Mittel für Zufriedenheit im Job: Respekt zahlt sich aus!

 Ob Chef oder Mitarbeiter … alle wünschen sich Respekt. Denn in einer Atmosphäre gegenseitiger Wertschätzung macht die Arbeit mehr Spaß. Und Unzufriedenheit mit dem Job stellt sich dann auch viel seltener ein. Trotzdem ist Respekt am Arbeitsplatz keine Selbstverständlichkeit. Wie es doch klappt, verrät Businesscoach und Managementtrainerin Andrea Lienhart aus Freiburg.

Wie wichtig Respekt im Arbeitsalltag ist.
Wie wichtig Respekt im Arbeitsalltag ist.

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Respekt steigert die Motivation

„Viele Studien zeigen, dass sich Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten Respekt wünschen. Der respektvolle Umgang im Beruf steigert außerdem die Motivation“, betont Lienhart. Andererseits macht ein Mangel an Respekt krank. „Verschiedene Studien stellen einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen Respektlosigkeit am Arbeitsplatz und körperlichem und geistigem Leistungsabfall fest.“

Wie Respekt funktioniert, weiß im Grunde jeder: Wer andere wertschätzend behandelt, wird in der Regel auch selbst respektiert. Wem so ein Verhalten nicht gelingt, hat meist auch Probleme im Umgang mit anderen Menschen. Doch Lienhart weiß, dass zu einem respektvollen Verhalten noch mehr gehört: „Wer sich selbst nicht respektiert, kann auch nicht erwarten, dass ihn sein berufliches Umfeld anerkennt.“ Wenn zum Beispiel ein Arbeitnehmer seine eigene Arbeit nicht wertschätzt und lieber über seine Stärken schweigt, weil sie ihm peinlich sind, wird kaum von seinen Vorgesetzten jenes Lob bekommen, das er sich selbst nicht geben mag.

 

Der Wohlfühlfaktor

Mit ein paar Fragen können sich Mitarbeiter auf die Spur kommen, ob sie sich selbst Respekt zollen: Gehe ich mit meinen eigenen Stärken und Schwächen respektvoll um? Kann ich mich, so wie ich bin, akzeptieren? Nehme ich mir Zeit für mich selbst? Einen wichtigen Gradmesser für den Umgang mit sich selbst sieht Lienhart im Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse: „Achten Sie zum Beispiel auf Ihre Work-Life-Balance. Sorgen Sie dafür, dass Sie sich am Arbeitsplatz wohlfühlen.“

Wer erst einmal damit begonnen hat, sich selbst zu respektieren, dem fällt es auch viel leichter, anderen Menschen mit Respekt zu begegnen. Ein Hilfsmittel dabei ist der sogenannte Perspektivwechsel: „Versuchen Sie doch einmal, Probleme und Ereignisse aus der Sicht Ihrer Kollegen und Vorgesetzten zu sehen. Gehen Sie dabei davon aus, dass der Andere ebenso Recht haben könnte wie Sie selbst“, empfiehlt Lienhart. Wer dieses Gedankenexperiment macht, wird erkennen, dass der Andere sehr wohl Gründe für sein Verhalten hat. Und wird ihn auf diese Weise besser verstehen. „Die Fähigkeit, die Perspektive zu wechseln, ist eine Grundkompetenz für ein respektvolles Miteinander im Job.

Mitgefühl zeigen, Fehler verzeihen!

Der Spruch „Geben ist seliger denn Nehmen“ trifft auch in Sachen Respekt ins Schwarze. Denn wer geachtet werden will, sollte selbst in Vorleistung gehen. Deshalb rät Lienhart Berufstätigen, ihrem beruflichen Umfeld „Geschenke“ zu machen. „Ich meine keine Geschenke, die Geld kosten, sondern ich empfehle, Ihrem Gegenüber Zeit zu schenken, ihm aufmerksam zu zuhören und auch einmal ein Kompliment zu machen.“ Lienhart kennt noch mehr Möglichkeiten, Andere zu beschenken, zum Beispiel indem ein Mitarbeiter seinem Kollegen sein Vertrauen schenkt, Mitgefühl zeigt oder Fehler verzeiht!

Doch selbst wer gegenüber seinen Kollegen und Chefs eine positive Grundeinstellung hat, wird immer wieder einmal Enttäuschungen und Respektlosigkeiten erleben müssen. Lienhart: „Kleinere oder größere Verletzungen im beruflichen Alltag gehören dazu. Diese Konflikte sind ganz normal und können mitunter sogar heilsam sein. Bleiben Sie also realistisch und erwarten Sie nicht zu viel!“

Literaturtipp:
Andrea Lienhart: Respekt im Job. Strategien für eine andere Unternehmenskultur, Kösel-Verlag, München 2011, 176 Seiten, 16,99 Euro.

(Veröffentlicht bei GMX, August 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

In der Urlaubszeit arbeiten, Chancen nutzen: Endlich Ferien!

Ferienzeit: Wenn die Anderen Urlaub machen, fällt die Arbeit oft nicht leicht. Doch der Sommer bietet auch dem arbeitenden Teil der Bevölkerung viele Chancen. Die Arbeitnehmer müssen sie nur sehen und ergreifen.

Wie man die Urlaubszeit sinnvoll nutzen kann.
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„Wer in den Sommerferien arbeitet, hat oft einen großen Vorteil: Nicht nur die Kollegen sind im Urlaub, sondern auch viele Geschäftspartner und Kunden. Das bedeutet weniger Arbeit“, betont Hannelore Fritz, Coach für Work-Life-Balance aus Berlin. Das Telefon klingelt seltener, Emails und Termine werden weniger. Und genau diese Chance sollten Arbeitnehmer nutzen, denn hektische Zeiten stehen später im Jahr sowieso wieder an.

Ziele definieren

„Die Sommerzeit ist ein guter Moment, um innerlich aufzuräumen, um Prozesse zu optimieren oder strategisch zu arbeiten“, erklärt der Berliner Business-Coach Karsten Noack. Doch um wirklich Veränderungen anstoßen zu können, müssen Berufstätige klare Ziele definieren. Noack empfiehlt dafür einen schriftlichen Projektplan mit ganz konkreten Arbeitsschritten. „Denn ohne genaue Planung stolpert ein Mitarbeiter einfach in das Sommerloch hinein und ehe er sich versieht, ist die Zeit schon wieder vorbei.“

Dabei können die Ziele ganz unterschiedlicher Natur sein: Der eine Beschäftigte hat sich vorgenommen, sein Zeitmanagement zu optimieren, ein anderer will endlich einmal ein Projekt beenden, für das er sonst keine Zeit hat und der dritte beabsichtigt, sein Business-Englisch zu verbessern. Doch egal, was auch auf der To-Do-Liste steht: Wichtig ist, konsequent an der Umsetzung zu arbeiten. „Ausreden zählen nicht“, so Noack.

Aufräumen, ausmisten, Überblick verschaffen

Eine Aufräum-Aktion kann der erste Schritt zu neuen Zielen sein: „Wer seinen Arbeitsplatz aufräumt und zum Beispiel Schubladen ausmistet, verschafft sich einen Überblick und ordnet seine Dinge neu“, berichtet Fritz. Das setzt Energien und Erkenntnisse frei. So kann der Wunsch nach Veränderung entstehen. Vielleicht wird sogar ein konkretes Ziel sichtbar. Auch wer einen Kollegen vertritt, kann das erleben: „Eine Vertretung verändert die eigenen Arbeitsroutinen. Das kann Kreativität freisetzen … zum Beispiel das Bedürfnis, die eigenen Arbeitsweisen zu verändern.“

In jeden Fall empfiehlt Fritz, sich auf die Chancen des sommerlichen Arbeitens zu konzentrieren und sich nicht über die Tatsache zu ärgern, dass die Kollegen derweil am Strand liegen. „Arbeiten Sie an Ihrer inneren Einstellung“, rät sie. Schließlich haben die Daheimgebliebenen den Urlaub vor oder bereits hinter sich und sind damit eigentlich nicht schlechter gestellt als die Urlauber.

Belohnen nicht vergessen

Damit das Arbeiten leichter fällt, empfiehlt Fritz, sich zu belohnen. Schließlich lädt gerade der Sommer dazu ein. Auch wer nicht Ferien macht, kann sich am Feierabend über lauschige Sommernächte im Biergarten freuen und für das Wochenende kleine Kurztripps in die Umgebung planen. „Jetzt in den Sommermonaten lässt sich Berlin ganz besonders genießen. Die Stadt ist weniger voll und das Tempo ist langsamer als sonst.“ Vielleicht braucht manch ein Arbeitnehmer zehn Minuten weniger Fahrtzeit, weil er nicht im Stau stehen muss. Außerdem kann er möglicherweise pünktlich Feierabend machen.

Wenn sich das Tempo in den Betrieben verlangsamt ist das auch ein guter Zeitpunkt, um seine betrieblichen Netzwerke zu pflegen. Vielleicht hat ein Mitarbeiter jetzt für ein Gespräch mit einem Kollegen Zeit und Muße, mit dem er sonst kaum ein Wort wechselt. Schließlich entsteht in einem durch Urlaub dezimierten Betrieb ein ganz anderes Zusammengehörigkeitsgefühl. Außerdem ist geteiltes Leid halbes Leid. Noack: „Wie wäre es, wenn Sie ins Betriebsklima investieren und zum Beispiel ein Eis mitbringen oder die Kollegen mit einem selbstgemachten Eiskaffee überraschen? So machen Sie Anderen mit einfachen Mitteln eine Freude!“ Gute Laune und eine entspannte Stimmung ist dann meist garantiert!

