Home » Jobsuche » „Generation Internet“: Warum Bewerbungen floppen

Ihre Jobsuche war erfolglos. Doch Sie haben bisher gute Leistungen erbracht. Auch Ihre Qualifikation stimmt. Die Verantwortliche für die Bewerbungsratgeber des Karrierenetzwerkes „squeaker.net“ Jennifer Kiepe kennt die Gründe, warum Bewerbungen im digitalen Zeitalter floppen können. Offensichtliche Fehler spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Allerdings wird für junge Leute, die mit dem Netz groß geworden sind, das Internet oft zur Falle.

Warum Bewerbungen der "Generation Internet" floppen können.

Warum Bewerbungen der „Generation Internet“ floppen können.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Schulabgänger, Studierende und Eltern.

1. Social Media ist für Sie ein Fremdwort

Nicht jeder Bewerber muss ein Blog oder einen YouTube-Kanal haben. Aber wer in den sozialen Medien nicht aktiv ist, kann gegenüber Konkurrenten im Nachteil sein. „Wenn Sie sich für einen Social-Media-Job bewerben, ist es ein No-Go, kein eigenes Profil bei Twitter oder Facebook zu haben. Wer in seinem neuen Job einen Firmenblog aufpolieren soll, disqualifiziert sich, wenn er selber keinen eigenen Blog hat“, betont Kiepe. Und auch für kleinere Unternehmen sind Mitarbeiter mit Social-Media-Erfahrung attraktiv. Denn sie können zum Beispiel für ihre Arbeitgeber die Facebook-Seite pflegen.

2. Ihre Postings schrecken ab

Ist jemand in den sozialen Netzwerken mit fragwürdigen Postings präsent, kann auch das seinen möglichen Arbeitgeber abschrecken. „Wenn ein Profil den Bewerber fast ausschließlich bei Extremsportarten, betrunken auf Partys oder in aufreizenden Posen zeigt, ist das für die Bewerbung genauso Gift wie das Posten fragwürdiger politischer Aussagen“, erklärt Kiepe. „Immer noch viel zu wenige User beschäftigen sich mit den Netzwerk-Einstellungen zur Privatsphäre.“ Aber genau das ist ein Problem bei der Jobsuche. Deshalb sollte jeder Bewerber checken, auf welche Postings fremde Leute zugreifen können.

3. Sie sind kein Netzwerker

Nicht in jedem Job ist ein Profil bei Online-Karrierenetzwerken ein Muss. Aber in vielen Berufen ist ein Account bei Xing, LinkedIn oder bei branchenspezifischen Seiten eine wichtige Voraussetzung. Wer dort nicht vertreten ist, fällt negativ auf. Über Internetportale lassen sich außerdem Kontakte knüpfen, die bei der Jobsuche von Vorteil sind. So erfahren Netzwerker zum Beispiel von offenen Stellen. Jemand ohne solche Beziehungen hat oft weniger Informationen und Fürsprecher. Negativ ist auch ein veraltetes Profil, das den Bewerber zum Beispiel als Studenten beschreibt, obwohl er schon vor zwei Jahren seinen Abschluss absolviert hat.

4. Sie sind nicht im Internet zu finden

„Wer zu der Generation der ‚Digital Natives‘ gehört und trotzdem keinerlei Spuren im Internet hinterlassen hat, erntet wahrscheinlich Verwunderung“, so Kiepe. Bei einem frischgebackenen Akademiker wirkt es seltsam, wenn er als Einziger unter den Bewerbern im Netz nicht auffindbar ist. Skepsis erntet so jemand besonders dann, wenn er sich zum Beispiel als gesellschaftspolitisch äußerst aktiv beschreibt. Denn dann können Unternehmensvertreter erwarten, dass solch ein Engagement im Netz zu finden ist. Im schlimmsten Fall wirkt die Darstellung in Anschreiben und Lebenslauf wie eine Behauptung.

