Home » Selbstmanagement » Fernstudium: So lässt sich Berufstätigkeit und akademische Weiterbildung verbinden

Ein Hochschulabschluss per Fernstudium wird immer beliebter. So verzeichnen die Anbieter staatlich zugelassener Fernstudiengänge ein Teilnehmerplus. Kein Wunder, denn dieses Studienmodell kommt den Bedürfnissen jener Arbeitnehmer entgegen, die Berufstätigkeit und akademische Weiterbildung verbinden wollen.

Fernstudium: Berufstätigkeit und akademische Weiterbildung verbinden.

Fernstudium: Berufstätigkeit und akademische Weiterbildung verbinden.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Studierende, Berufserfahrene, Neustarter und Neustarter 40plus.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • warum ein Fernstudium sinnvoll sein kann.
  • welche Voraussetzungen für den Erfolg wichtig sind.
  • wie Fernstudierende sich organisieren sollten.
  • warum die Kommunikation mit dem Arbeitgeber ratsam ist.
  • Tipps auf einen Blick – ein kleiner Guide für das Fernstudium.
  • Linkempfehlungen.

Das Ziel: Weiterqualifikation

Die 30-jährige Berlinerin Alice Lorch ist ein klassisches Beispiel für eine Fernstudierende: Sie ist im Beruf erfolgreich, möchte sich aber durch ein Studium weiterqualifizieren. Seit 2012 belegt sie an der AKAD University aus Stuttgart den Bachelor-Studiengang „International Business Communication“.

Gleich nach ihrem Abitur begann sie schon einmal mit einem Studium: Sie belegte die Fächer Volkswirtschaftslehre und französische Philologie an der Technischen Universität. Doch eines fehlte ihr: Sie hatte keine klare Vorstellung, was sie mit dem Hochschulabschluss einmal beruflich machen könnte. „Das Studium war mir viel zu theoretisch. Es gab überhaupt keinen Praxisbezug“, betont Lorch. Deshalb brach sie es schon bald ab.

Erst Ausbildung, dann Fernstudium

Anschließend bereiste sie Frankreich, Spanien und die USA. „Ich wollte andere Kulturen und Sprachen kennenlernen.“ Schon bald stand fest, dass sie ihr Interesse an anderen Ländern zu ihrem Beruf machte wollte. So entschied sich Alice Lorch für eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin. Danach arbeitete sie vier Jahre im Projektmanagement und später in der Geschäftsführung einer spanischen Stiftung auf Teneriffa. 2010 kam sie nach Deutschland zurück und begann als Projektassistentin in der Stiftung Genshagen. Heute ist sie in ihr zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der europäischen Kunst- und Kulturvermittlung.

„Schon bald nach meiner Rückkehr war mir klar, dass ich studieren muss, wenn ich beruflich weiterkommen will“, erklärt Lorch. Aber es waren nicht nur Nützlichkeitserwägungen, die sie bewogen haben, noch einmal zu studieren: „Ich fühlte mich endlich für ein Studium bereit und hatte richtig Lust, etwas Neues zu lernen.“

Wunsch nach Aufstieg oder beruflicher Umorientierung

Für Fernstudierende ist das ganz typisch: „Sie wollen sich weiterentwickeln und in der Hierarchie weiter nach oben kommen“, berichtet Prof. Dr. Daniel Markgraf vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der AKAD University. „Andere bereiten mit Hilfe des Studiums ganz gezielt ihre berufliche Umorientierung vor. Bei der Gruppe der über 45-Jährigen, die bereits beruflich etabliert sind, geht es in der Regel darum, noch mal etwas Neues zu lernen.“

Ein Fernstudium bietet dafür die idealen Voraussetzungen, denn die Studierenden können ihre Zeit frei einteilen. Voraussetzung ist natürlich, dass sie noch freie zeitliche Kapazitäten haben. „Wer schon im normalen Berufsalltag 60 Stunden oder mehr pro Woche arbeitet, für den kommt so ein Studium nicht in Frage“, so Markgraf. „Denn in der Regel müssen Studierende mit einem Zeitaufwand von mindestens zehn bis 15 Stunden in der Woche rechnen.“ Das sei zum Beispiel bei einer geregelten Arbeitswoche von 38 oder 40 Stunden durchaus möglich. Zusätzlich müssen Studierende der AKAD University noch zehn Tage im Jahr für Präsenzveranstaltungen einplanen.