Die dezimierte Mitarbeiterzahl bietet zudem für das Selbstmarketing des Arbeitnehmers gute Chancen. „In einem kleineren Team fallen Ihre guten Leistungen besonders auf. Auch durch Ihre gute Arbeit als Stellvertreter können Sie sich profilieren“, betont Noack. Wer sichtbar werden will, sollte aber Vorsicht walten lassen: So kommt es zum Beispiel nicht gut an, wenn sich der Stellvertreter über die Arbeit seines abwesenden Kollegen beschwert. Deshalb sollte der Mitarbeiter die Arbeit Anderer nicht kritisieren, wenn er mit seinem Chef über seine eigenen Erfolge spricht. Hat er während der Zeit der Stellvertretung noch mehr Kompetenzen unter Beweis gestellt als im normalen Berufsalltag, sollte er das seinem Chef auch mitteilen. Noack: „Am besten ist es, wenn Sie sowohl Ihren Kollegen als auch sich selbst positiv darstellen und so eine Win-Win-Situation schaffen!“

Literatur:
Lothar J. Seiwert: 30 Minuten Work-Life-Balance, 15., überarbeitete Neuauflage, Gabal, Offenbach (2011), 95 Seiten, 8,90 Euro

(Veröffentlicht bei der Berliner Zeitung, Juli 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Karriere im Außendienst: In die Schuhe des Kunden denken

Wer als Außendienstmitarbeiter erfolgreich sein will, braucht Verhandlungsgeschick. Doch nicht plumpe Tricks führen in erster Linie zum Erfolg, sondern exzellente Vorbereitung und ein hohes Maß an Selbstreflexion und Einfühlungsvermögen.

Wie Sie als Außendienstmitarbeiter erfolgreich werden.
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  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

„Eine gute Vorbereitung ist für die Verhandlung mehr als die halbe Miete“, betont Verkaufstrainer Dominic Hand, Geschäftsführender Gesellschafter von AKZENT Consulting aus Stuttgart. Dazu gehört natürlich ein möglichst großes Wissen über den Kunden und seine Motive. Dafür ist heutzutage das Internet sehr nützlich. Denn wer weiß, welche Beweggründe wie etwa Prestige, Sicherheit oder Wirtschaftlichkeit bei seinem Gegenüber im Vordergrund stehen, kann seine Argumentationslinie darauf abstimmen. „Zu wissen, dass der geliebte Hund ,Rufus’ heißt und am liebsten mit seinem gelben Quietsche-Kaktus spielt, kann wertvoller als das beste Argument sein.“

Interesse am Kunden

Der Stuttgarter Verkaufstrainer Ingo Vogel rät Außendienstmitarbeitern zu einem echten Interesse am Kunden: „Rufen Sie bei einem Geschäftspartner nicht nur an, wenn Sie einen Grund haben, sondern zeigen Sie ihm auch sonst Anerkennung und Aufmerksamkeit. Er darf nicht das Gefühl bekommen, dass Sie nur am Geld interessiert sind.“ Deshalb ist die Beziehungspflege bei Bestandskunden so wichtig. Vor einer Verhandlung mit Neukunden steht dagegen das Sammeln von Informationen im Vordergrund.

Auch vorherige Reflexion ist für erfolgreiche Verhandlungen wichtig. So empfiehlt Hand, das eigene Maximal- und Minimalziel zu kennen: „Fragen Sie sich: Wann steige ich aus? Mit welchen Einwänden muss ich rechnen? Was sind mögliche Konsenspunkte und wie könnten strategische Zugeständnisse aussehen?“ Auch über ein Worst-Case-Szenario sollte der Außendienstler nachdenken. Besonders hilfreich ist ein Perspektivwechsel: Wer sich in die Schuhe seines Kunden denkt, wird bessere Argumente haben, als wenn er sich diese Mühe nicht macht.

Ein Aspekt einer guten Vorbereitung ist auch ein kontinuierliches „Costumer-Relationship-Management“: Jeder Mitarbeiter des Unternehmens protokolliert dabei die Art und Weise der Kontakte zwischen ihm und dem Kunden. „Wenn Sie nicht wissen, wie die letzten Absprachen zwischen Ihrer Firma und Ihrem Kunden sind, machen Sie einen schlechten Eindruck“, betont Hand. Und das wiederum könnte zu Problemen führen. Wer dagegen gut informiert ist, gewinnt das Vertrauen seines Gegenübers leichter. Deshalb sollte der Mitarbeiter nicht nur jeden Kundenkontakt notieren, sondern auch den aktuellen Stand der Verhandlungen kennen.

Innere Einstellung zählt

Wie groß der Verhandlungserfolg ist, hängt aber nicht nur von der inhaltlichen Beschäftigung, sondern auch von der inneren Einstellung ab. „Wer zu einem Kunden fährt und unter Druck steht, wird angespannt wirken. Er wird eher auf Abwehr stoßen und deshalb geringeren Erfolg haben“, erklärt Vogel. Vor diesem Hintergrund empfiehlt er Außendienstmitarbeitern, Einfluss auf ihre eigenen Gedanken zu nehmen. Sein Tipp: Kreisen Sie nicht um um ihre Probleme, sondern denken Sie vor einer Verhandlung an etwas Positives.

Einer der wichtigsten Erfolgsfaktoren sieht Vogel deshalb auch in der inneren Souveränität des Verkäufers. Denn so strahlt er auch in schwierigen Situationen eine gewisse Gelassenheit aus. „Bei einem arroganten Kunden lässt er sich dann nicht verunsichern.“

Handeln nach dem „Jesus-Prinzip“

Auch Verkaufstrainer Hand weiß, dass der Umgang mit Kunden manchmal schwierig ist, besonders wenn diese aggressiv oder herablassend sind. „Ein Patentrezept, wie sich Außendienstler in solchen Situationen verhalten sollen, gibt es nicht. Wichtig ist aber ein gesundes Selbstbewusstsein und die Fähigkeit, nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Handeln Sie also nach dem Jesus-Prinzip!“ Das kann zum Beispiel heißen, sich strategisch zurückzuhalten anstatt anzugreifen. Hilfreich ist es auch, viele Fragen zu stellen und aktiv zuzuhören anstatt hauptsächlich selbst zu reden. Und noch ein Tipp: Zeigen Sie sich in Kleinigkeiten großzügig!

Ein gutes Training kann helfen, solche Strategien in die Tat umzusetzen: „Wer ein Verkaufstraining absolvieren will, sollte sich möglichst für eine maßgeschneiderte Maßnahme entscheiden, die zum Beispiel den eigenen Wissensstand, aber auch branchen- und produktspezifischen Aspekte berücksichtigt und die eigene Persönlichkeit gezielt in den Blick nimmt“, betont Hand. Offene Trainings mit Teilnehmern aus völlig unterschiedlichen Branchen und mit verschiedenen Praxisanforderungen sind deshalb nicht in jedem Fall geeignet.

„Ein guter Außendienstmitarbeiter braucht regelmäßig Input“, erklärt Vogel. Neben Trainings empfiehlt er auch Bücher, Fachartikel und Vorträge. Wer wirklich berufliches Interesse an Kommunikation hat, der liest zum Beispiel auch Zeitungsartikel über populärpsychologische Themen. Denn das kann das Verständnis für den Verhandlungspartner und damit die Erfolgschancen erhöhen.

Und noch ein Tipp zum Schluss von Dominic Hand: So wichtig Trainings auch sind, nie sollten Außendienstmitarbeiter die Natürlichkeit der Technik opfern. Eine Verhandlungstechnik ist immer nur so gut, wie sie nicht als solche zu erkennen ist. Haben Kunden das Gefühl, es mit einem trainierten Techniker zu tun zu haben, können Verhandlung schnell scheitern.

(Veröffentlicht bei der Stutgarter Zeitung, April 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Der Schreibtisch des Mitarbeiters: Die Bühne des Arbeitnehmers

Theaterbühne und Reliquienschrein in einem: Das sind die Schreibtische von Berufstätigen … und zwar weltweit. Ob aber Spielzeugautos, Plüschtiere, Grünpflanzen, iPhones oder private Fotogalerien dominieren, hängt von der Branche, dem Land und dem Geschlecht des Schreibtischinhabers ab. Das fanden Prof. Dr. Uta Brandes und Prof. Dr. Michael Erlhoff von der Köln International School of Design (KISD) heraus.

Der Schreibtisch: Die Bühne des Mitarbeiters.
Der Schreibtisch: Die Bühne des Mitarbeiters.

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Die beiden Design-Professoren untersuchten gemeinsam mit Studierenden sechs Monate lang Arbeitsplätze auf fünf Kontinenten, darunter Ländern wie etwa Deutschland, Ägypten, Brasilien, Taiwan oder Indien. Sie analysierten dabei anhand von Fotos knapp 700 Schreibtische, die in öffentlichen Verwaltungen, Designstudios, Callcentern sowie Banken und Versicherungen aufgenommen worden sind.

Der Schreibtisch als Heimat

„Der Schreibtisch ist für Arbeitnehmer in allen Ländern eine Art Heimat. Er fungiert als kleine Bühne und Ausstellungsraum. Deshalb finden sich auf ihn auf der ganzen Welt durchschnittlich mehr als ein Dutzend privater Objekte“, berichtet Brandes. Was sich konkret auf dem Schreibtisch befindet, sagt viel über das Geschlecht, die Branche und die Nationalität des Nutzers aus und ist Spiegel der eigenen Individualität und der Gesellschaft, in der der Arbeitnehmer lebt.

