Karriere im Consulting: Sehr guten Noten allein reichen nicht

Ein schneller Aufstieg, sehr gute Gehälter, internationale Erfahrung … das macht die Attraktivität der Consultingbranche aus. Sie bietet Akademikern verschiedenster Fachrichtungen einen Einstieg in die Wirtschaft. Denn nicht nur BWLer sind dort gefragt. So haben nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater (BDU) 15 Prozent der Junior-Berater ein Ingenieur-Studium. Jeder zehnte hat Mathematik oder Naturwissenschaften studiert und jeweils drei Prozent steigen mit einem medizinischen oder geisteswissenschaftlichen Studienhintergrund in die Unternehmensberatung ein.

Berufseinstieg in die Consultingbranche.
Berufseinstieg in die Consultingbranche.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Schulabgänger und Studierende.

Den 33-jährigen Jonas Seyfferth hat die Themenvielfalt in der Beratung gereizt: „Im Consulting ist es möglich, in wenigen Jahren komplett verschiedene Wirtschaftszweige wie die Automobilindustrie, die Telekommunikationsbranche oder die Versicherungswirtschaft kennenzulernen und dort ganz unterschiedliche Fragestellungen zu bearbeiten.“ Seyfferth ist inzwischen Projektleiter bei „Strategy&“ in München und Co-Autor von drei Bewerbungsratgebern zu Thema Consulting. „Mal beschäftigt sich ein Berater mit der Suche nach digitalen Wachstumsfeldern für einen Zeitungsverlag, ein anderes Mal geht es darum, eine Konzernzentrale zu verschlanken.“ Auch die Internationalität begeistert ihn: „Mein erstes Projekt hatte ich in Chile, später ging es nach Nordamerika und in den Nahen Osten.“ Und noch etwas schätzt er: „Im Consulting arbeite ich mit sehr engagierten, inspirierenden und klugen Kollegen zusammen. Ich traf außerdem schon in jungen Jahren wichtige Entscheidungsträger der Industrie.“

Berufeinsteiger können hohe Gehälter erwarten

Ein Berufseinstieg in der Consultingbranche hat aber noch einen anderen Vorteil: „Durchschnittlich verdienen Einsteiger jährlich 50.000 Euro brutto. Beim ersten Karrieresprung nach drei Jahren steigt das Gehalt auf 80.000 bis 90.000 Euro“, berichtet Veith Bremer, Akademischer Arbeitsvermittler bei der Arbeitsagentur München. Ein Projektleiter könne es auf ein Jahresbruttogehalt von etwa 120.000 Euro bringen. „Bewerber müssen aber wissen, dass es sich bei all diesen Positionen um keine klassischen Nine-to-Five-Jobs handelt. Wer diesen Beruf ausübt, muss auch physisch an die Grenze seiner Belastbarkeit gehen“, betont Bremer.

Wen ein Aufstieg dagegen wenig interessiert, sollte sich allerdings erst gar nicht für diese Branche entscheiden. Der Karriereberater und vielfache Buchautor Christian Püttjer betont: „In Unternehmensberatungen gilt häufig das Prinzip ‚Up or Out‘: Von Einsteigern wird sehr gute Leistung erwartet. Dann können sie in wenigen Jahren aufsteigen … schneller als in der Industrie. Ist ein weiterer Aufstieg nicht möglich, verlassen sie meist das Unternehmen.“ Doch auch dann stehen ihnen in der Wirtschaft vielfältige Karrieremöglichkeiten offen.

Wer aber in kurzer Zeit nach oben will, dem bietet das Consulting optimale Voraussetzungen: „Karriereschritte sind in der Regel nach drei, fünf und acht Jahren vorgesehen. Nach fünf Jahren können Berufsanfänger bereits zum Projektleiter und nach acht bis zehn Jahren sogar zum Partner aufsteigen“, erklärt Per Breuer, der als Partner bei Roland Berger Strategy Consultant den Personalbereich leitet. „Natürlich kann nicht jeder Berater Partner werden. Wenn sich unsere Berater in Richtung Industrie weiterorientieren möchten, begleiten wir so weit wie möglich diesen Prozess und bleiben mit vielen unserer Ehemaligen weiterhin eng verbunden.“

Voraussetzung für eine erfolgreiche Bewerbung in der Branche sind sehr gute Noten: „Hochschulabsolventen sollten unbedingt große analytische Fähigkeiten mitbringen und natürlich Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen haben … egal, aus welcher Fachrichtung sie kommen“, so Breuer. Auch auf soziale Kompetenz, auf Praktika im Consultingbereich und in der Industrie sowie auf Auslandserfahrung legt das Unternehmen großen Wert. Neben Promovierten und Master-Absolventen stellt die Branche auch Akademiker mit Bachelorabschluss für die ersten Karriereschritte ein.

„Wir haben in unseren Reihen zum Beispiel auch Spitzensportler, die dann aber eventuell etwas länger studiert hat“, berichtet Dr. Thomas Fritz, Recruiting Director für McKinsey in Deutschland. Sehr gute Noten allein reichen nicht aus. Denn Fritz legt auf praktische Erfahrung und soziales, gesellschaftliches oder eben sportliches Engagement neben dem Studium viel Wert. Beratungsunternehmen stellen zudem auch Akademiker mit Industrieerfahrung ein, die wegen ihres Spezialwissens gefragt sind.

Exzellente Weiterbildung

Die Beratungsbranche erwartet aber nicht nur viel, sie bietet auch viel, zum Beispiel exzellente Weiterbildungschancen. „Nach zwei Jahren besteht bei uns die Möglichkeit, auf Unternehmenskosten einem Master of Business Administration zu erwerben oder sich eine Auszeit von drei Jahren für die Promotion zu nehmen. Ein Jahr davon bezahlen wir das Gehalt weiter“, erklärt Fritz.

Doch Berater haben nicht nur die eigene Zukunft fest im Blick, sondern beschäftigen sich auch mit den Trendthemen der Wirtschaft: „Eine der größten Herausforderungen stellt nach wie vor die Digitalisierung dar“, erklärt Fritz. Dabei geht es zum Beispiel auch um die Umsetzungsprozesse in der Industrie. Weitere Themen sind Ressourcenknappheit und Energieeffizienz, aber auch die globale wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere der Schwellen- und Entwicklungsländer. Wer an solchen zukunftsträchtigen Themen arbeitet, ist auch in der Industrie gefragt.

(Veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter  Allgemeinen Sonntagszeitung, Dezember 2014)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Ein weiterer Artikel berichtet über die  Bewerbung im Consulting: http://blog.anjaschreiber.de/bewerbung-im-consulting-flexibilitaet-ist-gefragt

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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