärt Götze. Auch Jürgen Weiger, Teamleiter der Arbeitsvermittlung bei der Arbeitsagentur Stuttgart empfiehlt, sich über die finanziellen Konsequenzen einer Umschulung oder gar einer weiteren Ausbildung sehr konkrete Gedanken zu machen und das auch mit der Familie abzustimmen. „Wir als Arbeitsagentur können nur Leute fördern, die noch keine Berufsausbildung haben“, betont Weiger.

Neben den finanziellen Rahmenbedingungen rät der Arbeitsvermittler Wechselwilligen auch, sich genau über die Arbeitsmarktchancen zu informieren: „Recherchieren Sie im Internet, wie der Arbeitsmarkt in der Branche aussieht, in die Sie einsteigen wollen. Gibt es freie Stellen auf dem regionalen Arbeitsmarkt oder nur überregional?“ Weiger empfiehlt auch, vorab zu klären, mit welchen technischen Entwicklungen Sie künftig rechnen müssen und welche Zukunftsaussichten Ihr neuer Beruf hat.

(Veröffentlicht in Stuttgarter Zeitung, Juli 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Probleme im Job: Von den Verrücktheiten des Arbeitsalltags

Ich arbeite in einem Irrenhaus – zu dieser Erkenntnis ist wohl schon mancher Arbeitnehmer hin und wieder gelangt. Für alle, die an den Verrücktheiten des Arbeitsalltags schon verzweifeln wollen, hat Karrierecoach Martin Wehrle jetzt ein Buch mit gleichnamigem Titel geschrieben. Darin analysiert er, was in vielen Unternehmen schief läuft und welche Optionen betroffene Mitarbeiter haben, mit den diversen Skurrilitäten im Job umzugehen.

Wie Sie mit Skurrilitäten im Job umgehen können.
Wie Sie mit Skurrilitäten im Job umgehen können.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

Haarsträubendes im Berufsalltag

Was in seinem Buch häufig wie Satire klingt, sind tatsächlich Geschichten aus dem wirklichen Leben. Denn Wehrle berichtet im ersten Teil seines Ratgebers über seine vielfältigen Erfahrungen als Coach. Er kennt große und kleine Firmen – nicht nur von der äußeren Hochglanzfassade her, sondern auch von innen, aus den Berichten leidgeprüfter Mitarbeiter. Kaum ein Comedian wäre in der Lage, haarsträubendere Episoden zu erzählen, als die, die Wehrle amüsant und anschaulich zu beschreiben weiß.

Da hat zum Beispiel eine Unternehmensberatung in einer Firma den Kostenfaktor Catering entdeckt und aus Sparzwang die „Vier-Stunden-Regel“ eingeführt: Sitzungsteilnehmer, die weniger als vier Stunden beieinander saßen, hatten weder Anspruch auf Wasser noch auf Kaffee oder Kekse. So konnten die Mitarbeiter des Betriebes ihren Geschäftspartnern nicht einmal im Hochsommer ein Glas Wasser kredenzen. Die Kunden griffen nach dem ersten Schock zur Selbsthilfe und brachten selbst Wasserflaschen, Thermoskannen voller Kaffee und Gebäck mit – wie peinlich.

Irrsinn: Kürzung des Papier-Etats

In einem anderen Fall waren es die Angestellten selbst, die den Irrsinn des Unternehmens durch den Griff in die eigene Geldbörse einzudämmen versuchten: Der Papier-Etat wurde gekürzt. So war schon Mitte November kein Papier mehr in der Vorratskammer. Da die Arbeitnehmer angehalten wurden, eine kostenneutrale Lösung zu finden, wurde für normale Ausdrucke Briefpapier verwendet -bis Mitte Dezember auch das ausging. Die Firma konnte jetzt keine Rechnungen mehr stellen und auch nichts anderes mehr ausdrucken. Schließlich kauften einige Mitarbeiter die Blätter zum Glück aus eigener Tasche.

Noch viele andere solcher Irrsinns-Geschichten hat der Coach parat: Da werden Absageschreiben verschickt, die sich für Vorstellungsgespräche bedankten, die nie stattgefunden haben, oder Betriebsspione entlarvt, die in Wirklichkeit lediglich ihre Arbeit zu Hause fortsetzen wollten. Doch Wehrle hat neben der Sammlung absurder Arbeitsanekdoten noch mehr zu bieten: Er analysiert auch die zugrundeliegenden Probleme wie Heuchelei, Profitsucht, Egozentrik oder Dilettantismus.