Manche Ergebnisse der Studie entsprechen sogar Klischees: „Frauen lieben weltweit Pastelltöne und rosa Farben am Arbeitsplatz … leider“, berichtet Brandes, die offensichtlich nicht sehr glücklich über den Geschmack ihrer Geschlechtsgenossinnen ist. Und noch etwas vereint die Arbeitnehmerinnen: „Sie haben eine enorme Sammelleidenschaft und bevorzugen dabei weiche und plüschige Objekte.“ Große Ausnahme sind Frauen, die in westlichen Designer-Büros arbeiten. Bei ihnen finden sich helle Erdfarben und das klassische iPad-Weiß.

Frauen-Schreibtische, Männer-Schreibtische

Weltweit platzieren Männer übrigens eher dunkelblaue, schwarze oder metallische Objekte auf ihren Schreibtischen, die aus härteren Materialien bestehen, etwa Spielzeugautos oder Comicfiguren. Während sich an den Trennwänden in den Großraumbüros bei Frauen häufig Fotos von Familie und Freunden sowie die künstlerischen Hochleistungen ihrer Kinder finden, stellen Männer dort lieber Sportfotos aus. Den geringsten Unterschied zwischen Männern und Frauen gibt es übrigens in New York, der Ort mit den weltweit unpersönlichsten Schreibtischen. „Das mag an den harten Arbeitsbedingungen und der dortigen Hire-and-Fire-Mentalität liegen.“

Zeige mir Deinen Schreibtisch und ich sage Dir, wo Du arbeitest: Auf diese einfache Formel lässt sich die Studie der beiden Design-Professoren bringen. So sind Arbeitsplätze in den öffentlichen Verwaltungen besonders voll. Gründe dafür sind – so Brandes – die lange Verweildauer an einem bestimmten Arbeitsplatz und der geringe Publikumsverkehr. Die nationalen Vorlieben sind dabei höchst unterschiedlich: Während in der deutschen Verwaltung Grünpflanzen dominieren, finden sich zum Beispiel auf asiatischen und südamerikanischen Schreibtischen kleine Buddhas, Shivas oder Engel.

Platzierung von Statusymbolen

Wesentlich unpersönlicher sehen da schon die Schreibtische bei Banken und Versicherungen aus … auch dort, wo kein Publikumsverkehr herrscht: „Nur wenige ausgesuchte Gegenstände werden dort platziert. Männer zeigen meist Statussymbole wie das prestigeträchtige Smartphone oder den Autoschlüssel einer teuren Marke, während Frauen auch schon mal eine Zeichnung ihres Nachwuchses oder ein Familienfoto ausstellen.“

Ähnlich übersichtlich sehen auch Schreibtische in westeuropäischen Designer-Büros aus. Auch hier ersetzen statusträchtige Autoschlüssel und aktuellste Smartphones das unübersichtliche Sammelsurium anderer Branchen. Aber nur in Europa! In Asien dagegen platzen auch die Schreibtische in der Designer-Zunft – so wie fast aller anderen Branchen – aus den Nähten. Hier findet sich eine große Zahl von Postern, Figuren, Auszeichnungen und eigener Entwürfe.

Der Wirtschaftszweig mit den unpersönlichsten Schreibtischen ist, so die Untersuchung, die Call Center-Branche. Nur Getränke und Lebensmittel machen die Büromöbel hier unterscheidbar, da Mitarbeiter in der Regel keinen eigenen Tisch haben, sondern diesen nach Dienstschluss räumen müssen. Aber selbst wenn es um die Lebensmittelauswahl geht, unterscheiden sich Männer und Frauen: Während die Herren dort üblicherweise Junk Food und süße Softdrinks ablegen, findet sich bei den Damen augenscheinlich Gesünderes wie etwa Jogurts oder Müsliriegel. Nur in der Vorliebe für Kaffee sind sich die Geschlechter einig.

Literaturtipp:
My Desk is my Castle. Exploring Personalization Cultures, Uta Brandes, Michael Erlhoff, Birkhäuser Verlag, Basel (2012), 317 Seiten, 31,99 Euro.

(Veröffentlicht bei der Berliner Zeitung, April 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Gegen den Frust am Arbeitsplatz: Seien Sie gut zu sich!

Ratgeber gegen den Frust am Arbeitsplatz gibt es viele. Doch oft verhallen die gut gemeinten Ratschläge. Horst Conen, Psychologe, Coach und Autor des Buches „Sei gut zu dir, wir brauchen dich“ kennt den Weg heraus aus der Misere: Er empfiehlt den liebevollen Umgang mit sich selbst – das Take-Care-Prinzip.

Was gegen den Frust im Job helfen kann.
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„Selbstfürsorge ist für viele Berufstätige wie ein Fremdwort“, berichtet Conen. Der Hinweis, sich selbst etwas Gutes zu tun, verpufft meist ergebnislos. Im Gegenteil: Oft erhöhen die Beschäftigten selbst den Druck, zum Beispiel durch überhöhte Ansprüche an sich selbst und ungute Verhaltensmuster wie etwa Perfektionismus.

Besser mit sich umgehen

„Es gab noch nie so viele psychosomatische Krankheiten wie im vergangenen Jahr, die durch Stress im Berufsalltag entstanden sind“, betont Conen. Wer aber mit sich selbst besser umgeht, erhöht nicht nur seine Lebensqualität und ist gesünder, sondern ist häufig auch leistungsstärker und erfolgreicher.

Der Coach empfiehlt nicht in erster Linie Sport oder ein Wellness-Wochenende, sondern Selbstreflexion: „Ohne diese sind Berufstätige nach einer Auszeit ganz schnell wieder genauso gestresst wie vorher.“ Eine Frage kann dabei helfen: „Was sind die negativen Glaubenssätze, nach denen ich handle?“ Solche Sätze sind zum Beispiel: „Du bist eine Enttäuschung“ oder „Das schaffst Du nie“. In der Regel haben Menschen, die von solchen Sätzen geprägt sind, überzogene Ansprüche an sich selbst. „Besser ist es aber, diese negativen Botschaften ins Positive zu wenden. Machen Sie sich also lieber bewusst, dass Sie okay sind! Denn wer sich selbst mag und nicht abwertet, muss sich auch nicht ständig selber etwas beweisen.“ So setzt man sich selbst weniger unter Druck und behandelt man sich wohlwollender.

Take-Care-Prinzip

Zum Take-Care-Prinzip gehört auch, sich im Alltag kleine Inseln der Erholung zu schaffen: „Gestressten Klienten rate ich eine halbe Stunde früher aufzustehen. So haben sie noch etwas Zeit für sich. Lauschen Sie zum Beispiel in dieser Zeit auf die Stille, zünden Sie eine Kerze an oder schauen Sie aus dem Fenster“, betont Conen. „Wer auf diese Weise ruhig und gelassen den Tag beginnt, schafft einen Puffer zwischen sich und dem Alltagsstress! Das ist eine Investition in Ihre innere Balance!“

Conen kennt noch andere solcher Investitionen. So empfiehlt er zum Beispiel Berufstätigen, ihren Eigensinn zu bewahren und zu kultivieren. „Studien haben herausgefunden, dass Exzentriker oft gesünder als ihre nichtexzentrischen Mitmenschen sind. Schmettern Sie also im Sommer Weihnachtslieder, wenn das zum Beispiel ein Spleen von Ihnen ist und es einfach Spaß macht.“

Wer gut für sich selbst sorgen will, sollte nicht auf Negatives fokussiert sein, sondern lernen, das Positive im Leben wahrzunehmen. Conens Tipp: Stecken Sie eine Handvoll trockener Bohnen in Ihre rechte Hosentasche. Immer, wenn Sie etwas Schönes erlebt haben, ob nun das Lächeln einer Kollegin oder die Regenpause auf dem Heimweg, lassen Sie eine Bohne von der rechten in die linke Hosentasche wandern. So bemerken Sie, wie viele schöne Momente es jeden Tag gibt.

Innerer Abstand

Für alle, die unter ihren schwierigen Kollegen und Chefs leiden, hat der Coach ebenfalls einen Rat parat: „Versuchen Sie es mal mit innerem Abstand! Fühlen Sie sich nicht persönlich angesprochen, sondern sehen Sie sich einfach als Touristen, der sich über das merkwürdige Verhalten dieser Menschen wundert.“

Außerdem empfiehlt Conen, einen Freundschaftsvertrag mit sich selbst abzuschließen, der zum Beispiel den Umgang mit sich selbst oder mit den eigenen Lebensträumen regelt. „Wer diesen Vertrag immer mal wieder hervorholt, verirrt sich nicht ständig in Nebensächlichkeiten, sondern behält seine wahren Ziele im Blick.“

Literaturtipp:
Horst Conen: Sei gut zu dir, wir brauchen dich. Vom besseren Umgang mit sich selbst, Campus, Frankfurt/Main 2011, 262 Seiten, 19,99 Euro, ISBN: 978-3-593-39543-2

(Veröffentlicht bei GMX.de, März 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Business-Knigge: Welcher Händedruck-Typ sind Sie?

Der Händedruck: Ein klassisches Begrüßungsritual … zumindest in der westlichen Welt. Die Geste sagt oft mehr als viele Worte. Benimm-Trainerin Marlies Smits aus dem norddeutschen Großhanddorf erklärt, wie sie zu deuten ist.

Was ein Händedruck bedeuten kann.
Was ein Händedruck bedeuten kann.