5. Ihre E-Mails floppen

Die Ausgestaltung Ihrer Mails kann ebenfalls daneben gehen: „Wenn eine junge Frau ihre Mails über eine unprofessionelle Adresse wie etwa ‚Sandra89@….‘ verschickt, braucht sie sich nicht über eine Absage zu wundern. So ein Name macht eher bei einem Dating-Portal Sinn“, erklärt Kiepe. E-Mail-Bewerbungen mit unzähligen Dokumenten im Anhang oder übergroße Datenmengen sind genauso ein No-Go wie ein zu lockerer Kommunikationsstil. Gerade von jungen Leuten wird erwartet, dass sie ein PDF-Dokument erstellen können. Das Verschicken von Word-Dokumenten ist ein schlimmer Fauxpas … zumal jeder Rechner das Dokument anders dargestellt. Das Layout wirkt dann oft wie zerschossen.

6. Sie halten sich nicht an Regeln

Auch wer die Spielregeln für das Bewerbungsverfahren ignoriert, kann schnell ins Abseits geraten. „Wer den Termin für das Online Assessment Center verpasst oder sich – wenn gefordert – nicht über das Bewerber-Managementsystem bewirbt, hat meist keine Chance“, berichtet Kiepe. Kandidaten fallen im schlimmsten Fall einfach durch das Raster, wenn sie ihre Unterlagen trotz anderer Vorgaben postalisch verschicken. Gibt das Bewerbungsverfahren den Jobsucher Fragen auf, sollte sich dieser unbedingt bei der jeweiligen Firma erkundigen und nicht „auf eigene Faust“ die Regeln brechen.

7. Sie haben einen schlechten Ruf

Ein miserabler Eindruck kann ebenfalls zum Stolperstein werden. „In Zeiten von flachen Hierarchien entscheidet häufig nicht der Chef allein, sondern er fragt das Team“, betont Kiepe. „Dumm nur, wenn schon jemand schlechte Erfahrungen mit dem Kandidaten gemacht hat und das auch sagt.“ Dann geht das Jobangebot mit Sicherheit an jemand anderen. Ist ein Praktikant zum Beispiel negativ aufgefallen, kann sich das auch auf die Bewerbung bei einem anderen Unternehmen auswirken. Denn Mitarbeiter wechseln die Firmen. Ihr Wissen über den Praktikanten nehmen sie aber mit.

8. Der Job ist nicht (mehr) zu vergeben

Manche Ablehnungsgründe haben gar nichts mit dem Bewerber oder seine Unterlagen zu tun. Kiepe: „Es kann durchaus sein, dass der Job bereits vergeben wurde oder die Stelle doch nicht mehr besetzt werden soll.“ In einer sich rasant verändernden Wirtschaftslage müssen Unternehmen manchmal schnell reagieren. Und das kann dann auch dazu führen, dass keine neuen Mitarbeiter mehr eingestellt werden. Manchmal entscheiden sich Arbeitgeber auch von vornherein für einen bestimmten Kandidaten. In diesem Fall können Bewerbungen noch so gut sein, sie werden erfolglos bleiben.

9. Sie sind arbeitslos

Bei Arbeitgebern kommt es meistens nicht gut an, wenn Sie arbeitslos sind. Kiepe: „Es ist immer ein Vorteil, sich aus einer ungekündigten Stellung heraus zu bewerben. Im Idealfall geht es dabei um einen weiteren Karriereschritt.“ Beim Übergang vom Studium zum Beruf sind ein paar Monate „Sucharbeitslosigkeit“ in der Regel kein Problem. Aber bei längeren Fehlzeiten wird es immer schwerer, einen Job zu finden. Deshalb sollten Sie nachweisen, dass Sie sich in dieser Zeit weiterqualifiziert oder die Zeit auf andere Weise sinnvoll genutzt haben.

10. Sie sind nicht erreichbar

Auch wenn eine Firma einen bestimmten Kandidaten schon als Idealbesetzung identifiziert hat, kann dieser es sich noch mit dem künftigen Arbeitgeber verscherzen: „Wer nicht erreichbar ist oder auf Nachfragen nicht antwortet, ist in Zeiten von Smartphones und Co. aus dem Rennen“, betont Kiepe. Genauso fatal ist es, wenn sich in Handynummern oder E-Mail-Adressen Schreibfehler eingeschlichen haben. Deshalb ist Sorgfalt so wichtig! Hat sich der Bewerber für einen anderen Job entschieden, sollte er höflich absagen und nicht einfach untertauchen. Sonst hinterlässt er einen extrem schlechten Eindruck. Das kann ihm beim nächsten Mal schaden.

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(Veröffentlicht bei GMX.de, Februar 2015)

(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
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    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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