Analyse statt Wehklagen

Im zweiten Teil des Buches bleibt der Autor zudem nicht beim Wehklagen über die böse Berufswelt, sondern will einen Weg weisen, der die Angestellten aus dem Irrenhaus herausführt. Am Anfang steht dabei die Analyse. Mit dem großen „Irrenhaus-Test“ fragt Wehrle seine Leser daher zunächst: „Spinnt Ihre Firma?“ Nach dem Muster einschlägiger Psycho-Tests können Arbeitnehmer hier erfahren, ob es sich bei ihrem Brötchengeber um einen Glücksfall handelt oder sich der Betrieb den Titel „Irrenhaus“ redlich verdient hat.

Nach der Analyse fordert Wehrle diejenigen, die erkennen mussten, dass sie tatsächlich in einem „Irrenhaus“ arbeiten, zum Handeln auf. Unter dem Motto „Raus aus der Anstalt“ plädiert er dafür, auf Jobsuche zu gehen anstatt über den alten Arbeitsplatz zu jammern. Sein Appell an die Arbeitnehmer lautet, sich ihrer eigenen Werte und Wünsche bewusst zu werden und mit diesem Wissen eine neue Stelle zu suchen.

Dabei ist sich der Coach durchaus bewusst, dass ein Jobsuchender schnell wieder ins nächste Irrenhaus stolpern kann. Deshalb gibt er hilfreiche Hinweise, wie Arbeitnehmer schon während der Bewerbungsphase erkennen können, wie verrückt es in einer Firma möglicherweise zugeht. Ein Anzeichen ist, wie oft und wie lange eine Stellenausschreibung geschaltet wurde: Ist sie schon mehrfach erschienen, kann das auf einen schwierigen Vorgesetzten, eine ruppige Firmenkultur oder auf wenig Geduld bei der Einarbeitung hindeuten.
Auch der Ton im Antwortschreiben beziehungsweise im Unternehmen selbst sowie der Umgang mit Fragen des Bewerbers kann ein weiterer Gradmesser für den Irrsinn in einem Betrieb sein. Wehrle ermuntert Jobsuchende daher, sich nicht nur selbst anzupreisen, sondern sich auch ehrlich zu fragen, ob das Unternehmen überzeugt. Er empfiehlt seinen Lesern, den nächsten Arbeitgeber danach auszuwählen, ob er zu ihnen und ihren Werten passt.

Zur Person:
Der 1970 geborene Martin Wehrle arbeitet als Karriereberater und Autor. Er war Führungskraft in einem deutschen Konzern, bevor er sich als Coach selbstständig machte. Heute bietet er an seiner Akademie eine Ausbildung zum Karriereberater und -coach an. Zu seinen Büchern gehören unter anderem die Werke „Geheime Tricks für mehr Gehalt“ und das „Lexikon der Karriere-Irrtümer“.

Lektüretipps:
Normaler Bürowahnsinn: Ich arbeite in einem Irrenhaus. Vom ganz normalen Büroalltag: Martin Wehrle, Econ Verlag, Berlin (2011), 288S., 14,99 Euro.

(Veröffentlicht in Berliner Zeitung, Juni 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Als Mitarbeiter Führungsstärke zeigen: So führen Sie Ihren Vorgesetzten!

Nicht immer ist der Chef der Boss im Büro. Auch Mitarbeiter haben ihre Mittel, den Vorgesetzten in die gewünschten Bahnen zu lenken. Dafür bedarf es lediglich einiger kleiner (legaler) Tricks.

Wie Sie Ihren Vorgesetzten führen.
Wie Sie Ihren Vorgesetzten führen.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Thomas M. (Name von der Reaktion geändert) hat es geschafft, seinen Chef zu führen: Der zielstrebige Mittdreißiger hielt sich nicht lange damit auf, über seinen Vorgesetzten zu klagen, sondern drehte als Referent bei einem Weiterbildungsträger den Spieß um. Doch davor stand eine Leidensgeschichte: „Mein Boss hatte zwei große Fehler: Erstens war er fachlich inkompetent, zweitens neigte er dazu, dies durch ausufernde Redebeiträge zu kompensieren“, berichtet der straight wirkende Akademiker. Deshalb blieb auch viel Arbeit liegen und die Kunden beschwerten sich … und das, obgleich Thomas M. bis spät in den Abend hinein gearbeitet hat. Grund dafür waren unter anderem stundenlange und inhaltsleere Besprechungen.