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Der Quetscher:

Manche Berufstätige lieben es, mit großem Kraftaufwand die Hand des Anderen zu drücken. Das kann soweit gehen, dass dieser am liebsten einen Aufschrei des Entsetzens loswerden möchte. Gerade für jene, die Ringe tragen, kann ein allzu fester Handschlag schnell zum schmerzhaften Erlebnis werden. „Der Quetscher demonstriert seine Macht“, betont Smits. „Er signalisiert: Ich bin ein handfester Typ und kein Weichei.“ So ist also das Quetschen ein Statement, das von großem Selbstbewusstsein zeugt … oft auf Kosten des Begrüßten. „Wer so handelt, dem fehlt das Gespür für seine Umgebung.“

Es gibt allerdings eine Ausnahme: Wenn der Begrüßende die Hand seiner Kontaktperson nur halb zu fassen bekommt, kann schon aus einem normalen festen Händedruck eine unangenehme Erfahrung werden. In diesem Fall ist der „Quetscher“ unschuldig. Smits‘ Tipp: Wer die Hand seines Gegenübers nicht richtig greift, sollte lieber nachfassen. Vielleicht mit einem freundlichen und launigen Kommentar wie „Jetzt noch einmal richtig!“

Der Schulterklopfer:

Noch dominanter als der Quetscher ist der Schulterklopfer. Denn wer seinen Zeitgenossen die Hand auf die Schulter oder den Arm legt, demonstriert noch deutlicher seine Macht. Er zeigt, dass er das Sagen hat und im Status über dem Anderen steht. „Viele ranghohe Politiker reagieren auf diese Geste ihrerseits mit einem Schulterklopfen. So neutralisieren sie den Machtanspruch des Anderen“, erklärt Smits. Wer sich also nicht dominieren lassen will, sollte es so wie die Politiker machen und die Geste erwidern!

Der Schüttler:

Der Schüttler praktiziert einen ungewöhnlich langen Handschlag. Damit das nicht so auffällt, wird die Hand der Kontaktperson die ganze Zeit geschüttelt. Meist wird dieses „Händeschütteln“ noch von einem Wortschwall begleitet. Im Gegensatz zum Quetscher ist diese Form des Händeschüttelns kein Ausdruck eines Dominanz- und Machtverhaltens. Ganz im Gegenteil: Wer Hände schüttelt will eine gleichberechtigte Beziehung. Smits: „Es handelt sich hier in der Regel um einen fröhlichen und kommunikativen Menschen, der mit seinem Händedruck Sympathien erwerben will.“ Doch kommt auch dieser Arbeitnehmer bei seinen Kollegen oft nicht so gut an. „Viele empfinden den überlangen Händedruck als übergriffig, weil das Bedürfnis nach Distanz verletzt wird.“ Smits‘ Tipp: Schütteln Sie nie länger als drei Sekunden die Hand Ihres Gegenübers!

Der tote Fisch:

Dieser Händedruck ist das Gegenteil einer dominanten Begrüßungsgeste: Er wirkt passiv und leblos. Dies wird im Businessalltag fast genauso negativ empfunden wie ein zu machtvolles Auftreten. Schließlich wirkt so ein Handschlag weder tatkräftig noch engagiert. „Wer einen zu schlaffen Händedruck hat, dem wird Desinteresse und mangelndes Selbstbewusstsein unterstellt“, erklärt Smits. Doch Vorsicht: Kommt ein Geschäftspartner aus einem anderen Kulturraum wie zum Beispiel Ostasien, sollten seine Gesprächspartner keine falschen Schlüsse ziehen. Da dort der Handschlag unüblich ist, wird er sanfter ausfallen als unter Europäern.

Der optimale Handschlag:

Er ist trocken, kräftig, kurz und ohne ausdauerndes Schütteln. Der Begrüßte fühlt sich dabei einfach wohl. Deshalb gehören auch der Blickkontakt und ein freundliches Lächeln dazu. Der Händedruck sollte die Begegnung auf Augenhöhe unterstreichen. Er darf keine Geste der Dominanz oder Unterwerfung sein. Smits: „Das richtige Maß und ein Gespür für die Bedürfnisse des Anderen sind Grundvoraussetzungen, um gleich bei der Begrüßung einen positiven Eindruck zu hinterlassen!“

(Veröffentlicht bei GMX.de, Februar 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Vorsicht bei der Jobsuche: So finden Sie den passenden Arbeitgeber!

Die falsche Arbeitgeber-Wahl kann schnell zum Problem werden. Deshalb gilt: Suchen Sie ein Unternehmen, das zu Ihnen passt!

Wie Sie den passenden Arbeitgeber finden.
Wie Sie den passenden Arbeitgeber finden.

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„Die Frage nach dem richtigen Arbeitgeber stellt sich nicht nur für hochqualifizierte Arbeitnehmer oder in Zeiten eines freundlichen Arbeitsmarktes. Denn eine falsche Arbeitgeber-Wahl wirkt sich immer negativ aus“, berichtet Doris Reif-Woelki, Pressesprecherin der Arbeitsagentur Stuttgart. So sehe eine Kündigung in der Probezeit in keinem Lebenslauf gut aus. „Bei jeder darauffolgenden Neueinstellung werden Sie gefragt, was los war. Dann kommen Sie eventuell in Erklärungsnot.“ Deshalb empfiehlt sie allen Bewerbern, nicht wahllos zu suchen. Bei Akademikern und anderen Hochqualifizierten gelte das natürlich in einem besonderen Maß.

Aktionismus meist nicht zielführend

„Wer den passenden Arbeitgeber finden will, sollte seine Suche als Prozess verstehen und damit so früh wie möglich beginnen“, betont Heinz-Wilhelm Seegers, Berater im Team „Akademische Berufe“ bei der Arbeitsagentur Stuttgart. „Ad hoc-Aktionismus ist meist nicht zielführend!“

Am Anfang steht nicht die Suche nach einem Arbeitsplatz, sondern der Blick auf sich selbst. Seegers rät, sich über seine fachlichen und persönlichen Eignungen, Neigungen und Fähigkeiten klar zu werden. Da die Passgenauigkeit zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber nicht nur von fachlichen Fähigkeiten, sondern auch von weichen Faktoren abhängt, empfiehlt er Bewerbern, sich folgende Fragen zu stellen: „Wie ticke ich? Bin ich extrovertiert oder in mich gekehrt? Bin ich Teamplayer oder Einzelgänger, karriere- oder freizeitorientiert? Werde ich gerne geführt oder führe ich lieber? Bin ich ein Motivator, Umsetzer oder ein akribischer Analytiker?“

Auch berufliche Rahmenbedingungen sollten Jobsuchende mitbedenken. Wie wichtig sind dem Bewerber zum Beispiel geregelte Arbeitszeiten oder ein hohes Gehalt? Ist er bereit, an wechselnden Arbeitsorten zu arbeiten oder bevorzugt er einen gleichbleibenden Ort? Hat er bestimmte Wunschvorstellungen über seinem Arbeitgeber, zum Beispiel über seine Reputation, Führungsstil, Arbeitsklima oder Dresscode? Sind alle diese Frage beantwortet, lässt sich daraus in der Regel ein klares Profil ableiten. In einem nächsten Schritt geht es dann darum, zu welcher Firma und zu welchem Arbeitsplatz dieses Profil passt.

Sich ein Bild von der Zielbranche machen

„Für Berufseinsteiger und Berufs- sowie Branchenwechsler ist es gar nicht so leicht herauszufinden, zu welchem Unternehmen sie wirklich passen“, betont der Stuttgarter Bewerbungscoach Thomas Goetze. „Denn sie haben kein vertieftes Wissen über ihre Zielbranche und deren Unternehmen. Das ist bei branchenerfahrenen Bewerbern anders.“ Umso wichtiger ist es, sich ein umfassendes Bild von den Betrieben zu machen, bei denen sich der Jobsuchende bewerben will. „Verlassen Sie sich nicht allein auf die Selbstdarstellung in Unternehmensbroschüren und im Internet, sondern nutzen Sie möglichst vielfältige Informationskanäle, wie zum Beispiel Presseartikel, Blogeinträge oder Erfahrungsberichte in Sozialen Netzwerken.“

Seegers: „Besuchen Sie auch die verschiedenen Bewertungsportale wie etwa kununu.de oder jobvoting.de. Hier bewerten Mitarbeiter ihre Unternehmen. So erfahren Sie auch etwas über die Schwächen der Firmen.“ Neben der Internetrecherche legt der Berater Bewerbern auch die Informationssuche im realen Leben ans Herz: „Sprechen Sie mit Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern aus Ihrem Bekanntenkreis und befragen sie diese nach ihrer Erfahrung.“

Auch bei der Arbeitsagentur können Bewerber zusätzliche Informationen über Arbeitgeber bekommen: „Wir erhalten häufig von ehemaligen Beschäftigten und Bewerbern Rückmeldungen zu Unternehmen. Wenn wir hier verdichtete positive oder negative Erkenntnisse haben, geben wir diese gerne weiter“, so Seegers.

Auf die innere Stimme hören

Wer den richtigen Arbeitgeber für sich finden will, sollte sich aber nicht nur auf das Urteil Anderer verlassen, sondern auch selber auf die verbale und nonverbale Kommunikation des Unternehmens achten und auf seine innere Stimme hören. „Wird Ihnen zum Beispiel während des Bewerbungsverfahrens auf Augenhöhe begegnet? Kommuniziert Ihr Gegenüber respektvoll mit Ihnen oder vermissen Sie Signale der persönlichen Wertschätzung? Die Antworten auf diese Fragen verraten Ihnen, wie wohl Sie sich bei diesem Unternehmen fühlen“, so Götze. Und dieses Bauchgefühl ist ein wichtiger Hinweis darauf, ob das Unternehmen zu Ihnen passt.

Auch während eines Praktikums oder einiger Probearbeitstage können sich Bewerber ein Bild vom Betrieb zu machen. „Achten Sie in dieser Zeit darauf, wie es um das Arbeitsklima und die Mitarbeiterorientierung im Unternehmen bestellt ist“, so Seegers.

