Home » Berufswahl » Beruf mit Zukunft: Gute Jobaussichten für Erzieher

Erzieher werden händeringend gesucht. Der Rechtsanspruch auf einem Kita-Platz, der damit verbundene Ausbau der Betreuungsplätze und der Altersdurchschnitt in der Berufsgruppe macht pädagogisches Fachpersonal hoch begehrt.


Gute Berufsperspektiven für Erzieher.

Gute Berufsperspektiven für Erzieher.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Auszubildende, Berufseinsteiger, Schulabgänger, Berufserfahrene, Neustarter und Neustarter 40plus.

Stefan Schwintowski hat sich für eine berufsbegleitende Ausbildung zum Erzieher entschieden. Der gelernte Masseur und Bademeister empfand seinen ursprünglichen Beruf als „nicht nachhaltig“: „Ich arbeitete in einer geriatrischen Einrichtung und wusste, dass meine Patienten bald nach dem Ende der Therapie wieder behandlungsbedürftig sind.“ Da der 46-jährige schon immer gerne mit Menschen arbeitete, suchte er eine Alternative und wurde auf die Initiative „Mehr Männer in Kitas“ aufmerksam. Er informierte sich im Internet und erfuhr mehr über diese Möglichkeit für Quereinsteiger. Sie verbindet theoretischen Unterricht an einer Fachschule mit der praktischen Arbeit in einer Einrichtung.

Doch auch wenn der Bedarf an Erziehern groß ist, war Schwintowskis Einstieg gar nicht so einfach. Denn er musste nicht nur einen Platz bei einer Fachschule finden, sondern auch eine Halbtagsstelle in einer pädagogischen Einrichtung: „Ich bekam auf meine Bewerbungen zunächst nur Absagen. Denn viele Kitas kannten die berufsbegleitende Ausbildung noch gar nicht“, berichtet Schwintowski. „Sie suchten fertige Erzieher. Aber das war ich nicht.“

Birgit Herbst, Lehrerin an der katholischen Fachschule für Sozialpädagogik, sieht einen Grund für diese Schwierigkeiten in der Finanzierung: „Die Einrichtungen müssen diese Auszubildenden über ihren normalen Personalschlüssel finanzieren, obwohl diese gerade im ersten Jahr noch nicht so eingesetzt werden können wie ausgebildete Kräfte.“

Nach einigen vergeblichen Versuchen fand Schwintowski seinen Arbeitgeber in Glienicke-Nordbahn. Heute steht er im zweiten Jahr seiner berufsbegleitenden Ausbildung. Zwei Tage die Woche studiert er an der Fachschule für Sozialpädagogik im Katholischen Schulzentrum Edith Stein in Berlin, drei Tage die Woche ist er in der Praxis tätig … anders als seine Kollegen in der Vollzeitausbildung, die fünf Tage die Woche zur Fachschule gehen.

Ausbildungsplatzkapazitäten verdoppelt

Arbeit und Schule machen Schwintowski viel Spaß. „Meine drei Kinder finden es toll, dass ich zur Schule gehe.“ Auch seine Frau unterstützt ihn: „Wenn sie nicht so gut verdienen würde, könnte ich diese Ausbildung nicht absolvieren.“

Insgesamt drei Jahre lang wird Schwintowski wie seine künftigen Kollegen aus der Vollzeitausbildung in Lernbereichen wie etwa „Kommunikation und Gesellschaft“, „Musisch-kreative Gestaltung, Bewegung und Spiel“, aber auch „Organisation, Recht und Verwaltung“ unterrichtet. „Als konfessionelle Schule haben wir außerdem das Fach Religionspädagogik. Das ist aber kein verpflichtendes Prüfungsfach“, berichtet Dr. Martin Korte, Abteilungsleiter der Fachschule. „Gerade im multikulturellen Umfeld ist dieses Fach wichtig.“ Die Schule ist aber trotz ihrer konfessionellen Ausrichtung für Bewerber unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen offen.

Voraussetzung für eine Ausbildung zum Erzieher sind entweder Abitur beziehungsweise Fachabitur oder ein mittlerer Schulabschluss plus eine Berufsausbildung oder eine mehrjährige Berufstätigkeit. Wichtig sind aber auch die Softskills: „Pädagogische Fachkräfte sollten einfühlsam sowie kommunikations- und teamfähig sein. Beziehungsarbeit spielt im Umgang mit Kindern eine zentrale Rolle“, erklärt Korte. „Außerdem sind Erzieher Entwicklungshelfer, die Kinder dabei unterstützen, sich zu bilden. Deshalb sollten sie auch neugierig sein.“