Wichtige Voraussetzung: Zeit für das Studium

Markgraf empfiehlt Arbeitnehmern, die sich nicht sicher sind, ob sie das Arbeitspensum zeitlich in ihr Leben integrieren können, erst einmal auf Probe zu studieren: „Bei uns gibt es zum Beispiel einen Probemonat. Sie haben auch die Möglichkeit, erst einmal einen zertifizierten Kurs zu belegen, der ihnen später auf ein Studium angerechnet werden kann.“
Auch Sabine Dietzsch, Beraterin für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd, betont: „Studierwillige sollten sich vorher über die Doppelbelastung klar werden, die ein Fernstudium mit sich bringt.“ Deshalb empfiehlt sie ihnen, im Vorfeld die eigene Lebenssituation genau unter die Lupe zu nehmen. „Wer einen Partner oder eine Familie hat, muss sich mit diesem engsten Umfeld abstimmen. Am Besten ist es, wenn die ganze Familie dahinter steht.“

Außerdem rät Markgraf Fernstudierenden, realistisch zu planen: „Viele sind gerade am Anfang übermotiviert.“ Deshalb sei auch der Austausch mit anderen Studierenden besonders wichtig. Möglichkeiten dazu bieten nicht nur Präsenzveranstaltungen, sondern auch die Online-Communities der Hochschulen. Die Doppelbelastung von Beruf und Studium kennt auch Alice Lorch. „Wichtig ist eine gute Planung und Organisation„, betont die Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Von ihrem Arbeitgeber wird sei dabei im Rahmen seiner Möglichkeiten unterstützt.

Unbedingt mit dem Arbeitgeber reden

Dietzsch empfiehlt Berufstätigen, unbedingt mit ihrem Arbeitgeber ins Gespräch zu kommen und ihn über ihren Studienwunsch zu informieren: „Wenn das Studium den Mitarbeiter für seine aktuell ausgeübte Berufstätigkeit weiterqualifiziert, sind viele Unternehmen bereit, ihm beizustehen. So kommen Arbeitgeber dem Studierenden zum Beispiel bei der Arbeitszeit entgegen.“ Eine Herausforderung bleibt es allerdings dennoch, Beruf und Studium unter einen Hut zu bringen.

Deswegen betont Dietzsch: „Wer ein Fernstudium erfolgreich absolvieren möchte, muss bereit sein, seine bisherigen Freizeitaktivitäten neu organisieren.“ Zeitlich aufwendiges soziales Engagement und viele Hobbies lassen sich nur schwer mit dem Studium vereinbaren.

Richtig planen: Freizeit neu ordnen

Das erforderliche Zeitmanagement fällt Alice Lorch leicht: „Ich habe in meinem Beruf gelernt, mich gut zu organisieren.“ Natürlich muss auch Alice Lorch privat kürzer treten, um Zeitfür ihr Studium zu haben. Denn Feierabende, Wochenenden und die Urlaubszeit nutzt sie in der Regel zum Lernen. So holt sie auch abends um 23 Uhr noch einmal ihre Skripte heraus, um diese zu lesen. „In meinem Freundeskreis finden es alle toll, dass ich studiere. Meine Freunde akzeptieren, dass ich weniger Zeit habe, um zum Beispiel mit ihnen ins Kino gehen.“ Trotz der zeitlichen Belastung versucht die Bachelor-Studentin, ihr Privatleben nicht ganz zu vernachlässigen. So macht sie weiterhin Sport und trifft dabei auch Freunde.