Hinweise im Bewerbungsverfahren

Der Karrierecoach und Autor des Buches „Ich arbeite in einem Irrenhaus“ Martin Wehrle kennt noch weitere aussagekräftige Hinweise im Bewerbungsverfahren: „Besonders wichtig ist die Stellenanzeige: Wie oft ist sie zum Beispiel erschienen? Wenn dieselbe Stelle alle drei, vier Monate wieder angeboten wird, ist etwas faul. Das kann auf überzogene Ansprüche des Chefs hindeuten. Oder auf eine schlechte Einarbeitung. Jedenfalls scheint es dort niemand lange auszuhalten.“

Wie offen eine Firma ist, können Bewerber schon daran sehen, so Wehrle, ob in der Ausschreibung ein Ansprechpartner mit Telefonnummer genannt ist und sie eingeladen werden, die Firma mit Fragen zu kontaktieren. „Ist das nicht der Fall, sind Fragen offenbar unerwünscht. Das deutet auf schlechte Kommunikation hin.“

Der Buchautor empfiehlt, auch die Kommunikation im Bewerbungsgespräch genau zu analysieren: „Achten Sie zum Beispiel darauf, ob Ihr Gesprächspartner Ihren Lebenslauf überhaupt kennt.“ Wenn der Personaler fragt, ob der Bewerber auch mal im Ausland war, obwohl das aus den Unterlagen hervorgeht, dann ist er einfach schlecht vorbereitet. „Das ist ein Ausdruck der Geringschätzung.“ Genauso wichtig ist die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander: „Wie gehen die Gesprächsführer miteinander oder mit der Sekretärin um, die den Kaffee bringt? Wenn hier ein rauer Ton herrscht, weiß der Bewerber genau, was ihn später erwartet.“ Jetzt muss er sich fragen, ob er sich in einem solchen Betriebsklima wohlfühlen wird und in der Lage ist, seine volle Leistung zu bringen.

(Veröffentlicht bei Stuttgarter Zeitung, Februar 2012)
(Copyright 2012 by Anja Schreiber)

Teamarbeit konstruktiv gestalten: Mitglied einer Mannschaft

Die Arbeit im Team: Viele Mitarbeiter erleben sie als ineffizient. Sie vermissen oft Anerkennung und leiden unter ihren Kollegen. Wissenschaftler und Berater suchen nach Wegen, wie Firmen Teamarbeit konstruktiv gestalten können.

Wie Sie Teamarbeit konstruktiv gestalten können.
Wie Sie Teamarbeit konstruktiv gestalten können.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

„Nicht die Teamarbeit ist das eigentliche Problem, sondern die Tatsache, dass Teamarbeit nicht zu jeder Aufgabenstellung passt“, erklärt der Wirtschafts- und Organisationspsychologe Prof. Dr. Guido Hertel von der Universität Münster. Für seine Forschungsarbeit zu diesem Thema sind ihm von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gerade 320.000 Euro bewilligt worden. „Auch fehlende Anerkennung demotiviert Teammitglieder, weil die eigene Leistung in der Gruppe untergeht“, so Hertel. Er untersucht, unter welchen Rahmenbedingungen Teamarbeit bereichernd wirken kann. Seine Studien belegen, dass neben der Anerkennung der Leistung vor allem auch soziale Verantwortung zu zusätzlicher Bereitschaft führt, sich im Team anzustrengen.

Unverzichtbar sein: eine starke Motivation

„Das Gefühl, unverzichtbar für ein Team zu sein, ist eine starke Motivation“, erklärt Hertel. Aber genau diese Erkenntnis wird bei der Zusammenstellung von Arbeitsgruppen oft nicht berücksichtigt. „So werden dann in Forschungsabteilungen Teams paritätisch besetzt. Statt fünf Mitglieder werden 20 berufen.“ Die Folge: Die meisten Mitglieder fühlen sich überflüssig und halten sich aus der Arbeit heraus. Das wiederum demotiviert auch die Leistungsträger. Deshalb entscheidet bereits eine intelligente Zusammensetzung des Teams häufig über dessen Erfolg. Sein Tipp: Besondere Qualifikationen der Mitarbeiter sollten nicht doppelt vorhanden sein. Denn so weiß jeder, dass es auf sein Expertenwissen ankommt … und das motiviert!

Jeder der Teammitglieder sollte außerdem durchschauen, welche Auswirkungen seine Teilleistung auf die Arbeit der Anderen hat. Bei großen Gruppenaufgaben empfiehlt deshalb Hertel, diese in kleine Verantwortungsbereiche aufzuteilen und den Aufgabenverlauf transparent zu gestalten. „Dadurch wird jedem deutlich: Wenn jemand seine Aufgabe nicht erledigt, werden auch alle Anderen scheitern.“

Aktuell untersucht Hertel, wie stabil Motivationsgewinne durch Teamarbeit auf Dauer sind oder ob sie sich am Ende doch kontraproduktiv auswirken, weil sich Mitarbeiter übernehmen. „Wenn sich Mitarbeiter für unersetzlich halten, kann das auch zur Demotivation der anderen Gruppenmitglieder führen.“

Ineffizienz als häufiges Problem

Svenja Hofert, Karrierecoach aus Hamburg und Mitautorin des Buches „Ich hasse Teams“, kennt die Auswirkungen der Teamarbeit auf Arbeitnehmer: „Am häufigsten beklagen Mitarbeiter, dass Ziele nicht eingehalten oder ineffizient umgesetzt werden. Auch in der Gruppen-Kommunikation und in unproduktiven Meetings sehen sie häufig ein Problem.“ Als besonders schwierig empfänden Mitarbeiter, dass Termine nicht eingehalten würden, dass Zuständigkeiten nicht geklärt seien und Informationen nicht ausreichend fließen würden. So das Ergebnis einer Befragung, die Hofert gemeinsam mit ihrem Co-Autor Thorsten Visbal 2010 durchgeführt hat. „Auch der Egoismus der Teammitglieder macht die Arbeit in Gruppen schwierig.“

Vorteile von hetrogenen Teams

Prof. Dr. Eric Kearney weiß als Hochschullehrer für Organizational Behavior und Human Resource Management an der Gisma Business School der Leibniz Universität Hannover, warum Teamarbeit oft als so problematisch empfunden wird: „Damit innovative Ideen entstehen können, brauchen Unternehmen heterogene Teams. Aber gerade diese Arbeitsgruppen haben häufig Kommunikationsprobleme.“ Altersunterschiede, unterschiedliche Persönlichkeitstypen, fachliche Ausrichtungen und Bildungsgrade sowie divergierende kulturelle Prägungen der Teammitglieder führen zu Konflikten. Dies erklärt Kearney so: „Personen, die sich ähnlich sind, finden sich in der Regel sympathisch. Sie verstehen sich besser als sehr unterschiedlich veranlagte Menschen.“

Hochschullehrer Kearney empfiehlt Unternehmen, diese Tatsache bei der Teambildung mitzubedenken. Sein Tipp: Nicht für jede Aufgabe brauchen Firmen heterogene Teams. Sinnvoll ist es also, im Vorfeld zu klären, wie komplex die Aufgabe ist und danach die Gruppenmitglieder auszuwählen. „Bei einfacheren Aufgaben führen homogene Teams zu schnelleren Ergebnissen, während heterogene Gruppen oft innovativer sind, da das Spektrum der Ideen größer ist.“ Bei großem Zeitdruck warnt der Wissenschaftler ebenfalls vor einer zu heterogen besetzten Arbeitsgruppe.

Auch die Berlinerin Stefanie Heizmann, Bereichsleiterin beim Personalberatungsunternehmen „von Rundstedt HR Partners“, weiß um die Problematik heterogener Teams: „Oft sehen Mitarbeiter nicht die Vorteile, die Einzelne mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten für das Team bringen. Sie verstehen nicht, wie gut es ist, dass es im Team Kreative und Macher, aber auch Menschen mit hohen sozialen Fähigkeiten gibt.“ Deshalb besteht Heizmanns Aufgabe oft darin, den Gruppenmitgliedern diese gegenseitige Wertschätzung zu vermitteln. Sie erklärt zum Beispiel Ingenieuren, wie wichtig es ist, dass es unter ihnen auch ein kommunikativ begabtes Teammitglied gibt, das die Arbeitsergebnisse der Gruppe gut präsentieren kann.

Begegnen sich die Mitarbeiter untereinander mit Wertschätzung, ist meist schon ein großes Problem gelöst. „Denn häufig leiden schlecht funktionierende Gruppen an der gestörten menschlichen Beziehung ihrer Mitglieder. Deshalb blockieren sie zum Beispiel Vorschläge. Die Aufgabe von Teamleitern ist es, solche Konflikte auf den Tisch zu bringen und nicht schwelen zu lassen“, so Heizmann.

Das Klima ist entscheidend

Damit Teams wirklich erfolgreich arbeiten können, müssen aber noch andere Faktoren stimmen. Dazu gehören zum Beispiel eine kompetente Leitung und flache Hierarchien. „Teams nützen nichts, wenn der Ranghöchste mehr Gewicht hat als andere Gruppenmitglieder, deren Ideen dann womöglich nicht angemessen Gehör finden“, erklärt Kearney. „Das Klima ist entscheidend für den Erfolg.“

Und noch etwas muss stimmen: Arbeitsgruppen brauchen ein klar definiertes Ziel. Heizmann: „Bei problematischen Teams ist oft nicht klar, wozu sie eigentlich gut sein sollen. Wenn es aber keine klare Zielsetzung gibt, kann es auch keinen Erfolg geben!“

 

Infokasten:

Frauen bevorzugen Teamarbeit … zu dieser Erkenntnis kommt eine im November vom Bonner Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) veröffentlichte Studie. Danach setzen Frauen im Job häufiger auf Kooperation, während Männer bevorzugt als „Einzelkämpfer“ ihr Geld verdienen. Männer entscheiden sich oft nur dann freiwillig für Teamarbeit, wenn sie daraus einen konkreten materiellen Vorteil erzielen können.

