Jobs in der Finanzbranche: Viele Wege führen zum Ziel

Das Image der Banken hat gelitten. Doch die Finanzwirtschaft bietet vielfältige Berufseinstiegsmöglichkeiten: Neben einer großen Palette an grundständigen betriebswirtschaftlichen Studiengängen können junge Leute auch eine klassische kaufmännische Ausbildung oder ein duales Studium absolvieren.

Jobs in der Finanzbranche: Eine Ausbildung oder ein Studium ermöglichen den Einstieg.
Berufseinstieg in die Finanzbranche: Studium oder Ausbildung machen es möglich.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Schulabgänger, Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Neustarter.

Dieser Artikel informiert Sie über:

  • die verschiedenen Wege in die Finanzbranche
  • die verschiedenen Studiengänge
  • das duale Studium
  • die duale Ausbildung
  • den Berufseinstieg in die Finanzbranche für Akademiker
  • den Berufseinstieg als selbstständiger Finanzberater
  • Meine Infos für Sie auf einen Blick
  • Meine Linkempfehlungen

Trotz der vielen BWL-Absolventen hält auch Thomas Werner, Berater für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur München, ein betriebswirtschaftliches Studium für aussichtsreich: „Die Finanzwirtschaft bietet viele Jobs. Denn nicht nur Banken brauchen BWLer, sondern auch jedes Unternehmen hat eine Finanzabteilung, die sich mit Investition und Finanzierung beschäftigt.“

Dr. Alexandra Rohlmann, Geschäftsführerin des Bundesverbandes Deutscher Volks- und Betriebswirte, sieht ebenfalls „wirklich gute Berufsaussichten“: „Unternehmen brauchen vor allem Betriebswirtschaftler. Während Banken sowohl Betriebswirtschaftler als auch Volkswirtschaftler einstellen, finden sich in den Wirtschaftsforschungsinstitutionen in erste Linie Volkswirte. “ Auch die Einstiegsgehälter seien sehr gut und die Konkurrenz werde kleiner. Denn bei der Generation Y habe die Finanzwirtschaft einen Vertrauensmalus zu verzeichnen.

Welche Art des Studiums für den einzelnen Schulabgänger infrage komme, hänge vom jeweiligen Typ ab, so Werner: „Wer sich zum Beispiel für ein duales Studium entscheidet, also den berufsbildenden Abschluss samt Bachelor-Titel parallel erwerben will, sollte sich über die speziellen Charakteristika und Anforderungen des eingeschlagenen Weges bewusst sein und sich genau informieren, zum Beispiel bei uns als Arbeitsagentur.“

Studieren oder dual studieren

Obwohl der Doppelabschluss eine mögliche Alternative sein kann, führen auch weitere Wege zum Ziel: „Ob sich Abiturienten für eine Universität oder eine Hochschule für angewandten Wissenschaften entscheiden, hängt davon ab, ob sie sich etwas mehr für die theoretische Forschung oder mehr für die angewandte Praxis interessieren.“ Grundsätzlich qualifizieren all diese verschiedenen Studiengänge für eine Tätigkeit in der Finanzwirtschaft, egal ob sie nun den Begriff Finance, Finanzwirtschaft oder BWL im Namen haben.

Immer wichtiger wird das Thema Spezialisierung. „Heute brauchen Banken immer weniger Generalisten, sondern Spezialisten“, erklärt Rohlmann. „Deshalb sollten sich Studierende möglichst frühzeitig auf die Finanzwirtschaft fokussieren und auf das Renommee der Hochschule achten.“

Doch auch die Noten und Persönlichkeit spielen eine wichtige Rolle. Vor diesem Hintergrund ergänzt Werner: „Wichtig bei der Wahl des Studienorts und der Hochschule ist, dass sich der Studierwillige vor Ort genau über die Studieninhalte informiert.“ Wenn diese zu seinen Interessen passen, kann er auch gute Noten erreichen.

Neben einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium ist der klassische Weg in die Finanzwirtschaft immer noch eine betriebliche Ausbildung. Ulf Grimmke, Leiter Arbeitsmarkt- und Bildungspolitik beim Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes, erklärt: „Die Bankkauffrau und der Bankkaufmann gehören zu den beliebtesten und zahlenmäßig stärksten Ausbildungsberufen. Die Einstellungsquoten sind genauso wie die Bewerberzahlen auf hohem Niveau.“ Ein Nachwuchsproblem sieht er nicht.