Auf den Fachkräftebedarf hat die Politik nicht nur mit dem Einführung der Quereinstiegs reagiert, sondern auch mit dem Ausbau der Ausbildungsmöglichkeiten. Pressesprecherin Beate Stoffers von der Senatsbildungsverwaltung betont: „In Berlin wurden die fachschulischen Ausbildungskapazitäten in den zurückliegenden Jahren verdoppelt.“ Damit ist die Zahl der Fachschulen seit 2010 von 15 auf 35 gestiegen. Auch die Absolventenzahlen gingen nach oben: Machten im Schuljahr 2005/06 rund 800 Fachkräfte ihren Abschluss, waren es im vergangenen Jahr fast 1.700, also mehr als doppelt so viele! Auch die Zahl der Quereinsteiger in berufsbegleitender Ausbildung hat sich deutlich erhöht. Waren es 2011 im ersten Ausbildungsjahr 509, so lag ihre Zahl 2013 bei 952.

Nach der Fachschule sind die Berufsaussichten rosig: „Viele unserer Schüler bekommen meist schon im dritten Ausbildungsjahr einen Job angeboten. Wer in diesem Jahr noch keine Stelle hat, der will entweder noch studieren oder hat die Wahl zwischen mehreren Stellenangeboten“, so Herbst.

Jobcenter hilft bei Umschulung

Auch Markus Kesternich, Teamleiter beim Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Berlin-Mitte, sieht für Erzieher beste Jobaussichten: „Wer flexibel ist, findet immer einen Job und kann sogar zwischen den Angeboten wählen.“ Nur wer als Fachkraft zeitlich und räumlich stark eingeschränkt oder krank sei, habe Schwierigkeiten bei der Stellensuche. Immer öfter nehmen Arbeitgeber aber auch auf die familiären Verpflichtungen der begehrten Fachkräfte Rücksicht: „Inzwischen gibt es bei der Arbeitsgestaltung ungewöhnliche Wege wie etwa drei Tage Frühschicht und einen Tag Spätschicht. Immer öfter können Angestellten ihre Kinder in derselben Kita betreuen lassen, in der sie auch arbeiten.“

Da die Lage aus Arbeitgebersicht sehr angespannt ist, unterstützen Arbeitsagentur und Jobcenter Arbeitslose bei der Einmündung in den Beruf. „Wir finanzieren zum Beispiele Umschulungen und Praktika, damit Interessierte erst einmal in den Beruf reinschnuppern können“, erklärt Kesternich. Aktuell beginnt ein Projekt zur praxisbegleitenden Ausbildung. In Kooperation mit den Jobcentern und dem Sozialpädagogische Institut Berlin versucht es, arbeitslosen Menschen eine Ausbildung zu ermöglichen, die zwar motiviert sind, aber die üblichen Voraussetzung nicht mitbringen.

Bedarf herrscht in der Hauptstadt aber nicht nur an Erziehern im Kitabereich, sondern auch an den Schulen. „Sowohl in der offenen Ganztagsbetreuung brauchen wir Erzieher, als auch in der sogenannten gebundenen Ganztagsbetreuung, bei der sich Unterrichts- und Freizeitphasen den Tag über abwechseln“, so Stoffers.
Wer aus einer verwandten Berufsgruppe wie etwa der Sport- oder Musikpädagogen kommt, kann auch direkt als Quereinsteiger in einer Kita eingestellt werden. Kesternich: „Allerdings ist so eine Einstellung an bestimmte Voraussetzungen gebunden und bedarf einer besonderen Beratung.“

Wer sich berufsbegleitend ausbilden lässt, aber mit dem Verdienst weder sich noch seine Familie ernähren kann, hat Anrecht auf Hartz IV-Aufstockung. Gerade jüngeren Leuten bietet sich auch das BAföG als Finanzierungsmöglichkeit für die schulische Ausbildung an. „Auch wenn der Bedarf an Erziehern groß ist, gibt es keine einheitliche Finanzierungsmöglichkeit, sondern nur Einzelfallregelungen“, so Kesternich. Er betont: Trotz aller Maßnahmen ist das Problem des Erziehermangels noch nicht gelöst.

Linktipps:

Informationen über Wege in den Beruf, Voraussetzungen, Ausbildungsstätten und mehr finden sich unter: www.erzieher-werden-in-berlin.de

Wer mehr über den Quereinstieg in den Beruf des Erziehers wissen will, wird auf dieser Website fündig:
www.kita.de/wissen/erzieher/quereinstieg-erzieher

Wer sich für Finanzierungsmöglichkeiten der Ausbildung interessiert, erfährt auf folgenden Internetseiten mehr: www.erzieherin.de/perspektiven-der-erzieherinnenausbildung-ausbildungsmodelle-und-ihre-finanzierung1.php

 

(Veröffentlicht in der Berliner Zeitung, Juli 2014)

(Copyright 2014 by Anja Schreiber)

  • Anja Schreiber
    Article By :
    Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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