Im Rahmen eines Laborexperiments ließen Verhaltensökonomen an der Universität Lyon 174 männliche und weibliche Probanden gegen Bezahlung verschiedene Aufgaben lösen. Im Versuchsverlauf konnten die Teilnehmer wählen, ob sie nach Einzel- oder Teamleistung entlohnt werden wollten. Ergebnis: Insbesondere leistungsfähige Männer entschieden sich für die Einzelarbeit, während Frauen – unabhängig vom eigenen Leistungsniveau – die Teamvariante wählten. Die Forscher haben für dieses Verhalten drei Gründe herausgearbeitet: Frauen schätzen die Leistung ihrer Mitstreiter weniger pessimistisch ein als Männer und legen mehr Wert auf die sozialen Aspekte des Arbeitens, etwa das faire Teilen des gemeinsam erwirtschafteten Gewinns. Außerdem sind Männer empfänglicher für materielle Anreize: Sie entschieden sich im gleichen Maße für Teamarbeit wie Frauen, wenn der im Team erzielbare Stücklohn nur geringfügig höher war.

Mit dem Thema Teamarbeit beschäftigt sich auch eine repräsentative Umfrage der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga), die in diesem Jahr veröffentlicht wurde. Dabei stand das Thema Altersunterschiede im Blickpunkt. Ergebnis: Wenn Beschäftigte Altersunterschiede in ihrem Team stark wahrnehmen und Diskriminierung erleben, hat das negative Auswirkungen auf ihre Gesundheit. Die Umfrage zeigt auch, dass Mitarbeiter kleiner Unternehmen weniger häufig von Ungleichbehandlungen und Diskriminierungen aufgrund des Alters berichten als Mitarbeiter in größeren Unternehmen. Sie haben im Durchschnitt auch einen besseren Gesundheitszustand als die Beschäftigten in mittelständischen und Großunternehmen. Die meisten Vorurteile gegenüber Älteren zeigen sich bei jüngeren Mitarbeitern bis 40 Jahren.

Mit zunehmendem Alter der Mitarbeiter nimmt auch die Wertschätzung altersgemischter Teams zu. Auch in dieser Studie zeigen sich die Frauen als sozial kompatibler: Sie haben weniger Vorurteile und sehen eher die positiven Effekte altersgemischter Gruppen.

Literaturtipp:
Ich hasse Teams! Wie Sie die Woche mit Kollegen überleben: Svenja Hofert, Thorsten Visbal, Eichborn, Frankfurt/Main (2010), 176 Seiten, 12,95 Euro.

Internettipp:
Wirtschafts- und Organisationspsychologie an der Universität Münster: www.uni-muenster.de/OWMS/

(Veröffentlicht bei Berliner Zeitung, Dezember 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Empfindsame Mitarbeiter im Berufsalltag: Zart besaitet!

Zart besaitete Arbeitnehmer haben es schwer: Sie fühlen sich oft angegriffen und sind schnell beleidigt. Und auch ihre Kollegen haben es nicht leicht, denn sie treten bei ihnen oft in Fettnäpfe. Doch mit einem ordentlichen Maß an Selbsterkenntnis und ein bisschen Einfühlungsvermögen und Verständnis füreinander klappt auch das Miteinander von feinfühligen und emotional robusteren Kollegen und Chefs.

Empfindsame Mitarbeiter im Berufsalltag.
Empfindsame Mitarbeiter im Berufsalltag.

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„Zart besaitete Mitarbeiter leiden meist besonders an vermeintlicher Kritik“, berichtet die Münchnerin Irene Becker, die als Coach und Buchautorin im Bereich Personal- und Persönlichkeitsentwicklung arbeitet. „Bei der kleinsten Beanstandung fühlen sich diese Menschen komplett abgelehnt.“ Das Problem sind oft die Gedanken: Empfindsame Menschen entwickeln häufig Horrorfantasien. So wird zum Beispiel in einen scheinbar verächtlichen Blick sehr viel hineininterpretiert. Der Betroffene rechnet dann schnell mit dem schlimmsten. Das ist weder für ihn noch für sein berufliches Umfeld angenehm.

Den Gedankenkreislauf durchbrechen

Empfindsamen Berufstätigen empfiehlt Becker deshalb, ganz bewusst diesen Gedankenkreislauf zu durchbrechen und die eigenen Horrorfantasien wie Kündigung oder dauerhafte Feindschaft kritisch zu beleuchten. „Fragen Sie sich, auf was sich die Kritik oder Ablehnung genau beziehen könnte“, betont Becker. Gegen Horrorfantasien helfen auch andere Fragen: Wie groß ist das Problem wirklich? Was sagt mir meine Lebenserfahrung und mein gesunder Menschenverstand? Wie rational sind meine Ängste und Befürchtungen? Wer sich diese Fragen ernsthaft beantwortet, wird oft feststellen, dass er selbst emotional überreagiert hat. „Wer seine eigenen Gefühle überdenkt, ist in der Regel auch in der Lage, sie zu beeinflussen.“

Vielleicht fragt sich jetzt der eine oder andere, warum er überhaupt seine Gefühle beeinflussen soll, anstatt in ihnen zu schwelgen. Becker kennt ein triftiges Argument: „Das tun Sie für sich selbst!“ Denn wer sich über die Kränkungen vonseiten seiner Kollegen oder Vorgesetzten aufregt, der schadet sich in erster Linie selber. Schließlich können solche Gefühle ihm den Job vermiesen, während der eigentliche „Übeltäter“ das vielleicht noch nicht einmal merkt.

Selbstbestimmt mit Kränkungen umgehen

Becker: „Sie bestimmen selbst, wie wichtig Ihnen eine vermeintliche Kränkung ist.“ Beispiel: Wenn sich ein bestimmter Kollege im Ton vergreift, den sie überhaupt nicht schätzen, müssen sie nicht unbedingt tief verletzt sein. Sie könnten auch anders reagieren: Da sie mit dem besagten Kollegen sowieso kein freundschaftliches Verhältnis anstreben, ist Ihnen sein Verhalten egal!

Und noch ein Tipp von der Trainerin und Buchautorin: Kommen Sie sich selbst auf die Spur! „Vielleicht können Sie den scheinbar abschätzigen Blick eines Kollegen deshalb nicht ertragen, weil Ihr ehemaliger Mathelehrer – unter dem Sie so gelitten haben – auch so geschaut hat.“ Wenn dem so ist, sollten Berufstätige das herausfinden. Schließlich kann der Kollege nichts für diese Traumatisierung. Wer sich selbst besser versteht, kann auch Konflikte im Job vermeiden.

Doch nicht nur die besonders empfindsamen Berufstätigen sollten an sich arbeiten, sondern auch ihr berufliches Umfeld. „Wenn jemand aggressiv wird oder die Kommunikation abbricht, kann das ein Anzeichen für eine Kränkung sein“, betont Becker. Bei zart besaiteten Mitarbeitern reichen oft schon Kleinigkeiten wie eine unbedacht geäußerte Kritik, um sie erheblich zu kränken. Deshalb rät Becker den Chefs und Kollegen zu einer passgenauen Kommunikation: „Wer Kritik äußern muss, sollte vorher den Betreffenden loben. Zeigen Sie ihm, dass Sie ihn als Menschen und seine Arbeit grundsätzlich schätzen. Natürlich sollte das auch ernst gemeint sein.“ Erst danach empfiehlt es sich, die Kritik zu platzieren, die möglichst konkret formuliert sein sollte. Pauschale Beschuldigungen sind hier fehl am Platze. „Idealerweise beenden Sie das Gespräch mit einem positiven Ausblick. Sagen Sie zum Beispiel: Damit wir auch weiterhin so gut zusammenarbeiten, sollten wir das Problem lösen.“ Wer so kommuniziert, zeigt seinem Gegenüber, dass er nichts Grundsätzliches gegen ihn hat. Und das macht es einem zart besaiteten Mitarbeiter leichter, die Kritik anzunehmen.

Literaturtipp:
Irene Becker: Endlich Rose statt Mimose, Wie Sie lernen, nicht alles so schwer zu nehmen, Goldmann Verlag,304 Seiten, 7,95 Euro, ISBN: 978-3442170654

(Veröffentlicht bei GMX.de, Dezember 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Gut vorbereitet: Weihnachtsfeier im Job

Es wird höchste Zeit, an die Weihnachtsfeier im Betrieb zu denken. Doch was kommt bei den lieben Kollegen gut an? Was wirkt verschlafen, altbacken oder im schlimmsten Fall peinlich? Benimm-Expertin Marlies Smits aus Großhansdorf bei Hamburg hat ein Gespür für Trends und gelungene Überraschungen.

 Tipps für eine gelungene Weihnachtsfeier.
Tipps für eine gelungene Weihnachtsfeier.

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Es muss nicht immer das Gleiche sein

In den allermeisten Fällen ist eine Weihnachtsfeier eine Einladung zum Abendessen. Doch das ist keine Muss. Deshalb empfiehlt Marlies Smits auch unterhaltsame Alternativen: „Wie wäre es, wenn Sie mit Ihren Kollegen gemeinsam kochen, eine Weinprobe besuchen oder einen Pralinenkurs absolvieren? Auch ein Abend auf einer Go-Kart-Bahn oder im Theater mit anschließendem gemütlichem Ausklang ist eine gelungene Abwechslung.“ Der Vorteil solcher Aktivitäten liegt auf der Hand: Die Mitarbeiter erleben zusammen etwas Schönes und können gemeinsame Interessen entdecken. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl.