Klassische Ausbildung

Wer in den Finanzabteilungen von Unternehmen arbeiten will, dem bieten sich verschiedene kaufmännische Ausbildungen an, wie zum Beispiel die Ausbildung zum Bankkaufmann, Kaufmann Versicherungen und Finanzen sowie Industriekaufmann, erklärt Werner. „In Immobilienunternehmen sind im Bereich Finanzierung unter anderem auch Immobilienkaufleute tätig.“ Nach einer Ausbildung eröffnen sich viele Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten: Bankkaufleute können zum Beispiel den Fachwirt machen oder ein akademisches Studium absolvieren. Neben einem Präsenzstudium sind auch berufsbegleitende Studiengänge möglich.

Traineeprogramm oder Direkteinstieg

Für Hochschulabsolventen unterschiedlicher Fachrichtungen hat das Bankwesen zwei Einstiegsoptionen: Traineeprogramme und der Direkteinstieg. „Als Trainees werden nicht nur Wirtschaftswissenschaftler, sondern zum Beispiel auch Politologen, Physiker oder Geisteswissenschaftler eingestellt“, so Grimmke. Bei Positionen für einen Direkteinstieg zählt oft die fachliche Expertise, wie sie zum Beispiel Juristen oder Informatiker mitbringen.

Berufseinstieg als selbstständiger Finanzberater

Zur Finanzwirtschaft gehören auch die unabhängigen Finanzdienstleister. „In der Vergangenheit haben es Vertriebe mit ihrer Personalgewinnung leider oft nicht so genau genommen, da Vermittler nur einen Gewerbeschein brauchten … sonst nichts“, berichtet Frank Rottenbacher vom Vorstand des AfW Bundesverband Finanzdienstleistung. Doch diese Zeiten seien inzwischen vorbei. „Heute müssen alle diejenigen, die Kapitalanlagen vermitteln, bei den Industrie- und Handelskammern eine Sachkundeprüfung ablegen, zuverlässig sein, geordnete Vermögensverhältnisse nachweisen und über eine Berufshaftpflicht verfügen.

Das hat vieles für Berufseinsteiger verändert: „Den nebenberuflichen Anlageberater, der als Neuling sofort seine Kunden berät, gibt es nicht mehr. Denn jeder Einsteiger muss mindestens drei- bis sechsmonatige Kurse absolvieren, um eine IHK-Prüfung ablegen zu können … oder aber bereits ausreichend Qualifikationen nachweisen“, so Rottenbacher. Wer sich zum Beispiel nach jahrelanger Tätigkeit in einer Bank für die Selbständigkeit als Finanzberater entscheidet, dem wird seine Bankqualifikation anerkannt. „Ein unabhängiger Finanzberater braucht nicht unbedingt ein Hochschulstudium. Aber wenn er insbesondere Akademiker beraten will oder eine größere Agentur aufbauen möchte, kann so ein Studium sehr wohl Sinn machen.“

Doch egal, ob jemand bei Unternehmen, Banken oder als Selbständiger arbeitet: Leidenschaft für Kunden und Finanzthemen ist Grundvoraussetzung für den beruflichen Erfolg.

Meine Infos für Sie auf einen Blick:

  • Es gibt verschiedene Ausbildungsvarianten für alle, die in der Finanzbranche arbeiten wollen.
  • Ein Klassiker ist ein wirtschaftswissenschaftliches Studium.
  • Auch mit anderen Studienabschlüssen können Sie in die Finanzbranche einsteigen, zum Beispiel als Juristen, Politologen, Physiker oder Geisteswissenschaftler.
  • Nach einem Hochschulabschluss können Sie via Traineeprogramm oder Direkteinstieg Ihre Laufbahn in der Branche starten.
  • Auch über ein duales Studium oder eine klassische Ausbildung ist ein Berufseinstieg möglich.
  • Nach einer klassischen Ausbildung bieten sich zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten an, zum Beispiel auf akademischem Niveau.
  • Eine weitere Möglichkeit in der Finanzbranche zu arbeiten, bietet die Tätigkeit als selbstständiger Finanzberater. Diese Option bietet sich auch für berufserfahrene Quereinsteiger aus anderen Branchen.
  • Dafür müssen Sie bei der Industrie- und Handelskammer eine Sachkundeprüfung ablegen oder über entsprechende Vorkenntnisse verfügen.

Meine Fragen an Sie:

  • Welche Erfahrungen haben Sie beim Einstieg in die Finanzbranche gemacht?
  • Welchen Studienabschluss oder welche Ausbildung haben Sie absolviert?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Fanden Sie diesen Artikel hilfreich?

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel eröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Juni 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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