„Der traurige Höhepunkt war erreicht, als mein Chef dazu überging, mich nachts aus dem Bett zu klingeln, um mich zu „bitten“, bis zum nächsten Morgen kurzfristig bestimmte Aufträge zu übernehmen.“ Nachdem M. einige Wochen mühsam durchgehalten hatte und an den Rand seiner Leistungsfähigkeit angelangt war, kam ihm eine zündende Idee: Der psychologisch versierte Referent bat seinen Vorgesetzten um ein Gespräch, was er sonst immer vermieden hatte und lenkte seine Aufmerksamkeit auf ein für den Vorgesetzten neues Thema: Die Kooperationen mit verschiedenen Behörden, Ämtern und Agenturen. Der Chef war begeistert. Er glaubte, dort finanzielle Unterstützung zu finden. Und so war er täglich mehrere Stunden beschäftigt, Kontakte zu pflegen oder Finanzierungsmöglichkeiten aufzutun. „Da er so selbst keine Zeit mehr für seine eigentliche Arbeit hatte, konnte ich ihm „selbstlos“ bestimmte Leitungsaufgaben „abnehmen“. Das hat er auch mitgemacht, weil ihm sein neues Arbeitsfeld wichtiger erschien“, berichtet der agile Typ im Business-Outfit. Das war die schönste Zeit für M. und seine Kollegen … denn endlich kamen sie dazu, ihre ganz „normale“ Alltagsarbeit zu erledigen.

Die Unzufriedenheit mit dem Chef

Der Wunsch, den Vorgesetzten zu führen, hängt meist mit der eigenen Unzufriedenheit über dessen Führungsstil zusammen. Und die ist beträchtlich: Nach einer Untersuchung der Ruhr-Universität Bochum von 2009 ist der Chef sogar der häufigste Kündigungsgrund für Arbeitnehmer. Danach sind nur 20 Prozent der Befragten mit ihrem Vorgesetzten zufrieden. 56 Prozent benoteten ihren Boss im unteren Drittel. 23 Prozent geben ihrem Chef sogar die schlechteste mögliche Bewertung!

Das beste Mittel gegen diese Unzufriedenheit ist, selbst aktiv zu werden. Dies wird zunehmend wichtiger. „Die Arbeitsverhältnisse der heutigen Zeit sind ja wesentlich kurzfristiger ausgelegt als es zum Beispiel noch vor gut zehn Jahren der Fall war. Hatte man früher ausreichend Zeit, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, so müssen heute schon besondere Tricks angewandt werden, um protegiert zu werden“, berichtet Karrierecoach und Autor Dr. Manuel Tusch.Grundsätzlich gilt: Je kritischer die aktuelle wirtschaftliche Situation, desto wichtiger ist eine gute Beziehung zum Boss, betont Tusch.

Eine gute Beziehung aufbauen

Um aber eine gute Beziehung zum Chef aufzubauen, müssen Mitarbeiter raus aus der Deckung. Sie sollten selbst das Gespräch mit dem Chef suchen. Berichten Sie zum Beispiel Ihrem Chef von Ihren gelungen Projekten. Stellen Sie ihm Ihre Arbeitsergebnisse vor. „Wenn Sie eine Fortbildung wünschen oder eine andere Aufgabe erledigen möchten, sollten Sie das Ihrem Chef auch sagen. Woher soll er das denn sonst wissen?“, betont Dr. Christiane Drühe-Wienholt, Buchautorin und Coach. „Fragen Sie Ihren Chef, wie er Sie sieht.“ Wer dann diese Einschätzung des Chefs aufnimmt und als Argumentation nutzt, um eigene Vorstellungen umzusetzen, hat gute Karten für ihre Verwirklichung.

