Home » Berufswahl » Berufseinstieg als Tätowierer oder Kosmetikerin: Jobs rund um den Körperkult

Attraktiv sein und gut aussehen: Dieser zutiefst menschliche Wunsch sorgt für Jobperspektiven in ganz unterschiedlichen Berufen. Ob es nun um die Frisur geht, das individuelle Tattoo oder eine kosmetische Behandlung: Am Ende soll sich der Kunde wohlfühlen. Deshalb ist Freude am Umgang mit Menschen für Berufe rund um den Körperkult wichtig. Aber auch ästhetisches Feingefühl und Kreativität zählen.

Tattoo und Co.: Berufe rund um den Körperkult.

Tattoo und Co.: Berufe rund um den Körperkult.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Schulabgänger, Berufseinsteiger, Berufserfahrene, Neustarter und Neustarter 40plus.

In diesem Artikel erfahren Sie:

  • Wie Ausbildung und Berufseinstieg im Bereich Beauty und Körperkult aussehen.
  • Wie die Berufschancen sind.
  • Tipps auf einen Blick.
  • Linkempfehlungen.

Traumberuf Tätowierer

Der 28-jährige Bobby Anders hat sich seinen Berufstraum erfüllt: Er ist Tätowierer im Berliner Tatoo- und Piercingstudio AKA. „Tattoos faszinierten mich schon früh … besonders die von meinem Großvater. Der hatte mit seinen Tattoos alte KZ-Tätowierungen überdecken lassen.“ Anders ließ sich mit 14 Jahren das erste Tattoo stechen. Doch die damalige Szene in Frankfurt am Main, wo er zuhause war, gefiel ihm nicht. „Diese Leute hörten Böhse Onkelz. Das Tätowieren war für sie keine Kunst.“ So verlor er das Interesse und studierte erst einmal Design in Darmstadt.

Vor zwei Jahren entdeckte er seine alte Liebe neu. Er kaufte sich eine Maschine und begann, sich selbst zu tätowieren. „Natürlich habe ich am Anfang viel falsch gemacht und zum Beispiel ungeeignete Nadeln benutzt“, berichtet Bobby Anders. Nach und nach aber brachte er sich das Wissen selbst bei. Dann fing er an, auch Freunden Tattoos zu stechen.

Bobbys großer Traum war es, bei AKA Tattoo in Neukölln zu arbeiten. „Ich wusste: Das Studio ist wirklich gut. Dort wollte ich hin.“ Und Bobby Anders bekam seine Chance. Er konnte von den Tattoo-Künstlern des Studios lernen. Erst wurde er für zwei Probewochen engagiert, dann für zwei Monate. Inzwischen ist er fest angestellt. Seit mittlerweile einem Jahr gehört er zu den Tattookünstlern des angesagten Studios, dessen Facebook-Seite knapp 45.000 Fans hat. Die Mitarbeit bei AKA hat ihn – wie er sagt –  „total gepusht“.

Tätowierer ist kein dualer Ausbildungsberuf

„Auch wenn Tätowieren und Piercen ein Hype ist … eine klassische Ausbildung gibt es dafür nicht“, erklärt Petra Cämmerer, Berufsberaterin bei der Arbeitsagentur Berlin-Süd. „Oft sucht sich der Nachwuchs ein Studio, das ihm gefällt, und lernt dort. Diese Ausbildung funktioniert also wie zu vergangenen Zeiten ohne Berufsschule und staatliche Abschlüsse.“ Am Anfang stehen Hilfsarbeiten und Zuschauen. Die Lernenden probieren sich zuerst an Schweinehäuten aus. „Tätowierer müssen natürlich zeichnen können, sie sollten aber auch verantwortungsvoll sein“, erklärt Cämmerer. Denn schließlich gehe es um die Gesundheit von Menschen.

Anders unterstreicht: „50 Prozent des Tätowierens ist Kunst, die restlichen 50 Prozent Hygiene. Deshalb sind auch Hygieneschulungen so wichtig.“ Neben Menschenkenntnis empfiehlt der studierte Designer Einsteigern, sich für die Tattoo-Szene zu interessieren. „Dazu gehören Kenntnisse über die Geschichte des Tätowierens, aber auch das Wissen um die neuesten Trends.“ Die Bereitschaft, sich fortzubilden, sei ebenfalls wünschenswert.