Der Weihnachtsmann kommt

Bei vielen Weihnachtsfeiern gehört er einfach dazu: Der Auftritt des rotgewandeten Mannes mit weißem Rauschebart. Doch ob der Auftritt gelingt oder vor Peinlichkeiten strotzt, hängt vom Feingefühl des Darstellers ab. „Wer die Aufgabe des Weihnachtsmanns übernimmt, sollte sich vorher genau überlegen, was er zum Besten gibt. Er sollte nur das über Andere verkünden, was er auch selbst gern über sich hören würde“, so Smits. Deshalb warnt sie auch vor einem Nikolaus, der über die Unzulänglichkeiten der Kollegen schwadroniert. „Viel besser kommt es an, wenn der Weihnachtsmann die Beschäftigten lobt, zum Beispiel, dass ein bestimmter Kollege immer das Kopierpapier nachfüllt.“

Nicht über 20 Minuten

Reden gehören bei vielen Weihnachtsfeiern einfach dazu. Und auch hier macht der Ton die Musik. Schließlich soll der Vortrag bei den Zuhörern gut ankommen und keinen fahlen Nachgeschmack hinterlassen. Smits empfiehlt dem Redner, seine Ansprache kurz und knackig zu halten. „Länger als 20 Minuten darf eine Rede nicht dauern. Vergessen Sie auch nicht, sich für die geleistete Arbeit zu bedanken.“ Inhaltlich bietet sich für so einen Vortrag ein Jahresrückblick an. „Natürlich ist Negatives tabu. Sprechen Sie lieber über die Highlights im Unternehmen oder über lustige Begebenheiten.“

Vorsicht Spiele!

Auch wenn manch ein Kollege nichts lieber tut: Bei Spielen ist Vorsicht angebracht. Denn nicht jeder Zeitvertreib kommt bei allen gleich gut an. „Vermeiden Sie alles, was peinlich werden kann, wie etwa Wetttrinken, Strippoker oder Tabledance-Einlagen“, betont Smits. Gut kommen dagegen in der Regel Quizfragen an, die Mitarbeiter gemeinsam oder allein auf ausgeteilten Fragebögen beantworten können. Wenn dann noch ein kleiner Preis lockt, macht es Vielen sicher noch mehr Spaß!

Wichteln mal anders

Der Julklapp gehört bei weihnachtlichen Feiern ebenfalls zu den Klassikern. Doch oft nervt die Beteiligten die Tatsache, dass sie in der stressigen Adventszeit auch noch dafür Besorgungen machen müssen. Aber Wichteln geht auch anders: Wie wäre es zum Beispiel mit „Gräulichwichteln“? Jeder bringt dabei das zum Julklapp mit, was er so gar nicht mag und was bisher im Keller oder in der Abstellkammer sein Dasein fristen musste. Dann wird gewürfelt und der Zufall entscheidet, wer was mit nach Hause nimmt. Auch Werbegeschenke wie Kalender lassen sich so weitergeben!

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Geht es dann auf das Ende der Veranstaltung zu, ist ein kleines Präsent zum Abschied eine gute Idee. Smits: „Werden Geschenke gleich am Beginn der Feier verteilt, weiß keiner so recht, wo er sie hinlegen soll. Aber über eine kleine Gabe zum Abschluss wie leckeres Marzipan oder einen Taschenkalender werden sich die Gäste sicher freuen!“

(Veröffentlicht bei GMX.de, November 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)

Schlechte Laune muss nicht sein: Wider die Herbstdepression

Gereizte Kollegen und Übellaunigkeit im Büro… kennen Sie das aus Ihrem Berufsalltag? Haben Sie sich schon mal gefragt, ob Sie dieser negative Stimmung etwas entgegensetzen können? Experten kennen Strategien, die Ihnen helfen, sich vor der schlechten Laune Anderer zu schützen.

Sich vor der schlechten Laune Anderer schützen.
Sich vor der schlechten Laune Anderer schützen.

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„Das Problem bei der schlechte Laune ist: Sie ist ansteckend. Wenn fünf Kollegen gute Laune haben und lediglich einer schlecht drauf ist, dann wird dieser eine die fünf anderen herunterziehen. Also reicht bereits ein schlecht gelaunter Kollege aus, um die Anderen zu demotivieren“, berichtet Klaus Merg, Managementtrainer und Coach aus der Nähe von Augsburg. „Außerdem sind wir Deutschen ein Volk, das gerne klagt.“ Das werde insbesondere im internationalen Vergleich deutlich. So sähen zum Beispiel Amerikaner Probleme als Herausforderung. Diese Einstellung sei in Deutschland weit weniger verbreitet.

„Wie ich mit der schlechten Stimmung Anderer umgehe, hängt in erste Linie von meiner eigenen Entscheidung ab“, betont der Managementtrainer. „Ich muss mich fragen, ob ich mich von meinem Umfeld beeinflussen lasse oder ob ich selbst mein Umfeld präge. Anders gesagt: Will ich selbst leben oder will ich mich leben lassen.“ Zu dieser Grundentscheidung gehöre auch die Frage, ob ein Mensch lieber optimistisch oder pessimistisch durchs Leben gehen will. „Haben Sie sich dafür entschieden, optimistisch an Ihre Arbeit heranzugehen, sollten Sie Kontakt zu Kollegen mit der gleichen Lebenseinstellung suchen. Bevorzugen Sie die Gesellschaft von positiv eingestellten Menschen, zum Beispiel in Arbeitspausen oder beim Essen in der Kantine!“

Merg betont aber auch die Notwendigkeit, sich seiner Grenzen bewusst zu werden: „In einem Meeting, in dem schlechte Laune herrscht, können Sie zwar das Positive betonen. Allerdings ist es eine Illusion, Andere verändern zu können.“

Wie Übellaunigkeit abperlt

Die Etikette-Trainerin Nandine Meyden aus Berlin erklärt: „Wenn Leute, die Sie gar nicht oder kaum kennen, im Job schlechte Laune haben, sollten Sie darauf nicht eingehen. Stellen Sie sich bildlich vor, dass Sie als Außenhülle eine Teflonbeschichtung haben, an der die Übellaunigkeit Anderer einfach abperlt.“ Wichtig sei es, die negative Stimmung nicht persönlich zu nehmen. „Zahlen Sie keineswegs mit der gleichen Münze zurück, indem Sie ebenfalls unfreundlich werden“, so die Benimm-Expertin, die ganz im Gegenteil zur Freundlichkeit rät.

Damit Sie dies auch durchhalten, empfiehlt Nandine Meyden einen kleinen Trick: „Legen Sie eine kleine Pause ein, um der schlechten Stimmung in Ihrem Büro zu entgehen. Verlassen Sie ein paar Minuten das Büro und nutzen Sie diese zum Beispiel für Aufgaben, die Sie anderswo zu erledigen haben.“ Auch eine mentale Stärkung kann helfen: Machen Sie sich klar, dass Sie sozial kompetenter sind als die Miesepeter in Ihrer Umgebung. Denn Sie lassen Ihre schlechte Laune nicht an anderen Leuten aus.

So gehen Sie mit Schlechtgelaunten um

„Wenn Sie den Schlechtgelaunten gut kennen, können Sie ihn fragen, was mit ihm los ist oder ob Sie etwas für ihn tun können“, so Meyden. Wichtig sei dabei, dass Sie Empathie zeigen. Ein besonderer Fall sei die schlechte Laune des Chefs. Die Benehmensberaterin warnt davor, auf sie einzugehen. Am sinnvollsten sei es in diesem Fall, seine Übellaunigkeit auszusitzen und freundlich zu bleiben.

Und noch ein Tipp von Nandine Meyden: „Wenn es Ihnen schwer fällt, in schwierigen Fällen freundlich zu sein, dann sollte Sie das üben. Nutzen Sie dafür Gelegenheiten im Alltag. Wenn zum Beispiel die Verkäuferin beim Bäcker unfreundlich ist, versuchen Sie, trotzdem freundlich zu reagieren.“

Wenn die Stimmung im Keller ist, dann bekommt meist auch die Leistungsfähigkeit einen Dämpfer. Wer jetzt meint, besonders viel leisten zu müssen, hat gleich zwei Probleme: Die trübe Grundhaltung und den Leistungsdruck. Deshalb empfiehlt Diplom-Psychologe und Coach Thomas Prünte aus Hamburg: „Die Erwartung an die eigene Leistungsfähigkeit sollten Menschen mit Stimmungstief nicht zu hoch setzen. Viele erhöhen den Druck auf sich selbst und setzen sich zu große Arbeitsziele. Besser ist es, sich kleinere Ziele vorzunehmen und diese Schritt für Schritt zu verwirklichen.“

Durchschauen Sie sich selbst

Manche Menschen meinen, sie müssten immer 150 Prozent bringen. Sie traktieren sich oft mit Parolen wie: „Du musst das schaffen! Keine Müdigkeit vorschützen!“ Prüntes Tipp: „Am besten durchschauen Sie diese Durchhalte-Parolen und erlauben sich stattdessen Gegenstimmen wie: „90 Prozent Leistung sind in dieser Phase auch genug!“ oder: „Ein kluges Pausenmanagement erhält meine Leistungsfähigkeit oder steigert sie sogar.“

Für viele ist schon der Weg zur Arbeit im grauen wetter eine Zumutung. Doch Life-Balance-Coach Hannelore Fritz aus Berlin weiß Rat: „Wer sich aufmutern will, sollte bewusst Positives wahrnehmen, zum Beispiel das Lächeln der Bäckereiverkäuferin oder der Kollegin.“ Auch andere Kleinigkeiten können die Stimmung heben: Ein Bild der Kinder auf dem Schreibtisch oder ein Andenken aus dem letzten Urlaub.

