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Gelegenheit macht Liebe: Das passiert nicht nur auf Partys, in Clubs oder im Urlaub, sondern auch am Arbeitsplatz. Doch es gibt da ein kleines Problem: Im Job ist niemand privat. Deshalb wird die Liebe im Büro manchmal zur Herausforderung.

Liebe im Beruf.

Liebe im Beruf: Zwischen Beziehung und Karriere.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Berufserfahrene und Schulabgänger.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Auf was Liebespaare achten sollten.
  • Wie problematisch eine Beziehung zum Chef ist.
  • Was einander liebende Geschäftspartner wissen müssen.
  • Was bei einer Trennung zu beachten ist.
  • Zahlen zum Thema Liebe.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.
  • Literaturempfehlung.

Partnerschaft am Arbeitsplatz: So gelingt die Beziehung

„Viele Paare lernen sich im Beruf kennen“, erklärt der Diplom-Psychologe Rüdiger Wacker, der in Essen eine Praxis für Paarberatung und Partnerschaft betreibt. „Und das ist eigentlich auch gar nicht überraschend, denn überall, wo Menschen zusammenkommen, können sie sich verlieben.“

Das Problem bei der Liebe am Arbeitsplatz bringt die Berliner Benimm-Trainerin Nandine Meyden so auf den Punkt: „Als Mitarbeiter einer Firma wollen Menschen wegen ihrer eigenen Professionalität geschätzt werden. Doch wenn sie sich am Arbeitsplatz verlieben, verschwimmen die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben.“ Gerade dieser Umstand birgt ein nicht zu unterschätzendes Konfliktpotential. „Wenn sich eine Beziehung zwischen Kollegen oder gar zwischen Vorgesetzten und Untergebenen entwickelt, können im Betrieb Neid, Missgunst oder Gerüchte entstehen … bis hin zur Unterstellung, der Vorgesetzte bevorzuge seinen Partner gegenüber anderen Mitarbeitern“, so Meyden.

Die Liebesbeziehung zum Chef ist riskant

Gerade wenn zwischen den Partnern ein Hierarchiegefälle oder Abhängigkeiten bestehen, sind Probleme wahrscheinlich. „Bei einer Führungskraft, die seinen Partner beurteilen soll, wird schnell der Verdacht aufkommen, sie sei nicht objektiv“, erklärt Prof. Dr. Tim Hagemann vom Lehrstuhl für Arbeits-, Organisations- und Gesundheitspsychologie an der Fachhochschule der Diakonie in Bielefeld. Dabei muss es gar nicht sein, dass eine Leistungsbeurteilung des geliebten Menschen immer besonders positiv ausfällt: „Ein Chef kann auch versucht sein, seinen Partner schlechter zu behandeln, um sich nicht den Vorwurf der Begünstigung aussetzen zu müssen. In jedem Fall ist es eine Herausforderung, unter diesen Umständen das rechte Maß zu finden.“

Um dieser Problematik zu entgehen, rät Hagemann den ungleichen Paaren, die Situation zu klären. „Ein Paar in der gleichen Abteilung könnte sich ernsthaft überlegen, ob es nicht für alle Beteiligten besser wäre, wenn einer von beiden die Abteilung wechselt“, erklärt Hagemann. „Natürlich gibt es offene Teams, die mit solchen Konstellationen gar keine Probleme haben. Vielleicht ist es aber auch dann ratsam, das Thema anzusprechen und eine Lösung ins Spiel zu bringen.“ Dieses Vorgehen macht natürlich nur Sinn, wenn die Beziehung auf Dauer angelegt ist. Deshalb Hagemanns Tipp: Aufkeimende Gefühle nicht sofort publik machen!