Verzahnung von Theorie und Praxis

Schon jetzt profitiert sie von ihren Studieninhalten wie der interkulturellen Kommunikation oder den Wirtschaftswissenschaften. „Durch mein Studium erkenne ich zum Beispiel psychologische Zusammenhänge und verstehe die Auswirkungen kultureller Einflüsse in der Kommunikation besser. Das bereichert meine Arbeit“, berichtet Lorch. Schließlich hat sie es tagtäglich mit internationalen Gesprächspartnern zu tun. „Das Studium macht mich viel feinfühliger in Umgang mit Menschen aus anderen Kulturen.“ Auch über Führungsstile, Arbeits- und Organisationsmanagement weiß Lorch inzwischen viel mehr. „Als rechte Hand der Geschäftsführung kommt mir das alles sehr zugute.“ Auf der anderen Seite profitiert sie im Studium von ihrer Praxiserfahrung.

Mit der Wahl eines Fernstudiengangs ist Lorch ganz und gar zufrieden: „Diese Studienart ermöglicht mir, in einem selbstbestimmten Tempo zu lernen und Prüfungen abzulegen.“ So hat sie die Möglichkeit, ihr Studium ohne Zusatzkosten in fünf Jahren zu absolvieren. Erst danach wird eine zusätzliche Gebühr verlangt. „Ich habe mir aber vorgenommen, meinen Bachelor schon nach dreieinhalb Jahren zu machen.“

Fakten zum Fernstudium

Die Beliebtheit von Fernlernangeboten steigt: Die Anbieter staatlich zugelassener Fernstudiengänge konnten nach Angaben des Forums DistancE-Learning im Jahre 2012 ein Teilnehmerplus von sieben Prozent vorweisen. Über 400.000 Fernlerner bildeten sich in 3.498 Fernlehrangeboten weiter. 268.622 Fernschüler absolvierten dabei einen Fernlehrgang im subakademischen Bereich, während 142.468 E-Learner in ein Fernstudium eingeschrieben waren, so aktuelle Zahlen des Fachverbandes Forum DistancE-Learning.

Tipps für Sie – ein kleiner Guide für das Fernstudium:

  • Finden Sie heraus, warum Sie studieren wollen. Der Wunsch nach Aufstieg oder beruflicher Umorientierung steht oft hinter dem Entschluss, ein Fernstudium zu absolvieren.
  • Finden Sie heraus, welcher Lerntyp Sie sind. Arbeiten Sie gerne selbstständig? Brauchen Sie den sozialen Anschluss in Präsenzveranstaltungen? Suchen Sie daraufhin das für Sie geeignete Studienmodell.
  • Wägen Sie Vor- und Nachteile eines Fernstudiums ab.
  • Fragen Sie sich, ob Sie genug freie zeitliche Kapazitäten haben, um erfolgreich studieren zu können.
  • Werden Sie sich über die Doppelbelastung klar. Nehmen Sie deshalb Ihre eigene Lebenssituation genau unter die Lupe.
  • Sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Arbeitgeber und informieren ihn über Ihren Studienwunsch. Vielleicht hat er Interesse Sie zu unterstützen.
  • Organisieren Sie während Ihres Fernstudiums Ihre bisherigen Freizeitaktivitäten neu.  Denn Ihre Feierabende, Wochenenden und die Urlaubszeit werden Sie in der Regel zum Lernen nutzen.
  • Vergessen Sie trotz der zeitlichen Belastung  durch das Fernstudium nicht soziale Kontakte, Sport und Erholung.

Fragen an Sie:

  • Haben Sie schon mal über ein Fernstudium nachgedacht?
  • Warum wollen Sie ein Fernstudium belegen?
  • Welche  Vor- und Nachteile sehen Sie?
  • Welche Erfahrungen haben Sie mit einem Fernstudium gemacht?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel?
  • Ist er hilfreich?

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, März 2014)

(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
    Article By :
    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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