Sport als Ausgleich

Gerade das usselige Herbstwetter lässt manch einen Freizeitsportler zum Couch-Potato mutieren. Doch wer seine Laune im Job verbessern will, sollte ganz bewusst die Pause nutzen, um frische Luft zu schnappen oder sich zu bewegen, rät Fritz. Auch das Joggen in der Freizeit oder das Saunieren am Abend wirken stimmungsaufhellend.

Wer trüber Stimmung ist, sollte ganz bewusst Gegenakzente setzen und sich etwas Gutes tun. Prünte: „Eigentlich wissen die Menschen, was ihnen gut tut.“ Deshalb empfiehlt er, den eigenen Wünschen nachzugehen und schon am Morgen etwas Schönes für den Abend zu planen … wie einen Spiele- oder Kino-Abend, ein Konzert oder eine DVD anzusehen. Das wirkt wie eine Belohnung für einen überstandenen Arbeitstag und verbessert während der Stunden im Büro die Laune.

Es kann auch hilfreich sein, seine Kollegen über die eigene Gefühlslage zu informieren und so deutlich zu machen, dass die eigene Traurigkeit nichts mit dem Gegenüber zu tun hat. Aber Coach Hannelore Fritz warnt auch: „Wer so etwas zu oft thematisiert, wird als Jammerer wahrgenommen. Dieses Image bleibt auch dann, wenn das herbstliche und winterliche Stimmungstief längst den Frühlingsgefühlen gewichen ist.“

Ein guter Kompass über die eigene Befindlichkeit ist der Körper. Er verrät durch Schmerzen und Unwohlsein häufig, dass auch etwas auf der psychischen Ebene nicht stimmt. Deshalb empfiehlt Prünte, die Warnsignale des Körpers wahrzunehmen und dafür zu sorgen, dass sich der Körper entspannt und erholt… vielleicht auch mit Hilfe von Entspannungsmethoden wie dem Autogenen Training oder der Progressive Muskelentspannung.

Gedanken-TÜV

Hilfreich bei Verstimmungen ist auch ein Gedanken-TÜV. Dabei seien ein paar Fragen sehr hilfreich, betont Prünte: „Heben bestimmte Verhaltens- und Denkweisen meine Stimmung oder nicht? Geht es mir etwa mit der Parole ,Du musst im Job durchhalten!“ oder „Ich muss funktionieren“ besser? Wohin führen mich solche Gedanken? Welche Konsequenzen haben sie für mich?“ Wer sich solche Fragen stellt, bekommt schnell heraus, welche Gedanken oder Verhaltensweisen das Unwohlsein oder die Traurigkeit verscheuchen oder verstärken. Das sind Hinweisschilder zu einem guten Umgang mit sich selbst.

So hilfreich es auch ist, sich selbst in schwierigen Situationen etwas Gutes zu tun: Auch die Hilfe für Andere kann ein Stimmungsaufheller sein. Fritz: „Ein Kompliment für die Kollegin, die kleine Unterstützung im Arbeitsalltag oder das Anlächeln einer Mitarbeiterin verändern die eigene Emotionslage. Denn so bekommen Sie auf Ihr eigenes Verhalten positive Reaktionen … und das erfreut!“

Gedrückte Stimmung kann auch seine guten Seiten haben, meint Diplom-Psychologe Thomas Prünte. Denn sie gibt die Gelegenheit, in sich zu gehen und sich zu fragen, ob man wesentliche Bedürfnisse übergangen hat oder ob es einen ernsten Grund für die Verstimmung gibt: Bin ich gekränkt worden? Hat jemand meine Grenzen verletzt? Fehlt mir etwas? „Es ist wie bei einem roten Lämpchen im Auto: Sie sind ein Signal.“ Dann erst kann man über geeignete Gegenmaßnahmen nachdenken und  zum Beispiel über die Frage reflektieren: „Wo will ich hin?“ Sein Tipp: Die Gelegenheit nutzen und sich einmal ganz bewusst zurückzuziehen, zum Beispiel in ein Kloster.

Literaturtipp:
Thomas Prünte: Vom Sinn schlechter Laune, Warum es gut tut, sich schlecht zu fühlen, Orell Füssli, Zürich 2010, 192 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3-280-05401-7

(Veröffentlicht bei monster.de, November 2010)
(Copyright 2010 by Anja Schreiber)

Psychologische Effekte: Fiese Denkfallen im Job

Menschen sind gar nicht so rational, wie sie sich gerne darstellen… das ist im Privatleben genauso wie Job. So beeinflussen eine Vielzahl psychologischer Phänomene den beruflichen Alltag. Oft werden sie sogar zu Denkfallen. Die Autoren Jochen Mai und Daniel Rettig sind in ihrem neuen Buch „Ich denke, also spinn ich“ auf Entdeckungstour gegangen und haben mehr als 120 psychologische Effekte entlarvt, die uns Menschen hinters Licht führen. Hier eine jobrelevante Auswahl:

Wie psychologische Phänomene den beruflichen Alltag beeinflussen.
Wie psychologische Phänomene den beruflichen Alltag beeinflussen.

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  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Schulabgänger und Studierende.

Der Halo-Effekt

Ein Harvardabsolvent kann noch so einen Unsinn reden: Die allermeisten in seiner beruflichen Umgebung werden seine Äußerungen für brillant halten. Dieses Phänomen nennt man Halo-Effekt („Halo“: Englisch für „Heiligenschein“). Es handelt sich dabei um einen Wahrnehmungsfehler: Einzelne Eigenschaften einer Person überstrahlen alle anderen Eigenschaften und dominieren oder verfälschen somit den Gesamteindruck.

Der Hindsight-Bias

„Das habe ich doch gleich gewusst.“ Solch einen Kommentar wird jeder schon mal in seinem Berufsleben gehört haben. Er beschreibt eine weitere Denkfalle: Wir Menschen neigen dazu, im Nachhinein unsere Aussagen und Gedanken so lange umzuinterpretieren, bis sie zum später eingetretenen Ereignis passen. Egal ob bei der Wettervorhersage oder in der Einschätzung von Ereignissen… gerade Kollegen mit einem starken Drang zur Selbstdarstellung erliegen am häufigsten solchen Rückschaufehlern.

Die Entscheidungsparalyse

Ein Chef trifft keine Entscheidung, obwohl das längst überfällig ist. Ein Arbeitnehmer hat schon lange innerlich gekündigt, zieht daraus aber keine Konsequenzen. Wenn sich Menschen im Berufsalltag so oder ähnlich verhalten, dann leiden sie häufig an einer Entscheidungsparalyse: Sie müssten eigentlich eine Entscheidung treffen, drücken sich aber davor. Sie halten einfach am Altbewährten fest, so suboptimal das auch ist. Doch auch dieses Verhalten ist eine Entscheidung!

Der Confirmation-Bias

Chefs umgeben sich gern mit Mitarbeitern, die ihnen nach dem Mund reden. Entscheider in Unternehmen ziehen häufig die Informationen heran, die ihre Meinung bestärken. Dieses Phänomen kannte schon der englische Philosoph Francis Bacon. Er beschrieb, dass der menschliche Verstand – hat er sich erst einmal eine Meinung gebildet – alles heranzieht, um diese zu bestätigen. Was dabei auf der Strecke bleibt, sind Flexibilität und die Möglichkeit, seinen Horizont zu erweitern.

Der Wiederholungseffekt

Warum glauben Mitarbeiter und Chefs bestimmten Aussagen mehr als anderen? Das kann zum Beispiel am Wiederholungseffekt liegen. Denn meist schenken Menschen einer Aussage mehr Glauben, je häufiger sie wiederholt wird. Es ist also Vorsicht angebracht: Meinungen und Urteile werden durch ständige Wiederholung eben nicht „wahrer“.

Das Helfersyndrom

Der allzu dienstbereite Mitarbeiter, die immer Kuchen mitbringende und Kaffee kochende Kollegin … das sind die typischen Kollegen mit Helfersyndrom. Bei diesen Menschen ist das Helfen längst Mittel zum Zweck geworden. Sie können nicht „Nein“ sagen, sie müssen helfen und benötigen das Gefühl, gebraucht zu werden. Das Problem ist aber, dass ihre eigene Arbeit vor lauter Hilfsmaßnahmen für Dritte leidet.

Das TINA-Prinzip

„Das haben wir schon immer so gemacht!“ „Das hat noch nie funktioniert!“ Wer kennt nicht diese Phrasen aus seinem Berufsalltag? Solche Aussagen haben alle nur ein Ziel: Andere auszubremsen, zum Beispiel in ihrem Veränderungs- und Innovationswillen. Wer diese Phrasen benutzt, macht sich den TINA-Effekt zu eigen. Dabei ist TINA das Akronym für „There Is No Alternative“. Wichtig ist also, diese Aussagen als das zu entlarven, was sie sind: Killerphrasen.

Literaturtipp:
Jochen Mai, Daniel Rettig: Ich denke, also spinn ich. Warum wir uns oft anders verhalten, als wir wollen, Deutscher Taschenbuch Verlag, München 2011, 384 Seiten, 14,90 Euro, ISBN: 978-3-423-24873-0

(Veröffentlicht bei GMX.de, August 2011)
(Copyright 2011 by Anja Schreiber)