Damit Ihr Chef für Ihre Wünsche und Ideen offen ist, sollte das zwischenmenschliche Klima zwischen Ihnen beiden stimmen: „Nehmen Sie die Aufträge Ihres Chefs ohne Widerwillen an. Diskutieren Sie nicht!“, so Drühe-Wienholt. Seien Sie also nicht ein Problem, sondern ein Problemlöser. Tauchen zum Beispiel im Arbeitsablauf Schwierigkeiten auf, sollte Sie nicht vom Chef Hilfe erwarten, sondern schon selbst einen Lösungsvorschlag parat haben. Das hat viele Vorteile: Sie helfen Ihrem Chef und der wird deshalb in Zukunft bereitwilliger auf Ihre Anliegen und Vorschläge eingehen.

Den Vorgesetzten verstehen

Dr. Volker Kitz, Coach und gemeinsam mit Dr. Manuel Tusch Autor des Buches „Ohne Chef ist auch keine Lösung“, empfiehlt, sich in den Chef hineinzuversetzen: „Was sind seine Bedürfnisse? Ist er ein Choleriker oder ein Angsthase? Verhalten Sie sich entsprechend! Bedienen Sie seine Bedürfnisse.“

Hat Ihr Boss zum Beispiel ein Fable für Zahlen und Fakten, sollten Sie ihm in Ihrer Argumentation Zahlenmaterial liefern. Liebt Ihr Chef dagegen ausufernde Diskussionen, diskutieren Sie mit ihm die Themen, die er mag und bei denen er sich gut auskennt. In jedem Fall müssen Sie Ihren Chef ernst nehmen und ihm Respekt zeigen. „Wertschätzung vermitteln Sie ihm am ehesten, indem Sie ihm geduldig zuhören“, betont Kitz. „Fassen Sie ab und zu seine Aussagen zusammen oder rückversichern Sie sich zum Beispiel mit den Worten „Verstehe ich Sie richtig…?“ So vermitteln Mitarbeiter ihrem Vorgesetzten ein gutes Gefühl. Das wirkt sich positiv auf die Bereitschaft Ihres Chefs aus, das für Sie zu tun, was Sie wollen!

Tusch empfiehlt, in Meetings auf die nonverbalen Ebene zu wechseln: „Schauen Sie Ihren Boss an, nicken Sie ihm ab und zu bekräftigend zu … aber immer wohldosiert, damit es nicht manipulativ wirkt. So signalisieren Sie ihm, dass Sie seiner Ansicht sind.“

Wer so handelt, muss natürlich aufpassen, dass er nicht als Schleimer wahrgenommen wird. Deshalb rät Kitz: „Ihre Kollegen sollten nicht alles mitbekommen. Behalten Sie Ihre Strategien schön für sich.“ Um nicht zu schleimig zu wirken ist es hilfreich, hin und wieder Diskussionen zu konstruieren: „Widersprechen Sie auch mal Ihrem Chef … aber nur in den Punkten, von denen Sie wissen, dass Sie Ihrem Chef nicht allzu viel bedeuten!“ Wer so handelt, verdeutlicht seinem Vorgesetzten, dass er zur Kritik fähig ist. Auch das fördert Vertrauen.
Den Chef führen: Das können Mitarbeiter aber auch, indem sie ihm klare Grenzen zeigen und eben nicht alles mitmachen. Drühe-Wienholt: „In den meisten Jobs ist es gar nicht nötig, ständig in Handybereitschaft für den Chef zu sein. Ruft Ihr Boss Sie trotzdem ständig spätabends noch an, sollten Sie sich ernsthaft überlegen, das Handy auszuschalten.“ Der Chef wird sich daran gewöhnen und nicht weiter versuchen, Sie rund um die Uhr zu erreichen.

Literaturtipps:
Christiane Drühe-Wienholt: Endlich frustfrei! Chefs erfolgreich führen. Die besten Tricks für harte Fälle, Göttingen 2007, 21,80 Euro, ISBN-13: 978-3-938358-42-9
Dr. Christiane Drühe-Wienholt bietet Trainings und Coaching zum Thema „Führung von unten“ an: www.strategisches-coaching.de
Volker Kitz, Manuel Tusch: Ohne Chef ist auch keine Lösung, Frankfurt/Main 2009, 19,90 Euro, ISBN: 978-3-593-38789-5
Dr. Manuel Tusch und Dr. Volker Kitz bieten Coaching zum Thema „Führung von unten“ an: www.kitz-tusch.com

(Veröffentlicht in Berliner Akzente, Januar 2011)

(Copyright 2011 by Anja Schreiber)