Vorher eine Ausbildung oder ein Studium absolvieren

Da „Tätowierer“ kein anerkannter Beruf ist, empfiehlt Cämmerer jungen Leuten, die dieses Berufsziel haben, erst einmal eine duale Ausbildung oder ein Studium zu absolvieren. „Später können sie immer noch ihrer Leidenschaft nachgehen.“

Ein Klassiker unter allen Berufen rund um den Körperkult ist der Friseur. „Das Friseurhandwerk ist unter den Schulabgängern immer noch sehr beliebt“, betont Cämmerer. „Doch inzwischen gibt es mehr offene Ausbildungsplätze als Bewerber. Das mag auch an der unattraktive Ausbildungsvergutung und den Arbeitszeiten, aber auch an der körperlichen Anstrengung liegen.“ Dennoch hält die Berufsberaterin die Ausbildung für eine gute Ausgangsbasis für beruflichen Erfolg. So könnten Friseure den Meisterabschluss erwerben und sich selbstständig machen.

Friseurhandwerk: Auszubildende sind gefragt

Die 48-jährige Ursula Gerber ist seit 32 Jahren mit Leib und Seele Friseurin, 19 Jahre davon in Berlin selbstständig. Seit 15 Jahren hat sie einen Salon in der Charlottenburger Grolmanstraße. Sie ist über Monate hin ausgebucht. „In diesem Jahr habe ich keinen Auszubildenden, weil ich niemand Passendes gefunden habe“, betont sie. Viele Bewerber hätten falsche Vorstellungen und wenig Ausdauer. „Für den Beruf braucht man die Leidenschaft, den Menschen etwas Gutes zu tun und die Bereitschaft, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen.“ Natürlich sei auch Kreativität wichtig, aber auch ein Gespür für Farben und Formen.

Gerber selbst hat ihren Beruf in der Schweiz gelernt und dort ihre Meisterprüfung abgelegt. Einige Jahre arbeitete sie als Geschäftsführerin, bevor sie sich selbstständig machte. „Wer ehrgeizig ist und an sich glaubt, kann weit kommen und gut verdienen“, so Gerber. Sie empfiehlt dem Nachwuchs, sich ein Ziel zu setzen und mit Freude und Ehrgeiz seine Kreativität auszuleben, um dieses Ziel zu erreichen. „Friseure können in Luxushotels im In- und Ausland arbeiten, aber auch zu Film- oder Fernsehproduktionen gehen, wenn eine Zusatzausbildung zum  Visagist oder Maskenbildner vorliegt.“

Kosmetik: Duale Ausbildung oder  Schule?

Die Kosmetik bietet ebenfalls Berufsperspektiven an. „Anders als bei den Friseuren ist es relativ schwer, in diesem Beruf einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, erklärt Cämmerer. Denn die meisten Kosmetiksalons sind „Ein-Frau-Unternehmen“, die nicht ausbilden. „Eine Kosmetikschule ist deshalb eine Alternative. Allerdings kostet sie Schulgeld.“

An der Kosmetikschule Berlin können Interessierte verschiedene Aus- und Weiterbildungen absolvieren, zum Beispiel in der Ganzheitskosmetik oder in „Fußpflege und Maniküre“. Schulleiterin Alexandra Nüske: „Unsere Kurse haben eine Länge von mehreren Wochen bis zu einem Jahr. Umschulungen werden häufig vom Jobcenter oder der Arbeitsagentur übernommen.“ So haben 65 Prozent der Absolventen bereits eine erste Ausbildung abgeschlossen.  „Bei uns geht es um die Pflege, nicht um Kreativität wie im Friseurhandwerk. In erster Linie behandeln wir gesunde Haut, aber auch Akne. Das muss jemand wissen, der sich für diesen Beruf interessiert.“

Nüske weiß, dass gerade junge Frauen oft falsche Vorstellungen von dem Beruf haben. „Viele glauben, dass Kosmetikerin und Visagistin das Gleiche ist. Natürlich muss man perfekt schminken können. Doch das Reinigen der Haut, die Fußpflege, die Ganzkörpermassage oder Enthaarung gehören ebenfalls zur Ausbildung und zur späteren Tätigkeit.