Liebe unter Geschäftspartnern: Auch ein rechtliches Problem

Noch komplizierter wird eine Liebesbeziehung, wenn es sich um Auftraggeber und Auftragnehmer handelt. „Immer wieder gibt es Skandale um Führungskräfte oder Politiker, die ihrem Lebenspartner lukrative Aufträge verschaffen. Hier steht dann schnell ein Korruptionsverdacht im Raum“, betont Hagemann. Deshalb ist es kritisch, wenn Geschäftspartner in einer Liebesbeziehung stehen. „Kommt heraus, dass jemand Aufträge an einen geliebten Menschen vergeben hat, glaubt ihm keiner mehr, dass ihn das Angebot inhaltlich überzeugt hat.“

Oft muss er sogar mit beruflichen Konsequenzen rechnen, weil er zum Beispiel gegen die Compliance-Richtlinien seiner Firma verstoßen hat. Vor diesem Hintergrund empfiehlt Hagemann, von Anfang an Konsequenzen zu ziehen: „Informieren Sie Ihren Vorgesetzten über die Liebesbeziehung. Lassen Sie Andere mit auf die Verträge schauen und geben Sie im Zweifelsfall Aufgaben ab.“

Rücksicht nehmen auf Kollegen

Auch wenn die Liebenden kein Hierarchiegefälle trennt, sollten sie auf ihre Umgebung Rücksicht nehmen und sich nicht nur auf ihre zärtlichen Gefühle füreinander konzentrieren. Meyden: „Es ist keine gute Idee, öffentlich in der Firma zu knutschen oder dauernd Händchen zu halten. Schicken Sie nicht dauernd intime Mails über den Firmenserver und kommunizieren Sie nicht auf andere Weise ständig miteinander.“

Wer sich in seine Vorgesetzten und Kollegen hineindenkt, wird erkennen, was an einer Liebesbeziehung im Büro problematisch ist: Die Anderen vermuten zum Beispiel, dass das Paar ein eingeschworenes Team bildet und andere gewachsene Beziehungen obsolet sind. „Um solchen nicht ganz unberechtigten Befürchtungen entgegenzutreten, sollten Sie Ihr normales Verhalten nicht verändern“, erklärt der Berliner Businesscoach und Trainer Karsten Noack. „Pflegen Sie in Mittagspausen wie gewöhnlich den Kontakt zu ihren Teamkollegen und sondern Sie sich nicht mit Ihrem Partner ab.“ Wer seiner Umgebung zeigt, dass durch die Liebe zu einem Teammitglied nicht gleich alles andere in Frage gestellt ist, kann viele Bedenken zerstreuen.

Nicht zu viele Details erzählen

Noack: „Überlegen Sie doch einmal, ob es Sie selbst nicht nerven würde, wenn Ihre Kollegin nur ständig von ihrer großen Liebe spräche.“ Mit diesem Gedankenspiel vermeiden Liebende im Job Probleme. „So drosseln sie den Informationsfluss zum Thema Liebe von ganz allein und verschonen ihre Umgebung mit zu vielen Details.“

Auch Nandine Meyden rät eindringlich dazu, kein „Porzellan zu zerschlagen“. Das gilt insbesondere für die Anbahnung von Beziehungen am Arbeitsplatz: „Auch wenn Sie im Privatleben eher der offensive Flirttyp sind, sollten Sie es im beruflichen Umfeld langsamer angehen. Vermeiden Sie Missverständnisse, sonst kann Ihnen sexuelle Belästigung unterstellt werden … und das ist kein lustiges Thema.“ Besser ist es also zu beobachten, ob das Gegenüber die Gefühle erwidert.

