Karriere als Pflegekraft: Aufstieg im Gesundheitswesen

Karriere von der Krankenschwester zur Akademikerin mit Führungsposition.

Wie Pflegepersonal den Aufstieg im Gesundheitswesen schafft.
Wie Pflegepersonal den Aufstieg im Gesundheitswesen schafft.

Für wen dieser Artikel besonders interessant ist:

  • Berufseinsteiger und Berufserfahrene.

Die 38-jährige gelernte Krankenschwester Marion Kober-Schebesta hat durch Weiterbildung ihrer Karriere einen Kick gegeben. Sie stieg im Stuttgarter Katharinenhospital zur Stationsleitung auf. 2014 beginnt sie noch ein berufsbegleitendes Bachelorstudium im Fach Pflegemanagement. „Gerade die Verbindung zwischen praktischem Können und theoretischem Hintergrundwissen finde ich sehr wichtig“, betont Kober-Schebesta. „Zusätzliches Wissen und die Reflexion darüber waren auch Bestandteil meiner bisherigen Weiterbildungen. Das hat meine Arbeit auf der Station positiv beeinflusst. Deshalb habe ich mich auch für ein Studium entschieden.“ Außerdem macht es ihr Spaß, ihr Handeln wissenschaftlich begründen zu können. Und sie freut sich, ihr Führungswissen, aber auch ihre betriebswirtschaftlichen Kenntnisse zu vertiefen.

Ihr Interesse am Pflegeberuf entstand, als sie sich ehrenamtlich im Deutschen Jugendrotkreuz engagierte. „Schon früh hatte ich den Wunsch, mein medizinisches Wissen weiterzugeben.“ So machte sie nach ihrer Ausbildung eine Weiterbildungzur Praxisanleiterin. Dort lernte sie, junge Pflegeschüler und neue Mitarbeiter auf der Station einzuarbeiten. In dieser Zeit erkannte Kober-Schebesta auch, dass ihr das Führen anderer Mitarbeiter lag. So übernahm sie auch bald die Schichtleitung und später die Stationsleitung. Gleichzeitig absolvierte sie die entsprechende Weiterbildung. „Das war für mich sehr wichtig, denn dort lernte ich alle wichtigen Inhalte wie etwa Führungs- und Pflegethemen kennen, aber auch das Organisations- und Prozessmanagement.“ Gleichzeitig konnte sie dieses Wissen sofort in die Praxis umsetzen.

Berufsbegleitendes Studium

Elvira Schneider hat wie Marion Kober-Schebesta ebenfalls die Weiterbildung zur Praxisanleiterin und für die Stationsleitung absolviert und dann eine akademische Laufbahn eingeschlagen. Zuerst studierte sie berufsbegleitend Pflegemanagement und schloss das Studium mit dem akademischen Titel Diplom-Pflegewirtin (FH) ab. Danach wechselte die heute 48-Jährige das Betätigungsfeld: „Ich wurde Referentin bei der Pflegedirektorin des Klinikums Stuttgart.“ Drei Jahre danach begann sie ein berufsbegleitendes Masterstudium im Fach Management und Führungskompetenz. Inzwischen hat sie nicht nur dieses Studium erfolgreich abgeschlossen, sondern ist auch zur Pflegerischen Leitung des Zentrums für Innere Medizin aufgestiegen. Damit ist sie jetzt die Vorgesetzte für 550 Pflegekräfte im Klinikum Stuttgart. In der Hierarchie über ihr steht nur noch die Pflegedirektorin.

„Ich wollte nie Dienst nach Vorschrift machen. So habe ich mich für die Mitarbeiterführung interessiert. Doch diese wird einem nicht in die Wiege gelegt, dafür braucht es neben der praktischen Erfahrung auch theoretisches Wissen“, betont Schneider. Während ihres ersten Studiums hatte sie Interesse am wissenschaftlichen Arbeiten gefunden. Deshalb entschied sie sich für den weiterführenden Masterstudiengang. Außerdem war ihr bewusst, dass einem akademische Ausbildung immer wichtiger wird. „Zwar reicht theoretisch noch eine Weiterbildung zur Pflegedienstleitung, aber eigentlich wird heute ein Bachelorabschluss vorausgesetzt.“

Unterstützung vom Arbeitgeber

Auch für ihre Mitarbeiter hat Schneider den Wert akademischer Weiterbildung erkannt: „Ich bestärke unsere Pflegekräfte, zum Beispiel noch ein Bachelorstudium zu absolvieren. Schließlich geht der Trend in Richtung Bachelorstudium – auch für Mitarbeiter, die als Stationsleitung arbeiten.“ Die Möglichkeiten für Pflegekräfte, sich weiterzuqualifizieren, sind äußerst vielfältig: „Neben der Pflegewissenschaft und dem Pflegemanagement bietet sich zum Beispiel auch die Pflegepädagogik als Studienfach an. Dieses Studium ist insbesondere für Kollegen interessant, die die Nachwuchskräfte ausbilden“, betont Yvonne Veit, Bildungszentrumsleiterin am Klinikum Stuttgart. „Es gibt bei uns zum Beispiel auch Kollegen, die inzwischen einen Master in Erwachsenenbildung haben.“ Das Klinikum Stuttgart unterstützt auch Pflegekräfte weit jenseits des 40. Lebensjahres bei der Weiterbildung: „Unsere Mitarbeiter können ihre Stundenzahl um 20, 30 oder gar 70 Prozent reduzieren“, so Veit.

Auch die Arbeitsvermittlerin Christina Lampropoulou von der Agentur für Arbeit sieht vielfältige Möglichkeiten, sich weiterzuqualifizieren und damit den eigenen Aufstieg zu befördern, zum Beispiel durch eine Weiterbildung zum Fachwirt für Alten-´und Krankenpflege oder zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen. „Diese ein- bis zweijährigen Kurse eröffnen eine große Bandbreite an späteren Einsatzmöglichkeiten wie etwa in Reha-Einrichtungen, Altenheimen oder ambulanten Diensten. In der Regel arbeiten diese Mitarbeiter als Fach- und Führungskräfte auf der mittleren Managementebene.“

Wer weiter aufsteigen will, kommt in vielen Fällen um ein Studium nicht herum. So sieht Angela Schönbrodt, Beraterin für Akademische Berufe bei der Arbeitsagentur Stuttgart, ein MBA-Studium als eine Alternative für akademische Pflegekräfte. „Ärzte und Juristen können dieses Studium genauso absolvieren wie Pflegewissenschaftler oder Sozialarbeiter. Gerade der Master of Business Administration lebt von den verschiedenen Zugängen der Studierenden.“ Sie empfiehlt, den Arbeitgeber in die eigenen Fortbildungspläne einzubeziehen. Häufig ist er daran interessiert, gute Fachkräfte an sich zu binden, und unterstützt den Arbeitnehmer entsprechend.

(Veröffentlicht in der Süddeutschen Zeitung, November 2013)
(Copyright 2013 by Anja Schreiber)

Anja Schreiber
Anja Schreiber
Anja Schreiber arbeitet seit vielen Jahren als freie Fachjournalistin zu den Themen Bildung, Studium und Beruf. Sie schreibt unter anderem für die Berliner Zeitung, Stuttgarter Zeitung und Süddeutsche Zeitung, aber auch für Hochschulmagazine, Onlinemedien und eine wissenschaftliche Publikation. Außerdem bloggt sie regelmäßig.

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