Gute Berufschancen für Kosmetikerinnen

Wer eine Kosmetikschule absolviert hat, kann in ganz unterschiedlichen Bereichen arbeiten. „Neben der Möglichkeit, sich selbstständig zu machen, bieten auch Hotels und Kreuzfahrtschiffe Arbeitsplätze für Kosmetikerinnen an. In Alten- und Krankenpflege-Einrichtungen werden sie ebenfalls gebraucht.“ Nüske sieht gute Berufschancen: „Uns  rufen regelmäßig alle möglichen Arbeitgeber wie etwa Reedereien an und fragen nach unseren Absolventinnen.“

Veronika Gracher hat die Kosmetikschule Berlin besucht und sich dann mit ihrer „Beauty Therapy“ selbstständig gemacht. Sie kommt ursprünglich aus einer ganz anderen Branche: „Ich studierte zuerst Spanisch. Danach absolvierte ich noch ein BWL-Studium mit den Schwerpunkten Marketing und Vertrieb.“ Die Akademikerin war anschließend viele Jahre für das Fernsehen tätig und verkaufte international Produktionen. „Mir wurde aber klar, dass ich diesen Beruf nicht bis zur Rente ausüben wollte. Deshalb orientierte ich mich noch einmal neu und griff den Kindheitstraum Kosmetikerin und Visagistin auf.“

Heute arbeitet Gracher als Ganzheitskosmetikerin im hochpreisigen Bereich. Denn schließlich ist sie mehrsprachig und kann sich mit ihren Kunden auf englisch, französisch und spanisch unterhalten. Sie absolvierte Weiterbildungen in der Visagistik sowie in der Farb- und Stilberatung. Ein Ladengeschäft hat sie nicht, sondern sie empfängt ihre Kundinnen in einem gediegenen Altbau mit Stuck. „Meine größte Motivation ist es, für die Menschen da zu sein. Oft schließen meine Kundinnen die Augen und erzählen mir viel, als wäre ich ihre Psychotherapeutin.“

Tipps für Berufseinsteiger:

  • Da Tätowierer kein klassischer Ausbildungsberuf ist, macht es Sinn vorher eine duale Ausbildung oder ein Studium in einem anderen Berufsfeld zu absolvieren.
  • Interesse an der Tattoo-Szene sollten künftige Tätowierer mitbringen. Auch zeichnerische Fähigkeiten sind wichtig. Im Friseurhandwerk zählen neben handwerklichem Geschick und Kreativität die Bereitschaft, den Kunden in den Mittelpunkt zu stellen. Freude am Umgang mit Menschen sollten Sie in allen Berufen rund um den Körperkult mitbringen. Fragen Sie sich, ob Sie diese Eigenschaften haben.
  • In der Kosmetik geht es nicht nur darum, den Kunden perfekt zu schminken, sondern auch um das Reinigen der Haut, die Fußpflege, die Ganzkörpermassage oder Enthaarung. Überlegen Sie sich, ob dass die Tätigkeiten sind, die Sie gerne ausüben wollen.

Fragen an Sie:

Ich freue mich, dass Sie diesen Artikel gelesen haben! Jetzt möchte ich Ihnen ein paar Fragen stellen:

  • Wollen Sie im Bereich Beauty und Körperkult arbeiten?
  • Haben Sie in diesem Bereich schon eine Ausbildung gemacht?
  • Welche Erfahrungen konnten Sie sammeln?
  • Welche Tipps würden Sie Anderen geben?
  • Gefällt Ihnen der Artikel?
  • Ist er hilfreich?

Bitte schreiben Sie es in die Kommentare! Vielen Dank!

Meine Linkempfehlungen:

(Hauptartikel veröffentlicht in der Berliner Zeitung, November 2015)
(Copyright 2015 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
    Article By :
    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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