Trennung nicht hinausposaunen

Liebesbeziehungen im Beruf werden oft dann zum Problem, wenn sie auseinandergehen. Das weiß Paartherapeut Rüdiger Wacker: „Wenn sich Paare trennen, laufen sie sich trotzdem immer noch über den Weg … und das nervt! Wer möchte schon ständig denjenigen treffen, der ihn gekränkt hat.“ Gerade in dieser Situation empfiehlt der Psychologe den Betroffenen, genau zu überlegen, wem sie sich im Betrieb anvertrauen wollen. „Bei allen anderen Kollegen sollten Sie lieber eine Informationssperre verhängen und auf neugierige Nachfragen nicht reagieren.“

Idealerweise suchen sich Mitarbeiter, die unter Trennungsschmerzen leiden, Gesprächspartner außerhalb der Firma. „Vertrauen Sie sich guten Freunden oder einem professionellen Berater an“, rät Wacker. „Sie werden die schwierige Zeit im Büro besser überstehen, wenn Sie wissen, dass Sie am Feierabend alles erzählen können.“ In diesen Gesprächen dürfen sich dann – anders als im Job – auch Ihre Emotionen Bahn brechen.

Denn egal, wie tief die eigenen Gefühle verletzt sind: Im betrieblichen Alltag gilt es, sich professionell zu verhalten. „Reißen Sie sich im Büro zusammen, verlassen Sie – wenn nötig – den Raum. Waschen Sie sich zum Beispiel Gesicht und Hände, um dann nach einer kleinen Pause weiter arbeiten zu können“, so Meyden.

Trauer und Kränkung verarbeiten

Gerade in der ersten Phase nach dem Beziehungsende rät Wacker: „Statt bei der Arbeit zusammenzubrechen, sollten Sie sich lieber krankschreiben lassen.“ Wie sehr Menschen unter Trennungen leiden, weiß Wacker nur zu gut: „Manchmal leiden die Betroffenen monatelang. Nehmen Sie sich die Zeit, Ihre Trauer und Kränkung zu verarbeiten. Setzen Sie sich dabei nicht unter Druck, das Ganze möglichst schnell hinter sich zu bringen.“

Infos: Zahlen zur „Liebe im Büro“

Fast jeder fünfte deutsche Arbeitnehmer hat sich schon einmal im Beruf verliebt: Das ist ein Ergebnis der zum Valentinstag 2013 veröffentlichten repräsentativen Studie, die Forsa im Auftrag des beruflichen Online-Netzwerkes XING durchgeführt hat. Eine feste Beziehung am Arbeitsplatz sind demnach bereits 14 Prozent der Berufstätigen eingegangen. 35 Prozent der erwerbstätigen Deutschen können sich eine solche Beziehung vorstellen. Nur für eine Minderheit ist eine Beziehung mit dem Chef vorstellbar. Die meisten bevorzugen dagegen lieber einen Kollegen.

Tipps auf einen Blick:

  • Machen Sie aufkeimende Gefühle nicht sofort publik. Wenn Sie davon erzählen, sollten Sie Ihre Umgebung mit zu vielen Details verschonen.
  • Bei einer Liebesbeziehung zu Chef oder Chefin können Neid und Missgunst entstehen. Seien Sie sich darüber klar.
  • Als Chef oder Chefin müssen Sie das rechte Maß finden und den Partner weder zu streng noch zu wohlwollend beurteilen.
  • Wenn Sie eine Liebesbeziehung zu einem Geschäfts- und Vertragspartner entwickeln, informieren Sie Ihren Vorgesetzten über die Beziehung und besprechen Sie das weitere Vorgehen.
  • Nehmen Sie Rücksicht auf die anderen Kollegen und vernachlässigen Sie nicht die Beziehung zu diesen.
  • Überlegen Sie sich in einer Trennungssituation genau, wem Sie sich im Betrieb anvertrauen wollen.  Im Zweifelsfalle verhängen Sie lieber eine Informationssperre.

Fragen an Sie:

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  • Welche Erfahrungen haben Sie mit dem Thema „Liebe im Beruf“ gemacht?
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Meine Linkempfehlungen:

Meine Literaturempfehlung:

  • Nandine Meyden: Flirten mit Stil. So finde ich einen niveauvollen Partner. So vermeide ich peinliche Situationen, Humboldt, Hannover (2012), 224 Seiten, 12,95 Euro.

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, November 2014)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
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    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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